Santiago wird an dieser Stelle etwas über seine Herkunft, seinen Weg nach Europa und seine Motivation schreiben.

Santiago y su charango

Meine Kindheit in Quito

Ich bin ein 44-jähriger Mann und bin am 28. Dezember 1965 in Quito geboren, der Hauptstadt Ecuadors in Südamerika. Heutzutage lebe ich in Berlin, Deutschland und dies war mein größter Lebenstraum.  Mein Vater war von Beruf Zimmerman, aber aufgrund von Geschehnissen im Leben eines menschlichen Wesens ergab es sich, dass er als Kurier und Briefträger der staatlichen Post Ecuadors in Quito arbeitete.

Als ich 7 Jahre alt war, hatte ich das Glück ihn zu verschiedensten Gelegenheiten seiner täglichen Routine begleiten zu können, wo ich die Entwicklung seiner Arbeit beobachten konnte. Die Post hatte ihm ein Fahrrad zur Verfügung gestellt für eine tägliche Fahrstrecke von ungefähr 20 bis 30 km am Tag, so ganz genau weiß ich es nicht mehr. Aber diese Strecke hatte er vor dem Fahrrad täglich zu Fuß bewältigt. Als ich ihn begleitete, fuhr ich auf der Fahrradstange mit, die den Sitz mit dem Lenker verbindet. Heute frage ich mich, warum er, so wie er war, ein sehr geschickter Mann nie sich darum kümmerte, hinten am Fahrrad einen  Gepäckträger anzuschweißen. Auf jeden Fall war es sehr abwechslungsreich, mit Quitos Panorama vor der Nase auf dieser Stange zu sitzen.

Wenn ich ihn zu begleiten hatte, musste ich am Abend vorher früh zu Bett gehen, damit ich am nächsten Morgen auch früh aus dem Bett kam. So nahmen wir Kurs auf seine Dienststelle, um die Post abhzuholen, sortierten sie nach Straßen oder Namen und machten uns auf die Verteilungstour, die ungefähr 6 bis 8 Stunden dauerte. Schon auf der Strecke, erinnere ich, machen wir auch mal Pause, suchten ein Laden, um etwas zum Essen zu kaufen, meistens gab es Brötchen und um eine Coca Cola zu trinken. Ich erhielt ein Glas Cola und er trank die übrige Hälfte direkt aus der Flasche. Der besondere Genuß für ihn war es, seine Cola zu trinken und dazu eine Zigarette zu rauchen, eine Kombination, die ich nie verstehen werde.

Aber ich begleitete ihn nicht nur morgens, sondern er nahm mich auch öfters mit am Nachmittag, wo er gelegentlich als Zimmermann arbeitete. Ich erinnere mich daran, dass wir einmal das Haus eines Elektronik-Ingenieurs besuchten, der der Rektor eines Ausbildungsinstituts war, wo meine Eltern Hausmeistertätigkeiten versahen. Ich muss wohl so 3 oder 4 Jahre alt gewesen sein. Das allererste, was mir besonderes Wohlbehagen schenkte, war, dass dieser Ingenieur uns mit seinem Lieferwagen mitnahm, der sehr geräumig war und der einen intensiven Geruch nach einem sehr teuren Herrenparfum verströmte, da dieser Ingenieur eher wohlhabend war.

Sein Haus war sehr schön möbliert und still, völlig anders als ich es bisher kannte. Seine Hausangestellte rief uns, um uns Kaffee zu servieren und ich war überrascht, dass der Kaffee mit Milch zubereitet war- Das kannte ich bisher nicht, da unsere Familie aus Papa, Mama und 5 Geschwistern bestand. Das Gehalt meines Vaters reichte nicht, um Kaffee zu trinken, der mit reiner Milch zu trinken war. Dieser Ingenieur verstand sich darauf, Flugzeuge aus Balsaholz zu bauen und sie zu verkaufen. Eines Tages, als mein Vater wieder die Arbeit fortsetzte, die er an seinem Haus zu erledigen hatte, erhielt ich als Geschenk ein Flugzeug aus Balsaholz.

Ich konnte es kaum glauben, dass war so wundervoll, als dass es eigentlich war sein könnte. Es war ein sehr leichtes Spielzeug, ganz prachtvoll hergestellt. Ich erinnere den Moment, als er mir das Flugzeug gab und mir sagte, dass er es bewaffnet hatte und ich ihm mal meine Meinung dazu sagen sollte. Als wir wieder zuhause ankamen, hatte ich es ausgestattet und machte mich daran, mit meinen Geschwistern und Freunden aus unserem Viertel damit zu spielen. Was ich nicht erinnere ist, wie es dazu kam, dass ich es verlor und wie viel Zeit ich es hatte, aber ich glaube, dass ich es eine lange, lange Zeit an meiner Seite hatte.

Diese Geschichte wird irgendwann weitergehen…einfach in ein paar Wochen noch einmal nachschauen…

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