You are currently browsing the category archive for the ‘Der Segen der Liebe’ category.

El Sagrado Corazón de Jesús - Heiliges Herz Jesu

Liebe ist die größte Macht auf dieser Welt. Nichts kann ihr widerstehen, sie besiegt alles. Liebe ist das Öl in unserer Welt. Wenn nichts mehr weiter geht, dann hilft Liebe, es wieder in Gang zu bekommen. Sie kann alles kitten – wenn wir bereit sind zu lieben und uns der Liebe auf allen drei Ebenen hingeben.

Wenn ich meinen Partner liebe, dann ist jeder Tag etwas besonders, weil ich sein Gesicht auf dem Kopfkissen neben mir beim Aufwachen sehen darf, in seine Augen am Tisch blicken darf, seine Stimme hören zu können, mich auf ihn freuen können, wenn er weggeht, ihn strahlend zu begrüßen, wenn er wiederkommt, und mich über ihn freuen können, wenn er da ist. Wir müssen ganz häufig ganz unvermittelt lachen, wenn wir uns wieder sehen Und wenn ich dann den Tag ganz nah an ihn geschmiegt beenden darf, dann bin ich wunschlos glücklich, dann ist jeder Ort, wo wir schlafen, ein gesegneter Ort, auf dem Fußboden, in Wald und Feld, im Armenhaus, in einem Raum mit 100 anderen Menschen oder im weichsten Bett. Ein Blick in seine Augen als letzter Gruß des Tages lässt mich in tiefer Freude einschlafen. Der Platz zwischen seinen Armen ist mein Paradies und dort empfinde ich alle Gefühle in höherer Intensität, von Glück angefüllt. Ruhe ist intensiver Ruhe, wenn sie in seinen Armen stattfindet, Leidenschaft tiefer, alle Last fällt von mir ab. Meine Hände können nicht lange still bleiben und wollen ihn immer berühren und ihm wohl tun. Alles, was ich für ihn tue, möchte ich möglichst liebevoll und für ihn angenehm tun, es soll ihm das Herz und die Sinne erfreuen. Ich möchte ihm meine Erkenntnisse schenken und seine geschenkt bekommen, damit wir uns immer besser verstehen können und unsere Innigkeit vertiefen zu können.

Sagrado Corazón de Jesús - Iglesia La Merced, Barcelona

Wenn ich mein Kind liebe, dann ist mir keine Stunde zu lang, die ich nachts an seinem Bett verbringe, kein Weg zu langsam gegangen, den ich an seiner Seite entlang tippele, weil es unterwegs in Ruhe die Welt entdecken will, keine Frage zuviel und jede Antwort, die ich ihm geben kann, meine Möglichkeit mit ihm zu lernen und die „rechten“ Wege in dieser Welt zu entdecken. Ich kann mich meinem Kind geben und finde dann irgend­wann in seiner Gestalt und in seinem Wesen die Frücht­e meiner Hingabe. Alles, was ich meinem Kind gebe, gebe ich automatisch und gleichzeitig auch dem Kind in mir und egal, wie dieses Kind in mir aufge­wachsen ist, kann es an der Liebe zu meinem Kind Heilung und Trost finden, weil es dann weiß, wie es sein kann und diese Liebe dann mitempfängt. Ein Kind zu haben gehört für mich zu den wichtigsten Erfahrungen im Leben, um bedingungslose Liebe in sich zu entdecken und leben zu können. Wer darauf freiwillig verzichtet, sei es aus religiösen, aus finanziellen oder sonstigen Gründen, nimmt eines der größten Geschenke Gottes nicht an.

Als mein Sohn 8 Monate alt wurde, begann er, des Nachts alle zwei Stunden aufzuwachen und bitterlich zu weinen. Das hielt an, bis er fast 1 ½  Jahre alt war. Für mich sorgte es dafür, dass ich Nacht für Nacht zu seinem Bett eilte. Ich war von Liebe erfüllt, aber nie genervt oder zu müde oder ungehalten. Das Kind wieder trösten und beruhigen und ihm Frieden und Nähe schenken, das war für mich das einzige Wichtige. Und so stillte ich ihn 1 ½ Jahre lang und ich legte ihm viele Stunden durch das Halten die Hände auf. Nach diesen zehn Monaten hatte ich das Gefühl, selbst sehr von dieser Zeit profitiert zu haben. So, wie ich mein Kind gehalten habe, so habe ich mich auch selbst gehalten und in dieser trauten Zweisamkeit mehr eigenen Frieden gefunden.

Wenn ich meine Eltern liebe, dann nehme ich sie einfach so, wie sie sind und bin dank­bar: dass sie mir mein Leben geschenkt haben, für die Zeit, die sie mir gewidmet haben, für ihre Sorge und Zuwendung. Sie haben mich geprägt. Gerade die Generation vor uns, die noch den Krieg und die anschließenden Notzeiten miterlebt hat, hat es besonders schwer gehabt. In der Psychologie nennt man sie auch manchmal „die schweigende Generation“, besonders weil sie über die Probleme nicht redet, sondern sie bewusst in der Vergangenheit belässt. Trotzdem tragen sie noch heute eine große Last an trauma­tischen Erfahrungen von Lebensgefahr, Hungersnot, existenzieller Bedrohung, Gewalt, Angst. Können wir uns wirklich vorstellen, wie es sich im Schützengraben anfühlte, dass ständig ein jeder Tag der letzte sein könnte? Im Luftschutzkeller? Unsere Pubertät ist vorbei. Wenn wir unsere Eltern lieben, so tragen wir ihren Rucksack, ihre Lasten in Liebe auch mit. Wir heilen auch ihre Wunden mit, was sie uns durchgereicht haben, indem wir unsere wie auch ihre Ängste und Sorgen mit bewältigen. Wir müssen nicht tun, was sie wollen, doch wir können Verständnis gewinnen und ihnen mit Freundlichkeit und Sanft­mut begegnen. Härte haben sie genug erlebt

Wenn ich meine Arbeit liebe, dann ist jede Stunde Freude, Staunen, neugierige Aufmerk­samkeit, müheloses Lernen, immer weiter gehendes Verstehen. Ich finde mich in dem, was ich schaffe und habe die Chance, mit jeder Minute, die ich das tue, was ich tue, diese Welt immer mehr in Gottes Reich zu verwandeln. Wenn eine Sache mit Liebe geschaffen wurde, dann enthält sie immer göttliche Eigenschaften: Schönheit, Klarheit, Freude, Zufrie­­denheit, Wärme, Frische, Verbindlichkeit, Gegenseitigkeit, Heilung, Harmonie, Faszination, Nützlichkeit, Sinn, Sinnlichkeit, Rhythmus, Individualität, Unverwechselbarkeit…

Wenn ich mich selbst liebe, dann freue ich mich, mich und meine Werke der Welt hinzugeben. Ich weiß, dass ich für diese Welt eine Bereicherung bin und mache mich auf, diesen Reichtum zu teilen. Ich bin glücklich, dass mein Geliebter einen wunderbaren Menschen an seiner Seite hat und mein Kind auf liebevolle Weise aufgezogen wird.

Wenn ich diese Welt liebe, will ich ihr gerne angehören, Mensch sein, menschlich sein eben, unter Menschen sein, mich beteiligen und einbringen. Gott in der Welt finden, in allem Alltäglichen und in allem Besonderen. Ich finde die Welt so, wie sie ist, einfach genial und erlebenswert, voller Schönheit und voller wunderbarer Chancen zu verstehen. Die Liebe macht mich bereit, sie zu schützen und für ihr Wohlergehen und Schutz auch Diskomfort und Extrameilen hinzunehmen, sie mit Achtung und Sorgsamkeit zu bewohnen.

Wenn ich meinen Feind liebe, dann kann ich seine Andersheit mit Wertschätzung aufnehmen und dann verschwindet die Feindschaft und löst sich wie Schnee in der Sonne auf.

Wenn ich die Realität liebe, dann bin ich im Fluss und trage keinen Widerstand mehr in mir. Die Realität schenkt mir den Blick darauf, wie das Leben erfahrbar ist und was ich wirk­lich brauche. Sie zeigt mir immer, was ich durch mein Handeln bewirke, damit ich immer besser lerne, was recht und was nicht recht ist.

Seine Schöpfung lieben - Portugal

Wenn ich Gott liebe, dann liebe ich Seine Schöpfung. Ich gebe mich gern mit all meiner Schaffenskraft, meine Gefühlen und Gedanken, meiner Zeit und meiner Kraft hin, sein Reich für alle offensichtlich zu machen und ihnen den Eintritt und das Leben und das damit verbundene Glücksgefühl und die Sorglosigkeit darin zu ermöglichen und zu erleichtern.  Einfach meinen Teil, das, was ich am besten kann, ihm zur Verfügung zu stellen, damit er es in seinem Sinne zum Besten aller verwenden kann. Als ich über das Heilen von Jesus lernte, war es z.B. wichtig zu bestimmten Zeiten auch zu leiden, damit ich die heilende Wirkung der mir offenbarten Methoden und Behandlungen am eigenen Leibe spüren konnte, damit ich sie vollständig beschreiben kann. Da bekam Leiden eine ganz andere Perspektive und ich nahm das Leid nun gern an, damit ich Ihm besser die­nen kann und eine praxiserprobte und auf realen Erfahrungen basierende Lehre weiter­geben kann.

Liebe ist Verzückung, Begeisterung, Anziehung, Freude, die den ganzen Körper erfasst, Wärme, die sanft durch den Körper rieselt bis hin zur Hitze, die alles verdrängt außer dem Bild des Geliebten, sei es nun geliebter Partner, Kind, Gott oder Werk.

Aus dem Hohelied Salomo 8,6 (Lutherbibel 1984):

Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des HERRN, 7 sodass auch viele Wasser die Liebe nicht auslöschen und Ströme sie nicht ertränken können. Wenn einer alles Gut in seinem Hause um die Liebe geben wollte, so könnte das alles nicht genügen.

Liebe ist das höchste Gebot, siehe Markus 12 in Die Erbsünde, wie ich sie verstanden habe.

Und wieder, wieder, wieder: 1. Korinther 13 (Lutherbibel 1984)

1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. 2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. 3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen1 und hätte die Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze. 4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, 5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, 6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; 7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. 8 Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird. 9 Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. 10 Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. 11 Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war. 12 Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. 13 Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

Ich bin sicher, dass Gott uns in Jesus den absoluten Höhepunkt der Liebe geschenkt hat, er hat uns sein Allerliebstes geschenkt, sein Herz. Er ist die Liebe. Und ich bin ebenso sicher, dass Jesus das Thema Ehe, Sexualität und Ehebruch so ernst genommen hat, weil er Liebe für so göttlich hält, dass er auch nicht möchte, dass wir Liebe auf die leichte Schulter nehmen, sondern alle Chance haben, sie in ihrer ganzen Süße zu erfahren. Dass die allerhöchste Vereinigung in tiefer Liebe eingebettet passiert. Der Moment höchster Intensität im Körper, der Moment, in dem keiner denken kann, der Orgasmus, ist genau der Moment, wo wir Gott ganz nah sein können und ihn unheimlich intensiv spüren können – und der Moment, indem wir mit ihm gemeinsam Einheit spüren und Leben schaffen können, der Moment, in dem wir mit einem anderen Menschen, einem von Gott geschaffenen Wesen ebenso “ein Wesen/Einheit” sind und das auch empfinden, was wir wirklich sind, nämlich alle gemeinsam ein Wesen im Organismus Gott.

Diesen Moment hält er – so wie ich ihn verstehe – für so heilig, den er nicht durch „ob das jetzt Liebe ist oder nicht, es tut gut“ entweiht sehen will sondern als Gottesdienst und Gottesempfinden und höchste Weihe zwischen Mann und Frau. Gott hat im Para­dies das Paar, Mann und Frau geschaffen, daher halte ich das für den natürlichen Seins­zustand. Doch eines sagte Jesus mir auch: wenn er zwischen zwei Menschen Liebe ent­zündet, dann ist diese Liebe Gott selbst. Und er tut nichts ohne Sinn. Er scherzt nicht mit der Liebe und er hat auch nicht vor, dieses Paar zu quälen, weil es nicht zueinander kommen darf. Liebe ist zum Lieben und zum Erleben der Liebe, zum Erleben von Gott da.

Ein Gebet zum Lieben:

Ich bin wie ich bin, denn Du, mein Gott,

Du hast mich so geschaffen,  wie ich  bin,

seit Urzeiten hast Du mich genau so geplant und gewollt.

Jetzt bin ich da, ich bin von Herzen erwünscht auf dieser Erde.

Ich bin glücklich, dass Du mir mein Leben geschenkt hast,

ich danke für mich und mein So Sein,

und liebe mich, wie ich bin.

Ich spüre, wie sehr Du mich liebst.

Du bist wie Du bist, denn der Herr, unser Gott,

Er hat Dich geschaffen, wie Du bist.

Seit Urzeiten hat er Dich genau so geplant und gewollt.

Jetzt bist Du hier, Du bist von Herzen erwünscht auf dieser Erde.

Ich bin glücklich, dass Gott Dir Dein Leben geschenkt hat.

Ich danke Gott für Dich und Dein So Sein.

Und liebe Dich, wie Du bist.

Nächster Artikel: Den Weg gemeinsam gehen

In einem Jakobswegforum schrieb ich einmal: „Viele Jakobspilger vertreten die Meinung, man sollte – der Wirkung wegen – allein laufen. Ich will hier mal eine Lanze für das Laufen zu Zweit brechen, doch jeder wähle die Erfahrung, die er gerade braucht. Die reine Selbstfindung allein mit sich oder das sich finden – auch im Anderen und gerade mit dem Anderen. Wir sind zwei Monate zu zweit gelaufen, 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag. Auch dies war eine Erfahrung für das Leben und es ist wirklich eine generische, grundlegende Schule der Zwischen­mensch­lichkeit.

Was war das Schöne daran?

  • Geteilte Freude ist doppelte Freude! Wie schön war es, die tollen Ausblicke gemeinsam zu genießen, sich gegenseitig das Schöne zu zeigen, sich bei besonderen Anlässen (z.B. beim Pilgergottesdienst in Santiago) gegenseitig die Hand zu drücken und starke Leistungen mit High 5 zu quittieren. Sich überall gegenseitig fotografieren zu können J Es macht auf die Dauer einfach mehr Spaß und man lernt auch zusammen andere Pilger kennen.

  • Gemeinsam die Pfeile zu suchen geht schneller. Jeder geht in eine andere Richtung los, und wer den Pfeil findet, der pfeift. Vier Augen sehen mehr als zwei. Mir sagte einmal der hiesige Pfarrer den wahren Satz: Allein ist man schneller, gemeinsam kommt man weiter.

  • Beim draußen Übernachten fühlt man sich zu Zweit einfach sicherer und man hat es in kühlen Nächten wesentlich wärmer.

  • Man lernt, aufeinander einzugehen und füreinander da zu sein, auch eine wichtige Fähigkeit in der heutigen Zeit. Für den Schnelleren: auch mal abzuwarten oder früher als dem eigenen Bedarf entspricht, den Pilgertag zu beenden. Für den Langsameren: auch einfach mal sich selbst heraus­zufordern und einfach weiterzugehen, als man denkt man kann. Kann man nämlich und man wächst über sich hinaus! So hab ich nach einer Tagesetappe von knapp 30 km von Cacabelos bis Vega de Valcarce zum Nachtisch sozusagen noch den Cebreiro bestiegen, 11,5 km Weg­strecke mit ca. 700 Höhenmetern, weil Santiago, der aus den Anden kommt, einfach nicht unten am Berg oder sonst irgendwo vor dem Gipfel anhalten konnte.

  • Freundschaft/Gefährtenschaft/Liebe vertiefen, Teilen, Treue, sich einigen, Konflikte beilegen, Synergie finden, etwas wirklich ausdiskutieren, sinnvolle Kompromisse schließen, die Aufteilung der Last, intensive Gespräche, für die man sonst nie in dem Maße Zeit hat, gegenseitige Ermunterung und Ermutigung, Hilfestellung, gemeinsame Geschichte schaffen. Wir waren eben oft wie Frodo und Sam und – es war gut so. Was den Camino positiv überlebt, hat Langzeit­bestand. Das wahre Wesen eines Menschen kann auf dem Camino nicht verborgen bleiben. Man kann nicht ausweichen. Was man hier im Umgang miteinander lernt, gibt einem das Zutrauen und die Gewissheit, ganz viel gemeinsam schaffen zu können.

  • Wir konnten den Rosario unterwegs zusammen beten, abwechselnd, so wie das in den Kirchen gemacht wird. Zu zweit kann man sich besser dazu anhalten und es hat mehr Intensität. Der gemeinsame Gottesdienstbesuch verbindet ebenfalls und man kann das Gehörte gemeinsam diskutieren.

  • Das Paradies kann man – so heißt es – nur zu Zweit betreten. Auch Gott kann sich einem zu Zweit offenbaren, gerade zu Zweit, auch oft gegenseitig ineinander. Ich erinnere an das Tal hinter Conimbriga, das wir nur zu Zweit betreten konnten.

  • Zu zweit kocht es sich besser, man kann sinnvoller einkaufen und wirtschaften.

  • Man verfolgt ein gemeinsames Ziel und die Gemeinsamkeit macht stark! Abwechselnd ja nach Tagesform zieht der eine den anderen mit.

  • Und das Ultimative: Die gemeinsame Erinnerung: “Weißt Du noch, die deutsche Herberge mit dem tollen Innenhof mit dem Wandbild? Wo war das doch gleich? Da, wo wir die Hospitaleros aus Los Arcos wieder getroffen haben” “In Hospital d’Orbigo, und weißt Du noch, da vorn auf dem Brunnen gab’s doch die leckeren Reneclauden. Das war wirklich ne schöne Herberge, aber der Weg aus León raus war schon heftig, oder!”

    Innenhof der Herberge von Hospital d'Orbigo

Was waren die größten Herausforderungen dabei?

  • Den anderen so zu lassen, wie er ist. Sich selbst aber auch! Den anderen auch mal ziehen zu lassen oder zurückzulassen in der Gewissheit der Gemeinschaft.

  • Zu einem gemeinsamen Ergebnis/Erlebnis beizutragen.

  • Sich der Gemeinschaft hinzugeben. Sich selbst zu geben.

  • Über den eigenen Schatten springen lernen.

  • Anpassung an Gemeinsamkeit bei Selbstbewahrung/Treue zu sich selbst (man kann sich nicht einen ganzen Camino aufopfern oder zurückstellen!)

  • Sich vollständig zu stellen, einzulassen und wahr zu machen und nicht davon zu laufen, wenn es mal schwierig ist.

Was hat uns am meisten dabei geholfen?

Zwei Dinge: Die Liebe und La Paz:

Pax - Zugang zum Benediktinerinnenkloster in Fulda

Im katholischen Gottesdienst unterwegs haben wir das Ritual des Paz Christi lieben gelernt. Man reicht sich die Hand oder umarmt sich zum Frieden in Jesus Christus. Wenn es schwierig wird, sich – wie im Gottesdienst – mit den Worten „La Paz“, “Paz Cristi” oder auf deutsch “Der Friede Christi sei mit dir” die Hand reichen und Bereitschaft zum Frieden und zur Kooperation ausdrücken. Und dann kommt Er auch und hilft, das Aktuelle auszusortieren und zu klären und zu einem friedvollen und gottvollen Ergebnis zu führen. Einfach mal ausprobieren (hilft im Alltag natürlich auch jederzeit!)“

Die Geste, das Ritual  des „La Paz“ entstammt der Bergpredigt, Matthäus 5 (Lutherbibel 1984)

23 Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, 24 so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe. 25 Schließ ohne Zögern Frieden mit deinem Gegner, solange du mit ihm noch auf dem Weg zum Gericht bist.

Wenn ich im Gottesdienst mehrfach: „Der Friede sei mit dir!“ gesagt bekommen habe, dann fühle ich mich ganz leicht. Der Friede ist in diesem Moment tatsächlich mit mir, eine wundervolle Erfahrung. Je länger ich darin verweilen kann, umso besser für mich und die ganze Welt. Der Friede des Herrn sei allezeit mit Dir, der Du dies gerade liest!

Ich glaube, was ich schrieb, gilt auch für den Alltag, für jede Ehe und Familiensituation. Die meisten Ärgersituationen in Beziehungen zu geliebten Menschen, Partner und Familie, sind – vor allem im längerfristigen Rückblick betrachtet – recht nichtig, sie schreien nicht nach Recht haben oder einem Richter oder nach Konfrontation, sondern nach Klärung, Vereinbarung, einem Dank oder einer Bitte und Nachsicht und Einsicht, nach dem Verstehen des anderen, nach dem sich selbst Verstehen – oder einfach Zeit, dass man fühlen kann: Muss uns der Grund des Ärgers trennen? Wie wichtig ist mir der Andere? Was kann ich statt mich Ärgern tun?

Lassen wir den Ärger abziehen, atmen wir ihn aus, geben wir uns zuerst die Hand zum Friedensgruß, zum Frieden Christi und dann – was jeweils nötig ist. Spätestens vor dem Schlafengehen desselben Tages ist es an der Zeit, oder?

Nächster Artikel: Vernunft! Vernunft?

Philipper 4 (Lutherbibel 1984)

4 Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! 5 Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! 6 Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! 7 Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Das Wort Vernunft in der Bibel wird zum einen mit dem griechischen Wort σοφια = Sofia ausgedrückt, das heißt eigentlich Geschicklichkeit, Gewandheit oder Kunstfertig­keit, im übertragenen Sinne dann Verstehen, Kenntnis, Einsicht, (Lebens-)Klugheit, Weisheit. Zum anderen ist es das Wort γνωσις = Gnosis, das heißt Erkenntnis, Einsicht, Denken und Wollen, ebenfalls das Wort νοος = Noos mit der Bedeutung Sinn, das Vermögen geistiger Wahrnehmung, daher auch Einsicht, Verstand, Vernunft, Aufmerksamkeit; das Vermögen des Wollens, d.h. Absicht, Gedanke, Zweck; das Empfindungsvermögen, d.h. Gesinnung Sinnesart, Gemüt, Seele, Herz, in Verbindung mit dem Wort „wach“, „Wächter“ (hier im o.g. Philipperbrief). Ist es das, was wir heute gemeinhin unter Vernunft verstehen?

Es ist gar nicht so schwer, in einem Leben sich zurecht zu finden, wir hatten das hier schon. Es gibt so viele Zeichen, die uns damit weiterhelfen, für uns zu finden, was gut und was nicht gut für uns ist. Es stehen im Vordergrund zunächst unsere Gefühle. Das ist ganz einfach. Das was uns anzieht, ist das, was er für uns darbietet, und das, was uns kalt lässt oder abstößt, ist für andere da. Dann unsere Wahrnehmung dessen, was ist, was er vor unsere Füße, unsere Augen stellt: Das, was da ist, ist für uns, das was nicht da ist, ist nicht für uns. Und  unsere Einsicht: Was stellt sich als gesund und lebbar heraus? Und es leben!  Was macht uns krank? Und es lassen!

Das mag zunächst ganz ungewohnt klingen, denn wir haben ja meist eine ganz andere Erfahrung gemacht während unserer gesamten Kindheit: Vernunft ist, was die Erwachsenen wollen. Vernünftig ist, wozu wir keine Lust haben, und wo wir nicht so sein können, wie wir sind. Wir waren gehalten zu lernen, damit später aus uns was wird. Und selbst, wenn wir keine Lust zum Lernen haben, dann sollten wir uns dazu zwingen. Und einfach weiterlernen. Disziplin, Wille, Ehrgeiz, Leistungsstreben. Das ganze System ist danach ausgelegt. Morgens aufstehen und zur Arbeit oder zur Schule gehen. Den ganzen Tag irgendeine Arbeit erledigen, vom Brötchen backen bis zur Vorstandssitzung. Unsere Lebenszeit verkaufen. Abends nach Hause kommen und uns ausruhen, denn morgen geht das ja wieder los. Das alles scheint seinen Sinn zu haben. Hat es auch.

Doch was für einen Sinn hat es wirklich? Ist die Art, wie wir leben, was gemeinhin vernünftig genannt wird, was uns normal und richtig erscheint, wirklich sinnvoll und vernünftig? Die Frage, die wir uns als erstes stellen können: Macht das, was alle denken, Sinn, ist es geprägt von Einsicht, Weisheit, Lebensklugheit, Herz, Seele, Aufmerksamkeit, Wachheit?

Vernunft?? Nööö !!! - Ein Cartoon von Johanna Fritz

So, wie es heutzutage ist: Macht es Sinn, einen Beruf zu haben, bei dem man sich 8 Stunden an eine andere Stelle begibt, sich von den Seinen trennt, dann noch einige Zeit in irgendeinem Verkehrsmittel verbringt, um dann völlig erledigt zuhause wieder zu erscheinen, wo einen alle erwartungsvoll ansehen und Zuwendung und Aufmerksamkeit wollen, obwohl diese längst an alle anderen Begegnungen im Laufe des Tages verteilt wurde. Was bekommen denn die von uns, die uns am meisten lieben, die wir am meisten lieben? Einen von der Arbeit verbrauchten Menschen. Einen, der eher ihre Aufmerksam­keit und ihre Zuwendung nötiger als alles hat, weil er sich leergearbeitet hat.

Nochmals: Ist dies richtig? Ist dies sinnvoll? Ist dies weise? Fördert dies die Liebe und Freude im Leben? Was ist unsere Einsicht?  Sind wir sicher, dass Gott dies für uns gewollt hat? Sind wir sicher, dass wir das für uns gewollt haben? Können wir uns ein schöneres Leben vorstellen? Können wir uns ein Leben vorstellen, in dem wir das, was wir am meisten lieben, in den Vordergrund stellen? Das wir uns mit dem beschäftigen, was wir am meisten lieben, dass wir die Menschen um uns haben, die wir am meisten lieben? Das wir beispielsweise so frei sind, die Tage nutzen zu können, an denen die Sonne scheint, um hinauszugehen, in die Sonne zu gehen, und anderen Tage zu nutzen, um uns um die Dinge im Innern zu kümmern: sauber zu machen, Briefe zu schreiben, Dinge zu erledigen, die erledigt werden wollen.

Du fragst: Ja und was werden wir denn essen und wo werden wir wohnen, wenn wir dies bisherige Leben nicht mehr weiterverfolgen, wenn wir einfach das tun, was wir in diesem Moment gerade tun mögen? Wie werden wir mit anderen zusammen kommen, um gemeinsam die Dinge zu erledigen, die wir nicht mehr allein erledigen können? Wie soll denn das gehen? Wir könnten uns auf nichts mehr verlassen! Das Leben ist doch so entstanden, weil wir es so brauchen, weil es so sein muss! Ist das wahr? Können wir wirklich wissen, dass dies wahr ist? Unser Manual dieser Welt, die Bibel, sagt etwas anderes…Wie viele Jahre gibt es diese Welt in dieser Form? Ist alles zum Besseren gelangt, weil wir in dieser Art und Weise denken und handeln?

Und wie sieht es aus mit der Liebe? Nehmen wir uns wirklich die Zeit für die Liebe, die sie verdient? Schauen wir uns doch an, was wir wirklich brauchen. Wenn die Liebe das Wichtigste ist auf dieser Welt, das, was alles andere zusammen hält, das zu leben, was der Sinn dieses Planeten ist: Was tun wir dafür? Setzen wir uns wirklich täglich mit ganzem Herzen dafür ein? Ist unser Geliebter, unsere Geliebte an erster Stelle in unserem Leben?

Was tun wir täglich für die Liebe, für unseren Geliebten, den wir ein ganzes Leben zu lieben schwören? Haben wir Zeit füreinander? Beginnen wir den Morgen, indem wir die Liebe zueinander feiern? Oder sind wir schon in Eile? Verbringen wir unsere schönsten und kraftvollsten Stunden miteinander oder unsere schwächsten und kraftlosesten? Und wenn es letzteres ist, wie wirkt sich das auf unsere Liebe aus?

Stehen unsere geliebten Kinder für uns im Vordergrund? Oder treten sie zurück an eine Stelle, in der sie zwar mit uns leben, aber nur einen Bruchteil unserer Aufmerksamkeit bekommen, sie von hauptsächlich von anderen Menschen erzogen werden? Liegt unsere Liebe hauptsächlich in ihrer materiellen Versorgung? Geben wir ihnen unser Bestes oder das, was übrig bleibt, wenn alles andere geschehen ist? Wie wird heutzutage Familien­arbeit geschätzt?

In der so genannten Positivliste für 1-Euro-Jobs werden Tätigkeiten aufgeführt, deren Ausführung „unbedenklich“ sind für den 1. Arbeitsmarkt, d.h. den Arbeitsmarkt, bei dem Leistung gegen Entlohnung ins Verhältnis der „Wertschätzung“ gesetzt wird. Die in der Positivliste aufgeführten Tätigkeiten sind alles Dinge, die einer persönlichen Wert­schät­zung unterliegen, d.h. die von einem anderen als ausgesprochene Wohltat empfunden werden, die ausdrücklich Liebe von einem Menschen zum anderen Menschen trans­ferieren können.

Schwache fühlen sich unterstützt. Diese Arbeit dient dazu, dass Menschen sich in schwierigen Situationen weniger alleingelassen und auf sich gestellt fühlen. Sie dienen dazu, die uns anvertrauten Menschen  besser zu fördern und zu begleiten. Und diese Tätigkeiten werden pro Stunde mit 1 Euro wertgeschätzt, während jede andere Tätigkeit eine höhere Wertschätzung erhält. Und wie wird sich das für den Empfänger anfühlen, wenn diese Tätigkeiten aus reinem Pflichtgefühl, sogar vielleicht mit Abscheu getan werden? Die Erkenntnis der Wertschätzung wird sich meist erst dann ergeben, wenn wir selbst dieser Hilfe bedürfen, wenn wir selbst merken, wie wichtig uns ein Mensch an unserer Seite ist, wenn wir selbst klein, ängstlich, verlassen, krank,. verpflichtet, zeitlos, gestresst fühlen. Es ist wie Balsam auf der Seele, wenn dann ein Mensch da ist, der mit Ruhe und Zeit uns begleitet, uns die Hand hält und solange ausharrt, bis dieser schwache Moment wieder vorbei ist.

So ging es mir: Vor einigen Jahren spürte ich beim Duschen einen Knoten in meiner rechten Brust. Ich bekam riesige Angst, mein ganzer Körper begann sofort zu zittern, das Wort Krebs flammte blitzartig in meinem Geist auf. Ich fühlte mich in Lebensgefahr, mein ganzes Leben, meine ganzen Pläne schienen in sich zusammenzufallen. In diesem Moment war mir alles egal, keine Bedenken, mich lächerlich zu machen: ich packte meine Sohn ein und fuhr sofort ins Krankenhaus, es war Sonntagvormittag. Im Notdienst untersuchte mich eine junge Ärztin oberflächlich. Sie empfahl mir die umgehende Abklärung durch Ultraschall und Röntgen und Gewebsentnahme, was sonntags jedoch leider nicht möglich war. Ich konnte nicht mehr schlafen, ich konnte nicht mehr essen, ich war nicht mehr ich selbst, ich lief herum wie Falschgeld. Mit aller Kraft und allen verfügbaren Mentaltechniken versuchte ich, meine Panik zu bändigen, doch nur mit mäßigem Erfolg.

Am Montag rief ich sofort im Krankenhaus an und bekam für Dienstag einen Termin für die Untersuchung. Am Dienstag fuhr Santiago mich ins Krankenhaus – was für ein Segen, nicht selbst fahren zu müssen. Freundlich plaudernd lenkte er mich die zwei Stunden ab, die ich trotz Termin noch warten musste, hielt mir die Hand, drückte mir die Daumen und lächelte mir zu, kurz bevor sich die Tür zum Untersuchungsraum hinter mir schloss. Was wären diese zwei Stunden ohne Begleitung für eine Qual gewesen! Zum Glück konnte ich mit einem völlig beruhigenden Ergebnis nach der Untersuchung wieder nach Hause gehen. Er teilte begeistert meine Erleichterung, wir lachten und feierten.

Wie ich diese Erfahrung wertschätze? Sie ist eigentlich unbezahlbar, sie ist die beste Unterstützung und das große Glück in einem solchen Moment der Tiefe. Wie wäre dies allein gewesen? Einfach mal diese Situation nachfühlen! Sie werden wissen, was ich meine! Ein solches Erlebnis ist ein Meilenstein der Emotion, der Vertiefung der Verbundenheit zu einem anderen Menschen. Welch eine Verschwendung, solche Verbundenheit nicht wahrzunehmen, anzunehmen durch: Ach, das schaffe ich schon! Ach, das schaffst du doch auch allein! Welche eine Verschwendung, sie nicht immer wieder  zu verschenken!

Was sind die Worte, die unsere Kinder von uns am meisten hören: Sei doch vernünftig! Bitte sei leise! Nun stell Dich nicht so an! Nun mach doch mal endlich! Beeil Dich! Oder hier ein Auszug aus der Web-Seite, die ich einmal gefunden habe: http://www.kraetzae.de/erziehung/sprueche/, aufgeschrieben von Mike Weimann:

Kannst du mir mal sagen, was das soll Sei ordentlich Geh da weg Das ist nichts für Kinder Du kriegst keine Extrawurst Wer nicht will der hat schon Hör mit dem Geplärr auf Entschuldige dich Warum isst du schon wieder nichts Dazu bist du noch zu klein Woher hast du das Da führt nun mal kein Weg dran vorbei Das glaubst du doch selber nicht Das ist doch kein Umgang für dich Hör auf dich wie ein Kind zu benehmen Sieh mich an, wenn ich mit dir rede Das tut doch gar nicht weh Du wirst mir noch mal dankbar sein Wer nicht hören will muss fühlen Brav Du musst noch ruhiger werden Sitz gerade So spricht man nicht mit seinen Eltern Du brauchst nicht traurig zu sein Benimm dich Räum auf Lass das Stell dich nicht so an Heulsuse Ich hab dir schon hundertmal gesagt Sag Dankeschön Weshalb kommst du so spät nach Hause Kommt überhaupt nicht in Frage Wo warst du schon wieder Du solltest dich schämen Wenn du nur einen Funken Verstand hättest Mach bitte nicht so ein Gesicht Hoffentlich hast du mal ein Kind wie dich Du brauchst keine Angst zu haben Hast du keine Ohren Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt Denk doch mal an später…. Das geht da noch mindestens eine Seite so weiter, dortselbst nachzulesen.

Tut weh, oder? Klingt für mich eher nach: „Sei so, wie ich es erwarte! Sei so, dass du mich nicht nervst! Sei so, dass ich dich aushalten kann. Sei so, dass mein Leben trotz dir funktioniert.“ Das ist der Weg in die „Vernunft“? Ist dort Liebe drin? Was man gemeinhin als Vernunft in der jetzigen Welt zu betrachtet, fühlt sich an nach „sich von seinen Sinnen abzutrennen und sich anzupassen“. Das ist nicht gesund.

Unser heutiger Weg hat für mich nichts, aber gar nichts mit Vernunft im Sinne von Einsicht, Sinnhaftigkeit und Weisheit zu tun. Es ist maximal die Vernunft der Angst­vermeidung. Wir sind paralysiert vor Angst über alle möglichen Dinge, so dass wir uns fast nur noch um Absicherung bemühen. Wir sind bar jeden Vertrauens, wenn wir nach heutigen Maßstäben „vernünftig“ leben.

In meiner Praxis tauchen Menschen auf, die an der Anpassung an diese scheinbare Vernunft schier kaputt gehen. Sie fühlen sich permanent im falschen Film, wenn sie ganz richtig etwas als völlig falsch fühlen, was heute der Norm entspricht, was heute ein Mensch bewältigen sollte. Ich treffe Frauen, die der Härte des heutigen Berufslebens nicht gewachsen sind und an dieser Härte zerbrechen. Sie fühlen die Ansprüche an die verschiedenen „Hüte des Lebens“: berufliche Karriere und Erfolg, Selbstverwirklichung, Sinnfindung, Aussehen, Image und Status, Familie, Kinder. Sie haben das Gefühl, das alles auch auf die Reihe bekommen zu müssen, scheitern in ihrer Sensibilität an diesem Joch, fühlen sich als Versager und völlig daneben.

Die Forderung nach Anpassung ist so groß, dass dabei immer wieder die Persönlichkeit der Menschen zerbricht. Suizidalität allenthalben! Sie fühlen richtig, konform mit ihrer Seele und Gottes Willen für uns und kriegen gesagt, dass sie nicht in Ordnung sind. Bekommen zusätzlich die Aufgabe, sich endlich „mal in Ordnung zu bringen“, damit sie wieder „funktionieren“, damit die Anhänger der scheinbaren Vernunft nicht umdenken müssen. Wenn so viele, viele scheitern, es so viele Menschen krank macht, wie kann es richtig sein? Unsere jetzige Welt ist schreiende Unvernunft. Doch die Schreie verhallen – in der Regel ungehört – im Innern des Individuums, im Nebel der Psychopharmaka[1] und anderer Drogen und wenn es ganz schlimm kommt – in der Psychiatrie. Gott, bitte hilf den „Hungernden nach OK sein“, bitte setze dieser schreienden Unvernunft ein Ende! Danke!

Nächster Artikel: Alltagspraktiken für Hilfe durch Jesus Christus


[1] Weltweit wurden in 2007 ca. 20 Mrd. Dollar für Antidepressiva ausgegeben. (Quelle IMS Health Marktforschung). Ungefähr ebenso viel wird mit Antipsychotika umgesetzt. Unter den Top 10 der umsatzstärksten Arzneimittel befinden sich drei Psychopharmaka.

Jesus Christus mit seinem heiligen Herzen kann uns helfen, die mit unserer eigenen Liebesfähigkeit voran zu kommen, damit wir weder neue Energien von Ärger, Trauer oder Enttäuschung in uns einlagern, noch die alten immer wieder auskramen müssen, damit wir wach werden können und uns gestatten, so zu sein, wie wir sind.

Ein Gebet vom Wegesrand

Meine einwöchige Pilgertour auf dem Jakobusweg in der Rhön beendete ich mit einem kleinen Abstecher auf dem Marienweg in der Wallfahrtskirche von Volkersberg/Bad Brückenau. Dort fand ich ein kleines Gebet, mit dem wir immer wieder eine kleine Pause für uns einleiten können, um uns wieder aufzutanken.

Wallfahrtskirche Volkersberg bei Bad Brückenau, Station des Marienweges

Ich bin jetzt hier, Jesus,

bei Dir in der Stille.

Ich bin vor Dir

und schaue Dich an

und Du schaust mich an.

Dein Blick ist zärtlich und mild;

er beruhigt mich;

er tut mir gut.

Es ist schön, bei Dir zu sein

und Deine Gegenwart zu spüren

Herr, nimm mich in Deine Arme.

Amen.

Jesus einatmen

Wir stehen aufrecht und breiten unsere Arme aus. Dann stellen wir uns Jesus vor, der vor uns steht. Mit jedem Atemzug atmen wir dieses Bild in unser Herz ein. Wir können auch ihn umarmen oder uns umarmen lassen. Alternativ können wir uns auch sein Herz mit Kreuz, Flamme und Dornenkrone in unserem Herzen vorstellen, es in unser Herz plazieren und dort wirken lassen.

Jesusgebet / Herzgebet

Es gibt eine wunderbare Form, das Atmen mit dem Gebet zu verbinden – das Jesusgebet. Es stammt aus der orthodoxen Kirche. Dieses Gebet können wir mit jedem Atemzug sprechen. Alternativ kann man dieses Gebet auch im Takt des Herzschlages beten. Es enthält immer eine Bitte an Jesus und kann verschiedene Formen annehmen:

Jesús in Barcelona Iglesia del Pi

Jesus Christus (Beim Einatmen) – erbarme Dich meiner (Beim Ausatmen)

Jesus Christus (Beim Einatmen)– ist der Herr (Beim Ausatmen)

Jesus Christus (Beim Einatmen) – erlöse mich (Beim Ausatmen)

Jesus (Beim Einatmen) – ich liebe dich (Beim Ausatmen)

Damit laden wir unseren Atem mit dem Verbindungswunsch zu Jesus auf und diese Verbindung tritt dann ein. Gerade die letzte Formel dient im Besonderen der Entwicklung der Liebesfähigkeit. Wie oft wir wiederholen? So lange wir wollen und können, stundenlang, tagelang. Man kann die Wiederholungen auch zählen und sich eine bestimmte Zahl vornehmen, anfangs 50 oder 100 Male, später aber auch 500, 1000, 3000, nach oben gibt es quasi keine Grenzen, es kann auch zu einem permanenter Seinszustand werden, siehe auch 1. Thessalonicher 5 (Neues Leben):

16 Seid immer fröhlich. 17 Hört nicht auf zu beten. 18 Was immer auch geschieht, seid dankbar, denn das ist Gottes Wille für euch, die ihr Christus Jesus gehört.

Man kann sich auch sein eigenes Jesusgebet erspüren und alle seine Herzenswünsche da hineinlegen.

Brot des Lebens / Brot der Liebe

In einem Gebet hörte ich einmal, dass es wichtig sei, für sich und seine Familie eigenes Brot zu backen, und zwar ein Brot der Liebe. So kann man die ganze Familie mit einem gesunden Grundnahrungsmittel versorgen und gleichzeitig ihnen ganz viele Liebe schenken, die eigene und die Liebe Gottes. Ich hörte in mir, es ist wichtiger, dieses Brot zu backen, als anderen Aktivitäten nachzugehen, weil durch ein solches Brot alle Dinge leichter gehen und man sie anders macht. Das Brotbacken ist eine gute Schule der Achtsamkeit und wie man im Alltag Dinge generell mit Gott, mit Gottes Hilfe tun kann. Ich hatte mal in Bezug auf Weihrauch gehört, der von Mönchen auf dem Berg Athos hergestellt wird. Sie kneten und teilen den Weihrauch in ständigem Gebet. Und so mache ich das:  

Ich habe mir ein einfaches Rezept rausgesucht und brauche lediglich

  • Dinkelvollkornmehl (eine sehr alte Mehlsorte, die schon Hildegard von Bingen empfohlen hat. Sie stellt wenig Anspruch an die Böden, hat eine harte Schale und ist daher gegenüber Schädlingen sehr resistent.Dinkel ist daher meist weniger schadstoffbelastet als andere Getreidesorten, da er auch durch Dünger nicht mehr Ertrag bringt. Dinkel lässt sich gut backen und ist sehr nahrhaft. Für meine Einstellung macht das Dinkel zum idealen Getreide für mich,
  • Wasser,
  • Salz (hier nehme ich Salz vom Toten Meer als Erinnerung an das Heilige Land),
  • Hefe,
  • ein wenig Zucker und
  • nach Belieben Körner, Kerne, Brotsaaten etc.

Ich setzte den Teig allein mit der Hand an, ohne jede Maschine. Während ich den Teig knete, bete ich, singe ich Lieder des Lobpreis, höre heilige Musik und singe mit,  wiederhole den Namen Jesus und bitte den dreifaltigen Gott, das Brot zu segnen und seinen Heiligen Geist darauf herabzusenden, ich lege meine Hände auf. Ich denke liebevoll an meine Familie dabei und lege alle meine Liebe hinein, alle guten Wünsche, alle Fürbitte. Den gekneteten Teig lasse ich zwei mal eine Stunde gehen, dann wird er gebacken. Seit ich unser Brot so backe, wächst die Harmonie in unserer Familie.

Hier ein paar Links zu Musikdownloads, die dazu passen.

Musik aus Fátima

Musik aus Medjugorje

Misa Andina/Mauricio Vincencio – Altiplano:  eine gesamte Messe mit andinischer Instrumentation und Chor – Ein Erlebnis der EXTRAKLASSE

Ansonsten passt prima Ubi Caritas, Dona nobis pacem und ähnliche Hymnen. 

Nächster Artikel: Heilung durch Abgeben und Loslassen im Heiligen Herzen Jesu

Oft gibt es das Problem, dass man eine verletzende Situation so fest umklammert hält, so dass man sich immer weiter verletzt. Oder man handelt vorsätzlich „eigentlich schon“ so, dass man die Situation loslässt, jedoch verweilt man ganz angespannt dabei, wie um direkt hinter der Tür zu lauschen und zu schmulen, ob sich nicht doch das Erwünschte einstellt, was man durch das Loslassen erreichen will. Doch diese Anspannung hält uns nervös, unruhig, macht uns wankelmütig oder ängstlich, ob sich nun alles zum Guten wendet. Loslassen heißt loslassen und im gleichen Moment sich der aktuellen Realität vollständig zuzuwenden, keinen Gedanken mehr an das Losgelassene mehr verschwenden, ist aber für viele sehr oft schwer.

Indem wir nun die Situation vertrauensvoll dem Heiligen Herz übergeben, kann sich die ganze Situation dort in Liebe klären, die Anspannung fällt ab und wir gewinnen wieder Klarheit. Es ist leichter, konsequent zu sein und sich am Wirklichen orientiert den weiteren Weg voranzugehen.

Heiliges Herz Jesu der Statue in der Kirche von Steinau bei Fulda

Und so funktioniert die Übung: Zunächst identifizieren wir die Situation, die es loszulassen gilt. Das kann ein Mensch sein, eine Verhaltensweise, aber auch eine Angst oder Sorge, materiell oder persönlich, z.B. auch um eine Krankheit. Zunächst identifizieren wir das, was wir aus unserem Herzen herausnehmen wollen, nehmen es deutlich für uns wahr[1]. In der Vorstellung nimmt man mit beiden Händen die Person, die Krankheit oder die Situation symbolisch aus dem eigenen Herzen und legt sie in das flammende, heilige Herz Jesu Christi und bitten Ihn, sich dessen in Liebe anzunehmen. Dasselbe wiederholt sich anschließend dann für den Solarplexus. Auch hier führen wir beide Hände zum Solarplexus und entnehmen Person, Krankheit oder Situation und vertrauen sie ebenfalls dem heiligen Herzen an.  Legen wir anschließend noch ein wenig die Hände auf unser Herz und unsern Solarplexus, damit sie mit Wärme gefüllt werden.

Bei einer Behandlung beschrieb eine meiner Klientinnen mal den Stolz, den sie Jesus übergeben wollte: wie Edelstahl oder eine glänzende Metalliclackierung, von der Konsistenz her glatt, wie ein himmelhoher Schornstein über einer schmutzigen Werkhalle, in der hart gearbeitet wurde, Geräusche von Metallbearbeitung. Doch als wir zum Geruch kamen, war ihre Wahrnehmung ein Schwefelgeruch. Da wussten wir sofort, zu wem der Stolz gehört und dass wir ihn besser jetzt als gleich loswerden wollten…

Übergeben wir ihm die Lösung, hören wir aber sogleich auch auf, uns weiter einen Kopf darum zu machen, weiter zu grübeln, weiter zu leiden, weiter unsere Wunden immer neu aufzukratzen und zu prüfen, ob noch Blut kommt. Wir haben es in diesem Moment abgegeben und: Gut ist es! Irgendwann kommt wieder etwas zu uns zurück, ob nun als Erkenntnis oder als Reaktion eines anderen. Hiob 5 (Neues Leben):

8 An deiner Stelle würde ich mich an Gott wenden und meine Sache in seine Hände legen. 9 Denn er tut große Dinge, die niemand begreifen kann. Er vollbringt unzählige Wunder.

Bitte klicken Sie hier oder im Inhaltsverzeichnis für das nächste Kapitel: Der Weg der Hoffnung


[1] NLP-Fähige können eine vollständige VAKOG-Beschreibung bilden.

Hinweis zum Urheberrecht, Copyright

© Gabriele Sych und "Im Antlitz der Liebe", 2010. Unerlaubte Nutzung oder Vervielfältigung dieses Materials ohne ausdrückliche und schriftliche Erlaubnis des Bloginhabers ist verboten. Auszüge und Links können benutzt werden, sofern ein vollständiger und klarer Hinweis auf meinen Namen und den Namen des Blogs erfolgt und angemessen auf dieses Original verwiesen wird. © Gabriele Sych and "Im Antlitz der Liebe", 2010. Unauthorized use and/or duplication of this material without express and written permission from this blog’s author and/or owner is strictly prohibited. Excerpts and links may be used, provided that full and clear credit is given to my name and the name of this blog with appropriate and specific direction to the original content.
Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.