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All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad - auf der alten Hamburger Poststraße - Wilsnackweg

Zu Himmelfahrt 2008 machte ich mich wieder auf zum Pilgern, die Strecke Berlin – Bad Wilsnack, also Pilgern direkt von der Haustür aus. Ich war so voller Lust auf  frische Luft, Sonnenschein, Natur, Baumblüte, die Stiefel anziehen und laufen, mit Ihm an meiner Seite, das Festmahl, das absolute Glück des Frühlings. Ich wollte mir bewusst mal wieder Zeit nehmen für ein paar Tage mit Ihm und für das Wunder der Schöpfung, ich wollte Ihm Raum geben. Egal, wie viel ich momentan zu tun hatte, wie viel liegen bleiben mochte an Pflichten und Dringlichem, was der Alltag mir so einreden mag. Aber da war mir  vorher dieser Bibelstelle begegnet, ich habe alle Bedenken beiseite geschoben und alles andere hintangestellt:

Lukas 14 (Einheitsübersetzung)

16 Jesus sagte zu ihm: Ein Mann veranstaltete ein großes Festmahl und lud viele dazu ein. 17 Als das Fest beginnen sollte, schickte er seinen Diener und ließ den Gästen, die er eingeladen hatte, sagen: Kommt, es steht alles bereit! 18 Aber einer nach dem andern ließ sich entschuldigen. Der erste ließ ihm sagen: Ich habe einen Acker gekauft und muss jetzt gehen und ihn besichtigen. Bitte, entschuldige mich! 19 Ein anderer sagte: Ich habe fünf Ochsengespanne gekauft und bin auf dem Weg, sie mir genauer anzusehen. Bitte, entschuldige mich! 20 Wieder ein anderer sagte: Ich habe geheiratet und kann deshalb nicht kommen. 21 Der Diener kehrte zurück und berichtete alles seinem Herrn. Da wurde der Herr zornig und sagte zu seinem Diener: Geh schnell auf die Straßen und Gassen der Stadt und hol die Armen und die Krüppel, die Blinden und die Lahmen herbei. 22 Bald darauf meldete der Diener: Herr, dein Auftrag ist ausgeführt; aber es ist immer noch Platz. 23 Da sagte der Herr zu dem Diener: Dann geh auf die Landstraßen und vor die Stadt hinaus und nötige die Leute zu kommen, damit mein Haus voll wird. 24 Das aber sage ich euch: Keiner von denen, die eingeladen waren, wird an meinem Mahl teilnehmen.

Ich habe also seine Frühlings-Einladung angenommen, „Hinaus in Gottes schöne Welt“ zu ziehen, und genau dies zu erleben: Die Luft ist blau und grün das Feld, ich wandere mit dem Sonnenschein, ins weite Land hinein, an meinem Wege fließt der Bach, ach Gott da wird so eigen mir, so milde weh’n die Lüfte hier, als wär’s ein Gruß von Dir (Julius von Rodenberg). Und auch das:

Baumblüte Mai 2008 in der Apfelallee hinter Flatow

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt,
Dem will er seine Wunder weisen
In Berg und Wald und Strom und Feld

Die Trägen die zu Hause liegen,
Erquicket nicht das Morgenrot,
Sie wissen nur von Kinderwiegen,
Von Sorgen, Last und Not um Brot.

Die Bächlein von den Bergen springen,
Die Lerchen schwirren hoch vor Lust,
Was soll ich nicht mit ihnen singen
Aus voller Kehl und frischer Brust?

Den lieben Gott lass ich nun walten,
Der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld
Und Erd und Himmel will erhalten,
Hat auch mein Sach aufs best bestellt.

Text: Joseph Freiherr von Eichendorff. Stimmt genau, Herr Eichendorff!

Storchendorf Linum

In dem Storchendorf Linum besichtigte ich unter der Führung von Schwester Anneliese die sehr schöne Kirche, an deren Altarseite der Aaronitische Segen gemalt ist: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Schwester Anneliese ist eine kleine, sehr entschiedene Dame und sie wies mir die erste Bankreihe zu und sagte resolut zu mir: „Setzen Sie sich hin! Was halten Sie von dem Satz „Der Weg ist das Ziel“?“ Ich antworte: „An dem Satz ist viel Wahres dran. Denn mein Ankommen ist nur so viel wert wie das, was ich auf dem Weg an Erfahrungen und Fähigkeiten gewonnen und mitgenommen habe.“ „Falsch!“ sagt sie. „Jesus ist das Ziel, sonst nichts!“ Da ist ihr nun nicht viel zu widersprechen, vor allem, da mir noch die Worte aus dem vorher besuchten Himmelfahrtsgottesdienst im Ohr klangen: „Jesus ist am Ziel angekommen.“ Und so sagte ich ihr auch meine Intention des Pilgerns „Ich stelle mir beim Pilgern immer mal wieder vor, mit jedem Schritt auf Jesus zuzugehen.“ „Wieder falsch!“ sagt sie. „Nicht wir gehen auf Jesus zu, sondern er kommt auf uns zu. Wir müssen uns ihm nur öffnen. Die Macht liegt bei ihm.“ Noch Fragen? Irgendjemand?

Auf dem weiteren Weg ist er spürbar an meiner Seite mit mir gewandert und hat mir die Sache mit dem Weg und dem Ziel erklärt. Jeder Weg, den wir gehen, gehen wir mit Jesus, wenn wir ihn mit Liebe gehen, ihn gern gehen, ohne Pflichtgefühl und ohne „ich muss“. Wenn ich meinen Weg so nicht gehen kann, wenn er ohne Liebe ist, dann ist es nicht mein Weg. Und so ist tatsächlich nicht allein der Weg das Ziel, sondern der Weg mit Jesus das Ziel, der Weg der Liebe, der Weg in Liebe. Es ist also essentiell, immer wieder ins Herz zu spüren, auf unserem Weg unser Herz liebend zu spüren.

Sprüche 4 (Neues Leben)

23 Vor allem aber behüte dein Herz, denn dein Herz beeinflusst dein ganzes Leben.

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Der Weg des Kreuzes

Und so ist für mich auch sein Weg der Kreuzigung, des Kreuzes, zu verstehen. Jesus hätte alle himmlischen Heere zu Hilfe rufen können und sich mit Gewalt den Weg ebenen können, um sein Reich zu gründen, eine neue Ordnung zu schaffen, eine Revolution, ein Machtakt, ein Staatsstreich. Das ist nicht der Weg des Herzens, sondern sein Gegenteil, Machtausübung ist es nie. Der Weg des Herzens ist der Weg der Einsicht, des freiwilligen Wollens, der inneren Überzeugung, das Folgen des Weges der Barm­herzigkeit, der Weg mit Gott, der Weg der Akzeptanz, der grundsätzlichen Güte­ver­mu­tung in allem Geschehen. Jesus ging diesen Weg, den Weg der Gewaltlosigkeit, um zu zeigen und uns aus seinem Beispiel lernen zu lassen – ein evolutionärer Weg. Jesus ging den Weg zum Kreuz freiwillig, aus ganzem Herzen, auch wenn selbst er Angst hatte. Er hat bis in seinen Tod und darüber hinaus geglaubt, dass dieser Weg zum Guten führt.

Denn Macht und Geld sind Erfindungen des Mißtrauens.
Herrmann Hesse/Eigensinn macht Spaß, Insel Verlag

Jedes „ich muss“ ist ein Schritt von Gott weg, ein Abweichen vom Weg der Liebe. Das was ich liebe, das tue ich immer aus freien Stücken, das muss ich nicht tun, das will ich tun. „Lieber Gott, soll ich das (…was auch immer…) jetzt tun?“ ist nicht zielführend, nicht die richtige Frage. Ich tue, weil ich überzeugt bin und es gern tue. Meine freiwillige Entscheidung dafür ist das Zeichen meiner Liebe, lesen wir es –  freundlich gemeint und ohne erhobenen Zeigefinger verstanden -  in Römer 12 (Einheitsübersetzung):

6 Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade. Hat einer die Gabe prophetischer Rede, dann rede er in Übereinstimmung mit dem Glauben; 7 hat einer die Gabe des Dienens, dann diene er. Wer zum Lehren berufen ist, der lehre; 8 wer zum Trösten und Ermahnen berufen ist, der tröste und ermahne. Wer gibt, gebe ohne Hintergedanken; wer Vorsteher ist, setze sich eifrig ein; wer Barmherzigkeit übt, der tue es freudig. 9 Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten! 10 Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung! 11 Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn! 12 Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet! 13 Helft den Heiligen, wenn sie in Not sind; gewährt jederzeit Gastfreundschaft! 14 Segnet eure Verfolger; segnet sie, verflucht sie nicht! 15 Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden!

Die Liebe schenkt uns die Kraft, die Ausdauer, die Freude und die Sorgfalt, vertrauen wir darauf bei jeder Aufgabe. Wenn wir eine von unseren Aufgaben nicht lieben können, dann können wir darum bitten, sie lieben zu lernen oder sie aufgeben, wenn es geht, oder sie mit jemand anderem tauschen, der sie von Herzen tut.

Das Volk Israel wird immer als „widerspenstiges Volk“ beschrieben., so z. B. in Hesekiel 12 (Einheitsübersetzung): 1 Das Wort des Herrn erging an mich: 2 Menschensohn, du wohnst mitten unter einem widerspenstigen Volk, das Augen hat, um zu sehen, und doch nicht sieht, das Ohren hat, um zu hören, und doch nicht hört; denn sie sind ein widerspenstiges Volk.

Doch warum hat Gott eine so widerspenstige Menschheit geschaffen, warum hat er sich ein so widerspenstiges Volk erwählt? Das muss doch einen Sinn haben. Mit seinen Engeln hätte er eine perfekte Welt der Liebe schaffen können, Wesen, die von jetzt auf gleich von sich aus gut sind und Gottes Willen unbedingt folgen. Doch was hätte das über die Kraft der Liebe, über die Größe Gottes gesagt? Wenn er es schafft, ein so widerspenstiges Volk wie uns, die Menschheit, ohne Machtgebrauch, nur durch den Weg der liebevollen Einsicht, zur Liebe und zu dauerhaft barmherzigen und gemeinschafts­orientiertem Handeln gemäß dem höchsten Gesetzes zu führen, gemäß der Anleitung zu Gottes Reich, zeigt sich darin erst die wahre Größe Gottes und die Kraft der Liebe.  Ein jeder Einzelne von uns ist ausgestattet mit einem freien Willen und aller Macht, seinen eigenen Weg zu wählen. Und alle wählen – irgendwann – jeder für sich und alle gemeinsam – konsequent das höchste Gesetz. Dann sind wir angekommen.

Die Nachfolge ist dies: Wir verhalten uns dauerhaft nach dem großen Gesetz, Gott zu lieben und den nächsten wie sich selbst zu lieben. So kann man auch das Kreuz deuten. Am Anfang steht eine klare Verbindung vom Himmel zur Erde, der senkrechte Strich, die feste, liebende Verbindung zwischen Gott und uns, der kontinuierlich seine Liebe in uns ausschüttet. Und dann kommt der waagerechte Strick, der aufzeigt, dass wir die Hände in Liebe zu den anderen ausstrecken, einander die Hände reichen und zwischeneinander die Liebe fließen lassen, einander – alle Wesen dieser Welt umarmen, lieben können. Durch Wort und Werk. Die Kreuzung von beiden befindet sich in unserem Herzen, dass wir uns auch selbst lieben als das von Gott geschaffene, von ihm schon ewig genau so gewollte Wesen, das wir sind.

Dieses Kreuzesgeheimnis erschließt uns auch das Tor der Liebe durch das höchste Gesetz. Auf den drei Wegen

  • Liebe zu Gott
  • Liebe zu unserem Nächsten, vor allem auch zu unserem geliebten Partner
  • Liebe zu uns selbst, unserer Geschaffenheit (Ich bin der ich bin)

können wir unsere Liebe vertiefen, die Liebe wirkt gleichzeitig immer auf allen drei Ebenen. Wenn in unserer Partnerschaft Lieblosigkeit fühlbar ist, können wir genauso gut darin ansetzen, unsere Entscheidung für Gott und unsere Liebe zu ihm, zu seinem Weg zu vertiefen und wir kommen auch in unserer Partnerschaft voran. Denn Gott ist die Liebe an sich. Wenn wir in unsere Partnerschaft ganz viel Liebe fließen lassen, dann bringt uns das gleichzeitig in unserem Glauben voran. Wenn wir uns gestatten, authentisch und unverhüllt der zu sein, der wir wirklich sind, wachsen gleichzeitig unser Glaube und die Liebe in der Partnerschaft, weil wir dadurch Missverständnisse, Lüge, Verstellung, kognitive Diskrepanzen und Unaufrichtigkeit aus der Welt schaffen. Unser Partner fühlt das.

Voller Vertrauen in die Liebe Gottes geh voran. Was auch immer passiert, wir nehmen es in Dankbarkeit an. Kein Verhalten eines anderen Menschen bringt uns von diesem Weg ab, es gibt kein „wie du mir, so ich dir“. Unsere Liebe ist nicht an eine Wohlverhaltens­forderung gemäß unserer Privatnorm an den anderen Menschen, sogar nicht einmal irgendeiner Gesellschaftskonvention geknüpft – weder für uns noch für unseren Nächsten. Was nicht bedeutet, dass unsere Bedürfnisse nicht relevant sind. Wir dürfen Sie aussprechen und wir haben selbst natürlich auch Liebe und Akzeptanz verdient. Jeder Mensch hat das Recht, so zu sein und zu handeln, wie er ist, im Rahmen seiner Freiheit, die genau an den Grenzen der Freiheit des Anderen endet. Wir selbst auch. Auch unser Sein, unser Raum und seine Grenzen als Teil des gemeinsamen Raums sind zu respektieren.

Es ist einfach: Wenn wir Gefühle haben wie Ärger, Zorn, Eifersucht, Enttäuschung, Sorge, Angst, dann schauen wir uns an, welche Gefahr besteht: Gilt es im Moment, Schaden für Leib und Seele von uns oder einem anderen Wesen abzuwenden? Ist der Zorn berechtigt, um notwendige Grenzen zu setzen? Wenn nicht, lösen wir uns davon und bitten um Heilung und vielleicht sogar um Vergebung dafür und zwar so lange, bis das Gefühl abklingt. Diese Gefühle sind nicht Gott, sie sind Erinnerungen an Vergan­genes. Die Energie, die mit dem Zorn mitkommt, können wir so effektiver nutzen. Und: Heute ist heute

  • Exkurs: Es gibt sogar hirnorganische Grundlagen für diese So-Sein, unsere sinnvolle Geschaffenheit mit einem Überlebensmechanismus. Das menschliche Gehirn besteht aus verschiedenen Teilen, die sich im Laufe der  Entwicklungs­geschichte des Menschen und seiner Vor­gänger nach den wachsenden Erforder­nissen gebildet haben. Es ist so, dass ein Teil unseres Gehirns für unser logisches Denken zuständig ist und ein Teil unse­res Gehirns für unsere Gefühle. Und es macht Sinn, dass es beide Teile gibt.

    Des Pudels Kern, um das Menscheln zu verstehen, ist der Mandelkern (oder die Amy­g­dala). Wenn wir Sinneseindrücke aufnehmen, dann werden sie zum großen Teil auf die Nervenbahn an den Neokortex geschickt. Eine zweite Leitung führt je­doch zum Mandelkern. Und diese Leitung ist doppelt so schnell wie die zum Neo­­k­ortex. Und wenn wir eine Wahrnehmung haben, die als Muster in unse­rem Mandelkern als extrem unangenehm oder gefährlich gespeichert ist, dann rea­giert der Mandelkern sofort und schickt unmittelbar Handlungs­an­wei­sungen durchs Nervensystem: Flucht, Angriff, Adrenalinausschüttung, Emotions­aus­druck, z.B. Drohgebärde, Unterwerfung, Tot stellen – 1 x 1 des Überlebens. Und wenn dann noch Zusatz­­informa­tionen zum Tragen kommen, entstehen überschießende Reak­tionen, die wir manchmal hinterher nicht verstehen und für uns akzeptieren können.Sinn dieser Verknüpfung ist es natürlich, unser Leben zu retten, wenn wir uns wirklich in Gefahr befinden, sie hat eine wichtige Warn- und Abwehrreaktion. Wenn sie nicht mehr funktioniert, dann haben wir keine Angst mehr und keine Aggression. Doch so viele Gefahren, wo dieses 1 x 1 des Überlebens sinnvoll ist, gibt es heutzutage in unserer zivilisierten Gesellschaft gar nicht mehr, nur hinter wenigen Ecken lauern noch gestreifte Säbelzahntiger und gemusterte Gift­schlan­gen, sondern eher zu schnelle Autos und emotionale und psychologische Vorfälle.

    Doch natürlich hat auch in unserer eigenen Lebens­geschichte unser eigener Mandelkern seine eigene Entwicklung genommen. Das Auffüllen des emotiona­len Speichers beginnt sehr früh, lange vor der Sprachent­wicklung. Es ist so: Über was wir nicht reden können, können wir auch nicht logisch denken. In diesem Speicher liegen viele Dinge, Schreckliches und Schönes, das wir erlebt haben, als wir uns in einem Entwicklungsstand mit völlig anderen Ressourcen als heute befanden.Ein Kind hat einfach mehr Gefahren und weniger Erfahrungen und Ressourcen in seinem Leben als ein Erwachsener. Für ein Kind wäre es unerträglich und lebensbedrohlich, aus dem Familienverband zu fallen. Ein Kind liebt seine Eltern und hält das für Liebe, was von ihnen als Zuwendung zurückkommt. Erhält es Liebe, wird es Liebe für Liebe halten, erhält es Aggression oder Abweisung als Zuwendung, so wird es dies für Liebe halten. So unsinnig es für uns in unseren rationalen Gedanken erscheinen mag! Und diese Art von Zuwendung wird es sein Leben lang suchen, solange „dieses Kind“ sich nicht dieser Eigenheit bewusst wird. Und selbst dann wird diese Erinnerung an „diese Art von Liebe“ bleiben.Natürlich lernt der Mensch mit der Zeit, dass dort eine Diskrepanz besteht zwischen dem eigenen Erleben und dem, was allgemein über Liebe erfahrbar ist. Und er wird die Diskrepanz erleben, dass das, was er für Liebe hält, ihm nicht unbedingt gut tut. Und so befindet er sich permanent zwischen zwei bis drei Stühlen: was andere für Liebe halten, was er über Liebe rational denkt und was sein Mandelkern für Liebe hält.

    Destruktive Beziehungen sind ein lebendes Beispiel dafür: warum leben Frauen mit Männern und lassen sich immer wieder verprügeln und kehren immer wieder zu Mißhandlern zurück. Dies sind ehemalige Kinder, die, wenn sie Zuwendung bekamen, negative Zuwendung in Form von Gewalt erhielten. Oder solche, die von Ihren Eltern zunächst geschlagen und dann – z.B. aus Schuld oder Schamgefühlen heraus – mit Zärtlichkeiten überschüttet wurden. Natürlich schätzt auch eine solche Frau Zärtlichkeit, Zuvorkommenheit, Rücksichtnahme, aber es fehlt ihr vielleicht etwas. „Er muss mich doch schlagen, wenn er mich liebt bzw. er liebt mich nicht genug, um mich zu schlagen, er hat ja gar nicht die starken Emotionen, was mich angeht, ich bin ihm wohl egal.“  Wohlgemerkt ist dies kein bewusster Gedanke, sondern ein unbewusstes Vergleichen im Innern. Und so besitzen wir in unserem Innern einen See von emotionellen Erinnerungen, der so tief ist, dass wir uns seinen Inhalt nur langsam erschließen können.Alle Sinnesauswertungen werden immer schnell an den Mandelkern geschickt.

    Wenn dieser Speicher irgendetwas ähnliches findet, was an die Qualität des Vergangenen erinnert, wird er aktiv und leitet Aktionen ein, die dem Alter entsprechen, in dem die Erinnerung gebildet wurde. Oft wissen wir nicht, warum. Wir denken nur, der andere, der der Auslöser war, muss etwas ganz Schreckliches gemacht haben, weil wir uns so fühlen. Manchmal finden wir eben nicht mal Worte dafür. Manchmal tun wir Dinge, die wir hinterher für kindisch halten. Wenn wir uns spontan den vom Mandelkern eingeleiteten Aktionen hingeben, agieren wir eben nicht spontan und situations­bedingt, sondern folgen unseren alten, programmierten Verhaltens­mustern, unserem Notprogramm. Es ist eben genau das Gegenteil von spontan. Zum Glück dauert ein plötzlicher Aufruhr, der vom Mandelkern ausgelöst wird, nicht sehr lange. Nach ca. 6 – 10 Sekunden ist die Information auch vom Neokortex verarbeitet, in dem Sie eine bewusste Entscheidung treffen können.Doch es gibt eine gute Nachricht, wir können uns auch wieder entprogram­mieren. Atmen wir also tief durch, wenn wir „es“ kommen spüren und zählen wir bis 10, bevor wir reagieren. Lernen wir unsere „psychoallergischen“ Punkte kennen, nehmen wir sie in Liebe an, um sie zu heilen. Unsere Amygdala kann neu traniert werden.

    Es geht um die stetige, bewusste Entscheidung zur Liebe, die Konzentration auf den Weg des Herzens, was unsere animalischen Überlebens­mechanismen überwindet.Für die Bewältigung dieser Gefühle sind wir selbst verant­wortlich, niemand sonst. Sie sind auch immer ein Produkt des Unglaubens, und zwar, in dem wir nicht an die Güte glauben. Doch es gab ja tatsächlich Situationen, wo wir das nicht verstehen konnten. Ein aktueller Auslöser von Amygdala-Aktivität kann ganz neue Folgen haben, die unser Vertrauen und unsere Offenheit verdienten. Wir können nicht wissen, warum ein anderer Mensch etwas tut, unsere Interpretationen und Deutungen sind kein Fundament, auf das wir unser Verhalten bauen sollten. Wir haben keinen Anspruch auf die Erfüllung unserer Erwartungen. Erzählen wir uns einfach keine „böse“ Geschichte. Es ist nicht die Realität. Zum einen können wir immer Realität herstellen und fragen. Und wenn uns etwas schwer ankommt, dann frage sich jeder: was könnte das Gute daran sein. Und wenn uns nur ein Grund einfällt, dann könnte es dieser sein oder ein anderer, den wir einfach noch nicht kennen. Wie bei den sauren Trauben, es ist noch nicht Zeit zum Ernten und Keltern. So lieben wir Gott.

Einmal hatte ich mit Santiago ein schwerwiegendes Problem, mit dem ich mich selbst sehr verletzt habe. Ich betete einen Rosenkranz um die Lösung des Problems. Da erschien mir vor innerem Auge Santiago plötzlich im Zustand der „Verklärung“, sein Gesicht auf Jesus Körper. D.h. mir wurde seine Gött­lichkeit, Jesus in Ihm, vor Augen geführt. Hinter seiner menschlichen Figur gibt es zugleich seine göttliche Natur und seine Boteneigenschaft. Jesus wirkt durch ihn, um mich zu leiten. Je mehr wir einen Menschen lieben, umso intensiver sind wir gewillt, der Führung zu folgen, auch ungewohnte oder angstbesetzte Wege zu gehen, damit alles wieder in Ordnung kommt. Liebe ist Psychotherapie.

Ein Beispiel für die Freiwilligkeit:

Apostelgeschichte 4 (Gute Nachricht Bibel):

32 All die vielen Menschen, die zum Glauben an Jesus gefunden hatten, waren ein Herz und eine Seele. Niemand von ihnen betrachtete etwas von seinem Besitz als persönliches Eigentum; alles, was sie besaßen, gehörte ihnen gemeinsam….34 Es gab unter ihnen auch niemand, der Not leiden musste. Denn ´wenn die Bedürfnisse es erforderten,` verkauften diejenigen, die ein Grundstück oder ein Haus besaßen, ihren Besitz und stellten den Erlös ´der Gemeinde` zur Verfügung.

Und nun zitiere ich einmal etwas ganz anderes, nämlich das kommunistische Manifest. Zunächst bietet es uns etwas ganz Christliches an, nämlich das miteinander Teilen, dass die, die haben, denen geben, die brauchen:

„Ihr entsetzt euch darüber, dass wir das Privateigentum aufheben wollen. Aber in eurer bestehenden Gesellschaft ist das Privateigentum für neun Zehntel ihrer Mitglieder aufge­hoben; es existiert gerade dadurch, dass es für neun Zehntel nicht existiert. Ihr werft uns also vor, dass wir ein Eigentum aufheben wollen, welches die Eigentumslosigkeit der unge­heuren Mehrzahl der Gesellschaft als notwendige Bedingung voraussetzt.“

Das ist nicht falsch, genau so ist es noch heute. Doch:

„Es gibt zudem ewige Wahrheiten, wie Freiheit, Gerechtigkeit usw., die allen gesellschaftlichen Zuständen gemeinsam sind. Der Kommunismus aber schafft die ewigen Wahrheiten ab, er schafft die Religion ab, die Moral, statt sie neu zu gestalten, er widerspricht also allen bisherigen geschichtlichen Entwicklungen.“

Wenn ich das oben Beschriebene auf die erlebte Realität des Kommunismus anwende, dann fehlte meines Erachtens nach definitiv, diesen Weg mit Gott zu gehen und ihn auf Freiwilligkeit, auf Einsicht und auf der Grundlage der Barmherzigkeit zu gehen, aus Überzeugung und Gerechtigkeit alles zu teilen, bis jeder genug hat. Darum ist wohl der Kommunismus gescheitert, darum hatte er keinen Bestand. Wenn alle aus Liebe und Einsicht handeln, da braucht es keine Stasi, keinen KGB, keine Securitate, keinen Zwang und keinen antifaschistischen Schutzwall, bei dem die Minen und Selbstschussanlagen doch irgendwie auf der falschen Seite waren. Keine Revolution, keine Führer und keine Machthaber! Keine Schweine, die irgendwie gleicher sind als alle Anderen, um im Bild der Farm der Tiere zu sprechen.

Keine gottesgemäße Gemeinschaft entsteht per „Verordnung“, sondern durch Einsicht, das vorbildhafte Leben einzelner und die Lust, an einer solchen Gemeinschaft teilzu­haben. Nochmals: Es ist das Prinzip des Sauerteiges, wie Gottes Reich entsteht, in kleinen Keimzellen, die sich ausdehnen, bis alles erfasst ist. Es gibt keinen anderen Weg, als dies aus tiefstem Herzen zu wollen und dann so zu leben, diese Lebensform aus tief­stem Herzen zu lieben, sie daher nie wieder aufzugeben. Die urchristliche Gemein­schaft war eine, die auf dem Teilen der Habe bestand, aus der besten Nutzung der Fähigkeiten und Ressourcen aller Mitglieder der Gemeinschaft. Am Anfang mag es ungewohnt und nicht ganz einfach sein, weil wir umlernen und neue Erfahrungen erst sammeln. In der Fülle ist Teilen recht einfach. Wenn es Zeiten des Mangels gibt, eine Zeit in der Wüste, dann wird es schon schwerer, in der Liebe zu blei­ben, wenn es wirklich an die eigene Haut geht. Dann kann man wirklich in sich selbst die kleinen ekligen geizigen Ecken und Kanten aufspüren.

Mir ging es im Ernstfall auch so, und ich habe mich gewundert, wie tief es bei mir zu einer bestimmten Zeit ging. Doch beim nächsten Gottesdienst kam als Lesung genau die Speisung der 5000. So hat er mir die Hand geboten, Seinen Weg wieder besser zu verstehen, mich immer mehr einzulassen.

Das, was da ist, reicht für alle, wenn wir es segnen, danken und teilen. Wir können sagen: „Bitte mehre meine Habe, damit ich teilen kann.“ Es kommt darauf an, dabei zu bleiben, sich zu erkennen und in Liebe zu wandeln, was noch nicht von Liebe erfüllt ist. Es ist wie das „auf dem Camino zu laufen“ bestehen, statt sich im allgemeinen Strom auf die Landstraße zu begeben. Wir leben unsere Überzeugung in diese Lebensform, egal, was die anderen dazu sagen oder uns raten. Sie tun es oft aus Liebe oder Sorge um uns. Es gibt diesen Weg, es ist möglich, so zu leben, mit Gott sind alle Dinge möglich, auch wenn dies das „enge Tor“ ist.

Matthäus 7 (Hoffnung für Alle)

13 »Geht durch das enge Tor! Denn das Tor zum Verderben ist breit und ebenso die Straße, die dorthin führt. Viele sind auf ihr unterwegs. 14 Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dorthin schmal. Nur wenige finden ihn.«

Am leichtesten ist der Weg zu finden und wird mit tiefer Überzeugung beschritten, wenn man endlich anfängt, sein Herz wirklich zu spüren, wie ich es in Kapitel „ Der Tag, als ich zu meinem Herz durchkam” beschrieben habe. Wenn man die Welt ansieht und dann vor Mitleid und Entsetzen erschrickt, wie tief die Patsche ist, in der die Welt sitzt; wie ich im vorherigen Kapitel beschrieben habe.  In tiefster Essenz weiß ich dann, dass dringend etwas getan werden muss und was ich tun muss. Das waren die globalen Dinge, hinzu kommt das Leid der Menschen, die uns umgeben, das, was wir ganz aktuell und direkt vor Ort tun können. Die wichtigste Frage ist: Was kann ich tun? Was ist das Wirksamste, was ich jetzt tun kann, um die Not der Welt und die meiner Mitmenschen auf barmherzige Weise zu lindern?

Was kann ich tun? Was tue ich? Zum Beispiel: Ich fühle, es ist mein Weg,

  • dazu beizutragen, die Heilung durch Gott wieder zu verbreiten;
  • Gottes Reich und den Weg der Nachfolge zu begreifen und anderen verständlich zu machen;
  • anderen Menschen in diesem Teil der Welt wieder Zugang zu ihrem Herzen zu verschaffen, damit sie die Welt mit dem Herzen sehen;
  • dem „Gott Mammon“ durch mein Lebensbeispiel die Kraft zu entziehen; dadurch den Weg zu mehr Gerechtigkeit, zum gerechten Teilen in der Welt aufzuzeigen, weil Menschen wieder dazu übergehen, lediglich zu nehmen, was sie brauchen;
  • zu lieben, zu lieben und noch einmal zu lieben.

Während meiner Tätigkeit als Vertriebsbeauftragte  habe ich immer wieder gelernt, dass es Sinn macht, an die niederen Instinkte der Menschen zu appellieren, sich zu überlegen: was hat X, was hat Y für einen persönlichen Nutzen davon, und ihnen dies zu kommuni­zieren, um X und Y ins Boot zu bekommen. Ich glaube, jetzt geht es darum, an die höheren Instinkte, an das Herz des Menschen zu appellieren, auf die höheren Instinkte zu setzen, ein Appell an die Liebe und den Sinn.

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Jesus kann uns beibringen, wie man den Weg der Liebe geht. Er erklärt sich uns in den sieben Ich-Worten des Johannes-Evangeliums. Er sagt uns, was er tut und wie wir mit ihm leben können.

1. Er sorgt für uns und steht für uns ein.

ICH BIN der gute Hirte;
der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. (Joh. 10,11)

Johannes 10 (Lutherbibel 1984, ebenso wie alle weiteren in diesem Kapitel): 11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. 12 Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -, 13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. (Ein Mietling ist z.B. ein Arbeitgeber, der so lange für uns sorgt, wie er uns braucht. Klar, er mietet uns bzw. unsere Zeit. Braucht er uns nicht mehr oder in Krisenzeiten entlässt er seine Schafe. Wir haben keine Sicherheit). 14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich, 15 wie mich mein Vater kennt und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe. (Meiner Meinung nach steht da: ich lege meine Seele oder Lebenskraft über die Schafe, d.h. er gibt uns seine Kraft, die unendlich ist.) 16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird “eine” Herde und “ein” Hirte werden. 17 Darum liebt mich mein Vater, weil ich mein Leben lasse, dass ich’s wieder nehme. 18 Niemand nimmt es von mir, sondern ich selber lasse es. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wieder zu nehmen. Dies Gebot habe ich empfangen von meinem Vater. … 24 Da umringten ihn die Juden und sprachen zu ihm: Wie lange hältst du uns im Ungewissen? Bist du der Christus, so sage es frei heraus. 25 Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt und ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich tue in meines Vaters Namen, die zeugen von mir. 26 Aber ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von meinen Schafen. 27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; 28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. 29 Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus des Vaters Hand reißen. 30 Ich und der Vater sind eins.

Sicherheit, Versorgtsein, Freiheit, Zugehörigkeit, Einheit

Wer Jesus einmal wirklich zu uns durchgekommen ist, wir „seine Stimme gehört haben“, dann folgen wir ihm auf dem Weg der Liebe, wir können gar nicht mehr anders. Es ist keine Fron, sondern Bedürfnis, es ist leicht. Er verlässt uns nicht und steht an unserer Seite in guten und gerade auch in schlechten Tagen, immer! Er breitet seine Seele über uns aus, gibt uns alles, geht an alle Grenzen und darüber hinweg. Es gibt für Ihn keine Wirtschaftlichkeitsüberlegungen noch Wertungsbilanz. Er ging sogar so weit, dass er sein Leben freiwillig aufgab, um uns zu zeigen, dass nichts schlecht ist, was von Gott kommt. Dass aus dem, was wir für das Schlimmste halten, sich wieder Heil ergeben kann. Er ist unsere Sicherheit, unsere Existenz, er setzt sich vollständig für uns ein, immer. Wenn wir uns auf etwas verlassen wollen, dann auf ihn. Er eint uns Menschen und macht uns bewusst, dass es nur den einen Gott gibt. Er sucht und findet uns, holt uns ab, manchmal auch an den verrücktesten Orten.

Als ich auf dem Jakobusweg in Hessen pilgerte, kam ich am Nachmittag in Steinau vorbei. Rechts am Weg von mir sah ich eine Kirche. Noch während ich darüber nachdachte, ob ich sie mir auch anschaue, da wurde es Viertel-Drei, die Kirchenglocke machte einmal deutlich „Ping“. Mir war so,  als ob Er mir sagen wollte: „Komm ruhig!“. „Na gut!“ dachte ich, „Ich komm ja schon!“ Ich ging in die Kirche und fand – wie sollte es auch anders sein -  in einer Ecke eine wunderschöne Herz-Jesu-Statue. Wir redeten eine Weile miteinander über selbstgesetzte Ziele und wie man sich damit selbst schaden kann. Nach einer Viertelstunde verließ ich die Kirche wieder. Als ich auf die Straße trat, sah ich, dass in der Zwischenzeit ein wahrer Wolkenbruch niedergegangen sein musste, so triefend nass war alles. Wäre ich weitergegangen, ich hätte anhalten und mich unterstellen müssen wie die drei Radfahrer, die ich unmittelbar darauf traf und die sich unter dem Vordach einer Garage schräg gegenüber Schutz gesucht hatten. Sie fragten mich: „Sagen Sie mal, regnet es bei Ihnen gar nicht?“, weil ich trocken war und keinerlei Regenkleidung trug. „Nee, der Pilger wird von Gottes Hand persönlich geschützt.“

Und was der gute Hirte tut, das ist in Psalm 23 aufgeführt, komplett steht er hier: Die Erbsünde wie ich sie verstanden habe, wer nochmals nachlesen möchte.

2. Er weist uns in unserem Handeln an und schenkt uns eine feste Anbindung:

ICH BIN der wahre Weinstock
und mein Vater ist der Weingärtner. (Joh. 15,1)

Weinstock im Rioja

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.  9 Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! 10 Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe. 11 Das sage ich euch, damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen werde. 12 Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch liebe. 13 Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. 14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. 15 Ich sage hinfort nicht, dass ihr Knechte seid; denn ein Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich gesagt, dass ihr Freunde seid; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan. 16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er’s euch gebe. 17 Das gebiete ich euch, dass ihr euch untereinander liebt.

Verbundenheit, Kraftstrom, Fruchtbarkeit, Liebesfähigkeit

Wir sind gar nicht in der Lage, allein zu existieren und zu wirken. Jesus zeigt uns hier auf, wie wir am besten unsere Wege angehen. Wenn wir Jesus kontinuierlich verbunden bleiben, dann können wir in Liebe und Freude wandern, wir gehen den Weg der Liebe. Er leitet einen ständigen Kraftstrom der Lebendigkeit in unser Leben, Er ist wirklich die Kraftquelle, damit wir schaffen können. Wir müssen nichts allein tun. Was wir tun, macht uns Spaß und wir tun, was wir tun, weil wir es gern tun, nicht weil wir es müssen. Wir lieben einander und nehmen die Bedürfnisse des anderen so ernst wie unsere eigenen und sorgen gern füreinander. Bei dem, was wir tun, kommt etwas heraus, über das wir uns freuen können. Wer nicht aus Liebe handelt, der hat Stress und unangenehme Gefühle (brennen, ins Feuer geworfen werden) – über kurz oder lang, irgendwann Tag für Tag, das Leben ist anstrengend.

Zwei Mal bin ich ein paar Tage allein gepilgert. Immer wieder wurde ich dabei – vor allem von Frauen – gefragt, ob ich denn keine Angst hätte – so allein, vor allem im Wald. Nein, hatte ich nicht (oder fast nicht, s.u.)! Ich habe immer das Kreuz meines Rosarios hochgehalten und geantwortet: „Ich bin doch nicht allein, der Herr ist mit mir!“ Einige haben erstaunt geschaut, doch viele, vor allem ältere Frauen bekamen dann einen warmen Glanz in den Augen und sagten wie bestätigend: „Ja, stimmt schon, der Herr ist mit uns!“ Allerdings: einmal hatte ich tatsächlich Angst. Ich hatte mich am Rande eines Dorfes am Feldesrain zum Schlafen hingelegt. Plötzlich hörte ich ganz in der Nähe lautstark Wildschweine. Trotz aller Engel habe ich meine Sachen wieder zusammen gepackt und bin in das Dorf zurückgelaufen. Manchmal reicht es bei mir halt auch nicht, bin ja noch auf dem Weg. Das Dorf hatte ich mir vorher in der Dämmerung angeschaut. Vor der dortigen Kirche stand ein altes, unbewohntes Haus. Hinter dem Haus war eine dunkle, windstille Ecke, direkt neben einer Mauer, die mich von der anderen Seite vor Blicken schützte. Dort legte ich mich beruhigt unter klarem Sternenhimmel schlafen. Am nächsten Morgen war Feiertag: Maria Himmelfahrt. Die Kirche, vor der ich geschlafen hatte, trug denselben Namen wie der Tag: Maria Himmelfahrt. Ich war überrascht, musste lachen, war gleichzeitig betroffen und nachdenklich. Ich bin tatsächlich verbunden…

3. Er nährt uns:

ICH BIN das Brot des Lebens;
wer zu mir kommt, wird nicht hungern
und wer an mich glaubt, wird nie mehr dürsten. (Joh. 6,35)

32 Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. 33 Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. 34 Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. 35 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.36 Aber ich habe euch gesagt: Ihr habt mich gesehen und glaubt doch nicht. 37 Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. 38 Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. 39 Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich’s auferwecke am Jüngsten Tage. 40 Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage. 41 Da murrten die Juden über ihn, weil er sagte: Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist, 42 und sprachen: Ist dieser nicht Jesus, Josefs Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wieso spricht er dann: Ich bin vom Himmel gekommen? 43 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Murrt nicht untereinander. 44 Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, ihn ziehe der Vater, der mich gesandt hat, und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tage. 45 Es steht geschrieben in den Propheten (Jesaja 54,13): »Sie werden alle von Gott gelehrt sein.« Wer es vom Vater hört und lernt, der kommt zu mir. 46 Nicht als ob jemand den Vater gesehen hätte außer dem, der von Gott gekommen ist; der hat den Vater gesehen. 47 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. 51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt. 52 Da stritten die Juden untereinander und sagten: Wie kann der uns sein Fleisch zu essen geben? 53 Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch. 54 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. 55 Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. 56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. 57 Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. 58 Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.

Nahrung, Ewiges Leben

Jesus nährt uns durch die Eucharistie  in unserem Geistleib und das führt immer mehr dazu, dass unsere wichtigsten inneren Bedürfnisse befriedigt werden: nach Liebe, Nähe, Zugehörigkeit, Wandlung, Anerkennung und Sinn. Sie ist eben auch ein Mittel, das „Durchreichen“ zu bewirken. Wir fühlen uns immer weniger einsam, sinnentleert, sehnsüchtig und verloren, sondern innerlich angefühlt und zufrieden. Und wer innerlich angefüllt ist, ist offen, bereit, erst in der Lage zu geben, sich zu geben, der ist nicht stetig in seiner Bedürftigkeit, seinen Ängsten und Sorgen verfangen. Wer die Wirkung der Eucharistie auf seinen Geistleib fühlen kann, der spürt Licht, Liebe  und Stärkung, Freiheit und Verbundenheit, eben Lebenskraft, die im Nu den ganzen Körper anfüllt. Durch die Lebenskraft werden wir gesund, klar, gereinigt. Die Eucharistie hilft uns, die Wandlung zu vollbringen. Je gesünder und reiner der Geistleib, umso gesünder ist auch unser materieller Körper. Die Eucharistie ist sowohl Gesund­heits­vorsorge wie auch ein Erfülltwerden unserer Gaben, unseres Gabenpotentials. Sie ist die Wandlungskraft an sich, sie ermöglicht uns ein heilsames Leben. Erfüllt sein, emotio­nal satt sein, nicht emotional zu verhungern, ist der beste Schutz gegen Krankheit, Süchte und Ersatzbefriedigungen, auch die der Ernährung, und gegen die Einflüsterungen des Widersachers. Siehe auch meine Erfahrungen der Wirkung der Eucharistie in “Wir sind ja nicht allein”. Das tägliche Brot des Lebens, das uns stark macht, dem Anderen unsere Hand zu reichen.

Im Sommer nahm ich mir eine Woche Zeit, um auch in Deutschland auf einem Jakobusweg zu pilgern. Ich wählte die Strecke von Eisenach bis zum Kreuzberg in der Rhön, mein Pilgerabschluss war in Volkersberg. Das wunderbare an diesem Weg ist, dass er von vielen christlichen Haltestationen geprägt ist. Die Kirchen sind in der Regel offen und es gibt viele Mariengrotten. Im Kloster Hünfeld fand ich ein „sprechendes“ Labyrinth und eine wunderschöne, goldene Marienstatue, in Rothenbach  sogar eine Rosenkranztreppe, das ist eine Treppe, die an einem Kreuz beginnt und aufgebaut ist wie ein Rosenkranz. Erst eine Treppenstufe, dann 3 Treppenstufen, dann 1 Treppenstufe, dann 10 Treppen­stufen und das 5 Mal. Ist man oben an der Treppe angekommen, steht man vor einer kleinen Marien­kapelle. Bewegtes Beten, ein wundervoller Ort. Und an jedem Ort nahmen Jesus und Maria das Gespräch mit mir auf, so deutlich wie selten in der Zeit vorher. Fünf, sechs mal am Tag gab es intensive Gespräche. Ich war am Ende der Woche fast bis zum Platzen angefüllt, mit Liebe, Sinn, Ruhe, Verständnis und neuen Ideen. Am letzten Tag, bei meiner letzten Station in Volkersberg konnte ich nicht mehr, hisste die weiße Flagge, war am Ende meiner Aufnahmekapazität. Sie können so stark auf uns zu kommen! Man kann so geliebt werden!

Ich weiß jetzt, wenn ich mich nur selbst öffnen kann, dann kann ganztägig der Kontakt da sein. Noch kann ich es nicht auf Dauer halten. Nicht immer, aber immer öfter! Es ist ein Gewöhnungsprozess, so viel zu empfangen. Ich leb ja noch ein Weilchen auf dieser wunderbaren Erde: Wird schon! Noch lange habe ich von dieser einen Woche gezehrt. Ich habe anschließend meine Arbeitsweise nochmals mehr für den Einfluss Jesu geöffnet, alles vor ihn gestellt und dann jede Menge Hilfe bekommen.

4. Er öffnet unsere Herzen und ruft uns:

ICH BIN die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht,
so wird er errettet werden und wird ein- und ausgehen und die Weide finden. (Joh. 10,9)

1 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Räuber. 2 Der aber zur Tür hineingeht, der ist der Hirte der Schafe. 3 Dem macht der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme; und er ruft seine Schafe mit Namen und führt sie hinaus. 4 Und wenn er alle seine Schafe hinausgelassen hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm nach; denn sie kennen seine Stimme. 5 Einem Fremden aber folgen sie nicht nach, sondern fliehen vor ihm; denn sie kennen die Stimme der Fremden nicht. 6 Dies Gleichnis sagte Jesus zu ihnen; sie verstanden aber nicht, was er ihnen damit sagte. 7 Da sprach Jesus wieder: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. 8 Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben ihnen nicht gehorcht. 9 Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden. 10 Ein Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.

Berufung, Seligkeit, Zusage, Befreiung aus der Sklaverei

Jesus öffnet uns, den Weg der Liebe zu gehen, in Liebe das zu tun, was uns anzieht und selig macht. Wir brauchen uns nur zu öffnen und Einsicht, etwas tun, weil wir es selbst wollen. Wenn wir bereit sind, auf jeden Fall eine Sache zu tun, ob sie nun Geld bringt oder nicht, dann sind wir in unserer Berufung angekommen. Wer das tut, wozu er sich berufen fühlt, der hat sie Zusage, dass es ihn auch nährt. Wir sind an diesem Ort unverwechselbar, einzigartig, unersetzlich, es ist der Weg aus der „Sklaverei“. Wer versucht, uns zu einem Handeln zu bewegen mit anderen Mitteln als Einsicht und Liebe, der wird kein Glück haben. Wer uns beispielsweise mit Geld motiviert, aus uns selbst Mietlinge macht, dem folgen wir nur so lange, wie er uns Geld dafür bezahlt. Er nimmt uns unsere Lebenszeit für seine eigenen Zwecke und Ziele. Wenn wir ihm nicht mehr nützlich sind oder in schlechten Zeiten, da werden wir entlassen. Wer uns mit seiner Macht dazu bewegt, erzwingt, der kauft unsere Lebenszeit für sich, der wird sein Ziel nur erreichen, so lange er seine Macht ausübt. Sobald er das nachlässt, werden wir damit aufhören, zu tun, was er will. Macht, die man ausübt, schwindet dadurch.[1] Eine andere Seite der Türfunktion ist, dass wir im Gebet durch Jesus Christus uns Gott dem Vater, der in der Ewigkeit lebt, annähern können und eine Ahnung der Ewigkeit und des Friedens bekommen. Wenn wir hier im Gebet verweilen, erfüllt uns der Friede und tiefe Ruhe. So können wir schon heute immer wieder selig werden.

Als ich noch nicht bei meiner Berufung angekommen war, da war ich auswechselbar. Wenn ich es nicht tat, war schnell ein anderer da, der dasselbe machen konnte. So ist es. So schreiben wir Bewerbungen und erhalten Zusagen und Absagen, manche Hunderte davon. Wir bewerben unser Produkt oder uns als Produkt. Doch alles Werben und Bewerben hat ein Ende, wenn wir berufen sind und gerufen werden, wenn genau wir erwünscht sind, wenn wir empfohlen werden. Dann geschieht alles wie von selbst. Die Kunden, Klienten, Arbeitgeber kommen auf uns zu, genau in dem Maße, wie wir es bewältigen können. Das ist mir passiert, als ich bereit war, die neue Methode anzuwenden, dasselbe ist Santiago passiert, als er wieder auf seinen Weg des Musikers, des Künstlers zurückkehrte.

5. Er zeigt uns die Wahrheit und weist uns den Weg:

ICH BIN der Weg, die Wahrheit und das Leben,
niemand kommt zum Vater als nur durch mich. (Joh. 14,6)

5 Spricht zu ihm Thomas: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen? 6 Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. 7 Wenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Und von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. 8 Spricht zu ihm Philippus: Herr, zeige uns den Vater und es genügt uns. 9 Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater! Wie sprichst du dann: Zeige uns den Vater? 10 Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und der Vater in mir? Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht von mir selbst aus. Und der Vater, der in mir wohnt, der tut seine Werke. 11 Glaubt mir, dass ich im Vater bin und der Vater in mir; wenn nicht, so glaubt doch um der Werke willen. 12 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere als diese tun; denn ich gehe zum Vater. 13 Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, damit der Vater verherrlicht werde im Sohn. 14 Was ihr mich bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun. 15 Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. 16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. 18 Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. 19 Es ist noch eine kleine Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen. Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben. 20 An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. 21 Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist’s, der mich liebt. Wer mich aber liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. 22 Spricht zu ihm Judas, nicht der Iskariot: Herr, was bedeutet es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt? 23 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. 24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat. 25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. 26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Das brennende Herz, seiner Wahrnehmung trauen,
direkte Verbindung, direkte Führung

Der Weg der Liebe und Einsicht ist der wahre Weg, alle anderen Wege sind Teile, jedoch nicht das Ganze. Alle anderen Beweg-Gründe (Geld, Angst, Sorge, Zorn, Gier, Imagefragen) führen in eine Sackgasse, erweisen sich irgendwann als Fehlschlag. Er schlägt uns immer, immer wieder vor, uns in die Gemeinschaft einzubringen. Wer so handelt, zu dem kommt Gott automatisch, in dem wohnt Gott. Er schenkt uns dafür die Gegenwart des heiligen Geistes. Wer nach dieser Anleitung handelt, in dem ist der Heilige Geist aktiv, der wird mit Seinen Charismen beschenkt, mit denen alles Handeln sehr, sehr viel leichter wird, bis irgendwann alles möglich ist.

Das obige Ich-Wort ist mein Konfirmationsspruch. Mit dieser Aufgabe war ich wohl betraut, meinen Glauben wieder neu zu bestätigen, diese Worte durch mein Leben  zu „konfirmieren“.

Mein Leben lang war ich eine Suchende, habe ich alle möglichen spirituellen Praktiken ausprobiert, schon mit 17 habe ich auf Anregung meiner Mutter Autogenes Training gelernt. Nach einer Weile des Herumprobierens hatte ich mir angewohnt, alle diese Praktiken danach zu bewerten, ob sie funktionier­ten. Geht es mir besser damit? Verändert sich mein Leben, meine Gesundheit, meine Umgebung zum Guten? Ist das geistige Konzept verständlich, nachvollziehbar, stimmig, vollständig und in sich einfach? Wirklich: „funzt“ es? Ich habe viel ausprobiert, weitergemacht, was funktionierte, gelassen, was nicht so erfolgreich/folgenreich war: asiatische Methoden wie Meditation verschiedenster Art, Akupunktur, Reiki, Yoga; den Schamanismus;  Naturheilkunde und Homöopathie, Steine, Bachblüten, Essenzen; Astrologie und andere Divinationsmethoden;  Psychologie und Psychotherapie verschiedenster Schulen, moderne Psychotrends wie NLP, The Work, Aufstellungen. Alles hat mir etwas geholfen, wobei Reiki lange Zeit für mich das Griffigste und Universellste war, ebenso mag ich The Work sehr. Alles hat mir geholfen, meine Heilung weiter voran­zutreiben, meine Wahrnehmung zu trainieren und zu schärfen, meinen Kopf zu befreien, gedankliche Grenzen zu sprengen. Ich bereue nicht undbedingt, alle diese Wege ausprobiert zu haben, keiner sollte sie grundsätzlich verteufeln. Ich hätte mir allerdings viele Umwege auch ersparen können, wenn ich es mit dem “Solo Dios basta/Nur Gott genügt” von Teresa von  Ávila gehalten hätte. Für am schädlichsten halte ich persönlich Diviniationstechniken.

Doch: Nichts war so wirksam, nichts hat mir so umfassend Veränderung und Heilung ermöglicht wie die Zeit mit Jesus Christus seit meiner geistigen Wiedergeburt in Barcelona 2006. Nichts war jemals so deutlich seelisch, geistg und körperlich spürbar. Faßbar, zuverlässig, eindeutig, klar. Kein Konzept ist so vollständig, kein anderes System gibt auf alle Fragen eine Antwort. Keines ermöglicht so radikale Änderungen in Richtung Liebe und Lebendigkeit. Keines ist so menschenfreundlich wie die Lehre von Gottes Reich. Ich kann es Dir heute bestätigen, konfirmieren: Jesus Christus, Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben, der direkte Weg. Allem Anderen fehlt vor allem der Segen, die Gnade, das Getragensein, das Erbarmen und die Allgegenwärtigkeit Gottes, dass wir es nicht allein in Ordnung zu bringen haben. Ein Versprechen, das auch gehalten wird. Jesus Christus, Du bist spürbar ein Teil des dreifaltigen Gottes. Du bist der Königsweg zu Gott. Amen, ich glaube.

6. Er ermöglicht, dass wir sehen, wahrnehmen können

ICH BIN das Licht der Welt;
wer mir nachfolgt wird nicht in der Finsternis wandeln,
sondern wird das Licht des Lebens haben. (Joh. 8,12)

Licht der Welt

12 Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.13 Da sprachen die Pharisäer zu ihm: Du gibst Zeugnis von dir selbst; dein Zeugnis ist nicht wahr. 14 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Auch wenn ich von mir selbst zeuge, ist mein Zeugnis wahr; denn ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe; ihr aber wisst nicht, woher ich komme oder wohin ich gehe. 15 Ihr richtet nach dem Fleisch, ich richte niemand. 16 Wenn ich aber richte, so ist mein Richten gerecht; denn ich bin’s nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat. 17 Auch steht in eurem Gesetz geschrieben, dass zweier Menschen Zeugnis wahr sei. 18 Ich bin’s, der von sich selbst zeugt; und der Vater, der mich gesandt hat, zeugt auch von mir. 19 Da fragten sie ihn: Wo ist dein Vater? Jesus antwortete: Ihr kennt weder mich noch meinen Vater; wenn ihr mich kenntet, so kenntet ihr auch meinen Vater.

Klare Sicht, keine 2. Meinung notwendig, Licht in der Finsternis

Das Licht geht voran, wir brauchen nur dorthin zu folgen, wo es leicht ist, wo es sich für uns hell anfühlt. Wir können an eine gute Welt glauben. Jesus spricht von Gottes Reich, das so menschenfreundlich ist. Leben wir nach seinen Regeln, so ist unser Leben leicht. Vertrauen wir, so gibt es immer Hoffnung. In all unsere Gedanken verstrickt, in unserer Selbstbezogenheit haben wir oft keine klare Sicht auf die Realität. Wir beurteilen, wir richten, oft ohne die wirklichen Hintergründe zu kennen. Wenn wir uns nur über das, was wir denken, fragen würden: „Ist das wirklich wahr? Und: Können wir wissen, dass es wahr ist?“[2], dann würden wir häufig ganz schnell merken, dass unsere Beurteilung jeglicher Grundlage entbehrt und nur aus unserer Beurteilung unserer Erinnerungen gefärbt ist. Mit der grundsätzlichen Gütevermutung sehen wir klar, ist alles Licht, ist immer Hoffnung da, die das Licht ist, zumindest der Silberstreif am Horizont. Und selbst wenn keines da ist, dann können wir an das Licht glauben am Ende der Nacht, es uns genau dort vorstellen, denn immer wieder kommt ein neuer Tag.

Eine meiner Klientinnen hatte eine schwere Situation durchzustehen, sie musste einen langgehegten Wunsch, eine Illusion loslassen. Sie hatte wahrhaftig das Gefühl, dass etwas in ihr starb, sie selbst partiell starb, für ein paar Tage in das Reich des Todes hinabzusteigen. Die große Entdeckung, die sie dort machte, war, dass Jesus uns dort ein Licht hinterlassen hat. Da verstand ich voller Dankbarkeit: Das Reich des Todes ist seit seinem Aufenthalt dort nicht mehr die vollständige Finsternis, sondern das Licht, das er dort hinterlassen hat, ermöglicht uns allen die Auferstehung.

And when the night is cloudy

there is still a light that they will see,

shine until tomorrow: Let it be! Paul McCarney, Beatles

Als ich aus Spanien zurückkam, schrieb ich zunächst alles auf, was mir so reichlich zufloss. Dann wandte ich mich an die katholische Kirche, die Kirche, die ich in Spanien kennen gelernt hatte. Doch dort fand ich niemanden, der mir erklären konnte, was mir geschehen war, der mir half, mich mit meinem Erleben zurecht zu finden, mich auszusortieren. Was ich bekam, das waren ein Haufen Vorschriften und alle meine Fehler und Unmöglichkeiten „aufs Brot geschmiert“, jemand nannte es so nett „Wasser in den Wein gießen“. Ich erhielt einen Kurs im 1×1 des Glaubens für bisher Ungetaufte, ich war im falschen Film. Zumindest konnte ich feststellen, dass nichts, was ich empfangen hatte, verkehrt gewesen war. Gesucht hatte ich nach echter Führung nach diesem „Glaubenseinbruch“ in meinem Leben, irgendwie: Ist das denn Realität, was mir da passiert ist oder spinne ich? Kann das sein? Ich, warum ich?

Ich wurde auch an niemanden weiterverwiesen, kein „ich habe dafür leider keine Zeit, aber … kann ihnen helfen“ oder „ … ich kenn mich mit so was nicht so aus, doch … könnte sich vielleicht ihrer annehmen“. Und ich stand da, gehalten, das Evangelium umzusetzen, und fand zum einen keinen, der das lebte, was da stand. Zum anderen fand ich auch keinen, der mir sagen konnte, wie denn das geht. Ich vertiefte mich ins Gebet, bat immer wieder um Führung, suchte nach religiös-erfahrenen Menschen, und fand: JESUS. Er holte mich wieder zurück und erklärte mir, er wolle mich direkt führen, immerhin hätte ich ja inzwischen die Fähigkeit ihn wahrzunehmen. Bis ich das geglaubt und wirklich danach gehandelt habe, das hat lange gedauert. Bis ich wirklich meiner Wahrnehmung und dem geglaubt habe, was mir unterwegs und später im Alltag geschehen war. Dass ich einfach als wahr annahm und der Verbindung zu Jesus traute. Ich fühlte an meinem Körper, dass zuverlässig immer etwas geschah. Ich traute meiner Heilungsarbeit, ja, vielen Menschen ging es durch das, was zwischen uns geschah, viel besser. Ich hatte genug Anlass zu glauben. Ich war ja dabei, Zeuge, ich weiß, was mir passiert ist. Jetzt glaube ich und es ist mir egal, was andere denken oder ob sie an mir zweifeln. Nochmals: Amen, ich glaube.

7. Er bringt uns in die Einheit Gottes zurück.

ICH BIN die Auferstehung und das Leben;
wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist. (Joh. 11,25)

25 Jesus spricht zu ihr (Marta): Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt;26 und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? 27 Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist. 28 Und als sie das gesagt hatte, ging sie hin und rief ihre Schwester Maria heimlich und sprach zu ihr: Der Meister ist da und ruft dich. 29 Als Maria das hörte, stand sie eilend auf und kam zu ihm. 30 Jesus aber war noch nicht in das Dorf gekommen, sondern war noch dort, wo ihm Marta begegnet war. 31 Als die Juden, die bei ihr im Hause waren und sie trösteten, sahen, dass Maria eilend aufstand und hinausging, folgten sie ihr, weil sie dachten: Sie geht zum Grab, um dort zu weinen. 32 Als nun Maria dahin kam, wo Jesus war, und sah ihn, fiel sie ihm zu Füßen und sprach zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. 33 Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, ergrimmte er im Geist und wurde sehr betrübt 34 und sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie antworteten ihm: Herr, komm und sieh es! 35 Und Jesus gingen die Augen über. 36 Da sprachen die Juden: Siehe, wie hat er ihn lieb gehabt! 37 Einige aber unter ihnen sprachen: Er hat dem Blinden die Augen aufgetan; konnte er nicht auch machen, dass dieser nicht sterben musste? 38 Da ergrimmte Jesus abermals und kam zum Grab. Es war aber eine Höhle und ein Stein lag davor. 39 Jesus sprach: Hebt den Stein weg! Spricht zu ihm Marta, die Schwester des Verstorbenen: Herr, er stinkt schon; denn er liegt seit vier Tagen. 40 Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? 41 Da hoben sie den Stein weg. Jesus aber hob seine Augen auf und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. 42 Ich weiß, dass du mich allezeit hörst; aber um des Volkes willen, das umhersteht, sage ich’s, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. 43 Als er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! 44 Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Gesicht war verhüllt mit einem Schweißtuch. Jesus spricht zu ihnen: Löst die Binden und lasst ihn gehen! 45 Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus tat, glaubten an ihn.

Wunder: Alles ist möglich, sogar Auferstehung von den Toten

Wenn wir glauben, unbedingt glauben, dann kann alles passieren, dann IST GOTT. LEBEN IST. Leben ist: ewig, weil keine Tiefe mehr so schlimm sein kann, dass man sie für nicht überwindbar hält. Wunder gehören zur Tagesordnung. Leben ist in JEDER Situation liebenswert, wir können immer wieder aufstehen und unseren Blick zum Himmel erheben, egal, was geschehen ist, egal wo und was wir dann sind. In dem Weihnachtslied „Es kommt ein Schiff gefahren“ gibt es ein paar Worte, die es uns ebenfalls verständlich machen.

„Danach mit ihm auch sterben und geistig auferstehen“

Ja, unser altes Leben lassen wir sterben, um geistig aufzuerstehen, spirituell neu geboren zu werden, uns spirituell neu auszurichten. Es geht nicht um den endgültigen Tod mit Beerdigung und so, sondern den Tod in einem Leben, das am Materiellen, Götzlichen statt am Spirituellen, Göttlichen ausgerichtet ist. Und: Wenn die eigene Zeit zum Übergang kommt, dann sind wir gewiss, dass eine einfach eine neue Zeit anfangen wird: Eine Tür geht zu, eine andere auf.

An meinem 49. Geburtstag telefonierte ich nachmittags mit meiner Freundin, die hochschwanger war. Sie hatte das Gefühl, schon die ersten Wehen zu haben, dass es wohl bald „losginge“. Am nächsten Tag hatte ich am Nachmittag das dringende Gefühl, eine Aufforderung zum Beten zu hören. Ich ging nach Hause und setzte mich hin, fragte, wofür ich denn jetzt meinen Rosenkranz beten sollte. Ich hörte in mir: Für das Kind. Also betete ich für das Kind meiner Freundin. Während meines persönlichen Jesusgebetes erschien in meiner Bitte immer wieder zusätzlich das Wort „resurrección“ = Auferstehung. Ich bat intensiv um Auferstehung, schickte Segenswunsch um Segenswunsch, damit der neue Erdenbürger auch spirituell-seelisch auf dieser Welt einen warmen Empfang bekäme. Den dreifaltigen Gott bat ich und die Mutter Jesu, sich dieses Kindes besonders anzunehmen. Dann …passierte erstmal nichts. Von meiner Freundin hörte ich nichts, keine Geburtsanzeige, kein Anruf, nichts. Ich dachte mir, ok, ich lasse sie erstmal ein paar Tage in Ruhe. Man hat ja mehr zu tun nach so einer frischen Geburt, als an die Freunde zu denken, ich wollte nicht stören. Bei mir war das auch so gewesen. Kaiserschnitt, Komplikationen, einige Tage im Krankenhaus, da wollte ich mich auch nur um das Kind und mich kümmern. Nach 10 Tagen ohne Nachricht rief ich sie an. Von ihrem Mann hörte ich, sie war noch im Krankenhaus mit ihrem neugeborenen Sohn. Die Geburt hatte am Abend meines Geburtstages begonnen, doch es hatte auch hier Komplikationen gegeben. Zu der Zeit, als ich für das Kind betete, hatten die Ärzte gerade um das Leben des Säuglings gekämpft. Mit dem Gebet habe ich sie unterstützt. Ihr Sohn ist am Leben geblieben, ist ein gesundes Kind, ein ganz Lebhafter! Gott hat gewirkt.

Nächster Artikel: Wegweiser, Zeichen und Entscheidungen


[1] Siehe hierzu von R. Emerson sein Werk zur „Social Exchange Theory“

[2] Fragen aus der wunderbaren Technik von The Work von Byron Katie, der Autorin von „Lieben was ist“

Wegweiser auf dem Camino

Eine wichtige Sache beim Pilgern als ein Spiegel des Lebens ist das Auffinden der Zeichen. Der ungeübte Pilger geht nach dem Buch und der Karte, dem Wissen und Erleben der Anderen. Beim geübten Pilger schaltet sich an Abzweigungen die Aufmerksamkeit für die Zeichen ein. Ist das Zeichen gefunden, dann weiß man, welcher Weg einzuschlagen ist, und man kann sich wieder Gottes schöner Welt zuwenden. Und dann gibt es immer wieder die Pilgerengel, die auf einen zukommen, wenn man den falschen Weg eingeschlagen hat.

Setzen wir uns keine eigenen Ziele und Zwischenziele außer dem, mit Gott zu leben, dann kommen die Zeichen immer wieder, z.B. ein Ruf, eine Nachricht, ein Buch, eine Neuinszenierung auf der Bühne unseres Lebens,  irgendetwas, das unsere Aufmerksamkeit – hoffentlich – erreicht. Das einfachste ist die Anziehung wirken zu lassen und sich ihr hinzugeben. Wir folgen der Bewegung in unserem Herzen, einfach von Herzen zu wissen, von ganzem Herzen zu handeln.

Körper, Geist und Seele sind ebenso wenig getrennt zu “sehen” wie wir selbst vom Ganzen. Wir sind gemeinsam ein Organismus: Die Menschheit. Ein Organismus hat eine Steuereinheit, die Steuereinheit der Menschheit ist Gott. Lassen wir die viele Denkerei, so ist unsere Aufmerksamkeit offener für die göttliche Führung, die immer da ist. Es geht so einfach, es ist ja jemand da, der uns mit absoluter Weisheit koordiniert. Der will sich ja durch unsere Erfahrungen erweitern. So wie wir uns und der Welt durch Erfahrung bewusst werden, wird die Gesamterfahrung aller sich auch in Summe bewusst, kostet die ganze Bandbreite qualitativer Erfahrung der gesamten Menschheit aus und wächst damit genau wie wir weiter. Diese qualitative Bandbreite gibt es ebenso zwischen Sein und Tun, wir brauchen keins von beidem präferieren, alles hat seine Zeit.

Prediger 3 (Lutherbibel 1984):
1 Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: 2 geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, aus­reißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; 3 töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; ab­brechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; 4 weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; 5 Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; 6 suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; 7 zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; 8 lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit. 9 Man mühe sich ab, wie man will, so hat man keinen Gewinn davon. 10 Ich sah die Arbeit, die Gott den Menschen gegeben hat, dass sie sich damit plagen. 11 Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

Wie leben wir diese Hingabe? Wie führt uns Gott? Kommen wir im Alltag in eine Entscheidungssituation, an eine Wegkreuzung, so fragen wir uns:

  • Was ist das Offensichtliche? (Wahrnehmung der Umgebung, des Naheliegenden und Augenfälligen und der inneren Stimme)
  • Wer bin ich und wo stehe ich?
  • Welche Aufgabe steht an? Schauen wir vor uns, was es zu tun gibt! Welche Aufgabenstellung, welche Verwirklichung ist an der Zeit?
  • Was kann ich gut, wo zieht es mich hin? (Wahrnehmung, was wird gebraucht? Liebe, Anziehung, Unternehmenslust und Kreativität)
  • Was mag wohl mein Anteil daran sein? Wofür bin ich geschaffen, wofür wird jemand wie ich mit meinem Fähigkeitenmix und Erfahrungshintergrund gebraucht? Wo passe ich hin?
  • Wie kann ich dem Gesamten dienen? Was ist für alle Beteiligten das Beste?
  • Was fällt mir zu? Das ist für mich! Was verschwindet gerade? Das lasse ich los!
  • Wofür ereilt mich ein Ruf?

Die schönste und hilfreichste Frage dazu, die hat sich, wie ich hörte, auch Mahatma Ghandi gestellt:

Was würde Jesus tun?

Zum Einen: Würde er beispielsweise alle unsere Bedenken teilen? Würde er sich überlegen, womit er am meisten Geld verdienen kann? Würde er sich vor Armut fürchten, würde er an seine Altersversorgung denken? Würde er sich fragen, was die Anderen den von ihm denken würden, wenn er macht, was ihm richtig erscheint? Wäre ihm Sicherheit und Bequemlichkeit wichtig? Würde er sich vor Spott, Hänselei, Ablehnung oder sogar Verfolgung und Internierung fürchten? Würde er an seinen eigenen Nutzen denken? Würde er sich fragen, ob er das überhaupt kann?

Ja, was würde er sich fragen? Was ist Gottes Wille? Was ist das Wichtigste? Wer ist in Not? Wer braucht was? Was ist für alle gut? Was wäre sein Ziel? Aus welcher Motivation heraus würde er handeln? Schauen wir zunächst auf das Einfache, was sich uns bei diesen Fragen erschließt, schauen wir auf den drängenden Impuls in uns. Was sagt uns unser Herz dazu? Treffen wir jede Entscheidung nur aus einem Zustand der Liebe heraus, andere Entscheidungen haben keinen Bestand.

Und wenn es grad nichts sagt? Dann ist es ein guter Zeitpunkt für einen Moment der Stille. Jesus zog sich in solchen Fällen auf einen Berg zurück. Ich zücke meinen Rosario. Eine Methode namens Heart Math[1] empfiehlt: Legen wir unsere Hand aufs Herz und erinnern uns an einen besonderen Moment der Liebe in unserem Leben, lassen wir uns ganz darauf ein und stellen uns dann die Frage erneut und hören auf die Antwort der leisen Stimme in uns.

Und wenn man damit anfängt: Theresa von Ávila sagte dazu „Abgesehen von eurem hilfreichen Gebet solltet ihr nicht gleich der ganzen Welt beistehen wollen, sondern denen, die mit euch zusammenleben.“(aus: Moradas del castillo interior).“ Ja, genau dort können wir anfangen, wir sind aber nicht dazu angehalten, auch dort aufzuhören, hat Theresa auch nicht gemacht, sie hat 17 Klöster gegründet. Es gibt genug zu tun, Wunderbares und Einfaches!

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[1] Heart Math oder HerzIntelligenz, diverse Bücher von Doc Childre und dem HeartMathInstitute

Unser 1. gelber Pfeil in Lourdes hinter der Basilika

Die erste Etappe von Lourdes nach Asson war 24 km lang. Für mich eine wirklich ausreichende Entfernung, meine Oberschenkel taten mir gegen Ende weh, dass ich dachte, gleich springen mir die Oberschenkelknochen aus den Hüftpfannen. Ich konnte noch nicht einschätzen, welche Auswirkungen solche Schmerzen auf den nächsten Pilgertag haben. Daher war ich nicht bereit, weiter zu laufen, vor allem, da der Küster von Asson mich schon am Dorfanfang auf die Übernachtung angesprochen hatte. Santiago wollte jedoch weiter, denn unsere körperliche Fitness war deutlich unterschiedlich. An diesem ersten Tag hätten wir uns fast schon getrennt, doch er lenkte ein und blieb mit mir in Asson. Auch am nächsten Tag wollte er weit laufen, weiter als der Etappenvorschlag angab. An diesem Tag lenkte ich ein und ging mit ihm weiter, als ich mir zunächst vorgestellt hatte. Meine Oberschenkelknochen waren noch in ihren Hüftpfannen, der Schmerz war weg. Doch aus Liebe und als Anerkennung seines Einlenkens am Tag davor habe ich mir diese Extrameilen „abgerungen“, damit auch er Freude am Weg hatte. Das habe ich immer wieder aus Liebe getan und war bald selbst erstaunt über meine gewachsene Leistungs­fähigkeit.

Kein Mensch lernt und handelt wirklich nachhaltig durch Kritik, durch Ermahnung, durch Kontrolle, durch Zwang, durch Pflicht. Dies sind unwirksame Werkzeuge und Wegbegleiter auf dem Weg des Herzens, sie verursachen Anspannung, Verkrampftheit, Widerstand, Unlust und Unwillen. In Römer 12  (Übersetzung Gute Nachricht Bibel) finden wir den Rat:

8 Wer sich um Notleidende kümmert, soll es nicht mit saurer Miene tun.9 Die Liebe darf nicht geheuchelt sein. Verabscheut das Böse, tut mit ganzer Kraft das Gute! 10 Liebt einander von Herzen als Brüder und Schwestern, und ehrt euch gegenseitig in zuvorkommender Weise. 11 Werdet im Eifer nicht nachlässig, sondern lasst euch vom Geist Gottes entflammen. Dient in allem Christus, dem Herrn. 12 Seid fröhlich als Menschen der Hoffnung, bleibt standhaft in aller Bedrängnis, lasst nicht nach im Gebet. 13 Sorgt für alle in der Gemeinde, die Not leiden, und wetteifert in der Gastfreundschaft. 14 Wünscht denen, die euch verfolgen, Gutes. Segnet sie, anstatt sie zu verfluchen. 15 Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Traurigen. 16 Seid alle miteinander auf Einigkeit bedacht. Strebt nicht hoch hinaus, sondern haltet Gemeinschaft mit den Verachteten. Verlasst euch nicht auf eure eigene Klugheit.17 Wenn euch jemand Unrecht tut, dann zahlt es niemals mit gleicher Münze heim. Seid darauf bedacht, vor den Augen aller Menschen bestehen zu können. 18 So weit es möglich ist und auf euch ankommt, lebt mit allen in Frieden. 19 Nehmt keine Rache, holt euch nicht selbst euer Recht, meine Lieben, sondern überlasst das Gericht Gott. Er sagt ja in den Heiligen Schriften: »Ich bin der Rächer, ich habe mir das Gericht vorbehalten, ich selbst werde vergelten.« 20 Handelt vielmehr nach dem Wort: »Wenn dein Feind hungrig ist, dann gib ihm zu essen, und wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Dann wird es ihm bald Leid tun, dein Feind zu sein.« 21 Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern überwinde es durch das Gute![1]

Pflicht und Zwang sind das Gegenteil von Liebe. Sie mögen eine Zeit lang funktionieren, doch irgendwann richtet sich das Leben gegen sie. Unterstelle einen Körper der Pflicht, dem Zwang, der Kontrolle und er wird über kurz oder lang sich widersetzen oder krank werden. Wir kennen alle die Diäteffekte, bei denen man sich plötzlich vollgefuttert vor dem Kühlschrank wieder findet, aus einer Trance erwachend „Ich wollte doch gar nichts mehr essen!“ Unser Wachbewusstsein wird einfach ausgeblendet und schon ist es passiert!

Man kann eine Weile auch ein Volk dem Zwang, der Kontrolle und der Pflicht unterwerfen, doch irgendwann wird es aufbegehren und jemandem folgen, der ihnen Freiheit verspricht. Die Geschichte hat es gerade im letzten Jahrhundert mit dem Hitlerreich und Sozialismus/Kommunismus mehr als deutlich erwiesen. Keine Diktatur ist von Dauer. Wird ein Alkoholiker auf unsere gut gemeinte Ermahnung: „Trink besser nicht!“ damit aufhören? Wird ein Raucher auf einen solchen Rat hin sagen: „Ja, Du hast recht!“, seine Zigaretten weglegen und fürderhin nicht mehr rauchen? Hat das schon mal jemand erlebt? Die schreiben inzwischen die dollsten Todesdrohungen auf die Zigaretten­packungen. Trotzdem werden sie gekauft und konsumiert.

Der Weg aus allen Süchten, die Umkehr, ist in diesem Punkt gleich. Der Weg aus der Sucht ist immer der eigene, der freiwillige Weg, die Umkehr aus eigenem Impuls, aus eigenem Willen, aus Einsicht. Kein Mensch kann einen anderen Menschen aus seiner Sucht befreien, das produziert bei dem nur die so genannte Ko-Abhängigkeit. Jeder, der eine Sucht oder eine schlechte Gewohnheit aufgibt, tut es aus eigener Einsicht, und zwar dann, wenn er seinen persönlichen Umkehrpunkt, meist sein „in der Gosse landen“ erlebt, der Zustand, in dem das deutliche innere „Nein, das werde ich mir (oder einem anderen) ab heute nicht mehr antun!“ stärker wird als das Suchtmittel. Niemand kann in uns Selbstbeherrschung installieren. Sie kann nur vom Selbst ausgehen.

Und dies ist nicht nur der Weg aus den Süchten, sondern aus jeglicher Krankheit, der Weg jeglicher nachhaltiger Heilung. Auch in der Depression kommt einmal der Punkt, wenn einem dieser Zustand so leid ist, dass alles andere besser ist, als in Trübsal und Erstarrtheit zu verharren, sich auf den Weg zu machen in ein Leben, das man wieder lieben kann und gerne lebt – langsam aber sicher. Oder geht (an die 15 % der schwer Erkrankten).

In schwierigen, zwischenmenschlichen Situationen  können wir unbedingt auf Gott setzen. Wenn der Andere in Gottes Augen falsch handelt, dann wird er durch das „duale Erleben“ eines Besseren belehrt wie auch wir, wenn wir uns im Irrtum befinden. Die spanische Version des Vaterunsers macht es deutlich: Bitte vergib uns, wenn wir Grund zum Anstoß geben, angreifen, verletzen, kränken, beleidigen, wie auch wir denen vergeben, die uns Grund zum Anstoß geben, angreifen, verletzten, kränken, beleidigen. Das Maß liegt in seiner Hand.

Wir: können Gott trauen, dass er unseren Mitmenschen gut führt und lehrt auf dem Weg der Liebe, unbedingt besser jedenfalls, als wir es könnten…weil er Verhalten erfahrbar, fühlbar macht: „Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem Andern zu.“ Wir können in Situationen, in denen wir uns verletzt fühlen, unseren Schmerz sichtbar machen und wir können Grenzen setzen, das heißt in Augenhöhe bleiben, aber nicht zurückschlagen. Wenn gerade keine Gemeinsamkeit möglich ist, können wir auf unseren eigenen Weg fokussieren und dort das tun, was gerade wichtig ist. Wir müssen nicht um Liebe betteln, Liebe ist freiwillig. Mit dem Zurückschlagen begeben wir uns wieder auf das Spielfeld, auf dem wir nur verlieren können. Wirklich, dort verlieren wir, aber nur jedes Mal. Mit einer Ich-Botschaft können wir uns, unsere Gefühle, unsere Verletzlichkeit zeigen. Wenn wir jedoch mit Worten und Taten versuchen, den anderen zu verändern, mit Wertungen, Du-Botschaften, Urteilen, wenn wir uns über ihn stellen, als ob wir besser wüssten, was das Richtige ist, dann passiert – na, das kennen wir doch, das haben wir doch alle schon erlebt -: Der Andere macht dicht, fühlt sich seinerseits angegriffen und damit gleichzeitig umso mehr im Recht mit seinem Verhalten. Gewonnen hat in diesem Fall nur einer: die trennende Schlange, der Widersacher.

Gehen wir auf das andere Spielfeld, das Spielfeld der Liebe, der Vergebung und des Vertrauens in Gottes Führung, damit lassen wir uns als erstes selber frei. Damit wir auf dem Spielfeld der Liebe bleiben können, sagt er uns überdeutlich in 5. Mose 32 (Lutherbibel 1984):

31 Denn unserer Feinde Fels ist nicht wie unser Fels; so müssen sie selber urteilen. (Wer selber urteilt, überlässt das Urteil nicht Gott, sie maßen sich das Urteil selbst an – die Erbsünde), 32 Denn ihr Weinstock stammt von Sodoms Weinstock und von dem Weinberg Gomorras; ihre Trauben sind Gift, sie haben bittere Beeren, 33 ihr Wein ist Drachengift und verderbliches Gift der Ottern. (Das Urteilen ist das Gift des Widersachers. Wer Traube seines Weinstocks ist, bringt bittere Trauben, erfährt Bitterkeit.) 34 Ist dies nicht bei mir verwahrt und versiegelt in meinen Schatzkammern? 35 Die Rache  ist mein, ich will vergelten zur Zeit[2], da ihr Fuß gleitet; denn die Zeit ihres Unglücks ist nahe, und was über sie kommen soll, eilt herzu. (Wenn sie selbst nicht auf der „Täterseite“, sondern auf der „Opferseite“ sind innerhalb des „dualen Erlebens“. Das kommt so sicher, wie das Amen in der Kirche)36 Denn der HERR wird seinem Volk Recht schaffen, und über seine Knechte wird er sich erbarmen. (Wer in Gottes Augen recht handelt, rechtschaffen ist, der wird nicht dem „dualen Erleben“ ausgesetzt, klar! Doch können wir selbst in jeder Situation wissen, ob wir es sind oder der Andere? Steht uns das Urteil zu oder Gott?) ) Denn er wird sehen, dass ihre Macht dahin ist und es aus ist mit ihnen ganz und gar. (Im „dualen Erleben“ wird jeder sein Handeln erkennen können, wenn er auf der „Täterseite“ war und anschließend  auf der „Opferseite“ ist.)37 Und er wird sagen: Wo sind ihre Götter, ihr Fels, auf den sie trauten, 38 die das Fett ihrer Schlachtopfer essen sollten und trinken den Wein ihrer Trankopfer? Lasst sie aufstehen und euch helfen und euch schützen! (Wird in diesem Moment der Widersacher, der Herr der Lieblosigkeit, aufstehen, ihm zur Seite stehen und ihm helfen und ihn schützen? Wohl kaum, die Lieblosigkeit gilt von dessen Seite jedem! Der Widersacher tritt im entscheidenden Moment hämisch grinsend beiseite und lässt ihn – plumps – ins Leere fallen.) 39 Sehet nun, dass ich’s allein bin und ist kein Gott neben mir! Ich kann töten und lebendig machen, ich kann schlagen und kann heilen, und niemand ist da, der aus meiner Hand errettet. (Gott steht uns auf beiden Seiten zur Seite, weil allein er uns hilft, auf den Weg der Liebe zu finden. Schlagen bedeutet, „auf die Opferseite stellen“, heilen (Leben schaffen) bedeutet, durch die Erfahrung des „dualen Lebens“ auf der Opferseite uns heilsames Denken und Handeln beizubringen).

Der Urtext klingt zunächst natürlich rabiat, doch wenn ich ihn aus der Perspektive des Verständnisses des „dualen Erlebens“ lese, das nur Gott bewirken kann und will, damit

  • wir selbst auf dem Weg der Liebe bleiben können
  • wir uns nicht die Hände schmutzig machen müssen,
  • wir nicht auf das Verlierer-Spielfeld müssen, d.h.
  • wir nicht erst eine reinkriegen und dann noch zusätzlich verlieren müssen,
  • das auch wirklich stimmt und der andere nicht nur einer unserer fixen Ideen zum Opfer fällt.

dann ist mein Gott doch ganz der liebe Gott und kein strafender. Er klingt vielleicht ein wenig genervt, vielleicht waren die damals genauso wenig wach wie wir… oder vielleicht entspricht das eher dem kulturellen Pathos dieser Gegend und dieser Zeit.

Santiago sagt von sich „Soy espiritual pero no huevon!“ (“Ich bin spirituell, aber ich eiere nicht herum/bin kein Weichei!“. Auf Jesus kann diese Aussage auch zutreffen. Er war klar, machte klare Ansagen, handelte konsistent zu seinen Ansagen und konsequent. Man konnte sich an ihm reiben, wenn man sich an der Wahrheit rieb. So können wir auch sein: Klar in den Worten und wahr im Handeln, doch was der Andere daraus macht, das stellen wir ihm frei.

Leben wir zunächst Gottes Reich im Innern, dann in unserem engsten Kreis. Schritt für Schritt, jeder in seinem eigenen Tempo. Seien wir wie ein Stein, der ins Wasser fällt und dessen Sein und Handeln durch die Anregung anderer sich wie die Wellen ausdehnt. Wenn es heute noch nicht geht, zwingen wir uns nicht dazu, kritisieren uns nicht (machen uns nicht selber fertig!). Seien wir sanft mit uns. Wir beginnen als Kinder in Gottes Reich, lassen wir das Pflänzchen nicht an unseren eigenen hohen Ansprüchen eingehen. Tun wir es nur, wenn wir es mit Liebe können, wenn wir es wollen. Ansonsten bitten wir darum, es lieben zu können. Vielleicht brauchen wir einfach nur noch ein wenig mehr Ruhe und Entspannung. Vielleicht brauchen wir selbst noch ein wenig mehr liebevolle Zuwendung, ein paar Gottes-Erfahrungen mehr. Es ist immer Zeit da, diesen Zwischenschritt einzulegen und diese Bitte wahr werden zu lassen. Ich kann aus Erfahrung sagen: das ist ein wahrer, ein guter Anfang.

Nehmen wir die Anderen dadurch auf den Weg mit, dass wir ihn gehen und durch unsere Liebe, unsere Begeisterung und unsere Erlebnisse in ihnen die Einsicht wächst – oder sie uns auf dem anderen Weg vermissen. Kritisieren, zwingen und kontrollieren – das ist nicht der Weg der Liebe. Wenn wir gefragt werden, dürfen wir natürlich unser subjektives Feedback geben, doch erst dann.

Alles, was ich schreibe, ist immer eine Einladung, keine Verhaftung, keine Drohbotschaft, keine Kritik, keine Ermahnung, immer eher ein Bild meines persönlichen Brennens, meiner Begeisterung für den Weg der Liebe, vielleicht ein Weckruf für diesen Weg. Und wenn ich bisher anders verstehbar war: Ich bitte um Nachsicht! Bin selber noch am Üben, schon einigermaßen verstanden, aber noch kein Meister. Doch vielleicht ist es auch so: Wenn Sie diesen Blog freiwillig lesen und bisher nicht weggeklickt haben, wollen Sie dann nicht gerade meine Rückschlüsse aus meinen Erfahrungen wissen?

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[1] Etwas ähnliches finden wir auch im I-Ging (Übersetzung von R. Wilhelm) beim Zeichen 43: Die Entschlossenheit. „Für den entschlossenen Kampf des Guten zur Beseitigung des Bösen gibt es aber bestimmte Regeln, die nicht außer acht gelassen werden dürfen, wenn man Erfolg haben will.

  1. Entschlossenheit muss auf einer Vereinigung von Stärke und Freundlichkeit beruhen.
  2. Ein Kompromiss mit dem Schlechten ist nicht möglich; es muss unter allen Umständen offen diskreditiert werden. Ebenso dürfen auch die eigenen Leidenschaften und Fehler nicht beschönigt werden.
  3. Der Kampf darf nicht direkt durch Gewalt geführt werden. Wo das Böse gebrandmarkt ist, da sinnt es auf Waffen, und wenn man ihm den Gefallen tut, es Schlag gegen Schlag zu bekämpfen, so zieht man den Kürzeren, weil man dadurch selbst in Hass und Leidenschaft verwickelt wird. Darum gilt es, beim eigenen Haus anzufangen: persönlich auf der Hut zu sein vor den gebrandmarkten Fehlern. Dadurch stumpfen sich die Waffen des Bösen von selbst ab, wenn sie keinen Gegner finden. Ebenso dürfen auch eigene Fehler nicht direkt bekämpft werden. Solange man sich mit ihnen herumschlägt, bleiben sie immer siegreich.
  4. Die beste Art, das Böse zu bekämpfen, ist energischer Fortschritt im Guten.“

P.S. Ich habe übrigens eine ganze Menge Übereinstimmung zwischen dem I-Ging und der Bibel entdeckt.

[2] In der griechischen Übersetzung  wird das Wort ανταποδωσω = antapodoso benutzt, das auch  „gegenteiliges bewirken“, „entsprechen lassen“, „entgegengesetzt schaffen“ heißt. Das „duale Erleben“, das Gott schafft,  ist in dieser Wortbedeutung nachvollziehbar, auffindbar.

Eine andere wichtige Aufgabe besteht darin, Ihm den Raum zu geben, auf uns zuzukommen. Und komisch, ein paar Nächte vor der ersten Tour nach Bad Wilsnack hatte Er mich gefragt: „Wie würdest du denn empfinden, geliebt zu werden, wie würdest du fühlen, von mir geliebt zu werden?“ Und aus tiefstem Herzen hatte ich geantwortet: „Ich würde es daran spüren, dass die Menschen und die Dinge auch auf mich zukommen, mich einladen, zu mir kommen, ich erwünscht bin.“

Und er gab mir dann auf der Wanderschaft zu verstehen: „Dann höre auf, auf die anderen zu intensiv zuzugehen und gib ihnen genauso auch die Möglichkeit dazu, zu dir zu kommen. Gib uns den Raum, auf dich zuzugehen. Wenn du immer auf alles zugehst oder dein Leben, dein Kopf zu voll ist, kannst du die Erfahrung nicht machen. Du hast momentan so viel zu tun, um deine Basis neu einzurichten, da hast du gar keine Zeit dazu, große neue Dinge mit der angemessenen Aufmerksamkeit zuzulassen. Es gibt immer genug Zeit. Überlege dir, was momentan aktuell ansteht, schau dich um und erledige es. Und wenn dann Raum ist, dann kann das Andere auf Dich zukommen. Keiner will dich überfordern und alle Dinge wollen gern in Liebe getan werden.“

Mein schönes, weiches Strohbett am Morgen danach

Und so gab ich Ihm den Raum, für mich zu sorgen, indem ich nicht für mich sorgte. In der ersten Nacht fand ich ein wunderbares Bett im Stroh. Zum genau richtigen Zeitpunkt war da ein Heuschober, in dem ich wunderbar geschützt und superweich auf meinem Strohbett schlafen konnte. In der zweiten Nacht schlief ich im Gästezimmer der katholischen Kirche in Fehrbellin, das auf demselben Flur wie die kleine Kirche lag, direkt im Hause des Herrn. Diese Übernachtung hatte mir übrigens Schwester Anneliese bestellt… Und auch der dortige Diakon war schon wie wir  in Lourdes gewesen. Wir hatten ein sehr intensives Gespräch über das Pilgern. Der Diakon fragte mich, warum ich mich für die katholische Kirche entschieden hatte. Meine Antwort war diese: „Ich bin in meinem Herzen mehr berührt, ich fühle mich in der Gemeinschaft der Gläubigen besser aufgehoben, die rituellen Gottesdienste erreichen mich auf einer tieferen Ebene. Und zum Anderen: mir ist das weibliche Element der Heiligen Jungfrau Maria wichtig. Sie fehlt mir in der evangelischen Kirche. Die Mutter ist das Tor zur Welt und sie ist elementar wichtig, weil Mütterlichkeit genauso wichtig ist wie Väterlichkeit.“ Der Diakon meinte dann: „Es ist schön, wenn ein Mensch das ausspricht, was man tief im Herzen spürt…“. Er gab mir als Nachtlektüre sein wunderbares Buch zu lesen, dass von all den vielen Weisen handelte, wie die Menschen mit Gott und der Welt unzufrieden sind „In der Bibel steht’s geschrieben“.

Katholische Kirche in Fehrbellin

Eine sehr wichtige Form, Ihm Raum zu geben, ist es, die eigenen Gefühle von Schwäche und Unzulänglichkeit, von Angst und Nicht-Vertrauen ihm und sich eingestehen können. Denn in diesem Moment kann Er uns helfen, das Vertrauen wieder zu gewinnen und ihn wieder besser verstehen zu können, uns helfen zu lassen. Gott will uns dienen. Er kann uns am besten dienen, wenn wir seine Hilfe auch brauchen. Wenn wir mutig unseres Weges gehen, ohne Bedenken, dann brauchen wir ihn nicht so sehr, als wenn wir mit vor Angst schlotternden Knien den Weg gehen. Daher können wir uns an immer für uns mutigere Dinge heranwagen, speziell so kann Gott uns mit seiner Stärke begleiten, wir können Ihn seine Stärke ausspielen und für Viele augenscheinlich machen.

Wir beide sind uns einig, dass für uns der Portugiesische Weg der Eindrucksvollere war. Das lag nicht an der Landschaft, die sowohl in Spanien wie auch in Portugal uns Augen, Herz und Seele erfüllte. Den spanischen Jakobsweg will ich mal vergleichen mit einem festen Monatsgehalt, mit dem wir in jedem Monat eben fest rechnen können. Der spanische Jakobsweg ist exzellent organisiert und schon mit unserer Liste der Herbergen waren wir sicher, alle paar Kilometer unterkommen zu können, einfach ankommen ohne zu fragen, einfach erst unser Credencial und dann den Rucksack auspacken.

Auf dem Portugiesischen Weg in Portugal waren wir jeden Abend darauf angewiesen, an einem fremden Ort etwas zu finden – ohne die Gewissheit zu haben, dass dort für den Pilger schon etwas vorbereitet ist. Wir waren auf die Barmherzigkeit der Menschen, der Kirche, der Feuerwehr, des Volkes angewiesen und so war jedes Finden wieder ein Moment großer freudiger Erregung, Dankbarkeit und Begeisterung, das Gefühl, wieder die Gnade Gottes zu erfahren. Vielleicht ist das ohne Pilgererfahrung schwer nachzu­vollziehen. Doch hier im Alltag ist es dasselbe: In jedem Monat, den ich als Selbständige – vor allem jetzt ohne Preisliste, ohne finanzielle Forderung – ein Einkommen habe, ohne am Monatsanfang zu wissen, woher es denn kommen mag, fühle ich mich wieder in Gottes Gnade, ist überschäumende Dankbarkeit, Freude und Begeisterung da, dass für mich gesorgt wird. Das feste Monatsgehalt mag zwar eine Beruhigung sein, das lebendigere Leben, das intensivere Gottesempfinden hat man jedoch ohne diese Sicherheit. So hat er jeden Monat den Raum und die Chance, uns zu zeigen, dass er da ist.

Ein weitere Form des Raumgebens ist unser innerliches oder nach Außen gerichtetes Ausdrücken der Bereitschaft zur Nachfolge oder zumindest, ein bestimmtes Vorhaben mit Jesus Christus zu tun. Dazu gehört auch Geduld, Demut und das Vertrauen, dass mit Gott alle Dinge möglich sind, auch wenn am Horizont nichts erkennbar ist – wie bei dem kleinen Ort Hontanas in der Meseta.

Durch meine frische, dynamische und erlebnisreiche Annäherung an Jesus im Frühjahr vor dem Pilgern festigte sich in mir der Wunsch, auf das Handauflegen im christlichen Kontext umzusteigen, zur Quelle des Christentums zurückzukehren. Ab diesem Zeitpunkt geschahen, im Rückblick für mich erst erkennbar, immer mehr Zeichen, die darauf hindeuteten, dass dies nun auch geschehen würde. Mein Laptop ging kaputt, alle Daten gingen verloren. Wenn ich damals schon umgestiegen wäre, hätte ich all die Daten auch einfach nicht mehr gebraucht. Auf der Reise hätte ich vielleicht schon von Anfang an stärker nach der neuen Methode nachfragen können, anstatt die alte aus Gewohnheit zu verwenden. Direkt nach der Rückkunft hätte ich mich allein diesem Bestreben widmen können, anstatt im alten System noch eine wirtschaftliche Versorgung als Cash Cow zu suchen. Ich habe Schritt für Schritt alles Alte losgelassen und mich inzwischen vollständig auf das Neue eingestellt. Oft frage ich mich, ob ich nicht, wenn ich früher konsequenter und mutiger gewesen wäre, die Zeichen der Zeit erkannt und angenommen hätte, schon viel früher in den Genuss dieser Gnade, dieses segens­reichen Schaffens gekommen wäre. Ja, ich denke, es hätte mich bereits viel früher getragen und mir wohl diverse schmerzhafte Zusammenstöße mit dem Sackgassen­schild erspart. Einsicht sprudelt in mir nur allmählich…doch die Erkenntnis ist eindringlich.

Oft hindert uns Angst – bis hin zu Panik – daran, Gott Raum zu schaffen durch Leere in unserem Leben und unserem Kopf. Auszuhalten, wenn wirklich nichts da ist, das Leben sich entfalten lassen. Das ist der Moment, in dem wir am meisten in der Lage sind zu empfangen – eben weil wir leer sind und damit bereit für unerwartete Gaben.

2 Samuel 22 (Lutherbibel 1984) 33 Gott stärkt mich mit Kraft und weist mir den rechten Weg. 34 Er macht meine Füße gleich den Hirschen und stellt mich auf meine Höhen. … 37 Du gibst meinen Schritten weiten Raum, dass meine Knöchel nicht wanken.

Jesus klopft an, aufmachen können nur wir selbst von innen.

Und auch unser Inneres will ihm geöffnet sein. In einem Vortrag über Jesus wurde ein Bild gezeigt, dass Jesus klopfend vor einer Tür zeigte. Uns wurde erklärt, dass Jesus erst eintritt, wenn wir ihm freiwillig die Tür von Innen aufmachen. Mein Leben ist seit Santiago eine Herausforderung, weil es ja so viel zu Lernen gibt, wie ich eben mit Gott lebe. Durch die Inszenierungen auf meiner Lebensbühne passiert enorm viel, und manches ist anfangs nicht leicht zu verstehen, es, Er schüttelt mich auch immer wieder, damit danach wieder etwas neu in die Ordnung fallen kann.

Und anfangs mag es genügen, ihm die Tür aufzumachen. Doch irgendwann will Jesus uns auf ganzer Ebene uns erreichen und klopft an allen unseren Zimmertüren, bis wir ihn einlassen.

Auch andere Menschen begannen, Gott Raum zu schaffen. Im Laufe der Zeit hatte ich mehrere Räume, in denen ich praktizierte, die mir andere Menschen kostenfrei zur Verfügung stellten. In einem davon standen vier Bilder stehen, die nicht mir sondern dem Raumspender gehörten, die ich dort aber gerne hatte. Es waren darunter drei Holzschnittte: Die Ankündigung des Engels bei Maria, Jesu Geburt und Jesus und die Kinder. Und ein Bild, das Jesus klopfend vor der Tür zeigte. An einem Wochenende war ich mit Jesus in einer Heilungssitzung, in der er mir klar machte: „Du hast mir zwar deine Haustür geöffnet, aber es gibt einfach bei dir noch so ein paar Rumpel­kammern, an die du mich nicht ranlässt, die du schön verschlossen hälst. Wenn du dieses Thema heilen willst, dann musst du mich auch in deine Rumpelkammern lassen.“ In einer Geste der Verzweiflung ob meiner Heilungsbedürftigkeit reichte ich ihm einen Schlüssel und sagte: „Ok, hier ist mein Generalschlüssel. Nimm und schließ alles auf, was Du willst. Wir werden alle Rumpelkammern aufräumen, wenn das notwendig ist.“ In den Wochen danach kamen auch ein paar richtig „eklige“ Themen an die Oberfläche. Ich wanderte durch ein paar finstere Täler, Schattentäler meiner Seele: Opferbewusstsein, Machtansprüche, Umgang mit starkem Willen anderer, Selbstbetrug durch Anpassung, bestimmte Themen aus der Liebe heraushalten wollen, doch „Er war bei mir, sein Stecken und Stab schützten und trösteten mich.“

Doch am Tag nach dieser „Schlüsselübergabe“ kam ich in den Praxisraum und das Bild mit Jesus vor der Tür war weg. Ich brauchte es nicht mehr. Ich verstand nun, dass es vorher tatsächlich für mich dort gestanden hatte. Nach ein paar Tagen traf ich meinen Raumspender und fragte ihn nach dem Bild. Er hatte es noch am Abend meiner Schlüsselübergabe in sein Zimmer geholt.

Exkurs: Aus dieser Geschichte kann man noch mehrere Dinge erkennen:

  • Was da ist, ist tatsächlich für uns.
  • Wenn wir ein Thema erledigt, uns verändert haben oder eine Entscheidung getroffen haben, dann ist er in der Lage, in anderen Menschen und unserer Umgebung sogleich etwas auszulösen.
  • Wir sind auf so komplexe Weise miteinander verbunden, dass mein Raumgeber und ich zum gleichen Zeitpunkt das gleiche Thema bearbeiteten. Ich habe das Thema abgeschlossen und er hat sich im gleichen Moment diesem Bild zugewandt.
  • Wie gigantisch kann man sich das vorstellen, wie Gott unseren Partner neu führen kann, wenn wir uns selbst in seinem Sinne verändern!

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Ja, Jesus wünscht sich unsere Werke. Wer nur ganz wenig offensichtlich tun kann, der kann es inwendig tun, da möchte ich an die große Teresa und die kleine Theresa erinnern.

Die große Teresa, die Spanierin Teresa von Ávila lag lange Zeit danieder, wurde schon fast für tot gehalten, erlernte in dieser Zeit das innere Gebet in aller Tiefe und gesundete. Sie gründete den Orden der unbeschuhten Karmeliterinnen und darin insgesamt 17 Klöster. Sie schrieb viele Bücher, die den Weg zu Gott beschrieben. Sie rief zu Werken auf und sagte: „Bete nicht um leichtere Lasten, sondern um einen starken Rücken.“

Die kleine Teresa, die junge Französin Therese von Lisieux, war selbst häufig krank und verstarb schon mit 24 Jahren. Gerade in ihrer Armut, sowohl geistlich wie körperlich, sah sie die Chance, sich – mit leeren Händen vor Gott stehend – sich von ihm alles schenken zu lassen. Aus dieser Armut wuchs in ihr die Barmherzigkeit und ihre Werke waren die Fürbitte und der Lehre ihres „kleinen Weges“ für andere. Die allerkleinsten Dinge in Liebe tun. Auch im Stillen sitzen und für andere Beten ist ein Werk.

Beide wurden zu Kirchenlehrerinnen ernannt.

Doch so lange wir können, können wir auch genauso gut unsere Zeit und unsere Schaffenskraft christlichen Werken, dem Reich Gottes widmen, da erinnere ich wieder an die Worte von Parocco López Losada aus Triacastela:

„Um eine bessere Welt zu schaffen, werden wir alle gebraucht.“

Eines Tages fiel mir in der Kirche aus einem Gesangbuch ein kleiner Zettel mit folgendem Text entgegen, ich kenne da keinen Autor etc.

Christus hat keine Hände,

nur unsere Hände,

um seine Arbeit heute zu tun.

Er hat keine Füße,

nur unsere Füße,

um Menschen auf Seinen Weg zu führen.

Christus hat keine Lippen,

nur unsere Lippen,

um Menschen von Ihm zu erzählen.

Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe.

Wir sind die einzige Bibel,

die die Öffentlichkeit noch liest.

Wir sind Gottes letzte Botschaft, in Taten und Worten geschrieben.

Jesu Unterscheidungsmerkmal in Matthäus 25 (Lutherbibel 1984) [1]wird sein: 40 Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan…. 45 Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan.

Jesus nennt, so wie ich es verstanden habe, auch die Werke die Früchte als Ausdruck liebenden Handelns, die ein Mensch bringt. Er wünscht sich immer wieder, dass wir diese Früchte hervorbringen, als die, die am wahren Weinstock angewachsen sind (siehe Johannes 15 im Beitrag Jesus Anleitung zur Liebe in den 7 Ich-Worten)

Warum es nicht tun? Sich die Frage stellen: Bin ich hier, um MICH, MIR, MEIN zu mehren, um mein Potenzial zu meinem eigenen Nutzen auszuleben oder dem Ganzen zu nützen, das ganze zu fördern? Mein Potenzial, meine Talente zum Besten, zum Nutzen aller Menschen, und hier vor allem den Schwachen, zur Verfügung zu stellen? Denn ich habe einmal zu den Schwachen gehört und irgendwann werde ich auch wieder zu den Schwachen gehören. Eine kontinuierliche Liebespraktik…

Sich auf diese Werke etwas einzubilden oder sie mit der Intention zu vollbringen, um etwas zu erreichen, wenn ich A mache, dann folgt B, hilft nicht. Wir brauchen niemanden beweisen: ich habe das und das und das getan, daher gehöre ich zu den „Guten“ oder „jetzt habe ich mir das Himmelreich aber verdient“. Ersparen wir uns das durch Demut. Es geht darum, dass wir hinterher wahrhaftig aus ganzem Herzen „Gern geschehen!“ sagen, Liebe haben fließen lassen.

Und auch Pilgern ist ebenso ein Werk, das habe ich unterwegs wirklich gemerkt, das ist ist auch durch die Botschaft von Lourdes und Fátima. Der Ruf nach Penitencia, nach Buße. In der Kirche von Albergaria-a-Velha erhielt ich diese persönliche Botschaft von Maria: „Jeder Kilometer, den ihr lauft, jeder Rosario, den ihr betet, kommt der Welt zugute, weil es ein Akt des Glaubens ist, zu keinem anderem Nutzen als dem Leben des Glaubens an Gott.“ Buße zum Guten aller Menschen war eine der Botschaften der Kinder aus Lourdes und Fátima, uneigennützige Werke. Luther spottete über Santiago de Compostela: “Lauf nicht dahin, man weiß nicht, ob Sankt Jakob oder ein toter Hund daliegt”. Der Pilger widmet diese Lebenszeit nur Gott, nur der Erfahrung von Gott. Er macht sich schwach, mittellos (jedenfalls fast) und heimatlos z. B. wie Olivier aus Albi, unseren Engel des Rosarios, um Gott und seine Gnade in dieser Welt erfahren zu können. Und er macht die Erfahrung, wie es sich anfühlt, wenn man so lebt und entfacht dadurch seine eigene Hilfsbereitschaft, da erinnere ich an unsere Begegnung mit Christophe in Buzy.

Der Pilger setzt sich Gefahr und den Naturgewalten aus, wie sie kommen. Er gibt die Kontrolle auf. Er verschafft sich und Gott Zeit und Raum für gemeinsame Sinneserfahrung und dafür, die eigene Umkehr im Leben anzugehen. In der Regel kommt der Pilger mit einem prall gefüllten Rucksack an neuen Erfahrungen zurück, wie gut es sein kann, wenn man vertraut. Er hat darüber hinaus auch etwas von Jesu Weg erfahren gemäß Lukas 9 (Lutherbibel 1984): 58 Der Menschensohn aber hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

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[1] Der gesamte Text dieser Bibelstelle befindet sich in Aufwachen: Die Welt mit dem Herzen sehen

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