Unter dem Altar der Kathedrale von Santiago des Compostela betete ich vor der Silberlade mit den sterblichen Überresten des Apostels Santiago el Mayor, der heilige Jakobus der Ältere. An diesem Tag war ich auf meiner Pilgerreise von Lourdes aus in Santiago nach 900 km angekommen.
Ich fühlte mich wie ein Blatt im Wind: um auf diese Pilgerreise auf dem Jakobsweg zu gehen, hatte ich meine Wohnung aufgegeben und meine Habe verkauft oder eingelagert, meinen beruflichen Standort riskiert, meine Praxis als Heilpraktikerin verwaisen lassen, mein allerletztes Geld eingesteckt. Auch meinen 13-jährigen Sohn hatte ich aufgegeben: Er war vor 1 ½ Monaten auf eigenen Wunsch für ein Jahr zu seinem Vater nach Kanada gezogen und ich wusste nicht, ob er danach wiederkommen würde.
Mit meinem Freund Santiago bin ich von Berlin nach Lourdes getrampt und dann sind wir von dort 32 Tage lang fast ständig den ganzen Tag lang gelaufen, manchmal 12 bis 14 Stunden am Tag. Wir haben in den einfachsten Herbergen und im Freien übernachtet, in den 4,5 Wochen von 400 Euro gelebt. Unterwegs haben wir unzählige Rosarios gebetet, waren wohl in jeder offenen Kirche und haben jeden abendlichen Gottesdienst besucht. Jeden Abend war ich erschöpft und nur „Handlauflegen sei Dank!“ mit einer Stunde abendlicher Selbstbehandlung, vor allem der schmerzenden Beine und Füße, am nächsten Tag wieder abmarschbereit. Meine Füße waren voller Blasen, 8 Kilo hatte ich abgenommen. Auch Santiago hatte ich zwischenzeitlich aufgeben müssen. Ich stand vor dem Nichts.
Und nun war ich in Santiago. Ich hatte mir alles ganz anders vorgestellt. Meine Intention der Pilgerreise war es, Jesus Christus noch näher zu kommen und seine Form der Heilung noch besser zu verstehen und mich mit Santiago auf unser neues Leben einzustellen. Doch die Realität und damit Gott hatten mir ein anderes Gesicht des Camino bereitet. Ohne Zweifel war ich Jesus Christus sehr nahe gekommen, weil ich versuchte, ihm täglich in den Kirchen zu begegnen, um meine aktuellen schmerzlichen Erfahrungen an Körper und Seele zu ertragen und Antworten auf meine Fragen zu erhalten. Und nun: ich hatte nichts mehr außer mir selbst, ein paar Möbeln und Kartons und ich war in Santiago.
Und nun saß ich dort im Halbdunkel, das Gesicht der Silberlade zugewandt. In stillem Zwiegespräch wandte ich mich an den Heiligen Santiago. „Ich bin hier hergekommen, um auf dem Weg mehr über das Heilen in der christlichen Tradition zu lernen, doch das alles hat sich nicht erfüllt. Kannst Du mir jetzt etwas über das Heilen sagen?“ Da hörte ich die Stimme des Apostel in mir: “Du bist schon lange eine von uns! Du heilst schon auf die Art, wie wir heilen. Du bist doch schon da!“
Lukas 14 (Hoffnung für alle): Jesus fordert alles: Ist das zuviel?
25 Wie schon oft, war Jesus von einer großen Menschenmenge umlagert. Bei dieser Gelegenheit machte er seinen Zuhörern deutlich: 26 «Wenn einer mit mir gehen will, so muss ich für ihn wichtiger sein als alles andere in seinem Leben: wichtiger als seine Eltern, seine Frau, seine Kinder, seine Geschwister, ja wichtiger als das Leben selbst. Nur so kann er mein Jünger sein.27 Wer nicht bereit ist, diese Lasten um meinetwillen auf sich zu nehmen und mir nachzufolgen, der gehört nicht zu mir. … 33 Überlegt es euch vorher, ob ihr wirklich bereit seid, alles für mich aufzugeben und mir nachzufolgen.


