Barceloneta am Strand

Zum Jahreswechsel 2006/2007 machte ich drei Wochen Ferien in Barcelona. Mein Sohn besuchte in dieser Zeit seinen Vater in Kanada und Santiago seine Familie in Barcelona, da hatte ich mich ihm angeschlossen. Die ersten acht Tage hatte ich mir von einer Italienerin eine süße, kleine Jungmädchenbude unterm Dach in der Altstadt in dem angesagten Stadtteil Born, ganz in der Nähe der Kirche Santa Maria del Mar, gemietet. Es war sehr schön warm tagsüber, 17 Grad und sonnig, doch auf die Dauer war es in der Wohnung recht kalt, da ich die Heizung trotz Beschreibung nicht anbekam. Aus einer Email an meine Familie und Freunde stammen diese Zeilen:

“Ich bin gleich am ersten Tag raus, um all dies hier zu entdecken. Ich fühle mich hier wie Alice im Wunderland, staunend auf Entdeckungsreise. Hinter jeder Ecke taucht etwas Neues auf, ein romantisches Plätzchen, eine Kirche, ein altes Kastell, Prachtbauten, enge Gässchen, trotzdem mit Bäumen, ein kleiner Markt, ein herrschaftlicher Platz mit Cafés und Palmen. Göttlich, das gefällt mir.

Ich fühle mich hier in Barcelona wirklich einfach sofort heimisch, als ob ich hier schon einmal gelebt hätte und finde mich in dem Gassen-Gewirr schnell zurecht. Alles ist nicht weit und prima zu erlaufen. Barcelona ist wie mit Santiago zusammen sein: es lädt mich auf und macht mich glücklich.

Catedral St. Eulalia aus Wikicommons

Plötzlich tauchen vor mir Kirchentürme auf und ich laufe darauf zu, es ist die Kathedrale von Barcelona. Das zieht mich immer an, denn die Atmosphäre alter Gotteshäuser, in denen viel gebetet wird, hat ihren eigenen Charme und eine spürbare umsorgende und herzerhellende Atmosphäre. In einer der kleinen Kapellen hinter dem Hauptaltar finde ich meine erste Gebetsstation “Sagrado Corazón de Jesus” steht da “das heilige Herz Jesu”. Und eine Sammelbox: Por los Pobres: Für die Armen. Er zeigt mit beiden Händen auf sein Herz, als wenn er sagen wollte: darauf kommt es an. Sein Herz prangt glänzend golden auf seiner Brust, es zieht mich sehr an. Ich hole mir eine Kerze, um sie hier für Santiago und mich anzuzünden und all die, mit denen ich in Liebe verbunden bin. Ungefähr eine Stunde verharre ich hier betend. Ich verbinde mich mit seinem geheiligten Herz, das ist eine unfassbare Erfahrung.

Ich lasse diese Energie in mein Herz fließen und ich spüre ganz, ganz deutlich die Aussage: Es war absolut richtig, hier herzukommen, um all die neuen Themen für das nächste Jahr anzugehen. Da mein erstes Seminar des kommenden Jahres sich um Liebe und Partnerschaft dreht, ist dieser Orts- und Perspektivwechsel jetzt wichtig. Die Kernbotschaft, die ich beim geheiligten Herz Jesu erhalten habe, heißt: Liebe einfach, alles andere wird sich finden und regeln. Einfach nur lieben und nicht denken! Eine wunderbare Botschaft!”

El Sagrado Corazón de Jesus St. Eulalia Barcelona

Ab diesem Tage war ich in der Kathedrale Stammgast, da ich mich hier immer in Ruhe und in aller Beschaulichkeit und – das war wichtig – ohne Geld aufwärmen konnte. Stunden verbrachte ich dort, intensiv verbunden in stiller Zwiesprache mit Jesus. Ich stellte ihm all die brennenden Fragen, die ich hatte, redete mir allen Kummer von der Seele und erhielt Antworten. Und wer ihn noch nicht antworten gehört hat: es sind klare und einfache Antworten, die eben wirklich vom Herzen kommen. Oft beginnt er mit „Das ist ganz einfach…“ und das ist es dann auch. So als ob man auf dem Boden ankommt und das tut, was das Nahe liegende ist: ohne Gedankenkonstrukte, ohne Wertungen, gerecht und entspannt. Wir schauten uns gemeinsam die Realität an und anhand der Realität erklärte er, was denn nun am sinn- und liebevollsten zu tun wäre. Es ist nicht immer einfach, das umzusetzen, schon weil man sich manchmal erschreckt fragt, ob es denn überhaupt so klar geht.

Ich habe mir aus der Kathedrale eine Votiv-Kerze mit seinem Foto mitgebracht, die über Wochen immer wieder bei mir brannte, wenn ich Rat oder Trost brauche. Und das war in diesem so jungen Jahr eine ganze Menge, weil es meinem Sohn nicht gut ging. Ich habe mich immer wieder im Licht der Kerze mit “El Sagrado Corazón de Jesús” verbunden und mir seine Energie in mein Herz fließen lassen, was sehr, sehr heilend war und meine innere Unruhe und meine Sorgen und Ängste linderte.

Mein Herzenswunder

In der Nacht zum Valentinstag hat die Kerze wieder einmal lange gebrannt. Als ich dann tagsüber in mein Zimmer trat, da war die Kerze zwischendurch umgefallen und hat mir auf dem Nachttisch ein Herz aus Wachs hinterlassen. Seht her, das ist für mich (m)ein Valentinstag-Wunder! Es ist einfach unglaublich berührend und beglückend, von Jesus direkt ein Herz geschenkt zu bekommen.

In der Folgezeit habe ich ihn ständig aufgesucht und – ich habe ihm häufig Reiki[1] geschickt und zwar auf die Zeit[2] seines Leidensweges, zu dem Tag, als er das Kreuz durch Jerusalem und nach Golgatha getragen hat, als er am Kreuz hing. Als ich es das erste Mal tat, hörte ich in mir die Worte: „Na endlich bist Du da!“. Ich habe ihm immer wieder zu dieser Zeit Reiki geschickt und in die Zeit nach der Auferstehung Reiki auf seine Hände und seine Füße. Nicht dass ich denke, dass er nicht selbst über Heilkräfte verfügt, selbst Gott ist, aber ich weiß, es ist auch schön, wenn man selbst mal in einer schweren Situation diese wunderbare Energie bekommt. Einmal habe ich auch direkt seinen Tod mit meinen Händen miterlebt. Zunächst hatte ich sehr starke Energieempfindungen in meinen Händen, sie glühten förmlich und dann spürte ich plötzlich etwas sehr, sehr Helles, Leichtes, Feines in Richtung Himmel entweichen. Dann wurden meine Hände langsam kalt. Das einzige, was ich dann noch fühlte, war, als ob in seinem Körper „eine Art Notstromversorgung angeschaltet wurde“.

Er ist mein Halt, mein Ratgeber, jemand, der es immer freundlich mit mir meint, der immer meint, was er sagt, er ist immer für mich da, meine Quelle.

Auf dem Camino, in Arzua in Galizien, suchten wir eine Quelle, denn wir hatten Durst und nichts mehr zu trinken. Ich wiederholte in mir die ganze Zeit: „Wir brauchen eine Quelle, wir brauchen eine Quelle“. Wir fanden eine Kirche mit Ihm (und im Gemeindebüro ein Büchlein über die Erscheinungen von Fátima). Jesus ist die primäre Quelle, das lebendige Wasser. Das wurde mir dort wieder bewusst. Nach dem Rosario-Gebet in seinem Angesicht fanden wir hinter der Kirche einen Brunnen mit Wasser.

Selbst in schweren Stunden sagt er zu mir: Ich bin hier bei dir, ich bin da! Er tröstet mich. Ich empfinde „El Sagrado Corazón de Jesús“ als meinen geliebten Freund, der mich durch meinen Freund als menschlichen Stellvertreter auch in der Realität liebt und der durch mich liebt. Wir sind täglich in Kontakt, kein Tag vergeht ohne ihn, ich richte viele meiner Fragen an ihn. Auch auf dem Camino de Santiago suchte ich immer wieder „El Sagrado Corazón de Jesús“ in den Kirchen und Klöstern und freute mich immer wieder riesig, wenn ich ihn sah. Ich habe jede Gelegenheit genutzt, mich mit ihm in Verbindung zu setzen und mit ihm zu sprechen. Hier eine Sammlung von unserem Weg.:

El Sagrado Corazón de Jesús

Auch die Gemeinde, in der ich jetzt zuhause bin, ist eine Herz-Jesu-Gemeinde. Wenn ich mich mit ihm in einer Kirche oder mit seinem Bild unterhalte, dann wird seine Statue oder das Bild oft lebendig. Die Umgebung der Statue verklärt sich, wie Luft, die über einem Feuer brennt, und beginnt die Statue beginnt, sich zu bewegen. Das bleibt dann so bis zum Ende des Gesprächs. Ähn­liches ist mir später auch mit Santa Maria Virgen passiert. Bei Gottesdiensten geschieht dies – vor allem in Kirchen mit Hochaltar – mit dem gesamten Altargebiet und dies verstärkt sich besonders in den Momen­ten, wo gebetet oder gesungen wird. Die göttliche Energie wird für mich deutlich sichtbar und spürbar.

In vielen Zwiegesprächen hat er mir viele der Zusammenhänge und Übungen erklärt, die ich in einer An­leitung zum Handauflegen niederschrieb. Ich habe mir angewöhnt, regelmäßig zu ihm zu beten und ihn in mein Leben integriert. Und dies ist mein persönliches Gebet an ihn, (seit dem Camino bete ich noch immer in Spanisch, was mir mehr zu Herzen geht als das Deutsche) das ich aus einem Fátima-Gebet abgeleitet habe: Jesus Christus, te amo, te adoro, te necesito, te espero y te confio, te agradezco por todo con que tu llenas mi vida, te sigo. Te pido por tu amor, tu resurrección, tu guía, tu ayuda,  tu protec­ción  y tu bendición – Ich liebe Dich, ich verehre Dich, ich brauche Dich, ich hoffe auf Dich und ich vertraue Dir, ich danke Dir für alles, womit Du mein Leben füllst, ich folge Dir. Ich bitte Dich um Deine Liebe, Deine Auferstehung, Deine Führung, Deine Hilfe, Deinen Schutz und Deinen Segen. Amen.

Nach dem Camino hat er immer mehr von meinem Leben Besitz ergriffen, er will einen zu 100 %, das wird wohl jeder Christ bestätigen können. Er ist kein Hobby, er ist ganztags, 24/7, immer. Ein deutliches Bekenntnis – darunter geht es nicht. Vor kurzem erhielt mein Sohn eine Tüte T-Shirts geschenkt, eines gab er gleich an mich weiter: „I ♥ Jesus and Jesus ♥’s me“ stand da drauf. Manchmal muss ich tief durchatmen, doch:

Lukas 9 (Hoffnung für alle)

26 Wer sich schämt, sich zu mir und meiner Botschaft zu bekennen, den wird auch der Menschensohn nicht kennen, wenn er in seiner Macht und in der Herrlichkeit des Vaters und der heiligen Engel kommen wird.

Als ich dann jedoch in dem T-Shirt am Alexanderplatz an einer Gruppe Hare Krishna Jünger vorbeikam, die dort singend in ihren langen orangenen Gewändern tanzte, da musste ich – wieder – über mich selbst lachen… Ich mache mir einen Kopf um das T-Shirt und die singen und tanzen da, mit Verstärker,  für ihren Glauben als junge Männer in langen, orangen Gewändern. Das ist Glauben, das ist Verehrung, zum Abgucken, zum Fühlen, in aller Deutlichkeit!  So finde ich in der Form, wie Jesus mir im Außen zeigt, wie ich mich selbst verhalte, auch viel Humor.

Es ist keine Angst, die mich bewegt, diesen Weg weiterzugehen. Durch seine Präsenz erhalte ich so viel, dass ich gar nicht anders kann, als ihm zurückzugeben und dazu zu stehen, was ich tue. In keiner Zeit habe ich so kondensiert über die Liebe gelernt wie unter seiner Führung, so viel erfahren, so viel verstehen können. Er stellte meine ganze bisherige Welt auf den Kopf.

Über Liebe reden ist eine schöne Sache, Liebe jedoch in Gemeinschaft, z.B. in Familie zu leben eine ganz andere. Da kommen nämlich erstmal all die kleinen unfeinen eigenen Ecken und Kanten hoch, mit denen wir uns Fragen stellen, wo wir den anderen tatsächlich oder für uns im Stillen anklagen, uns beschweren, Fragen wie „Warum muss denn immer ich…?“ oder „Kann der/die nicht auch einmal…?“, all das „den Anderen nicht für gut halten“. Wer nicht in der engsten Gemeinschaft mit anderen Liebe, Zugewandtheit, uneingeschränktes Teilen und Frieden halten und leben kann, der hat in der Liebe noch viel Wachstumspotential, das habe ich in dieser Zeit an mir selbst intensiv gemerkt. All diese inneren Fragen führten mir immer wieder meine eigene Lieblosigkeit vor Augen, meine sture Erwartungshaltung darüber, wie Liebe sich anfühlen sollte, meist ungeachtet dessen, wie der Andere sich fühlte.

Er hat mir die Frage aller Fragen gegeben, um meine Denkweisen und Gedanken zu sortieren, Entscheidungen zu treffen und zu erkennen, wohin mein Weg führt, wo es voran geht: „Ist das wirklich Liebe? Fördert dieser Weg die Barmherzigkeit unter den Menschen, fördert er deine eigene Barmherzigkeit, die Barmherzigkeit des oder der Anderen?“

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