Auf dem Weg nach Pamplona

Die Tagesstrecke nach Pamplona hinein war eher kurz. Jesús schloss sich Santiago an und beide legten einen strammen Schritt vor, was meine blasigen Füße nicht so unendlich freute. An der nächsten Wasserstelle packte ich mein Dilemma aus und Santiago stach mir die Blasen auf. Wir kamen mit einem spanischen Paar aus Pamplona ins Gespräch, die heute auf ihrer letzten Etappe ihrer 14-tätigen Pilgertour unterwegs waren. Sehr schnell erreichten wir über die Brücke von Trinidad de Arre die Vorstadt von Pamplona. Es war Sonntagmorgen, die Kirche gleich nach der Brücke war überfüllt.  Über die alte Brücke Puente de la Madalena und durch das Festungstor Puerta de Francia betraten wir Pamplonas bezaubernde Altstadt. Wahrscheinlich laufen alle Pilger auf eine ähnliche Weise durch Pamplona. In einem großen Strom Menschen taumelt man kreiselnd durch die Straßen, verzückt ob der Schönheit, die man mit den Augen einfangen will, und immer sich wendend und nach oben schauend auf die Pfeile und Muscheln. Es ist, als ob man im Mittelalter einkehrt. Auch wenn es viele moderne Geschäfte dort gibt, an diesem Sonntag war fast alles geschlossen und der Charakter und Charme der alten Gemäuer rückte in den Vordergrund.

...immer wieder bergauf...

Die erste große Stadt am Weg: Einkehr durch die Puerta de Fráncia in Pamplona

Wir blieben, nach nur 16 km Laufpensum! Pamplona wollten wir uns genauer ansehen. „Jesús y Maria“ hieß die nigelnagelneue Herberge in einem alterwürdigen Kirchengebäude [1] in Pamplona. Die Etagenbetten waren auf mehreren offenen Stockwerken halbkreisförmig um einen Mittelsaal angeordnet. Luxus! Jedes Bett hatte seine eigene Lampe, seine eigene Steckdose für da

Jesús y María in Pamplona

s Aufladen der Handys. Es gab sogar eine Waschküche mit Waschmaschine; aufgrund unserer frühen Ankunft konnten wir ausführlich alles durchwaschen, wir waren ja schon 13 Tage unterwegs. Auch die Küche war schick eingerichtet in Pamplona – echtes Ikea – und Santiago kochte „Arroz con habichuela“, Reis mit Linsen. Dies ist gleichzeitig auch einer unser Lieblings-Salsa-Hits von „El Gran Combo de Puerto Rico“ und ein Sinnbild für uns als Paar, meine Haut ist weiß wie Reis, seine Haut braun wie Linsen. Santiago traf Markus und André wieder, die beiden Freunde vom Col de Lepoeder. Sie zogen sich gegenseitig kräftig auf, beide hatten das Doppelstockbett neben uns.

In Pamplona unterwegs

Es war Sonntag, inzwischen war es heiß und wir entschieden uns nach einer Pause auf dem beschaulichen Innenhof der Herberge für einen geruhsamen Nachmittag an der Zitadelle, im Grünen, mal ohne Rucksack unterwegs sein. An der Westseite der Zitadelle entdeckten wir eine große Gruppe von Ecuadorianern, die dort ihren Sonntagnachmittag verbrachten. Wir setzten uns dazu und so konnte mir Santiago zeigen, wie in seinem Land die Freizeit am Wochenende verbracht wurde. Die ganze Familie war gemeinsam unterwegs und hatte Picknick dabei, die Frauen unterhielten sich, die Kinder wuselten spielend drum herum, die Männer betätigten sich sportlich bei Volleyball, Fußball, beim Zuschauen und Anfeuern. Eine von Grund auf friedliche Gemeinschaft. Eines Tages werde auch ich mit Santiago Ecuador kennen lernen, ganz sicher.

Auf dem Rückweg von der Zitadelle kehrten wir zur Abendmesse in die Iglesia de San Nicolás ein. Hier erlebte ich zum ersten Mal, ganz in die Messe und meine tiefe Dankbarkeit versunken, dass sich meine Wahrnehmung veränderte. Ich sah den Altarraum plötzlich ganz verschwommen, wie durch die wabernde Luft über Feuer. Konnte es sein, dass der Heilige Geist so sichtbar wurde? „El señor esté con vosotros.“ „Y con tu espíritu. “[2] Kein Spruch, sondern Wahrheit?! Eine neue Zeit begann, Glaube begann sich in Wahrnehmung zu wandeln.

Der sanft-laue Abend klang im romantischen Lichterzauber der Plaza de Castillo aus. Viel Volk war auf den Beinen, Familien und Pärchen spazierten um den Platz, die Tischreihen vor den Restaurants waren gut gefüllt, Gläser klangen, hier und da ein Fetzen Musik. Ahhh – Süden! Genau so!

Und: Pilger müssen unvermeidlich um 22 Uhr ins Bett!

Nächster Artikel


[1] La Iglesia de Jesús y María in der Calle de la Compañía

[2] „Der Herr sei mit Euch.“ „Und mit Deinem Geiste.“