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All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad - auf der alten Hamburger Poststraße - Wilsnackweg
Zu Himmelfahrt 2008 machte ich mich wieder auf zum Pilgern, die Strecke Berlin – Bad Wilsnack, also Pilgern direkt von der Haustür aus. Ich war so voller Lust auf frische Luft, Sonnenschein, Natur, Baumblüte, die Stiefel anziehen und laufen, mit Ihm an meiner Seite, das Festmahl, das absolute Glück des Frühlings. Ich wollte mir bewusst mal wieder Zeit nehmen für ein paar Tage mit Ihm und für das Wunder der Schöpfung, ich wollte Ihm Raum geben. Egal, wie viel ich momentan zu tun hatte, wie viel liegen bleiben mochte an Pflichten und Dringlichem, was der Alltag mir so einreden mag. Aber da war mir vorher dieser Bibelstelle begegnet, ich habe alle Bedenken beiseite geschoben und alles andere hintangestellt:
Lukas 14 (Einheitsübersetzung)
16 Jesus sagte zu ihm: Ein Mann veranstaltete ein großes Festmahl und lud viele dazu ein. 17 Als das Fest beginnen sollte, schickte er seinen Diener und ließ den Gästen, die er eingeladen hatte, sagen: Kommt, es steht alles bereit! 18 Aber einer nach dem andern ließ sich entschuldigen. Der erste ließ ihm sagen: Ich habe einen Acker gekauft und muss jetzt gehen und ihn besichtigen. Bitte, entschuldige mich! 19 Ein anderer sagte: Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft und bin auf dem Weg, sie mir genauer anzusehen. Bitte, entschuldige mich! 20 Wieder ein anderer sagte: Ich habe geheiratet und kann deshalb nicht kommen. 21 Der Diener kehrte zurück und berichtete alles seinem Herrn. Da wurde der Herr zornig und sagte zu seinem Diener: Geh schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und die Krüppel, die Blinden und die Lahmen herbei. 22 Bald darauf meldete der Diener: Herr, dein Auftrag ist ausgeführt; aber es ist immer noch Platz. 23 Da sagte der Herr zu dem Diener: Dann geh auf die Landstraßen und vor die Stadt hinaus und nötige die Leute zu kommen, damit mein Haus voll wird. 24 Das aber sage ich euch: Keiner von denen, die eingeladen waren, wird an meinem Mahl teilnehmen.
Ich habe also seine Frühlings-Einladung angenommen, „Hinaus in Gottes schöne Welt“ zu ziehen, und genau dies zu erleben: Die Luft ist blau und grün das Feld, ich wandere mit dem Sonnenschein, ins weite Land hinein, an meinem Wege fließt der Bach, ach Gott da wird so eigen mir, so milde weh’n die Lüfte hier, als wär’s ein Gruß von Dir (Julius von Rodenberg). Und auch das:
Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt,
Dem will er seine Wunder weisen
In Berg und Wald und Strom und Feld
Die Trägen die zu Hause liegen,
Erquicket nicht das Morgenrot,
Sie wissen nur von Kinderwiegen,
Von Sorgen, Last und Not um Brot.
Die Bächlein von den Bergen springen,
Die Lerchen schwirren hoch vor Lust,
Was soll ich nicht mit ihnen singen
Aus voller Kehl und frischer Brust?
Den lieben Gott lass ich nun walten,
Der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld
Und Erd und Himmel will erhalten,
Hat auch mein Sach aufs best bestellt.
Text: Joseph Freiherr von Eichendorff. Stimmt genau, Herr Eichendorff!
In dem Storchendorf Linum besichtigte ich unter der Führung von Schwester Anneliese die sehr schöne Kirche, an deren Altarseite der Aaronitische Segen gemalt ist: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Schwester Anneliese ist eine kleine, sehr entschiedene Dame und sie wies mir die erste Bankreihe zu und sagte resolut zu mir: „Setzen Sie sich hin! Was halten Sie von dem Satz „Der Weg ist das Ziel“?“ Ich antworte: „An dem Satz ist viel Wahres dran. Denn mein Ankommen ist nur so viel wert wie das, was ich auf dem Weg an Erfahrungen und Fähigkeiten gewonnen und mitgenommen habe.“ „Falsch!“ sagt sie. „Jesus ist das Ziel, sonst nichts!“ Da ist ihr nun nicht viel zu widersprechen, vor allem, da mir noch die Worte aus dem vorher besuchten Himmelfahrtsgottesdienst im Ohr klangen: „Jesus ist am Ziel angekommen.“ Und so sagte ich ihr auch meine Intention des Pilgerns „Ich stelle mir beim Pilgern immer mal wieder vor, mit jedem Schritt auf Jesus zuzugehen.“ „Wieder falsch!“ sagt sie. „Nicht wir gehen auf Jesus zu, sondern er kommt auf uns zu. Wir müssen uns ihm nur öffnen. Die Macht liegt bei ihm.“ Noch Fragen? Irgendjemand?
Auf dem weiteren Weg ist er spürbar an meiner Seite mit mir gewandert und hat mir die Sache mit dem Weg und dem Ziel erklärt. Jeder Weg, den wir gehen, gehen wir mit Jesus, wenn wir ihn mit Liebe gehen, ihn gern gehen, ohne Pflichtgefühl und ohne „ich muss“. Wenn ich meinen Weg so nicht gehen kann, wenn er ohne Liebe ist, dann ist es nicht mein Weg. Und so ist tatsächlich nicht allein der Weg das Ziel, sondern der Weg mit Jesus das Ziel, der Weg der Liebe, der Weg in Liebe. Es ist also essentiell, immer wieder ins Herz zu spüren, auf unserem Weg unser Herz liebend zu spüren.
Sprüche 4 (Neues Leben)
23 Vor allem aber behüte dein Herz, denn dein Herz beeinflusst dein ganzes Leben.
Nächster Artikel: Der Weg des Kreuzes ist der Weg des Herzens
Und so ist für mich auch sein Weg der Kreuzigung, des Kreuzes, zu verstehen. Jesus hätte alle himmlischen Heere zu Hilfe rufen können und sich mit Gewalt den Weg ebenen können, um sein Reich zu gründen, eine neue Ordnung zu schaffen, eine Revolution, ein Machtakt, ein Staatsstreich. Das ist nicht der Weg des Herzens, sondern sein Gegenteil, Machtausübung ist es nie. Der Weg des Herzens ist der Weg der Einsicht, des freiwilligen Wollens, der inneren Überzeugung, das Folgen des Weges der Barmherzigkeit, der Weg mit Gott, der Weg der Akzeptanz, der grundsätzlichen Gütevermutung in allem Geschehen. Jesus ging diesen Weg, den Weg der Gewaltlosigkeit, um zu zeigen und uns aus seinem Beispiel lernen zu lassen – ein evolutionärer Weg. Jesus ging den Weg zum Kreuz freiwillig, aus ganzem Herzen, auch wenn selbst er Angst hatte. Er hat bis in seinen Tod und darüber hinaus geglaubt, dass dieser Weg zum Guten führt.
Denn Macht und Geld sind Erfindungen des Mißtrauens.
Herrmann Hesse/Eigensinn macht Spaß, Insel Verlag
Jedes „ich muss“ ist ein Schritt von Gott weg, ein Abweichen vom Weg der Liebe. Das was ich liebe, das tue ich immer aus freien Stücken, das muss ich nicht tun, das will ich tun. „Lieber Gott, soll ich das (…was auch immer…) jetzt tun?“ ist nicht zielführend, nicht die richtige Frage. Ich tue, weil ich überzeugt bin und es gern tue. Meine freiwillige Entscheidung dafür ist das Zeichen meiner Liebe, lesen wir es – freundlich gemeint und ohne erhobenen Zeigefinger verstanden - in Römer 12 (Einheitsübersetzung):
6 Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade. Hat einer die Gabe prophetischer Rede, dann rede er in Übereinstimmung mit dem Glauben; 7 hat einer die Gabe des Dienens, dann diene er. Wer zum Lehren berufen ist, der lehre; 8 wer zum Trösten und Ermahnen berufen ist, der tröste und ermahne. Wer gibt, gebe ohne Hintergedanken; wer Vorsteher ist, setze sich eifrig ein; wer Barmherzigkeit übt, der tue es freudig. 9 Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten! 10 Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung! 11 Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn! 12 Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet! 13 Helft den Heiligen, wenn sie in Not sind; gewährt jederzeit Gastfreundschaft! 14 Segnet eure Verfolger; segnet sie, verflucht sie nicht! 15 Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden!
Die Liebe schenkt uns die Kraft, die Ausdauer, die Freude und die Sorgfalt, vertrauen wir darauf bei jeder Aufgabe. Wenn wir eine von unseren Aufgaben nicht lieben können, dann können wir darum bitten, sie lieben zu lernen oder sie aufgeben, wenn es geht, oder sie mit jemand anderem tauschen, der sie von Herzen tut.
Das Volk Israel wird immer als „widerspenstiges Volk“ beschrieben., so z. B. in Hesekiel 12 (Einheitsübersetzung): 1 Das Wort des Herrn erging an mich: 2 Menschensohn, du wohnst mitten unter einem widerspenstigen Volk, das Augen hat, um zu sehen, und doch nicht sieht, das Ohren hat, um zu hören, und doch nicht hört; denn sie sind ein widerspenstiges Volk.
Doch warum hat Gott eine so widerspenstige Menschheit geschaffen, warum hat er sich ein so widerspenstiges Volk erwählt? Das muss doch einen Sinn haben. Mit seinen Engeln hätte er eine perfekte Welt der Liebe schaffen können, Wesen, die von jetzt auf gleich von sich aus gut sind und Gottes Willen unbedingt folgen. Doch was hätte das über die Kraft der Liebe, über die Größe Gottes gesagt? Wenn er es schafft, ein so widerspenstiges Volk wie uns, die Menschheit, ohne Machtgebrauch, nur durch den Weg der liebevollen Einsicht, zur Liebe und zu dauerhaft barmherzigen und gemeinschaftsorientiertem Handeln gemäß dem höchsten Gesetzes zu führen, gemäß der Anleitung zu Gottes Reich, zeigt sich darin erst die wahre Größe Gottes und die Kraft der Liebe. Ein jeder Einzelne von uns ist ausgestattet mit einem freien Willen und aller Macht, seinen eigenen Weg zu wählen. Und alle wählen – irgendwann – jeder für sich und alle gemeinsam – konsequent das höchste Gesetz. Dann sind wir angekommen.
Die Nachfolge ist dies: Wir verhalten uns dauerhaft nach dem großen Gesetz, Gott zu lieben und den nächsten wie sich selbst zu lieben. So kann man auch das Kreuz deuten. Am Anfang steht eine klare Verbindung vom Himmel zur Erde, der senkrechte Strich, die feste, liebende Verbindung zwischen Gott und uns, der kontinuierlich seine Liebe in uns ausschüttet. Und dann kommt der waagerechte Strick, der aufzeigt, dass wir die Hände in Liebe zu den anderen ausstrecken, einander die Hände reichen und zwischeneinander die Liebe fließen lassen, einander – alle Wesen dieser Welt umarmen, lieben können. Durch Wort und Werk. Die Kreuzung von beiden befindet sich in unserem Herzen, dass wir uns auch selbst lieben als das von Gott geschaffene, von ihm schon ewig genau so gewollte Wesen, das wir sind.
Dieses Kreuzesgeheimnis erschließt uns auch das Tor der Liebe durch das höchste Gesetz. Auf den drei Wegen
- Liebe zu Gott
- Liebe zu unserem Nächsten, vor allem auch zu unserem geliebten Partner
- Liebe zu uns selbst, unserer Geschaffenheit (Ich bin der ich bin)
können wir unsere Liebe vertiefen, die Liebe wirkt gleichzeitig immer auf allen drei Ebenen. Wenn in unserer Partnerschaft Lieblosigkeit fühlbar ist, können wir genauso gut darin ansetzen, unsere Entscheidung für Gott und unsere Liebe zu ihm, zu seinem Weg zu vertiefen und wir kommen auch in unserer Partnerschaft voran. Denn Gott ist die Liebe an sich. Wenn wir in unsere Partnerschaft ganz viel Liebe fließen lassen, dann bringt uns das gleichzeitig in unserem Glauben voran. Wenn wir uns gestatten, authentisch und unverhüllt der zu sein, der wir wirklich sind, wachsen gleichzeitig unser Glaube und die Liebe in der Partnerschaft, weil wir dadurch Missverständnisse, Lüge, Verstellung, kognitive Diskrepanzen und Unaufrichtigkeit aus der Welt schaffen. Unser Partner fühlt das.
Voller Vertrauen in die Liebe Gottes geh voran. Was auch immer passiert, wir nehmen es in Dankbarkeit an. Kein Verhalten eines anderen Menschen bringt uns von diesem Weg ab, es gibt kein „wie du mir, so ich dir“. Unsere Liebe ist nicht an eine Wohlverhaltensforderung gemäß unserer Privatnorm an den anderen Menschen, sogar nicht einmal irgendeiner Gesellschaftskonvention geknüpft – weder für uns noch für unseren Nächsten. Was nicht bedeutet, dass unsere Bedürfnisse nicht relevant sind. Wir dürfen Sie aussprechen und wir haben selbst natürlich auch Liebe und Akzeptanz verdient. Jeder Mensch hat das Recht, so zu sein und zu handeln, wie er ist, im Rahmen seiner Freiheit, die genau an den Grenzen der Freiheit des Anderen endet. Wir selbst auch. Auch unser Sein, unser Raum und seine Grenzen als Teil des gemeinsamen Raums sind zu respektieren.
Es ist einfach: Wenn wir Gefühle haben wie Ärger, Zorn, Eifersucht, Enttäuschung, Sorge, Angst, dann schauen wir uns an, welche Gefahr besteht: Gilt es im Moment, Schaden für Leib und Seele von uns oder einem anderen Wesen abzuwenden? Ist der Zorn berechtigt, um notwendige Grenzen zu setzen? Wenn nicht, lösen wir uns davon und bitten um Heilung und vielleicht sogar um Vergebung dafür und zwar so lange, bis das Gefühl abklingt. Diese Gefühle sind nicht Gott, sie sind Erinnerungen an Vergangenes. Die Energie, die mit dem Zorn mitkommt, können wir so effektiver nutzen. Und: Heute ist heute
- Exkurs: Es gibt sogar hirnorganische Grundlagen für diese So-Sein, unsere sinnvolle Geschaffenheit mit einem Überlebensmechanismus. Das menschliche Gehirn besteht aus verschiedenen Teilen, die sich im Laufe der Entwicklungsgeschichte des Menschen und seiner Vorgänger nach den wachsenden Erfordernissen gebildet haben. Es ist so, dass ein Teil unseres Gehirns für unser logisches Denken zuständig ist und ein Teil unseres Gehirns für unsere Gefühle. Und es macht Sinn, dass es beide Teile gibt.
Des Pudels Kern, um das Menscheln zu verstehen, ist der Mandelkern (oder die Amygdala). Wenn wir Sinneseindrücke aufnehmen, dann werden sie zum großen Teil auf die Nervenbahn an den Neokortex geschickt. Eine zweite Leitung führt jedoch zum Mandelkern. Und diese Leitung ist doppelt so schnell wie die zum Neokortex. Und wenn wir eine Wahrnehmung haben, die als Muster in unserem Mandelkern als extrem unangenehm oder gefährlich gespeichert ist, dann reagiert der Mandelkern sofort und schickt unmittelbar Handlungsanweisungen durchs Nervensystem: Flucht, Angriff, Adrenalinausschüttung, Emotionsausdruck, z.B. Drohgebärde, Unterwerfung, Tot stellen – 1 x 1 des Überlebens. Und wenn dann noch Zusatzinformationen zum Tragen kommen, entstehen überschießende Reaktionen, die wir manchmal hinterher nicht verstehen und für uns akzeptieren können.Sinn dieser Verknüpfung ist es natürlich, unser Leben zu retten, wenn wir uns wirklich in Gefahr befinden, sie hat eine wichtige Warn- und Abwehrreaktion. Wenn sie nicht mehr funktioniert, dann haben wir keine Angst mehr und keine Aggression. Doch so viele Gefahren, wo dieses 1 x 1 des Überlebens sinnvoll ist, gibt es heutzutage in unserer zivilisierten Gesellschaft gar nicht mehr, nur hinter wenigen Ecken lauern noch gestreifte Säbelzahntiger und gemusterte Giftschlangen, sondern eher zu schnelle Autos und emotionale und psychologische Vorfälle.
Doch natürlich hat auch in unserer eigenen Lebensgeschichte unser eigener Mandelkern seine eigene Entwicklung genommen. Das Auffüllen des emotionalen Speichers beginnt sehr früh, lange vor der Sprachentwicklung. Es ist so: Über was wir nicht reden können, können wir auch nicht logisch denken. In diesem Speicher liegen viele Dinge, Schreckliches und Schönes, das wir erlebt haben, als wir uns in einem Entwicklungsstand mit völlig anderen Ressourcen als heute befanden.Ein Kind hat einfach mehr Gefahren und weniger Erfahrungen und Ressourcen in seinem Leben als ein Erwachsener. Für ein Kind wäre es unerträglich und lebensbedrohlich, aus dem Familienverband zu fallen. Ein Kind liebt seine Eltern und hält das für Liebe, was von ihnen als Zuwendung zurückkommt. Erhält es Liebe, wird es Liebe für Liebe halten, erhält es Aggression oder Abweisung als Zuwendung, so wird es dies für Liebe halten. So unsinnig es für uns in unseren rationalen Gedanken erscheinen mag! Und diese Art von Zuwendung wird es sein Leben lang suchen, solange „dieses Kind“ sich nicht dieser Eigenheit bewusst wird. Und selbst dann wird diese Erinnerung an „diese Art von Liebe“ bleiben.Natürlich lernt der Mensch mit der Zeit, dass dort eine Diskrepanz besteht zwischen dem eigenen Erleben und dem, was allgemein über Liebe erfahrbar ist. Und er wird die Diskrepanz erleben, dass das, was er für Liebe hält, ihm nicht unbedingt gut tut. Und so befindet er sich permanent zwischen zwei bis drei Stühlen: was andere für Liebe halten, was er über Liebe rational denkt und was sein Mandelkern für Liebe hält.
Destruktive Beziehungen sind ein lebendes Beispiel dafür: warum leben Frauen mit Männern und lassen sich immer wieder verprügeln und kehren immer wieder zu Mißhandlern zurück. Dies sind ehemalige Kinder, die, wenn sie Zuwendung bekamen, negative Zuwendung in Form von Gewalt erhielten. Oder solche, die von Ihren Eltern zunächst geschlagen und dann – z.B. aus Schuld oder Schamgefühlen heraus – mit Zärtlichkeiten überschüttet wurden. Natürlich schätzt auch eine solche Frau Zärtlichkeit, Zuvorkommenheit, Rücksichtnahme, aber es fehlt ihr vielleicht etwas. „Er muss mich doch schlagen, wenn er mich liebt bzw. er liebt mich nicht genug, um mich zu schlagen, er hat ja gar nicht die starken Emotionen, was mich angeht, ich bin ihm wohl egal.“ Wohlgemerkt ist dies kein bewusster Gedanke, sondern ein unbewusstes Vergleichen im Innern. Und so besitzen wir in unserem Innern einen See von emotionellen Erinnerungen, der so tief ist, dass wir uns seinen Inhalt nur langsam erschließen können.Alle Sinnesauswertungen werden immer schnell an den Mandelkern geschickt.
Wenn dieser Speicher irgendetwas ähnliches findet, was an die Qualität des Vergangenen erinnert, wird er aktiv und leitet Aktionen ein, die dem Alter entsprechen, in dem die Erinnerung gebildet wurde. Oft wissen wir nicht, warum. Wir denken nur, der andere, der der Auslöser war, muss etwas ganz Schreckliches gemacht haben, weil wir uns so fühlen. Manchmal finden wir eben nicht mal Worte dafür. Manchmal tun wir Dinge, die wir hinterher für kindisch halten. Wenn wir uns spontan den vom Mandelkern eingeleiteten Aktionen hingeben, agieren wir eben nicht spontan und situationsbedingt, sondern folgen unseren alten, programmierten Verhaltensmustern, unserem Notprogramm. Es ist eben genau das Gegenteil von spontan. Zum Glück dauert ein plötzlicher Aufruhr, der vom Mandelkern ausgelöst wird, nicht sehr lange. Nach ca. 6 – 10 Sekunden ist die Information auch vom Neokortex verarbeitet, in dem Sie eine bewusste Entscheidung treffen können.Doch es gibt eine gute Nachricht, wir können uns auch wieder entprogrammieren. Atmen wir also tief durch, wenn wir „es“ kommen spüren und zählen wir bis 10, bevor wir reagieren. Lernen wir unsere „psychoallergischen“ Punkte kennen, nehmen wir sie in Liebe an, um sie zu heilen. Unsere Amygdala kann neu traniert werden.
Es geht um die stetige, bewusste Entscheidung zur Liebe, die Konzentration auf den Weg des Herzens, was unsere animalischen Überlebensmechanismen überwindet.Für die Bewältigung dieser Gefühle sind wir selbst verantwortlich, niemand sonst. Sie sind auch immer ein Produkt des Unglaubens, und zwar, in dem wir nicht an die Güte glauben. Doch es gab ja tatsächlich Situationen, wo wir das nicht verstehen konnten. Ein aktueller Auslöser von Amygdala-Aktivität kann ganz neue Folgen haben, die unser Vertrauen und unsere Offenheit verdienten. Wir können nicht wissen, warum ein anderer Mensch etwas tut, unsere Interpretationen und Deutungen sind kein Fundament, auf das wir unser Verhalten bauen sollten. Wir haben keinen Anspruch auf die Erfüllung unserer Erwartungen. Erzählen wir uns einfach keine „böse“ Geschichte. Es ist nicht die Realität. Zum einen können wir immer Realität herstellen und fragen. Und wenn uns etwas schwer ankommt, dann frage sich jeder: was könnte das Gute daran sein. Und wenn uns nur ein Grund einfällt, dann könnte es dieser sein oder ein anderer, den wir einfach noch nicht kennen. Wie bei den sauren Trauben, es ist noch nicht Zeit zum Ernten und Keltern. So lieben wir Gott.
Einmal hatte ich mit Santiago ein schwerwiegendes Problem, mit dem ich mich selbst sehr verletzt habe. Ich betete einen Rosenkranz um die Lösung des Problems. Da erschien mir vor innerem Auge Santiago plötzlich im Zustand der „Verklärung“, sein Gesicht auf Jesus Körper. D.h. mir wurde seine Göttlichkeit, Jesus in Ihm, vor Augen geführt. Hinter seiner menschlichen Figur gibt es zugleich seine göttliche Natur und seine Boteneigenschaft. Jesus wirkt durch ihn, um mich zu leiten. Je mehr wir einen Menschen lieben, umso intensiver sind wir gewillt, der Führung zu folgen, auch ungewohnte oder angstbesetzte Wege zu gehen, damit alles wieder in Ordnung kommt. Liebe ist Psychotherapie.
Ein Beispiel für die Freiwilligkeit:
Apostelgeschichte 4 (Gute Nachricht Bibel):
32 All die vielen Menschen, die zum Glauben an Jesus gefunden hatten, waren ein Herz und eine Seele. Niemand von ihnen betrachtete etwas von seinem Besitz als persönliches Eigentum; alles, was sie besaßen, gehörte ihnen gemeinsam….34 Es gab unter ihnen auch niemand, der Not leiden musste. Denn ´wenn die Bedürfnisse es erforderten,` verkauften diejenigen, die ein Grundstück oder ein Haus besaßen, ihren Besitz und stellten den Erlös ´der Gemeinde` zur Verfügung.
Und nun zitiere ich einmal etwas ganz anderes, nämlich das kommunistische Manifest. Zunächst bietet es uns etwas ganz Christliches an, nämlich das miteinander Teilen, dass die, die haben, denen geben, die brauchen:
„Ihr entsetzt euch darüber, dass wir das Privateigentum aufheben wollen. Aber in eurer bestehenden Gesellschaft ist das Privateigentum für neun Zehntel ihrer Mitglieder aufgehoben; es existiert gerade dadurch, dass es für neun Zehntel nicht existiert. Ihr werft uns also vor, dass wir ein Eigentum aufheben wollen, welches die Eigentumslosigkeit der ungeheuren Mehrzahl der Gesellschaft als notwendige Bedingung voraussetzt.“
Das ist nicht falsch, genau so ist es noch heute. Doch:
„Es gibt zudem ewige Wahrheiten, wie Freiheit, Gerechtigkeit usw., die allen gesellschaftlichen Zuständen gemeinsam sind. Der Kommunismus aber schafft die ewigen Wahrheiten ab, er schafft die Religion ab, die Moral, statt sie neu zu gestalten, er widerspricht also allen bisherigen geschichtlichen Entwicklungen.“
Wenn ich das oben Beschriebene auf die erlebte Realität des Kommunismus anwende, dann fehlte meines Erachtens nach definitiv, diesen Weg mit Gott zu gehen und ihn auf Freiwilligkeit, auf Einsicht und auf der Grundlage der Barmherzigkeit zu gehen, aus Überzeugung und Gerechtigkeit alles zu teilen, bis jeder genug hat. Darum ist wohl der Kommunismus gescheitert, darum hatte er keinen Bestand. Wenn alle aus Liebe und Einsicht handeln, da braucht es keine Stasi, keinen KGB, keine Securitate, keinen Zwang und keinen antifaschistischen Schutzwall, bei dem die Minen und Selbstschussanlagen doch irgendwie auf der falschen Seite waren. Keine Revolution, keine Führer und keine Machthaber! Keine Schweine, die irgendwie gleicher sind als alle Anderen, um im Bild der Farm der Tiere zu sprechen.
Keine gottesgemäße Gemeinschaft entsteht per „Verordnung“, sondern durch Einsicht, das vorbildhafte Leben einzelner und die Lust, an einer solchen Gemeinschaft teilzuhaben. Nochmals: Es ist das Prinzip des Sauerteiges, wie Gottes Reich entsteht, in kleinen Keimzellen, die sich ausdehnen, bis alles erfasst ist. Es gibt keinen anderen Weg, als dies aus tiefstem Herzen zu wollen und dann so zu leben, diese Lebensform aus tiefstem Herzen zu lieben, sie daher nie wieder aufzugeben. Die urchristliche Gemeinschaft war eine, die auf dem Teilen der Habe bestand, aus der besten Nutzung der Fähigkeiten und Ressourcen aller Mitglieder der Gemeinschaft. Am Anfang mag es ungewohnt und nicht ganz einfach sein, weil wir umlernen und neue Erfahrungen erst sammeln. In der Fülle ist Teilen recht einfach. Wenn es Zeiten des Mangels gibt, eine Zeit in der Wüste, dann wird es schon schwerer, in der Liebe zu bleiben, wenn es wirklich an die eigene Haut geht. Dann kann man wirklich in sich selbst die kleinen ekligen geizigen Ecken und Kanten aufspüren.
Mir ging es im Ernstfall auch so, und ich habe mich gewundert, wie tief es bei mir zu einer bestimmten Zeit ging. Doch beim nächsten Gottesdienst kam als Lesung genau die Speisung der 5000. So hat er mir die Hand geboten, Seinen Weg wieder besser zu verstehen, mich immer mehr einzulassen.
Das, was da ist, reicht für alle, wenn wir es segnen, danken und teilen. Wir können sagen: „Bitte mehre meine Habe, damit ich teilen kann.“ Es kommt darauf an, dabei zu bleiben, sich zu erkennen und in Liebe zu wandeln, was noch nicht von Liebe erfüllt ist. Es ist wie das „auf dem Camino zu laufen“ bestehen, statt sich im allgemeinen Strom auf die Landstraße zu begeben. Wir leben unsere Überzeugung in diese Lebensform, egal, was die anderen dazu sagen oder uns raten. Sie tun es oft aus Liebe oder Sorge um uns. Es gibt diesen Weg, es ist möglich, so zu leben, mit Gott sind alle Dinge möglich, auch wenn dies das „enge Tor“ ist.
Matthäus 7 (Hoffnung für Alle)
13 »Geht durch das enge Tor! Denn das Tor zum Verderben ist breit und ebenso die Straße, die dorthin führt. Viele sind auf ihr unterwegs. 14 Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dorthin schmal. Nur wenige finden ihn.«
Am leichtesten ist der Weg zu finden und wird mit tiefer Überzeugung beschritten, wenn man endlich anfängt, sein Herz wirklich zu spüren, wie ich es in Kapitel „ Der Tag, als ich zu meinem Herz durchkam” beschrieben habe. Wenn man die Welt ansieht und dann vor Mitleid und Entsetzen erschrickt, wie tief die Patsche ist, in der die Welt sitzt; wie ich im vorherigen Kapitel beschrieben habe. In tiefster Essenz weiß ich dann, dass dringend etwas getan werden muss und was ich tun muss. Das waren die globalen Dinge, hinzu kommt das Leid der Menschen, die uns umgeben, das, was wir ganz aktuell und direkt vor Ort tun können. Die wichtigste Frage ist: Was kann ich tun? Was ist das Wirksamste, was ich jetzt tun kann, um die Not der Welt und die meiner Mitmenschen auf barmherzige Weise zu lindern?
Was kann ich tun? Was tue ich? Zum Beispiel: Ich fühle, es ist mein Weg,
- dazu beizutragen, die Heilung durch Gott wieder zu verbreiten;
- Gottes Reich und den Weg der Nachfolge zu begreifen und anderen verständlich zu machen;
- anderen Menschen in diesem Teil der Welt wieder Zugang zu ihrem Herzen zu verschaffen, damit sie die Welt mit dem Herzen sehen;
- dem „Gott Mammon“ durch mein Lebensbeispiel die Kraft zu entziehen; dadurch den Weg zu mehr Gerechtigkeit, zum gerechten Teilen in der Welt aufzuzeigen, weil Menschen wieder dazu übergehen, lediglich zu nehmen, was sie brauchen;
- zu lieben, zu lieben und noch einmal zu lieben.
Während meiner Tätigkeit als Vertriebsbeauftragte habe ich immer wieder gelernt, dass es Sinn macht, an die niederen Instinkte der Menschen zu appellieren, sich zu überlegen: was hat X, was hat Y für einen persönlichen Nutzen davon, und ihnen dies zu kommunizieren, um X und Y ins Boot zu bekommen. Ich glaube, jetzt geht es darum, an die höheren Instinkte, an das Herz des Menschen zu appellieren, auf die höheren Instinkte zu setzen, ein Appell an die Liebe und den Sinn.
Jesus kann uns beibringen, wie man den Weg der Liebe geht. Er erklärt sich uns in den sieben Ich-Worten des Johannes-Evangeliums. Er sagt uns, was er tut und wie wir mit ihm leben können.
1. Er sorgt für uns und steht für uns ein.
ICH BIN der gute Hirte;
der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. (Joh. 10,11)
Johannes 10 (Lutherbibel 1984, ebenso wie alle weiteren in diesem Kapitel): 11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. 12 Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -, 13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. (Ein Mietling ist z.B. ein Arbeitgeber, der so lange für uns sorgt, wie er uns braucht. Klar, er mietet uns bzw. unsere Zeit. Braucht er uns nicht mehr oder in Krisenzeiten entlässt er seine Schafe. Wir haben keine Sicherheit). 14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15 wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. (Meiner Meinung nach steht da: ich lege meine Seele oder Lebenskraft über die Schafe, d.h. er gibt uns seine Kraft, die unendlich ist.) 16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird “eine” Herde und “ein” Hirte werden. 17 Darum liebt mich mein Vater, weil ich mein Leben lasse, dass ich’s wieder nehme. 18 Niemand nimmt es von mir, sondern ich selber lasse es. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wieder zu nehmen. Dies Gebot habe ich empfangen von meinem Vater. … 24 Da umringten ihn die Juden und sprachen zu ihm: Wie lange hältst du uns im Ungewissen? Bist du der Christus, so sage es frei heraus. 25 Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt und ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich tue in meines Vaters Namen, die zeugen von mir. 26 Aber ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von meinen Schafen. 27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; 28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. 29 Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen. 30 Ich und der Vater sind eins.
Sicherheit, Versorgtsein, Freiheit, Zugehörigkeit, Einheit
Wer Jesus einmal wirklich zu uns durchgekommen ist, wir „seine Stimme gehört haben“, dann folgen wir ihm auf dem Weg der Liebe, wir können gar nicht mehr anders. Es ist keine Fron, sondern Bedürfnis, es ist leicht. Er verlässt uns nicht und steht an unserer Seite in guten und gerade auch in schlechten Tagen, immer! Er breitet seine Seele über uns aus, gibt uns alles, geht an alle Grenzen und darüber hinweg. Es gibt für Ihn keine Wirtschaftlichkeitsüberlegungen noch Wertungsbilanz. Er ging sogar so weit, dass er sein Leben freiwillig aufgab, um uns zu zeigen, dass nichts schlecht ist, was von Gott kommt. Dass aus dem, was wir für das Schlimmste halten, sich wieder Heil ergeben kann. Er ist unsere Sicherheit, unsere Existenz, er setzt sich vollständig für uns ein, immer. Wenn wir uns auf etwas verlassen wollen, dann auf ihn. Er eint uns Menschen und macht uns bewusst, dass es nur den einen Gott gibt. Er sucht und findet uns, holt uns ab, manchmal auch an den verrücktesten Orten.
Als ich auf dem Jakobusweg in Hessen pilgerte, kam ich am Nachmittag in Steinau vorbei. Rechts am Weg von mir sah ich eine Kirche. Noch während ich darüber nachdachte, ob ich sie mir auch anschaue, da wurde es Viertel-Drei, die Kirchenglocke machte einmal deutlich „Ping“. Mir war so, als ob Er mir sagen wollte: „Komm ruhig!“. „Na gut!“ dachte ich, „Ich komm ja schon!“ Ich ging in die Kirche und fand – wie sollte es auch anders sein - in einer Ecke eine wunderschöne Herz-Jesu-Statue. Wir redeten eine Weile miteinander über selbstgesetzte Ziele und wie man sich damit selbst schaden kann. Nach einer Viertelstunde verließ ich die Kirche wieder. Als ich auf die Straße trat, sah ich, dass in der Zwischenzeit ein wahrer Wolkenbruch niedergegangen sein musste, so triefend nass war alles. Wäre ich weitergegangen, ich hätte anhalten und mich unterstellen müssen wie die drei Radfahrer, die ich unmittelbar darauf traf und die sich unter dem Vordach einer Garage schräg gegenüber Schutz gesucht hatten. Sie fragten mich: „Sagen Sie mal, regnet es bei Ihnen gar nicht?“, weil ich trocken war und keinerlei Regenkleidung trug. „Nee, der Pilger wird von Gottes Hand persönlich geschützt.“
Und was der gute Hirte tut, das ist in Psalm 23 aufgeführt, komplett steht er hier: Die Erbsünde wie ich sie verstanden habe, wer nochmals nachlesen möchte.
2. Er weist uns in unserem Handeln an und schenkt uns eine feste Anbindung:
ICH BIN der wahre Weinstock
und mein Vater ist der Weingärtner. (Joh. 15,1)
1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger. 9 Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! 10 Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. 11 Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde. 12 Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. 13 Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. 14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. 15 Ich sage hinfort nicht, dass ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, dass ihr Freunde seid; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan. 16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er’s euch gebe. 17 Das gebiete ich euch, dass ihr euch untereinander liebt.
Verbundenheit, Kraftstrom, Fruchtbarkeit, Liebesfähigkeit
Wir sind gar nicht in der Lage, allein zu existieren und zu wirken. Jesus zeigt uns hier auf, wie wir am besten unsere Wege angehen. Wenn wir Jesus kontinuierlich verbunden bleiben, dann können wir in Liebe und Freude wandern, wir gehen den Weg der Liebe. Er leitet einen ständigen Kraftstrom der Lebendigkeit in unser Leben, Er ist wirklich die Kraftquelle, damit wir schaffen können. Wir müssen nichts allein tun. Was wir tun, macht uns Spaß und wir tun, was wir tun, weil wir es gern tun, nicht weil wir es müssen. Wir lieben einander und nehmen die Bedürfnisse des anderen so ernst wie unsere eigenen und sorgen gern füreinander. Bei dem, was wir tun, kommt etwas heraus, über das wir uns freuen können. Wer nicht aus Liebe handelt, der hat Stress und unangenehme Gefühle (brennen, ins Feuer geworfen werden) – über kurz oder lang, irgendwann Tag für Tag, das Leben ist anstrengend.
Zwei Mal bin ich ein paar Tage allein gepilgert. Immer wieder wurde ich dabei – vor allem von Frauen – gefragt, ob ich denn keine Angst hätte – so allein, vor allem im Wald. Nein, hatte ich nicht (oder fast nicht, s.u.)! Ich habe immer das Kreuz meines Rosarios hochgehalten und geantwortet: „Ich bin doch nicht allein, der Herr ist mit mir!“ Einige haben erstaunt geschaut, doch viele, vor allem ältere Frauen bekamen dann einen warmen Glanz in den Augen und sagten wie bestätigend: „Ja, stimmt schon, der Herr ist mit uns!“ Allerdings: einmal hatte ich tatsächlich Angst. Ich hatte mich am Rande eines Dorfes am Feldesrain zum Schlafen hingelegt. Plötzlich hörte ich ganz in der Nähe lautstark Wildschweine. Trotz aller Engel habe ich meine Sachen wieder zusammen gepackt und bin in das Dorf zurückgelaufen. Manchmal reicht es bei mir halt auch nicht, bin ja noch auf dem Weg. Das Dorf hatte ich mir vorher in der Dämmerung angeschaut. Vor der dortigen Kirche stand ein altes, unbewohntes Haus. Hinter dem Haus war eine dunkle, windstille Ecke, direkt neben einer Mauer, die mich von der anderen Seite vor Blicken schützte. Dort legte ich mich beruhigt unter klarem Sternenhimmel schlafen. Am nächsten Morgen war Feiertag: Maria Himmelfahrt. Die Kirche, vor der ich geschlafen hatte, trug denselben Namen wie der Tag: Maria Himmelfahrt. Ich war überrascht, musste lachen, war gleichzeitig betroffen und nachdenklich. Ich bin tatsächlich verbunden…
3. Er nährt uns:
ICH BIN das Brot des Lebens;
wer zu mir kommt, wird nicht hungern
und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten. (Joh. 6,35)
32 Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. 33 Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. 34 Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. 35 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.36 Aber ich habe euch gesagt: Ihr habt mich gesehen und glaubt doch nicht. 37 Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. 38 Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. 39 Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich’s auferwecke am Jüngsten Tage. 40 Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage. 41 Da murrten die Juden über ihn, weil er sagte: Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist, 42 und sprachen: Ist dieser nicht Jesus, Josefs Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wieso spricht er dann: Ich bin vom Himmel gekommen? 43 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Murrt nicht untereinander. 44 Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat, und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage. 45 Es steht geschrieben in den Propheten (Jesaja 54,13): »Sie werden alle von Gott gelehrt sein.« Wer es vom Vater hört und lernt, der kommt zu mir. 46 Nicht als ob jemand den Vater gesehen hätte außer dem, der von Gott gekommen ist; der hat den Vater gesehen. 47 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. 51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt. 52 Da stritten die Juden untereinander und sagten: Wie kann der uns sein Fleisch zu essen geben? 53 Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch. 54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. 55 Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. 56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. 57 Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. 58 Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.
Nahrung, Ewiges Leben
Jesus nährt uns durch die Eucharistie in unserem Geistleib und das führt immer mehr dazu, dass unsere wichtigsten inneren Bedürfnisse befriedigt werden: nach Liebe, Nähe, Zugehörigkeit, Wandlung, Anerkennung und Sinn. Sie ist eben auch ein Mittel, das „Durchreichen“ zu bewirken. Wir fühlen uns immer weniger einsam, sinnentleert, sehnsüchtig und verloren, sondern innerlich angefühlt und zufrieden. Und wer innerlich angefüllt ist, ist offen, bereit, erst in der Lage zu geben, sich zu geben, der ist nicht stetig in seiner Bedürftigkeit, seinen Ängsten und Sorgen verfangen. Wer die Wirkung der Eucharistie auf seinen Geistleib fühlen kann, der spürt Licht, Liebe und Stärkung, Freiheit und Verbundenheit, eben Lebenskraft, die im Nu den ganzen Körper anfüllt. Durch die Lebenskraft werden wir gesund, klar, gereinigt. Die Eucharistie hilft uns, die Wandlung zu vollbringen. Je gesünder und reiner der Geistleib, umso gesünder ist auch unser materieller Körper. Die Eucharistie ist sowohl Gesundheitsvorsorge wie auch ein Erfülltwerden unserer Gaben, unseres Gabenpotentials. Sie ist die Wandlungskraft an sich, sie ermöglicht uns ein heilsames Leben. Erfüllt sein, emotional satt sein, nicht emotional zu verhungern, ist der beste Schutz gegen Krankheit, Süchte und Ersatzbefriedigungen, auch die der Ernährung, und gegen die Einflüsterungen des Widersachers. Siehe auch meine Erfahrungen der Wirkung der Eucharistie in “Wir sind ja nicht allein”. Das tägliche Brot des Lebens, das uns stark macht, dem Anderen unsere Hand zu reichen.
Im Sommer nahm ich mir eine Woche Zeit, um auch in Deutschland auf einem Jakobusweg zu pilgern. Ich wählte die Strecke von Eisenach bis zum Kreuzberg in der Rhön, mein Pilgerabschluss war in Volkersberg. Das wunderbare an diesem Weg ist, dass er von vielen christlichen Haltestationen geprägt ist. Die Kirchen sind in der Regel offen und es gibt viele Mariengrotten. Im Kloster Hünfeld fand ich ein „sprechendes“ Labyrinth und eine wunderschöne, goldene Marienstatue, in Rothenbach sogar eine Rosenkranztreppe, das ist eine Treppe, die an einem Kreuz beginnt und aufgebaut ist wie ein Rosenkranz. Erst eine Treppenstufe, dann 3 Treppenstufen, dann 1 Treppenstufe, dann 10 Treppenstufen und das 5 Mal. Ist man oben an der Treppe angekommen, steht man vor einer kleinen Marienkapelle. Bewegtes Beten, ein wundervoller Ort. Und an jedem Ort nahmen Jesus und Maria das Gespräch mit mir auf, so deutlich wie selten in der Zeit vorher. Fünf, sechs mal am Tag gab es intensive Gespräche. Ich war am Ende der Woche fast bis zum Platzen angefüllt, mit Liebe, Sinn, Ruhe, Verständnis und neuen Ideen. Am letzten Tag, bei meiner letzten Station in Volkersberg konnte ich nicht mehr, hisste die weiße Flagge, war am Ende meiner Aufnahmekapazität. Sie können so stark auf uns zu kommen! Man kann so geliebt werden!
Ich weiß jetzt, wenn ich mich nur selbst öffnen kann, dann kann ganztägig der Kontakt da sein. Noch kann ich es nicht auf Dauer halten. Nicht immer, aber immer öfter! Es ist ein Gewöhnungsprozess, so viel zu empfangen. Ich leb ja noch ein Weilchen auf dieser wunderbaren Erde: Wird schon! Noch lange habe ich von dieser einen Woche gezehrt. Ich habe anschließend meine Arbeitsweise nochmals mehr für den Einfluss Jesu geöffnet, alles vor ihn gestellt und dann jede Menge Hilfe bekommen.
4. Er öffnet unsere Herzen und ruft uns:
ICH BIN die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht,
so wird er errettet werden und wird ein- und ausgehen und die Weide finden. (Joh. 10,9)
1 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Räuber. 2 Der aber zur Tür hineingeht, der ist der Hirte der Schafe. 3 Dem macht der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme; und er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie hinaus. 4 Und wenn er alle seine Schafe hinausgelassen hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen seine Stimme. 5 Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm; denn sie kennen die Stimme der Fremden nicht. 6 Dies Gleichnis sagte Jesus zu ihnen; sie verstanden aber nicht, was er ihnen damit sagte. 7 Da sprach Jesus wieder: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. 8 Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben ihnen nicht gehorcht. 9 Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden. 10 Ein Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.
Berufung, Seligkeit, Zusage, Befreiung aus der Sklaverei
Jesus öffnet uns, den Weg der Liebe zu gehen, in Liebe das zu tun, was uns anzieht und selig macht. Wir brauchen uns nur zu öffnen und Einsicht, etwas tun, weil wir es selbst wollen. Wenn wir bereit sind, auf jeden Fall eine Sache zu tun, ob sie nun Geld bringt oder nicht, dann sind wir in unserer Berufung angekommen. Wer das tut, wozu er sich berufen fühlt, der hat sie Zusage, dass es ihn auch nährt. Wir sind an diesem Ort unverwechselbar, einzigartig, unersetzlich, es ist der Weg aus der „Sklaverei“. Wer versucht, uns zu einem Handeln zu bewegen mit anderen Mitteln als Einsicht und Liebe, der wird kein Glück haben. Wer uns beispielsweise mit Geld motiviert, aus uns selbst Mietlinge macht, dem folgen wir nur so lange, wie er uns Geld dafür bezahlt. Er nimmt uns unsere Lebenszeit für seine eigenen Zwecke und Ziele. Wenn wir ihm nicht mehr nützlich sind oder in schlechten Zeiten, da werden wir entlassen. Wer uns mit seiner Macht dazu bewegt, erzwingt, der kauft unsere Lebenszeit für sich, der wird sein Ziel nur erreichen, so lange er seine Macht ausübt. Sobald er das nachlässt, werden wir damit aufhören, zu tun, was er will. Macht, die man ausübt, schwindet dadurch.[1] Eine andere Seite der Türfunktion ist, dass wir im Gebet durch Jesus Christus uns Gott dem Vater, der in der Ewigkeit lebt, annähern können und eine Ahnung der Ewigkeit und des Friedens bekommen. Wenn wir hier im Gebet verweilen, erfüllt uns der Friede und tiefe Ruhe. So können wir schon heute immer wieder selig werden.
Als ich noch nicht bei meiner Berufung angekommen war, da war ich auswechselbar. Wenn ich es nicht tat, war schnell ein anderer da, der dasselbe machen konnte. So ist es. So schreiben wir Bewerbungen und erhalten Zusagen und Absagen, manche Hunderte davon. Wir bewerben unser Produkt oder uns als Produkt. Doch alles Werben und Bewerben hat ein Ende, wenn wir berufen sind und gerufen werden, wenn genau wir erwünscht sind, wenn wir empfohlen werden. Dann geschieht alles wie von selbst. Die Kunden, Klienten, Arbeitgeber kommen auf uns zu, genau in dem Maße, wie wir es bewältigen können. Das ist mir passiert, als ich bereit war, die neue Methode anzuwenden, dasselbe ist Santiago passiert, als er wieder auf seinen Weg des Musikers, des Künstlers zurückkehrte.
5. Er zeigt uns die Wahrheit und weist uns den Weg:
ICH BIN der Weg, die Wahrheit und das Leben,
niemand kommt zum Vater als nur durch mich. (Joh. 14,6)
5 Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen? 6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. 7 Wenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Und von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. 8 Spricht zu ihm Philippus: Herr, zeige uns den Vater und es genügt uns. 9 Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater! Wie sprichst du dann: Zeige uns den Vater? 10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir? Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst aus. Und der Vater, der in mir wohnt, der tut seine Werke. 11 Glaubt mir, dass ich im Vater bin und der Vater in mir; wenn nicht, so glaubt doch um der Werke willen. 12 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere als diese tun; denn ich gehe zum Vater. 13 Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn. 14 Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun. 15 Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. 16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. 18 Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. 19 Es ist noch eine kleine Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen. Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben. 20 An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. 21 Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. 22 Spricht zu ihm Judas, nicht der Iskariot: Herr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt? 23 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. 24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. 25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. 26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Das brennende Herz, seiner Wahrnehmung trauen,
direkte Verbindung, direkte Führung
Der Weg der Liebe und Einsicht ist der wahre Weg, alle anderen Wege sind Teile, jedoch nicht das Ganze. Alle anderen Beweg-Gründe (Geld, Angst, Sorge, Zorn, Gier, Imagefragen) führen in eine Sackgasse, erweisen sich irgendwann als Fehlschlag. Er schlägt uns immer, immer wieder vor, uns in die Gemeinschaft einzubringen. Wer so handelt, zu dem kommt Gott automatisch, in dem wohnt Gott. Er schenkt uns dafür die Gegenwart des heiligen Geistes. Wer nach dieser Anleitung handelt, in dem ist der Heilige Geist aktiv, der wird mit Seinen Charismen beschenkt, mit denen alles Handeln sehr, sehr viel leichter wird, bis irgendwann alles möglich ist.
Das obige Ich-Wort ist mein Konfirmationsspruch. Mit dieser Aufgabe war ich wohl betraut, meinen Glauben wieder neu zu bestätigen, diese Worte durch mein Leben zu „konfirmieren“.
Mein Leben lang war ich eine Suchende, habe ich alle möglichen spirituellen Praktiken ausprobiert, schon mit 17 habe ich auf Anregung meiner Mutter Autogenes Training gelernt. Nach einer Weile des Herumprobierens hatte ich mir angewohnt, alle diese Praktiken danach zu bewerten, ob sie funktionierten. Geht es mir besser damit? Verändert sich mein Leben, meine Gesundheit, meine Umgebung zum Guten? Ist das geistige Konzept verständlich, nachvollziehbar, stimmig, vollständig und in sich einfach? Wirklich: „funzt“ es? Ich habe viel ausprobiert, weitergemacht, was funktionierte, gelassen, was nicht so erfolgreich/folgenreich war: asiatische Methoden wie Meditation verschiedenster Art, Akupunktur, Reiki, Yoga; den Schamanismus; Naturheilkunde und Homöopathie, Steine, Bachblüten, Essenzen; Astrologie und andere Divinationsmethoden; Psychologie und Psychotherapie verschiedenster Schulen, moderne Psychotrends wie NLP, The Work, Aufstellungen. Alles hat mir etwas geholfen, wobei Reiki lange Zeit für mich das Griffigste und Universellste war, ebenso mag ich The Work sehr. Alles hat mir geholfen, meine Heilung weiter voranzutreiben, meine Wahrnehmung zu trainieren und zu schärfen, meinen Kopf zu befreien, gedankliche Grenzen zu sprengen. Ich bereue nicht undbedingt, alle diese Wege ausprobiert zu haben, keiner sollte sie grundsätzlich verteufeln. Ich hätte mir allerdings viele Umwege auch ersparen können, wenn ich es mit dem “Solo Dios basta/Nur Gott genügt” von Teresa von Ávila gehalten hätte. Für am schädlichsten halte ich persönlich Diviniationstechniken.
Doch: Nichts war so wirksam, nichts hat mir so umfassend Veränderung und Heilung ermöglicht wie die Zeit mit Jesus Christus seit meiner geistigen Wiedergeburt in Barcelona 2006. Nichts war jemals so deutlich seelisch, geistg und körperlich spürbar. Faßbar, zuverlässig, eindeutig, klar. Kein Konzept ist so vollständig, kein anderes System gibt auf alle Fragen eine Antwort. Keines ermöglicht so radikale Änderungen in Richtung Liebe und Lebendigkeit. Keines ist so menschenfreundlich wie die Lehre von Gottes Reich. Ich kann es Dir heute bestätigen, konfirmieren: Jesus Christus, Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben, der direkte Weg. Allem Anderen fehlt vor allem der Segen, die Gnade, das Getragensein, das Erbarmen und die Allgegenwärtigkeit Gottes, dass wir es nicht allein in Ordnung zu bringen haben. Ein Versprechen, das auch gehalten wird. Jesus Christus, Du bist spürbar ein Teil des dreifaltigen Gottes. Du bist der Königsweg zu Gott. Amen, ich glaube.
6. Er ermöglicht, dass wir sehen, wahrnehmen können
ICH BIN das Licht der Welt;
wer mir nachfolgt wird nicht in der Finsternis wandeln,
sondern wird das Licht des Lebens haben. (Joh. 8,12)
12 Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.13 Da sprachen die Pharisäer zu ihm: Du gibst Zeugnis von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr. 14 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr; denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe; ihr aber wisst nicht, woher ich komme oder wohin ich gehe. 15 Ihr richtet nach dem Fleisch, ich richte niemand. 16 Wenn ich aber richte, so ist mein Richten gerecht; denn ich bin’s nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat. 17 Auch steht in eurem Gesetz geschrieben, dass zweier Menschen Zeugnis wahr sei. 18 Ich bin’s, der von sich selbst zeugt; und der Vater, der mich gesandt hat, zeugt auch von mir. 19 Da fragten sie ihn: Wo ist dein Vater? Jesus antwortete: Ihr kennt weder mich noch meinen Vater; wenn ihr mich kenntet, so kenntet ihr auch meinen Vater.
Klare Sicht, keine 2. Meinung notwendig, Licht in der Finsternis
Das Licht geht voran, wir brauchen nur dorthin zu folgen, wo es leicht ist, wo es sich für uns hell anfühlt. Wir können an eine gute Welt glauben. Jesus spricht von Gottes Reich, das so menschenfreundlich ist. Leben wir nach seinen Regeln, so ist unser Leben leicht. Vertrauen wir, so gibt es immer Hoffnung. In all unsere Gedanken verstrickt, in unserer Selbstbezogenheit haben wir oft keine klare Sicht auf die Realität. Wir beurteilen, wir richten, oft ohne die wirklichen Hintergründe zu kennen. Wenn wir uns nur über das, was wir denken, fragen würden: „Ist das wirklich wahr? Und: Können wir wissen, dass es wahr ist?“[2], dann würden wir häufig ganz schnell merken, dass unsere Beurteilung jeglicher Grundlage entbehrt und nur aus unserer Beurteilung unserer Erinnerungen gefärbt ist. Mit der grundsätzlichen Gütevermutung sehen wir klar, ist alles Licht, ist immer Hoffnung da, die das Licht ist, zumindest der Silberstreif am Horizont. Und selbst wenn keines da ist, dann können wir an das Licht glauben am Ende der Nacht, es uns genau dort vorstellen, denn immer wieder kommt ein neuer Tag.
Eine meiner Klientinnen hatte eine schwere Situation durchzustehen, sie musste einen langgehegten Wunsch, eine Illusion loslassen. Sie hatte wahrhaftig das Gefühl, dass etwas in ihr starb, sie selbst partiell starb, für ein paar Tage in das Reich des Todes hinabzusteigen. Die große Entdeckung, die sie dort machte, war, dass Jesus uns dort ein Licht hinterlassen hat. Da verstand ich voller Dankbarkeit: Das Reich des Todes ist seit seinem Aufenthalt dort nicht mehr die vollständige Finsternis, sondern das Licht, das er dort hinterlassen hat, ermöglicht uns allen die Auferstehung.
And when the night is cloudy
there is still a light that they will see,
shine until tomorrow: Let it be! Paul McCarney, Beatles
Als ich aus Spanien zurückkam, schrieb ich zunächst alles auf, was mir so reichlich zufloss. Dann wandte ich mich an die katholische Kirche, die Kirche, die ich in Spanien kennen gelernt hatte. Doch dort fand ich niemanden, der mir erklären konnte, was mir geschehen war, der mir half, mich mit meinem Erleben zurecht zu finden, mich auszusortieren. Was ich bekam, das waren ein Haufen Vorschriften und alle meine Fehler und Unmöglichkeiten „aufs Brot geschmiert“, jemand nannte es so nett „Wasser in den Wein gießen“. Ich erhielt einen Kurs im 1×1 des Glaubens für bisher Ungetaufte, ich war im falschen Film. Zumindest konnte ich feststellen, dass nichts, was ich empfangen hatte, verkehrt gewesen war. Gesucht hatte ich nach echter Führung nach diesem „Glaubenseinbruch“ in meinem Leben, irgendwie: Ist das denn Realität, was mir da passiert ist oder spinne ich? Kann das sein? Ich, warum ich?
Ich wurde auch an niemanden weiterverwiesen, kein „ich habe dafür leider keine Zeit, aber … kann ihnen helfen“ oder „ … ich kenn mich mit so was nicht so aus, doch … könnte sich vielleicht ihrer annehmen“. Und ich stand da, gehalten, das Evangelium umzusetzen, und fand zum einen keinen, der das lebte, was da stand. Zum anderen fand ich auch keinen, der mir sagen konnte, wie denn das geht. Ich vertiefte mich ins Gebet, bat immer wieder um Führung, suchte nach religiös-erfahrenen Menschen, und fand: JESUS. Er holte mich wieder zurück und erklärte mir, er wolle mich direkt führen, immerhin hätte ich ja inzwischen die Fähigkeit ihn wahrzunehmen. Bis ich das geglaubt und wirklich danach gehandelt habe, das hat lange gedauert. Bis ich wirklich meiner Wahrnehmung und dem geglaubt habe, was mir unterwegs und später im Alltag geschehen war. Dass ich einfach als wahr annahm und der Verbindung zu Jesus traute. Ich fühlte an meinem Körper, dass zuverlässig immer etwas geschah. Ich traute meiner Heilungsarbeit, ja, vielen Menschen ging es durch das, was zwischen uns geschah, viel besser. Ich hatte genug Anlass zu glauben. Ich war ja dabei, Zeuge, ich weiß, was mir passiert ist. Jetzt glaube ich und es ist mir egal, was andere denken oder ob sie an mir zweifeln. Nochmals: Amen, ich glaube.
7. Er bringt uns in die Einheit Gottes zurück.
ICH BIN die Auferstehung und das Leben;
wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist. (Joh. 11,25)
25 Jesus spricht zu ihr (Marta): Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt;26 und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? 27 Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist. 28 Und als sie das gesagt hatte, ging sie hin und rief ihre Schwester Maria heimlich und sprach zu ihr: Der Meister ist da und ruft dich. 29 Als Maria das hörte, stand sie eilend auf und kam zu ihm. 30 Jesus aber war noch nicht in das Dorf gekommen, sondern war noch dort, wo ihm Marta begegnet war. 31 Als die Juden, die bei ihr im Hause waren und sie trösteten, sahen, dass Maria eilend aufstand und hinausging, folgten sie ihr, weil sie dachten: Sie geht zum Grab, um dort zu weinen. 32 Als nun Maria dahin kam, wo Jesus war, und sah ihn, fiel sie ihm zu Füßen und sprach zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. 33 Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, ergrimmte er im Geist und wurde sehr betrübt 34 und sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh es! 35 Und Jesus gingen die Augen über. 36 Da sprachen die Juden: Siehe, wie hat er ihn lieb gehabt! 37 Einige aber unter ihnen sprachen: Er hat dem Blinden die Augen aufgetan; konnte er nicht auch machen, dass dieser nicht sterben musste? 38 Da ergrimmte Jesus abermals und kam zum Grab. Es war aber eine Höhle und ein Stein lag davor. 39 Jesus sprach: Hebt den Stein weg! Spricht zu ihm Marta, die Schwester des Verstorbenen: Herr, er stinkt schon; denn er liegt seit vier Tagen. 40 Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? 41 Da hoben sie den Stein weg. Jesus aber hob seine Augen auf und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. 42 Ich weiß, dass du mich allezeit hörst; aber um des Volkes willen, das umhersteht, sage ich’s, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. 43 Als er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! 44 Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Gesicht war verhüllt mit einem Schweißtuch. Jesus spricht zu ihnen: Löst die Binden und lasst ihn gehen! 45 Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus tat, glaubten an ihn.
Wunder: Alles ist möglich, sogar Auferstehung von den Toten
Wenn wir glauben, unbedingt glauben, dann kann alles passieren, dann IST GOTT. LEBEN IST. Leben ist: ewig, weil keine Tiefe mehr so schlimm sein kann, dass man sie für nicht überwindbar hält. Wunder gehören zur Tagesordnung. Leben ist in JEDER Situation liebenswert, wir können immer wieder aufstehen und unseren Blick zum Himmel erheben, egal, was geschehen ist, egal wo und was wir dann sind. In dem Weihnachtslied „Es kommt ein Schiff gefahren“ gibt es ein paar Worte, die es uns ebenfalls verständlich machen.
„Danach mit ihm auch sterben und geistig auferstehen“
Ja, unser altes Leben lassen wir sterben, um geistig aufzuerstehen, spirituell neu geboren zu werden, uns spirituell neu auszurichten. Es geht nicht um den endgültigen Tod mit Beerdigung und so, sondern den Tod in einem Leben, das am Materiellen, Götzlichen statt am Spirituellen, Göttlichen ausgerichtet ist. Und: Wenn die eigene Zeit zum Übergang kommt, dann sind wir gewiss, dass eine einfach eine neue Zeit anfangen wird: Eine Tür geht zu, eine andere auf.
An meinem 49. Geburtstag telefonierte ich nachmittags mit meiner Freundin, die hochschwanger war. Sie hatte das Gefühl, schon die ersten Wehen zu haben, dass es wohl bald „losginge“. Am nächsten Tag hatte ich am Nachmittag das dringende Gefühl, eine Aufforderung zum Beten zu hören. Ich ging nach Hause und setzte mich hin, fragte, wofür ich denn jetzt meinen Rosenkranz beten sollte. Ich hörte in mir: Für das Kind. Also betete ich für das Kind meiner Freundin. Während meines persönlichen Jesusgebetes erschien in meiner Bitte immer wieder zusätzlich das Wort „resurrección“ = Auferstehung. Ich bat intensiv um Auferstehung, schickte Segenswunsch um Segenswunsch, damit der neue Erdenbürger auch spirituell-seelisch auf dieser Welt einen warmen Empfang bekäme. Den dreifaltigen Gott bat ich und die Mutter Jesu, sich dieses Kindes besonders anzunehmen. Dann …passierte erstmal nichts. Von meiner Freundin hörte ich nichts, keine Geburtsanzeige, kein Anruf, nichts. Ich dachte mir, ok, ich lasse sie erstmal ein paar Tage in Ruhe. Man hat ja mehr zu tun nach so einer frischen Geburt, als an die Freunde zu denken, ich wollte nicht stören. Bei mir war das auch so gewesen. Kaiserschnitt, Komplikationen, einige Tage im Krankenhaus, da wollte ich mich auch nur um das Kind und mich kümmern. Nach 10 Tagen ohne Nachricht rief ich sie an. Von ihrem Mann hörte ich, sie war noch im Krankenhaus mit ihrem neugeborenen Sohn. Die Geburt hatte am Abend meines Geburtstages begonnen, doch es hatte auch hier Komplikationen gegeben. Zu der Zeit, als ich für das Kind betete, hatten die Ärzte gerade um das Leben des Säuglings gekämpft. Mit dem Gebet habe ich sie unterstützt. Ihr Sohn ist am Leben geblieben, ist ein gesundes Kind, ein ganz Lebhafter! Gott hat gewirkt.
Nächster Artikel: Wegweiser, Zeichen und Entscheidungen
[1] Siehe hierzu von R. Emerson sein Werk zur „Social Exchange Theory“
[2] Fragen aus der wunderbaren Technik von The Work von Byron Katie, der Autorin von „Lieben was ist“
Eine wichtige Sache beim Pilgern als ein Spiegel des Lebens ist das Auffinden der Zeichen. Der ungeübte Pilger geht nach dem Buch und der Karte, dem Wissen und Erleben der Anderen. Beim geübten Pilger schaltet sich an Abzweigungen die Aufmerksamkeit für die Zeichen ein. Ist das Zeichen gefunden, dann weiß man, welcher Weg einzuschlagen ist, und man kann sich wieder Gottes schöner Welt zuwenden. Und dann gibt es immer wieder die Pilgerengel, die auf einen zukommen, wenn man den falschen Weg eingeschlagen hat.
Setzen wir uns keine eigenen Ziele und Zwischenziele außer dem, mit Gott zu leben, dann kommen die Zeichen immer wieder, z.B. ein Ruf, eine Nachricht, ein Buch, eine Neuinszenierung auf der Bühne unseres Lebens, irgendetwas, das unsere Aufmerksamkeit – hoffentlich – erreicht. Das einfachste ist die Anziehung wirken zu lassen und sich ihr hinzugeben. Wir folgen der Bewegung in unserem Herzen, einfach von Herzen zu wissen, von ganzem Herzen zu handeln.
Körper, Geist und Seele sind ebenso wenig getrennt zu “sehen” wie wir selbst vom Ganzen. Wir sind gemeinsam ein Organismus: Die Menschheit. Ein Organismus hat eine Steuereinheit, die Steuereinheit der Menschheit ist Gott. Lassen wir die viele Denkerei, so ist unsere Aufmerksamkeit offener für die göttliche Führung, die immer da ist. Es geht so einfach, es ist ja jemand da, der uns mit absoluter Weisheit koordiniert. Der will sich ja durch unsere Erfahrungen erweitern. So wie wir uns und der Welt durch Erfahrung bewusst werden, wird die Gesamterfahrung aller sich auch in Summe bewusst, kostet die ganze Bandbreite qualitativer Erfahrung der gesamten Menschheit aus und wächst damit genau wie wir weiter. Diese qualitative Bandbreite gibt es ebenso zwischen Sein und Tun, wir brauchen keins von beidem präferieren, alles hat seine Zeit.
Prediger 3 (Lutherbibel 1984):
1 Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: 2 geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; 3 töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; 4 weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; 5 Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; 6 suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; 7 zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; 8 lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit. 9 Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon. 10 Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. 11 Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.
Wie leben wir diese Hingabe? Wie führt uns Gott? Kommen wir im Alltag in eine Entscheidungssituation, an eine Wegkreuzung, so fragen wir uns:
- Was ist das Offensichtliche? (Wahrnehmung der Umgebung, des Naheliegenden und Augenfälligen und der inneren Stimme)
- Wer bin ich und wo stehe ich?
- Welche Aufgabe steht an? Schauen wir vor uns, was es zu tun gibt! Welche Aufgabenstellung, welche Verwirklichung ist an der Zeit?
- Was kann ich gut, wo zieht es mich hin? (Wahrnehmung, was wird gebraucht? Liebe, Anziehung, Unternehmenslust und Kreativität)
- Was mag wohl mein Anteil daran sein? Wofür bin ich geschaffen, wofür wird jemand wie ich mit meinem Fähigkeitenmix und Erfahrungshintergrund gebraucht? Wo passe ich hin?
- Wie kann ich dem Gesamten dienen? Was ist für alle Beteiligten das Beste?
- Was fällt mir zu? Das ist für mich! Was verschwindet gerade? Das lasse ich los!
- Wofür ereilt mich ein Ruf?
Die schönste und hilfreichste Frage dazu, die hat sich, wie ich hörte, auch Mahatma Ghandi gestellt:
Was würde Jesus tun?
Zum Einen: Würde er beispielsweise alle unsere Bedenken teilen? Würde er sich überlegen, womit er am meisten Geld verdienen kann? Würde er sich vor Armut fürchten, würde er an seine Altersversorgung denken? Würde er sich fragen, was die Anderen den von ihm denken würden, wenn er macht, was ihm richtig erscheint? Wäre ihm Sicherheit und Bequemlichkeit wichtig? Würde er sich vor Spott, Hänselei, Ablehnung oder sogar Verfolgung und Internierung fürchten? Würde er an seinen eigenen Nutzen denken? Würde er sich fragen, ob er das überhaupt kann?
Ja, was würde er sich fragen? Was ist Gottes Wille? Was ist das Wichtigste? Wer ist in Not? Wer braucht was? Was ist für alle gut? Was wäre sein Ziel? Aus welcher Motivation heraus würde er handeln? Schauen wir zunächst auf das Einfache, was sich uns bei diesen Fragen erschließt, schauen wir auf den drängenden Impuls in uns. Was sagt uns unser Herz dazu? Treffen wir jede Entscheidung nur aus einem Zustand der Liebe heraus, andere Entscheidungen haben keinen Bestand.
Und wenn es grad nichts sagt? Dann ist es ein guter Zeitpunkt für einen Moment der Stille. Jesus zog sich in solchen Fällen auf einen Berg zurück. Ich zücke meinen Rosario. Eine Methode namens Heart Math[1] empfiehlt: Legen wir unsere Hand aufs Herz und erinnern uns an einen besonderen Moment der Liebe in unserem Leben, lassen wir uns ganz darauf ein und stellen uns dann die Frage erneut und hören auf die Antwort der leisen Stimme in uns.
Und wenn man damit anfängt: Theresa von Ávila sagte dazu „Abgesehen von eurem hilfreichen Gebet solltet ihr nicht gleich der ganzen Welt beistehen wollen, sondern denen, die mit euch zusammenleben.“(aus: Moradas del castillo interior).“ Ja, genau dort können wir anfangen, wir sind aber nicht dazu angehalten, auch dort aufzuhören, hat Theresa auch nicht gemacht, sie hat 17 Klöster gegründet. Es gibt genug zu tun, Wunderbares und Einfaches!
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[1] Heart Math oder HerzIntelligenz, diverse Bücher von Doc Childre und dem HeartMathInstitute
Die erste Etappe von Lourdes nach Asson war 24 km lang. Für mich eine wirklich ausreichende Entfernung, meine Oberschenkel taten mir gegen Ende weh, dass ich dachte, gleich springen mir die Oberschenkelknochen aus den Hüftpfannen. Ich konnte noch nicht einschätzen, welche Auswirkungen solche Schmerzen auf den nächsten Pilgertag haben. Daher war ich nicht bereit, weiter zu laufen, vor allem, da der Küster von Asson mich schon am Dorfanfang auf die Übernachtung angesprochen hatte. Santiago wollte jedoch weiter, denn unsere körperliche Fitness war deutlich unterschiedlich. An diesem ersten Tag hätten wir uns fast schon getrennt, doch er lenkte ein und blieb mit mir in Asson. Auch am nächsten Tag wollte er weit laufen, weiter als der Etappenvorschlag angab. An diesem Tag lenkte ich ein und ging mit ihm weiter, als ich mir zunächst vorgestellt hatte. Meine Oberschenkelknochen waren noch in ihren Hüftpfannen, der Schmerz war weg. Doch aus Liebe und als Anerkennung seines Einlenkens am Tag davor habe ich mir diese Extrameilen „abgerungen“, damit auch er Freude am Weg hatte. Das habe ich immer wieder aus Liebe getan und war bald selbst erstaunt über meine gewachsene Leistungsfähigkeit.
Kein Mensch lernt und handelt wirklich nachhaltig durch Kritik, durch Ermahnung, durch Kontrolle, durch Zwang, durch Pflicht. Dies sind unwirksame Werkzeuge und Wegbegleiter auf dem Weg des Herzens, sie verursachen Anspannung, Verkrampftheit, Widerstand, Unlust und Unwillen. In Römer 12 (Übersetzung Gute Nachricht Bibel) finden wir den Rat:
8 Wer sich um Notleidende kümmert, soll es nicht mit saurer Miene tun.9 Die Liebe darf nicht geheuchelt sein. Verabscheut das Böse, tut mit ganzer Kraft das Gute! 10 Liebt einander von Herzen als Brüder und Schwestern, und ehrt euch gegenseitig in zuvorkommender Weise. 11 Werdet im Eifer nicht nachlässig, sondern lasst euch vom Geist Gottes entflammen. Dient in allem Christus, dem Herrn. 12 Seid fröhlich als Menschen der Hoffnung, bleibt standhaft in aller Bedrängnis, lasst nicht nach im Gebet. 13 Sorgt für alle in der Gemeinde, die Not leiden, und wetteifert in der Gastfreundschaft. 14 Wünscht denen, die euch verfolgen, Gutes. Segnet sie, anstatt sie zu verfluchen. 15 Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Traurigen. 16 Seid alle miteinander auf Einigkeit bedacht. Strebt nicht hoch hinaus, sondern haltet Gemeinschaft mit den Verachteten. Verlasst euch nicht auf eure eigene Klugheit.17 Wenn euch jemand Unrecht tut, dann zahlt es niemals mit gleicher Münze heim. Seid darauf bedacht, vor den Augen aller Menschen bestehen zu können. 18 So weit es möglich ist und auf euch ankommt, lebt mit allen in Frieden. 19 Nehmt keine Rache, holt euch nicht selbst euer Recht, meine Lieben, sondern überlasst das Gericht Gott. Er sagt ja in den Heiligen Schriften: »Ich bin der Rächer, ich habe mir das Gericht vorbehalten, ich selbst werde vergelten.« 20 Handelt vielmehr nach dem Wort: »Wenn dein Feind hungrig ist, dann gib ihm zu essen, und wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Dann wird es ihm bald Leid tun, dein Feind zu sein.« 21 Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern überwinde es durch das Gute![1]
Pflicht und Zwang sind das Gegenteil von Liebe. Sie mögen eine Zeit lang funktionieren, doch irgendwann richtet sich das Leben gegen sie. Unterstelle einen Körper der Pflicht, dem Zwang, der Kontrolle und er wird über kurz oder lang sich widersetzen oder krank werden. Wir kennen alle die Diäteffekte, bei denen man sich plötzlich vollgefuttert vor dem Kühlschrank wieder findet, aus einer Trance erwachend „Ich wollte doch gar nichts mehr essen!“ Unser Wachbewusstsein wird einfach ausgeblendet und schon ist es passiert!
Man kann eine Weile auch ein Volk dem Zwang, der Kontrolle und der Pflicht unterwerfen, doch irgendwann wird es aufbegehren und jemandem folgen, der ihnen Freiheit verspricht. Die Geschichte hat es gerade im letzten Jahrhundert mit dem Hitlerreich und Sozialismus/Kommunismus mehr als deutlich erwiesen. Keine Diktatur ist von Dauer. Wird ein Alkoholiker auf unsere gut gemeinte Ermahnung: „Trink besser nicht!“ damit aufhören? Wird ein Raucher auf einen solchen Rat hin sagen: „Ja, Du hast recht!“, seine Zigaretten weglegen und fürderhin nicht mehr rauchen? Hat das schon mal jemand erlebt? Die schreiben inzwischen die dollsten Todesdrohungen auf die Zigarettenpackungen. Trotzdem werden sie gekauft und konsumiert.
Der Weg aus allen Süchten, die Umkehr, ist in diesem Punkt gleich. Der Weg aus der Sucht ist immer der eigene, der freiwillige Weg, die Umkehr aus eigenem Impuls, aus eigenem Willen, aus Einsicht. Kein Mensch kann einen anderen Menschen aus seiner Sucht befreien, das produziert bei dem nur die so genannte Ko-Abhängigkeit. Jeder, der eine Sucht oder eine schlechte Gewohnheit aufgibt, tut es aus eigener Einsicht, und zwar dann, wenn er seinen persönlichen Umkehrpunkt, meist sein „in der Gosse landen“ erlebt, der Zustand, in dem das deutliche innere „Nein, das werde ich mir (oder einem anderen) ab heute nicht mehr antun!“ stärker wird als das Suchtmittel. Niemand kann in uns Selbstbeherrschung installieren. Sie kann nur vom Selbst ausgehen.
Und dies ist nicht nur der Weg aus den Süchten, sondern aus jeglicher Krankheit, der Weg jeglicher nachhaltiger Heilung. Auch in der Depression kommt einmal der Punkt, wenn einem dieser Zustand so leid ist, dass alles andere besser ist, als in Trübsal und Erstarrtheit zu verharren, sich auf den Weg zu machen in ein Leben, das man wieder lieben kann und gerne lebt – langsam aber sicher. Oder geht (an die 15 % der schwer Erkrankten).
In schwierigen, zwischenmenschlichen Situationen können wir unbedingt auf Gott setzen. Wenn der Andere in Gottes Augen falsch handelt, dann wird er durch das „duale Erleben“ eines Besseren belehrt wie auch wir, wenn wir uns im Irrtum befinden. Die spanische Version des Vaterunsers macht es deutlich: Bitte vergib uns, wenn wir Grund zum Anstoß geben, angreifen, verletzen, kränken, beleidigen, wie auch wir denen vergeben, die uns Grund zum Anstoß geben, angreifen, verletzten, kränken, beleidigen. Das Maß liegt in seiner Hand.
Wir: können Gott trauen, dass er unseren Mitmenschen gut führt und lehrt auf dem Weg der Liebe, unbedingt besser jedenfalls, als wir es könnten…weil er Verhalten erfahrbar, fühlbar macht: „Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem Andern zu.“ Wir können in Situationen, in denen wir uns verletzt fühlen, unseren Schmerz sichtbar machen und wir können Grenzen setzen, das heißt in Augenhöhe bleiben, aber nicht zurückschlagen. Wenn gerade keine Gemeinsamkeit möglich ist, können wir auf unseren eigenen Weg fokussieren und dort das tun, was gerade wichtig ist. Wir müssen nicht um Liebe betteln, Liebe ist freiwillig. Mit dem Zurückschlagen begeben wir uns wieder auf das Spielfeld, auf dem wir nur verlieren können. Wirklich, dort verlieren wir, aber nur jedes Mal. Mit einer Ich-Botschaft können wir uns, unsere Gefühle, unsere Verletzlichkeit zeigen. Wenn wir jedoch mit Worten und Taten versuchen, den anderen zu verändern, mit Wertungen, Du-Botschaften, Urteilen, wenn wir uns über ihn stellen, als ob wir besser wüssten, was das Richtige ist, dann passiert – na, das kennen wir doch, das haben wir doch alle schon erlebt -: Der Andere macht dicht, fühlt sich seinerseits angegriffen und damit gleichzeitig umso mehr im Recht mit seinem Verhalten. Gewonnen hat in diesem Fall nur einer: die trennende Schlange, der Widersacher.
Gehen wir auf das andere Spielfeld, das Spielfeld der Liebe, der Vergebung und des Vertrauens in Gottes Führung, damit lassen wir uns als erstes selber frei. Damit wir auf dem Spielfeld der Liebe bleiben können, sagt er uns überdeutlich in 5. Mose 32 (Lutherbibel 1984):
31 Denn unserer Feinde Fels ist nicht wie unser Fels; so müssen sie selber urteilen. (Wer selber urteilt, überlässt das Urteil nicht Gott, sie maßen sich das Urteil selbst an – die Erbsünde), 32 Denn ihr Weinstock stammt von Sodoms Weinstock und von dem Weinberg Gomorras; ihre Trauben sind Gift, sie haben bittere Beeren, 33 ihr Wein ist Drachengift und verderbliches Gift der Ottern. (Das Urteilen ist das Gift des Widersachers. Wer Traube seines Weinstocks ist, bringt bittere Trauben, erfährt Bitterkeit.) 34 Ist dies nicht bei mir verwahrt und versiegelt in meinen Schatzkammern? 35 Die Rache ist mein, ich will vergelten zur Zeit[2], da ihr Fuß gleitet; denn die Zeit ihres Unglücks ist nahe, und was über sie kommen soll, eilt herzu. (Wenn sie selbst nicht auf der „Täterseite“, sondern auf der „Opferseite“ sind innerhalb des „dualen Erlebens“. Das kommt so sicher, wie das Amen in der Kirche)36 Denn der HERR wird seinem Volk Recht schaffen, und über seine Knechte wird er sich erbarmen. (Wer in Gottes Augen recht handelt, rechtschaffen ist, der wird nicht dem „dualen Erleben“ ausgesetzt, klar! Doch können wir selbst in jeder Situation wissen, ob wir es sind oder der Andere? Steht uns das Urteil zu oder Gott?) ) Denn er wird sehen, dass ihre Macht dahin ist und es aus ist mit ihnen ganz und gar. (Im „dualen Erleben“ wird jeder sein Handeln erkennen können, wenn er auf der „Täterseite“ war und anschließend auf der „Opferseite“ ist.)37 Und er wird sagen: Wo sind ihre Götter, ihr Fels, auf den sie trauten, 38 die das Fett ihrer Schlachtopfer essen sollten und trinken den Wein ihrer Trankopfer? Lasst sie aufstehen und euch helfen und euch schützen! (Wird in diesem Moment der Widersacher, der Herr der Lieblosigkeit, aufstehen, ihm zur Seite stehen und ihm helfen und ihn schützen? Wohl kaum, die Lieblosigkeit gilt von dessen Seite jedem! Der Widersacher tritt im entscheidenden Moment hämisch grinsend beiseite und lässt ihn – plumps – ins Leere fallen.) 39 Sehet nun, dass ich’s allein bin und ist kein Gott neben mir! Ich kann töten und lebendig machen, ich kann schlagen und kann heilen, und niemand ist da, der aus meiner Hand errettet. (Gott steht uns auf beiden Seiten zur Seite, weil allein er uns hilft, auf den Weg der Liebe zu finden. Schlagen bedeutet, „auf die Opferseite stellen“, heilen (Leben schaffen) bedeutet, durch die Erfahrung des „dualen Lebens“ auf der Opferseite uns heilsames Denken und Handeln beizubringen).
Der Urtext klingt zunächst natürlich rabiat, doch wenn ich ihn aus der Perspektive des Verständnisses des „dualen Erlebens“ lese, das nur Gott bewirken kann und will, damit
- wir selbst auf dem Weg der Liebe bleiben können
- wir uns nicht die Hände schmutzig machen müssen,
- wir nicht auf das Verlierer-Spielfeld müssen, d.h.
- wir nicht erst eine reinkriegen und dann noch zusätzlich verlieren müssen,
- das auch wirklich stimmt und der andere nicht nur einer unserer fixen Ideen zum Opfer fällt.
dann ist mein Gott doch ganz der liebe Gott und kein strafender. Er klingt vielleicht ein wenig genervt, vielleicht waren die damals genauso wenig wach wie wir… oder vielleicht entspricht das eher dem kulturellen Pathos dieser Gegend und dieser Zeit.
Santiago sagt von sich „Soy espiritual pero no huevon!“ (“Ich bin spirituell, aber ich eiere nicht herum/bin kein Weichei!“. Auf Jesus kann diese Aussage auch zutreffen. Er war klar, machte klare Ansagen, handelte konsistent zu seinen Ansagen und konsequent. Man konnte sich an ihm reiben, wenn man sich an der Wahrheit rieb. So können wir auch sein: Klar in den Worten und wahr im Handeln, doch was der Andere daraus macht, das stellen wir ihm frei.
Leben wir zunächst Gottes Reich im Innern, dann in unserem engsten Kreis. Schritt für Schritt, jeder in seinem eigenen Tempo. Seien wir wie ein Stein, der ins Wasser fällt und dessen Sein und Handeln durch die Anregung anderer sich wie die Wellen ausdehnt. Wenn es heute noch nicht geht, zwingen wir uns nicht dazu, kritisieren uns nicht (machen uns nicht selber fertig!). Seien wir sanft mit uns. Wir beginnen als Kinder in Gottes Reich, lassen wir das Pflänzchen nicht an unseren eigenen hohen Ansprüchen eingehen. Tun wir es nur, wenn wir es mit Liebe können, wenn wir es wollen. Ansonsten bitten wir darum, es lieben zu können. Vielleicht brauchen wir einfach nur noch ein wenig mehr Ruhe und Entspannung. Vielleicht brauchen wir selbst noch ein wenig mehr liebevolle Zuwendung, ein paar Gottes-Erfahrungen mehr. Es ist immer Zeit da, diesen Zwischenschritt einzulegen und diese Bitte wahr werden zu lassen. Ich kann aus Erfahrung sagen: das ist ein wahrer, ein guter Anfang.
Nehmen wir die Anderen dadurch auf den Weg mit, dass wir ihn gehen und durch unsere Liebe, unsere Begeisterung und unsere Erlebnisse in ihnen die Einsicht wächst – oder sie uns auf dem anderen Weg vermissen. Kritisieren, zwingen und kontrollieren – das ist nicht der Weg der Liebe. Wenn wir gefragt werden, dürfen wir natürlich unser subjektives Feedback geben, doch erst dann.
Alles, was ich schreibe, ist immer eine Einladung, keine Verhaftung, keine Drohbotschaft, keine Kritik, keine Ermahnung, immer eher ein Bild meines persönlichen Brennens, meiner Begeisterung für den Weg der Liebe, vielleicht ein Weckruf für diesen Weg. Und wenn ich bisher anders verstehbar war: Ich bitte um Nachsicht! Bin selber noch am Üben, schon einigermaßen verstanden, aber noch kein Meister. Doch vielleicht ist es auch so: Wenn Sie diesen Blog freiwillig lesen und bisher nicht weggeklickt haben, wollen Sie dann nicht gerade meine Rückschlüsse aus meinen Erfahrungen wissen?
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[1] Etwas ähnliches finden wir auch im I-Ging (Übersetzung von R. Wilhelm) beim Zeichen 43: Die Entschlossenheit. „Für den entschlossenen Kampf des Guten zur Beseitigung des Bösen gibt es aber bestimmte Regeln, die nicht außer acht gelassen werden dürfen, wenn man Erfolg haben will.
- Entschlossenheit muss auf einer Vereinigung von Stärke und Freundlichkeit beruhen.
- Ein Kompromiss mit dem Schlechten ist nicht möglich; es muss unter allen Umständen offen diskreditiert werden. Ebenso dürfen auch die eigenen Leidenschaften und Fehler nicht beschönigt werden.
- Der Kampf darf nicht direkt durch Gewalt geführt werden. Wo das Böse gebrandmarkt ist, da sinnt es auf Waffen, und wenn man ihm den Gefallen tut, es Schlag gegen Schlag zu bekämpfen, so zieht man den Kürzeren, weil man dadurch selbst in Hass und Leidenschaft verwickelt wird. Darum gilt es, beim eigenen Haus anzufangen: persönlich auf der Hut zu sein vor den gebrandmarkten Fehlern. Dadurch stumpfen sich die Waffen des Bösen von selbst ab, wenn sie keinen Gegner finden. Ebenso dürfen auch eigene Fehler nicht direkt bekämpft werden. Solange man sich mit ihnen herumschlägt, bleiben sie immer siegreich.
- Die beste Art, das Böse zu bekämpfen, ist energischer Fortschritt im Guten.“
P.S. Ich habe übrigens eine ganze Menge Übereinstimmung zwischen dem I-Ging und der Bibel entdeckt.
[2] In der griechischen Übersetzung wird das Wort ανταποδωσω = antapodoso benutzt, das auch „gegenteiliges bewirken“, „entsprechen lassen“, „entgegengesetzt schaffen“ heißt. Das „duale Erleben“, das Gott schafft, ist in dieser Wortbedeutung nachvollziehbar, auffindbar.
Ja, Jesus wünscht sich unsere Werke. Wer nur ganz wenig offensichtlich tun kann, der kann es inwendig tun, da möchte ich an die große Teresa und die kleine Theresa erinnern.
Die große Teresa, die Spanierin Teresa von Ávila lag lange Zeit danieder, wurde schon fast für tot gehalten, erlernte in dieser Zeit das innere Gebet in aller Tiefe und gesundete. Sie gründete den Orden der unbeschuhten Karmeliterinnen und darin insgesamt 17 Klöster. Sie schrieb viele Bücher, die den Weg zu Gott beschrieben. Sie rief zu Werken auf und sagte: „Bete nicht um leichtere Lasten, sondern um einen starken Rücken.“
Die kleine Teresa, die junge Französin Therese von Lisieux, war selbst häufig krank und verstarb schon mit 24 Jahren. Gerade in ihrer Armut, sowohl geistlich wie körperlich, sah sie die Chance, sich – mit leeren Händen vor Gott stehend – sich von ihm alles schenken zu lassen. Aus dieser Armut wuchs in ihr die Barmherzigkeit und ihre Werke waren die Fürbitte und der Lehre ihres „kleinen Weges“ für andere. Die allerkleinsten Dinge in Liebe tun. Auch im Stillen sitzen und für andere Beten ist ein Werk.
Beide wurden zu Kirchenlehrerinnen ernannt.
Doch so lange wir können, können wir auch genauso gut unsere Zeit und unsere Schaffenskraft christlichen Werken, dem Reich Gottes widmen, da erinnere ich wieder an die Worte von Parocco López Losada aus Triacastela:
„Um eine bessere Welt zu schaffen, werden wir alle gebraucht.“
Eines Tages fiel mir in der Kirche aus einem Gesangbuch ein kleiner Zettel mit folgendem Text entgegen, ich kenne da keinen Autor etc.
Christus hat keine Hände,
nur unsere Hände,
um seine Arbeit heute zu tun.
Er hat keine Füße,
nur unsere Füße,
um Menschen auf Seinen Weg zu führen.
Christus hat keine Lippen,
nur unsere Lippen,
um Menschen von Ihm zu erzählen.
Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe.
Wir sind die einzige Bibel,
die die Öffentlichkeit noch liest.
Wir sind Gottes letzte Botschaft, in Taten und Worten geschrieben.
Jesu Unterscheidungsmerkmal in Matthäus 25 (Lutherbibel 1984) [1]wird sein: 40 Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan…. 45 Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.
Jesus nennt, so wie ich es verstanden habe, auch die Werke die Früchte als Ausdruck liebenden Handelns, die ein Mensch bringt. Er wünscht sich immer wieder, dass wir diese Früchte hervorbringen, als die, die am wahren Weinstock angewachsen sind (siehe Johannes 15 im Beitrag Jesus Anleitung zur Liebe in den 7 Ich-Worten)
Warum es nicht tun? Sich die Frage stellen: Bin ich hier, um MICH, MIR, MEIN zu mehren, um mein Potenzial zu meinem eigenen Nutzen auszuleben oder dem Ganzen zu nützen, das ganze zu fördern? Mein Potenzial, meine Talente zum Besten, zum Nutzen aller Menschen, und hier vor allem den Schwachen, zur Verfügung zu stellen? Denn ich habe einmal zu den Schwachen gehört und irgendwann werde ich auch wieder zu den Schwachen gehören. Eine kontinuierliche Liebespraktik…
Sich auf diese Werke etwas einzubilden oder sie mit der Intention zu vollbringen, um etwas zu erreichen, wenn ich A mache, dann folgt B, hilft nicht. Wir brauchen niemanden beweisen: ich habe das und das und das getan, daher gehöre ich zu den „Guten“ oder „jetzt habe ich mir das Himmelreich aber verdient“. Ersparen wir uns das durch Demut. Es geht darum, dass wir hinterher wahrhaftig aus ganzem Herzen „Gern geschehen!“ sagen, Liebe haben fließen lassen.
Und auch Pilgern ist ebenso ein Werk, das habe ich unterwegs wirklich gemerkt, das ist ist auch durch die Botschaft von Lourdes und Fátima. Der Ruf nach Penitencia, nach Buße. In der Kirche von Albergaria-a-Velha erhielt ich diese persönliche Botschaft von Maria: „Jeder Kilometer, den ihr lauft, jeder Rosario, den ihr betet, kommt der Welt zugute, weil es ein Akt des Glaubens ist, zu keinem anderem Nutzen als dem Leben des Glaubens an Gott.“ Buße zum Guten aller Menschen war eine der Botschaften der Kinder aus Lourdes und Fátima, uneigennützige Werke. Luther spottete über Santiago de Compostela: “Lauf nicht dahin, man weiß nicht, ob Sankt Jakob oder ein toter Hund daliegt”. Der Pilger widmet diese Lebenszeit nur Gott, nur der Erfahrung von Gott. Er macht sich schwach, mittellos (jedenfalls fast) und heimatlos z. B. wie Olivier aus Albi, unseren Engel des Rosarios, um Gott und seine Gnade in dieser Welt erfahren zu können. Und er macht die Erfahrung, wie es sich anfühlt, wenn man so lebt und entfacht dadurch seine eigene Hilfsbereitschaft, da erinnere ich an unsere Begegnung mit Christophe in Buzy.
Der Pilger setzt sich Gefahr und den Naturgewalten aus, wie sie kommen. Er gibt die Kontrolle auf. Er verschafft sich und Gott Zeit und Raum für gemeinsame Sinneserfahrung und dafür, die eigene Umkehr im Leben anzugehen. In der Regel kommt der Pilger mit einem prall gefüllten Rucksack an neuen Erfahrungen zurück, wie gut es sein kann, wenn man vertraut. Er hat darüber hinaus auch etwas von Jesu Weg erfahren gemäß Lukas 9 (Lutherbibel 1984): 58 Der Menschensohn aber hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.
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[1] Der gesamte Text dieser Bibelstelle befindet sich in Aufwachen: Die Welt mit dem Herzen sehen
Häufig sahen wir auf dem Weg Pilger, vor allem Deutsche, die mit einem Reiseführer unterwegs waren, auf dem Weg sich immer danach richteten, ihn auf dem Weg in der Hand hielten und in den Herbergen darin lasen. Um ehrlich zu sein: ich hatte das auch vorgehabt. Doch Santiago war schon in der Vorbereitungszeit strikt dagegen: „Das Ziel ist doch klar: Santiago. Ich will keinen Camino aus zweiter Hand erleben, so wie ein anderer ihn schon gelaufen ist und aufgeschrieben hat. Ich will meinen ganz individuellen Weg laufen und selber sehen und finden, was für mich da ist.“ Also liefen wir ohne Buch, nur nach den gelben Pfeilen und Jakobsmuscheln. Für Frankreich hatten wir ein paar Etappenpläne aus Lourdes und eine Karte und in Spanien zwei Zettel, einen mit den Höhenprofilen der Etappen, den anderen mit den Herbergen. Für den portugiesischen Weg bekamen wir im Pilgerbüro in Santiago de Compostela eine Liste der Orte, durch die wir kommen würden. Wir haben den Weg gefunden, jeden Tag von neuem, wir sind so weit gelaufen, wie wir wollten oder konnten, oder sogar noch weiter…
Es machte gar keinen Sinn, am 10. Tag schon zu wissen zu wollen, wie man die Etappe vom 16. Tag bewältigen würde, wo wir dann schlafen würden und welchen Tag wir in Santiago de Compostela oder Fátima ankommen. Wir hätten ja gar nicht gewusst, wo wir am 16. Tag loslaufen und wo wir ankommen. Und – ehrlich gesagt – im normalen Alltag ist das auch so. Unser Weg beginnt mit unserer Geburt und das Ziel ist der Weg mit Gott, zur Liebe. Wie könnte das jemand planen und vorab in Etappen einteilen?
Auf meiner Pilgertour in Hessen habe ich mir vorab zwei Übernachtungen gebucht, im Kloster in Hünfeld und im Kloster in Fulda, was ich noch nie vorher beim Pilgern gemacht hatte. Wie kam ich dazu? Ich hatte einfach vorher bei den Klöstern nachgefragt, ob sie Pilger aufnehmen und wie viel das kosten würde. Sofort wurde ich gefragt, wann ich denn käme. Ich überschlug mal die Kilometer und nannte einen Tag. Für die erste Wegstrecke hatte ich eine Kilometerangabe, aber nicht für den Tag der Ankunft in Hünfeld, wo ich bis spätestens 18.30 Uhr anzukommen hatte, die Kloster-Pforte würde sonst geschlossen. Ich wusste nur, zwischen Vacha und Hünfeld bis Fulda ist ein Weg mit Jakobsmuscheln markiert. In einem Routenplaner war die Entfernung für Fußgänger mit 27 km angegeben, das ist eine schaffbare Tagesetappe. Ich rechnete mit ca. 30 km oder kurz darüber, das schaffe ich auch.
In Vacha fragte ich in einem Buchladen nach, der Buchhändler stempelte auch mein Credencial. Ich befragte ihn über die Strecke und meine vermutete Länge von 30 km. Er sagte, die ersten 10 km wären gut markiert, vielleicht hatte er es selbst getan, und für die restlichen 20 vermutete er dasselbe. Gegen ½ 10 machte ich mich nach einem ausführlichen Rosario auf den Weg. Das Wetter war außerordentlich pilgertauglich, nicht zu heiß, nicht zu kalt. Der Weg war ein einziger Genuss, ein Augenschmaus, toll zu laufen, still, weitab der Straßen. Gottes schöne Welt in Reinkultur!! Gegen Mittag war ich noch nicht in Bremen angekommen. Am Rande des kleinen Ortes Otzbach traf ich auf ein älteres Ehepaar und erzählte ihnen, dass ich auf dem Jakobusweg pilgere. Der Mann sagte: „Na, den Rhönklub kenne ich! Gehen Sie mal an der Wegkreuzung mit dem Holzunterstand rechts den geschotterten Weg nach Bremen und nicht den markierten Weg.“ Noch wusste ich nicht, was er meinte. Aber bald.
Als ich in Bremen ankam, ich hatte den Wegvorschlag des älteren Herrn nicht umsetzen können, weil ich mir nicht sicher war, da war es schon zwei Uhr durch. Die markierte Hauptstraße in Bremen war eine einzige Baustelle, doch wenn ich da nicht entlang lief, wie sollte ich meinen Weg weiterfinden? Mit den Worten: „Wo kommen SIE denn her?“ sprach mich der Bauleiter an. „Aus Vacha komme ich und will nach Hünfeld!“ „Um Gottes Willen“, sagte er, „was haben Sie sich denn da vorgenommen? Das schaffen Sie nicht mehr heute, das sind noch 25 Kilometer! Kommen Sie, mein Mitarbeiter fährt jetzt nach Geisa, der nimmt sie mit. Und dann laufen sie von dort weiter!“ Eigentlich geht das ja völlig gegen meine Pilgerehre. Doch gerade in diesem Moment setzte ein heftiger Platzregen ein. So ließ ich mich in den Kleinlaster bugsieren und fuhr die 6 km in wenigen Minuten mit nach Geisa. Wundersame Wegvermehrung!
Um Klarheit zu gewinnen, wie es von Geisa aus weiter ging, betrat ich im Rathaus das Tourismusbüro. Dort drückte mir der zuständige Bearbeiter einen Kurzprospekt des Jakobusweges von Bremen bis Herbststein in die Hand. Danach waren es noch 20 km bis nach Hünfeld. Ich fragte den Herrn, wie ich denn nun am schnellsten zu Fuß nach Hünfeld käme. Er erklärte mir einen Weg, der nur 15 km lang war, weil ich mir damit Point Alpha und die zugehörige Bergbesteigung ersparen würde. Dann sagte er, in einer Mischung zwischen gönnerhaft und altväterlich: „Die 15 km, die schaffen Sie in einer Stunde! Wir machen das immer so!“ 15 km in einer Stunde! Wie das denn? Das schaffe ich noch nicht mal auf ebener Strecke und ohne Rucksack in einer Stunde, das schaffen olympiareife Geher auf gerader Fläche und ohne Rucksack, aber keine Pilger den ganzen Tag lang! Und hier war Rhön, Mittelgebirge. Nur in Gedanken zeigte ich ihm einen Vogel, ein Pilger ist ja höflich und bescheiden.
Es war schon 3 Uhr, als ich das Rathaus verließ. Am liebsten hätte ich jetzt einen Kaffee getrunken. Aber 15 km, da musste ich mich beeilen, es noch bis 18.30 Uhr bis Hünfeld ins Kloster zu schaffen. Ich folgte meinen Notizen. Aber schon nach einem Kilometer fand ich mich damit nicht mehr zurecht, als ich auf der Landstraße die notierte Abkürzung suchte, legte mir innerlich die Karten. Kurz entschlossen gab ich auf und beschloss, zum zweiten Mal an diesem Tag „schummelzupilgern“.
Ich hielt den Daumen raus und SOFORT hielt ein rotes Auto. Eine Frau in meinem Alter lud mich ein, mich nach Hünfeld zu bringen. „Wir Katholiken müssen uns untereinander ja helfen!“ sagte sie. Bei Aldi in Hünfeld hätte sie noch was umzutauschen, da könnte sie mich mitnehmen. Ich wollte nicht ganz bis Hünfeld mitfahren, sondern von Haselstein aus weiterlaufen, um nicht zu viel zu schummeln. Sie schlug mir vor, kurz mit zu ihr nach Hause zu kommen. Wir könnten ja noch einen Kaffee trinken, sie sagt dann ihrem Mann Bescheid und dann ginge es weiter. Super, Kaffeepause, das war ganz in meinem Sinne, auch meine unausgesprochenen Wünsche werden immer wieder erhört – was man so braucht! Hilfe von Glaubensgenossen! Während der Kaffeepause, sogar mit Kuchen, erfuhr ich, dass sie auch längere Zeit in Berlin gelebt hatte und im Krankenhaus Friedrichshain als Krankenschwester gearbeitet hätte, das sind sogar nur ca. 2 km Luftlinie von meiner Wohnung, Sie kannte auch einen der Mönche im Kloster Hünfeld und trug mir auf, ihn zu grüßen, falls ich ihn sähe. Wir fuhren wieder los, sie setzte mich in Haselstein ab. Das war eine schöne Begegnung, danke! Von Haselstein sollten es laut Plan nochmals 9 km sein. Das würde ich schaffen, ich hatte ja eine erholsame Pause gehabt.
In Haselstein brauchte ich eine Weile, um meine Markierungen wieder zu finden, lief fast zweimal um den Berg herum, bis mir klar war, wo der Weg weiter ging. Ein Stück hinter Haselstein traf ich auf einen Wegweiser: nach Haselstein 1,2 km und nach Hünfeld entweder 5,5 km oder 6,7 km als Fahrradweg über Großenbach. OK, 5,5 km, den nahm ich, noch etwas über eine Stunde. Der Weg war unfassbar schön, Wald, Bergwiesenblumen und Gräservielfalt satt , weich geschwungene Bergkuppen in der Distanz, ein, Panoramaausblick zum Sattsehen, Natur so weit man blicken konnte, die Wegführung weitab von Straßen und Ortschaften. Gott und die Welt: Ein Traum! Nach einer Stunde kam ich an einen anderen Wegweiser. Hier waren es 5,5 km bis nach Haselstein und 4,5 km nach Hünfeld. Ich war doch nicht nur einen Kilometer gelaufen! Wiederum wundersame Wegvermehrung. Nur sehr schade, dass ich immer wieder zwischendurch, anstatt nur zu genießen, innerlich mit dem Weg, der wundersamen Wegvermehrung und dem Herrn in Geisa rumzickte. Wirklich schade!
Da wurde mir bewusst: Wenn ich wieder, wie sonst, mich ohne festes Ziel allein dem Weg hingegeben hätte, dann wäre der Tag viel stressfreier, viel, viel schöner gewesen und ich hätte alles noch viel mehr genießen können. So kann es kommen. Wenn wir den Weg nicht kennen, dann können wir auch das tägliche Zwischenziel und die Etappe nicht von uns aus festlegen. Es ist ja so! Wir kennen den Weg unseres Lebens nicht, wir wissen ja gar nicht, was alles dazu gehört, welche Zwischenschritte, welche Ausblicke und Perspektiven, welche Erfahrungen. Vielleicht werden wir an etwas ganz besonders Schönem vorbeigeführt, zu purem Genuss, wofür wir Zeit brauchen. Er kann irgendwo eine wichtige Lektion, eine bedeutsame Begegnung für uns bereithalten. Es mag zwar nicht auf dem direkten Weg zwischen A und B liegt, sondern in der Nähe. Doch anscheinend sollen wir es auf keinen Fall verpassen sollten. Leben ist jetzt. Auf jeder Etappe, an jedem Tag. Jede Etappe ist wichtig, jeder Tag ist wichtig, Genauso wichtig wie die Zieletappe, genauso wichtig wie der Zieltag.
Erst um 18.00 Uhr konnte ich Hünfeld von oben sehen. Da ich um einen großen Gefängniskomplex herumlaufen musste, war ich erst kurz nach 18.30 Uhr in Hünfeld. Ja, das war mir auch ein Zeichen. Wir sperren uns manchmal in unseren Zielen wie in einem Gefängnis ein. Haben dann keine Chance auf Rundumblick, um vollständige Wahrnehmung, nach rechts oder links zu schauen, nur ein kleines Fensterchen nach draußen…
Im Zentrum von Hünfeld angekommen tauchte neben mir ein Steinkreuz aus rotem Sandstein auf. In goldenen Lettern stand auf dem Sockel: Es ist vollbracht! Bitte halte mich keiner ob der Kreuzigung Jesu für pietätlos, doch in diesem Moment prustete ich los vor Lachen. Es war mir, als ob Jesus mir von dort oben zuzwinkerte und flüsterte: „So, es ist vollbracht. Hast’s endlich geschafft für heute!“ Mehr als 9 Stunden unterwegs, da ich ja ein Stück vor Vacha geschlafen hatte. Später sah ich mir im Routenplaner nochmals die Route an: fast 50 km, d.h. ich war trotz meiner Schummelpilgerei ca. 35 km gelaufen, eine kapitale Etappe. Auch mein Körper sagte mir an diesem Abend ebenfalls deutlich Bescheid, weil ich – wie schon einmal auf der Wilsnack-Tour – einen steifen Hals bekam. Auch dort konnte ich aus Zeit- bzw. Kilometerdruck, damals von Santiago, nicht mehr rechts noch links schauen. Dabei geht es doch gerade beim Pilgern um das umfassende Erleben von Gottes schöner Welt: Wachsein, sie wahrnehmen, sie erfahren. Ich bat um Heilung. Für den Rest der Tour nahm ich innerlich den Fuß vom Gas, um mir mehr Zeit für all das zu nehmen, was Gott mir zeigen wollte. Und das war sehr viel!
Und was hatte es mit den Markierungen des Rhönclubs auf sich, die der Herr bei Otzbach ansprach?
Man merke den feinen Unterschied: Ich pilgerte den Jakobusweg, der durch den Rhönclub markiert ist als ein Weg, der die Spuren des Jakobus/Santiago in der Region aufzeigt, was mir vorher nicht klar war und was im Internet auch so nicht beschrieben war. Und der Rhönclub markiert anscheinend die schönsten Wege. Das bedeutet, dass der Weg mit vielen Schleifen zu jeder noch so kleinen Jakobusfigur oder Jakobuskirche in der Umgebung führt, darüber hinaus viele andere religiöse Stationen aufsucht wie Mariengrotten und -kapellchen, Steinkreuze, Orte der lokalen Volksfrömmigkeit wie den Steinhauck in Rothemann. Wer ihn als Jakobsweg, als Zubringerweg nach Santiago de Compostela benennt oder sieht, der wird hier viele Umwege hinnehmen müssen und viele Berge hochklettern, die dafür “nicht sein müssten”.
An einem Gartenzaun nahe Döllbach sagte mir ein Mann, der ein Teilstück markiert hatte: “Ob das nun der alte Weg ist, das weiß ich nicht. Aber wenn in Büchenberg eine Jakobuskirche ist, da muss man den Weg doch da auch vorbeiführen.” In Strecke gerechnet waren das statt notwendiger 3 km schon mal 7 km, ganz nach dem Motto: die Rhön ist schön… Ist sie auch, ganz gewiss! Auf dem Weg steht nahe Oberweißenbrunn am Jakobsbrunnen als Entfernung nach Santiago: 2385 km. Wenn alle so den Jakobsweg markieren würden, dann wären es vielleicht 4000 km nach Santiago…
„Mein“ Teilstück des Jakobusweg lohnte sich sehr als lokaler Pilgerweg, auf dem sich hier vor Ort schnell durch ein Einlassen auf die Frömmigkeit vor Ort erfüllende Tage erleben ließ, je intensiver, je mehr man sich entschleunigte und geschaffte Kilometer keine Rolle spielen. Ich wollte ja diesmal gar nicht nach Santiago! Auf diesem Jakobusweg konnte ich direkt hier vor Ort “ankommen” und erleben, was ich für meine Seele brauchte. Ich vollzog die Erfahrung des Herrn Goethe nach:
Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen,
Denn das Glück ist immer da.
Wenn wir jedoch die Augen permanent auf ein Ziel, eben auf unser persönliches Santiago gerichtet haben, sind wir wohl schnell mal konfrontiert von wundersamer Wegvermehrung und überraschenden Wundern am Weg, so viel Gnade kann vor unseren Füßen ausgebreitet werden. Die Führung Gottes ist so fantastisch, das durfte ich erfahren, doch eigene Ziele lassen uns mit dieser Führung, diesen Wundern sogar unzufrieden werden, sie können zu bitteren Enttäuschungen führen. Diese Unzufriedenheit, diese Enttäuschung schaffen wir uns selbst. Lassen wir uns durch jeden einzelnen Tag führen! Beim Pilgern, in unserer Arbeit, in unserer Beziehung, in unserem Glauben… Ich selbst hatte in diesem Jahr ein Wunschziel gehabt, es jedoch nicht erreicht. Es stimmt, ich war enttäuscht gewesen, vielleicht habe ich zu wenig genossen und gewürdigt, was tatsächlich da war, vielleicht habe ich sogar einiges verpasst in meiner Orientierung auf mein Ziel. Ab diesem Zeitpunkt war die Enttäuschung wie weggeblasen und ab diesem Zeitpunkt habe ich mir mein Leben leichter gemacht.
Was war das Endziel dieses Weges? Statt Santiago, der Stadt des Apostels der Spanier, war es diesmal Fulda, die letzte Ruhestätte des Heiligen Bonifatius, den man auch den Apostel der Deutschen nennt!
Es geht gar nicht darum, uns selbst so weit in die Zukunft zu werfen, die doch in Gottes Hand liegt. Was wir in der Hand haben, ist eine „ab heute“-Entscheidung, ein Prinzip anzuwenden. En volles Commitment, ein ausschließliches Ja zu einer Haltung, einem Glauben, einer Aufgabe, einer Person, einer Lebensweise. Vollendete Hingabe – wie katholisch Heiraten – bis dass der Tod uns scheidet, in guten wie in schlechten Tagen – keine Lebensabschnittspartnerschaft, kein Versuch, kein sowohl als auch, kein “Schaun wir mal”.
Paulo Coelho hat dies in seinem Buch „Der Alchimist“, Diogenes Verlag, so beschrieben (der Alchimist heißt übrigens auch Santiago
“Bevor ein Traum in Erfüllung geht,
prüft die Weltenseele all das,
was auf dem Weg gelernt wurde.
Sie macht das nicht aus Bosheit,
sondern damit wir mit unserem Traum
auch die Lektionen in Besitz nehmen,
die wir auf dem Pfad dorthin gelernt haben.
Das ist der Moment, wo die meisten aufgeben.
In der Sprache der Wüste nennen wir das
“verdursten, wenn die Palmen am Horizont sichtbar werden”.
Eine Suche beginnt immer mit dem Anfängerglück.
Sie endet immer mit der Prüfung des Eroberers.”
Schauen wir einfach mal nach, wenn wir die Dringlichkeit spüren, uns ein Ziel zu setzen, wir nicht viel besser mit einem Commitment für ein Prinzip bedient sind, ob gerade dies in unserem Leben ansteht. Welches mag es sein? Oder welche? Denn manchmal steht dies sogar auf mehreren Ebenen gleichzeitig an: Einem Glauben, einem Menschen, der eigenen Geschaffenheit und einer Aufgabe.
Ein Ziel, hinter dem immer wieder ein neues folgt, ist kein Ziel, dem man sich committed, denn man geht ja weiter, darüber hinaus. Es ist ein Ziel, auf das man sich zwar einstellt, das man aber dann hinter sich läßt. Wie viele endgültige Ziele gibt es, hinter denen kein neues folgt? Meines Erachtens nach eben genau eines, auch wenn wir ihm viele Namen geben mögen. Einer davon heißt “Ich bin der ich bin”.
Was ich meine, das heißt beispielsweise:
Ab jetzt gehe ich meinen Weg mit xy, egal, wo es hinführen mag, kein Netz und kein doppelter Boden. Wir entscheiden ab jetzt gemeinsam, was wir zusammen angehen und wann es dran ist, wann es für uns beide gut ist, selbst wenn ich manchmal auch warte. Prinzip: Allein ist man schneller, gemeinsam kommt man weiter.
Oder ein:
Ab jetzt beschränke ich mich auf das, was ich wirklich brauche. Ich nehme keinen Kredit mehr auf, ich zahle alle meine Schulden zurück, komme mit dem aus, was ich habe, entsorge alles, was ich nicht brauche. Und wenn zufällig mal mehr auf mich zukommt, als ich brauche, dann gebe ich es dem, der es braucht. Das Prinzip heißt: Weniger brauchen ist besser als mehr haben.
Oder ein:
Ab heute werde ich ausnahmslos nach den Prinzipien des Anstandes, der 10 Gebote, – des Win-Win – der goldenen Regel, mein Leben, alle meine Geschäfte führen.
Wenn ich irgendetwas als Ziel mir setze, dann setze ich es in die Distanz, in die Zukunft. Wenn ich mich jemandem oder etwas hingebe, dann beginnt es sofort, dann bin ich schon da, mitten drin, Gegenwart. Ich wende dieses Prinzip treu und zuverlässig auf alles an, auch auf kommende Pläne. Gott schweigt eben manchmal, Phasen der sog. Trockenheit, bis wir Ihm endlich die Antwort geben, die Reife zeigen, die er braucht, um uns etwas Neues zu geben. Erst wenn diese Hingabe in tiefem inneren Wissen geschehen ist und wir bereit sind, diese Richtung einzuschlagen, koste es, was es wolle, dann geht die nächste Tür auf.
In letzter Zeit geht vor allem ein ganz starker Trend in die Nutzung der Gedankenkraft, um eigene Ziele, Wünsche und Vorstellungen zu realisieren: The Secret, The Miracle, Law of Attraction, Bestellungen beim Universum. Dafür gibt es inzwischen Anleitungen der verschiedensten Art, um das Universum oder Gott dazu zu bringen, nach eigenem Plan zu funktionieren: Wenn ich A tue, dann passiert B. Aber nur wenn ich C. Man hat das Gefühl, sie hätten den Schöpfercode entschlüsselt, hätten das Passwort herausgefunden und könnten alles erreichen, was sie sich vornehmen. Man wünsche sich etwas und es wird erfüllt oder nicht erfüllt oder es gibt noch eine Zeit zu warten.
Die Essenz klingt in meinen Ohren wie in dem Lied:
Heut kommt der Hans nach Haus,
freut sich die Lies.
Kommt er aber über Oberammergau
oder aber über Unterammergau
oder ob er aber überhaupt nicht kommt,
ist nicht gewiss.
Ich habe diese Techniken auch einmal eine Weile auf unterschiedlichste Weise probiert und ich fand es sehr anstrengend, meinen Geist so stark zu fokussieren. Und egal, welches System ich auch anwendete, es gab keine Sicherheit, dass eintraf, was ich mir wünschte, vorstellte oder plante. Was ich immer bekam, war das, was ich wirklich brauchte. Und wenn ich bekam, was ich mir wünschte, dann habe ich hinterher oft festgestellt, dass ich mir völligen Quatsch gewünscht habe. Ein Beispiel:
Zu Silvester war ich bei meiner Freundin zu Besuch und wir malten gemeinsam jeder ein Bild über unsere Wünsche für das neue Jahr. Das vergangene Jahr war anstrengend gewesen, ich hatte mich die ganze Zeit wie ein Hamster im Rad gefühlt. Und eine Schlag nach dem Anderen: Mein Vater verstarb, mein Haus wurde mit Riesenverlust verkauft, ich hatte eine Lungenentzündung und zwei Operationen im Krankenhaus, ich hatte ein superanstrengendes, superstressiges Projekt am Hals, eine Beziehung zerbrach, mein bester Freund verschwand aus meinem Leben, ich nahm zu und obwohl ich sehr viel Geld verdiente, blieb nichts übrig. Da nach meinem Gefühl die Uhr unerbittlich mit ihrer Peitsche das Jahr beherrscht hatte, wollte ich für das neue Jahr ihre Macht brechen und mir ein harmonisches Leben mit genug Zeit für alles einrichten, was mir wichtig schien. Ich wollte genug Zeit für mich, Zeit für mein Kind, Zeit für meine Arbeit und Zeit für Freizeitaktivitäten und die Liebe.
So teilte ich es in meinem Irrsinn wunderbar in vier Viertel ein, und endete: FRUSTRIERT. Denn was passiert, wenn man die Liebe seines Lebens trifft und dann nur ein Teil eines Viertels Zeit mit ihr verbringen kann, weil man unbedingt ein Viertel seiner Zeit allein verbringen wollte. Das fühlt sich in einem solchen Moment nicht an wie die „gemütliche, entspannte Zeit für sich“, sondern Sehnsucht und Einsamkeit, ich erkrankte an einer Depression. Und es war bestimmt nicht leicht für Gott, eine Liebe in ein so vorgegebenes Zeitmanagement unterzubringen. Ich hatte nur im ersten Halbjahr Aufträge, und davon viel, und mein Kind bei mir, dann brach alles schlagartig weg, und im zweiten Halbjahr hatte ich Zeit mit mir allein und für die Freizeitaktivitäten inklusive der Liebe, aber keine Arbeit, kein Kind. Was für ein vollendeter Blödsinn!
“Denn die Wünsche verhüllen uns selbst das Gewünschte,
die Gaben kommen von oben herab in ihren eigenen Gestalten.”
Hermann und Dorothea, Wolfgang von Goethe
Solche Erfahrungen nenne ich den Wunschdoktor, der uns gesünder wünschen lehrt. Als ich mich einmal durch eine Glaubenssatzbehandlung[1] mich von den Ratschlägen anderer unabhängig machen wollte, wählte ich den zu Satz: „Ich weiß selbst nicht, was für mich am besten ist.“ Und dieser Satz änderte sich NICHT, das heißt: Ich weiß wirklich nicht, was für mich das Beste ist. Ich weiß wirklich nicht, was das Beste für mich ist, das weiß jemand anderes viel besser, nämlich der, von dem ich ein Teil bin. Wenn wir alle Teil von ihm sind, dann sollten wir es ihm überlassen, unsere Gemeinschaft zu organisieren. Und daher wende ich mich an ihn und bete,
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.
Für mich wird eins immer deutlicher: Es geht auch ohne Nachdenken, die Aktivierung unserer Gedankenkraft. Ich bin fest davon überzeugt, dass unser Kopf primär für die Wahrnehmung da ist, nicht für das Nachdenken, nicht für das gedankliche Programmieren von Zielen. Bleiben wir offen für die Wahrnehmung dessen, was er von uns will, den natürlichen Gang der Dinge. Was gerade anliegt und gebraucht wird. Lauschen wir Seiner Stimme, folgen wir Seinen Zeichen. Das Leben wird einfacher, wir haben den Kopf frei, weniger Sorge, weniger Stress, weniger Last, weniger Druck.
Wenn ich eine Frage habe, dann stelle ich sie im Stillen. Entweder höre ich die Antwort gleich in mir oder ich nehme mir Zeit für eine intensive Unterhaltung mit Jesus oder ich erfahre im Leben eine Parabel um die Frage und ihre Antwort. Manchmal dauert es natürlich seine Zeit, weil die Antwort komplex ist und dafür ist Aufmerksamkeit gut. Manchmal lässt er mich dann auch einfach die Erfahrung machen, er lässt mich die Folgen fühlen, so dass ich weiß. Und nicht nur, dass ich weiß, sondern dass ich das Tor sogar für andere „aufschließen“ kann. Oder er schickt mir Menschen, die mir die Antwort auf genau das erzählen, was ich gefragt habe, ohne dass ich sie gefragt habe.
Ich war über Ostern 2008 mit meinem Sohn in Barcelona. Er ist kein so ein Kirchenafficionado wie ich, doch ich wollte auch gern etwas von der spanischen Semana Santa, der spanischen Karwoche und ihren Riten miterleben.
Am Karfreitag starteten wir unsere Tagesetappe am unteren Ende der Ramblas, weil wir an den Strand wollten und am Tag vorher hatten wir unsere Tour ebendort dort am Columbus-Denkmal aufgehört. Da fiel mir ein, ihm die Kirche La Merced zu zeigen, in der es einen sehr schönen Erzengel Michael gibt, den mein Sohn toll findet, er wird nämlich oft mit einem Schwert gezeigt.
Die Kirche – sie war nur 2, 3 Ecken entfernt, war offen, wir gingen rein, in dem Moment betraten gerade die Padres den Altarraum und es folgte die Lectura der Via Crucis, des Kreuzweges, mit allem drum und dran, so ergreifend. Ich konnte dabei sein, mein Sohn ging fotografieren.
Alsdann spazierten wir beide über die Ramblas del Mar und das Mare Magnum an den Strand von Barceloneta bis zum Olympischen Hafen. Unterwegs gönnten uns ein Eis, sammelten Muscheln, setzten uns in die Sonne, lasen unseren Harry Potter 7 weiter, gingen mit den Füßen ins Wasser. Von Ciutadella Vila Olimpica aus nahmen wir die gelbe Linie der Metro wieder zurück, als es kühler wurde. Die Station, die unserer Unterkunft am nächsten lag, war Fontanas. Doch dann: spontane Idee, wir steigen am Passeig de Grácia nicht um in die grüne Linie nach Fontanas, sondern bleiben in der gelben Linie bis Joanic in die Nähe unserer Unterkunft und schauen uns noch die Umgebung an und laufen etwas länger als sonst. So kamen wir also am anderen Ende der Straße an, in der wir wohnten. Dort sahen wir wieder eine sehr schöne Kirche, St. Joanic eben, wieder offen. Wir gingen hinein.
Auch hier kamen wieder gerade in dem Moment die Padres in die Kirche und der Gottesdienst mit dem Erleben des Todes Christi beginnt. Ich drücke meinem Sohn die Schlüssel für unsere Unterkunft in die Hand, er läuft die Straße runter nach Hause, weil er – so sind sie halt – keine Lust mehr auf Kirche und Gottesdienst hatte und dieser war auch noch in katalanischer Sprache.
Ich bin dabei, es ist atemberaubend, besonders der Moment, als in der Lectura der Satz “y expia….” (er hauchte seinen Atem aus), gefolgt von dem schweigenden Gedenken kam. Ich hatte keinen Plan, ich hatte keinen Stress, zu irgendeiner Zeit irgendwo sein zu wollen: Ich war einfach zur rechten Zeit am rechten Ort. Ich wurde geführt. Er wollte mich dabei haben…zweimal an einem Tag. Mein Wunsch war auf wunderbare Weise erfüllt worden. Wieder ein Moment der Gnade.
Sich Ziele setzen, Planen ist für mich oft eine Form der Angstvermeidung, von eben nicht Raum geben, eine Getriebenheit, ein sich nicht auf das Geführtwerden einlassen. „Ich muss doch was machen!!!“ Es verhindert und verzögert die Momente der Erfahrung von Gottes Gnade.
Als ich nach der Reise und der 1. Schreibphase offenbar wieder mehr praktizieren sollte und das Geschriebene auszuprobieren, rief mich eine Ärztin an und bot mir einen Raum in ihrer Praxis an, der gut zu mir passte.
Beim Salsa-Tanzen konnte ich Geführtwerden gut üben. Als Salsera bleibe man locker und aufmerksam und im
Rhythmus / in Verbindung mit der Musik und habe keinen eigenen Plan, sondern nehme die Führungszeichen des Salseros wahr und reagiere auf das, was man spürt, mache das, wozu man den Hinweis bekommst. Dann kann die Frau einfach nur die Musik genießen und muss sich keinen Kopf machen, was als nächstes dran ist, eben nicht denken, sondern fliegen mit den Füßen. Dann geht alles gut. Ansonsten bricht man sich den Arm, hat nur Stress mit dem Partner, es macht überhaupt keinen Spaß, es fließt nicht und es sieht natürlich überhaupt nicht gut aus.
Sehr schön auch als Beispiel ist der Film Kate & Leopold. Meg Ryan als Kate wollte unbedingt Vizepräsidentin in der New Yorker Werbe-Agentur werden, in der sie arbeitete, sie setzte alles daran, war dabei, sich selbst zu verkaufen. Doch in dem Moment, als sie es wurde, gab sie mit Leichtigkeit ihr bisheriges Ziel auf, weil das Leben ihr im gleichen Moment etwas viel, viel Schöneres geschenkt hatte, etwas, worauf sie auch bei allerschärfstem Nachdenken nicht hätte kommen können.
Und genau das ist es: Es gibt so viele Dinge in der Welt, so viele Wege, die beschreitbar sind, die aber keiner kennt, für die es keine Landkarte, keine Ausbildung, keine Prozess- und keine Stellenbeschreibung gibt. Dinge, die wir vorab nicht wissen können. Ich habe den Überblick nicht, kann ihn nicht haben. Unsere eigenen Ziele bringen uns vom Weg ab, denn: Ich habe keine Kontrolle über den Weg und mein Leben, wie auch? Wirklich: wir können das Leben nicht kontrollieren!
Wir sind nicht der Schöpfer sondern das Geschöpf.
Vielleicht können wir uns das so wie beim Billard vorstellen. Wir wissen ja als Kugel gar nicht, wie viele andere Kugeln in unserem Rücken über wie viele Banden gespielt werden, bis uns die eine trifft und in eine neue Richtung lenkt.
Ich habe in meinem Leben lange nicht gewusst, was ich werden will, was nicht heißt, dass ich „nichts geworden bin“. Im Gegenteil: Es gab bestimmte Anziehungen, wo ich sagte, „Na ja, das würde ich gerne machen!“ oder: „Na, DAS kann ich auch!“ Dann habe ich mich beworben, ja und schon hatte ich einen neuen Beruf, den ich vorher gar nicht kannte. Alle größeren Richtungswechsel geschahen durch einen Ruf, von außen angeregt. Ein Ruf führte mich sogar in den Deutschen Bundestag – damals noch in Bonn, wo ich zum Jahreswechsel 1986/1987 bei den allerersten Computer-Schulungen für die Abgeordneten-Büros mitwirkte und kurz darauf ein paar Monate im ersten Benutzer-Service des Bundestages arbeitete und dabei die Büros z.B. von Franz Müntefering, Rudolf Dressler und Ludwig Stiegler mitbetreute. Auch für meine Zeit bei HP erhielt ich einen Ruf, ebenso zum Beginn meiner Selbständigkeit als Unternehmensberaterin.
Mein Weg machte viele Wendungen, doch heute im Rückblick gesehen war jede dieser Stationen notwendig und sinnvoll. Es war ein ganz gerader Weg auf das zu, was ich heute bin. Gott macht einfach Sinn, auch wenn dieser sich uns nicht immer sofort erschließt. Häufig war es so, dass ich mir eine Fähigkeit erwerben, eine Erfahrung machen und dann die Situation wieder loslassen sollte, um zur nächsten „Lektion“ zu kommen, in die nächste Klasse zu gehen. Das war nicht immer einfach, oft denkt man ja, dass eine gewisse Routine, ein geregelter Alltag und vorhersehbare Einnahmen für ein sicheres, angenehmes Leben sorgen. Doch dafür war ich wohl nicht geschaffen. Ohne Widerstand loszulassen ist in solchen Fällen immer am einfachsten. Es kommt schon etwas Neues. Oft war es auch so, dass ich lernte, wie ich mir Wissensgebiete, Fähigkeiten und Kompetenzen selbst erschließe, ohne menschliche Lehrer, ohne strukturierten Lehrplan, ohne abgeschlossenes Studium und Diplom: Ungegangene Wege finden, gehen und sie dadurch begehbar machen.
Und – manchmal wollte ich sogar etwas lernen, wofür ich nur wenig natürliches Talent besaß, was ich aber schön oder spannend fand, eben z.B. Salsa tanzen. Diese Musik liebe ich! Doch: Ich bin motorisch einfach nicht sehr begabt. Während es manchen ganz leicht fällt, die Schultern zu schütteln und dabei gleichzeitig den Po still zu halten und die Füße in unterschiedlichen Schritten zu bewegen, brauchte ich ein halbes Jahr dafür. Weil ich nur langsam lernte, Schritt für Schritt, durch viel Übung und Praxis, durch Versuch, Irrtum und schließlich Erfolg, wurde mir jeder notwendige Lernschritt bewusst. Dadurch konnte ich diesen Weg dann wieder für andere aufschließen, meine Lehrfähigkeit ausbilden. Dasselbe erlebte ich mit dem tiefen Begehren, Gott wahrzunehmen, zu hören…anfangs hatte ich diese Fähigkeit Anderer zu außersinnlicher Wahrnehmung für „des Kaisers neue Kleider“ gehalten.
Nächster Artikel: Der Mensch denkt – Gott lenkt UND lehrt
[1] Therapeutische Übung, bei der beim Patient ein irriger Glaube identifiziert wird, z.B. „Keiner liebt mich“ „Ich bin und bleibe ein Versager“ und in einen realistischeren und gesünderen Glauben umgewandelt wird.
Wenn wir durch eigene Denkaktivitäten uns beschäftigen, dann fällt es uns sehr schwer, Gottes Willen und die Realität aufzunehmen. Doch wie es tatsächlich ist, das ist hier gut beschrieben (in Klammern und kursiv = meine persönliche Deutung zur Verdeutlichung):
Sprüche Salomo 16: Der Mensch denkt – Gott lenkt (Hoffnung für alle)
1 Der Mensch denkt über vieles nach und macht seine Pläne, das letzte Wort aber hat Gott. 2 Der Mensch hält sein Handeln für richtig, aber Gott prüft die Motive. 3 Vertraue Gott deine Pläne an, er wird dir Gelingen schenken. 4 Alles hat Gott zu einem bestimmten Zweck geschaffen – der Gottlose ist für das Verderben gemacht. (Nichts, was passiert, ist ohne Sinn.) 5 Gott verabscheut die Hochmütigen (= der meint, ihr Leben selbst durch Denken und Kontrolle zu gestalten versuchen, die die göttliche Führung nicht anerkennen, Ihn nicht zu brauchen meinen). Du kannst sicher sein: Keiner entkommt seiner gerechten Strafe! (= sie erleben, was sie durch ihr Wünschen, Denken und Handeln auslösen) 6 Wer Gott treu ist und Liebe übt (= Gott durch sich handeln lässt und sich an der Realität orientiert und stets Ihm dankbar ihren Sinn annimmt), dem wird die Schuld vergeben (= der verfehlt nicht, der kommt nicht vom Weg ab); und wer Gott gehorcht (= Gottes Wegweisungen und Handlungen ausführt), der meidet das Böse. (= handelt im göttlichen Sinne und das kann nicht böse sein) 7 Wenn dein Handeln Gott gefällt, bewegt er sogar deine Feinde dazu, sich mit dir zu versöhnen. (wenn man keine Angriffsfläche bietet, weil kein Widerstand da ist und so auch kein Streit aufkommt, z.B. die zweite Wange anbieten, um dem anderen die Sinnlosigkeit seines Tuns vor Augen zu führen) 8 Besser wenig Besitz, der ehrlich verdient ist (= Gott gibt uns alles, was wir brauchen), als großer Reichtum, durch Betrug erschlichen (= mehr zu nehmen, als wir brauchen, Selbstbetrug durch das Anhäufen von Gütern). 9 Der Mensch plant seinen Weg, aber der Herr lenkt seine Schritte.(= Der Mensch mag sich im Glauben befinden, dass er seinen Weg plant, doch das ist eine Illusion, denn Gott lenkt sie) 10 Der König spricht in Gottes Auftrag, darum irrt er sich nicht, wenn er Recht spricht. (Der rechte Mensch spricht das aus, was Gott durch ihn sagen will, und tut dies auch, wenn er das als eigene Wahrheit ansieht, ausspricht und nicht lügt.) 11 Gott möchte, dass die Waage richtig eingestellt wird und dass die Gewichte stimmen, denn er selbst hat diese Ordnung aufgestellt. (= Gott ist in der Lage, zwischen allen und allem die vollkommene Balance herzustellen, wenn man ihn durch sich handeln lässt. Sobald man dies in sich selbst zulässt, stellt sich für einen selbst schon diese Balance ein. Durch das eigensinnige Handeln der Menschen entsteht das Ungleichgewicht, das wir heute in dieser Welt kennen.)

Kein Wunder - die berühmte Skulptur "Der Denker" von Auguste Rodin ist Teil des Gesamtwerkes "Das Höllentor" - Foto von Stefan Kühn in wikicommons
Aus der aktuellen Wissenschaft, vor allem der Hirnforschung, gibt es inzwischen mehrere Hinweise darauf. Zum einen die Forschungen rund um Antonio Damasio, der aufzeigte, dass der Körper und die Intuition viel schneller funktionieren als bis der Verstand etwas durchschaut.
Wer mehr darüber wissen will, der klicke hier für einen Artikel aus dem Tagesspiegel
Dann die Experimente des Wolfgang Singer, der feststellte, dass der Impuls zum Handeln schon ausgelöst war, bevor der Mensch sich bewusst dafür entschieden hat. Die Naturwissenschaftler werten dies als Abwesenheit des freien Willens und damit der Nichtexistenz von Gott. Doch es ist eher umgekehrt: eben Gott lenkt, und der Mensch denkt nur, er denkt und steuert sich. Auch Arthur Schopenhauer hat dies erkannt mit den Worten: „Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.“
Dann gibt es die Feststellung, dass bei Problemlösungen die besten Lösungen nicht durch intensives Nachdenken, sondern erst in einer Phase der Entspannung und der Ruhe und des Nichtnachdenkens uns „einfallen“, „zufallen“. Dann ist nämlich in unserem Hirn der Platz, dass wir Seine Stimme wahrnehmen können (es aber meistens uns selbst zurechnen). In unserem Geistleib stehen in der oberen Hälfte alle geistigen Informationen zur Wahrnehmung zur Verfügung. Kommen sie nicht zu uns durch, gibt es Stau. Werden sie nicht verdaut, dann auch.
Zum anderen heißt das natürlich, dass wir durch Nachdenken versuchen, mit einem Wahrnehmungsorgan zu verdauen. Doch gerade die Umgangssprache gibt den Hinweis, nämlich dass Wissen „aus dem Bauch heraus“ kommt. Viele philosophische und spirituelle Richtungen sagen uns, dass der heilsamste Moment der ist, in dem wir nicht denken, sondern nur das Hier und Jetzt wahrnehmen. Erst als ich durch eine Übung mit dem Erzengel Raphael – nämlich einen Nachmittag lang nicht zu denken – erfuhr, dass das Hirn nicht zum Denken da ist, wurde mir dies nicht nur ungemein verständlich sondern sofort wieder erfahrbar. Die Übung funktioniert so:
Wir nehmen uns Zeit, unser Gehirn immer wieder in seiner Funktion als Wahrnehmungsorgan zu nutzen. Wenn wir wieder Gedankenenergie bemerken und außerhalb der Gegenwart sind, dann überlassen wir uns wieder dem Zustand der Wahrnehmung. Wenn uns das schwer fällt, dann können wir den Erzengel Raphael bitten, uns bei jeder Abweichung wieder auf diesen Zustand aufmerksam zu machen. Wann immer wir denken, dann hören wir die Stimme: Das Gehirn als Wahrnehmungsorgan nutzen! Oder so etwas Ähnliches. Dies ist Meditation im Alltag. Übung macht auch hier den Meister. Und: es fühlt sich gut an.
Als ich diese Übung das erste Mal machte, nahm ich wahr, dass ich etwas, was ich für meine Arbeit brauchte, im Auto liegen gelassen hatte. Ich ging also schnell die Treppe hinunter zu Straße. Dummerweise verwickelte ich mich dabei wieder in Gedanken, zickte mit irgendjemandem innerlich rum und war nicht beim Wahrnehmen, schaute nicht auf den Weg. Und zack – trat ich in einen frischen Hundehaufen: Auch eine Möglichkeit, mich wieder aufmerksam zu machen! Auch Engel haben Humor, fast dachte ich, ich hörte ein Lachen…
Öffnen wir uns voll Vertrauen seinem Geist, überlassen wir ihm die Steuerung und funken wir nicht mehr dazwischen, sondern lassen wir Gott durch uns sehen, hören, fühlen und dann handeln. Wenn wir die Störfeuer unseres Denkens aufgeben, das ewige Geschnatter von Gedanken, dann hat diese Welt unendlich zu gewinnen. Schauen wir sie uns nur an, dann kann es uns nur klar werden. Indem wir uns Gott hingeben, schaffen wir in uns das Reich Gottes und das „Dein Wille geschehe, im Himmel wie auf Erden“. Und je mehr Menschen dies geschehen lassen, ihr Leben sich entfalten lassen, dann im Äußeren. So einfach ist das. Leicht. Unanstrengend.
Psalm 127 (Lutherbibel 1984)
2 Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.
Und auch das Lernen kann ohne Anstrengung einfach laufen, lebenslanges Lernen in Gottes Realität. Wie das geht?
Oft erkennen wir, dass wir uns durch eine bestimmte Verhaltensweise immer selbst blockieren. Was wir machen, das ist uns schon klar, aber wie wir in Zukunft anders handeln können und gleichzeitig unsere Ängste oder Widerstände überwinden können, das ist oft nicht so leicht. Kein Wunder! In jungen Jahren meist haben sich solche Verhaltensweise als sinnvoll herausgestellt, um zu überleben. Aus diesen Verhaltensweisen haben sich Gewohnheiten gebildet. In unserem Gehirn haben sich die Synapsen gebildet, dass diese Verhaltensweisen – wie die Fahrt auf einer breiten Autobahn – automatisch und mühelos ablaufen können. Leider führt diese Autobahn inzwischen immer wieder vor die Wand, denn Andere verstehen nicht, warum ein Erwachsener wie ein Kind reagiert.
Wir haben irgendwann begriffen, doch mit der neuen Verhaltensweise sind wir altersgemäß an der Stelle, wo die Gewohnheit gegriffen hat und wir die neue Verhaltensweise nicht weitergelernt haben, keine Erfahrung damit sammeln konnten und daher heute nicht altersgemäß differenziert und geübt damit umgehen können. An jeder Stelle des Lernens können wir uns natürlich mit Hilfe der Kräfte Gottes und der Übungen aus diesem Blog kreativ helfen, alte Ängste zu besänftigen, Mut und Zuversicht zu gewinnen, Altes, Unflexibles loszulassen und Neues zuzulassen. Und wir können das Leben als Gottes Lehrstunde nutzen:
Lebenslanges, lebendiges Lernen!
In kursiv jetzt das Beispiel: Für mich war es das Thema Konfliktfähigkeit. Im Falle von Konflikten war es meine Gewohnheit geworden, Teil der Tapete zu werden, einfach nicht mehr da zu sein. Das war für mich eine in meiner Kindheit durchaus sinnvolle Verhaltensweise. Als Erwachsene nicht mehr…
Wie kommen wir da raus?
- Zunächst ist es wichtig, dass wir verstehen, was da passiert, und warum etwas anderes für uns sinnvoller sein kann. Damit fängt es an.
Ich bemerkte, dass ich durch meine Konfliktunfähigkeit ganz viel von mir aufgab und meine Toleranz überstreckte, mich toleranter gab, als ich war und dadurch mich selbst verletzte, mittels der Anderen oder meiner selbst. Ich war es gewohnt, dass andere über mich bestimmten, ich anderen Recht gab, wo sie keines hatten, ich klein beigab, wo ich hätte groß sein müssen. Dieses beraubte mich meines Lebensraumes, innerlich und äußerlich. Ich reagierte mit Flucht oder Totstellen, was auf der anderen Seite ganz schnell auch zu Einsamkeit „an der Zufluchtstätte“ und „im Grab“ führt. Ich hatte zum Beispiel einen Chef, der sehr konfliktfreudig war, dem das auch Spaß machte. Meine Fluchtreaktion war diese: ich schaute mir seinen Terminkalender an und legte nun meine externen Termine immer auf seine Bürozeiten. So sind wir uns über Wochen nicht begegnet. Wenn er was von mir wollte, hörte er maximal ein: Sorry du, ich bin schon auf dem Sprung und kann … nicht warten lassen. In diesem Falle hatte dies auch etwas Gutes, weil ich mich so viel bei meinen Kunden aufhielt, dass Erfolge nicht ausbleiben konnten.
- Die kommende Zeit ist die Zeit der Aufmerksamkeit. Jetzt ist es wichtig, immer wieder zu bemerken, wann diese Situation in unserem Leben auftaucht. Auch wenn wir noch nicht anders handeln. Jetzt geht es darum, sie einfach nur wahrzunehmen: Aha, da ist es also wieder!
In Situationen, wo ein Konflikt auftrat, durchfuhr es mich nun heiß und kalt zum Zeichen des Bemerkens. Mir fiel immer stärker auf, wie ich reagierte. Trotzdem war ich unfähig, anders zu handeln. Mir fiel meine Bewegungslosigkeit auf, meine weichen Knie und meine Angst zu reagieren. Mir fielen gar nicht die Worte ein, mit denen ich meine Position vertreten konnte, ich blieb stumm und schluckte. Mir fiel auch auf, dass, wenn ich den Konflikt nicht austrug, ihn über lange Zeit in mir trug und mich immer wieder innerlich an ihm entbrannte.
- Nun können wir die Welt beobachten und schauen, wie andere damit umgehen und auch nachempfinden: Was würde uns davon gefallen? Oder wir fragen Ihn. Und in der Regel zeigt Er uns dann viele Varianten und Bilder in unserem „Alltagskino“, in dem Film, den wir Leben nennen, wie es sein könnte. Hinschauen! Kosten wir den ohnehin bezahlten Kinoeintritt aus.
Ich sah immer mehr Situationen, wo andere reagieren konnten, hörte, wie sie einhakten und damit ein Gespräch zur Wende brachten, wo ich schon aufgab. Ich hatte einmal einen Praktikanten an der Seite, den ich zu einem Kundenbesuch mitnahm. Der Kunde sagte, dass er sich gerade anders entschieden hatte. Ich war bereit, mich dieser Situation zu ergeben. Doch plötzlich ergriff der Praktikant das Wort und sagte: „Könnte es nicht sein, dass sie mit dieser Entscheidung eventuell einen Fehler gemacht haben, jetzt, wo sie diese neue Information von uns erhalten haben?“ Der Kunde stutzte, dachte nach, und dann wurde die Situation von vorn wieder aufgeräufelt und wir bekamen den Auftrag. DAS habe ich mir gemerkt. Danke, Ralf!
- Irgendwann kommt beides zusammen: wir bemerken die Situation und wir wissen, was wir sagen könnten. Jetzt kommt die Spiegelübung. Wir stellen uns zuhause vor den Spiegel und üben, wie wir was sagen könnten und wie es für uns am überzeugendsten rüberkommt. Das ist wie der Tennisspieler, der den Aufschlag immer wieder übt, bis er sitzt. Übung macht den Meister.
Wie oft ich das Wort „Nein“ und „Ich bin der Meinung, dass…“ und „Ich sehe das anders…“ vor dem Spiegel geübt habe….
- Nun kommt die Praxis. Da fangen wir klein an, zunächst in Situationen, die für uns weder gefährlich sind noch mit Menschen passieren, die uns wichtig sind.
Es begann mit solchen Übungen wie: „Würden Sie bitte warten, ich war vor Ihnen dran“ im Laden und „Nein, ich möchte dies nicht kaufen!“, „Ich möchte nicht an ihrer telefonischen Umfrage teilnehmen.“ oder ein: „Wenn Sie meinen, dass dies nicht geht, dann möchte ich bitte ihren Vorgesetzten sprechen.“ oder auch „Wir hatten vereinbart, dass ich das Ergebnis Ihrer Arbeit heute bekomme. Ich brauche es heute, ich habe damit gerechnet, sorgen sie bitte dafür, dass ich es bekomme.“ statt mich selbst wieder hinzusetzen und dem anderen die Arbeit und damit seine Verantwortung abzunehmen. So konnte ich mir selbst gegenüber wieder zuverlässiger werden.
- Wenn wir uns dann sicherer fühlen, dann wagen wir uns an die schwierigeren Situationen, Stück für Stück, mit für uns und unser Leben immer bedeutenderen Personen.
Mit dem o.a. Chef führte ich ca. 1 ½ Jahre später das Gespräch über eine Gehaltserhöhung. Ich konnte sagen: „Ich möchte ab dem nächsten Zeitpunkt mehr Gehalt, ich habe verstanden, dass andere mit schlechteren Leistungen als ich hier ein höheres Gehalt verdienen und das will ich auch.“ Und als er mich fragte: „Und wenn nicht, was ist dann?“, da konnte ich ihm ohne Blinzeln in die Augen sehen und mit fester Stimme aussprechen „Darum geht es jetzt nicht, ich habe auch nicht vor, hier Drohungen auszusprechen. Ich denke, ich habe ein höheres Gehalt verdient und es steht mir zu.“ Hinterher zitterten mir zwar ein wenig die Beine, doch die darauf folgende Gehaltserhöhung betrug zwei Monate später 113.000 DM p.A.
- Irgendwann sind wir in der Lage, unaufgeregt solche Situationen nebenbei zu erledigen. Wir haben uns mit dieser Fähigkeit in unser aktuelles Alter „gebeamt“ und können uns anderen KVP’s[1] unseres Lebens zuwenden.
Ich bin auch heute noch keine Heldin, was Konflikte angeht, und es gibt auch noch heute eine Situation in meinem Leben, an der ich zu wachsen gehalten bin. Doch – bestimmt wird es, mit Gottes Hilfe!
[1] KVP = Kontinuierlicher Veränderungsprozess; Begriff aus der Qualitätssicherung
Bei der Behandlung einer jungen Frau, es ging um Potenzialentfaltung, habe ich als heilende Worte ein Gleichnis bekommen: das Puzzle des Lebens. Wir können uns unser Leben wie ein großes Puzzle vorstellen: Jeder Tag ist ein Teil. Das sind bei einer Lebenserwartung von 80 Jahren ca. 30.000 Teile. Ganz schön groß! Wenn alle Teile zusammengesetzt sind, dann, und erst dann haben wir ein vollständiges Bild unseres Lebens, dessen was wir sind. Jeden Tag bekommen wir ein neues Puzzleteil, das wir zu den schon bestehenden Teilen hinzufügen können. Nur dieses eine, mehr nicht. Wir haben den ganzen Tag Zeit, uns mit diesem einen Teil zu beschäftigen, es anzusehen und seinen Platz, seinen Sinn zu finden, uns selbst zu vervollkommnen, das gesamte Potenzial dieses einen Puzzle-Teils auszuschöpfen… das Leben entfaltet sich eben einfach von Tag zu Tag.
Psalm 23 (dieser und die folgenden Verse aus Lutherbibel 1984): 5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Es macht keinen Sinn, sich an einem Tag um zusätzliche Teile zu kümmern, zu bemühen, die jetzt noch nicht dran sind, weil wir sie ja noch gar nicht anlegen können. Das heißt: sich um die Zukunft zu sorgen macht keinen Sinn, weil wir sie nicht kennen, weil wir nicht wissen, was auf den nächsten Puzzleteilen drauf ist. Genau da wird ja kommen, was wir brauchen, was als nächstes dran ist. Potenzial entfalten bedeutet eher: ganz intensiv das Potenzial eines jeden Puzzlestücks, eines jeden Tages zu entfalten.
Psalm 23: 1 … Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. 2 Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Verpassen können wir nur heute etwas, wenn wir uns um ungelegte Eier/Puzzlestücke den Kopf zerbrechen. Dann kümmern wir uns vielleicht um das heutige Teil nicht ausreichend sorgfältig und mit Liebe. So kommt vielleicht Unordnung und Lieblosigkeit in unser Leben, vielleicht versäumen wir es, aktuelle Puzzlestücke überhaupt anzulegen oder anzusehen und auszuwerten. Oder wir setzen das Puzzle falsch zusammen, so dass wir es mit Seiner Hilfe zu einem späteren Zeitpunkt wieder mit ihm neu ordnen, wieder neu zusammensetzen können (Heilung / Seelsorge / Psychotherapie), bis alles wieder an seinem Platz ist. Da kann es sein, dass es dann viel zu fühlen und nachzuempfinden geht, dass es anstrengend werden kann, wir Zeit zum Nachreifen brauchen.
Psalm 23: 3 Er erquicket meine Seele.
Vieles, was uns zustößt, verstehen wir nicht und hadern daraufhin mit dem Schicksal, mit unserem Gott. Aber auch das ist müßig, warten wir eine Weile und wir werden auf unserem Puzzlebild schon etwas erkennen, vielleicht erkennen wir schon Teilaspekte, sehen ein Blume, ein Schnecke, einen Weg, ein Brot, eine Sonne oder einen Regenbogen. Das ist der Moment des Reifens, wo bisher saure Trauben oder Äpfel süß werden. Man versteht, was da mit den einzelnen Teilen zusammengesetzt wurde. Für sich isoliert war es an dem einen Tag nicht zu erkennen. Je älter wir werden, umso eher kann man schon eine Vorstellung von dem Gesamtbild bekommen, von dem „Werden, der ich bin“ und willig und friedvoll Tag für Tag entgegen nehmen, weil wir den übergeordneten Sinn schon erkennen. Das Bild, das Gott mit und durch uns malt. Glauben wir also:
Psalm 23: 6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.
Es macht keinen Sinn, uns auf den Weg zu machen, sich zu fragen, was soll ich denn werden, denn wir sind ja schon da, schon auf dem Weg, wir werden ja schon, wir werden geführt, unser Puzzle ist ja schon im Zustand des Zusammengesetzt-Werdens. Wenn wir dann in uns den Impuls haben: ich will tanzen und zu meinem Weg gehört Tanzen, na, dann fange ich an zu tanzen, trainiere, übe, vervollkommene mich. Von dort aus geht es weiter. Wenn ich tief in mir merke, Musik ist mein Ding, dann fange ich an, Musik zu machen und dann finde ich als Musiker andere Menschen, die Musik machen oder bekomme einen Ruf an einen Ort, wo ich als Musiker gebraucht werde. Ist das steuerbar, unter Kontrolle zu bekommen? Nein, wie denn auch!
Psalm 23: 3… Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Genauso wenig Sinn macht es, sich Ziele zu setzen, denn das Ziel ist schon vorgegeben, das vollständige Bild des Puzzles, wir selbst als Schöpfung, als das Werk, an dem wir natürlich mitarbeiten, unseren Teil beitragen, unsere Teile zusammenfügen, vollständig werden, uns dem Schöpfungsprozess hingeben. Und je intensiver wir uns hingeben, gern hingeben, umso farbiger wird das Bild, umso weniger leiden wir. Danken wir jeden Tag morgens dafür, dass wir noch einen neuen Tag bekommen und danken wir abends dafür, dass wir ihn erleben durften.
Und nicht jedes Teil, nicht jeder Tag kann hell und bunt sein, auf einem vollständigen Bild können immer auch dunkle Teile auftauchen, da wo Licht ist, da gibt es auch Schatten. Wenn wir also dunkle Tage oder dunkle Perioden haben, so gehören sie nur dazu, das Bild zu vervollständigen, ihm mehr Tiefe zu geben, es eindrucksvoller zu machen. Wir können uns natürlich dafür entscheiden, massiv unter dem Dunklen zu leiden, doch vielleicht erinnern wir uns hieran:
Psalm 23: 4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Gott lässt sich mit dem Puzzle auch nicht überrumpeln. Wenn wir ihm an einem Tag mehr als ein Teil aus der Hand schlagen wollen z.B. mit Divinationstechniken[1] in die Zukunft schauen wollen, so wird er uns in der Regel eben Teile zeigen, die noch nirgends dazu passen, die wir noch gar nicht anlegen können, was uns meist mehr verwirrt als Klarheit schafft, uns vielleicht in sinnfreie und unangenehme Grübelei versetzt. Wir sehen vielleicht Farben und Formen, aber wozu sie gehören, das wissen wir noch nicht. Was Divinationsmethoden allerdings tun, das ist das: sie lenken uns von dem ab, was gerade unser heutiges Puzzlestück ist, wir können den Fortschritt und die Aufgabe des aktuellen Tages, das Naheliegende nicht angemessen würdigen. Wir fühlen die Gefühle und Impulse nicht, erhalten die Erkenntnis und das Wissen nicht, die unser aktuelles Geschehen sonst offenbar werden lassen, bestimmen würde. Schaden wir uns also nur selbst mit solchem Verhalten. Inzwischen gibt es schon viele Menschen, die divinationssüchtig sind und sich damit nicht nur seelisch, sondern auch finanziell ruinieren, unsicher werden und kein Schritt mehr sich zutrauen ohne Divination.
Wenn wir ein größeres Bild bekommen sollen, dann werden wir es erhalten, dann wird uns eine Vision, eine Verheißung, eine Botschaft geschickt. Woher kann ich also wissen, ob etwas dran ist, bzw. was gerade dran ist? Weil ich es auf dem Tisch habe, weil es offensichtlich vor mir liegt, weil ich alle notwendigen Ressourcen dafür habe, weil ich einen Ruf erhalte, weil ich spürbar gebraucht werde, weil ich einen inneren Impuls fühle, weil ich wirklich Lust darauf habe, weil mein Herz es mir sagt, ich es von Herzen weiß: Keine schwierigen, endlosen Entscheidungen mehr, nur noch Aufmerksamkeit. Viel Spaß und Erfolg mit Ihrem persönlichen Puzzle, Ihrer Schöpfung!
Psalm 23: 5… Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
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[1] Divinationstechniken: Astrologie, Kartenlegen, Orakel. Erinnern wir uns an den Mythos des Orakel von Delphi mit dem Spruch an den König Krösus: „Wenn du den Halys überschreitest, wirst ein großes Reich vernichten.“ Er dachte, damit er würde das feindliche Perserreich zerstören, gemeint und hinterher zerstört war jedoch sein eigenes großes Reich.
Liebe ist die größte Macht auf dieser Welt. Nichts kann ihr widerstehen, sie besiegt alles. Liebe ist das Öl in unserer Welt. Wenn nichts mehr weiter geht, dann hilft Liebe, es wieder in Gang zu bekommen. Sie kann alles kitten – wenn wir bereit sind zu lieben und uns der Liebe auf allen drei Ebenen hingeben.
Wenn ich meinen Partner liebe, dann ist jeder Tag etwas besonders, weil ich sein Gesicht auf dem Kopfkissen neben mir beim Aufwachen sehen darf, in seine Augen am Tisch blicken darf, seine Stimme hören zu können, mich auf ihn freuen können, wenn er weggeht, ihn strahlend zu begrüßen, wenn er wiederkommt, und mich über ihn freuen können, wenn er da ist. Wir müssen ganz häufig ganz unvermittelt lachen, wenn wir uns wieder sehen Und wenn ich dann den Tag ganz nah an ihn geschmiegt beenden darf, dann bin ich wunschlos glücklich, dann ist jeder Ort, wo wir schlafen, ein gesegneter Ort, auf dem Fußboden, in Wald und Feld, im Armenhaus, in einem Raum mit 100 anderen Menschen oder im weichsten Bett. Ein Blick in seine Augen als letzter Gruß des Tages lässt mich in tiefer Freude einschlafen. Der Platz zwischen seinen Armen ist mein Paradies und dort empfinde ich alle Gefühle in höherer Intensität, von Glück angefüllt. Ruhe ist intensiver Ruhe, wenn sie in seinen Armen stattfindet, Leidenschaft tiefer, alle Last fällt von mir ab. Meine Hände können nicht lange still bleiben und wollen ihn immer berühren und ihm wohl tun. Alles, was ich für ihn tue, möchte ich möglichst liebevoll und für ihn angenehm tun, es soll ihm das Herz und die Sinne erfreuen. Ich möchte ihm meine Erkenntnisse schenken und seine geschenkt bekommen, damit wir uns immer besser verstehen können und unsere Innigkeit vertiefen zu können.
Wenn ich mein Kind liebe, dann ist mir keine Stunde zu lang, die ich nachts an seinem Bett verbringe, kein Weg zu langsam gegangen, den ich an seiner Seite entlang tippele, weil es unterwegs in Ruhe die Welt entdecken will, keine Frage zuviel und jede Antwort, die ich ihm geben kann, meine Möglichkeit mit ihm zu lernen und die „rechten“ Wege in dieser Welt zu entdecken. Ich kann mich meinem Kind geben und finde dann irgendwann in seiner Gestalt und in seinem Wesen die Früchte meiner Hingabe. Alles, was ich meinem Kind gebe, gebe ich automatisch und gleichzeitig auch dem Kind in mir und egal, wie dieses Kind in mir aufgewachsen ist, kann es an der Liebe zu meinem Kind Heilung und Trost finden, weil es dann weiß, wie es sein kann und diese Liebe dann mitempfängt. Ein Kind zu haben gehört für mich zu den wichtigsten Erfahrungen im Leben, um bedingungslose Liebe in sich zu entdecken und leben zu können. Wer darauf freiwillig verzichtet, sei es aus religiösen, aus finanziellen oder sonstigen Gründen, nimmt eines der größten Geschenke Gottes nicht an.
Als mein Sohn 8 Monate alt wurde, begann er, des Nachts alle zwei Stunden aufzuwachen und bitterlich zu weinen. Das hielt an, bis er fast 1 ½ Jahre alt war. Für mich sorgte es dafür, dass ich Nacht für Nacht zu seinem Bett eilte. Ich war von Liebe erfüllt, aber nie genervt oder zu müde oder ungehalten. Das Kind wieder trösten und beruhigen und ihm Frieden und Nähe schenken, das war für mich das einzige Wichtige. Und so stillte ich ihn 1 ½ Jahre lang und ich legte ihm viele Stunden durch das Halten die Hände auf. Nach diesen zehn Monaten hatte ich das Gefühl, selbst sehr von dieser Zeit profitiert zu haben. So, wie ich mein Kind gehalten habe, so habe ich mich auch selbst gehalten und in dieser trauten Zweisamkeit mehr eigenen Frieden gefunden.
Wenn ich meine Eltern liebe, dann nehme ich sie einfach so, wie sie sind und bin dankbar: dass sie mir mein Leben geschenkt haben, für die Zeit, die sie mir gewidmet haben, für ihre Sorge und Zuwendung. Sie haben mich geprägt. Gerade die Generation vor uns, die noch den Krieg und die anschließenden Notzeiten miterlebt hat, hat es besonders schwer gehabt. In der Psychologie nennt man sie auch manchmal „die schweigende Generation“, besonders weil sie über die Probleme nicht redet, sondern sie bewusst in der Vergangenheit belässt. Trotzdem tragen sie noch heute eine große Last an traumatischen Erfahrungen von Lebensgefahr, Hungersnot, existenzieller Bedrohung, Gewalt, Angst. Können wir uns wirklich vorstellen, wie es sich im Schützengraben anfühlte, dass ständig ein jeder Tag der letzte sein könnte? Im Luftschutzkeller? Unsere Pubertät ist vorbei. Wenn wir unsere Eltern lieben, so tragen wir ihren Rucksack, ihre Lasten in Liebe auch mit. Wir heilen auch ihre Wunden mit, was sie uns durchgereicht haben, indem wir unsere wie auch ihre Ängste und Sorgen mit bewältigen. Wir müssen nicht tun, was sie wollen, doch wir können Verständnis gewinnen und ihnen mit Freundlichkeit und Sanftmut begegnen. Härte haben sie genug erlebt
Wenn ich meine Arbeit liebe, dann ist jede Stunde Freude, Staunen, neugierige Aufmerksamkeit, müheloses Lernen, immer weiter gehendes Verstehen. Ich finde mich in dem, was ich schaffe und habe die Chance, mit jeder Minute, die ich das tue, was ich tue, diese Welt immer mehr in Gottes Reich zu verwandeln. Wenn eine Sache mit Liebe geschaffen wurde, dann enthält sie immer göttliche Eigenschaften: Schönheit, Klarheit, Freude, Zufriedenheit, Wärme, Frische, Verbindlichkeit, Gegenseitigkeit, Heilung, Harmonie, Faszination, Nützlichkeit, Sinn, Sinnlichkeit, Rhythmus, Individualität, Unverwechselbarkeit…
Wenn ich mich selbst liebe, dann freue ich mich, mich und meine Werke der Welt hinzugeben. Ich weiß, dass ich für diese Welt eine Bereicherung bin und mache mich auf, diesen Reichtum zu teilen. Ich bin glücklich, dass mein Geliebter einen wunderbaren Menschen an seiner Seite hat und mein Kind auf liebevolle Weise aufgezogen wird.
Wenn ich diese Welt liebe, will ich ihr gerne angehören, Mensch sein, menschlich sein eben, unter Menschen sein, mich beteiligen und einbringen. Gott in der Welt finden, in allem Alltäglichen und in allem Besonderen. Ich finde die Welt so, wie sie ist, einfach genial und erlebenswert, voller Schönheit und voller wunderbarer Chancen zu verstehen. Die Liebe macht mich bereit, sie zu schützen und für ihr Wohlergehen und Schutz auch Diskomfort und Extrameilen hinzunehmen, sie mit Achtung und Sorgsamkeit zu bewohnen.
Wenn ich meinen Feind liebe, dann kann ich seine Andersheit mit Wertschätzung aufnehmen und dann verschwindet die Feindschaft und löst sich wie Schnee in der Sonne auf.
Wenn ich die Realität liebe, dann bin ich im Fluss und trage keinen Widerstand mehr in mir. Die Realität schenkt mir den Blick darauf, wie das Leben erfahrbar ist und was ich wirklich brauche. Sie zeigt mir immer, was ich durch mein Handeln bewirke, damit ich immer besser lerne, was recht und was nicht recht ist.
Wenn ich Gott liebe, dann liebe ich Seine Schöpfung. Ich gebe mich gern mit all meiner Schaffenskraft, meine Gefühlen und Gedanken, meiner Zeit und meiner Kraft hin, sein Reich für alle offensichtlich zu machen und ihnen den Eintritt und das Leben und das damit verbundene Glücksgefühl und die Sorglosigkeit darin zu ermöglichen und zu erleichtern. Einfach meinen Teil, das, was ich am besten kann, ihm zur Verfügung zu stellen, damit er es in seinem Sinne zum Besten aller verwenden kann. Als ich über das Heilen von Jesus lernte, war es z.B. wichtig zu bestimmten Zeiten auch zu leiden, damit ich die heilende Wirkung der mir offenbarten Methoden und Behandlungen am eigenen Leibe spüren konnte, damit ich sie vollständig beschreiben kann. Da bekam Leiden eine ganz andere Perspektive und ich nahm das Leid nun gern an, damit ich Ihm besser dienen kann und eine praxiserprobte und auf realen Erfahrungen basierende Lehre weitergeben kann.
Liebe ist Verzückung, Begeisterung, Anziehung, Freude, die den ganzen Körper erfasst, Wärme, die sanft durch den Körper rieselt bis hin zur Hitze, die alles verdrängt außer dem Bild des Geliebten, sei es nun geliebter Partner, Kind, Gott oder Werk.
Aus dem Hohelied Salomo 8,6 (Lutherbibel 1984):
Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des HERRN, 7 sodass auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen und Ströme sie nicht ertränken können. Wenn einer alles Gut in seinem Hause um die Liebe geben wollte, so könnte das alles nicht genügen.
Liebe ist das höchste Gebot, siehe Markus 12 in Die Erbsünde, wie ich sie verstanden habe.
Und wieder, wieder, wieder: 1. Korinther 13 (Lutherbibel 1984)
1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. 2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. 3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen1 und hätte die Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze. 4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, 5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, 6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; 7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. 8 Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. 9 Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. 10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. 11 Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. 12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. 13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.
Ich bin sicher, dass Gott uns in Jesus den absoluten Höhepunkt der Liebe geschenkt hat, er hat uns sein Allerliebstes geschenkt, sein Herz. Er ist die Liebe. Und ich bin ebenso sicher, dass Jesus das Thema Ehe, Sexualität und Ehebruch so ernst genommen hat, weil er Liebe für so göttlich hält, dass er auch nicht möchte, dass wir Liebe auf die leichte Schulter nehmen, sondern alle Chance haben, sie in ihrer ganzen Süße zu erfahren. Dass die allerhöchste Vereinigung in tiefer Liebe eingebettet passiert. Der Moment höchster Intensität im Körper, der Moment, in dem keiner denken kann, der Orgasmus, ist genau der Moment, wo wir Gott ganz nah sein können und ihn unheimlich intensiv spüren können – und der Moment, indem wir mit ihm gemeinsam Einheit spüren und Leben schaffen können, der Moment, in dem wir mit einem anderen Menschen, einem von Gott geschaffenen Wesen ebenso “ein Wesen/Einheit” sind und das auch empfinden, was wir wirklich sind, nämlich alle gemeinsam ein Wesen im Organismus Gott.
Diesen Moment hält er – so wie ich ihn verstehe – für so heilig, den er nicht durch „ob das jetzt Liebe ist oder nicht, es tut gut“ entweiht sehen will sondern als Gottesdienst und Gottesempfinden und höchste Weihe zwischen Mann und Frau. Gott hat im Paradies das Paar, Mann und Frau geschaffen, daher halte ich das für den natürlichen Seinszustand. Doch eines sagte Jesus mir auch: wenn er zwischen zwei Menschen Liebe entzündet, dann ist diese Liebe Gott selbst. Und er tut nichts ohne Sinn. Er scherzt nicht mit der Liebe und er hat auch nicht vor, dieses Paar zu quälen, weil es nicht zueinander kommen darf. Liebe ist zum Lieben und zum Erleben der Liebe, zum Erleben von Gott da.
Ein Gebet zum Lieben:
Ich bin wie ich bin, denn Du, mein Gott,
Du hast mich so geschaffen, wie ich bin,
seit Urzeiten hast Du mich genau so geplant und gewollt.
Jetzt bin ich da, ich bin von Herzen erwünscht auf dieser Erde.
Ich bin glücklich, dass Du mir mein Leben geschenkt hast,
ich danke für mich und mein So Sein,
und liebe mich, wie ich bin.
Ich spüre, wie sehr Du mich liebst.
Du bist wie Du bist, denn der Herr, unser Gott,
Er hat Dich geschaffen, wie Du bist.
Seit Urzeiten hat er Dich genau so geplant und gewollt.
Jetzt bist Du hier, Du bist von Herzen erwünscht auf dieser Erde.
Ich bin glücklich, dass Gott Dir Dein Leben geschenkt hat.
Ich danke Gott für Dich und Dein So Sein.
Und liebe Dich, wie Du bist.
In einem Jakobswegforum schrieb ich einmal: „Viele Jakobspilger vertreten die Meinung, man sollte – der Wirkung wegen – allein laufen. Ich will hier mal eine Lanze für das Laufen zu Zweit brechen, doch jeder wähle die Erfahrung, die er gerade braucht. Die reine Selbstfindung allein mit sich oder das sich finden – auch im Anderen und gerade mit dem Anderen. Wir sind zwei Monate zu zweit gelaufen, 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag. Auch dies war eine Erfahrung für das Leben und es ist wirklich eine generische, grundlegende Schule der Zwischenmenschlichkeit.
Was war das Schöne daran?
- Geteilte Freude ist doppelte Freude! Wie schön war es, die tollen Ausblicke gemeinsam zu genießen, sich gegenseitig das Schöne zu zeigen, sich bei besonderen Anlässen (z.B. beim Pilgergottesdienst in Santiago) gegenseitig die Hand zu drücken und starke Leistungen mit High 5 zu quittieren. Sich überall gegenseitig fotografieren zu können J Es macht auf die Dauer einfach mehr Spaß und man lernt auch zusammen andere Pilger kennen.
- Gemeinsam die Pfeile zu suchen geht schneller. Jeder geht in eine andere Richtung los, und wer den Pfeil findet, der pfeift. Vier Augen sehen mehr als zwei. Mir sagte einmal der hiesige Pfarrer den wahren Satz: Allein ist man schneller, gemeinsam kommt man weiter.
- Beim draußen Übernachten fühlt man sich zu Zweit einfach sicherer und man hat es in kühlen Nächten wesentlich wärmer.
- Man lernt, aufeinander einzugehen und füreinander da zu sein, auch eine wichtige Fähigkeit in der heutigen Zeit. Für den Schnelleren: auch mal abzuwarten oder früher als dem eigenen Bedarf entspricht, den Pilgertag zu beenden. Für den Langsameren: auch einfach mal sich selbst herauszufordern und einfach weiterzugehen, als man denkt man kann. Kann man nämlich und man wächst über sich hinaus! So hab ich nach einer Tagesetappe von knapp 30 km von Cacabelos bis Vega de Valcarce zum Nachtisch sozusagen noch den Cebreiro bestiegen, 11,5 km Wegstrecke mit ca. 700 Höhenmetern, weil Santiago, der aus den Anden kommt, einfach nicht unten am Berg oder sonst irgendwo vor dem Gipfel anhalten konnte.
- Freundschaft/Gefährtenschaft/Liebe vertiefen, Teilen, Treue, sich einigen, Konflikte beilegen, Synergie finden, etwas wirklich ausdiskutieren, sinnvolle Kompromisse schließen, die Aufteilung der Last, intensive Gespräche, für die man sonst nie in dem Maße Zeit hat, gegenseitige Ermunterung und Ermutigung, Hilfestellung, gemeinsame Geschichte schaffen. Wir waren eben oft wie Frodo und Sam und – es war gut so. Was den Camino positiv überlebt, hat Langzeitbestand. Das wahre Wesen eines Menschen kann auf dem Camino nicht verborgen bleiben. Man kann nicht ausweichen. Was man hier im Umgang miteinander lernt, gibt einem das Zutrauen und die Gewissheit, ganz viel gemeinsam schaffen zu können.
- Wir konnten den Rosario unterwegs zusammen beten, abwechselnd, so wie das in den Kirchen gemacht wird. Zu zweit kann man sich besser dazu anhalten und es hat mehr Intensität. Der gemeinsame Gottesdienstbesuch verbindet ebenfalls und man kann das Gehörte gemeinsam diskutieren.
- Das Paradies kann man – so heißt es – nur zu Zweit betreten. Auch Gott kann sich einem zu Zweit offenbaren, gerade zu Zweit, auch oft gegenseitig ineinander. Ich erinnere an das Tal hinter Conimbriga, das wir nur zu Zweit betreten konnten.
- Zu zweit kocht es sich besser, man kann sinnvoller einkaufen und wirtschaften.
- Man verfolgt ein gemeinsames Ziel und die Gemeinsamkeit macht stark! Abwechselnd ja nach Tagesform zieht der eine den anderen mit.
- Und das Ultimative: Die gemeinsame Erinnerung: “Weißt Du noch, die deutsche Herberge mit dem tollen Innenhof mit dem Wandbild? Wo war das doch gleich? Da, wo wir die Hospitaleros aus Los Arcos wieder getroffen haben” “In Hospital d’Orbigo, und weißt Du noch, da vorn auf dem Brunnen gab’s doch die leckeren Reneclauden. Das war wirklich ne schöne Herberge, aber der Weg aus León raus war schon heftig, oder!”
Was waren die größten Herausforderungen dabei?
- Den anderen so zu lassen, wie er ist. Sich selbst aber auch! Den anderen auch mal ziehen zu lassen oder zurückzulassen in der Gewissheit der Gemeinschaft.
- Zu einem gemeinsamen Ergebnis/Erlebnis beizutragen.
- Sich der Gemeinschaft hinzugeben. Sich selbst zu geben.
- Über den eigenen Schatten springen lernen.
- Anpassung an Gemeinsamkeit bei Selbstbewahrung/Treue zu sich selbst (man kann sich nicht einen ganzen Camino aufopfern oder zurückstellen!)
- Sich vollständig zu stellen, einzulassen und wahr zu machen und nicht davon zu laufen, wenn es mal schwierig ist.
Was hat uns am meisten dabei geholfen?
Zwei Dinge: Die Liebe und La Paz:
Im katholischen Gottesdienst unterwegs haben wir das Ritual des Paz Christi lieben gelernt. Man reicht sich die Hand oder umarmt sich zum Frieden in Jesus Christus. Wenn es schwierig wird, sich – wie im Gottesdienst – mit den Worten „La Paz“, “Paz Cristi” oder auf deutsch “Der Friede Christi sei mit dir” die Hand reichen und Bereitschaft zum Frieden und zur Kooperation ausdrücken. Und dann kommt Er auch und hilft, das Aktuelle auszusortieren und zu klären und zu einem friedvollen und gottvollen Ergebnis zu führen. Einfach mal ausprobieren (hilft im Alltag natürlich auch jederzeit!)“
Die Geste, das Ritual des „La Paz“ entstammt der Bergpredigt, Matthäus 5 (Lutherbibel 1984)
23 Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, 24 so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe. 25 Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist.
Wenn ich im Gottesdienst mehrfach: „Der Friede sei mit dir!“ gesagt bekommen habe, dann fühle ich mich ganz leicht. Der Friede ist in diesem Moment tatsächlich mit mir, eine wundervolle Erfahrung. Je länger ich darin verweilen kann, umso besser für mich und die ganze Welt. Der Friede des Herrn sei allezeit mit Dir, der Du dies gerade liest!
Ich glaube, was ich schrieb, gilt auch für den Alltag, für jede Ehe und Familiensituation. Die meisten Ärgersituationen in Beziehungen zu geliebten Menschen, Partner und Familie, sind – vor allem im längerfristigen Rückblick betrachtet – recht nichtig, sie schreien nicht nach Recht haben oder einem Richter oder nach Konfrontation, sondern nach Klärung, Vereinbarung, einem Dank oder einer Bitte und Nachsicht und Einsicht, nach dem Verstehen des anderen, nach dem sich selbst Verstehen – oder einfach Zeit, dass man fühlen kann: Muss uns der Grund des Ärgers trennen? Wie wichtig ist mir der Andere? Was kann ich statt mich Ärgern tun?
Lassen wir den Ärger abziehen, atmen wir ihn aus, geben wir uns zuerst die Hand zum Friedensgruß, zum Frieden Christi und dann – was jeweils nötig ist. Spätestens vor dem Schlafengehen desselben Tages ist es an der Zeit, oder?
Philipper 4 (Lutherbibel 1984)
4 Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! 5 Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! 6 Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! 7 Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Das Wort Vernunft in der Bibel wird zum einen mit dem griechischen Wort σοφια = Sofia ausgedrückt, das heißt eigentlich Geschicklichkeit, Gewandheit oder Kunstfertigkeit, im übertragenen Sinne dann Verstehen, Kenntnis, Einsicht, (Lebens-)Klugheit, Weisheit. Zum anderen ist es das Wort γνωσις = Gnosis, das heißt Erkenntnis, Einsicht, Denken und Wollen, ebenfalls das Wort νοος = Noos mit der Bedeutung Sinn, das Vermögen geistiger Wahrnehmung, daher auch Einsicht, Verstand, Vernunft, Aufmerksamkeit; das Vermögen des Wollens, d.h. Absicht, Gedanke, Zweck; das Empfindungsvermögen, d.h. Gesinnung Sinnesart, Gemüt, Seele, Herz, in Verbindung mit dem Wort „wach“, „Wächter“ (hier im o.g. Philipperbrief). Ist es das, was wir heute gemeinhin unter Vernunft verstehen?
Es ist gar nicht so schwer, in einem Leben sich zurecht zu finden, wir hatten das hier schon. Es gibt so viele Zeichen, die uns damit weiterhelfen, für uns zu finden, was gut und was nicht gut für uns ist. Es stehen im Vordergrund zunächst unsere Gefühle. Das ist ganz einfach. Das was uns anzieht, ist das, was er für uns darbietet, und das, was uns kalt lässt oder abstößt, ist für andere da. Dann unsere Wahrnehmung dessen, was ist, was er vor unsere Füße, unsere Augen stellt: Das, was da ist, ist für uns, das was nicht da ist, ist nicht für uns. Und unsere Einsicht: Was stellt sich als gesund und lebbar heraus? Und es leben! Was macht uns krank? Und es lassen!
Das mag zunächst ganz ungewohnt klingen, denn wir haben ja meist eine ganz andere Erfahrung gemacht während unserer gesamten Kindheit: Vernunft ist, was die Erwachsenen wollen. Vernünftig ist, wozu wir keine Lust haben, und wo wir nicht so sein können, wie wir sind. Wir waren gehalten zu lernen, damit später aus uns was wird. Und selbst, wenn wir keine Lust zum Lernen haben, dann sollten wir uns dazu zwingen. Und einfach weiterlernen. Disziplin, Wille, Ehrgeiz, Leistungsstreben. Das ganze System ist danach ausgelegt. Morgens aufstehen und zur Arbeit oder zur Schule gehen. Den ganzen Tag irgendeine Arbeit erledigen, vom Brötchen backen bis zur Vorstandssitzung. Unsere Lebenszeit verkaufen. Abends nach Hause kommen und uns ausruhen, denn morgen geht das ja wieder los. Das alles scheint seinen Sinn zu haben. Hat es auch.
Doch was für einen Sinn hat es wirklich? Ist die Art, wie wir leben, was gemeinhin vernünftig genannt wird, was uns normal und richtig erscheint, wirklich sinnvoll und vernünftig? Die Frage, die wir uns als erstes stellen können: Macht das, was alle denken, Sinn, ist es geprägt von Einsicht, Weisheit, Lebensklugheit, Herz, Seele, Aufmerksamkeit, Wachheit?
So, wie es heutzutage ist: Macht es Sinn, einen Beruf zu haben, bei dem man sich 8 Stunden an eine andere Stelle begibt, sich von den Seinen trennt, dann noch einige Zeit in irgendeinem Verkehrsmittel verbringt, um dann völlig erledigt zuhause wieder zu erscheinen, wo einen alle erwartungsvoll ansehen und Zuwendung und Aufmerksamkeit wollen, obwohl diese längst an alle anderen Begegnungen im Laufe des Tages verteilt wurde. Was bekommen denn die von uns, die uns am meisten lieben, die wir am meisten lieben? Einen von der Arbeit verbrauchten Menschen. Einen, der eher ihre Aufmerksamkeit und ihre Zuwendung nötiger als alles hat, weil er sich leergearbeitet hat.
Nochmals: Ist dies richtig? Ist dies sinnvoll? Ist dies weise? Fördert dies die Liebe und Freude im Leben? Was ist unsere Einsicht? Sind wir sicher, dass Gott dies für uns gewollt hat? Sind wir sicher, dass wir das für uns gewollt haben? Können wir uns ein schöneres Leben vorstellen? Können wir uns ein Leben vorstellen, in dem wir das, was wir am meisten lieben, in den Vordergrund stellen? Das wir uns mit dem beschäftigen, was wir am meisten lieben, dass wir die Menschen um uns haben, die wir am meisten lieben? Das wir beispielsweise so frei sind, die Tage nutzen zu können, an denen die Sonne scheint, um hinauszugehen, in die Sonne zu gehen, und anderen Tage zu nutzen, um uns um die Dinge im Innern zu kümmern: sauber zu machen, Briefe zu schreiben, Dinge zu erledigen, die erledigt werden wollen.
Du fragst: Ja und was werden wir denn essen und wo werden wir wohnen, wenn wir dies bisherige Leben nicht mehr weiterverfolgen, wenn wir einfach das tun, was wir in diesem Moment gerade tun mögen? Wie werden wir mit anderen zusammen kommen, um gemeinsam die Dinge zu erledigen, die wir nicht mehr allein erledigen können? Wie soll denn das gehen? Wir könnten uns auf nichts mehr verlassen! Das Leben ist doch so entstanden, weil wir es so brauchen, weil es so sein muss! Ist das wahr? Können wir wirklich wissen, dass dies wahr ist? Unser Manual dieser Welt, die Bibel, sagt etwas anderes…Wie viele Jahre gibt es diese Welt in dieser Form? Ist alles zum Besseren gelangt, weil wir in dieser Art und Weise denken und handeln?
Und wie sieht es aus mit der Liebe? Nehmen wir uns wirklich die Zeit für die Liebe, die sie verdient? Schauen wir uns doch an, was wir wirklich brauchen. Wenn die Liebe das Wichtigste ist auf dieser Welt, das, was alles andere zusammen hält, das zu leben, was der Sinn dieses Planeten ist: Was tun wir dafür? Setzen wir uns wirklich täglich mit ganzem Herzen dafür ein? Ist unser Geliebter, unsere Geliebte an erster Stelle in unserem Leben?
Was tun wir täglich für die Liebe, für unseren Geliebten, den wir ein ganzes Leben zu lieben schwören? Haben wir Zeit füreinander? Beginnen wir den Morgen, indem wir die Liebe zueinander feiern? Oder sind wir schon in Eile? Verbringen wir unsere schönsten und kraftvollsten Stunden miteinander oder unsere schwächsten und kraftlosesten? Und wenn es letzteres ist, wie wirkt sich das auf unsere Liebe aus?
Stehen unsere geliebten Kinder für uns im Vordergrund? Oder treten sie zurück an eine Stelle, in der sie zwar mit uns leben, aber nur einen Bruchteil unserer Aufmerksamkeit bekommen, sie von hauptsächlich von anderen Menschen erzogen werden? Liegt unsere Liebe hauptsächlich in ihrer materiellen Versorgung? Geben wir ihnen unser Bestes oder das, was übrig bleibt, wenn alles andere geschehen ist? Wie wird heutzutage Familienarbeit geschätzt?
In der so genannten Positivliste für 1-Euro-Jobs werden Tätigkeiten aufgeführt, deren Ausführung „unbedenklich“ sind für den 1. Arbeitsmarkt, d.h. den Arbeitsmarkt, bei dem Leistung gegen Entlohnung ins Verhältnis der „Wertschätzung“ gesetzt wird. Die in der Positivliste aufgeführten Tätigkeiten sind alles Dinge, die einer persönlichen Wertschätzung unterliegen, d.h. die von einem anderen als ausgesprochene Wohltat empfunden werden, die ausdrücklich Liebe von einem Menschen zum anderen Menschen transferieren können.
Schwache fühlen sich unterstützt. Diese Arbeit dient dazu, dass Menschen sich in schwierigen Situationen weniger alleingelassen und auf sich gestellt fühlen. Sie dienen dazu, die uns anvertrauten Menschen besser zu fördern und zu begleiten. Und diese Tätigkeiten werden pro Stunde mit 1 Euro wertgeschätzt, während jede andere Tätigkeit eine höhere Wertschätzung erhält. Und wie wird sich das für den Empfänger anfühlen, wenn diese Tätigkeiten aus reinem Pflichtgefühl, sogar vielleicht mit Abscheu getan werden? Die Erkenntnis der Wertschätzung wird sich meist erst dann ergeben, wenn wir selbst dieser Hilfe bedürfen, wenn wir selbst merken, wie wichtig uns ein Mensch an unserer Seite ist, wenn wir selbst klein, ängstlich, verlassen, krank,. verpflichtet, zeitlos, gestresst fühlen. Es ist wie Balsam auf der Seele, wenn dann ein Mensch da ist, der mit Ruhe und Zeit uns begleitet, uns die Hand hält und solange ausharrt, bis dieser schwache Moment wieder vorbei ist.
So ging es mir: Vor einigen Jahren spürte ich beim Duschen einen Knoten in meiner rechten Brust. Ich bekam riesige Angst, mein ganzer Körper begann sofort zu zittern, das Wort Krebs flammte blitzartig in meinem Geist auf. Ich fühlte mich in Lebensgefahr, mein ganzes Leben, meine ganzen Pläne schienen in sich zusammenzufallen. In diesem Moment war mir alles egal, keine Bedenken, mich lächerlich zu machen: ich packte meine Sohn ein und fuhr sofort ins Krankenhaus, es war Sonntagvormittag. Im Notdienst untersuchte mich eine junge Ärztin oberflächlich. Sie empfahl mir die umgehende Abklärung durch Ultraschall und Röntgen und Gewebsentnahme, was sonntags jedoch leider nicht möglich war. Ich konnte nicht mehr schlafen, ich konnte nicht mehr essen, ich war nicht mehr ich selbst, ich lief herum wie Falschgeld. Mit aller Kraft und allen verfügbaren Mentaltechniken versuchte ich, meine Panik zu bändigen, doch nur mit mäßigem Erfolg.
Am Montag rief ich sofort im Krankenhaus an und bekam für Dienstag einen Termin für die Untersuchung. Am Dienstag fuhr Santiago mich ins Krankenhaus – was für ein Segen, nicht selbst fahren zu müssen. Freundlich plaudernd lenkte er mich die zwei Stunden ab, die ich trotz Termin noch warten musste, hielt mir die Hand, drückte mir die Daumen und lächelte mir zu, kurz bevor sich die Tür zum Untersuchungsraum hinter mir schloss. Was wären diese zwei Stunden ohne Begleitung für eine Qual gewesen! Zum Glück konnte ich mit einem völlig beruhigenden Ergebnis nach der Untersuchung wieder nach Hause gehen. Er teilte begeistert meine Erleichterung, wir lachten und feierten.
Wie ich diese Erfahrung wertschätze? Sie ist eigentlich unbezahlbar, sie ist die beste Unterstützung und das große Glück in einem solchen Moment der Tiefe. Wie wäre dies allein gewesen? Einfach mal diese Situation nachfühlen! Sie werden wissen, was ich meine! Ein solches Erlebnis ist ein Meilenstein der Emotion, der Vertiefung der Verbundenheit zu einem anderen Menschen. Welch eine Verschwendung, solche Verbundenheit nicht wahrzunehmen, anzunehmen durch: Ach, das schaffe ich schon! Ach, das schaffst du doch auch allein! Welche eine Verschwendung, sie nicht immer wieder zu verschenken!
Was sind die Worte, die unsere Kinder von uns am meisten hören: Sei doch vernünftig! Bitte sei leise! Nun stell Dich nicht so an! Nun mach doch mal endlich! Beeil Dich! Oder hier ein Auszug aus der Web-Seite, die ich einmal gefunden habe: http://www.kraetzae.de/erziehung/sprueche/, aufgeschrieben von Mike Weimann:
Kannst du mir mal sagen, was das soll Sei ordentlich Geh da weg Das ist nichts für Kinder Du kriegst keine Extrawurst Wer nicht will der hat schon Hör mit dem Geplärr auf Entschuldige dich Warum isst du schon wieder nichts Dazu bist du noch zu klein Woher hast du das Da führt nun mal kein Weg dran vorbei Das glaubst du doch selber nicht Das ist doch kein Umgang für dich Hör auf dich wie ein Kind zu benehmen Sieh mich an, wenn ich mit dir rede Das tut doch gar nicht weh Du wirst mir noch mal dankbar sein Wer nicht hören will muss fühlen Brav Du musst noch ruhiger werden Sitz gerade So spricht man nicht mit seinen Eltern Du brauchst nicht traurig zu sein Benimm dich Räum auf Lass das Stell dich nicht so an Heulsuse Ich hab dir schon hundertmal gesagt Sag Dankeschön Weshalb kommst du so spät nach Hause Kommt überhaupt nicht in Frage Wo warst du schon wieder Du solltest dich schämen Wenn du nur einen Funken Verstand hättest Mach bitte nicht so ein Gesicht Hoffentlich hast du mal ein Kind wie dich Du brauchst keine Angst zu haben Hast du keine Ohren Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt Denk doch mal an später…. Das geht da noch mindestens eine Seite so weiter, dortselbst nachzulesen.
Tut weh, oder? Klingt für mich eher nach: „Sei so, wie ich es erwarte! Sei so, dass du mich nicht nervst! Sei so, dass ich dich aushalten kann. Sei so, dass mein Leben trotz dir funktioniert.“ Das ist der Weg in die „Vernunft“? Ist dort Liebe drin? Was man gemeinhin als Vernunft in der jetzigen Welt zu betrachtet, fühlt sich an nach „sich von seinen Sinnen abzutrennen und sich anzupassen“. Das ist nicht gesund.
Unser heutiger Weg hat für mich nichts, aber gar nichts mit Vernunft im Sinne von Einsicht, Sinnhaftigkeit und Weisheit zu tun. Es ist maximal die Vernunft der Angstvermeidung. Wir sind paralysiert vor Angst über alle möglichen Dinge, so dass wir uns fast nur noch um Absicherung bemühen. Wir sind bar jeden Vertrauens, wenn wir nach heutigen Maßstäben „vernünftig“ leben.
In meiner Praxis tauchen Menschen auf, die an der Anpassung an diese scheinbare Vernunft schier kaputt gehen. Sie fühlen sich permanent im falschen Film, wenn sie ganz richtig etwas als völlig falsch fühlen, was heute der Norm entspricht, was heute ein Mensch bewältigen sollte. Ich treffe Frauen, die der Härte des heutigen Berufslebens nicht gewachsen sind und an dieser Härte zerbrechen. Sie fühlen die Ansprüche an die verschiedenen „Hüte des Lebens“: berufliche Karriere und Erfolg, Selbstverwirklichung, Sinnfindung, Aussehen, Image und Status, Familie, Kinder. Sie haben das Gefühl, das alles auch auf die Reihe bekommen zu müssen, scheitern in ihrer Sensibilität an diesem Joch, fühlen sich als Versager und völlig daneben.
Die Forderung nach Anpassung ist so groß, dass dabei immer wieder die Persönlichkeit der Menschen zerbricht. Suizidalität allenthalben! Sie fühlen richtig, konform mit ihrer Seele und Gottes Willen für uns und kriegen gesagt, dass sie nicht in Ordnung sind. Bekommen zusätzlich die Aufgabe, sich endlich „mal in Ordnung zu bringen“, damit sie wieder „funktionieren“, damit die Anhänger der scheinbaren Vernunft nicht umdenken müssen. Wenn so viele, viele scheitern, es so viele Menschen krank macht, wie kann es richtig sein? Unsere jetzige Welt ist schreiende Unvernunft. Doch die Schreie verhallen – in der Regel ungehört – im Innern des Individuums, im Nebel der Psychopharmaka[1] und anderer Drogen und wenn es ganz schlimm kommt – in der Psychiatrie. Gott, bitte hilf den „Hungernden nach OK sein“, bitte setze dieser schreienden Unvernunft ein Ende! Danke!
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[1] Weltweit wurden in 2007 ca. 20 Mrd. Dollar für Antidepressiva ausgegeben. (Quelle IMS Health Marktforschung). Ungefähr ebenso viel wird mit Antipsychotika umgesetzt. Unter den Top 10 der umsatzstärksten Arzneimittel befinden sich drei Psychopharmaka.
Oft gibt es das Problem, dass man eine verletzende Situation so fest umklammert hält, so dass man sich immer weiter verletzt. Oder man handelt vorsätzlich „eigentlich schon“ so, dass man die Situation loslässt, jedoch verweilt man ganz angespannt dabei, wie um direkt hinter der Tür zu lauschen und zu schmulen, ob sich nicht doch das Erwünschte einstellt, was man durch das Loslassen erreichen will. Doch diese Anspannung hält uns nervös, unruhig, macht uns wankelmütig oder ängstlich, ob sich nun alles zum Guten wendet. Loslassen heißt loslassen und im gleichen Moment sich der aktuellen Realität vollständig zuzuwenden, keinen Gedanken mehr an das Losgelassene mehr verschwenden, ist aber für viele sehr oft schwer.
Indem wir nun die Situation vertrauensvoll dem Heiligen Herz übergeben, kann sich die ganze Situation dort in Liebe klären, die Anspannung fällt ab und wir gewinnen wieder Klarheit. Es ist leichter, konsequent zu sein und sich am Wirklichen orientiert den weiteren Weg voranzugehen.
Und so funktioniert die Übung: Zunächst identifizieren wir die Situation, die es loszulassen gilt. Das kann ein Mensch sein, eine Verhaltensweise, aber auch eine Angst oder Sorge, materiell oder persönlich, z.B. auch um eine Krankheit. Zunächst identifizieren wir das, was wir aus unserem Herzen herausnehmen wollen, nehmen es deutlich für uns wahr[1]. In der Vorstellung nimmt man mit beiden Händen die Person, die Krankheit oder die Situation symbolisch aus dem eigenen Herzen und legt sie in das flammende, heilige Herz Jesu Christi und bitten Ihn, sich dessen in Liebe anzunehmen. Dasselbe wiederholt sich anschließend dann für den Solarplexus. Auch hier führen wir beide Hände zum Solarplexus und entnehmen Person, Krankheit oder Situation und vertrauen sie ebenfalls dem heiligen Herzen an. Legen wir anschließend noch ein wenig die Hände auf unser Herz und unsern Solarplexus, damit sie mit Wärme gefüllt werden.
Bei einer Behandlung beschrieb eine meiner Klientinnen mal den Stolz, den sie Jesus übergeben wollte: wie Edelstahl oder eine glänzende Metalliclackierung, von der Konsistenz her glatt, wie ein himmelhoher Schornstein über einer schmutzigen Werkhalle, in der hart gearbeitet wurde, Geräusche von Metallbearbeitung. Doch als wir zum Geruch kamen, war ihre Wahrnehmung ein Schwefelgeruch. Da wussten wir sofort, zu wem der Stolz gehört und dass wir ihn besser jetzt als gleich loswerden wollten…
Übergeben wir ihm die Lösung, hören wir aber sogleich auch auf, uns weiter einen Kopf darum zu machen, weiter zu grübeln, weiter zu leiden, weiter unsere Wunden immer neu aufzukratzen und zu prüfen, ob noch Blut kommt. Wir haben es in diesem Moment abgegeben und: Gut ist es! Irgendwann kommt wieder etwas zu uns zurück, ob nun als Erkenntnis oder als Reaktion eines anderen. Hiob 5 (Neues Leben):
8 An deiner Stelle würde ich mich an Gott wenden und meine Sache in seine Hände legen. 9 Denn er tut große Dinge, die niemand begreifen kann. Er vollbringt unzählige Wunder.
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[1] NLP-Fähige können eine vollständige VAKOG-Beschreibung bilden.




























