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Als ich am vorletzten Tag in der Kathedrale in Madrid saß, fragte ich Santiago: Was genau ist eigentlich der heilige Geist? So wenig wie ich hatte er eine konkrete Vorstellung davon. Da beschloss ich, mich in Berlin ausführlich mit dem Heiligen Geist zu beschäftigen. Mit Gott, dem Vater, hatte ich meinen Weg begonnen, Jesus war mir in Barcelona mit Macht und Deutlichkeit begegnet und aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken. Der dritte Schritt zur Ergründung der Dreifaltigkeit Gottes war der Heilige Geist. Die weiße Taube, das war mir gegenwärtigste das Bild. Unterwegs waren mir bewusst zweimal weiße Tauben begegnet: Eine weiße Taube an der Schleuse von Fromista, als sich Santiago von mir getrennt hatte, zwei weiße Tauben in Portugal an dem Tag auf dem Weg nach Anádia, kurz nachdem Santiago auf den Camino zu mir zurückgekehrt war. Und so begann ich meine „Forschung“ nach dem Heiligen Geist und damit nach der Gesamtheit der Trinität Gottes. Hoffnung, das sind die Kraft und das Geschenk des heiligen Geistes.
Hoffnung ist Kraft.
Es ist soviel Energie in der Welt, als Hoffnung drin ist.
Albert Schweitzer, (1875 – 1965), deutsch-französischer Arzt,
Theologe, Musiker und Kulturphilosoph
Hoffung ist die Karotte, die – vor unserer Nase baumelnd – uns im Leben unseren Weg in die Zukunft verheißt, uns immer weiter gehen lässt. Hoffnung ist unser Tor zur Zukunft. Hoffnung ist der Glaube, dass alles gut wird, dass Liebe ist, dass egal, wie tief die Nacht unseres Lebens gerade sein mag, ein neuer Morgen naht.
Sprüche 13 (Lutherbibel 1984): 12 Hoffnung, die sich verzögert, ängstet das Herz; wenn aber kommt, was man begehrt, das ist ein Baum des Lebens.
Er ist der Geist Gottes, der uns alle eint in einem Glauben, in eine Richtung, uns eben eines Geistes sein ermöglicht. Für mich ist der Heilige Geist der Geist der Hoffnung und der Heilung von Menschen und Situationen, oft wurde er der Tröster genannt. Er schenkt uns den stetigen Wandel (die Wanderung) und die Hoffnung, damit jede Situation, sei sie auch noch so schwierig, erlöst wird; er bewirkt immer wieder neue Lebendigkeit, neuen Lebenswillen und Regeneration auf allen Ebenen. Durch seine Charismen/Gaben lässt er uns Gottes teilhaftig werden. Er verschenkt seine Gaben frei an die, die sie brauchen und einsetzen, weil sie keine anderen Mittel haben und haben wollen, um in Gottes Reich mitzuwirken.
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In einer Dreifaltigkeitskirche bin ich getauft. Als wir in Fátima waren, wurde gerade anlässlich des 90. Jahrestages der Erscheinung die „Igreja da Santissima Trindade“ eingeweiht, die Kirche der allerheiligsten Dreifaltigkeit, eine kreisrunde Kirche.
Über die Dreifaltigkeit Gottes gelang es, den Heiligen Geist mir zu erschließen. Ich will das folgende eine Privatoffenbarung durch Jesus, eine private Lehrstunde nennen, wie er mir in der Zeit nach dem Camino geholfen hat, den dreifaltigen Gott zu verstehen:
Mit der Trinität / Dreifaltigkeit / Dreiheit wird dargestellt, dass Gott und Gottes Reich komplett aus der Dreiheit besteht. Diese Dreiheit gehört zusammen und kann nicht voneinander getrennt werden (außer in einer hier beschriebenen Form). Es heißt, dass der dreifaltige Gott aus drei Wesenheiten besteht, die gemeinsam eine Einheit bilden. Unteilbar heißt auf Griechisch atomos. Und tatsächlich ist auch das Atom ein Modell bzw. die Manifestation der Trinität. Es besteht aus:
- einem neutralen Element, dem Neutron, der Punkt, in dem sich beide Pole ausgeglichen an einem Ort befinden, ist in der Trinität Gott-Vater. Er enthält beides in sich, beide Pole, beide Qualitäten, alles in einem Punkt, alle Zeiten zu einer Zeit. Er ist die vollendete Einheit. Friede.
Die beiden anderen Teile sind der Eintritt in die Polarität, der unterschiedlichen Ladung, und zwar:
- dem Proton, Gott-Sohn=Jesus, der das Herz Gottes darstellt und den Atomkern mitbildet, zur Rechten des Vaters, El Sagrado Corazón de Jesus, das heilige Herz Jesu, die materielle Manifestation Gottes, seines Willens, Materie, das statische und feste, die materielle und spirituelle Anziehung, Gravitation und
- dem Elektron, der Heilige Geist, Sein Bewusstsein, Seine Schöpfungskraft, die Lebendigkeit, die Bewegungskraft Gottes, was sich auf Bahnen um den Kern bewegt. Wir wissen, es ist da, doch zu keiner Zeit können wir seinen genauen Aufenthaltsort bestimmen. Gleichzeitig ist es das Element, das Raum schafft, denn durch die Atomhülle, die es durch seine Bewegung schafft, gibt es uns die Illusion von Raum, von Ausdehnung des Atoms, obwohl es sich immer nur an einer winzigen Stelle des ganzen Raumes, der ganzen Atomhülle befindet. Und mit dem Raum entsteht auch die Zeit, denn nur durch die Bewegung im Raum entsteht Zeit.
So offenbart sich Gott in allem, was ist, so, wie es in der Bibel benannt ist.
1. Kor. 15 (Lutherbibel 1984) 28 Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott sei alles in allem.
Epheser 1 (Lutherbibel 1984) 22 Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, 23 welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.
Kolosser 1 (Lutherbibel 1984) 16 Denn in ihm ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Mächte oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen. 17 Und er ist vor allem, und es besteht alles in ihm.
Alle drei Wesenheiten sind gemeinsam Gott und das Leben, Gott-Vater, Gott-Sohn und der Heilige Geist. So erklärt sich, dass Gott-Vater nicht Gott-Sohn ist und nicht der Heilige Geist und so weiter. Damit Gott sich selbst erfährt, um von uns Menschen erfahren werden zu können, mussten alle Dinge von dem einen Punkt Ewigkeit in den Raum und in die Zeit aufgefächert werden, in die Polarität eintreten, damit sie hintereinander und nicht alle gleichzeitig erfahren werden. Nur so ist Erfahrung wirklich erfassbar, sogar tief greifend und verständlich. Das kennen wir sogar auf einfachster Ebene aus dem Alltag: wenn alles auf ein Mal kommt oder wenn alle durcheinander reden, kriegt man gar nichts mit.
Gemeinsam bilden sie ein ewiges Kontinuum: Einheit – Manifestation – Bewusstsein, das ständig durchlaufen wird. Es dient der Erfahrbarkeit Gottes, sich selbst für sich selbst, der Mensch für sich und für Gott. Denn solange keine Tätigkeit, keine Ursache und Folge entsteht, kann Gott sich selbst und seine Macht und seine Liebe nicht erfahren, entfalten, nicht erfahrbar machen. Wir ihn und uns auch nicht.
Somit ist auch der Zusammenhang da und klar: Der Mensch und alles, aus dem diese Welt unter den Bedingungen von Raum und Zeit besteht, besteht vollständig aus der Trinität, nämlich aus Atomen. So sind wir Gott und Gott ist alles, was ist. Und alles, was geschaffen ist, ist Gott und Gott ist alles, was geschaffen ist. Er schafft sich als Trinität in allem, was wächst und entsteht und vergeht immer wieder neu. Die Ewigkeit, die Einheit, das ist ein Zustand ähnlich dem schwarzen Loch, an dem die Anziehung, die Gravitation so unendlich ist, dass alles wieder in Gott-Vater, das All-Eine übergeht. Wo auch der Heilige Geist in diesem Punkt ist und somit der Raum für einen Bruch in der Zeit verschwindet. Das sichtbare, wie wir meinen fassbare Universum ist eine Art Ausstülpung, Ausdehnung der All-Einheit in Raum und Zeit. Wir sind Sinnes- und Wahrnehmungsorgane, die Erfahrungen machen, diese Erfahrung wahrnehmen und uns des Wahrgenommenen bewusst werden, so zum gesamten Bewusstsein beitragen.
Das einzige Atom, in dem nicht die Trinität abgebildet ist, ist das Wasserstoffatom vom Typ Proton, das nur aus Proton und Elektron besteht. Der Wasserstoff und das Wasser sind die Promotoren des Lebens, durch sie entsteht der Wandel und die Bewegung. Erst wenn ein Samenkorn vom Wasser und von Geist benetzt wird, entsteht wieder Leben. Der Kreislauf kommt erneut in Bewegung. Gott ist der Schöpfer und er gibt sein Herz und seinen Geist zusammen in die Welt, damit er sie erfahren kann.
Johannes 3 (Lutherbibel 19849: 5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.
Gott-Vater trennt sich von Gott-Sohn, um Leben zu ermöglichen.
Johannes 3 (Lutherbibel 1984)
16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
Mir fallen auch dabei zwei große Besonderheiten des Wassers auf. Wasserstoff, Wasser in Verbindung mit Geist sind das Perpetuum Mobile des Lebens. Durch die Anomalie des Wassers, die höchste Dichte bei +4 Grad zu haben, vereisen/erstarren unsere Ozeane nicht dauerhaft und erhalten die Lebendigkeit des Lebens unseres Planeten. Und allein das Wasser fällt vom Himmel herab, kommt auf die Erde, um uns zu reinigen und zu nähren und steigt dann wieder zum Himmel auf, um sich am Himmel für den erneuten Regen zu sammeln. Auch Jesus stieg vom Himmel herab, nährte und reinigte uns und fuhr anschließend wieder in den Himmel auf. Und bei seiner Taufe mit Wasser fiel der Heilige Geist vom Himmel herab auf ihn. Der Heilige Geist ist das Bewusstsein Gottes, in das wir uns „einklinken“ können. Hesekiel 36 (Einheitsübersetzung):
25 Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen. 26 Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. 27 Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.
Die Schöpfung, wie ich sie verstanden habe: Das war vor dem Urknall: Gott war alles in einem, alle Eigenschaften, alle Materie ohne Ausdehnung in einem Punkt vereint Bildlich gesehen: der Punkt ohne Ausdehnung, an dem alles ist. Und dann traf Er die Entscheidung, das Leben zu schaffen. Und dies begann mit dem Urknall.
Und das war der Urknall: Um Leben zu schaffen (d.h. die Welt lieben) Gott zog sich (das Neutron) von seinem Sohn (dem Proton) im Wasserstoffatom zurück und zerschmetterte die Einheit und sich in kleinste Teile und bildete dadurch den Geist und sämtliche Elektronen, die vom Proton angezogen einen Raum projizieren und durch Bewegung für unsere Wahrnehmung bilden. In der Mitte des Universums der zeitlose und raumlose Gott, der Ursprung, der sich in Raum und Zeit projiziert, ausdehnt, entfaltet. Bildlich gesehen: aus dem Punkt werden die beiden Pole „herausgeschossen“, das Dreieck bildet sich, ein vielfach gezeigtes Bild der Trinität.
Die Trinität ist die Schaffung der aus der Einheit hervorgehenden Manifestation in der Polarität. Gott bewirkt durch den Sohn und den Heiligen Geist die Polarität und schafft dadurch Raum und Zeit. Jesus hat sich in Materie manifestiert. Der Heilige Geist ist das Bewusstsein Gottes wie auch das Licht. Er stellt Raum und Zeit her, weil zwischen den Polen Ausdehnung durch verschiedene Qualitäten entsteht. Die Liebe – im Sagrado Corazón de Jesus manifestiert, offenbart und erlebbar – ist in der Gemeinschaft mit dem Vater die wahre Schwerkraft des Universums und im unteilbaren Raum Teil des Atomkernes, um sie herum kreist das Elektron, dass durch die Anziehungskraft der Liebe in seinen Bahnen gehalten wird. Alles existiert gleichzeitig: Dass es alles existiert und gleichzeitig nicht existiert. Alles wechselt permanent vom Zustand Alles-in-Einem (Gott-Vater) zu Manifestation/Materie/Raum und Zeit (Gott-Sohn, der Menschgewordene/ Materialisierte) zu Geist im Sinne von Bewusstsein, erlebte Wahrheit, Weisheit, Verstehen „was ist“, Sinn und daraus resultierendem Glauben (Heiliger Geist). Es stellt sich im Trinitätssymbol im Uhrzeigersinn dar, ein Kreis/Zustand Vater, ein Kreis Sohn, ein Kreis heiliger Geist und so weiter, nur in einer Geschwindigkeit, die wir natürlich nicht wahrnehmen können bzw. wir können den Zustand Materie und Bewusstsein (Energie/Licht) voneinander maximal unterscheiden.
Die Reihenfolge ist wichtig. Gott schafft, manifestiert und durch das Erleben der so unendlich liebevollen, wundervollen Manifestation ergibt sich das Bewusstsein Gottes, dass alles gut ist, ergeben sich die Charismen, weil die erlebte Liebe und die erlebten Wunder uns den Glauben schenken, dass alles möglich ist. In diesem Zustand klinken wir uns in den heiligen Geist als Gottes Bewusstsein ein und können daher prophezeien, deuten, Erkenntnisse erklären, heilen. Anders herum, gegen den Uhrzeigersinn[1], geht es eben schief: Wenn wir aus unserem eigenen Bewusstsein heraus versuchen zu manifestieren (The Secret etc.), dann ist unser begrenztes Bewusstsein auch der Schöpfer, und damit – genau ! – wird etwas „Begrenztes“ geschöpft. Etwas wird aus unserer Perspektive geschöpft, nicht aus der Einheit der gesamten Menschheit. Den Überblick haben wir einfach nicht.
Den Zustand All-Einheit können wir zumindest physikalisch (momentan?) nicht feststellen. Er ist ohne Zeit, es ist nicht messbar ist, es ist einfach.. Wenn wir daher spirituell eine geistige Verbindung, Raum und Zeit überschreitend, aufnehmen, geht dies alles durch den Mittelpunkt des Alles-in-Einem, wo alles ja auf einem Fleck vorhanden ist, sowohl zeitlich wie örtlich. Eine Einheitserfahrung ist daher die Wahrnehmung des Momentes, wo wir uns im Zustand Alles-in-Einem befinden.
Alle Materie an einem Ort ohne Ausdehnung, Höhepunkt der Schwerkraft. Doch dieser Ort ist das „Wurmloch“ zu anderen Orten und Zeiten, weil hier alles zusammen ist. Auch wir selbst bestehen daraus: unsere Seele ist unser Seinszustand in der Einheit, unser Wissen, welcher Platz unserer ist im großen Plan Gottes, der Wille Gottes, der sich dann in uns, in unserer Geschaffenheit manifestiert. Unser Geistkörper ist unser gesamtes Bewusstsein, es bietet Raum für unsere Teilhabe am Geist Gottes. Je stärker unser Bewusstsein auf Gottesbewusstsein basiert, umso reiner ist unser Geistkörper. Wer sich mal in das Bewusstsein Gottes einklinken konnte, der hat erfahren, dass dort Ruhe, Friede und Unendlichkeit herrscht. Aus der Bewusstewerdung heraus gehen wir in den nächsten Schritt, Herzschlag, Atemzug, die nächste Phase der Erfahrung der Schöpfung, von Einheit und Manifestation über, aus der sich wieder Bewusstsein bildet. Die manifesten Wunder in unserem Leben schaffen unser Gottesbewusstsein, so lange wir sie dafür halten.
Und im Großen findet auch das statt, auch hier entzieht es sich unserer Wahrnehmung, dass das Universum pulsiert zwischen All-Einheit, Manifestation, Gottesbewusstsein. Zur Zeit nehmen wir eine Ausdehnung des Universums wahr, aber wir können das Zusammenziehen momentan nicht wahrnehmen und dass alles an einem Punkt sein wird zu einem Zeitpunkt, einfach, weil unsere eigene Größe, unsere eigene Lebenszeit, unser eigenes Raumverständnis dafür zu begrenzt sind. Aber wir können es glauben.
Die Zeit stellt sich in dem Kontinuum auch in den Qualitäten Glaube, Liebe und Hoffnung dar: Der Glaube in Gott und seine Güte ist die ewige Gottesverbindung, die die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umschließt mittels Liebe und Hoffnung. Die Liebe, das ist für gut halten, was war = geschaffen wurde und was ist, eben Gütevermutung und Güteempfinden für Vergangenheit und Gegenwart. Und die Hoffnung ist die feste Gütevermutung in das, was in Zukunft kommen wird.
Hier ist die poetische Form der Schöpfungsgeschichte davon aus dem 1. Buch Mose 1 (dieser und die folgenden Verse alles aus Lutherbibel 1984):
1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
In heutiger Sprache übersetzt: Gott entscheidet sich, die Erde, das fassbare Universum zu schaffen, womit hier auch Materie gemeint ist.
2 Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.
Also zog Gott sich aus dem Wasser zurückzog (das Neutron) und in den heiligen Geist zerschmetterte (die Elektronen). Die Trennung von Wasser und Geist ist, was genau Leben ermöglicht. Hier ist der Zustand, wo Materie entstanden ist, alle Materie ist zunächst flüssig.
3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.
Das ist das explosive, lichtemitierende Element des Urknalls. Und der heilige Geist erhielt zusätzlich die Eigenschaft des Lichtes, die andere Form der Existenz, Licht und Welle zu sein.
4 Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis 5 und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.
Da es nun Raum gab, schuf in diesem Moment Gott die Zeit; hier wird die erste Zeiteinheit eingeführt.
6 Und Gott sprach: Es werde eine Feste zwischen den Wassern, die da scheide zwischen den Wassern. 7 Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste. Und es geschah so.
Und da zum Anfang alles flüssig war, bildete sich die feste Materie (da machte Gott die Feste), flüssige Materie (Wasser unter der Feste) und das Gas / Wolken (Wasser über der Feste), d.h. alle drei Aggregatszustände entstehen (Etwas Besonderes an Wasser ist, dass es in allen drei Aggregatszuständen natürlich auf der Erde anzutreffen ist: gasförmig, flüssig und fest.)
8 Und Gott nannte die Feste Himmel.
Und die Feste (Materie) über dem Wasser, d.h. das Gasförmige, das nannte er Himmel.
Ein jeder mag die Schöpfungsgeschichte in diesem Sinne vielleicht mal lesen und wird ihre bildhafte Wahrheit erkennen in den Zeitaltern unseres Universums. Sicherlich kann ein Physiker das besser erklären als ich und ich denke, sie tun es. Denn dies ist ein Glaubens- und Heilbuch und keine Physikstunde.
Lebendiges bedarf des Wassers und des Geistes. Ein toter Mensch unterscheidet sich von einem Lebendigen durch die Abwesenheit von Geist. Auf rein physischer Ebene sind sie im Moment vor dem Tod und in dem Moment nach dem Tod gleich.
Jakobus 2 (Lutherbibel)
26 Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.
In diesem Verständnis zeigt sich: alles Materielle ist von Gott geschaffen, und zwar, indem sich Gott mit Hilfe des Geistes schafft. Indem sich die Trinität immer wieder neu manifestiert, schafft sie Gottes Welt und Gott ist gleichzeitig alles, Festes, Flüssiges, Gasförmiges, Sichtbares und Unsichtbares. Die göttliche Trinität zeigt sich und ihre Natur auch im Atom.
Der Körper ist aus der Trinität gebildet und somit göttlich. Durch den Samen der Trinität wird das Bewusstsein, der Heilige Geist wieder angefacht, dass wir Gott sind, dass Liebe immer da ist und in ausreichender Menge, die Seele erfährt die Hoffnung, dass sie wieder in Gottes Welt aus Liebe und nicht in einer erdachten Welt leben kann. Durch die Wiederbelebung und Aktivierung der Trinität wird diese Erinnerung geweckt, die Hoffnung geweckt, dass doch alles so gut sein kann, wie Jesus es verkündet. Gott ist alles und alles ist Gott.
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[1] Ich habe das Logo der Trilateralen Kommission gesehen, einer Vereinigung Reicher und Mächtiger. Es ist ähnlich, läuft aber gegen den Uhrzeigersinn, wie die eingebauten Pfeile anzeigen. Hier versuchen Menschen zu manifestieren.
Wir sind ca. 1500 km von Lourdes nach Fátima in zwei Monaten gelaufen. Dieselbe Strecke hätte man auch in einem Flugzeug innerhalb von 1,5 Stunden zurücklegen können, in Lichtgeschwindigkeit sind das sogar nur eine 1/200 Sekunde. Hätten wir da all die Erfahrungen durchleben und verstehen können, von denen wir in diesem Buch berichten? Wohl kaum! So war es Gotteserfahrung, Gottes Liebe und Fürsorge Tag für Tag erleben.
Die Einheit, Gott, ist für uns Menschen schwer erfahrbar, weil sie alles in allem umfasst, zu einer Zeit, an einem Ort, der überall ist. Erfahrungen können in Raum und Zeit durchlebt, gesammelt werden, und zwar dann, wenn die Einheit in eine Zeitabfolge aufgespaltet wird, in einen Prozess und damit einzelne Prozessschritte getrennt wird. In Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung ist dies gängige Praxis, um zu einheitlichem Handeln zu kommen. Die Arbeitsprozesse werden in Schritten dokumentiert, in Flow-Charts visualisiert, in Software programmiert, im Arbeitsalltag institutionalisiert. Erfahrungsprozesse sind ähnlich strukturiert, vom Schöpfer!
Als Lebensprozess mit auf einander folgenden Einzelerfahrungen können wir das Lebendige und die Liebe verstehen und erleben, können wir mitbekommen, was und wie die Gaben Gottes sind, können zu unserem Ziel: Gott kommen. Nochmals das Beispiel aus der Musik. Wenn ich alle Töne einer Melodie und gleichzeitig alle Pausen in einem Moment abspiele, kann ich die Melodie nicht erkennen. Wenn viele Menschen gleichzeitig reden, dann kann ich nichts verstehen. Wir sind mit der Einheit meist schlicht überfordert, weil sie so umfassend ist. Wir können manchmal in einer mystischen Erfahrung eine Impression der Einheit erhaschen, das ja! Beispiele:
- Das Gefühl, mit allem verbunden zu sein, vom Fuß in den Teppich zur Wand und weiter fort bis in das Unendliche, es wird alles als ein Körper wahrgenommen, wir selbst dem zugehörig.
- Das Gefühl der Glückseligkeit einer Gotteserfahrung, wenn unser ganzer Körper, unser Geist und unsere Seele in Liebe brennen. (Nur irgendwann lässt einer dann die Zahnpastatube offen…)
- Das Erlebnis der Bekehrung, wenn wir in Jesus Christus in unser Heil „stürzen“, endlich merken, dass wir, so wie wir sind, doch in Ordnung, so geschaffen und gewollt sind, auch fehlerhaft geliebt zu sein, Vergebung erfahren. Das tiefe Aufatmen in den Momenten der Gnade durch den dreieinigen Gott und die damit einhergehende unendliche Dankbarkeit.
- Das atemberaubende Gefühl auf dem Gipfel eines Berges stehend, wenn wir bis zu einem klaren Horizont in die Weite sehen können, die Größe der Welt und Gottes und die „Nichtigkeit“ und „Unwichtigkeit“ unserer alltäglichen Sorgen und Nöte erkennen.
- Der nächtliche Sternenhimmel, wenn wir begreifen, dass dies alles von Gott geschaffen ist, wenn wir seine Größe begreifen.

Blick vom Cebreiro nach Galizien hinein, das wir ganz durchqueren würden. Im Vordergrund das Dorf Cebreiro
Wenn wir einen Berg erstiegen hatten und über die Gipfel schauen konnten, dann konnten wir die ganze Landschaft erkennen, die wir zu durchqueren hatten, sahen vielleicht eine Stadt in der Ferne, die wir erst am nächsten Tag erreichen würden, der Weg war über eine weite Strecke erahnbar. Sobald wir wieder im Tal angekommen waren, war dieser Überblick nicht mehr da und wir brauchten unsere gelben Pfeile in kontinuierlicher Reihenfolge, um dem Camino folgen zu können, dann war jeder Pfeil, das Detail eben auch nicht unwichtig.
http://www.youtube.com/watch?v=l89FuAiFOGI
Natürlich existiert in Gott die Dualität als eine der unendlichen Möglichkeiten, die in ihm sind. Das ist ja gerade der Effekt der Trennung, die wir als Menschen erfahren. Gott hat die Trennung neben der Einheit ja nicht ohne Absicht herbeigeführt. Was in der Einheit eine Qualität ist, wird in der Dualität als verschiedene Ausprägungen dieser Qualität – oft zwischen zwei Polen – dargeboten. Was in Gott vereint ist, das lässt sich auch trennen. Dafür werden ja gerade Raum und Zeit geschaffen, damit man, was es zu erfahren gibt, konsekutiv, hintereinander und eben nicht gleichzeitig erfahren kann, unterscheidbar, eben auch in verschiedenen Polaritäten erfahren, Unterschiede schmecken kann. Damit Erfahrungen ausgekostet werden können, nicht alle Töne eines Liedes in einem Moment ertönen.
Wir haben immer die Chance, die Trennung wieder aufzuheben und in die Einheit zurückzukehren. Doch die Trennung ist der Motor des Lebens, der Grund für die Chance auf Erfahrungen, der Grund für die irdische Inkarnation, damit man sich immer wieder neu entscheiden kann. In Gott existiert natürlich alles gleichzeitig, daher kann beispielsweise auch Geist Raum und Zeit überschreiten. Jeder Ewige – wie die Engel und Maria – kann an jeden Ort und jeden Zeitpunkt der dualen Welt wie durch eine Tür kommen, zu vielen Menschen und an vielen Orten gleichzeitig.
Die höchsten Gaben Gottes, Glaube, Liebe und Hoffnung, das ist es, was an uns ist, hier in diesem Erdenleben zu erfahren, dabei ist die Liebe das höchste der drei. Das höchste Gebot: Lieben! Doch wie können wir Liebe erfahren? Was verschafft uns diese Wahrnehmung? Wann fühlen wir uns geliebt, wann fühlen wir uns liebend? In einem tiefen Moment, z.B. in einem Orgasmus mit dem Geliebten, in einem dauerhaften Gefühl, einer Verbundenheit, die ein ganzes Leben dauert, wenn man miteinander durch dick und dünn geht? Und woher wissen wir, dass der andere mit uns und wir mit ihm durch dick und dünn beieinander bleiben?
Nur in der langfristigen gemeinsamen Erfahrung von Liebe, Freud und Leid. Die intensivsten Erfahrungen von Liebe machen wir doch, wenn wir vorher vor Sehnsucht fast eingegangen sind und dann die Liebe in unser Leben tritt. So ist es auch mit Gott! Wenn er uns aus unserer tiefsten Not holt, wenn wir endlich die Klappe aufmachen und ihn anrufen, um Hilfe bitten, wenn wir endlich aufgeben, ihm unsere Tür öffnen, weil wir es einfach nicht allein schaffen! Wie viele Menschen lernt man doch kennen, die sich uns in unseren Phasen des Lichts, des Erfolges, der Bedeutung nähern, freundschaftlich tun und verschwinden, wenn uns dieses Licht, dieser Erfolg, diese Bedeutung verlassen. Wer auch in unseren schwachen und dunklen Stunden, unseren Niederlagen bleibt, der ist ein wahrer Freund. Das ist Liebe. Das verspricht uns Jesus explizit in „Endmatthäi“:
Matthäus 28 (Lutherbibel 1984)
20 Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Wie können wir erfahren, dass er bei uns ist alle Tage? Indem wir ihn brauchen! Indem wir uns von ihm abhängig machen, keine eigenen Sicherheitsnetze aufbauen. Indem wir ihn jeden Tag suchen, anrufen, um Hilfe bitten und auch seine Impulse für unsere für Hilfestellung wahrnehmen und wahr machen. Indem wir Ihn jeden Tag brauchen! Wenn wir nichts ohne Ihn tun! Wenn es ohne Ihn nicht geht! Indem wir die Einheit mit Ihm wünschen, suchen und brauchen. Wir nehmen Ihn wahr in Höhen und in Tiefen, in Liebe, Dankbarkeit und in Angst. Und vor allem in den Tiefen, weil wir auf ihn besonders angewiesen sind. Jede dieser Tiefen ist Teil des Prozesses „Die Liebe Gottes erfahren!“ Wenn wir diese zunächst als Paradoxon erscheinende Realität wahrnehmen, dann können wir am tiefsten Punkt die unendliche Größe Seiner Liebe erfahren. Wenn wir uns in diesem Moment zu einem DANKE, ICH LIEBE DICH AUCH durchringen und dann unser Leid mit ihm teilen, an ihn abgeben können, dann haben wir das Geschenk der Erfahrbarkeit der Liebe, der Gnade verstanden und können es schnell erfahren und annehmen. Dann sind wir in echtem Glauben verwurzelt, das ist Wandeln auf den Wassern des Lebens. Wir sind in Gottes Reich zu Hause und die Erbsünde los.
Psalm 30: Dank für Rettung aus Todesnot (Lutherbibel 1984)
1 “Ein Psalm Davids, ein Lied zur” “Einweihung des Tempels.” 2 Ich preise dich, HERR; denn du hast mich aus der Tiefe gezogen …. 3 HERR, mein Gott, als ich schrie zu dir, da machtest du mich gesund. 4 HERR, du hast mich von den Toten heraufgeholt; du hast mich am Leben erhalten … 5 Lobsinget dem HERRN, ihr seine Heiligen, und preiset seinen heiligen Namen! 6 Denn sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude. 7 Ich aber sprach, als es mir gut ging: Ich werde nimmermehr wanken. 8 Denn, HERR, durch dein Wohlgefallen / hattest du mich auf einen hohen Fels gestellt. Aber als du dein Antlitz verbargest, erschrak ich. 9 Zu dir, HERR, rief ich, und zum Herrn flehte ich: 10 Was nützt dir mein Blut, wenn ich zur Grube fahre? Wird dir auch der Staub danken und deine Treue verkündigen? 11 HERR, höre und sei mir gnädig! HERR, sei mein Helfer! 12 Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen und mich mit Freude gegürtet,13 dass ich dir lobsinge und nicht stille werde. HERR, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.
Und wenn wir es noch nicht können, so werden wir im Zeitablauf erkennen, dass die Zeit und damit Gottes Heiliger Geist die Wunden heilt, der Tröster ist, der Schmerz nachlässt, wir irgendwann wieder lächeln können. Tom Hanks als Sam beschreibt diesen Vorgang sehr berührend in dem Film „Schlaflos in Seattle“, wie er über die Trauer über den Tod seiner Frau hinwegkommt. Er beschreibt, dass er jeden Morgen aufsteht und ein- und ausatmet und irgendwann sich nicht mehr daran erinnern muss, jeden Morgen aufzustehen und ein- und auszuatmen und ständig daran zu denken, dass er es mal eine Zeit lang großartig und perfekt hatte. Zeit tröstet.
Psalm 126 (Lutherbibel 1984): 5 Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. 6 Sie gehen hin und weinen und streuen ihren Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.
Wer sich in seinem Leben allein versucht, wer denkt, alles selbst unter Kontrolle zu haben und auch haben zu müssen, der wird diesen täglichen Liebesbeweis, die tägliche Liebeserfahrung nicht wahrnehmen können. Es hilft auch nicht, sich allein durch dieses Wissen, den Glauben, aus den eigenen Gefühlen katapultieren zu wollen, denn es geht darum, sich auch wahrhaftig helfen zu lassen. Denn solange uns etwas Angst, Ärger, Trauer, Hadern, Mulmigkeit verursacht, kommt auch mit dem Gefühl etwas Altes, vorher Geschehenes heraus, ans Tageslicht und in die Wahrheit. Heilung geschieht.
Man kann die Aufteilung der Einheit in die Zeitspanne mit einem spannenden Roman vergleichen. Wenn wir die letzte Seite, die Auflösung schon gelesen haben, dann ist das Buch langweilig, dann packt es uns nicht, dann können wir es auch halb gelesen weglegen. Unser Lebensroman ist jedoch genau für uns gestaltet, ist essentiell für uns. Wenn wir uns hingegen auf das Ungewisse einlassen, mitzittern, mitlachen, mitweinen und mitfiebern, auch in unserem Leben durch Zittern, Lachen,Weinen und Fiebern, die ganze Palette unserer Emotionen gehen, ist das Buch unseres Lebens, ist unser Leben für uns ein Gewinn. Dann erleben wir auch, ob wir selbst lieben/nicht lieben oder ob wir uns das selbst nur eingeredet, eingedacht haben. Wir erleben, was Lieben bedeutet. Wenn wir den anderen auch mit, in seinen Schattenseiten lieben, als der er ist, geschaffen oder von seinem Leben geprägt, es Liebe ohne Einschränkung ist.
Santiago und ich haben uns oft in schwierigen Situationen, im Streit eingeredet, dass wir es auch allein schaffen würden, doch wir haben immer wieder gemerkt, dass wir uns nicht trennen können. Kaum gingen ein paar Tage ins Land, das Leben entfaltete sich, da war alles Geschehene klein und nichtig gegen die Sehnsucht, die wir für den anderen empfanden. Dann wussten wir: lieber vergeben, uns neu konfigurieren, als diese Sehnsucht ungestillt aushalten zu müssen.
Wenn wir lieben, dann merken wir das durch die Erfahrung der Trennung, wenn wir nicht lieben, auch. Ich habe das durchaus auch schon gespürt, dass mich früher eine Trennung nach dem Vergehen des ersten Schmerzes erleichtert hat, als das Leben sich entfaltete. Durch Rationalisierungen des Verstandes enthalten wir uns sonst wichtige Erfahrungen vor. Am intensivsten behalten wir die Dinge, die von starken Emotionen während des Merkvorganges begleitet sind.
Eine Klientin von mir erlebt eine traumatische, massiv Angst und Trauer erzeugende Situation mit ihrem Partner. Gleichzeitig erlebt sie von vielen Menschen spontanen Beistand und intensive Hilfeleistung, von denen sie es nicht erwartet hätte oder die sie vorher gar nicht gekannt hatte, die zu diesem Zeitpunkt als Engel in ihr Leben geschickt wurden. Ohne diese Situation hätte sie die Güte der Menschen und das Aufgefangenwerden nicht im gleichen Maße kennen gelernt. Dies verschafft ihr und anderen Mut und Vertrauen, dass uns in schweren Zeiten schon geholfen wird..
Und je tiefer wir gefallen sind, umso intensiver ist die Gotteserfahrung, umso intensiver können wir die Liebe fühlen, umso mehr bedürfen wir ihrer, umso intensiver kann uns geholfen werden. Jesus hat dies im Gleichnis mit der salbenden Sünderin in Lukas 7 (Lutherbibel 1984) anschaulich gemacht:
37 Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die war eine Sünderin. Als die vernahm, dass er zu Tisch saß im Haus des Pharisäers, brachte sie ein Glas mit Salböl 38 und trat von hinten zu seinen Füßen, weinte und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und küsste seine Füße und salbte sie mit Salböl. 39 Als aber das der Pharisäer sah, der ihn eingeladen hatte, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn dieser ein Prophet wäre, so wüsste er, wer und was für eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin. 40 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister, sag es! 41 Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Einer war fünfhundert Silbergroschen schuldig, der andere fünfzig. 42 Da sie aber nicht bezahlen konnten, schenkte er’s beiden. Wer von ihnen wird ihn am meisten lieben? 43 Simon antwortete und sprach: Ich denke, der, dem er am meisten geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt. 44 Und er wandte sich zu der Frau und sprach zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein Haus gekommen; du hast mir kein Wasser für meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet. 45 Du hast mir keinen Kuss gegeben; diese aber hat, seit ich hereingekommen bin, nicht abgelassen, meine Füße zu küssen. 46 Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt; sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt. 47 Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. 48 Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden vergeben. 49 Da fingen die an, die mit zu Tisch saßen, und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser, der auch die Sünden vergibt? 50 Er aber sprach zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen; geh hin in Frieden!
So ging es mir auch. Ich bin weit weg gewesen, habe ein paar „kapitale Böcke geschossen“ in meinem Leben, habe bestimmt eine interessante Seite im großen Sündenregister. Ich habe so viel Unterschiedliches probiert, an was sich ein kirchengebundener Christ wahrscheinlich gar nicht wagen würde, wovor die Kirche warnt. Und ich BIN wieder beim Gott der Christenheit gelandet, habe festgestellt, dass ich im christlichen Glauben am deutlichsten, kraftvollsten und dauerhaftesten Heil erfahre. Es hat mich überzeugt. Er hat mich überzeugt, durch Leben von Neuem konfirmiert. Nichts ist größer und mächtiger, sinnvoller, glaubhafter, liebevoller, heilsamer, hoffnungsspendender als der allmächtige, dreifaltige Gott. Mir ist viel vergeben worden, ich habe viel Gnade, viel Liebe erhalten, denn ich hatte viel Gnade, viel Liebe nötig. Danke! Daher liebe ich jetzt auf intensive Weise, brauche und schätze die Präsenz von Jesus in meinem Leben, suche ihn immer wieder auf. Auf wundersame Weise habe ich während dieser Zeit des Ausprobierens auch viel Schutz erhalten, vielleicht durch meine Taufe. Und ich weiß jetzt, was diese Methoden bewirken, was nützt und was dem Leben mit Gott, was heilendem Leben, Leben im Heil entgegenwirkt.
Wir brauchen Erfahrungen, Impulse, den Verdauungsvorgang von Erlebnissen für die wichtigen Wendungen in unserem Leben, sonst wären sie nicht da! Wir wissen lange nicht, wofür wir eine Erfahrung brauchen, doch eines Tages wird sich uns der Sinn erschließen, wenn wir in ihr einen gelben Pfeil erkennen. Plötzlich wissen wir etwas, wo wir vorher entschieden haben, meinten (uns) trennen zu müssen. Denn es geht nie darum, Entscheidungen zu treffen, die Dinge zu scheiden, zu trennen, Alternativen zu haben, sondern den Weg zu erkennen, aus unserer Erfahrung zu schöpfen, mit uns und Ihm in Einheit zu sein, irgendwann unseren Weg zu wissen und zu wollen. Wenn wir durch eine Erfahrung hindurchgegangen sind, dann haben wir unseren gelben Pfeil erhalten. Wir wissen, in welche Richtung unser Weg führt.
Die Auftrennung der Einheit in „verstehbare, erfahrbare Häppchen“ durch Raum und Zeit liegt in der Hand des Heiligen Geistes. Wenn wir nur die Einheit anstreben und die Trennung nicht ebenso als den Weg des Heils würdigen, der die Anziehung zu Gott erzeugt, dann würdigen wir den Heiligen Geist nicht, und das ist unverzeihlich. Das kann sich darin zeigen, dass wir den Sinn von Leid oder schwierigen Lebenssituationen nicht verstehen und daher ablehnen, hadern. Gott umfasst die Einheit und die Trennung, ist die Schaffung der Möglichkeit eines Weges zu Gott, der Erfahrung von Glaube, Liebe und Hoffnung.
Matthäus 12 (Lutherbibel 1984):
31 Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben. 32 Und wer etwas redet gegen den Menschensohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet gegen den Heiligen Geist, dem wird’s nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt.
Vor einigen Jahren, als ich noch als Reiki-Lehrerin arbeitete, hatte ich eine 70jährige Teilnehmerin in einem Seminar für das Heilen durch Handauflegen. Sie war wunderbar: natürlich, humorvoll und liebenswürdig. Beim Kennenlernen zu Kursbeginn hatte sie eine Überraschung für mich bereit, denn sie hatte nur einen Arm. Wir erfuhren, dass sie den anderen vor 60 Jahren bei einem Flüchtlingstransport verloren hatte.
Mir war nicht sofort klar, wie ich damit bei den Einweihungen umgehen sollte, doch während ich dann die Theorie erklärte, bekam ich plötzlich die Eingebung von oben. Der Arm ist ja energetisch noch da und ich kann beide Hände einweihen. Und ich selbst stelle mir auch immer wieder vor, dass ich beim Handauflegen mehr Hände habe, wenn ich mal mehr als zwei brauche. Also weihte ich dann ganz explizit beide Arme ein und ermutigte sie, mental immer beide Hände aufzulegen.
Nach ein paar Wochen erhielt ich von ihr eine wundervolle Email, in der sie mir mitteilte, dass nicht nur sie selbst, sondern auch andere jetzt beide Hände spüren. Sie hat ihren zweiten Arm zurückbekommen. Sie sagt, für sie ist das mehr als ein Wunder. Und da hat sie doch wirklich recht!
Bei der Heilung ist eines immer wichtig: Der Körper an sich ist immer heil, gesund und unversehrt, denn er ist aus der Trinität gebildet und somit göttlich geschaffen. In der Phase der Einheit ist er vollständig. Durch die Energie uns kränkender Gedanken manifestiert sich – gottgewollt – im Körper dann zusätzlich veränderte Materie, die die Krankheit und den Schmerz zeigt, den die Seele durch Entfernung bzw. Trennung vom Kern, nämlich von Gott, Glaube, Liebe und Hoffnung erfährt. Der Heilige Geist schafft einen „Heilen Geist“.
Bitte für das Folgende beachten: Ich betrachte Gesundheit aus der Perspektive meiner Tätigkeit als Heilpraktikerin für Psychotherapie. Ich bin keine Ärztin und in wissenschaftlicher Medizin nicht ausgebildet. Ihr erster Ansprechpartner für die Diagnose und Behandlung von Krankheiten ist zunächst Ihr Arzt. Erst begleitend dazu ist die Beschäftigung über psychische Ursachen von Unwohlsein und Krankheiten sinnvoll.
In unseren Breiten, wo wir weniger an materiellen Mangelkrankheiten leiden, weil wir genug haben, leiden wir oft an geistigen und seelischen Mangel- oder auch Füllekrankheiten. Krankheit entsteht hier durch die eigenen Gedanken und die eigene Emotionalität, nämlich sich selbst kränkende Gedanken, durch Beurteilung, durch das Werten: das ist gut, das ist böse und den darauf sich aufsattelnden Gefühlen.
Ganz einfach kann man das feststellen mit den Techniken der Kinesiologie. In meinen Kursen verwende ich dieses Beispiel: Ein Proband, dessen Muskelstärke wir mit dem kinesiologischen Armtest austesten, stellt sich beim Test nacheinander sein Lieblingsessen vor und anschließend das, was er gar nicht gern isst. Das heißt, er produziert lediglich Gedanken, nämlich die Vorstellung, die das Essen dieser Speisen einbeziehen, Geschmack, Geruch, Aussehen, Gefühl beim Kauen und Schlucken; die Speisen an sich sind nicht da. Es war noch nie anders, als dass der Gedanke an die Lieblingsspeise den Probanden stark sein ließ, so dass sein Arm jedem Druck standhielt. Der Gedanke an die verabscheute Speise lässt ihn in der Regel so schwach sein, dass der Arm schon geringem Druck nachgibt und vom Probanden einfach nicht in der Waagerechten zu halten ist.
Dieser einfache Test, den jeder ausprobieren kann, zeigt uns, dass jeder Gedanke auf unseren Körper wirkt und zwar – je nach Qualität – uns stärkt oder schwächt. In einer Studie durch die amerikanische Psychiaterin J. Ciecolt-Glaser und ihrem Mann R. Glaser, einem Immunologen, hat man Ehepaaren vor einer Sitzung kleine Verletzungen der Haut am Arm zugefügt. Anschließend hatten sie die Aufgabe, miteinander wohlwollend über die gemeinsame Beziehung zu sprechen. Die Wunde wurde 8 Tage lang genau beobachtet. Nach zwei Monaten wurde die Verwundung ein zweites Mal ausgeführt, diesmal jedoch ging es darum, über ein strittiges Thema ihrer Beziehung zu diskutieren. Die Wundheilung dauerte diesmal ein bis zwei Tage länger als bei dem wohlwollenden Gespräch.
Unser Körper dient als Anzeiger für das, was uns kränkt und was wir in unserem Leben verändern sollten. Es ist wie in dem Spruch:
Sag du es ihm/ihr,
sagte die Seele zum Körper,
auf mich hört er/sie nicht.
Es gibt Landkarten des Körpers, aus denen wir von der Krankheit auf das zugrunde liegende Gedankengut schließen können, das zur Heilung ansteht. Besonders die Autoren Louise Hay und Thorwald Detlefsen/Rüdiger Dahlke[1], in Deutschland wohl die Bekanntesten, stellen dafür entsprechende Literatur zur Verfügung, wie Krankheiten von Organen, Körperregionen und ihre Form gedeutet werden können. Man kann sich aber auch einfach die Funktion und Arbeitsweise des Körperteils bzw. des Organs anschauen, und davon auf die geistige Bedeutung schließen. Zusätzlich können wir Informationen gewinnen, z.B. aus der Nähe des Krankheitsherdes zu den Meridianverläufen auf Organe schließen, ebenso durch das befallene Organ auf die Störung im Denken. [2]
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[1] Louise Hay, Heile Deinen Körper, Lüchow-Verlag, Rüdiger Dahlke: Krankheit als Symbol. Es gibt auch einen sehr schönen Vortrag von G. Mackenthun et.al. über Psychosomatik bei der Charité:
http://home.arcor.de/g.mackenthun/lect/psysom/psysoma.htm
[2] Beim intuitiven Handauflegen kann man ganze Geschichten aus den Positionen erzählen und damit das Gedankenmuster, das der Krankheit oder Befindlichkeitsstörung zugrunde liegt, identifizieren. Je leichter und reiner unser Geistkörper, umso besser fühlen wir uns, umso weniger Gedanken löst er in uns aus, umso weniger beschäftigen sie uns. Man merkt es deutlich beim Handauflegen, dass die Pausen zwischen den Gedanken länger werden, zusehends Gedanken harmonischer und freundlicher werden, dass Gedanken sich von pessimistisch zu optimistisch ändern. Energiewahrnehmungen beim Heilsegnen wandeln sich von kurzwellig / spitz / hart / heiß / schmerzhaft zu langwellig / rund / weich / warm / angenehm.
Doch wir sind nicht krank, wir sind nicht die Krankheit, die Krankheit ist nicht einer unserer Wesensanteile, sondern wir haben eine Krankheit, sie ist bei uns Gast, Bote, Engel, der bei uns wohnt und uns begleitet, und zwar solange, bis wir im Heilungsprozess von ihm alles aktuell Notwendige über uns gelernt und das Gelernte in unserem Leben umgesetzt haben.
Hebräer 13 (Neues Leben)
2 Vergesst nicht, Fremden Gastfreundschaft zu erweisen, denn auf diese Weise haben einige Engel beherbergt, ohne es zu merken!
Wenn wir krank sind, dann schauen wir uns am besten die Krankheit an und können dann verstehen, was sie uns sagen will und warum wir diesen Gast durch unseren Lebenswandel zu uns eingeladen haben. Ich möchte von einem Beispiel berichten.
Sich überdehnen, natürliche Regungen unterdrücken, schräge Wünsche
Während eines sehr anstrengenden internationalen Beratungsprojektes hatte ich zusätzlich die Trennung von meinem aktuellen Freund hinzunehmen, über dessen Verhalten bei der Trennung ich sehr zornig war. Ich war erschöpft, ich pfiff auf dem letzten Loch, konnte aber wegen vertraglicher Verpflichtungen nicht pausieren. Ich hatte mein Kind vernachlässigt und alle Bänder überdehnt, um voranzukommen. Immer wieder antwortete ich auf die Frage „Wie geht’s?“ mit: „Ich brauch dringend zwischen heute und morgen 3 Wochen Urlaub.“
Am Tage nach dem Abschluss dieses Projektes, ich wollte mit meinem Sohn Karten für die Harry-Potter-Buchveröffentlichungsparty besorgen, endlich wieder was Schönes mit ihm unternehmen, da stürzte ich im Treppenhaus und zog mir einen Bänderriss im rechten Bein zu. ICH HATTE MEINE BÄNDER IM MATERIELLEN (rechts) VORANSCHREITEN (Fuß) ÜBERDEHNT, und jetzt war es gerissen. Und nun – wo ich wieder ins normale Leben zurückkehren wollte, war ich weitestgehend zum Nichtstun verdonnert. Der Zeitkredit war zurückzuzahlen Nach ein paar Tagen kamen zum dick geschwollenen, schmerzenden Fuß auch noch Bauchschmerzen rechts oben am Rippenbogen mit dazu. Der erste Notarzt hatte den Verdacht auf Magenentzündung, doch die Magen- Tabletten halfen nicht. Als zweites kam dann nachts, als die Schmerzen immer intensiver wurden und auch durch Handauflegen nicht verschwanden, eine erfahrene alte Ärztin. Sie sah mich an und sagte: „Das könnte auch die Leber sein. Gehen sie mal umgehend ins Krankenhaus.“ Da mein Sohn im Nebenzimmer schlief, war mir das unmöglich. Ich wartete bis zum nächsten Morgen und brachte ihn bei Freunden unter und ließ mich ins Krankenhaus fahren.
Dort wurde durch Ultraschall festgestellt, dass ich Gallensteine hatte, die sich jedoch nicht in der Gallenblase, ihrer üblichen Heimat befanden, sondern im Gallengang, d.h. der Verbindung zwischen Leber und Darm, durch die der Gallensaft von der Leber in den Darm fließt, um die Fettverdauung zu ermöglichen. Bei meinem Sturz waren die Gallensteine in den Gallengang gestürzt und hatten diesen verstopft. Der recht aggressive Gallensaft konnte nicht mehr von der Leber in den Darm und staute sich in die Leber zurück. Das war in mir seit meinem Sturz geschehen.
Was ist die Galle? Die Leber produziert den Gallensaft, die Gallenblase ist quasi nur ein Auffangbehälter, in dem überschüssiger Gallensaft gespeichert wird, bis wir eine Menge Fett zu verdauen haben und mehr Gallensaft als üblich benötigt wird. Das war besonders früher notwendig, als die Nahrungsversorgung noch etwas unregelmäßig war. Da wurde, wenn mal wieder ein Tier erlegt wurde und daher viel gegessen werden konnte und mangels Kühlschrank auch musste, viel Gallensaft benötigt. Heute haben wir meist zu Weihnachten noch den Bedarf dazu.
Galle kennen wir aus zahlreichen Sprichwörtern: Jemand spuckt Gift und Galle. Mir kommt die Galle hoch! Das griechische Wort für Galle ist Cholé, aus dem auch das Wort Choleriker abgeleitet ist. Das Grundthema ist also Wut, Zorn und Groll, eine aggressive Mischung, wie der Gallensaft. Als Choleriker wird ein Mensch bezeichnet, der Gift und Galle spuckt, d.h. unbeherrscht in seiner Wut, jähzornig ist, seine Wut nach außen ablässt. Gallensteine bilden sich allerdings eher bei anderen Menschen, bei den Sanften, den Leisen, die die Wut nicht nach draußen ablassen, sondern sie hübsch in sich hineinfressen, sich speichern und fest werden lassen, die nur innerlich knurren, bis die Wut eben zu Groll, kaltem Zorn werden, bis er fest und massiv wird und dann sich als Gallenstein in der Galle manifestiert. Menschen, die ihren Zorn für sich behalten. Konfliktscheu, wie ich bin, gehörte ich auch zu diesem Club, hatte aber nicht um diese Langzeitwirkung gewusst. Wie oft hatte ich – gerade in meiner Ehe, um sie angeblich nicht zu gefährden – meinen Zorn unterdrückt und stundenlang gehadert, in stundenlangen Selbstgesprächen um meinen Ärger gekreist, mich in dunkle Wolken gehüllt, es aber nicht zum reinigenden Gewitter kommen lassen oder an Gott abgeben können.
Ja, da hatte ich also mein Fett weg. Ich wurde schon am nächsten Morgen operiert, denn der in die Leber rückgestaute Gallensaft hatte schon die Leber angegriffen. Die Folgen des angestauten Zorns vergifteten mich, griffen mich selbst an, legten mein internes Kraftwerk, die Leber, lahm. Die Operation war ein echtes Erlebnis. Der Operateur, wie man mir sagte, eine absolute Koryphäe auf diesem Gebiet, sah aus wie ein Fleischer: in Gummistiefeln, weißer Plastik-Schürze und Blaugestreiftem. Mir wurde ein Schlauch durch den Mund in den Hals und weiter geschoben, mit dem Luft durch mein Verdauungssystem geblasen wurde. Und so, wie ich es verstanden habe, war in der Mitte dieses Schlauches ein kleiner Greifer, der von außen steuerbar war. Mit diesem konnte der Chirurg die Gallensteine einsammeln. Unverhoffterweise wachte ich mitten während der Operation auf. Ich hörte den Operateur richtig Spaß haben, er sah wohl auf den Monitor, sammelte mit dem Greifer die Steine ein und bei jedem sagte er immer wieder: „Und Schuß! Und ….Schuß! Und …Schuß!“ Krieg den Steinen!
Für meinen Körper war es jedoch wie Exorzismus. Die Luft kam oben und unten raus, ich rülpste tief und laut aus der Tiefe meines Körpers heraus, mein Körper knurrte – wie ein Tier – unfassbar laut, bäumte sich auf, und auch am Darmausgang waren die unflätigsten Geräusche zu hören, mein Körper ließ laut die Luft ab, die sich seelisch so lange angestaut hatte. Es war mir total peinlich, aber da ich nicht sprechen konnte und zudem festgeschnallt war, um unter dem Röntgengerät zu bleiben und mich nicht durch die Gerätschaften selbst zu verletzen, gab es nichts, was ich tun konnte, außer es zuzulassen. Der Operateur fuhr mich noch an: „Nun reißen sie sich doch mal zusammen!“, aber wie denn, wenn der Mund durch einen fetten Schlauch zwangsgeöffnet ist. Durch diesen Eingriff trat all das zutage, was ich so viele Jahre vermieden hatte: mir im rechten Moment mir Luft zu machen, wenn ich zornig war, laut zu werden, und natürlich besonders, meinen Zorn zu verdauen, zu vergeben, abzugeben, durchzureichen. Dadurch, dass mein Körper laut und durchaus animalisch Zeichen des Zorns ausdrückte, die ich nicht mehr unterdrücken konnte, war Heilung möglich, wurde der Druck aus meinem Körper und gleichzeitig meinem Geistleib gelöst und freigegeben.
Und der Urlaub? Nach der Operation wurde mir empfohlen, dass ich mir auch die Gallenblase herausoperieren lassen sollte, um die Neubildung von Gallensteinen zu vermeiden. Ich stimmte zu, da ich aufgrund meines Bänderrisses sowieso stillgelegt war. Die Operation sollte dann zwei Tage später sein. Am Morgen, an dem die zweite Operation angesetzt war, kam der Stationsarzt auf mich zu. „Wir können Sie heute nicht operieren heute, ihre Leberwerte sind dazu noch nicht gut genug, das Risiko ist zu hoch.“ Und so ging es dann von Tag zu Tag weiter, bis die Operation dann schließlich nach 8 Tagen Krankenhausaufenthalt stattfand – ohne Komplikationen.
So hatte ich also meinen Urlaub, knapp drei Wochen zwischen heute und morgen, ich konnte im Bett liegen, bekam mein Essen ans Bett und netten Besuch, hatte Zeit zum Lesen und konnte mich entspannen und ausruhen, was ich sonst im Urlaub gemacht hätte. Ich behandelte mich ausführlich, meine Schwester las mir am Telefon die Bedeutung der Galle aus psychosomatischer Sicht vor, damit ich meinen Gast verstehen konnte. Keiner konnte etwas von mir wollen, da ich ja im Krankenhaus war. Alle meine beruflichen Verpflichtungen konnten pausieren – höhere Gewalt –, vertraglich gesehen also zwischen heute und morgen. Was für ein Urlaub – unglaublich teuer bezahlt, oder? Was für ein entsetzlich dummer Wunsch!
Und dann stand ich da, ohne Galle, ohne die Fähigkeit, Zorn zu speichern. Mein Ex-Freund erhielt nach dem Krankenhaus einen Brief von mir, in dem ich meinen ganzen Zorn, meine ganze Enttäuschung über sein Verhalten förmlich ausspuckte, viele Seiten lang. So einen Brief hatte ich noch nie in meinem Leben geschrieben! Das Erstaunliche daran für mich war, dass ich – nach dem Ausdrücken des Zorns – schon einen Monat später innerlich meinen Frieden mit ihm schließen, vergeben konnte, auch wenn er selbst nach dem Brief noch nicht so weit war. Naja, den besten Weg hatte ich noch nicht gefunden…
Mit diesem Beispiel will ich dem Zorn nicht zum Munde reden, doch er ist eine elementare Emotion, er bewirkt starke körperliche Reaktionen. Ihn zu unterdrücken, das macht keinen Sinn, wohl aber, ihn ernst zu nehmen, ihn zeigen, ihn sich selbst zeigen und dann seine Energie zu nutzen um herauszufinden, worüber man SICH ärgert, damit man wieder zu Gottes Welt, zur Sicht des Guten zurückfinden kann, vergeben kann.
Meine Gäste waren in diesem Falle:
- Zorn zu verstehen, Umgang mit Zorn lernen,
- zu mir selbst zu stehen,
- mich und meine Emotionen ausdrücken,
- Grenzen setzen, vergeben lernen,
- die Bereitschaft aufzugeben, dauerhaft weit über meine Kräfte zu gehen, um meine Existenz-Angst um mein professionelles Image und damit Existenzerhalt ruhig zu stellen,
- Selbstverleugnung, aufzugeben,
- der Retter meiner Gesundheit, die ich für Geld aufs Spiel zu setzen bereit gewesen war,
- und der „Wunsch-Doktor“
Doch wenn wir uns wieder aus unseren manchmal wirklich abstrusen Gedankenreichen entlassen, dann können wir uns Gottes Reich zuwenden. Unsere Seele erfährt die Hoffnung, dass sie wieder in Gottes Welt aus Liebe und nicht in einer erdachten Welt leben kann, die sie quält und uns körperlich überfordert. Die Krankheit ist immer das Gleichnis der erdachten Welt, das wir uns solange anschauen und fühlen können, bis wir den Eingang in Gottes wahre Welt suchen und wieder finden. Jede Krankheit wird also eingeladen durch den eigenen Geist, nämlich sich selbst kränkende Gedanken, durch Beurteilung, durch das Werten. Wie fühlt sich der Energieabfluss an?
Unser Körper reagiert auf jeden unserer Gedanken mit einer biochemischen Reaktion, die ihn eben stärken oder schwächen kann.
Schwächende Gedanken wirken sich zunächst in unserem Geistkörper aus und beeinflussen unsere Stimmung. Der reagiert sehr schnell auf unsere Emotionen und Stimmungen, so können wir eine schwächende Reaktion manchmal deutlich durch Symptome wahrnehmen, z.B. durch
- Erschrecken,
- Nervosität,
- Kraftlosigkeit,
- Herzklopfen, Herzrasen, erhöhter Puls,
- feuchte Hände, Schweißausbrüche, siedendheiß werden, Kälteempfinden,
- weiche Knie, schwere Beine,
- einen Druck im Hals,
- Magendruck, Magenbrennen, “Magenexplosionen”
- Nebel im Kopf, Blackout
- Verkrampfung des Zwerchfells, flache Atmung.
Auch im Volksmund finden wir das wieder. Eine Situation schlägt uns auf den Magen, oder wir fühlen uns wie vor den Kopf geschlagen. Sind wir unklar, dann wird uns schwindlig. Wenn wir etwas nicht aussprechen wollen, dann haben wir plötzlich einen Kloß oder einen Frosch im Hals, der zunächst durch keine organische Krankheit bewirkt wurde. Bleiben wir jedoch dabei, dass wir etwas zu sagen hätten, es jedoch nicht aussprechen, dann stellen sich gerne echte Halsschmerzen und Halsentzündungen ein. Liebeskummer, aber auch Verliebtheit können wir deutlich im Herzen spüren, frische erotische Neigungen sorgen für die Schmetterlinge im Bauch und bedrohliche Situationen führen zu weichen Knien. Oft findet diese Schwächung unterhalb unserer Wahrnehmungsschwelle statt, was jedoch nicht bedeutet, dass sie nicht stattfindet. Alle diese Schwächungen addieren sich und bestimmen unsere Befindlichkeit. Und unsere Befindlichkeit bestimmt dann wieder unsere Leistungsfähigkeit.
Wenn so bestimmte Gedankenmuster durch ständiges Wiederholen, beispielsweise Grübeln oder Hadern mit dem eigenen Schicksal, tagelang, wochenlang, monatelang, jahrelang mit biologischen Stressreaktionen und Abbau statt Aufbau und Stärkung auf den Körper einwirken, dann tritt der Gast ein, die Krankheit. Das biologische Körperklima verändert sich. Es gibt Zahlen, wie viel Gedanken wir am Tag durchschnittlich so durch unser Energiesystem bewegen. Wenn von beispielsweise 60.000 Gedanken, die z.B. Deepak Chopra, Mediziner und spiritueller Autor, nennt, die Hälfte schwächende Gedanken sind, dann hat das eine starke Auswirkung. Durch diese Schwächung können zum Beispiel
- Vitalwerte wie Temperatur, Säure-/Basen-Zustand etc. sich verändern, dadurch können Bakterien und Viren ein günstiger Nährboden bereitet werden, Krankheits-Erregern wird Tor und Tür geöffnet (z.B. Infektionen);
- das Immunsystem geschwächt werden und externe Erreger nicht mehr mit voller Kraft abwehren kann;
- bestimmte Körperregionen schwächen, die die Emotionen zu verarbeiten haben, die durch das schwächende Denken ausgelöst werden (z.B. Magenprobleme, ausgelöst durch Ärgern oder Angst: Ich kann es so nicht mal anfangen zu verdauen!);
- durch die Produktion und den Abbau von Stresshormonen wertvolle Vitamine/Vitalstoffe verbraucht werden. Vitaminmangel führt dann wieder zu weniger gesunden, kraftvollen Zell-, Gewebe- und Knochenstrukturen;
- durch geschwächte Organe verändert, verlangsamt, verfälscht sich das fein abgestimmte Erneuerungssystem des Körpers, der Körper arbeitet insgesamt mit weniger optimalem „Ausgangsmaterial“;
- durch Verhaltensweisen, die Organe oder Körperregionen schwächen, (z.B. Rauchen, Trinken, Essen von gesundheitsschädlicher, Zuwenig oder Zuviel an Kost);
- durch Gedanken wir Situationen anziehen, die Körperregionen schädigen (z.B. Unfälle)
Dabei geschieht nichts durch Zufall. Auch Unfälle passieren nicht einfach so, irgendwann sind sie vorher – bewusst oder unbewusst – in unseren Gedanken real.
Vor ein paar Jahren war ich wirklich verzweifelt. Ich wünschte mir sehr einen Partner und es gelang mir gar nicht, jemanden zu finden, der mit mir klar kam (wie ich es in dem Moment empfand). Ich dachte, mit mir wäre etwas grundsätzlich falsch. Heute würde ich von Glück sprechen, dass sie nicht blieben, weil sie ja auch einfach nicht passten, deshalb kamen sie ja nicht klar. Doch in der Situation war ich natürlich nicht so klar, sondern tief verirrt in einer irrealen Welt und traurig, eben verzweifelt und auch deutlich lebensmüde – mit dem trennenden Gedanken „was an mir ist so schrecklich, dass ich es nicht schaffe, einen Mann zu halten, ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr“. Ich fühlte mich einsam, alleingelassen, mit meiner Situation überfordert, unfähig, schrecklich. An einem Abend gab es mal wieder eine unerwartete Trennung, die mich traf wie ein Eimer eiskaltes Wasser. Am nächsten Tag fuhr ich mit dem Auto von Berlin nach Hannover zu einem Seminar. Und auf der Strecke zwischen Wolfsburg und Hannover sah ich mir immer wieder Bäume, Brückenpfeiler und ähnliches an mit dem Gedanken: Sollte ich da nicht draufhalten, dann ist es zu Ende mit der Leiderei! Immer wieder…
Ich kam in Hannover an und nahm an dem Seminar teil, das sehr viel Praxis im Handauflegen enthielt und mir half, wieder in einen harmonischeren, geistigen Zustand zu gelangen, mein Interesse an einem Selbstmord auf der Autobahn hatte sich entschieden gelegt. Außerdem gab es ja noch meinen Sohn, dem ich das nicht antun wollte. Auf der Rückfahrt holte ich meinen Sohn aus Wilhelmshaven ab und wollte mit ihm über Hamburg nach Berlin fahren.
Durch einen Zufall bog ich am Bremer Kreuz durch eine Baustelle dann doch in Richtung Hannover ab. Als wir zwischen Hannover und Wolfsburg waren, setzte ich bei dreispuriger Fahrbahn aus der mittleren Fahrspur zum Überholen an. Gerade, als ich links rüberziehen wollte, bemerkte ich neben mir ein weißes (!) Fahrzeug, das sehr viel schneller war als ich, das ich wohl im toten Winkel übersehen hatte und lenkte schnell wieder in meine Spur zurück. Da dies bei ca. 150 km/h stattfand, begann mein Wagen sich aufzuschaukeln und er drehte sich. Zum Glück hatte ich mal ein Sicherheitstraining absolviert. Ich handelte: lenkte geistesgegenwärtig gegen und bremste, um dann quer zur Autobahn auf dem Standstreifen zu stehen kommen, etwa einen Meter vor Beginn der Leitplanke, die nach ein paar Meterchen in einen Brückenpfeiler überging. Hätte ich langsamer reagiert, hätten wir am Brückenpfeiler geklebt, hätte ich ein paar Sekunden später die rechte Spur gekreuzt, wäre ich von einem Lastwagen überrollt worden. So ist außer einem Schrecken gar nichts passiert. Mein Sohn hatte geschlafen und daher nichts mitgekriegt, außer, dass wir plötzlich standen.
Ich hatte durch diese suizidalen Gedanken, diese Frage nicht nur mich, sondern auch mein Kind in den Tod befördern können. Wir hatten starke Schutzengel, doch zusätzlich hatte ich wieder Lebenswillen gefasst und reagierte instinktiv und rechtzeitig, statt auf den Brückenpfeiler zuzuhalten. Mir war das eine Warnung vor der Kraft destruktiver Gedanken und ich nutze seither die Technik des Gedankenstopps, um ähnliche Gedanken sofort wieder aus meinem System zu entlassen, nehme aber die Warnung ernst und arbeite seither dann sofort an meiner Heilung. Denn diese Gedanken deuten ja darauf hin, dass sich wieder etwas anbahnt, dass ich mich wieder eine irreale Welt begeben habe, in der das Leben nicht schön und göttlich ist.
In dem Moment, wenn wir ganzheitlich wieder in Gottes Welt zurückkehren, damit wieder Einheit schaffen, dort ist Heilung möglich. Denn wir sind genial von unserem Schöpfer geschaffen, der Körper kann sich vollständig wieder regenerieren, wenn unser Gast sein Ziel erreicht hat, seine Nachricht uns bewusst machen konnte und uns verlässt. Durch das Weglassen kränkenden Denkens und Verhaltens ist der Abbau in Aufbau, die Schwächung wieder in Stärkung umgehend möglich. Diese Erkenntnis gab es schon im Buch der Weisheit 2 (Einheitsübersetzung):
1 Sie tauschen ihre verkehrten Gedanken aus und sagen: Kurz und traurig ist unser Leben; für das Ende des Menschen gibt es keine Arznei und man kennt keinen, der aus der Welt des Todes befreit. 2 Durch Zufall sind wir geworden und danach werden wir sein, als wären wir nie gewesen. Der Atem in unserer Nase ist Rauch und das Denken ist ein Funke, der vom Schlag des Herzens entfacht wird; 3 verlöscht er, dann zerfällt der Leib zu Asche und der Geist verweht wie dünne Luft. …21 So denken sie, aber sie irren sich; denn ihre Schlechtigkeit macht sie blind. 22 Sie verstehen von Gottes Geheimnissen nichts, sie hoffen nicht auf Lohn für die Frömmigkeit und erwarten keine Auszeichnung für untadelige Seelen. 23 Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht. 24 Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt und ihn erfahren alle, die ihm angehören.
Durch die Zuwendung zur Seele und der göttlichen Dreifaltigkeit wird diese Erinnerung geweckt, die Hoffnung geweckt, dass doch alles so sein kann, wie Jesus es verkündet hat. Gottes Reich ist möglich – hier und jetzt.
Das Maß an Gedankenaktivität, die ich bei jedem wahrnehme, dessen Kopf ich beim Handauflegen berühre, ist erschreckend. Und das fängt schon bei so jungen Menschen an, viele Köpfe fühlen sich an wie ein Bienenkorb, manchmal senden die Köpfe richtige harte Wellen aus, manche glühen, manche sirren, mancher Gedankenkranz hat sich wie ein Panzer um den Kopf gelegt. Aus meinem eigenen Kopf kenne ich das natürlich auch und ich habe viele Jahre gebraucht, um zu einem freieren Kopf zu gelangen. Ich nenne das „Gedankenkrankheit“ und halte sie für den Auslöser von Krankheiten und Süchten. Ich bin mir sicher: die meisten Menschen reden nicht über diese Belastung durch die eigenen Gedanken, die für sie die größte Qual im Leben ist.
Der Kopf einer meiner Klientinnen, sie hatte Multiple Sklerose im Anfangsstadium, fühlte sich geradezu elektrisch an. Ich fühlte deutlich ein Sirren bei ihr wie das, was wir um eine Hochspannungsleitung wahrnehmen. Bei der Behandlung hatte ich die Vision einer Drahtseilwinde, die so hart gespannt wurde, dass einzelne Drahtseelen rissen.
Und was ist Multiple Sklerose? Die Nervenbahnen des ZNS werden nach und nach zerstört. Kranke so genannte T-Zellen des Immunsystems überwinden die Blut-Gehirn-Schranke, was sie im gesunden Zustand nicht könnten, und greifen dort die Schutzschicht der Nerven an und zerstören sie, was dann irgendwann natürlich auch die Nerven selbst schädigt. Nervenimpulse werden so langsamer bis überhaupt nicht mehr weitergeleitet. Das führt zu Sehstörungen, Fehlern bei der Ausführung von Bewegungen, Gleichgewichststörungen, gestörte Nervenempfindungen z.B. Taubheit oder permanenter Blasendrang.
Zumindest bei dieser Klientin lag die psychosomatische Ursache der Erkrankung in einem übermäßigen Gedankendruck, der durch schon seit der Kindheit bestehendem Leistungsdruck und dem Willen zu bedingungslosem Funktionieren ausgelöst war.
Das ist das Gesunde am einfachen Leben, in dem man sich auf etwas konzentrieren kann und dafür einfach einen freien Kopf hat. Man ist ganz da, wo man gerade ist. Auf (zu) vielen Hochzeiten tanzen, innerlich abwesend sein, quasi immer im Hintergrund und/oder real einen Zettel machen zu müssen, was alles noch ansteht und was wann zu erledigen ist, ist an sich unnötig und lediglich Ursache von Lebensentwürfen, die das Sein zersplittern. Das Reduzieren der Hüte, die man sich aufsetzt, Entschleunigung, oder der Aufruf des „Simplify your life“ zeigen einen realen Weg zur Heilung von der Gedankenkrankheit auf. Ganz einfach zeigt es sich hierin, wozu es führt, wenn man mehr als eine große Sache verfolgt:
Matthäus 6 (Lutherbibel 1984)
24 Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
Das Denken ist die Beschäftigung der Menschen, die uns davon abhält, die Welt, wie sie ist, wahrzunehmen und das Notwendige zu sehen und zu erledigen. Das Denken beschäftigt und hält unsere Aufmerksamkeit im Bann, damit nicht klar wird, was sich uns gerade direkt vor unseren Augen offenbart. Sonst müssten wir uns in vielen Situationen sofort damit beschäftigen, notwendige Veränderungen einzuleiten. Um dies zu vermeiden, um unbewusst zu bleiben, läuft das Denken in langen, weiten Schleifen, teilweise angenehm und schön, oft auch anstrengend, schwächend und nervtötend.
Dass Denken, Bildung und Kopflastigkeit nicht unbedingt zu Gott führt, darauf hat uns auch Jesus in Matthäus 11 (Hoffnung für alle) hingewiesen
25 Jesus betete: “Mein Vater, Herr über Himmel und Erde! Ich danke dir, dass du die Wahrheit vor den Klugen und Gebildeten verbirgst und sie den Unwissenden enthüllst. Ja, Vater, so entspricht es deinem Willen.“
Im Geist Gottes ist Ruhe und Gegenwärtigkeit. Die Wahrheit ist kein Produkt des Denkens, des Abwägens, sondern eine Enthüllung, ein Impuls, eine Gabe Gottes, die wir wahrnehmen können. Offenheit, Wahrnehmungsfähigkeit, Aufmerksamkeit erschließt sie uns – NICHT DENKEN.
Oft ist auch die Flucht in geistige Beschäftigung z.B. Folge unserer Furcht vor dem Ausgesetztsein der inneren Stimme, Seiner Stimme, die uns wirklich fragt: Ist das richtig und sinnvoll, was da gerade passiert? Es kann die Furcht sein vor dem Aufsteigen unangenehmer Erinnerungen, die wir lieber vergessen oder verdrängen würden: Gedanken an Schuld, Scham, unangenehme Situationen, Gefahr, Schmerz, Pein. Gedanken an die Liebe und wie sie sein könnte und was wir daraus machen oder gemacht haben.
All diese Gefühle will keiner wieder erleben und durch sie hindurchgehen, sie bearbeiten. Also wird der Geist beschäftigt. Daher empfinden wir oft Arbeit als so angenehm. Der Geist kann sich an etwas festhalten. Er kehrt nicht mehr zum Kern des Unwohlseins zurück. Wir brauchen uns nicht mit uns zu beschäftigen, weil etwas außerhalb von uns unsere Aufmerksamkeit fordert. Sogar etwas, das alle für sinnvoll, vernünftig, praktisch und lobenswert gehalten haben, nämlich eine vernünftige Arbeit mit einem vernünftigen Gehalt.
Ich habe mich um Dinge kümmern können, die ich als Arbeitsauftrag erhielt, konnte meine Fähigkeiten und meine Gestaltungskraft darauf verwenden, diesen Arbeitsauftrag ordentlich, sinnvoll und aussagekräftig zu gestalten. Danach habe ich mich dann auch selbst sinnvoll gefühlt, war dankbar und im positiven Sinne geschafft, nämlich die Herrin eines Werkes, das ich stolz weitergeben konnte. Ähnlich verhielt es sich beim Schreiben einer globalen Vertriebsmethodologie für ein großes Unternehmen. Auch dort konnte ich mich in dieser Welt verlieren und habe die aktuelle Welt nicht wahrgenommen, war völlig im Fluss in einer Welt, die nicht meine war bzw. es nicht mehr war. Ich setzte mich morgens um 8 Uhr an meinen Schreibtisch und kam um 14.00 Uhr das erste Mal wieder zu mir, wenn der Magen knurrte. Meine eigene Lebenssituation zu diesem Zeitpunkt: schlicht eine Katastrophe.
Selbstvergessenheit – das ist ein zweischneidiges Schwert. Sie wird allgemein gelobt, wenn wir uns einer höheren Sache, der Gemeinschaft, den Bedürftigen widmen. Doch wir sind immer Teil der Situation, wir gehören immer dazu. Die eigene Beteiligung erst gibt dem Werk, das wir erstellen, Farbe und Leben. Wenn wir das Leben um uns herum wahrnehmen, dann erfahren wir nebenbei so viel Beiwerk durch die kleinen Dinge, die uns am Wegesrand begegnen können. Wichtiges Wissen, sinnvolle Impulse können uns so wie von selbst zufallen. Immer wieder habe ich das Gefühl, Nachdenken ist überhaupt die dümmste Idee, eine Frage zu lösen.
Sprüche 26 (Hoffnung für alle): 12 Kennst du jemanden, der sich selbst für weise hält? Ich sage dir: Für einen Dummkopf gibt es mehr Hoffnung als für ihn!
Das Nachdenken hat ein großes Manko. In den Gedanken befindet man sich nicht in einer realen Welt, vor allem nicht, wenn man sich mit Situationen rumschlägt, die durch Nachdenken gar nicht gelöst werden können. Es ist, als ob man mit einem Handtuch schneiden wollte, mit einem Hammer Schrauben rausdrehen. Was sagt uns denn, was uns gut gehen lässt? Unsere Wahrnehmung, unsere Sinne, unsere Intuition, unsere Emotion! Etwas, was wir nicht steuern und kontrollieren können, was einfach kommt.
Gedanken können schön klingen, sie können faszinieren, ja sogar kurzfristig berauschen, flashen, geistige Orgasmen. Doch überprüfbar, ob das Gedachte in der Praxis hält, funktioniert erst, wenn wir uns in die Situation hineinversetzen und ausprobieren, wie es sich anfühlt. Wie wir darin leben können. Uns die Situation farbig ausmalen und sie detaillieren, das Träumen. All die anderen Entscheidungsmechanismen, die auf logischen oder mathematischen Modellen basieren, funktionieren einfach nicht, also Pro- und Kontra-Listen und Bewertungsmodelle. Nachdenken bei schwierigen Situationen ist eine nicht adäquate Verhaltensweise. Nachdenken hilft maximal dabei, die Grundsituation zu analysieren und die Fragestellungen, anhand derer man vorgeht, die das Grundgebäude der Situation darstellen. Was denke ich eigentlich? Was erzähle ich mir denn da gerade? Gehe ich überhaupt von den richtigen Voraussetzungen aus? Stimmen meine Grundannahmen? Kann ich das wissen? Entsprechen sie der menschlichen Natur? Führen sie uns in Richtung Barmherzigkeit?
Gefühle können nicht logisch gelöst werden, sie wollen ihren natürlichen Ausdruck finden. „Ich denke, ich fühle mich jetzt mal wohl, ich denke, ich bin jetzt mal nicht traurig!“ ist kein Weg, um zum Wohlfühlen zu kommen oder Traurigkeit zu beenden. Gefühle können nicht durch Vernunft kompensiert oder gelenkt werden, sondern nur ausgedrückt werden. „Es ist jetzt nicht vernünftig, traurig zu sein!“ beendet unsere Traurigkeit ebenso wenig. Das ist nicht Vernunft, dass ist einfach nur sinnfrei.
Achtung Unterscheidung! Es gibt Gefühle, die entstehen aus unserem aktuellen Erleben, aus unseren Sinnen, unserer Wahrnehmung. Wir sehen z.B. ein kleines Kind oder einen Sonnenuntergang oder das Leid eines Menschen und sind zu Tränen gerührt. Ein Traumapatient kann einen Flashback erleben. Wir erleben tiefe Freude. Diese Gefühle können nicht gelenkt, gestoppt werden, sondern nur ausgedrückt werden. Und es gibt Gefühle, die basieren auf unseren Gedanken, unseren eigenerfundenen Geschichten, z.B. denken wir, jemand anderes hat uns verletzt mit dem, was er neulich gesagt hat. Und das macht uns traurig. Diese Gedanken können durch einen Gedankenstopp umgehend beendet werden und dann ist auch das zugehörige Gefühl obsolet. Genau hier funktioniert der Stopp, weil sie keine Wahrheit besitzen.
Wenn erstere Gefühle unser Überlebensprogramm sind, dann ist die gedankliche Anfachung oder Lenkung der Gefühle ein Virus in diesem Programm. Das funktioniert einfach nicht, dabei läuft man früher oder später auf einen Fehler. Wenn unangenehme Gefühle aus aktuellem Erleben immer wieder auftauchen, wenn wir immer wieder das Gleiche erleben, dann ist Heilung der Lebensumstände der Weg, dann haben wir uns unerträgliche Lebensumstände geschaffen, egal, wie „vernünftig“ sie sein mögen.
Hinter unseren Gedanken liegt der Schlüssel zum Reich Gottes und die Antwort. Denn es ist ständig da, doch häufig nehmen wir es nicht wahr, weil wir uns mit Denken vom wahren Leben ablenken.
Wer sich den ganzen Tag von seiner inneren Stimme, seinen Sinneseindrücken, seinen inneren Impulsen und der Wahrnehmung seiner Gefühle abtrennt, verstopft die „Poren“ seiner Sinne. Diese „Poren“ sorgen dafür, dass wir eine Situation gänzlich wahrnehmen können. Sie sorgen dafür, dass uns alle Nuancen auffallen können, sie können uns diese Informationen zur Verfügung stellen. Man kann dies nennen: jedem Moment mehr Tiefe geben, jeden Moment mehr auskosten. Das ist jedoch nur möglich, wenn wir für unsere Sinneswahrnehmungen offen sind.
Eine Beschreibung des Zustandes in Matthäus 13/Jesaja 6 (Lutherbibel 1984)
14 Und an ihnen wird die Weissagung Jesajas erfüllt, die da sagt (Jesaja 6,9-10): »Mit den Ohren werdet ihr hören und werdet es nicht verstehen; und mit sehenden Augen werdet ihr sehen und werdet es nicht erkennen. 15 Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt: Ihre Ohren hören schwer und ihre Augen sind geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, und ich ihnen helfe.«
Je häufiger wir jedoch unseren Sinneswahrnehmungen im Alltag kein Gehör schenken, umso mehr sind unsere Sinne in unserem Geistkörper umspült von Emotionen und Ausdrucksnotwendigkeiten, die eben nicht in ihrer ursprünglichen Situation nach außen getreten sind. Unsere Sinne nehmen die Informationen wohl auf, können sie aber nicht an das Bewusstsein weitergeben, weil dies durch andere Aktivitäten belegt ist, eben häufig Denken, Denken, Denken. Der Körper reagiert jedoch trotzdem auf die Reize mit Wohl- oder Unwohlsein und möchte dieses Wohl- oder Unwohlsein gern ausagieren und an unser Bewusstsein weitergeben. Dies kann Atem, Bewegungen, Emotionen, Worte oder Laute sein, oder einfach die Gelegenheit, sich diesem Sinneseindruck hinzugeben, ihn durch und durch zu fühlen, um zu einer Erkenntnis zu kommen. D.h. oft stehen vor unserem Bewusstsein unheimliche Schlangen an Eindrücken, die wahrgenommen werden wollen. Passiert dies nicht, dann werden unsere Sinneskanäle langsam aber sicher verstopft bzw. verkümmert, weil sie nicht „ausgelesen“ werden, etwa ein schmollendes sich Abwenden „ich kann ja sagen, was ich will, mich hört ja doch keiner“. Dies kann man sich wie ein Sieb vorstellen, bei dem sich Stück für Stück die Löcher zusetzen.
Oder wie trockene Erde, in die Wasser nicht vordringen kann. In feuchter Erde befinden sich Unmengen kleiner Kanäle, Kapillaren, in denen das Wasser aufgenommen und gespeichert wird. In trockener Erde sind diese Kapillaren nicht mehr vorhanden, sie haben sich zusammengezogen. Erst, wenn die Erde über längere Zeit wieder mit Wasser bedeckt ist, bilden sich die Kapillaren wieder neu. Genauso ist das auch mit dem Körper. Wenn ich über lange Zeit zuwenig Wasser getrunken habe, dann bilden sich auch die Kapillaren in meinem ganzen Körper zurück. Und wenn ich dann wieder anfange, mehr zu trinken, dann muss ich einfach viel häufiger auf die Toilette, weil der Körper anfangs das Wasser noch gar nicht wieder speichern kann. Erst nach längerem verstärkten Wassertrinken, d.h. Wochen und Monate, bilden sich die Kapillaren wieder verstärkt aus und das Wasser wird im Körper gespeichert, bis es wieder gebraucht wird.
Die Erfahrung kennen wir vielleicht auf einer anderen Körperebene, wenn uns irgendwelche Glieder „eingeschlafen“ sind. Wir haben Nerven durch unsere Haltung eingeklemmt, die Glieder fühlen sich irgendwann taub an. Die Nerven geben keine korrekte Information mehr an das Hirn weiter. Wenn dann der Nerv wieder durchgängig wird, dann treten Schmerzen auf. Dies ist meist nicht nur unangenehm, das tut oft richtig weh, und zwar so lange, bis der Stau beseitigt und die Informationen wieder richtig ausgewertet werden können.
So ist dies auch auf der Gefühlsebene. Wenn das Maß der ausgewerteten Sinneseindrücke und damit die Wahrnehmung der damit verbundenen Emotionen sich wieder erhöht und alles bewusst wird, dann bemerken wir in der Regel erst einmal, wie unerträglich es ist, dies alles zu spüren. Denn wenn es nicht so unerträglich wäre, warum hätten wir uns ansonsten von diesen Gefühlen abgewandt oder abgespalten? In der Regel haben wir uns in einem Leben eingerichtet, das uns nicht wirklich zuträglich ist.
Es ist uns nicht zuträglich, dass wir uns von unserem Erleben abwenden, es ist wichtig, uns dem zuzuwenden, was wir fühlen. Unsere Gefühle sind für uns ein ganz wichtiger Gradmesser, sie sorgen dafür, dass unser Leben lebenswert wird. Sie achten auf uns, sind unser Überlebensmechanismus. Sie möchten unserem Bewusstsein gern immer mitteilen, wenn eine Situation für uns nicht angebracht ist. Ihre Funktion tritt lange vorher ein, bevor wir einen Schaden intellektuell bemerken. Sie warnen uns vor körperlich und seelisch unzuträglichen Situationen. Dies ist auch eine klare Erkenntnis der Hirnforscher wie z.B. des Neurologen Antonio Damasio:[1] „Alle Emotionen haben eine regulatorische Funktion und führen in der einen oder anderen Weise zur Entstehung von Umständen, die vorteilhaft für den Organismus sind, der das Phänomen zeigt. Emotionen haben mit dem Leben eines Organismus zu tun, seines Körpers, um genau zu sein, und ihre Aufgabe besteht darin, dem Organismus zu helfen, am Leben zu bleiben.“
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[1] Antonio Damasio: Ich fühle, also bin ich, List Verlag, Seite 68
Wenn wir dann auf leichte Signale einfach nicht mehr reagieren, dann werden die Signale stärker. Dies können intensivere Gefühlszustände sein wie Gereiztheit, Ärger, unvermeidbare Tränenausbrüche, Einsamkeit, Verzweiflung, Gehetztheit, jedoch auch Körperwahrnehmungen: Schmerzen (Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Schulter- und Nackenschmerzen, Rückenschmerzen), An- und Verspannung, Erschöpfung, Müdigkeit, irgendwann chronische Schmerzen. Wenn wir auch darauf nicht reagieren, dann dauert es ein wenig und die Signale werden noch stärker. Werden auch diese überhört und das signalauslösende Verhalten wird fortgesetzt, dann wird die Sinnesleitung abgeschaltet.
Die Wiederanschaltung ist dann nicht einfach, sie dauert entweder sehr lange – wie etwa bei einem Sieb, bei dem wir die verstopften Löcher entweder einzeln durchstechen müssen, d.h. mit jedem bisher verdrängten, ignorierten Teilaspekt auseinandersetzen müssen. Oder dies kann mit großen Schmerzen, starken Gefühlen oft insbesondere Ängsten verbunden sein, wie etwa, wenn wir unser Sieb eine Weile in Wasser legen, d.h. uns mit Gefühlen ausagieren, fluten, bis sich das verfestigte Material wieder löst.
Was in den Organismus rein kommt, das muss auch wieder raus, die Energie der Erlebnisse bleibt jedenfalls so lange im oder beim Körper erhalten, bis eine Bewusstwerdung und die zugehörige Reaktion stattgefunden hat. Irgendwann muss man sich stellen. Mir ist es in psychotherapeutischen Sitzungen häufiger so gegangen, dass bei der Bewältigung von Problemen plötzlich an irgendeiner Stelle am Körper sich etwas wie ein unsichtbares Gewicht wie in Luft auflöste und mich erleichtert zurück ließ.
Was wir jedoch alternativ gern tun: wir verschieben unsere Aufmerksamkeit dahin, dass wir uns so sehr mit anderen Dingen beschäftigen, damit wir die Signale ignorieren können. Was bedeutet, dass wir uns ständig und dauerhaft beschäftigen müssen, damit die Nachrichten nicht durchkommen. Das führt natürlich zu zusätzlichem Stress, Anstrengung, der Anhäufung von Aktivitäten, der Suche nach intensiven Glücksgefühlen, Kaufrausch, zu Überbrückungsaktivitäten in jeglichen Ruhephasen: z.B. das Lesen von Zeitungen, Arbeitsmaterialien, Fachbüchern oder alternativ möglichst spannender Literatur, damit keine Freiräume entstehen und zwar beim Essen, in der U-Bahn, in den Pausen, vor dem Einschlafen, auf dem Klo, an der Kasse im Supermarkt, im Wartezimmer. Ich habe jedoch schon mangels sinnvoller Literatur Inhaltsangaben von Putzmitteln gelesen, damit ich überhaupt etwas zu lesen hatte.
Ja, richtig, dies klingt so: es hat Suchtcharakter. Ich begebe mich in eine andere Welt, weil meine eigene Welt für mich nicht aushaltbar, interessant, gefühlvoll, angemessen, geborgen, sicher, überhaupt mir entsprechend genug ist. Und: weil ich die Tür zuhalten will, damit dieses Übermaß an Eindrücken nicht zu mir durchdringt. Auch andere alternative Aktivitäten können Suchtcharakter zum Zwecke des Nichtspürens und Zeitüberbrückens annehmen: Fernsehen, Radio bzw. Musikhören, Internet-Surfen, Computerspiele (vor allem virtuelle Daueraufenthaltsorte wie Second Life, World of Warcraft etc. und das Mitleben fremder Leben wie z.B. Twitter, Facebook) Telefonieren, Essen, Naschen, Orakeln, Übungen/sportliche Aktivitäten, Zwangshandlungen. Und schließlich tatsächlich: Verdrängung durch Suchtstoffe wie Alkohol, Tabletten, Drogen, Chemikalien. Wir mögen uns überall aufhalten, nur nicht in unserem Leben.
Wenn man diese Verhaltensweise einmal aufgegeben hat, dann ist es eine riesige Erleichterung, z.B. nicht mehr lesen zu müssen. Und wenn man dann wirklich etwas lesen sollte, fällt es einem manchmal schwer, sich wieder für ein Buch zu interessieren, weil das, was gerade in der Realität passiert oder die Sinne einem vermitteln, so viel interessanter und spannender ist.
Als Beispiel:
Betrachten wir einmal den Unterschied, ob ich in einem Ferrari mit 300 km/h von Berlin nach Rom rase oder mit dem Fahrrad fahre oder sogar zu Fuß pilgere. Alle die Eindrücke, die ich sammeln kann, sind beim Pilgern so viel intensiver, sprechen so viel mehr Sinne an. Wenn ich dann nach der Pilgerwanderung – von vielen Tagen und Wochen – in Rom dann ankomme, bin ich an Leib und Seele erfrischt, habe den Weg wahrhaft erfahren, habe tausenderlei erlebt, viele Menschen kennen gelernt, viele unterschiedliche Speisen erlebt, Wetter wahrgenommen, Landschaften durchquert und genossen, hatte einen Wechsel zwischen Aktivität und Passivität. Ich habe den Duft von Blumen und Bäumen gerochen, habe Tiere und Landschaften gesehen, habe süße Früchte am Weg gesammelt, hatte sicher unzählige Erlebnisse, habe viel dabei erfahren und gelernt, habe eine unvergessliche Zeit hinter mir.
„Ja, aber soviel Zeit habe ich ja gar nicht, um nach Rom zu laufen!“ Wenn der Vergleich zum Ferrari steht: Die Zeit, die ich brauche, um mir den „Ferrari“ zu verdienen, die Spritkosten, die Versicherung usw. kann ich auch für das Laufen, für die direkte Erfahrung, die vertiefte, alle Sinne integrierende und auswertende Erfahrung nutzen. Und die Zeit, die ich brauche, um mir den „Ferrari“ zu verdienen, wie ist die für mich?
- Genieße ich sie oder nutze ich sie zur Verdrängung?
- Fühle ich mich dabei wohl oder muss ich mich hinterher davon erholen?
- Fühlt sie sich wie Strafe oder Last an und muss ich mich hinterher dafür belohnen, dass ich sie durchgehalten habe?
- Tue ich etwas, was ich wirklich will und für sinnvoll halte oder benutze ich diese Tätigkeit als Mittel zum Zweck? Wofür?
Wenn ich leichte Reize im Alltag dauerhaft ignoriere, dann brauche ich irgendwann starke Reize, um mich überhaupt zu spüren. Dann reicht oft ein positiver feiner Reiz nicht aus, um mich glücklich und zufrieden zu machen. Ich brauche mindestens drei Wochen Urlaub, um meine übers Jahr angesammelten Defizite wieder aufzufüllen. Dann muss es eine Urlaubsreise nach Bali oder in die Karibik sein, Aktivitäten wie Fallschirmspringen, Heli-Skiing und Yachting, da genügt eine Radtour zum nächsten See für einen gemütlichen und fröhlichen Nachmittag nicht aus, dann muss es ein Sportwagen, die Manolos, der Designeranzug, der Riesenfernseher etc. sein.
In meiner ganz schlimmen Phase mit 60-Stunden-Woche hatte ich ein Abonnement für die Philharmonie in Berlin. In diesen zwei Stunden hat keiner etwas von mir gewollt, sogar ich selbst nicht, ich konnte einfach nur da sitzen. Da habe ich mich dann auf hohem Niveau entspannen können, der Klangteppich hat sich meiner Seele angenommen, und erst nach einer halben Stunde wich dieses summende Spannungsgefühl, was mich ständig umgab, und ich konnte die Musik hören. Merken konnte ich sie mir nie…
Alternativ kann die Begründung auch heißen: „Nee, im Urlaub, da will ich mich ausruhen, da will ich nicht auch noch laufen oder Fahrrad fahren, da bin ich viel zu „platt“ dafür. Da will ich mich einfach nur noch an den Strand legen, nichts tun und maximal noch abends Party machen.“ Warum wohl? Warum macht mich das Leben so platt?
- Weil ich nicht auf die Signale höre, die sagen: jetzt ist es genug! Pause!
- Weil ich mich nicht gut um mich kümmere, für mich sorge (nahrhaftes Essen, Ausgleich durch Bewegung, Freude, Balance zwischen Aktivität und Ruhe, „nährende“ Beziehungen)
- Weil ich meine Zeit so weit verkauft habe, dass ich über mein Leben nicht mehr genug Entscheidungsfreiheit habe, als dass ich selbst entscheiden könnte, wann ich aufhöre.
- Weil meine Ängste, Vorstellungen und Ziele mich dazu treiben, mich und meine Kräfte zu überdehnen, um
- meine Erwartungen und Vorstellungen oder die anderer an mich/von mir nicht zu enttäuschen, bzw.
- Misserfolge oder Kritik zu vermeiden oder
- mir mein Wunsch-Image nicht anzuknacksen, vielleicht weil ich souverän, zuverlässig, professionell, stark, verantwortlich, reif für Was-auch-immer scheinen will,
- die Aufgaben zu erfüllen, die ich versprochen habe, auch wenn ich dazu nicht in der Lage bin.
- Weil ich auf verschiedenen Ebenen auf Kredit lebe und meine Kreditraten jetzt und in Zukunft sicherstellen muss.
- Weil ich an meine Altersversorgung denke, die ich jetzt ja einzahlen muss.
- Weil ich meine sichere Stelle nicht verlieren will.
- Weil: Ich muss! (Zumindest denke ich das!)
Das letzte Postulat ist ein sicheres Zeichen, dass ich gegen mein Gefühl arbeite.
Mensch, lass Dich von Deinen Gefühlen retten! Nimm sie wahr!
All die Zeit, die wir uns heute gegen unser Gefühl stellen, werden wir irgendwann brauchen, um uns nach dem Zeitpunkt, an dem wegen dieser Ignoranz in unserem Körper oder unserer Seele etwas reißt oder wie ein Gummiband überdehnt wird, wieder neu zu justieren und uns neu in Schwung zu setzen. Und dies kann Wochen, Monate und sogar Jahre dauern. Wenn es denn geht… Woher ich das weiß? Aus Erfahrung – nicht nur meiner! Siehe auch 2.1.4.10 Kredite auf das Leben. Wir können anhalten und uns wieder sensibilisieren für unsere Gefühle und um das alltägliche Glück zu erkennen. Dies ist das wahre Glück, denn es ist ständig da und in der Regel preiswert bis kostenlos: ein gleißend-roter Sonnenuntergang, ein Blick auf ein schlafendes oder ins Spiel vertiefte Kind, mildes Wetter im Oktober, ein Herbstspaziergang in bunten Blättern, tanzende Lichter auf einem See, das Schnurren eines Katers, ein tiefer Blick in die Augen des geliebten Menschen, frisch gefallener Schnee, ein Lächeln, ein Moment geruhsamer Stille, ein freier Kopf, die ersten Schneeglöckchen, der erste Frühlingshauch, duftende Baumblüte im sanften Frühlingswind, ein frisches Brötchen, ein reifer Apfel gemeinsam in Muße genossen. Wer schon mal gefastet hat, der weiß, wie gut ein Apfel schmecken kann.
Kleiner heilpraktischer Exkurs:
Urlaub, Erholung, das heißt für viele Sonne, Strand und Meer. Warum ist das so erholsam?
- Die Sonne ist unser Kraft- und Energiespender und Vitaminquelle. Licht ist ein natürliches Antidepressivum. Und: In der heißen Sonne ist Denken oft nicht mehr möglich! Also endlich Kopf-PAUSE!
- Zum anderen der Kontakt zur Erde, barfuss laufen und auf der Erde liegen, Erdung. Hier können überschüssige Energien an die Erde abgegeben werden. Die Erde entlastet uns von Nervosität, Ungeduld und Hast. Schon mal versucht? Bei Gartenarbeit kann man sich nicht beeilen!
- Und das Wasser, in der Elementelehre das Gefühl, das Aufweichen und Abwaschen aller Verschmutzungen. Besonders wirksam ist dabei auf der köperlichen und seelischen Ebene das salzige Meerwasser wie auch die mit Meerwasser angereicherte Meeresbrise. Das wirkt wie das homöopathische Mittel „Natrium Chloratum bzw. Muriaticum“ (Kochsalz), was verordnet wird für den „unterdrückten Seelenschmerz“. Es ist der in den modernen Industriegesellschaften am weitesten verbreitete homöopathische Konstitutionstyp[1]. Natrium Chloratum wird genutzt für all die zurückgehaltenen Emotionen, bei Traurigkeit, Nervosität und Ruhelosigkeit, Kopf- und Rückenschmerz, Müdigkeit und Mattigkeit. Das Meerwasser und die Salzluft sind die Medizin, die wir für unsere verstopften „Sinnesporen“ brauchen, damit wir uns wieder besser wahrnehmen können. Salzige Tränen sind oft eine sinnvolle Abbauform für den unterdrückten Seelenschmerz. Natrium Chloratum reguliert den Körperflüssigkeitshaushalt, kann dafür sorgen, dass alles wieder ins Fließen kommt.
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[1] Psychologische Homöopathie, Philip Bailey, Knaur Verlag. Der Autor hält 1/3 der Bevölkerung in Nordamerika, England und Australien für diesem Konstitutionstyp zugehörig.
In unserer Welt ist oft die Stärke modern und Schwäche wird verachtet. Viele nennen das: Leistungsgesellschaft. Wir versuchen, unsere Stärken zu verstärken und unsere Schwächen auszumerzen. Und doch haben wir zu allen Lebenszeiten gottgegeben Perioden der Stärke und der Schwäche und das mit Sinn. Das ist ein Wunder, die Gnade des Lebens. Wir haben die Zeit der Kindheit, in denen wir schwach sind und auf die Stärke anderer angewiesen sind und wir haben die Zeit des Alters, wo wir uns mit den Einschränkungen abfinden müssen, die wir oft nach einer langen Zeit der Stärke als ein ungute Entwicklung empfinden, die jedoch eine neue Zeitqualität einläuten.
Schwangere Frauen und allein erziehende Eltern sind in einer Position der Schwäche, sie sind auf die Hilfe anderer angewiesen. Auch Krankheit ist eine Zeit von Schwäche, in der wir das Geschenk und die Gabe des Nehmens erlernen können. Alle diese Zustände sind gute Zustände, sind Zustände in denen wir Liebe und Zuwendung erfahren können, sind Zustände, in denen andere ihre Fähigkeit zu Liebe, Zuwendung und Stärke entdecken und ausüben können, sich daran freuen können. Und so können wir sowohl Stärke wie auch Schwäche erfahren und genießen.
Stärke und Schwäche dienen nicht der Abgrenzung voneinander, ich bin stark und du bist schwach, daher bin ich besser als du. Oder ich habe eine starke Zeit, daher ist es eine gute Zeit und ich habe eine schwache Zeit, daher ist es eine schlechte Zeit. Sondern wir gewinnen Stärke und Schwäche, um intensiver miteinander uns zu verbinden. Lieben wir unsere Schwäche wie unsere Stärke, denn so geben wir in diesem Moment unserem Nächsten den Raum, stark zu sein, für uns stark zu sein, wo wir selbst schwach sind. Und wir können wieder auf anderen Gebieten unsere Stärke einbringen.
Für seine eigene Stärke kann man sich einsetzen, insbesondere dann, wenn man noch nicht daran glaubt, die Erfahrung noch nicht gemacht hat. Vielen Menschen wird schon frühzeitig beigebracht: „Lass mal, ich mache das, du kannst das nicht/schaffst das nicht!“ anstatt „Mach einfach und lerne dabei!“ oder „Jetzt ein guter Zeitpunkt, dass du es lernst!“ und „Wenn es nicht so richtig gut ist, dann übe und lerne weiter, bis es so ist“. Gleiches gilt für: „Dafür bist du zu …!“, „Lass mal, wenn du es machst, dann muss ich es eh noch mal machen!“ Urteile über Menschen, die – vom Empfänger als Realität angenommen – verheerende Folgen auf Selbstbewusstsein und Leistungsfähigkeit haben. Positive Selbstwahrnehmung, gesteigerte Fähigkeit zur Selbstregulierung und Selbsteinschätzung werden möglich. Auch Menschen, die so ausgestattet sind, dass sie für sich selbst sorgen können, und es nicht tun, die sollten sich für ihre eigene Stärke einsetzen.
Dass Perioden der Stärke Sinn machen, das leuchtet sicherlich allen ein. Jedoch auch Zeiten der Schwäche haben absolut ihren Sinn. Die Schwäche gibt uns die Chance, die Erfahrung des Nichthandelns zu machen, durch die Angst hindurch zu gehen: Was passiert denn, wenn ich nicht handle? Viele Menschen sind so in ihr Leben eingebunden, ständig so im Stress, dass sie nicht anhalten, nicht anhalten können aus Angst oder Panik, weil sie dann das Gefühl hätten, alles würde zusammen brechen ohne sie. Welch ein Druck, welch ein Leid! Wird jemand anderes mir helfen? Wird mir jemand zur Seite springen? Wie viel „Tod“ liegt im „geschehen lassen“, wie viel „Tod“ liegt in der Aufgabe der Kontrolle, wie viel „Tod“ liegt im Vertrauen?
Alle Zeiten von Schwäche, Krankheit und Krise sind Zeiten, in denen wir uns zum einen auf uns selbst und andere intensiver beSINNEn können, in denen wir uns aber natürlich gerade auch intensiver auf Gott besinnen können und ihn uns helfen lassen können. Diese Zeiten entstehen immer wieder, wenn wir Gott zu vergessen und alles aus unserer eigenen Kraft heraus zu erreichen in der Lage scheinen. Gott will uns dienen, er will sich als Starker unter die Schwachen stellen und für uns da sein. Er will mit uns zusammen die Werke gestalten, jedes Werk, er will Gemeinschaft und Gemeinsamkeit mit uns erreichen, er will uns die Hand reichen und hofft und erwartet, dass wir unsere Hand nach ihm ausstrecken.
Ich hatte einmal eine wahre Zeit der Schwäche. Ich hatte gerade eine Lungenentzündung überwunden und japste noch immer nach Luft, mein Vater verstarb, ich hatte ein internationales Beratungsprojekt „am Hals“ mit fixen Terminen und damit verbundenen Poenalien, ich musste umziehen, renovieren und mein Haus verkaufen, da flogen mir die Rechnungen nur so um die Ohren, und nebenbei hatte ich natürlich noch mein Leben als allein erziehende Mutter zu bewältigen. Ich hatte nicht gelernt, mich nach außen um Hilfe zu wenden. Wenn es mir schlecht ging, dann konnte man es daran merken, dass ich immer stiller wurde, immer mehr meiner Aktivitäten einstellte und mich auf das Notwendigste beschränkte. Wie ein Roboter agierte – und das von Tag zu Tag. Bei der Krankenkasse stellte ich einen Kurantrag, der wurde abgelehnt, weil mein Zustand so gravierend war, dass ich einen neuen Antrag beim Rententräger zu stellen hatte. Dafür war ich zu kraftlos, ich ließ diese Idee einfach fallen. Ich fragte später eine Freundin, ob sie denn nicht gemerkt hätte, dass ich dringend Hilfe gebraucht hätte. Sie sagte: „Nein, du warst zwar still, aber man hatte nicht das Gefühl, dass du Hilfe brauchtest.“ Ich fragte sie: „Was hätte ich denn tun müssen, dass du das gemerkt hättest?“ „Na wenn es jemandem schlecht geht, dann jammert er, weint und wird laut: Ich kann nicht mehr! Er sagt, dass er Hilfe braucht.“[1] Nun, dafür war ich damals ebenfalls schon zu kraftlos…
Jede Krise heißt eigentlich: „Komm, Liebchen, mach es dir nicht so schwer, gib mir deine Last, lass dir tragen helfen, teile es mit mir.“ Jeder Verlust heißt: „Es gibt etwas Besseres für dich.“ Das Gute kommt auf dich zu und was nicht zu dir gehört, geht von dir weg.
Wahre Stärke beruht auf dem Wissen, es nicht allein zu können und als erstes Gott in sein Tun mit einzuladen, sich selbst zunächst von ihm getragen fühlen, um dann in den eigenen Werken andere unterstützen zu können, dadurch auch größere Aufgaben angehen zu können. Und natürlich auch andere in das Boot mit einzubeziehen, nicht alleine handeln, sondern zu gemeinsamen Handeln kommen, zur Gemeinschaftsproduktion, zum gemeinsamen Werk, was auch Gemeinschaftsgefühl, heute gern Teamgeist genannt, fördert.
Innere Stärke fördern macht immer Sinn, wenn man immer wieder das Gefühl, teilweise das „Geplapper im Kopf“ hat: „das kann ich ja eh nicht … das schaffe ich nicht … was kann ich schon…das geht ja eh schief“, wenn man häufig zu früh aufgibt oder sich gar nicht erst an etwas heranwagt. Wenn man die Verantwortung und die Versorgung für sich selbst anderen überlässt, auch wenn man es selbst könnte.
Innere Schwäche fördern macht immer dann Sinn, wenn man trotz eindeutiger Hinweise nicht aufgeben kann, nicht um Hilfe bitten kann, rücksichtslos gegen sich selbst ist, seine eigenen Signale bis zum Zusammenbruch nicht wahrnimmt, sich nicht schont, permanent über die eigenen Kräfte geht. Wenn man andere in seiner Umgebung nicht stark sein lässt und ihnen alles abnimmt, was sie selber könnten, immer der Stärkere sein muss.
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[1] Es gibt Menschen, z.B. Vernachlässigte, Geschlagene, Missbrauchte, Gewaltopfer, die in ihrem Leben Zeiten hatten, in denen ihnen nicht geholfen wurde, in denen es sinn- und zwecklos war, zu jammern, zu weinen oder zu klagen, wo es im Gegenteil sogar kontraproduktiv war, dies auszudrücken, weil es die Situation noch verschlimmert hätte. Je weniger man sich wehrte, je stiller man wurde, umso schneller war das jeweilige Martyrium vorbei. Diese Menschen zeigen also solche Gefühle und Verhaltensweisen nicht, weil sie nie die Erfahrung gemacht haben, dass solches Verhalten erfolgreich sein könnte. Eine solche Erfahrung drückt sich auch in dem Lied “Luka” von Susan Vega aus.
Die verschiedenen Lebensphasen bieten uns unterschiedliche Chancen für die Erfahrung von Stärke und Schwäche, für die Erfahrung des Guten und des höchsten Gesetzes. Ich will es hier am Gleichnis des Apfelbaumes beschreiben für die Achtung, Wertschätzung und Liebe einer jeden Lebensphase als Kontrapunkt zur aktuellen Überbetonung des Jungseins. Als Sonne und Regen beschreibe ich dabei das schicksalhafte Erleben von Situationen von Wärme, Liebe aber auch Trockenheit, wie auch Nässe, Kälte und stürmischer Emotionalität. Wir brauchen beides zum Leben. Und wenn wir den Regenbogen betrachten, dann brauchen wir für das Erscheinen der großen Himmelsbrücke sogar beides gleichzeitig: die Sonne und den regen, das Warme und das Feuchte, das Süße und das Saure.
Knospen
Der Apfelbaum bekommt mit den ersten Sonnenstrahlen im Frühling die Fähigkeit, Knospen zu bilden. Diese wachsen zunächst, sie sind noch ganz zart und klein, sie werden von Knospenblättern vor Wind und Wetter geschützt und gehalten. Stück für Stück entzieht der Apfelbaum dann den Knospen den Schutz und exponiert sie dem Leben, die Blätter werden gelockert, die Knospen kommen an die Luft, werden Sonne und Regen ausgesetzt, sie erhalten eine immer breitere Sichtbarkeit und „Perspektive“ auf die Welt.
Die Kindheit ist eine Zeit des geschützten Wachstums. Die Eltern schützen und unterstützen das Kind, das noch nicht allein in der Welt bestehen kann. Sie geben dem Kind durch sicheren Halt, vor allem durch ihre Liebe, das Vertrauen in die Welt, so dass sich die Kinder entfalten können. Stück für Stück erhalten Kinder dann mehr Raum, um selbst die Welt zu entdecken und zu erfahren, bis sie dann den Knospenblättern immer mehr entwachsen. Sie sind gehalten, immer mehr ihre eigene Farbe ans Tageslicht zu bringen und Stärke zu entdecken und zu entfalten. Die Eltern sind gehalten, sich immer mehr zurückzuziehen, um sie irgendwann freizugeben.
In dieser Zeit kommen wir in Kontakt mit der allgegenwärtigen Gewohnheit des Beurteilens. Wir werden beurteilt und wir lernen von unserer Umgebung zu beurteilen. Gleichzeitig haben wir die Chance zu lernen, uns selbst zu regulieren und zu Hoffnung, zum Glauben und zum Guten zu kommen. Während wir zunächst noch bei jeder Gelegenheit Trost brauchen, lernen wir mit der Zeit, uns selbst zu trösten. Während das Baby überhaupt keinen Zeitbegriff hat und in jeder Hungersituation nicht weiß, ob es je wieder etwas zu essen bekommen wird, Todesangst hat, so macht es irgendwann – hoffentlich – die Erfahrung, dass schon irgendwann jemand kommen wird, weil ja bisher immer jemand gekommen ist. Dann kann es sich nach und nach durch Hoffnung und Glauben selbst beruhigen, sich sagen: Wird schon! Ist ja bisher immer gut gegangen. Und: was sind meine wirksamsten Signale, dass ich etwas bekomme?
Mit wachsenden Fähigkeiten lernt das Kind auch, sich selbst zu versorgen und in sich und in der Gemeinschaft die Erfüllung seiner Bedürfnisse zu finden, aktiv auf andere zuzugehen, sich auszutauschen. Und auch hier können diese Erfahrungen entstehen: Mir wird geholfen, wenn ich schwach bin, was ich nicht kann. Ich kann lernen, es zu können. Ich kann helfen, wo ich stark bin, wo ich was kann. Ein Überbehüten lässt die Knospe sich nicht zur Blüte entfalten.
Blüten
In der Blütezeit stehen die befruchtenden Kontakte mit den Insekten im Vordergrund. Der Baum strahlt vor Schönheit. Attraktivität und Anziehungskraft sind ein wichtiger Faktor im Geschehen der Befruchtungserlebnisse. Der Apfelbaum strotzt nur so vor Lebendigkeit und Lebenskraft, steht voll im Saft, an allen Ecken und Enden treibt es aus ihm heraus. Am Ende der Blüte fallen dann die Blütenblätter wie ein weißer Schleier herab, die Knospenblätter vertrocknen und trennen sich vom Fruchtansatz ab.
Die Jugend und die Zeit des jungen Erwachsenen zeigen eine Zeit des stürmischen Wachstums, der großen Kraft und Stärke, Die Attraktivität für das andere Geschlecht steht im Vordergrund, wir verlassen unser Elternhaus, es werden Partnerschaften geschlossen, Befruchtung findet statt. Aus einer Vielzahl an Blüten wird eine Menge an Früchten im Leben angelegt: Ausbildung und das Entstehen von Kompetenzen, Vorlieben, Interessens- und Wissensgebiete, Ortswechsel (die Lehr- und Wanderjahre), Beziehungen, Freundschaften, Projekte, Stufen des Berufslebens und der Schaffung unseres sozialen Umfeldes, unserer „Wahlfamilie“.
Die Lenkung der Kraft und der Stärke kann in dieser Lebensphase noch etwas „grün“ und „ungelenk“ sein, was jetzt „mitwachsen“ muss, was die Kraft zu ergänzen hat, ist der Geist, ist die Übung und die Erfahrung und Weisheit. Wir sind in dieser Lebensphase mit viel so Stärke ausgestattet, damit wir nicht so schnell aufgeben, wenn etwas nicht funktioniert, sondern uns auf vielen, vielen Ebenen ausprobieren. Wir stehen wieder auf, wenn wir hingefallen sind, auch wenn wir mehr als einmal hinfallen.
Verluste und Scheitern sind wichtige Lernwege und Lebenserfahrungen. Wir haben an vielen Orten noch den Anfänger-Bonus, Erfahrenere legen für uns ein Netz oder doppelten Boden aus, begleiten unsere Lernschritte mit Wohlwollen oder Nachsicht und ihrem Wissensschatz. Wir dürfen in die Lehre gehen. Verantwortung wird uns allmählich wachsend übertragen. Das Maß unseres Scheiterns ist noch nicht so schwer wiegend, was zu Boden fällt, das fällt in der Regel sanft, da wir weiterhin voller Stärke, Lebensmut und Attraktivität sind. Was unser Leben verlässt, das geht sanft.
Reifung und Wachstum
Die befruchteten Blüten beginnen, zur Frucht heranzureifen. Der Baum beginnt zu tragen, er wird Stück für Stück mehr belastet. Er bringt grüne Früchte hervor, die – Sonne und Regen ausgesetzt – heranwachsen. Sie sind noch klein, sauer und hart, sie sehen oft einer aus wie der andere. Was nicht zur Reifung taugt oder wurmstichig wird, das fällt ab. Manche Zweige neigen sich mit der Zeit unter dem Gewicht.
Wir stehen in unserer vollen Kraft, einer langen Lebensphase, die Gnade dieser Lebenszeit. Was als Blüte voller Leichtigkeit noch vielleicht eine Idee, ein Wunsch, ein Gedanke war, eine Auswahlmenge war, wird nun Realität, verwirklichtes Leben. Viele Früchte wachsen heran, doch schon jetzt fällt das herab, was nicht lebensfähig ist. Mit der Zeit wird das, was wir zu tragen haben, immer schwerer: die Kinder kommen und wachsen heran, berufliche Aufgaben entwickeln sich und werden komplexer, das soziale Umfeld muss mit ähnlichen Lasten umgehen. Manche Freundschaften gehen verloren, in Beziehungen kann der Wurm drin sein.
Damit wir wirklich schultern können, was zu unserem Leben gehört, müssen wir nun viele Vorstellungen loslassen, auch wenn es manchmal schwer fällt. Die Entscheidung für den einen Weg ist immer der Abschied von vielen anderen Wegen, die auch ihren Reiz haben können. Die Früchte unseres Schaffens sind noch klein und bedürfen noch vieler Erfahrungen, um zu einem Lebenswerk heranzureifen. Sie sind vielleicht noch ungenießbar, noch unfertig, noch nicht lebensfähig, doch mit der Zeit wächst das Herz und der Geist unserer Frucht.
Das Wetter wechselt, Phasen des Sonnenscheins wechseln mit Regentagen ab, Stürme ziehen auf und zu manchen Zeiten macht uns die Hitze zu schaffen, Durststrecken sind zu überwinden. Wir versuchen, unsere Früchte wachsen zu lassen, wir investieren hier unsere Stärke. Insgesamt ist diese Lebensphase eine Zeit, in der Kraft und Herzensbildung und geistige Frucht miteinander in die Waage geraten und Ziele tatsächlich erreichbar werden.
Reife
Die Früchte werden reif: süß und saftig, sie bekommen Farbe, sie beginnen zu duften. Sie beginnen sich immer mehr von einander zu unterscheiden. Sie erhalten durch die Reife wieder eine neue Phase der Attraktivität und Schönheit, und zwar durch ihre Frucht, die jetzt aus ihrer Zeit in der Sonne die Süße und aus der Zeit des Regens ihre Saftigkeit erhalten hat. Der Baum hat jetzt noch schwerer zu tragen und es fallen immer mehr Äpfel auch ab. Die Blätter färben sich bunt, welken und beginnen zu fallen, da aller Saft in die Frucht geht.
Der reife Mensch hat viel Kraft und Stärke in seine Früchte investiert, die Kraft ist teilweise an die Früchte übergegangen: seine Beziehungen, seine Kinder, seine berufliche Verwirklichung, seine Werke, seine Berufung, seine Interessen. Alles hat an Breite und Tiefe, an Differenzierung, an Geschmack gewonnen. Das Wetter hat die Tragfestigkeit getestet. Was haltbar war, hat gehalten, was nicht tragfähig war, ist aus dem Leben verschwunden. Aufgrund schwindender Kräfte mussten wir irgendwann die Hand aufmachen und die eine oder andere Aktivität oder Beziehung aufgeben. Rekonvaleszenzzeiten werden länger.
Wer seine Erfahrungen genutzt und verfeinert hat, der verfügt nun über einen reichen Erfahrungsschatz: aus den süßen, sonnigen Tagen und aus den Durststrecken, aus feuchten, kühleren Tagen: dem Fluss unserer Gefühle, aus Tränen und aus Schweiß. All das hat uns geprägt, alles, was wir dankbar angenommen haben, das hat sich in Süße verwandelt. Alles, was noch nicht angenommen ist, was noch nicht verdaut und vergeben ist, das beginnt zu faulen, körperliche Anfälligkeit und Krankheiten entwickeln sich. Und man muss aufpassen, dass das Faulige nicht die guten Früchte ansteckt und mitfaulen lässt, das wäre ein Trauerspiel. Manche Frucht fällt weit vor der Zeit vom Baum.
Die Durststrecken sind vielleicht kürzer geworden, weil unser eigener Schatz gewachsen ist. Die Wärme wird weniger, doch wir haben vielleicht inzwischen ganz viel Wärme in uns selbst und in unserem Netzwerk gespeichert, dass wir der Sonne im Äußeren nicht mehr so sehr bedürfen. Die entscheidende Aufbauarbeit ist geleistet, wir haben Ziele erreicht, wir haben vielleicht Werke von bleibendem Wert geschaffen oder sind gerade dabei.
Wenn die Kraft jetzt nachlässt und wir äußerlich etwas welk werden, dann ist in unseren Früchten, in unserem Innern, in unseren Worten, in unserem Sein jetzt die Süße und Saft und Kraft unseres Herzens und die Ausstrahlung unseres Geistes. Wir werden deutlich unterscheidbar, individueller, jeder hat seine eigene Schönheit, sein eigenes Muster. Wir müssen nicht mehr ganz glatt sein, einfaltslos oder einfältig, nein, wir sind vielfältig und erschaffen ein rundes Bild. Dieser Schatz macht uns begehrenswert und manch Vorbeigehender denkt mit Vorfreude auf das Anbeißen, die Entdeckung des Innern, der gereiften Persönlichkeit.
Ernte
Das große Loslassen beginnt. Die Äpfel werden geerntet, sie werden vom Apfelbaum getrennt. Sie sind durch und durch süß und saftig und werden genossen! Und wenn die geernteten Äpfel runzlig werden, dann werden sie noch süßer. Was nicht süß und saftig wurde, das wird nicht gepflückt, das trennt sich als Fallobst durch Schwere oder Windstöße rauher Zeiten vom Baum und verfault. Hier wird von außen – durch die Bakterien d.h. Krankheit – noch ein gewisser „Zwangs-Süßungsprozess“ eingeleitet, doch die Schönheit und das Genossen werden bleibt aus.
Und was für ein Genuss: ein zufriedener, herzlich-zugewandter und weiser Mensch im Alter. Ein Quell des Friedens, der Liebe und der Erfahrung für seine ganze Umgebung. DIE Hoffnung überhaupt! Wir lassen Stück für Stück unser bisheriges Leben los und geben uns Seiner Sorge hin. Das Gute wird eingelagert und zur Nahrung Anderer – in Form von Weisheit und Süße – bereitgehalten.
Im Alter tritt dann durch die Passivität und durch altersbedingte Einschränkungen eine sinnvolle Zeit der Schwäche ein. Es geht darum, in dieser Zeit in einer vollständigen Rückschau mit dem eigenen Leben, mit dem eigenen Schicksal, mit den Menschen des sozialen Umfeldes und mit Gott Frieden zu schließen. Man versteht das Leben in der Rückschau am besten. Es geht darum, jede Situation, jede Beziehung, in der der Friede noch nicht eingekehrt ist, nochmals anzuschauen und die Annahmen zu überprüfen, die man damals mit dieser Situation, diesem Menschen, dieser Beziehung hatte. Wie kann ich aus dieser Perspektive das Gute daran entdecken, wie kann ich daran entdecken, dass es gut war, dass alles gut war. Es geht darum, vollständig zu werden in Herz, Seele und Geist.
Diese Zeit ist ein intensiver Reinigungsprozess, eine Zeit des Glücks über neue, eben Gut-Deutungen des Geschehenen, des Verstehens, eine Zeit des Verdauens all dessen, was noch nicht verdaut ist, eine Zeit intensiver Vergebung: sich selbst vergeben, anderen vergeben, selbst Vergebung zu erlangen, von anderen und von Gott. Die Vorbereitung auf den Tod ist es, sich vom Beurteilen zu verabschieden und am reinen „Gut war’s! Sinnvoll war’s! Ich habe nicht umsonst gelebt!“ anzukommen. Unserem Schöpfer dankbar entgegen zu treten für dieses Leben. Und so kann man irgendwann voller Frieden sagen: „Ich bin bereit!“
Und – die eine oder andere Einschränkung verschwindet auch wieder, wenn wir uns Stück für Stück zum Guten bekehren.
Sind wir im Alter nicht in der Lage, den Beurteilungsprozess umzuwandeln, zurückzunehmen, die Gedanken, dass etwas böse und nicht gut war, loszulassen, dann entsteht dieser Prozess somatisch, im Körper. Das Gehirn löscht – bei Alzheimer wird das Gehirn zerlöchert von der Kraft negativer Gedanken – die Erinnerungen, so dass auch so Frieden einkehren kann. Das ist die Fäulnis der nicht geernteten Lebenserfahrung, der nicht ins Gute gewandelten Lebensgeschichte.
Diese Zeitqualität zeigt sich auch an – in der Regel – bei unserer sich verändernden Sehfähigkeit. Zum Lernen brauche ich das Verständnis des Details, die Fähigkeit, Einzelheiten gut zu erkennen, zum Verstehen brauche ich den Weitblick, die De-Fokussierung vom Detail und die Zuwendung zur Langfristperspektive.
Fragen wir uns also, was für ein Apfel wir sein wollen,
- süß, sauer, reif, wurmstichig, Fallobst oder faulig
nehmen wir alle Phasen des Lebens
- sonnig, mild, heiß, trocken, frisch, kalt, feucht, neblig, nass, stürmisch
des Lebens als Diener unseres Reifens dankbar an.
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Eines Tages – im Sommer nach dem Pilgern – machte ich mit einem anderen Menschen einen Spaziergang durch bergiges Gelände. Aus einem warmen, lauschigen Sommerabend heraus mit einem geruhsam-intensiven Gespräch an einem Seeufer entwickelte sich ein heftiges Wärmegewitter. Kurz vor einer baumlosen Kuppe, über die unser Weg führte, bekam mein Bekannter es mit der Angst zu tun, wurde unruhig, gestresst und ging schneller, wurde selbst dunkel wie eine Gewitterwolke, weil er Angst vor einem Blitzschlag auf dem höchsten Punkte hatte. Mich beunruhigte es nicht. Ich war völlig ohne Angst. Durch das lange Pilgern war ich mir dauerhaft meines Geschütztseins durch Gott bewusst, war fest im Glauben geborgen und konnte entspannt weiter gehen. Zudem hatte ich an der Kuppe eine Marienstatue gesehen, die heilige Jungfrau würde doch ihre Hand über uns halten, wenn ich sie darum bitte… Natürlich geschah uns nichts! Doch unsere Körper hatten in der gleichen Situation zwei völlig unterschiedliche Zustände, unterschiedliche biochemische Reaktionen erlebt.
- Wie ist Heil zu erlangen? Wie ist Gesundheit[1] zu erlangen?
- Wie können wir Sünde vermeiden? Wie können wir in Gottes Reich leben?
- Darin alles und jeden akzeptieren, wie es kommt?
- Einen guten, göttlichen Sinn dahinter erwarten?
- Wie funktioniert ein rechtschaffenes Leben?
Es sind vor allem die höchsten Geistesgaben, die Manifestation und das Wirken von Gott auf dieser Erde: Glaube, Liebe und Hoffnung, die uns zur Seite stehen. Also heilt uns zum einen der geistige Weg, die Arbeit an uns selbst, „am Balken in unserem eigenen Auge“, nicht auf den anderen schauen, denn das ist dessen Aufgabe, auch er steht in Gottes Hand. Wir sind zuständig für unsere Gefühle und unseren Anteil, wie Jesus uns auch in Johannes 8 (Gute Nachricht Bibel) klarmacht:
7 Als sie nicht aufhörten zu fragen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: »Wer von euch noch nie eine Sünde begangen hat, soll den ersten Stein auf sie werfen!«
Schauen wir genau hin und ergreifen wir unsere Verantwortung:
Wenn wir etwas Schreckliches sehen, was unser Herz schmerzlich berührt oder uns zornig macht wie z.B. hungernde Kinder, verwahrloste Kinder, misshandelte Kinder, was macht dann am meisten Sinn? Wie kann ich darauf reagieren? Was brauchen diese Kinder? Was würde ein barmherziges Herz, genau jetzt in diesem Moment, für sie tun? Und es tun! Und Gott dabei um Beistand und Mitwirkung zu bitten!
Wenn ich etwas einen Menschen sehe oder treffe, der anders handelt oder denkt oder anders ist als ich, und mich trifft das, was macht dann Sinn? Was brauche ich, was braucht dieser Mensch? Was kann mich diese Begegnung lehren? Was zeigt sie mir über mich? Wie würde ein liebendes Herz mit ihm umgehen? Und es so tun! Und Gott dazu einladen, es mit uns gemeinsam zu tun, uns den Weg aufzuzeichnen.
Wenn ich reale[2] Angst habe, was kann ich dann tun? Welche Möglichkeiten stehen uns offen zum Besten für alle Beteiligten? Und es tun! Und Gott um Hilfe bitten!
Wenn ich irreale Angst[3] habe, was kann ich dann tun? Dieser Angst mit Gottes Hilfe so lange fest im Glauben ins Gesicht zu sehen, sich mit ihr fluten, bis sie verschwindet.[4]
Wenn ich Zorn spüre, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle, was kann ich tun? Besteht eine reale Gefahr für meine körperliche oder seelische Integrität oder die anderer Menschen? Wenn ja, dann ist dieser Zorn ein Handlungsappell, diese Integrität zu schützen. Ist keine reale Gefahr vorhanden, so kann ich diesen Zorn so lange mit Liebe im Herzen, mit der Hilfe von Jesus heiligem Herzen prüfen und zu hinterfragen, bis ich den nächsten Schritt weiß, für den ich gerade durch den Zorn die notwendige Energie zur Verfügung gestellt bekommen habe. Was brauche ich? Was braucht der- oder dasjenige, der oder das meinen Zorn erregt? Was ist die Intention, was ist die Motivation des Anderen? Was könnte Gottes Intention, Gottes Motivation hinter der Situation, hinter dieser Begegnung sein?
- Ist es wichtig und richtig, dass ich Recht habe und Recht behalte? In vielen Dingen des Lebens gibt es mehr als eine subjektive Wahrheit, nämlich die Wahrnehmung eines jeden. Die universelle Wahrheit ist immer die Liebe.
- Ist es wichtig und richtig, dass die Dinge so funktionieren, so sich entwickeln oder so laufen, wie ich es erwarte, wie ich es mir vorstelle, wie ich es mir ausgerechnet habe? Die universelle Wahrheit ist immer Gottes Wille. [5]
Wenn ich keine Hoffnung mehr habe, keinen Sinn mehr sehe: was kann ich dann tun? Die wichtigsten Heilmittel gegen die Depression sind Bewegung und Sonne, d.h. mich in Bewegung setzen und ins Licht gehen. Und Liebe natürlich. Im praktischen Leben heißt es tatsächlich mich zu bewegen: Spaziergänge, Sport, Tanzen, wenn es ganz schlimm wird: Warum nicht pilgern! Ins Licht gehen, indem ich für andere Licht anzünde, d.h. mich von meinem eigenen Leid abkehren und mich in praktischer Barmherzigkeit üben, für Bedürftige etwas Gutes tun, ihnen meine Zeit und meine Liebe schenken.
Ein Bekannter von mir, Anfang 20, war zu einer Zeit sehr orientierungslos und dadurch depressiv stark verstimmt. Eines Tages nahm ein wohlmeinender Freund ihn mit, der mit behinderten Kindern arbeitete. Mein Freund half den ganzen Tag mit. Am Ende des Tages saß er mit breitem Grinsen auf einem Tisch und stellte fest, dass er sich noch nie im Leben vorher so zufrieden, glücklich und ausgefüllt gefühlt hatte. Er lernte daraufhin Heilerziehungspfleger und engagierte sich parallel dazu als ehrenamtlicher Helfer.
Daher: Die Allheilmittel sind nach meiner Erfahrung Glaube, Liebe und Hoffnung – und Dankbarkeit. Doch wenn wir noch nicht dort angekommen sind, und das wird wohl den meisten so gehen, so ist es am sinnvollsten, zunächst vor der eigenen Tür zu kehren und sich genauer anzusehen, wie es denn um die Themen Glaube, Liebe und Hoffnung im eigenen Leben bestellt ist. Sie beeinflussen unser Leben, Alle drei Prinzipien bilden im Alltag Regelkreise des Gefühls und des daraus resultierenden Verhaltens, es gibt keine stärkeren Handlungsimpulse. Es ist wie bei verbundenen Röhren:
- Wenn der Glaube sinkt, dann steigt die Angst an und der Wunsch nach Absicherung.
- Wenn die Liebe sinkt, dann steigt die Gleichgültigkeit und Routine an und der Wunsch nach Trennung.
- Wenn die Hoffnung sinkt, dann steigt die Sinnlosigkeit an und damit die Todessehnsucht.
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[1] Gesundheit enthält den Wortteil „sund“, dass von dem Wort Sünde nicht weit weg ist. Gesundheit: von der Sünde erlöst.
[2] Realangst: eine aktuelle Bedrohung meines Lebens oder meiner körperlichen Integrität durch eine äußere Gefahr. Z.B. Verhungern, Verdursten, Erfrieren, Ertrinken, getötet oder verletzt werden
[3] Irreale Angst: eine vermeintliche Bedrohung, z.B. Angst vor Armut, Ablehnung, Verlassensangst, einem von meiner Erwarten, Wünschen und Hoffen abweichenden Ergebnis.
[4] In der Verhaltenstherapie: von der Exposition bis zum Fluten mit dem Angstauslöser, z.B. bei Flugangst
[5] Oft kommt mir unsere Wut über das Nichtfunktionieren von Dingen und Menschen, die Enttäuschung von Erwartungen so vor wie die Wut eines Kindes, das sich an der Kasse schreiend auf den Boden schmeißt, weil es gerade keine Süßigkeiten bekommt.
Sorge besteht in der Annahme, dass etwas, was in unserem Leben ist bzw. wir in unserem Leben zu brauchen meinen, in unserem Leben plötzlich oder irgendwann mal nicht da sein kann, wenn wir es brauchen. Das können zunächst materielle Dinge sein wie die Grundlagen Essen, Bekleidung, Dach über dem Kopf. Doch ist es nicht voraus genommener Mangel, wenn ich etwas haben muss, damit ich es in Zeiten des Mangels besitze? Mein Vater sagte immer: Wer hat, hat auch Gelass, d.h. der der etwas besitzt, muss dafür auch Raum schaffen. Wofür wollen wir also Raum schaffen in unserem Leben? Was ist unser Glauben? Dass wir selbst für alles sorgen müssen oder dass wir zur rechten Zeit erhalten, was wir brauchen?
Die andere Seite sind die immateriellen Dinge: Liebe, Sympathie, Harmonie, Zuwendung, Freunde, Familie, Nähe wie Distanz, Anerkennung, positive Selbstwahrnehmung, Erfolg, Image, Freiheit. Deren Verlust kann uns hart ankommen. Was tun wir nicht beispielsweise alles, um uns die Sympathie und die Anerkennung Anderer zu erhalten!
Der Glaube in unseren guten Gott weiß, das alles, was wir wirklich brauchen, immer da ist, wenn wir es brauchen. Dass er uns Menschen zur Seite stellt, die uns weiterhelfen. Er setzt eine Lebensweise voraus, in der wir den Pool dessen, was von allen gebraucht wird, von unserer Seite aus immer wieder mit auffüllen, nämlich Gottes Reich miterschaffen, auf unsere einzigartige Weise. Und wir können uns sicher sein, dass das, was nicht da ist, wir entweder nicht brauchen oder wir brauchen die Erfahrung, dass es nicht da ist, damit wir es feststellen und unseren Sinn und unser Sehnen darauf richten, unsere Prioritäten verändern. Oder wir merken: Das brauch ich ja gar nicht.
Primäre Angstkreise, die zu klären sind:
Überlebensbedürfnisse: Essen, Trinken, Kleiden, Wohnen, körperliche und seelische Unversehrtheit
-> Hier geht es um den Glauben
Austausch, Anerkennung, freier Wille: Partnerschaft, Familie, Freunde, soziales Umfeld, Werkfreude
-> Hier geht es um Liebe
Teilhabe[1] am Leben, Beruf und Berufung, Sinn, Zukunft
-> Hier geht es um Hoffnung
Alle darüber hinausgehenden Ängste sind aufgesattelte Illusionen, Gedankenkonstrukte, die auf primäre Angstkreise zurückzuführen sind. Dies geht ganz einfach mit der kontinuierlichen Frage nach dem: Warum ist das wichtig? Solange wir uns weiterfragen, werden wir irgendwann mal bei einem der o.a. Themen landen. Denn nur dies ist es, was wir wirklich brauchen.
Sorgen sind eine negative Zukunftsaussicht. Sorge und Angst kann am besten durch die Verankerung in Gott und tätige Nächstenliebe gelöst werden. Das schafft keine Menge an Geld, auch wenn Geld vorübergehend beruhigen mag. Gottvertrauen und das Leben in Gottes Reich und unsere Beiträge dazu können uns das Gefühl geben: für uns ist immer gesorgt und tätige Nächstenliebe führt die Liebe in unser Herz zurück. Wenn wir alle so handeln, ist ja immer einer da, der auch uns hilft, wenn wir irgendwann mal in Not sind.
Typische Verhaltensweisen des Regelkreises im Angstpol: Horten, Sammeln, Sparen, sich Sorgen machen, Geiz, Neid; sich anbiedern; sich verkaufen; sich über die Selbstverträglichkeit hinaus anpassen; nicht zu sich, zu Gott, zum Nächsten stehen, sich verstellen, lügen, Arroganz
Typische Erkrankungen des Regelkreises Glauben und Angst: Magenkrankheiten, Stress und Burnout, Kopfschmerzen, Chronische Schmerzen, Rückenschmerzen, Osteoporose, alles, was durch Kontrollverhalten ausgelöst wird, Zwangskrankheiten, Verstopfung, Hämorrhoiden
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[1] Teilhabe am Leben: Mit welcher Aktivität, welchem So-Sein bringen wir uns ins Leben ein, wie Beruf, Berufung, Austausch, Geben und Nehmen, Selbstausdruck, Werk? Durch was kann Gott am besten durch uns wirken? Was schenken wir der Welt von uns? Wo und wie sind wir in ein dem Selbst übergeordneten Zusammenhang integriert?
Gleichgültigkeit beginnt immer dann, wenn wir etwas nicht lieben können, wenn das Maß der Emotionen gegen Null geht. Auf dem Wege bedeutet es nichts Schlechtes, wenn wir zunächst erstmal etwas nicht lieben können, sondern es gibt uns wichtige Hinweise, ebenso das, was wir lieben. Was wir lieben, gehört zu uns, was uns gleichgültig ist, nicht. D.h. ein Mensch, der uns gleichgültig ist, mit dem wir nicht in Resonanz sind, hat mit uns erstmal wenig zu tun. Es gibt Menschen, die uns mehr uns selbst spüren lassen können als dieser. Daher sollten wir den Menschen und Tätigkeiten, die mit uns in großer emotionaler Resonanz stehen, nicht den Weg versperren durch Menschen und Tätigkeiten, die uns nicht berühren und nicht unsere Liebe fühlen lassen. Durch Liebe und Anziehung entdecken wir, was zu tun uns gut tut, wo wir am besten unsere Teilhabe und -gabe am Leben ausleben können.
Je mehr wir lieben können, je mehr Gott durch uns liebt, umso mehr sind wir in der Lage, die Welt mit Liebe zu füllen, um so mehr geraten wir auch in Resonanz zu immer mehr Wesen dieser Welt. Wer also hauptsächlich seine Pflichten erfüllt, ohne dabei Freude und Liebe zu empfinden und sein Werk mit Liebe anzureichern, der verpestet die Welt mit Lieblosem, was niemand braucht., frei von Resonanz, ohne „vibrations“. Wenn jemand einen Tag oder ein Werk mit „Ich muss“ beginnt, sollte am besten noch einmal beginnen, und zwar dann, wenn er weiß, was er daran lieben kann, warum es gut ist. Selbst eine Steuerklärung kann man mit Liebe ausfüllen. Wer einen Beruf hat, den er nicht liebt und den er aus Pflicht oder Angst ausübt, sollte seinen Beruf lieben lernen oder ihn wechseln.
Jesus Sirach 37
Doch achte auch auf den Rat deines Herzens. Wer ist dir treuer als dieses? 14 Das Herzen des Menschen gibt ihm bessere Auskunft als sieben Wächter auf der Warte. 15 Bei alledem bete zu Gott! Er wird in Treue deine Schritte lenken. 16 Der Anfang eines jeden Werkes ist das Wort, der Anfang jeder Tat die Überlegung. 17 Die Wurzel der Pläne ist das Herz.
Grund zum Handeln gibt es also, wenn wir gleichgültig gegenüber uns selbst, unseren Kindern, unserem Partner, unsere Familie und unserer Teilhabe handeln, wenn wir uns selbst, unsere Kinder, unseren Partner vernachlässigen und ihnen nicht die Sorge zukommen lassen, die sie benötigen. Ein wichtiger Schlüssel, jedoch nicht der einzige, ist dabei die Eigenliebe, was bitte nicht mit Egoismus oder Egozentrik verwechselt werden sollte, einer Erhöhung des Selbstes gegenüber anderen.
Wir haben unser Leben, unser Selbst als wichtigstes, wunderbares Geschenk von Gott erhalten, daher sollten wir uns darum kümmern, dieses Geschenk und damit uns selbst lieben und in Demut seine Gabe zu schätzen. Gleichzeitig sind wir Sein Werkzeug, um Gottes Reich zu schaffen, zu betreiben. Daher sollten wir dieses Werkzeug mit aller Sorgfalt pflegen, nähren und instand halten, eben wie ein guter Handwerker sein Werkzeug pflegt. Auch jeden anderen werden wir immer nur in dem Maße lieben können wie uns selbst. Wir mögen vielleicht zu einer Zeit eine andere Person erhöhen, doch dies ist nicht von Dauer und kehrt sich irgendwann ins Gegenteil um.
Fragen wir also zusätzlich nach: wo gibt es Überhöhungen, wo stellen wir uns oder einen Menschen und seine Bedürfnisse über die Interessen und den Wert eines anderen oder unseres eigenen oder der Gemeinschaft? Wo erniedrigen wir einen anderen Menschen oder uns, und wem oder was fließt das Maß des Höhenunterschiedes zugute und warum?
Unsere Kinder sind uns ebenso als Geschenk für eine Zeit anvertraut. Und auch sie stehen in Gottes Gnade, er kümmert sich auch um sie. Das wichtigste Liebeswerk daher ist es, sie in die Lage zu versetzen, sich zu lieben und sich um sich selbst zu kümmern zu lernen und in gleicher Weise andere zu lieben und sich um sie zu kümmern, damit auch sie sich als Werkzeug Gottes erkennen und erfahren können und durch ihn und mit ihm in dieser Welt wirken, bewusst Gottes Liebe, Sorge und Zuwendung zu erkennen und zu erfahren.
Zuviel Sorge ist dabei genau so schädlich wie zu wenig Sorge, wenn nicht schädlicher. Wenn ein Kind nicht lernt, hinzufallen und wieder aufzustehen, auch mal ein „finsteres Tal“ mit Ihm an seiner Seite zu durchqueren und trotzdem weiter zu gehen, Glaubensprüfungen zu erleben, dann ist es als Erwachsener nicht ausreichend stark, geübt und angemessen in der Lage, sich selbst zu regulieren, für sein Wohl und das anderer zu sorgen und für sich selbst Verantwortung zu übernehmen, d.h. sein Kreuz zu tragen und auch mit geschultertem Kreuz, unter schwierigeren Vorzeichen wieder aufzustehen.
Und zum erstwichtigsten Gebot: Welchen Stellenwert in diesem Leben hat Gott? Oder: Welchen Gott hat sich dieser Mensch erwählt? Worin setzt er sein Vertrauen? Lassen wir uns den Idealzustand einer Person erkennen und wir erkennen das Gottesbild.
Kurz gesagt: Es gilt zu hinterfragen, wer oder was geliebt, geehrt und gewertschätzt wird und wer oder was nicht geliebt wird, was mit Liebe getan wird und was ohne Liebe getan wird? Was wird vernachlässigt und erniedrigt und was wird überhöht? Und: wer oder was ist unser höchster Gott?
Typische Verhaltensweisen im Gleichgültigkeitspol: „Ich-muss“, Pflichtmensch, Stress, Anpassung, Intoleranz, Langweile, Routine, sich opfern, Entscheidungsschwierigkeiten, Empfindungslosigkeit
Typische Erkrankungen zum Regelkreise Liebe und Gleichgültigkeit: Über- und Untergewicht, Herzkrankheiten, Kreislauferkrankungen, Immunsystemkrankheiten, Diabetes (Abgrenzung), Über- und Unterverantwortungsfolgen, Rheuma, Arthrose und Arthritis, Süchte, Diabetes (Süße des Lebens)
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Hoffnung ist die Veranlassung, mit dem Leben fortzufahren und sich ins Leben einzubringen, dabei zu sein. Ist die Hoffnung aus dem Leben verschwunden, dann wird uns alles schwer, es fehlt an Motivation, dem wissen, warum wir etwas tun. Es fällt uns schwer, morgens aufzustehen und einen neuen Tag zu wagen. Die Todessehnsucht beginnt. Ich frage bei der psychosomatischen Diagnose in meinen Behandlungen die Seele meines Klienten: Was ist der wichtigste Satz, den ich jetzt dieser Person mitgeben kann? Wie häufig habe ich dabei schon den heilenden Satz gehört: „Ich lebe gern“. Wenn ich diesen Satz höre, bedeutet dies immer, dass eben nicht gern gelebt wird, dass das Leben eine Last ist, dass das Leben in Frage gestellt wird, womit es auch gefährdet ist.
Wenn unser Leben Sinn enthält, dann ist diese Frage immer beantwortet. Und Sinn entsteht entscheidend durch Liebe und die Teilhabe am Leben, dass Gott durch uns liebt und Gott durch uns handelt. Hoffung ist Glauben, in die Zukunft projiziert.
Römer 8 (Einheitsübersetzung):
24 Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung. Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht, ist keine Hoffnung. Wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht? 25 Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen, dann harren wir aus in Geduld. 26 So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an.
Totale Hoffnungslosigkeit, nämlich Todessehnsucht finden wir häufig bei tödlichen Krankheiten, aus meiner Erfahrung gerade sehr häufig bei Krebs, ebenso Lungenentzündung. Auch die Depression mit einer Suizidalität von 15 % trägt sie in sich. Depression bedeutet Niederdrücken, die eigene Lebenskraft wird niedergedrückt. Der Mensch sieht keinen Sinn in seinem Leben und daher kann er nicht die Energie aufbringen, es in der gewohnten Form fortzusetzen, hat keinen Antrieb, kann sich nicht aufraffen. Die Seele schaut auf das Leben und sagt sich: „Was soll ich in einem solchen Leben! Da investiere ich keine Kraft mehr hinein!“ Die Luft ist raus. Und das Vorbeischleichen der Tage, in denen nichts passiert, verursacht zusätzliche Trauer, auch Trauer über ein Leben, das nicht den eigenen Bedürfnissen und der Berufung der Seele entspricht, Trauer über ein Leben, das einem nicht mehr wertvoll erscheint, gelebt zu werden, Trauer über sich daraus ergebende traurige Tage, Trauer über nicht lieben und nicht geliebt zu werden, Trauer aus Mangel an Glücksgefühl an Körper, Geist und Seele. Auch ein Mangel an Sexualität kann diese Trauer auslösen und tut dies häufig.
Gehen wir einfach mal nicht davon aus, dass sich eine Störung im Gehirnstoffwechsel einfach so ergibt, denn nichts in Gott ist ohne Sinn. Fragen wir also nach dem Sinn im Leben dieses Menschen, wie er sich einklinkt, wie und wo er sich gibt und wie viel Freude und positive Selbstwahrnehmung er hat. Wo hat er das Gefühl, dass Gott sich aus seinem Leben zurückgezogen hat, dass Er nicht mehr durch diesen Menschen liebt und wirkt.
Das Gute an der Depression ist: Sie schafft so viel Zeit im Leben des Betroffenen, dass die Seele den Raum erhalten kann, Vorschläge für Veränderungen wahrnehmbar zu machen, Vorschläge für ein Leben, dem sie wieder ihre Lebenskraft zuwenden würde. Die Stunden des morgendlichen Früherwachens, eines der Leitsymptome der Depression, sind ein versuchter Terminvorschlag der Seele, in Ruhe ihre Änderungswünsche anbringen zu können, gehört zu werden, wenn sonst kein Laut die Welt erfüllt, wenn wirklich keine andere Aufgabe ansteht. Wenn wir darüber hadern, schlagen wir unserer Seele die Tür zu.
Und: wie viel körperliche Bewegung gibt es im Leben eines depressiven Menschen, Frischluft? Bewegung ist der Schlüssel zur Hoffnung, aus Bewegung entwickelt sich Beweglichkeit, aus Beweglichkeit Flexibilität und Veränderungsfähigkeit. Erst Veränderungsfähigkeit ermöglicht Veränderungsbereitschaft. Denn ein Mangel an Hoffnung ist in der Regel auch ein Mangel an Lebendigkeit/Bewegung, der Kraft des Heiligen Geistes. Was blitzt, was erhellt das Leben dieses Menschen? Das ist hier die entscheidende Frage: Wenn es kein Licht gibt, was könnte dieses Licht anzünden, den Heiligen Geist in diesem Menschen wieder entfachen?
Hoffnung ist immer Licht, und wenn es der Silberstreif am Horizont ist. Wenn das Leben keinen Sinn gibt, dann macht der aktuelle Lebenszustand keinen Sinn, dann muss er verändert werden, innerlich durch die Einstellung und/oder äußerlich durch die Umstände. Welche Form der Teilhabe am Leben zieht diesen Menschen an, löst Liebe und Lust wieder aus? In diese Richtung sollte die Veränderung stattfinden.
Römer 5 (Einheitsübersetzung)
1 Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. 2 Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes. 3 Mehr noch, wir rühmen uns ebenso unserer Bedrängnis; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld, 4 Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung. 5 Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.
Typische Verhaltensweisen im Sinnlosigkeitspol: Grübeln, Ablenkung/Verdrängung, Unaufmerksamkeit, mangelnde Präsenz, Zeit vergeuden, Konsumhaltung, Ausbau des „Second life“, Hadern mit Gott und seinem Schicksal, Verharrung, Starrheit, Orientierungslosigkeit, „Wo ist jetzt eigentlich vorn?“
Typische Hoffnungsmangelkrankheiten: Gedankenkrankheit, Schwindel, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Alltagstrancen, Hysterie, Depression, Krebs, einige Lungen- und Darmerkrankungen
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Psalm 90 (Einheitsübersetzung)
17 Es komme über uns die Güte des Herrn, unsres Gottes. Lass das Werk unsrer Hände gedeihen, ja, lass gedeihen das Werk unsrer Hände!
Nun kann ich wenig sagen über die direkte Heilung von körperlichen Krankheiten, denn ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie, ich setze in meiner Arbeit bei der Seele und den aktuellen Lebensumständen an.
Heilen durch Handauflegen hat keine andere Quelle der Wirkung als Gottes Gnade, Heilung und Segen. Ich beginne jede Behandlung mit einem Gebet, das an die Worte Salomos (1. Könige 3,9) angelehnt ist:
Herr, auf Dich vertraue ich,
in Deine Hände lege ich mein Leben.
Herr schenke mir ein hörendes Herz,
damit ich die Not in Deinem Volk erkenne
und ihm in Liebe diene.
Bitte heile dieses Wesen nach Deinem Willen
und Deinem Plan und nutze mich bitte als Werkzeug
Deiner Liebe, Deiner Heilung und Deines Segens,
auf jede von Dir gewollte Art und Weise.
Ich bitte von ganzem Herzen um Heilung für den Menschen vor mir, ich bitte um die Anwesenheit, Begleitung und Wirken von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Und wer könnte anderes antworten, als der Dreieinige Gott selbst. Denn:
Lukas 11 (Lutherbibel 1984)
Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. 10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. 11 Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn der ihn um einen Fisch bittet, eine Schlange für den Fisch biete? 12 Oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete?13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!
Der Behandler kann nichts tun, außer sich und seine Hände zur Verfügung stellen und seine Wahrnehmungen zu äußern, auch seine Stimme zur Verfügung zu stellen, seinen Geist gelöst aufmerksam, frei und offen zu halten für Wahrnehmung. Der Empfänger öffnet sich unbewusst und unwillkürlich für Gottes Gnade. Nicht der Behandler bestimmt oder kann festlegen oder versprechen, was geheilt wird, wie sich die Heilung zeigt, sondern Gottes Gnade allein zeigt den Weg auf, der zu mehr Gesundheit, mehr Lebendigkeit führt, nicht das Bewusstsein oder der Wille des Behandlers noch der des Empfängers. Beide müssen sich ganz darauf verlassen, was von Oben einfließt, von Gott zufließt und was es bewirkt.
Heilen durch Handauflegen hat viele Wirkungen, die genau dem oben Beschriebenen entsprechen. Ich möchte hier von meinen Erfahrungen und aus meiner Praxis berichten.
- Es fördert die Liebesfähigkeit. Durch eine Behandlung können Zorn und Groll auf andere Menschen oder Situationen aufgelöst werden, die man aktuell hegt und in Verständnis, Akzeptanz, Toleranz umgewandelt werden. Eine vorher undenkbare Versöhnung wird dann möglich.
Eine Klientin von mir erlebte eine sehr schwierige Situation voller Ungewissheit mit ihrem Lebenspartner. Während zunächst Schock und Wut die vorherrschende Emotion war, gepaart mit Trauer, wandelte sich ihre Einstellung innerhalb einer Woche zu einer Akzeptanz der Situation, sie konnte ihm die Freiheit lassen, seinen eigenen Entscheidungen zu folgen. Sie konnte sein Schicksal in Gottes Hand legen und es dort belassen, sie akzeptierte ihre eigene Ohnmacht. Genauso konnte sie akzeptieren, dass dieses Geschehen etwas mit ihr selbst machte, sie auf sich selbst zurückwarf. Sanft mit sich nahm sie sich eine berufliche Auszeit, um mit sich selbst liebevoll und angemessen umzugehen und ihr eigenes Leben neu zu konfigurieren.
- Es fördert die Hoffnung. Wenn wir krank sind, dann fühlen wir uns nach einer Behandlung ruhiger, erleichtert und entspannter, oft werden Schmerzen gelindert und die Hoffnung auf Heilung steigt. Depressives oder zwanghaftes Gedankengut fließt ab und neue Gedanken, die Hoffnung schüren, dass es doch alles besser sein kann, stellen sich ein.
Ein junger Mensch Anfang zwanzig, hatte bei der Behandlung zunächst einen Kopf, der sich anfühlte wie ein Bienenstock. Durch die Behandlung legte sich diese Aktivität und er schlief nach einer Weile tief und fest ein. Nach der Behandlung fühlte er sich wunderbar und erleichtert. Anschließend erzählte er: „Zunächst dachte ich die ganze Zeit daran, was ich jetzt und in den nächsten Wochen, Tagen und Monaten noch alles zu tun habe, wie schwierig und ungewiss doch das alles sei. Ich hab schon mal daran gedacht, es wäre gut, für die nächsten 1 ½ Jahre aufzuschreiben, was ich an jedem der Tage tun würde. Doch nach einer Weile ließ das nach und ich wurde ruhig in dem Gedanken: Alles zu seiner Zeit. Das kommt ja alles noch, ich muss es ja noch nicht heute alles bewältigen. Und dann konnte ich plötzlich schlafen, was mir in den letzten Tagen fast unmöglich war.”
- Es fördert die Gabe, Informationen aus der geistigen Welt zu empfangen. Dieses Buch basiert in keinster Weise allein auf meinen eigenen Gedanken, sehr viel Gedankengut habe ich durch meine Gespräche vor allem mit Jesus und dem heiligen Geist erhalten, die Hintergründe, die Erklärung der Trinität, die Methoden, die Wirkungen. Ich kann diese Weisungen von meinen eigenen Ideen unterscheiden, weil ich weiß, dass ich diese Informationen vorher definitiv nicht wusste und auch nicht in meinem Kopf hatte. Sie tauchen einfach vor mir auf oder werden mir im inneren Gespräch vermittelt. Ich habe in der Zwischenzeit einen Glaubenskurs absolviert. Das, was mir vorher in meiner Einzelarbeit zugefallen war, deckte vollständig ab, was in dem Glaubenskurs gelehrt wurde, und mehr als das.
Das Bild der Trinität, die drei miteinander verbundenen Kreise in der Bewegung im Uhrzeigersinn als ewiges Kontinuum habe ich als Vision erhalten, ich kannte es vorher nicht. Die drei Kreise stehen für die höchsten Gaben Glaube, Liebe und Hoffnung, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Später habe ich dann im Internet nachgesehen und plötzlich gab es viele Bilder davon, die sie ganz ähnlich zeigten. Die deutlichste Übereinstimmung erhielt ich durch eine Darstellung auf einem Ring, den sich meine Wohnungsgeberin zur Zeit des Schreibens dieses Buches als Belohnung aus Santiago de Compostela mitgebracht hatte. Den Ring hatte ich vorher nicht gesehen.
Als ich dann beim Behandeln das Symbol visualisierte und im Uhrzeigersinn in den Körper einschwang, konnte ich immer wieder feststellen, dass das Symbol plötzlich nicht mehr gleichmäßig erschien. Ich fragte meine Klienten, ob sie mit dem jeweiligen der Grundprinzipien Glaube, Liebe und Hoffnung ein aktuelles Problem hätten, und zwar dem Kreissegment, was unförmig oder nicht zu formen war. Es stimmte jedes Mal mit meiner Wahrnehmung überein. Eine neue Diagnoseform war geboren.
- Es fördert den Glauben und Glaubenserfahrungen. Mit den Behandlungen wird es einem klar: es gibt Gott, denn sonst wäre hier keine Verbesserung oder Veränderung möglich.
Einem Behandelten begannen die Tränen zu fließen. Hinterher erzählte er ganz berührt und außer sich, dass er während der Behandlung sein erstes Erleben von Gottes Einheit erlebt hätte. Er habe sich mit allem verbunden gefühlt, als ein Organismus, ein Wesen, ein Geist und sich in diesem Moment so geborgen und so glücklich wie noch nie in ihrem Leben gefühlt.
Mein Weg der Heilung begann als von der Kirche abgewandte Atheistin, die zwar getauft, aber dann durch unverdaute Erfahrungen nur noch in Platons Kaloskagathos, das Gute und Schöne, etwas Glaubenswertes fand, eine unpersönliche Vorstellung, Kraft. Doch durch die vielen Behandlungen und vor allem die Arbeit mit Engeln rückte Gott und mein Verständnis von ihm immer mehr in den Mittelpunkt meiner Arbeit, weil ich ihn immer und stetig spürte und seine Wahrheit in der Heilungsweise des Handauflegens entdeckte. Es gipfelte dann im Kennenlernen des Jesus in Gestalt des „Sagrado Corazón de Jesús“ in Barcelona. Das Ergebnis meiner Glaubensentwicklung vorerst ist dieses Buch.
- Es fördert Vergeben und ermöglicht uns, den Kummer, den Groll und die Trauer loszulassen, die uns oft aus einer gescheiterten Beziehung verbleiben.
- Handauflegen bewirkt Heilung
Messbare Wirkung: Mein Sohn hatte 40 ° C Fieber, das ist der Moment, in dem die Kinderärztin mir beigebracht hatte, sofort einzuschreiten, um einen möglichen Fieberkrampf zu verhindern. Daraufhin behandelte ich ihn – statt ein Paracetamol- Zäpfchen zu geben – intensiv erst am Kopf und anschließend an den Füßen. Schon nach einer halben Stunde war die Temperatur auf 39,2 ° abgesunken, das Kind war nicht mehr fiebrig unruhig, sondern ist tief und fest eingeschlafen. Am nächsten Tag war er wieder fit.
Anlässlich eines Tages der offenen Tür kam eine Frau mit einem kleinen Jungen zu mir. Er hatte einen steifen Hals und dort Schmerzen, weil sein Vater am Tag vorher spielerisch beim Haare Abtrocknen etwas zu intensiv gerubbelt hatte. Ich legte ihm die Hände auf und nach einer Viertelstunde war jeder Schmerz und jede Bewegungseinschränkung verschwunden. Die Mutter testete es nochmals überrascht, alles war verschwunden. Das Wochenende war gerettet.
- Es bringt die Wahrheit ans Licht/ Unterscheiden können, was aus dem Geist Gottes kommt und was nicht. Als Behandlerin halte ich es in der Regel wie der Friseur: wenn der Klient während der Behandlung schweigen will, dann schweige ich mit ihm, will er reden, so rede ich mit ihm. Wenn wir dann jedoch gemeinsam reden und ich gerade eine Blockade z.B. in den Beinen behandle, also einen Ort, an dem ich keinen Energiefluss erfühle, dann stellt sich oft plötzlich ein Energiefluss ein, wenn der Klient einen Satz der Wahrheit sagt, also wenn er ausspricht, was wirklich gut für ihn wäre, um eine erdachte Welt zu verlassen und sich wieder Gottes Reich zuzuwenden. Sobald dann wieder ein Satz gesagt wird, der als Zukunft in Betracht zieht, was den Körper heute schon kränkt, dann hört der Energiefluss wieder auf.
- Handauflegen tröstet. Während einer Behandlung passiert es immer mal wieder, dass der Behandelte beginnt zu weinen, fast immer Tränen, die er in der Regel schon lange zurückgehalten hat. Die Tränen beginnen zu fließen und dann irgendwann stellt sich tiefer Trost ein.
Eine Klientin hatte sehr nah am Wasser gebaut. Häufig hatte sie aufgrund kleiner Anlässe plötzlich die Tränen in den Augen stehen. Einmal erzählte sie mir, dass es ihr ganz häufig passierte, dass sie bei bestimmten Szenen im Fernsehen oder bei dem Gedanken an verstorbene Familienmitglieder plötzlich in Tränen ausbrach und nichts dagegen tun konnte. Für sie hatte das Ausmaße angenommen, die weit über das normale Mitgefühl oder das manchmal „wohlige Weinen“ bei rührenden Filmen hinausging.
In einer Serie von Behandlungen, in denen sie fast pausenlos weinte, während meine Hände auf ihrem Herzen lagen. Wir gingen alle die Szenarien durch, die sie zum Weinen brachten, und von Mal zu Mal wurde sie weniger empfindlich. Die letzte Behandlung diente auf meinen Vorschlag hin ihrer aktuellen Lebenssituation. Sie war vor ein paar Monaten verrentet worden und merkte nun, wie sehr sie die Gemeinschaft ihrer langjährigen „Arbeitsfamilie“ vermisste und darüber trauerte, obwohl jeder ihr sagte, wie glücklich sie jetzt sein müsste, nicht mehr arbeiten zu müssen. Ihre bisherige Mittrauer und ihr Mitleiden – ausgelöst durch die Erinnerung an eigenes Leid – wurde durch Tröstung ihrer eigenen Trauer, zu freundlichem Mitgefühl. Sie entschloss sich, künftig Teile ihrer freie Zeit in der tätigen Sorge – mit Da-Sein und Gesprächen – für alte Menschen im Altersheim zu verbringen, selbst zum Tröster zu werden.
- Es hilft bei der Deutung des Wortes/des Gesagten im Sinne von Gottes Welt. Durch die Wahrnehmung der Wirkung, die die Gottes Gnade auf einen Körper hat, können wir den Körper wunderbar lesen lernen. Der Körper erzählt seine Geschichte, und durch diese Geschichte können wir erfahren, was die Kränkung verursacht hat. Wenn man diese Erfahrungen häufig macht, dann wird einem immer klarer, wie Gottes Welt funktioniert. Dadurch kann man Krankheiten und Erfahrungen neu deuten und versteht, was gesund macht.
Zudem wird das Verständnis generell beschleunigt in Form von synthetischem Denken. Ich sehe verschiedene Einzelheiten und kann sie zu einem Gesamtbild kombinieren. Diese Fähigkeit wächst ständig weiter. Manchmal betrachte ich eine Situation und plötzlich fühlt es sich an, als ob Fenster in der Luft vor mir aufgehen und ich einen immer größeren Zusammenhang entdecke, einen neuen Bedeutungsgehalt, der vorher nicht da war, die Weisheit hinter den Dingen. Wenn ich heute die Bibel lese, dann kann ich vieles deuten und in unsere Alltagssprache übersetzen. Und ehrlich gesagt, ich finde immer wieder in den kirchlichen Deutungen der Bibel Vorgehensweisen oder Gedankengut, die nicht mit meinen Heilungserfahrungen übereinstimmen. Wo ich eine Diskrepanz entdecke, das trage ich in ein Gespräch mit Jesus und bekomme es dort oder in den folgenden Behandlungen erklärt.
- Es stärkt Wahrnehmung, Sensorik und Mitgefühl. Meine kinesthetische Wahrnehmung ist inzwischen so sicher, dass ich erkennen kann, was funktioniert und wie sich was anfühlt, ob Heilung geschieht, ob Durchlässigkeit besteht oder nicht. Mein Mitgefühl ist inzwischen so sehr ausgebildet, dass ich die Schmerzen und die Stimmungen des Behandelten fühle. Sobald ich die Hände wieder wegnehme, sind sämtliche Fremdschmerzen oder Fremdgefühle wieder weg, ich trenne mich allerdings auch am Ende der Behandlung bewusst aus dieser Verbindung.
Während einer Behandlung am Freitagnachmittag fühlte ich plötzlich: „Oh nee, ich habe keine Lust mehr, wann ist denn das endlich zu Ende, ich will nach Hause.“ Das ist überhaupt nicht normal für mich, ich liebe meine Arbeit sehr! So fragte ich: „Haben Sie das manchmal, dass sie keine Lust mehr auf ihre Arbeit haben?“ Da sagte der Behandelte: „Momentan ist das ganz schlimm! Schon Montag früh hab ich mir gesagt, hoffentlich ist bald Freitag, ich hatte die ganze Woche auf gar nichts Lust.“ Durch die Behandlung hatte sich das Gefühl aktiviert und es wurde gelöst. So konnte ich es auch wahrnehmen.
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Beim Handauflegen hat sich der im folgenden beschriebene Ablauf herauskristallisiert. Typischerweise beginnen wir mit einer Diagnosebehandlung:
Zunächst frage nach den aktuellen Beschwerden und Bedürfnissen und der Motivation für den Behandlungswunsch. Anschließend erkläre ich, was ich machen werde und welche Optionen der Klient während der Behandlung hat. Er legt sich hin. Ich verbinde mich im Gebet mit dem dreifaltigen Gott. Ich lege die Hände auf. Normalerweise beginne ich beim Kopf, um erst einmal die bei uns so allgegenwärtige Gedankenfülle „herunterzufahren“, Frieden im Kopf zu schaffen, Aufnahmefähigkeit wieder herzustellen. Daraus ergibt sich in der Regel ein Nachlassen des Gedankendrucks und in dessen Folge körperliche und seelische Entspannung. Die besänftigende und beruhigende Heilwirkung, Gottes Gnade wird am eigenen Leibe erfahrbar. Entweder während und nach der Behandlung übersetze ich die Aussagen von Körper und Seele, denn fast immer folgt mittendrin oder hinterher die Frage: „Und, was haben Sie gemerkt?“ Daraus entwickelt sich ein Gespräch, in dem wir die aktuelle Lebenssituation und meine Anamnese von Körper und Seele zu einer Diagnose zusammenführen.
Manchmal ist durch die Diagnosebehandlung bereits alles geklärt und der Zustand ist geheilt. Der Klient begreift die Ursache vollständig und ändert sofort sein Leben. Oft sind jedoch weitere Behandlungen notwendig, um von der Heilung auch zur detaillierten Umsetzung zu kommen und weitere Stolpersteine und Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Diese Behandlungen laufen dann meist folgendermaßen ab:
Über den Kopf oder über das Herz fühle ich mich in die Körperzone und den Körper ein und spüre an meinem Körper oder aus den Aussagen des Klienten die bedürftigen Behandlungszonen und ich bete intensiv für diesen Menschen. Durch das Einfühlen und das Beten habe ich Wahrnehmungen, die mir den aktuellen Zustand des Körpers zeigen, die spezifischen Bedürfnisse nach Glaube, Liebe und Hoffnung. Diese spreche ich dann während der Behandlung oder anschließend an.
Als eifrige Rosario-Beterin bin ich es so gewöhnt, Jesus und Maria mir initial vorzustellen und dann ihre Lebensstationen mitzuerleben, so dass sie häufig auch während der Behandlungen von sich aus auftauchen, um heilend einzugreifen und „Operationen“ durchzuführen. Der symbolische Charakter der Operation erklärt wieder die reale Situation des Klienten und deutet auf seinen Heilungsweg hin. Für dieses Geschehen bin ich besonders dankbar und ich beobachte es jedes Mal verliebt und mit Staunen.
Bei einer Behandlung kam Jesus plötzlich mit einer Operationsliege wie ein OP-Pfleger herein. Doch er fuhr die Liege mit dem Patienten nicht in einen Operationssaal, sondern in unsere Kirche, wo der Pfarrer das Abendmahl zelebrierte und dem Patienten ebenfalls in beiden Gestalten verabreichte. Die bestehende Krankheit war Leukämie, eine Störung der Blutbildung im Knochenmark. Sein Vorschlag war hier, die Heilung über Sein Blut stattfinden zu lassen.
Während der Behandlung entsteht oft beim Klienten ein spontaner Gefühlsausdruck, indem er seine Gefühle anspricht und ausspricht, oft bricht es einfach aus ihm hervor, verbal oder durch emotionale Reaktionen: Lachen, Freude, Erleichterung, Weinen, Wut, Druckgefühl, Trauer, Schmerz. Durch das Gespräch und meine Hände erhält der Klient die Möglichkeit, die Geschehnisse einzuordnen, zu verarbeiten und zu verdauen. Sehr häufig kommt es hierbei zu Perspektivwechseln: „so habe ich das ja noch gar nicht gesehen, damit kann ich jetzt besser klar kommen“ oder zu der Veränderung von Denkmustern und Glaubenssätzen, also den oben beschriebenen Denk- und Weltkonstrukten, die nicht mit Gottes Reich übereinstimmen.
Da, wo köperliche oder emotionale Symptome beim Klienten oder bei mir auftreten, lege ich meine Hände auf, bis sie abklingen. Dabei kann es sich um Überfunktionen, die sich in starken Reaktionen in meinen Händen wie Hitze, Schmerz, Pulsieren zeigen, oder um Unterfunktionen handeln, die sich durch Kälte oder absolute Reaktionslosigkeit zeigen. Manchmal habe ich dabei das Gefühl, den Menschen an diesen Stellen völlig wieder aufzutauen, wieder zu beleben.
Die Bibel, die Weisungen Jesu und die grundlegenden Weisheiten des christlichen Glaubens helfen immer als Leitfaden. Bei Nichtgläubigen verhilft mein Glaube, ausgedrückt durch die Behandlung und ihre Wirkung und durch meine Worte, sehr oft als Anregung zur Annäherung an Jesus als Teil des dreifaltigen Gottes, oder an Maria, die als der sanfteste Ansatz für die verletztesten Seelen dient. Sie schützt die Kinder in der Not und nimmt sich des kindlichen Anteils im Menschen an, der fast automatisch zu ihr flieht, falls ihm die Möglichkeit dazu eingeräumt wird, sie ihm vorgestellt wird. Bei Gläubigen führen die Behandlungen oft zur Intensivierung der eigenen Glaubenspraxis, z.B. zu einer verstärkten Präsenz von Jesus im Alltag.
Eine junge Frau, katholisch aufgewachsen und stetige Kirchgängerin, berichtete mir nach einer einmaligen Behandlung, dass sie danach plötzlich eine solche Liebe zu ihren Kindern und ihrem Ehemann gespürt habe, dass sie selbst ganz überrascht war. Ich hatte sie darüber hinaus dazu angeregt, in ruhigen Zeiten, z.B. bei langen S-Bahn-Fahrten, das Gespräch mit Jesus zu suchen, ihm im Gebet den Wunsch danach auszudrücken. Sie berichtete von seiner plötzlichen ungemein spürbaren Präsenz in ihrem Leben, dass sie erstaunt war, wie intensiv und lebendig sich Glauben anfühlen konnte und was in dieser Kommunikation alles geschah. Die Lesung im Gottesdienst wurde für sie nun jedes Mal zur Offenbarung, sie fühlte sich ganz persönlich angesprochen und erreicht. Nach einem Jahr schrieb sie mir zu Weihnachten: „Seit ich dich vor einem Jahr traf, hat mein Leben sich auf einem sehr positiven Weg entwickelt. Ich habe Gottes Liebe erfahren und kann sie nicht mehr für mich selbst behalten. Ich bin dir sehr dankbar und bete dafür, dass Gott dich in deiner Mission unterstützt.“
Die Erfahrung von Gott und die Sehnsucht nach dieser Gottesnähe führt zur Heilungsmotivation, zu einem „so möchte ich mich öfter/immer fühlen“. Um dies zu erreichen sind oft ganz praktische Veränderungen im Alltag, in den wichtigsten Beziehungen notwendig. Folgebehandlungen dienen also häufig der Planung von Veränderungen und der Begleitung der Umsetzung durch Bestärkung und Detaillierung der einzelnen Schritte vorwärts.
Ich bin nicht der Heiler, der einfach mal kurz die Hände auflegt und dann ist alles geschehen. Als ich Jesus einmal dazu befragte: „Warum läuft das bei mir nicht so?“, da sagte er zu mir: „Du heilst nicht primär Krankheiten, du heilst das Leben der Menschen.“ Ihr neues, heilendes Leben heilt dann die Menschen. Und stimmt! Das war meine Intention, ich hatte meine Arbeitsintention, meine Mission schon vor dem Jakobsweg mit “Heilendes Leben” überschrieben.
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Das Handauflegen, wie es mir durch die Gabe vermittelt wurde, unterscheidet sich von den bisher gängigen Methoden der Schulmedizin, der Seelsorge und der Psychotherapie, bietet jedoch viele Ansätze zur Synergie mit ihnen.
Die Schulmedizin verstehe ich als ein vom Arzt geführter, wissenschaftlicher Prozess, in dessen Fokus die Behandlung von körperlichen Krankheits-Ursachen und Symptomen stehen. Die Anamnese und Diagnose erfolgt durch körperliche Untersuchung, Befragung, Labor & technische Verfahren. Die Heilung erfolgt durch chemische, mechanische und chirurgische Verfahren, regenerierende Ruhe, Übungen, ggfs. Verhaltensänderung. Eine Synergie ist möglich durch das Ergründen der seelischen Ursache der Krankheit und deren Heilung, damit sie nicht wieder auftreten muss bzw. weiter nach innen fällt. Bei physikalischen Eingriffen, z.B. Bestrahlung, kommen die seelischen Ursachen des Krankheitsherdes ins Bewusstsein und können so andere Symptome auslösen. Durch das Handauflegen können sie verarbeitet/verdaut werden. Die schmerzlichen Inhalte können ausgedrückt und durch Glaube, Liebe und Hoffnung ersetzt werden.
Eines Tages – ich arbeitete in Praxisgemeinschaft mit einer Internistin, währenddessen ich auch eine Zeitlang ihre Arzthelferin vertrat – kam ein Mensch in die Praxis. Ich stand gerade bei der Arzthelferin, weil der Klient, den ich erwartet hatte, kurzfristig abgesagt hatte. Ich wollte mich gerade verabschieden. Dieser Mensch klagte über Schwindel und Herzrhythmusstörungen. Er kam gerade von einer Bestrahlung, während der diese Beschwerden ausgelöst worden waren. Da die Ärztin gerade einen anderen Patienten behandelte, nahm ich der Arzthelferin diesen Menschen ab, da noch andere Patienten bei ihr anstanden. Ich legte ihn auf eine Liege und blieb ein wenig bei ihm, hielt die Hand. Ich fragte nach ein paar Minuten, ob ich ihm die Hand auflegen dürfe. Sie stimmte zu und ich hielt meine Hand wegen des Schwindelgefühls über die Stirn. Nach kurzer Zeit war er verwundert über ein helles, warmes Licht, was von meiner Hand auszugehen schien, es ging ihm schnell besser, ihr Herz beruhigte sich.
Die Ärztin kam hinzu, konnte jedoch den Zustand nicht umgehend beheben. Doch da es diesem Menschen unter meiner Hand gut zu gehen schien, war die Ärztin zuversichtlich und der Mensch erklärte sich zu einer Behandlung bei mir bereit. In der Behandlung kam ein Thema zur Sprache, das diesen Menschen lange gequält hatte, über das er jedoch noch nie mit jemandem geredet hatte. Er hatte es nie zuvor ausgedrückt. Ich machte ihm anhand des Bibelgleichnisses von Jesu Gebet im Garten Gethsemane klar, dass kein Mensch, nicht einmal Jesus Christus, jede schwierige Situation sofort, dauerhaft, stets liebevoll, fraglos und klaglos annehmen könnte. Wir beteten gemeinsam das Vaterunser, um ihr Gnade der Vergebung wieder deutlich zu machen, er fühlte Vergebung und ihm wurde leichter ums Herz, alle Symptome verschwanden. Die Bestrahlung hatte das verdrängte, im Tumor gekapselte, gebundene Gefühl wieder aktiviert und an das Bewusstsein herangeführt. So war es in der Behandlung bearbeitbar und lösbar.
Die Psychotherapie sehe ich als einen vom Therapeuten geführten Prozess mittels sprachlich-empathischer Anamnese, Testverfahren, Beobachtung, Auswertung von Gefühlen, Traumgeschehen, teilweise auch körperlichen Übungen, Gefühlsausdruck etc. Katalogisierte Symptome weisen auf die Krankheit (ICD10). Die Heilung erfolgt durch Ansehen und Verstehen der Biographie, Einsicht in kränkende Lebensumstände, Verarbeitung unseres bisher Unverdauten, Veränderung von Verhalten und Umständen, Übungen, Abbau körperlicher Spannungen und Stärkung der Kompetenz für das eigene Leben. Psychotherapie ist oft ein Prozess, in dem die Vergangenheit aus der Seele wie aus einem trübe gewordenen Teich Stück für Stück wieder an die Oberfläche geholt wird, um sie anzusehen, auszusortieren und so die Seele zu reinigen und freizuräumen. Die Lebensphilosophie des Therapeuten bzw. seiner Schule weist die Richtung. Der Therapeut orientiert sich im „was ist gesundes, was ist krankes Denken und Verhalten“ an seinem eigenen Wertebild oder dem seiner jeweiligen Ausbildung / Fachrichtung. Das muss für den jeweiligen Klienten und den Weg, den seine Seele nehmen will, nicht unbedingt passen. Für mich fehlt der heutigen Psychotherapie jedoch meist das Gottes-Element und die Spiritualität, weshalb sich so viele Menschen neben der Therapie spirituellen Halt suchen.
Da die Entscheidung für Psychotherapie meist für an einem Tiefpunkt, dem Umkehrpunkt im Leben geschieht, kann durch das Handauflegen der Klient stabilsiert und in die Lage für den oft anstrengenden Prozess der Psychotherapie versetzt werden. In der Psychotherapie werden viele schmerzhafte Erfahrungen zu Tage gefördert und betrachtet, die Auswirkungen davon können durch das Handauflegen gelindert werden. Der lebendige Prozess gibt Hinweise auf die Richtung, aus der Heilung zu erwarten ist.
Seelsorge habe ich verstanden als einen von Gott geführten Prozess durch den Priester, der auf Glauben basiert. Die Behandlung des Geistes erfolgt durch das Wort, Gebete und Sakramente. Die Grundlage und Voraussetzung der Heilung ist die Einsicht der Sünde und Eigenverantwortung und Umkehr, evtl. Buße und das Erfahren von Vergebung und Gottes Gnade. Der Seelsorger orientiert sich am Wort Gottes und am Regelwerk der Kirche (Kirchenrecht, Katechismus, Überlieferung). Bei Krankheiten und Krisen kann das Handauflegen eine Intensivierung und Individualisierung der Seelsorge bedeuten, das Durchkommen des Wortes kann ermöglicht, erleichtert, vertieft werden. Gottes Gnade wird durch die Hände erfahrbar und erzeugt den Zielzustand und damit das Wissen, dass Heilung möglich ist und wie sie sich anfühlt. Durch die intensive Nähe zum christlich orientierten Heiler als Boten wird die Nähe zu Gott praktisch über den anderen Menschen erfahrbar. Doch die bewusste Aktivität des Heilens ist aus der Kirche weitgehend verschwunden, das ausführliche Handauflegen bis zur Heilung und das intensive Gespräch mit dem Kranken aus spiritueller und therapeutischer Sicht. Kein Priester kann meines Erachtens nach tatsächlich zeitlich gesehen seelsorgerisch eine ganze Gemeinde betreuen und parallel dazu Kirchenmanager und der Träger des Rituals sein. Brüderlich und schwesterlich untereinander können wir sehr wohl durch das Handauflegen füreinander da sein.
Aus meiner eigenen Sicht und Erfahrung mit vielen Menschen möchte ich nochmals auf das Kapitel „Und was ist mit der Sünde?“ verweisen: der angstschürende, anklagende und zusätzlich schuldzuweisende Umgang mit dem Begriff Sünde schreckt heute viele Menschen davon ab, sich dem kirchlichen Heilungsweg hinzugeben, weil er ihr Problem der Unzulänglichkeit und der Selbstanklage, der imperativen Stimme im Innern und des „so, wie ich bin, bin ich nicht in Ordnung“ verschärft.
Damit werden sie heute zu bedürftigen Kunden der alternativen Heilungsszene, die sie wirklich erstmal so nimmt, wie sie sind, wie man heute so nett sagt, DA abholt, wo sie stehen. Wie es eigentlich der suchende Hirte tut…[1] oder der Vater des verlorenen Sohns. Den Menschen reicht es schon, die Diagnose, die Krankheit zu erleiden. Den meisten fällt es schon schwer genug, allein dafür Verantwortung zu übernehmen,[2] sie wollen sich nicht noch zusätzlich schlecht fühlen und erstmal ihre Schuld unter die Nase gerieben bekommen. Das Bewusstsein „Gott hilft und liebt uns, so wie wir sind“, „Wir sind Menschen, die nun mal Fehler machen, nur hoffentlich nicht ständig die gleichen“, „wir sind Kinder Gottes, die lernen dürfen“, entlastet und öffnet uns – damit wir lernen und umsetzen und damit umkehren.
Offenbarung 12 (Einheitsübersetzung):
10 …denn gestürzt wurde der Ankläger unserer Brüder, der sie bei Tag und bei Nacht vor unserem Gott verklagte.
Mein Verständnis, meine Erfahrung des von mir praktizierten Handauflegens ist ein von Gott geführter Prozess, basiert auf Glauben und Wahrnehmung, in dem Gottes Gnade erfahrbar wird. Der duale Körper ist der Wegweiser, Anamnese, Diagnose und Therapie erfolgt durch Handauflegen und Gespräch. Die Gesprächsinhalte sind rein intuitiv und basieren auf den Wahrnehmungen im Gebet, am Körper und durch Mitgefühl. Das Handauflegen heilt emotionalen Schmerz, Anspannung und Mangelzustände durch die Heilkraft Gottes, Verstehen, Einsicht und Verhaltensveränderung.
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[1] Das sehe nicht nur ich so. Während einer Predigt über Kardinal Bengsch sagte der Berliner Dominikaner-Paters Dr. Thomas Griesbach: „Die Kirche trifft die Menschen zwar da, wo sie stehen, aber sie lässt sie genau dort stehen und nimmt sie nicht mit.“
[2] Daher ist die heutige Schulmedizin so attraktiv für viele. Die Krankheit kommt – ohne eigenes Zutun – zu uns und der Arzt macht sie – ebenfalls möglichst ohne eigenes Zutun – wieder weg. Wir werden repariert, vielleicht ein paar Teile ausgetauscht, gereinigt, geölt, gefettet. Fertig! Und weiter geht es wie bisher…
Psalm 42 (Gute Nachricht Bibel): 2 Wie ein Hirsch nach frischem Wasser lechzt, so sehne ich mich nach dir, mein Gott! 3 Ich dürste nach Gott, nach dem wahren, lebendigen Gott. Wann darf ich zu ihm kommen, wann darf ich ihn sehen?
Johannes 6 (Lutherbibel 1984): 63 Der Geist ist’s, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben.
Gott regt durch seine Präsenz immer wieder unsere Lebendigkeit an, kein Wunder, denn der Heilige Geist ist am Werk, der Herrscher der Lebendigkeit. Wie ist das zu verstehen?
Manches ist offensichtlich und einfach: wenn wir müde sind, dann ist Erholung und Schlaf Lebendigkeit. Wenn wir wach sind, ist Kreativität und Schaffenskraft der Lebendigkeit. Wenn wir hungrig sind, dann führt Essen zum Leben, wenn wir satt sind, führt Nicht-Essen in die Lebendigkeit. Wenn wir brauchen, dann ist Empfangen lebendig, wenn wir genug oder mehr als genug haben, dann ist (Ab-)Geben lebendig, ob es sich nun um Geld, Arbeit oder Gefühle handelt.
Lebendigkeit zeigt sich immer dann, wenn wir das Gefühl des Fließens haben, uns im Fluss des Lebens befinden, im kreativen Schaffen wird dies auch als Flow bezeichnet. Fragen wir also immer nach, analysieren wir gemeinsam: Was hat sich durch die Behandlung für uns und unseren Empfänger verändert? Lernen wir von diesem Weg! Doch was für den einen stimmig ist, das kann für den Nächsten ganz anders sein. Durch das Anwachsen von Lebendigkeit zeigt sich immer Gottes Wirkung. Gott schafft alles mit Sinn und zeigt es uns.
Gesundheit ist die Wahrheit Gottes im Körper.
So verstehe ich auch eine Facette des „lebendige Wasser“. Alte, überlebte, „tote“ Gefühlen stoppen in der Regel den Fluss der Liebe, wir halten an einer alten Erinnerung an und sagt: „Hey, das habe ich schon mal erlebt, das war nicht gut! Das muss hier aber sofort aufhören!“ Selbst wenn die gute Chance besteht, dass der Verlauf der neuen Erfahrung ganz andere Ursachen oder Folgen hat als das Alte. Diese Stopper jedenfalls sind in der Regel die Ursachen für Neid, Angst, Arroganz, Ärger etc. Sind diese Erinnerungen befriedet, verdaut, dann beginnen die lebendigen Gefühle vollständig zu fließen, Früchte des heiligen Geistes: Glaube, Liebe, Hoffnung, Barmherzigkeit, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Sanftmut und Selbstbescheidung. Und das macht uns innerlich sitt und satt, schenkt uns das lebendige Herz.
Und so verstehe ich den lebendigen Gott, so lebe ich mit ihm: er begleitet uns tagtäglich, er ergänzt uns immer, er gibt uns immer das, was wir brauchen, er steht mit uns ganztägig in Kontakt, ist unsere Versicherung, unser Arbeitgeber und Versorger. Der Weg mit Gott ist nie nur Selbstzweck „ich bin mit Gott“, sondern aus kontinuierlicher Einheit mit Gott kommt die Kraft, die Wahrheit und die Richtung mit, um seinen Willen als sein Werkzeug in der zwischenmenschlichen Gemeinschaft zu manifestieren, damit die Gaben des Heiligen Geistes unter uns Menschen spürbar sind. Daher die Reihenfolge der drei Kreise. Ich richte meine Prioritäten nach ihm aus und nicht an dem, was ich für das Geldverdienen tun muss. Er präsentiert mir täglich auf der Bühne meines Lebens anschaulich und fühlbar die Antworten, die ich für mein Leben, die Wahl meines Weges brauche. Wenn ich wissen will, wo es langgeht, dann brauche ich nur zu betrachten, was vor mir ist, was mir Sorgen bereitet, was mich ärgert, was mich freut. Ich bin nicht äußerlich reich, dafür inzwischen von Tag zu Tag innerlich mehr. Er hat uns allen ein Versprechen gegeben, nämlich dieses:
Ich halte mich daran fest und erlebe es täglich. Ich schätze das Ritual des Gottesdienstes sehr, weil es einmal wöchentlich – gepaart mit der Gemeinschaft in der Gemeinde – mir hilft, mich tief auf Ihn einzulassen und als „Aktuelle Stunde“, als „Pflegestunde“ und Reinigung zur Rekonfiguration meines eigenen aktuellen Lebenszustandes und als grundsätzliche Gelegenheit zu Danksagung und Lobpreis Zeit, wunderbares Umfeld und Fokussierung bietet. Meine Supervisionsstunde! Das ist in unserer Kirche auch ganz besonders einfach, weil im Mittelpunkt der Apsis über dem Altar ein großer, freundlicher Jesus uns mit offenen Armen von Herzen willkommen heißt und uns entgegen kommt.
Matthäus 12 (Gute Nachricht Bibel): 6 Und ich sage euch: Hier ist mehr als der Tempel! 7 Wenn ihr verstanden hättet, was mit dem Wort gemeint ist: Ich fordere von euch nicht, dass ihr mir irgendwelche Opfer bringt, sondern dass ihr barmherzig seid, dann würdet ihr nicht Unschuldige verurteilen.8 Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat; er hat zu bestimmen, was an diesem Tag getan werden darf.«
Doch das Ritual allein genügt nicht, wir würden auf zu viel der Gnade verzichten. Entscheidend ist für mich, Ihn ständig im Herzen, an der Seite zu haben, jeden Weg mir Ihm zu gehen, jede Handlung mit Ihm auszuführen, mich an jeder Wegkreuzung an ihm zu orientieren und alles dafür zu tun, dass sein Reich hier auf Erden entsteht. Es ist der Ort, an dem ich mich am wohlsten, am lebendigsten fühle, am wenigsten in ein Schema gepresst, am meisten Ich. So wie am ersten Pilgertag, als ich in Lourdes aufgebrochen war und fühlte:
Gottes Reich – Es ist doch schon da!
Und – Danke für alles!














