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Was ist Glaube?
Hebräer 11,1 (Gute Nachricht Bibel): 1
Glauben heißt Vertrauen, und im Vertrauen bezeugt sich die Wirklichkeit dessen, worauf wir hoffen. Das, was wir jetzt noch nicht sehen: im Vertrauen beweist es sich selbst.
In der Bibel habe ich nach weiteren Hinweisen gesucht. Es gibt mehrere Gleichnisse, wie wir uns Gottes Reich vorstellen und es erreichen können. Und diese Gleichnisse sind das Manual.
Der Sämann (Markus 4, Lutherbibel 1984)
3 Hört zu! Siehe, es ging ein Sämann aus zu säen. 4 Und es begab sich, indem er säte, dass einiges auf den Weg fiel; da kamen die Vögel und fraßen’s auf. 5 Einiges fiel auf felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte, und ging alsbald auf, weil es keine tiefe Erde hatte. 6 Als nun die Sonne aufging, verwelkte es, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. 7 Und einiges fiel unter die Dornen, und die Dornen wuchsen empor und erstickten’s, und es brachte keine Frucht. 8 Und einiges fiel auf gutes Land, ging auf und wuchs und brachte Frucht, und einiges trug dreißigfach und einiges sechzigfach und einiges hundertfach…Und Jesu Deutung dieses Gleichnisses: … 14 Der Sämann sät das Wort. 15 Das aber sind die auf dem Wege: wenn das Wort gesät wird und sie es gehört haben, kommt sogleich der Satan und nimmt das Wort weg, das in sie gesät war. 16 Desgleichen auch die, bei denen auf felsigen Boden gesät ist: wenn sie das Wort gehört haben, nehmen sie es sogleich mit Freuden auf, 17 aber sie haben keine Wurzel in sich, sondern sind wetterwendisch; wenn sich Bedrängnis oder Verfolgung um des Wortes willen erhebt, so fallen sie sogleich ab. 18 Und andere sind die, bei denen unter die Dornen gesät ist: die hören das Wort, 19 und die Sorgen der Welt und der betrügerische Reichtum und die Begierden nach allem andern dringen ein und ersticken das Wort, und es bleibt ohne Frucht. 20 Diese aber sind’s, bei denen auf gutes Land gesät ist: die hören das Wort und nehmen’s an und bringen Frucht, einige dreißigfach und einige sechzigfach und einige hundertfach.
Mit den Worten unserer Zeit:
- Manche Menschen sind gar nicht mehr aufnahmefähig, weil ihr Wahrnehmungs-System so überlastet ist, sie sind so “dicht”, als dass diese Information zu ihrem Bewusstsein durchdringen könnte. Das kenne ich auch von mir. Solche Zeiten hatte ich auch.
- Manche Menschen sind fasziniert von der Idee, doch wenn es anfängt schwierig zu werden, wenn ihr Glaube geprüft wird, dann verlässt sie eben dieser Glaube. Dann heißt es, es funktioniert eben nicht, oder ihre Ängste, z.B. anders zu sein, sich zu exponieren, auf Sicherheit zu verzichten etc. verschließen ihnen die Tür und sie sehen zwar den Himmel, aber gehen nicht auf ihn zu. Oder „Lieber Gott, ich weiß, dass es Dich gibt, und ich liebe Dich auch, aber frag mich bitte lieber nicht ernsthaft, Dir zu folgen“.
- Und wieder andere möchten auf ihre Bequemlichkeit, auf die Vorzüge des Reichtums und der alternativen Götter z.B. Geld, Macht, Ansehen, Einfluss, Luxus, Überfluss nicht verzichten. Andere wieder gehen so in ihren Sorgen auf, dass sie deretwegen die Umsetzung, das Betreten von Gottes Reich, immer wieder hinausschieben: „Wenn ich … erreicht habe…, dann…“ (genug Geld beisammen habe, die Kinder aus dem Haus sind, das Haus, Auto abbezahlt sind, meinen Traum von … erfüllt habe, meine Altersversorgung vollständig eingezahlt ist…).
Wenn wir uns von der Existenz von Gottes Reich überzeugt haben, ist die Saat auf gutem Land gelandet ist. Die Fähigkeit, Frucht zu tragen, besteht aus diesen Geisteshaltungen, in denen wir auf dem Camino permannt trainiert wurden:
- Aufmerksamkeit, Aufnahmekapazität: Damit uns Seine Zeichen zu uns durchdringen, uns erreichen.
- Von Lourdes nach Asson
- Den Pfeilen zu folgen, offene Augen dafür haben, Gespür dafür entwickeln
- Lourosa
- Burgos, siehe Bei sich selbst ankommen
- Der Tag, als ich zu meinem Herz durchkam
- siehe auch Kapitel Starke und schwache Reize
- Konsequenz, Geduld und Standfestigkeit: Damit wir uns nicht davon abbringen lassen, wenn es mal nicht glatt geht
- Der Camino insgesamt: Einen Weg täglich voran gehen
- Nach St. Jean le Vieux: Die unerwartete Bergetappe
- Belorado, Burgos: 40, 50 km am Tag pilgern
- O Cebreiro: Weitergehen, die Erschöpfung und den inneren Schweinehund überwinden
- Montañas de Engaño: Bergauf, auch wenn das Ziel nicht sichtbar ist
- Der Portugiesische Weg, besonders Anadia, Conimbriga: Konsequent und geduldig die Pfeile weiter suchen
- Padrón: Umkehren, Vergebung
- Porto: Schmerzen erfahren und innehalten, um zu heilen
- Coimbra: Bitten und anklopfen
- Ourém: Kreative Bescheidenheit
- Fokussierung und Klarheit: Damit uns nicht der alltägliche Lauf der Welt ablenkt, verwirrt, wir uns im Alltag verstricken
- Feststellen, wie wenig man wirklich braucht: Rucksackinhalt, Herbergen, Essen
- Sich auf Gott verlassen lernen: an fremden Orten ankommen und trotzdem übernachten und essen
- Ponte de Lima: Sinn von Armut und Fülle
- Lourosa, siehe Existentielle Sorgen und der richtige Zeitpunkt
- Umsetzung: Damit wir nicht nur hören, verstehen und darüber reden, sondern auch danach handeln, es leben: Rechtschaffenheit.
Nächster Artikel: Organisches Wachstum: Vom Senfkorn und Sauerteig
Zwei Gleichnisse sprechen vom Wachstumsweg von Gottes Reich.
Markus 4, 30 (Lutherbibel 1984): Und er sprach: Womit wollen wir das Reich Gottes vergleichen, und durch welches Gleichnis wollen wir es abbilden? 31 Es ist wie ein Senfkorn: wenn das gesät wird aufs Land, so ist’s das kleinste unter allen Samenkörnern auf Erden; 32 und wenn es gesät ist, so geht es auf und wird größer als alle Kräuter und treibt große Zweige, sodass die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können.
Oder der Sauerteig in Matthäus 13 (Lutherbibel 1984):
33 Ein anderes Gleichnis sagte er ihnen: Das Himmelreich gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war.
Es beginnt alles ganz klein, durch eine Intuition, ein Wort, ein Gedanke, durch den Wunsch. Und dann wächst es organisch heran, bis es zunächst uns selbst und dann immer mehr Wesen Raum bietet. Es ist keine Revolution und auch nicht durch Revolution zu erreichen, sondern durch harmonische Evolution, auch kleine Schritte, durch Kontinuität. Auch der Glaube ist ein Wachstumsprozess, das Leistungsprinzip gilt hier deutlich nicht. Zu Beginn ist er klein und durch tägliches Erleben kann er wachsen, wenn wir uns die Zeit nehmen, Seine Spur, Sein Wirken in unserem Leben zu verfolgen, ihm Wärme, Kümmern hinzufügen. Egal, wie klein, erbärmlich oder unbedeutend man sich fühlt, außer anfangen und voranschreiten gibt es keinen Weg.
Mir wurde es erst unterwegs bewusst: Beim Pilgern macht man sich selbst schwach. Man lässt sein Heim und seine Sicherheiten hinter sich und ist jeden Tag auf Ihn angewiesen, auf Seine Hilfe und die Barmherzigkeit anderer Menschen. Als wir in Frankreich mit dem Pilgern begannen, da begann noch jeder Tag damit, dass unsere Gedanken darum kreisten, wo wir denn abends schlafen würden. Die ersten drei Tage war es recht einfach: Der vermeintliche Park in Lourdes (der Kreuzweg), die Herbergen in Lourdes und Asson. Dann kam der Abend, an dem nach einem angstvollen Gebet Christophe auf uns zukam. Danach in Olorón die Kirche. Und als wir vom Wege abkamen und im Regen standen, die Bushäuschen in Tardets und in St. Jean le Vieux. In Spanien war es einfach, alles war organisiert und geklärt, es gab genug Herbergen und Betten, oder wir schliefen mit Vergnügen an einem schönen Ort unterm Himmelszelt. Jeden Abend hat er uns gezeigt, dass Er ein Bett für uns bereithält.
In Portugal war es dann anders. Es gab kaum noch Herbergen und wir mussten fragen und suchen. Doch obwohl wir nicht portugiesisch sprachen, haben wir jeden Tag etwas gefunden. Die Zeit in Spanien hatte uns geschult und sicher gemacht, abends an einem Ort anzukommen und einen Schlafplatz zu finden. Unsere Aufmerksamkeit war geschärft, unsere Möglichkeiten zu entdecken. Unser Mut, einfach zu fragen, war durch die Erfahrung „Klopfe an, und dir wird aufgetan“ gewachsen.
Am Ende des Tales hinter Conimbriga entdeckte ich an der Straße bei einem Haus das Schild „Centre Social“. Ich ging hinein und fragte und uns wurde das ganze Gemeindehaus samt Schlüssel anvertraut. Und selbst in Madrid haben wir einen Platz in einer klösterlichen Unterbringung, nur wenige Meter vom Königsschloss entfernt, gefunden. Die Angst, an einem fremden Ort anzukommen und dann allein und gottverlassen da zu stehen, war vollständig geschwunden. Und als ich wieder in Berlin war, habe ich auch hier eine einfache Herberge mitten in Berlin zum Preis von 10 Euro/Nacht gefunden, in der ich zwei Wochen wohnte, um meinen Neustart in Angriff zu nehmen.
Warte nicht auf andere, mache Dich auf den Weg, biete die Hand, wenn Du jemanden mitnehmen willst, doch lass ihn hinter Dir, wenn er die Mühen scheut. Es gibt ganz viele Stellen, wo Gottes Reich und die Alltagswelt immer wieder zusammentreffen, wo der andere umkehren, den Weg/die Welt wechseln kann, an Deine Seite zurück. Wenn einer losläuft, dann ist es für andere viel leichter, hinterherzukommen, mitzukommen.
Nochmals die Geschichte von Anadia: Als wir in Albergaria-a-Velha aufgebrochen waren, wollte uns nach dem Frühstück in einem kleinen Dorf wieder ein Mann auf die Landstraße schicken. Wir gingen weiter und kamen auf dem von ihm gewiesenen Weg in eine Sackgasse, wir mussten umkehren. Und dann passierte es eben, dass Santiago und ich uns trennten. Er war des Suchens leid und ich wollte auf keinen Fall auf die Landstraße. Wir verabredeten uns bei den Bombeiros Voluntarios in Anadia. Und dann ging jeder für sich los. Ich holte einfach meinen Rosario raus und betete eine Runde mit der Bitte, dass ich die Pfeile immer besser finden lerne. Und so fand ich den Weg. Nach ca. zwei Stunden sah ich plötzlich Santiago flötespielend vor mir auf dem Weg sitzen. Er hatte von einer Überführung der Landstraße den Camino und Pfeile gesehen. Er setzte sich hin, spielte auf seiner Zampoña und wartete auf mich. Und ab diesem Moment blieben wir gemeinsam auf dem Camino.
Wenn wir konsequent voranschreiten, dann entwickelt sich auch unser Weg wie von selbst, ohne dass wir uns Sorgen machen müssen, ohne dass wir die Keimlinge unseres Handelns ausbuddeln müssen, um zu sehen, ob sie treiben, ohne dass wir an den Halmen ziehen müssen. Sonne und Regen, Wärme und Liebe, Tag und Nacht sorgen für das Wachstum, für das Fortschreiten. Markus 4 (Lutherbibel (1984):
26 Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft 27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie. 28 Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. 29 Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.
Von selbst werden sich Gelegenheiten mit der Zeit ergeben, die uns helfen, Gottes Reich besser zu verstehen, zu vertiefen und zu erweitern. Von außen kommen Menschen und Situationen auf uns zu, die zu unserem Werk beitragen oder es nutzen. Es mag uns ein Ruf ereilen. Von selbst wird sich das Wunder entfalten, wenn wir ihm die Hand reichen.
Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.
Hilde Domin, Lyrikerin
Es ist keine einmaliger Akt, sondern ein kontinuierlicher Prozess, über den wir keine Kontrolle haben. Wir können nur täglich voranschreiten, der Rest liegt in Seiner Hand. Wir haben durchaus Zeit haben, uns zu entwickeln, zu wachsen. Das Umlernen – so lästig es uns manchmal fällt, gerade wenn wir mitten drin sind – lässt sich nicht abkürzen. Wie sollten wir auch sonst verstehen, wenn die Erfahrung noch nicht vollständig ist? Es ist sinnlos, immer wieder zu fragen: Wie geht es denn nun? Wenn wir durch sind, werden wir es wissen. Oft ergibt sich die Ernte erst in der Rückschau.
Beim Pilgern kannten wir unser großes Ziel, erst Santiago de Compostela, dann Fátima. Aber den Weg mit allen seinen Wendungen, den kannten wir nicht vorher. Wir haben uns jeden Tag nur um die Pfeile gekümmert, die zu unserer Tagesetappe gehörten, der Rest war uns egal, damit haben wir uns nicht belastet, wir wussten einfach, vertrauten, dass sie da sein würden. Morgens haben wir uns manchmal überlegt, wie weit wir laufen wollten, doch das hieß noch lange nicht, dass wir abends dort blieben. Oft verhinderte ein „Hier bleibe ich nicht“ eine frühzeitige Abendruhe, manchmal waren wir aber auch zu geschafft zum Weitergehen. Wenn es eine Messe gab, dann sind wir in die Messe gegangen, das wussten wir aber vorher nicht, es war einfach fast jeden Abend so. Trotzdem sind wir Santiago und Fátima jeden Tag näher gekommen und irgendwann – und das recht schnell – angekommen.
Nächster Artikel: Wann? Jetzt! Voraussetzungen? Keine!
Wann und wie können wir anfangen? Müssen wir Voraussetzungen schaffen, erreichen, damit wir uns auf den Weg in Gottes Reich machen können? Müssen wir selbst, muss unsere Umgebung vollständig rein und sündenfrei sein, dass wir den Anfang wagen können?
Matthäus 13 (Lutherbibel 1984)
24 Er legte ihnen ein anderes Gleichnis vor und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säte. 25 Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon. 26 Als nun die Saat wuchs und Frucht brachte, da fand sich auch das Unkraut. 27 Da traten die Knechte zu dem Hausvater und sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut? 28 Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan. Da sprachen die Knechte: Willst du denn, dass wir hingehen und es ausjäten? 29 Er sprach: Nein! Damit ihr nicht zugleich den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet. 30 Lasst beides miteinander wachsen bis zur Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen sammelt mir in meine Scheune.
Eine Deutung des Gleichnisses: Man kann Gottes Reich an jedem Raum der Welt errichten, auch wenn man nur von Menschen umgeben ist, die Gottes Reich nicht kennen, nicht wollen oder nicht anstreben. Das ist einfach zu akzeptieren. Eine ganz freie, perfekte Fläche werden wir wohl nicht finden, warum auch? Wir müssen nicht auf den Moment warten, bis alles perfekt ist, auch in uns selbst nicht, um von unserer Seite her loszulegen. Sondern jetzt, in jedem Moment, jederzeit können wir anfangen.
Keine Ausreden, im Gegenteil: Wenn der Weizen nicht wüchse, wenn er von anderen Pflanzen umgeben ist, wie klein wäre dann seine innere Wachstumskraft gepaart mit Gottes Unterstützung. Es ist doch der allmächtige Gott, der uns zur Seite steht! Auch in widrigen Umgebungen, umgeben von „Unkraut“ können wir uns entfalten, wenn wir es darauf anlegen und uns Seiner Hilfe anvertrauen. Gerade diese Umgebungen bieten uns Glaubensprüfungen in Hülle und Fülle, an denen wir wachsen und Stärke gewinnen können. Die Gaben des Heiligen Geistes werden uns nicht erst zugeteilt, wenn wir vollkommen sind, sondern damit wir vollkommen werden können.
Jesu Deutung des Gleichnisses vom Unkraut, Matthäus 13 (Lutherbibel 1984):
36 Da ließ Jesus das Volk gehen und kam heim. Und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: Deute uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker. 37 Er antwortete und sprach zu ihnen: Der Menschensohn ist’s, der den guten Samen sät. 38 Der Acker ist die Welt. Der gute Same sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die Kinder des Bösen. 39 Der Feind, der es sät, ist der Teufel. Die Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel. 40 Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit Feuer verbrennt, so wird’s auch am Ende der Welt gehen. 41 Der Menschensohn wird seine Engel senden, und sie werden sammeln aus seinem Reich alles, was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun, 42 und werden sie in den Feuerofen werfen; da wird Heulen und Zähneklappern sein. 43 Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich.
Jesus selbst hat das Gleichnis auch gedeutet. Gottes Reich kann koexistieren mit dem Bösen, kann koexistieren mit denen, die nicht darin leben. Doch wer in Gottes Reich sein will, der wird auch dort bleiben. Die Ernte wird eine unterschiedliche sein, wir haben die Wahl, Er läßt uns die Wahl.
Offenbarung des Johannes, 22 (Hoffnung für alle):
10 Halte die prophetischen Worte nicht geheim, die du aufgeschrieben hast, denn bald wird alles in Erfüllung gehen. 11 Wer dennoch weiter Unrecht tun will, der soll es tun. Wer mit Schuld beladen bleiben will, der soll es bleiben. Doch wer ein Leben führt, wie es Gott gefällt, der soll weiterhin so leben. Und wer Gott gehört, der soll bei ihm bleiben. 12 Macht euch bereit! Ich komme schnell und unerwartet und werde jedem den verdienten Lohn geben. 13 Ich bin der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ziel, das A und das O. 14 Glücklich werden alle sein, die ihre Kleider rein gewaschen haben. Sie dürfen durch die Tore in die Stadt hineingehen und die Früchte von den Bäumen des Lebens essen. 15 Draußen vor den Toren der Stadt müssen alle Feinde Gottes bleiben: alle, die sich mit Zauberei abgeben, die sexuell zügellos leben, die Mörder, alle, die anderen Göttern nachlaufen, die gerne lügen und betrügen.
„Unkraut“ wuchert außen wie innen. Auch viele unserer Gedanken sind noch Unkraut, oft fallen wir wieder zurück in die Beurteilung von Gut und Böse. Oder wir kehren in unsere Ängste zurück und vertrauen nicht. Wir überlegen ständig, wie wir dies oder jenes geregelt bekommen – auf den bisher gewohnten Wegen. Mit diesem Unkraut können wir leben lernen, es als Unkraut ansehen und es hin- aber nicht ernst nehmen, nicht danach handeln, ihm trotzen. Auch hier dürfen wir wachsen und uns Stück für Stück entwickeln. Wer schafft es denn schon, von einem auf den anderen Tag vollständig gut zu sein? Da gibt es so viele Gewohnheiten, die neu einzurichten oder zu überwinden sind. Und jede einzelne Gewohnheit braucht schon seine Zeit der Erkenntnis und dann des An- oder Abgewöhnens.
Von den Arbeitern im Weinberg: Matthäus 20 (Lutherbibel 1984)
1 Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn, der früh am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen. 2 Und als er mit den Arbeitern einig wurde über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. 3 Und er ging aus um die dritte Stunde und sah andere müßig auf dem Markt stehen 4 und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. 5 Und sie gingen hin. Abermals ging er aus um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe. 6 Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere und sprach zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag müßig da? 7 Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand eingestellt. Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg. 8 Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten bis zu den ersten. 9 Da kamen, die um die elfte Stunde eingestellt waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen. 10 Als aber die Ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und auch sie empfingen ein jeder seinen Silbergroschen. 11 Und als sie den empfingen, murrten sie gegen den Hausherrn 12 und sprachen: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. 13 Er antwortete aber und sagte zu einem von ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen? 14 Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir. 15 Oder habe ich nicht Macht zu tun, was ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du scheel drein, weil ich so gütig bin? 16 So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.
Für Gottes Reich gelten unsere Regeln und Gerechtigkeiten nicht. Und – für Gottes Reich ist es nie zu spät. Ob wir uns nun in der 1. Stunde oder der 11. Stunde oder sogar 5 vor 12 für die „Arbeit in seinem Weinberg“, das Leben in seinem Reich eintragen und loslegen, es ist nicht zu spät. Wir schaden uns nur selbst, wenn wir es hinausschieben. Wir sind alle gleich vor ihm, wir erhalten alle den gleichen Lohn, nämlich was jeder zum Leben BRAUCHT. Jede Zeit ist die rechte Zeit, um bei ihm anzukommen.
Liebe fragt nicht. In der guten Tat liegt der Lohn an sich. Wer schon sein Leben lang Gutes gesät hat, na, der wird auch geerntet haben, oder? Wer lange Wege gebraucht hat, um anzukommen und lange nichts Gutes gesät hat, der wird auch gehungert haben, gehungert nach Liebe, gehungert nach Sinn, gehungert nach Ankommen, gehungert nach Seiner Hand, gehungert nach dem Getragensein, gehungert nach der wahren Sicherheit und getäuscht von vielen vermeintlichen Zielen und Sicherheiten.
Gottes Reich ist keine Leistungsgesellschaft, sondern eine Solidargemeinschaft. Wir alle haben Lebensphasen, in denen wir stark und kräftig sind; wo es ganz natürlich ist, dass wir mehr schultern als andere, wo wir andere versorgen, die sich nicht so gut versorgen können. Und wir haben Lebensphasen, in denen wir weniger schaffen, weniger Leistung bringen als unsere Mitmenschen, uns vielleicht nicht einmal mehr selbst vollständig versorgen können. Es ist völlig gottgewollt, dass andere unsere Last mittragen, so, wie wir es einmal tun werden (Perspektive des Kindes) und so wie wir es getan haben (Perspektive des alten Menschen). Mehr darüber im Kapitel „Stärke und Schwäche“.
Hat man Gottes Reich einmal gekostet, kann man alles loslassen, was man hatte, was man bisher getan hat, um für dieses Reich zu leben. Leicht werden: das Blatt im Wind lernt in der Tat das Fliegen. Es ist frei und ohne Last dafür, sich hinzugeben, um dort anzukommen, wo es hingeweht wird, wo es hingehört. Es weiß es doch nicht selbst! Das Neue, was jetzt kommt, ist unvergleichlich. Ich vermisse nichts.
Ich hatte mit meinem damaligen Ehemann ein Haus gebaut und nach unserer Scheidung wieder verkauft. Es war ein sehr schönes Haus, den Garten hatte ich mit sehr viel Liebe selbst angelegt. Heute wohne ich in einer Wohnung, die nur halb so groß ist, sogar in einem DDR-Plattenbau. Ich vermisse es nicht, sondern genieße die Freiheit, mich nicht um so viel Materielles kümmern zu müssen, mich auf das Wesentliche, meinen Sinn hier auf Erden zu konzentrieren.
Vom Schatz im Acker und der kostbaren Perle, Matthäus 13 (Lutherbibel 1984)
44 Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker. 45 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, 46 und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.
Es gibt es kein Zurück mehr. Leben wie vorher scheint uns unmöglich, als ob wir auf frisches Wasser verzichten sollten. Wir können Fähigkeiten, Mittel und Kompetenzen nutzen, die wir uns vorher erworben haben. Sie setzen wir jetzt in einem neuen Kontext ein. Selbst, wenn wir in unserem alten Beruf bleiben: die Motivation und Intention sind ganz andere. Wir können und sollten natürlich auch in unserem Familienzusammenhang bleiben, doch lassen wir uns nicht durch Ängste, Sorgen und Ansichten der Familie dazu veranlassen, unseren neuen Weg zu verlassen oder zu verwässern. So, wie wir uns vorher vielleicht durch ein „Das macht man so“ oder durch Ratgeber und Erlerntes haben lenken lassen, um mit unserem Umfeld umzugehen, so handeln wir jetzt aus dem inneren Wissen und der Führung Gottes.
Allerdings: Durch Bekehrungserlebnisse oder Gotteserfahrungen kann man schnell in Begeisterung, Schwärmerei und Passion für Gott. Eine bewusste Entscheidung für die Nachfolge tut ebenso Not, für die guten Seiten wie für die ungewohnten, meist nur anfänglich unbequemen Seiten.
Wer bisher in gut situierten Verhältnissen gelebt hat, wird mit dem, was er wirklich braucht, von Zeit zu Zeit tief durchatmen müssen und sich alte Zeiten zurückwünschen. Das gibt sich. Wer bisher die Gebote als eine Option ansah, als Kür und nicht als Pflicht, der wird sich zunächst fragen, ob er dieses Maß an Selbstdisziplin wirklich „bestellt“ hat. Doch es ist wie mit den meisten Gewohnheiten, die wir verändern. Wenn wir eine neue Gewohnheit annehmen, geht sie uns bald leicht von der Hand. Wer vor der Gemeinde ein Bekenntnis ablegen will, der muss sein Leben vor Augen haben und klar sein. Kann er mit ganzer Konsequenz „Ich widersage“ „Ich glaube“ und „Ja, bis dass der Tod uns scheidet“ sagen?
Der Turmbau / das Kriegführen: Lukas 14 (Lutherbibel 1984)
28 Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug habe, um es auszuführen, – 29 damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann’s nicht ausführen, alle, die es sehen, anfangen, über ihn zu spotten, 30 und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann’s nicht ausführen? 31 Oder welcher König will sich auf einen Krieg einlassen gegen einen andern König und setzt sich nicht zuvor hin und hält Rat, ob er mit zehntausend dem begegnen kann, der über ihn kommt mit zwanzigtausend? 32 Wenn nicht, so schickt er eine Gesandtschaft, solange jener noch fern ist, und bittet um Frieden. 33 So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein.
Seien wir uns jedoch gewahr: es ist eine komplette Hingabe an sein Reich, es ist kein Schulausflug, kein Ponyhof, sondern die Lebensreise. Unter 100 % wird es nicht funktionieren, es ist eine bewusste, definitiv keine leichtfertige Entscheidung. Es geht um die Bereitschaft, vollständig in der neuen Aufgabe aufzugehen, ein Ausstieg ist nicht möglich, das kann so weit gehen wie ein:
Und selbst, wenn ich alles verliere oder hergeben muss:
Ich werde nicht aufgeben.
Diese Selbstprüfung ist unerlässlich. Nicht die Größe des Vorhabens noch die Menge der Herausforderungen darf einen schrecken, damit ist vielleicht sogar zu rechnen. Das gilt für das Außen wie das Innen, es gilt für das, was die Psychologie Ego nennt. Dazu gehört es zusätzlich, sich von den eigenen, inneren Vorstellungen, wie etwas sein sollte und wie etwas nicht sein sollte, zu verabschieden. Es gilt das reine GUT.
Hui, nach was für einem bleischweren Rucksack klingt das denn plötzlich? Die gute Nachrichten dazu, eine sehr, sehr gute: Es ist nicht mehr unsere eigene Stärke, die das allein erreichen muss. Unserem inneren Schweinehund gegenüber stehen uns nun starke Helfer zur Seite. Wie einem Kind wird uns wird sofort geholfen, wenn wir was nicht schaffen. Wenn unsere eigene Kraft nicht reicht, dann erhalten wir durch das Bitten und die Wunder der Charismen neue Möglichkeiten. Matthäus 11 (Lutherbibel 1984): 28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. 29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Den Rucksack auch mal absetzen dürfen - Pause auf einer Bank oberhalb Wünschensuhl mit zauberhafter Weitsicht auf dem ökumenischen Pilgerweg
Erinnern wir uns an meinen Rucksackträger in Burgos oder an Mario, den Feuerwehrmann in Anadia? Genau! So geht das! Jesus ist ein zärtlich-konsequenter Verführer zum Guten mit exzellentem Timing. Er macht uns seinen Weg so schmackhaft, dass wir ihm nicht widerstehen können, ihn zu wählen, wirklich!
In vielen Bibelstellen wird von den Auserwählten gesprochen, zum Beispiel in Markus 13 (Lutherbibel 1984): 27 Und dann wird er die Engel senden und wird seine Auserwählten versammeln von den vier Winden, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
Vielfach wurde ich darauf angesprochen, warum Gott denn so wählerisch sei, warum nicht alle eine Chance haben, alle auserwählt sind. Ich glaube: wie bei jeder Wahl kommt es auch darauf an, dass wir die Wahl annehmen und uns in die Aufgabe stellen, die mit der Wahl einhergeht. Und die Aufgabe ist in Johannes 17 (Lutherbibel 1984) benannt:
7 Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. 8 Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.
Der Prozess der Auserwählung für Gottes Reich ist beidseitig. Gott erwählt uns, indem er uns erschafft. Wir wählen Gott und Gottes Reich mit all seinen Eckdaten. Das griechische Wort des Auserwählens ist εκλεκτος = eklektos von εκλεγω „ich sage heraus“. Wählen wir einfach Sein Wort und nehmen es vollständig an! Leben wir nach dem Wort, so nehmen wir die Wahl an. Nehmen wir unsere Gotteskindschaft an, das Bewusstsein, dass wir unter seinem Dach und durch seine Gnade und Unterstützung leben; dass Sein Wille der Leitstern unseres Lebens ist, Sein Wille, der das „Liebevollstmögliche“ an sich ist! Das Angebot, auserwählt zu sein, haben wir alle. Jeder ist für seinen eigenen Weg auserwählt. Ob wir die Wahl annehmen, das liegt nur an uns. Die Tür zu Gottes Reich ist offen!
Ich habe manchmal das Gefühl, dass Gott die Bibel auch als eine Art “Lackmustest” benutzt. Wenn der Mensch nach dem Bibelwort lebt, es in seinem Leben umsetzt, dann wird Gott für ihn hörbarer, spürbarer, deutlicher, dann bekommt der Mensch individuelle Botschaften. Wenn der Mensch vorher auf das ganz konkrete sichtbare Wort nicht hört, was in der Bibel steht, was soll er dann mit individuellen Botschaften aus der unsichtbaren Welt, die er dann vielleicht auch nicht umsetzt. Nur mal so zum Nachdenken…
Er lässt uns hinein als Seine Kinder. Denn als Kinder dürfen wir, sollen wir kommen.
Matthäus 18 (Gute Nachricht Bibel): 1 Um diese Zeit kamen die Jünger zu Jesus und fragten ihn: »Wer ist in der neuen Welt Gottes der Größte?« 2 Da rief Jesus ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte 3 und sagte: »Ich versichere euch: Wenn ihr euch nicht ändert und den Kindern gleich werdet, dann könnt ihr in Gottes neue Welt überhaupt nicht hineinkommen. 4 Wer es auf sich nimmt, vor den Menschen so klein und unbedeutend dazustehen wie dieses Kind, ist in der neuen Welt Gottes der Größte.
Markus 10 (Lutherbibel 1984) 15 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.
Was kann das heißen? Für mich bedeutet es, wie ein Kind Gottes Reich kennen zu lernen und vom Vater in Liebe angenommen zu werden. Wie lernt ein Kind laufen, wie lernt ein Kind sprechen, wie lernt ein Kind einen Raum kennen? Beim Laufenlernen hat das Kind Lust, die Welt zu entdecken. Es stellt sich auf, läuft los und fällt wieder hin. Im Raum verläuft es sich auch mal, ruft und bittet um Hilfe und wird wieder auf den Weg geführt. Das dürfen wir auch. Hinfallen und wieder aufstehen, ohne uns Vorwürfe zu machen. Nur so weit gehen, wie wir uns sicher fühlen und beim nächsten mal drei Schritte weiter oder vier. Uns mal verlaufen. Uns mal irren und das erst später merken, indem Gott uns in eine Situation führt, wo wir das selbst erfahren können. Darüber lachen und nicht weinen. Neues anwenden. Gelobt werden und nicht pausenlos getadelt. Das Rechte selbst erkennen. Erkunden in 3D, im Leben ausprobieren – auf Neudeutsch „Experiential Learning“.
Bevor man in Gottes Reich erwachsen sein und wie ein Großer wirken kann, hat man erst Zeit zum Wachsen, auch dort erwachsen werden. Ich selbst hatte auch so ein wenig meine eigene Kinderzeit, mein eigenes Wachstum und das Glück meiner Kleinheit in Gottes Reich eine Weile nicht gesehen und geschätzt, war selbst unter Druck geraten oder hatte mich unter Druck gesetzt, der sich mit dieser Erkenntnis in Luft auflöste. Ich konnte mit wieder zum Gotteskind werden und Gott genießen. Er zeigte mir auch deutlich, dass die Drohbotschaft und Schuld als Kernbotschaft nicht funktioniert. Auf die Dauer macht uns das krank, die Drohbotschaft kann den Menschen auch in die Psychiatrie treiben, wenn man allein damit zu evangelisieren versucht. Einsicht und Liebe, in die wir selbst eingeschlossen sind, das funktioniert.
Wer also durch die Pforte findet, der darf Kind sein und von vorne wieder anfangen zu lernen, Erfahrungen sammeln. Nur so lernen wir, in Gottes Reich zu leben, durch Vertrauen lernen, dass Gott wahrlich für uns sorgt. Durch das Wachstum des eigenen Glaubens aus Gotteserfahrungen. Wir haben Zeit dafür, durch Jesus selbst oder durch anderen Menschen unsere Ausbildung zu erhalten.Auch meine Gabe durfte ich ganz klein und langsam und ohne größere Aufsicht Anderer entwickeln, sie ausprobieren, sie auch wachsen lassen. Wir dürfen selbst erst mit Gott voll Gott werden, uns mit Liebe anfüllen lassen, bevor wir uns weiterverschenken. Und bedenken wir: Jesus war Gottes Sohn, Gott selbst. Er hat erst mit 30 Jahren angefangen, aktiv in Predigt, Lehre und Evangelisierung zu gehen.
Wir müssen uns nicht über Gebühr beeilen und uns dabei selbst fertig machen, was nicht heißt, dass wir unsere Zeitfenster auch einfach verstreichen lassen. Das Maß ist immer Liebe, Gesundheit, Freude: Wenn wir unseren Weg jeden Tag lieben können, ohne Ruhe oder Fortschritt zu vermissen, haben wir ein gutes Tempo. Wir fühlen uns zufrieden, voller Ruhe und Balance und erkennen gleichzeitig, dass es voran geht, dass sich etwas tut. Gehen wir langsamer, wenn uns Ruhe und Liebe mangelt und sich Stress einschleicht. Gott ist groß genug, seine Schafe zu finden. Andere sind auch noch da, auch die haben Beiträge, denen sollen wir auch nicht alles abnehmen. Niemand muss allein die Erde auf seinen menschlichen Schultern tragen, das eigene Kreuz reicht. Doch bringen wir mehr in Bewegung, wenn wir das Gefühl haben zu stagnieren oder unangenehme Deja-Vue-Erlebnisse sich häufen.
Und: wir dürfen wir selbst bleiben im Sinne des „Ich bin der ich bin“.
Frohsinn und Heiligkeit schließen sich nicht aus.
Für mich zum Beispiel: Salsa y Salmo[1]
Hier eine Salsa, die vom guten Hirten handelt: “El buen pastor” von Raphy Leavitt mit Rap-Einlage. Geht alles! Goza!
http://www.youtube.com/watch?v=U4Plw0dTJaQ
Und mehr zur Drohbotschaft, Umgang mit Schuldgefühlen und „Sünderdasein“ in “Und was ist mit der Sünde?“
Nächster Artikel: Gott ist, was ist: Die Realität
[1] Salsa und Psalm
Mir wurde auf meinem eigenen Heilungs-Weg immer mehr klar, dass ich mich häufig in meiner Gedankenwelt außerhalb der Realität befand. Am deutlichsten war dies mit Erwartungen. Ich habe zu einem bestimmten Zeitpunkt etwas Bestimmtes erwartet oder erwünscht, dafür kam etwas anderes. Ich habe mir andere Menschen anders gewünscht, als sie waren, habe es von Ihnen sogar erwartet. Die Enttäuschung über das Nicht-Eintreffen meiner Erwartung war oft so groß, dass ich das, was wirklich passierte, was wesentlich besser für mich war, nicht wahrnahm. Ging dann das Leben ins Land, dann wurde mir häufig klar, warum es so viel besser war, ein anderes Ergebnis als das gewünschte oder erwartete zu erhalten.
In der Rückschau können wir unser Leben oft viel besser verstehen, doch wir leben es vorwärts. Was uns hilft, ist der Glaube, dass alles, was Realität ist, gut und Gott ist: Teilhabe am Geist Gottes.
2. Moses 3 (Schlachter-Bibel 2000)
13 Und Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Kindern Israels komme und zu ihnen sage: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt!, und sie mich fragen werden: Was ist sein Name? — was soll ich ihnen sagen? 14 Gott sprach zu Mose: »Ich bin, der ich bin!« Und er sprach: So sollst du zu den Kindern Israels sagen: »Ich bin«, der hat mich zu euch gesandt.
Wenn es sich nicht gut anfühlt, dann meistens, weil wir uns in einem Irrtum, in einer Illusion befinden. Oft werden uns die Konsequenzen einer Handlung gezeigt, über deren Ausgang, Motivation oder Rechtmäßigkeit wir uns geirrt haben. Wir denken uns die Welt, wie sie nicht ist, planen daraufhin etwas, was nicht geschehen kann und laufen gegen eine Wand, mit der wir an dieser Stelle nicht gerechnet haben, die wir an dieser Stelle einfach nicht berücksichtigt hatten. Das tut weh. Gut daran ist, dass wir es jetzt kapieren können. Je schneller wir hinschauen und annehmen, was ist, d.h. verstehen, dass dieses Erlebnis gut für uns war, anstatt dem nachzutrauern, was nicht war, umso leichter fällt uns das Leben.
Eine wichtige Realität sind wir selbst, so wie wir sind. Wenn wir uns nicht so zeigen, wie wir sind, beispielsweise weil wir
- cool sein wollen,
- unsere Gefühle nicht zeigen wollen, uns unserer Gefühle schämen,
- wir uns für irgendwas an uns, von uns oder in uns schämen
- keine Schwäche zeigen wollen, denken perfekt sein zu müssen,
- unsere Verletzlichkeit, Emotionalität und Sehnsucht nach Liebe nicht zeigen wollen
- Angst vor Ablehnung oder Konflikten oder Verlassensangst haben
- es allen recht machen wollen
- von uns ein anderes Bild – Image! – vermitteln wollen, von dem wir uns mehr Erfolg versprechen
- Contenance gegenüber unserem Chef, unseren Auftraggebern bewahren wollen
dann handeln wir ebenso gegen unsere gottgegebene Realität. Dann locken wir an, was nicht zu uns passt, schüren Erwartungen, die wir nicht erfüllen. Wir locken das an, was zu dem passt, was wir als Fassade gerade vormachen, aber nicht sind. Und – wir können nicht von dem gefunden werden, was wirklich zu uns passt. Und die, die nicht zu uns passen, erschrecken sich oder sind enttäuscht, wenn wir uns als etwas entpuppen, was sie in uns nicht vermutet haben und verlassen uns. Wir produzieren zunächst Täuschung und daraus folgend dann die Ent-Täuschung, die Beendigung der Täuschung, selbst.
In einer Beziehung zu einem Mann habe ich mich einmal bemüht, möglichst liebe- und verständnisvoll zu sein, z.B. „nur heute ärgere dich nicht“. Eines Abends war ich mit diesem Mann im Kino. Als wir vor seiner Tür ankamen – wir waren mit meinem Auto gefahren, weil seines in der Werkstatt war – da sagte er, er würde jetzt gern allein in seine Wohnung gehen. Ich hatte mich noch auf ein paar Stunden mit ihm – wie sonst – gefreut. Innerlich implodierte ich, gab ihm jedoch ein Küsschen, heuchelte Verständnis und wünschte ihm noch einen schönen Abend und fuhr nach Hause. Selbstverleugnung! Als er mit mir kurz darauf Schluss machte, da sagte er mir: „Weißt du, als du an dem Abend nach dem Film xy einfach so, völlig emotionslos, nach Hause gefahren bist, als ich allein bleiben wollte, war mir klar, dass ich dir ziemlich egal bin. Andere Frauen, die ich kannte, wären sauer gewesen, hätten was gesagt oder mich sogar angeschrieen. Du warst ungerührt. Das hat mir von allem am meisten zu Denken gegeben.“ Da implodierte ich wieder, aber gleichzeitig auch in mir der Glaubenssatz: „ Es ist in einer Beziehung nicht gut ist, seine negativen Emotionen zu zeigen.“ Auch sie können für andere eine sehr wichtige Aussage enthalten. Egal, auch wenn er nicht der Richtige war: das war eine sehr wichtige Lehre für meine Zukunft.
Ich habe während einer Zeit in meinem Leben Dinge erlebt, die der Albtraum vieler, vieler Menschen sind:
- Ich habe mich scheiden lassen.
- Ich musste mein Kind für längere Zeit gehen lassen, weil es bei seinem Vater leben wollte.
- Ich habe mein Haus verkauft, weil der Preis des Haltens zu hoch war.
- Ich habe 150.000 Euro und meine Altersversorgung dabei verloren und war nicht nur bankrott, sondern blieb mit Schulden zurück.
- Ich konnte meinen hochdotierten Beruf als Unternehmensberaterin nicht mehr ausüben, weil mir plötzlich dort – und nur dort – die Worte wegblieben.
- In meinem Büro hat es gebrannt.
- Ich habe eine Zeit lang Hartz IV beantragen müssen, denn alle „Sicherheitsleinen“ waren gerissen.
Ich habe es alles überlebt und nie wirklich einen unwiederbringlichen Verlust erlitten, es hat mich nicht verzweifeln lassen. Alles hat mich auf wundersame Weise gestärkt. All dies passierte zu meinem Guten. Wenn das nicht passiert wäre, würde ich noch heute etwas anderes tun als das, als meine Bestimmung zu leben, vielleicht würde ich mich noch immer ablenken oder davor davonlaufen, wäre noch nicht aufgewacht. Ich würde mir noch Sorgen machen und Angst haben. Ich würde noch heute unter einer hohen Last stöhnen. Ich würde mich immer noch hetzen, nicht genug Zeit haben und mich überfordern, statt ein gesundes und liebevolles Leben zu leben, in dem Zeit in Balance ist. Ich hätte Gottes Welt nicht kennen und schätzen gelernt. Ich hätte sie nicht so gebraucht. Ich hätte Gott nicht so gebraucht, wie ich ihn gebraucht und erfahren habe. Ich wurde arm und erfuhr, wie es ist, von Gott getragen zu werden. Ich habe keine Angst mehr, ich mache mir nur noch selten Sorgen. Die einzige „Sicherheitsleine“, die ich habe, ist Gott, sonst nichts. Sicherer geht es nicht, denn er hat mehr Macht als jeder Mensch, mehr als alles, was ich selbst versuchen könnte.
Und das wichtigste, prägende Erlebnis der Gut-Wahrnehmung war dieses:
- Als Kind habe ich etwas erlebt, was ein Kind nicht erleben sollte – und es in einer Amnesie verdrängt
Ich verstand damals die Welt, die Menschen nicht mehr und das zog sich von meiner Kindheit in meine Jugend und ins Erwachsenensein. Aus diesem Grund habe ich ein Leben lang nach Heilung gesucht und sie auch gefunden, mit Gottes Hilfe, über meine Hände. Wäre ich dadurch nicht so sehr verletzt gewesen, wäre nicht mein Leidensdruck so groß gewesen, wäre dadurch nicht mein Glaube an Gott so erschüttert worden, wie hätte ich sonst all diese Heilungserfahrungen am eigenen Leibe real erleben können? Wie könnte ich sonst so sicher sein, dass funktioniert, was ich tue? Ich habe meinen Glauben an einen guten Gott zurück gewonnen und weiß in aller Tiefe, was ich hier schreibe, es ist mehr als Glaube. Meine Seele ist geheilt.
Der wichtigste Glaubenssatz in meinem Leben war durch diese Kindheitserlebnisse: „Was ich will, ist sowieso egal!“ Die Behandlung dieses Glaubenssatzes hat zwei Stunden gedauert, in denen ich, geschützt durch den Erzengel Michael, nochmals durch die damalige Erfahrungen gegangen bin, geheult, geschrieen und mit den Beinen um mich getreten habe, ganz viele Momente wieder erlebt habe, in denen mein Wille einfach übergangen wurde oder wo ich meinen Willen nicht mal erwähnt habe, sondern mich gleich dem Willen anderer – gegen meine Bedürfnisse und Vorstellungen – unterworfen habe.
Am Ende der Behandlung war in meinem Munde ein Satz, den schon Jesus uns zu beten empfohlen hat: „Dein Wille geschehe!“ Noch nie hatte ich mich in meinem Leben so getröstet gefühlt. Alle diese Erlebnisse waren von mir abgefallen. Und dann fiel mir eines auch nicht mehr schwer, was er im gleichen Atemzug sagte: Wie auch wir denen vergeben, die uns verletzen. Ich konnte vergeben und Frieden wiedergewinnen.
Ich denke heute, Sein Wille war, dass ich Heilung vollständig und authentisch verstehe. Diesen Weg dazu habe ich genau so gebraucht. Und dafür bin ich meinem guten Gott dankbar. Die Gegensätze haben sich im Frieden vereint. Ich habe gesehen, dass es gut war: Der Weg des verwundeten und dann geheilten Heiler führt zur Heilberufung.
Gott hat die Welt geschaffen und sein Werk gefiel ihm. Er hat sie geschaffen mit Sinn.
1. Mose 1 (Lutherbibel 1984)
Verse: 10, 12, 17, 21, 25: Gott sah, dass es gut war.
1. Mose 1 (Lutherbibel 1984)
31 Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.
Wer sind wir, dass wir dies in Zweifel stellen, diese Welt sogar als Jammertal bezeichnen können?
In Jesaja 45 steht dazu deutlich:
9 Weh dem, der mit seinem Schöpfer rechtet, er, eine Scherbe unter irdenen Scherben. Sagt denn der Ton zu dem Töpfer: Was machst du mit mir?, und zu dem, der ihn verarbeitet: Du hast kein Geschick?
Nun, in der Schöpfungsgeschichte verbot Gott Adam, von dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen.
1. Mose 2 (Lutherbibel 1984)
16 Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen: Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, 17 doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.
Von der Übersetzung her kann das dort verwendete griechische Wort γινωσκειν sowohl mit Erkennen, jedoch genauso gut auch mit Beurteilen übersetzt werden, es kann auch Wahrnehmen oder Bezeichnen/Benennen heißen. Der Mensch fängt damit an, selbst die Welt in Gut und Böse aufzuteilen, etwas gut oder böse zu nennen. Das erste, was nach der Bibel ihm nach dem Sündenfall auffiel, war die Nacktheit. Was ist an der Nacktheit gut oder böse? Warum war sie plötzlich für Adam und Eva schlecht, beschämend? Der Mensch ist von Gott geschaffen, wie der Mensch eben geschaffen ist: Gott sah, dass es gut war.
Der Mensch beginnt nun zu urteilen, worüber er kein Urteil zu fällen hat, worüber er kein Urteil fällen kann, worüber kein Urteil gefällt werden kann. Denn was Gott geschaffen hat, ist gut. Der Mensch ist gut, auch nackt.
Nochmals die Sätze aus dem Buch der Weisheit:
Weisheit 11 (Einheitsübersetzung)
23 Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst, und siehst über die Sünden der Menschen hinweg, damit sie sich bekehren. 24 Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen. 25 Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre? 26 Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens.
Hat einer von uns wirklich das Gefühl, dass wir Menschen tatsächlich erkennen können, was gut und böse ist? Mal ganz ernsthaft, ist das wirklich unsere Erfahrung? Das mit dem Beurteilen ist viel wahrscheinlicher, oder? Das können wir JEDEN Tag erleben, an uns selbst und an anderen…
In dem Moment, wo wir anfangen zu beurteilen, Menschen, Verhalten, Situationen und Dinge in Gut und Böse, und Folgen von Dingen in Gut und Böse und Vergangenheit oder Zukunft in Gut und Böse zu unterteilen, da fängt die Verfehlung des Weges an, eben Sünde. Wir schalten in unsere Wahrnehmung einen Zwischenschritt ein für eine Filterung in Gut und Böse. Dies legt den Samen in uns für Emotionen wie Wut, Zorn, Trauer, Depression, Mangel- oder Rachegefühle. Wir erzählen uns selbst Geschichten. Deren Wahrheitsgehalt? Reine Spekulation! Genau das halte ich persönlich für die Erbsünde. Wir ermöglichen unserem Bewusstsein, die Kategorie „BÖSE“ zuzulassen, so dass es sich in unserem Bewusstsein anlagern kann. Da gehört es aber nicht rein. Weil durch Erziehung und Erleben Verurteilung und Kritik von den Eltern zu den Kindern weitergegeben werden, es ist uns zur ständigen Gewohnheit geworden. Doch Gewohnheiten kann man sich auch abgewöhnen.
Den Menschen, allen Menschen kann man es nicht recht machen, das ist völlig hoffnungslos, das ging sogar Jesus so, und der ist der menschgewordene Gott; siehe auch Matthäus 11 (Lutherbibel 1984):
16 Mit wem soll ich aber dieses Geschlecht vergleichen? Es gleicht den Kindern, die auf dem Markt sitzen und rufen den andern zu: 17 Wir haben euch aufgespielt und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben Klagelieder gesungen und ihr wolltet nicht weinen. 18 Johannes ist gekommen, aß nicht und trank nicht; so sagen sie: Er ist besessen.19 Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt; so sagen sie: Siehe, was ist dieser Mensch für ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden aus ihren Werken.
Nie kann man es allen recht machen! Wer es versucht, wird daran verzweifeln. Kann man es überhaupt jemandem recht machen? Immer wird jemand ein Haar in der Suppe finden. Genau das ist die Frucht vom Baum der Beurteilung von Gut und Böse: Die Annahme des Bösen, dass das Haar in der Suppe etwas Böses ist.
Und der Höhepunkt der Erbsünde war die Verurteilung von Gott selbst in Jesus Christus und seine Kreuzigung. Hier wurde die Beurteilung durch Menschen tatsächlich vollends ad absurdum geführt, in das Verrückteste, was kommen konnte. Gott ist zu uns auf die Erde gekommen, hat die Menschen geliebt, geheilt und gelehrt von der Liebe als Ausgangspunkt aller Perspektiven. Und wir wissen es nicht besser, als ihn zum Tode zu verurteilen und auf barbarische Weise umzubringen! Weil er sich nicht an irgendwelche unserer Regeln hält?! Da zeigt sich doch, wie wir ohne Sinn, Verstand und Herz urteilen!
Regeln, ach, davon haben wir weiterhin mehr als genug… Jesus sagt das auch sehr deutlich in Johannes 15 (Hoffnung für Alle):
24 Wenn ich nicht vor aller Augen Gottes Wunder vollbracht hätte, die kein anderer tun kann, wären sie ohne Schuld. Aber nun haben sie alles miterlebt, und trotzdem hassen sie mich und auch meinen Vater. 25 Dies geschieht, damit sich die Voraussage der Heiligen Schrift erfüllt: ‘Sie hassen mich ohne jeden Grund!’
Doch auch hier ist nichts ohne Sinn. Im Höhepunkt der Verurteilung hat sich die Möglichkeit zur Umkehr aufgetan, der Weg zur Besserung, der Weg zur deutlichen Erkenntnis. Damit wir endlich verstehen, dass wir keinen Schimmer haben! Das Böse entsteht, indem wir etwas dazu machen! Auch das Absurdeste enthält die Chance zum Heil. Der Tod Jesu führte zum Leben, zur Auferstehung. Aus dem Tod entsprang der Quell des Heils für die gesamte Menschheit. Er sagte damit zu uns: Ich würde sogar für Euch sterben…und hat es auch getan! Ergreifen wir diese Chance zum Heil!
Nochmal, so sieht es im Alltag aus: Nur aus der Beurteilung, unserem Privatfilter „das ist gut und das ist böse“, ergeben sich Gedanken über diese Bosheit – wir basteln unsere „blöde“ Welt selbst[1] – und diese Gedanken produzieren Gefühle, z.B. Ärger, Eifersucht, Trauer, Angst. Diese Gedanken und Gefühle sind es, die uns von der Wahrnehmung Seines Willens abhalten, von seiner Führung, so dass wir immer mehr die Illusion entwickeln, wir wären die Herren unseres Lebens, wir könnten / dürften diese Beurteilung abgeben und das Geschehen nicht als Teil seiner Führung ansehen. Und wir wissen ja, zu was für absurden Handlungen wir uns manchmal aus obigen Gefühlen hinreißen lassen…
Wie kann es anders sein, als dass Gottes Schöpfung und sein Weg gut ist? Welcher Mensch, welche Handlung gut ist? Wer sind wir, dass wir uns aufschwingen, dies beurteilen zu wollen? Der Regenbogen, die große Brücke zwischen Himmel und Erde, kann nur entstehen, wenn wir Regen und Sonnenschein gleichzeitig haben. Beides ist für uns gut.
1.Mose 9,13 (Lutherbibel 1984): Gott sprach: Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.
Und selbst hier scheiden sich die Geister: Für manche ist Regen himmlisch und Sonne nicht. Und für manche ist Sonne himmlisch und der Regen nicht. Ist die Sonne daher schlecht oder gut, was ist mit dem Regen? Auch ein Gewitter ist eine sinnvolle Sache, es nimmt den Druck der Schwüle, wenn auch viele Angst davor haben.
Römer 8 (Lutherbibel 1984): 28 Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.
Eines Tages erlebte ich einen von Kindern und Jugendlichen mitgestalteten Gottesdienst mit, die gerade von der Religiösen Kinderwoche zurückgekommen waren. Die Kinder hatten dort den Psalm 23 „Vom Guten Hirten“ besprochen. Sie hatten dann im Gottesdienst die Zeit, immer wieder Worte und Sätze aus dem Psalm zu sprechen. Da saß ich nun im Gottesdienst und hörte die hellen Kinderstimmen rufen: „Er gibt mir neue Kraft.“ „Nichts wird mir fehlen.“ „Du beschützt mich.“ „Du gibst mir mehr als genug.“ „Er gibt mir neue Kraft.“ „Und geht es auch durch dunkle Täler, fürchte ich mich nicht.“ „Er leitet mich auf sicheren Wegen.“ „Nichts wird mir fehlen.“ „Er führt mich zu frischen Quellen.“ „Du Herr bist bei mir.“ „Er gibt mir neue Kraft.“ „In deinem Haus darf ich für immer bleiben.“ „Ich fürchte mich nicht, denn du bist bei mir.“ „Du beschützt mich.“ „Deine Güte und Liebe werden mich begleiten mein Leben lang.“ „Er führt mich zu frischen Quellen.“ „Du beschützt mich mit deinem Hirtenstab.“ „Er weidet mich auf saftigen Wiesen.“ Da wurde mir klar: wenn wir als Kinder lernen können, im ständigen Bewusstsein dieses Psalms zu leben, dann können wir so früh lernen, alles für gut zu halten, auch wenn es mal durch dunklere Täler geht. So können wir die Erbsünde hinter uns lassen.
Psalm 23: Der gute Hirte (Bibelübersetzung Hoffnung für alle)
1 Ein Lied Davids: Der Herr ist mein Hirte. Nichts wird mir fehlen. 2 Er weidet mich auf saftigen Wiesen und führt mich zu frischen Quellen. 3 Er gibt mir neue Kraft. Er leitet mich auf sicheren Wegen, weil er der gute Hirte ist. 4 Und geht es auch durch dunkle Täler, fürchte ich mich nicht, denn du, Herr, bist bei mir. Du beschützt mich mit deinem Hirtenstab. 5 Du lädst mich ein und deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du begrüßt mich wie ein Hausherr seinen Gast und gibst mir mehr als genug. 6 Deine Güte und Liebe werden mich begleiten mein Leben lang; in deinem Haus darf ich für immer bleiben.
Und für uns Erwachsene, die wir noch ohne dieses Bewusstsein sind, finden wir diesen Ratschlag Jesu zur Güte:
Lukas 6 (Lutherbibel 1984): 36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. 37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. 38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen. … 41 Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? 42 Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!
Und wenn ich erstmal den Balken aus meinem eigenen Auge gezogen habe, dann finde ich in der Regel den Splitter im Auge des anderen nicht mehr, sondern nur noch sein Wunderbarsein, sein wunderbares Sein. Und ist der Splitter noch da, haben wir ein Feld zum Handeln gefunden, das unser bedarf.
Unser Gefühlshaushalt ist auch unser Messgerät. Schaute ich auf das, was ich als unangenehm, störend empfand: BINGO! Ich entdeckte bei näherer Betrachtung wahrscheinlich hiervon etwas direkt bei MIR, meine eigenen Balken:
- Geiz, Habgier, Existenzangst, Verlassensangst, Angst vor Mangel, Mangel an Glaube und Vertrauen
- Selbsterhöhung oder Erhöhung einer anderen Person, Stolz, Übermut, Eitelkeit, Ruhmsucht, Angst vor Imageverlust, Kontrollverhalten
- Genusssucht, Maßlosigkeit, Unmäßigkeit, Selbstsucht
- Zorn, Wut, Vergeltung, Rechthaberei, Rache, Bitterkeit, Hadern mit dem Schicksal
- Neid, Missgunst, Eifersucht, Angst
- Trägheit, Faulheit, Feigheit, Ignoranz, Lieblosigkeit, Gleichgültigkeit
Es wurde mir immer wieder und intensiver klar, das man zuerst sein eigenes Herz ansehen kann, bevor man auf eine andere Person sauer ist und/oder sie lieblos behandelt. Alles, was uns im Außen trifft, berührt, hat seine Ursache im Innern – dem Feld, was ganz uns gehört, das wir wirklich gemeinsam mit Gott bestellen können und dessen Fruchtgüte wir selbst mitbestimmen können, wo wir anpacken können und tatsächlich zuständig sind.
Markus 12 (Lutherbibel 1984): Die Frage nach dem höchsten Gebot
28 Und es trat zu ihm einer von den Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Und als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen? 29 Jesus aber antwortete ihm: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, 30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt1 und von allen deinen Kräften« (5.Mose 6,4-5). 31 Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3.Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese. 32 Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Meister, du hast wahrhaftig recht geredet! Er ist nur “einer,” und ist kein anderer außer ihm; 33 und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und von allen Kräften, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. 34 Als Jesus aber sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.
In ganz einfachem Deutsch:
- Nimm die Welt an und schätze sie, so wie sie ist. Halte sie für gut.
- Nimm Deinen Nächsten an und schätze ihn, so wie er ist.Halte ihn für gut.
Vertraue in seine Güte.
- Nimm Dich selbst an und schätze Dich, so wie Du bist.Halte Dich für gut.
- Denn alles ist von Gott geschaffen.
Alle Gebote werden obsolet, wenn ich dies beachte und lebe, denn warum sollte ich lügen, töten etc., wenn ich alles für gut halte.
Warum sollte ich dann meine Eltern schlecht behandeln, wenn alles gut ist, dann begleiten wir einander ein Leben lang in Liebe. Kinder kommen so auf die Welt, sie lieben ihre Eltern einfach automatisch, egal, wie sie behandelt werden. Erst zu einem späteren Zeitpunkt im Leben, wenn sie die Gewohnheit der Beurteilung übernommen haben, dann wenden sie sich manchmal gegen sie.
Genauso steht es mit der Lüge. Was sollte ich verbergen oder verändern oder anders darstellen wollen, wenn ich alles in Liebe und Dankbarkeit annehme?
Warum sollten Kriege geführt, andere Menschen überhaupt angegriffen oder getötet werden? (Das erschließt sich mir allerdings sowieso bis heute nicht.) Es gäbe keine Veranlassung dafür. Ein gewaltfreier Weg ist immer möglich!
Lukas 6 (Lutherbibel 1984):
27 Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; 28 segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. 29 Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht.30 Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück. 31 Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!
Wenn einer uns im Affekt schlägt, d.h. auf die erste Wange, so ist der zweite Schlag, den wir ihm sodann anbieten, immer einer, den er bewusst ausführen muss. Ob er dann ein zweites Mal zuschlägt, ist wesentlich unwahrscheinlicher.
Warum sollte ich neidisch sein oder anderen Menschen etwas wegnehmen wollen, wenn ich mit meinem Zustand zufrieden bin und – wenn ich selbst arm bin und etwas brauche, was ich nicht habe – andere mir barmherzig zur Seite stehen?
So sah es auch der Apostel Paulus in Galater 3 (Hoffnung für alle):
19 Was aber soll dann noch das Gesetz? Gott hat es zusätzlich gegeben, damit wir das Ausmaß unserer Sünden erkennen. Dieses Gesetz – von den Engeln durch den Vermittler Mose zu uns gebracht – sollte auch nur so lange gelten, bis der Nachkomme Abrahams da wäre, an dem Gott sein Versprechen erfüllen wollte.
Wer das noch nicht kann, der hat alle Chance der Welt. Einfach Schritt für Schritt bei sich selbst anfangen. Am einfachsten ist es, die Hand auf’s Herz zu legen und genau jetzt sich Liebe im Herzen durch Jesus Christus zu wünschen. Das Böse ist einfach eine Illusion, ein geistiger Virus, und diese Illusionen wecken als erstes unsere emotionalen Erinnerungen / vergangene, unvergebene Sündenfälle. Diese entzünden dann unsere Gedanken, daran entzünden sich unsere Gefühle und daran irgendwann unser Körper. Das ist wie bei einem Computervirus. Ist der Virus erst mal da, dann ist irgendwann die ganze Festplatte korrupt, digitaler Müll bei 100 % Prozessorauslastung. Nix geht mehr. Menschlich gesehen: Wirre Gedanken, die sich im Kreise drehen, der Kopf zum Bersten voll, geistige Erschöpfung, Stagnation.
Und genau durch Glaube, gepaart mit Liebe und Annahme verschwindet das Böse aus der Welt, durch den Anteil daran, den wir selbst tun können, indem wir erkennen können, dass es entweder gar nicht böse ist, oder wir einen deutlichen Handlungsappell vor uns sehen. Hierfür können wir Verantwortung übernehmen, hier können wir diesem Appell folgen und handeln, das scheint mir unsere Aufgabe! Glaube an das Gute ist das wirksamste Antivirusprogramm. Es ist der einzige Ansatz, der unserer Macht ohne Machtausübung zugänglich ist.
Auch der Apostel Paulus hält dafür ein schönes Beispiel bereit im Römerbrief 11 (Lutherbibel 1984), wo er vom Volk Israel als dem möglichen Anderen spricht, dem man Schuld zuweisen möchte:
11 So frage ich nun: Sind sie gestrauchelt, damit sie fallen? Das sei ferne! Sondern durch ihren Fall ist den Heiden das Heil widerfahren, damit Israel ihnen nacheifern sollte. 12 Wenn aber schon ihr Fall Reichtum für die Welt ist und ihr Schade Reichtum für die Heiden, wie viel mehr wird es Reichtum sein, wenn ihre Zahl voll wird. 13 Euch Heiden aber sage ich: Weil ich Apostel der Heiden bin, preise ich mein Amt, 14 ob ich vielleicht meine Stammverwandten zum Nacheifern reizen und einige von ihnen retten könnte. 15 Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird ihre Annahme anderes sein als Leben aus den Toten! 16 Ist die Erstlingsgabe vom Teig heilig, so ist auch der ganze Teig heilig; und wenn die Wurzel heilig ist, so sind auch die Zweige heilig.
Ändern wir uns zuerst, das haben wir in der Hand, fangen wir bei uns an. Formatieren wir uns selber neu! Die Veränderung des Nächsten sich zum Ziele nehmen[2] ist meist hoffnungslos und zudem dessen eigene Aufgabe unter Gottes Führung. Ein weiteres Beispiel für die unnötige Neukreation von Bosheit in der Welt ist die Unterteilung der Menschen in Freunde und Feinde:
Von der Feindesliebe, Matthäus 5 (Lutherbibel 1984)
43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3.Mose 19,18) und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen2, 45 damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? 47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?
In den Psalmen erschrecken mich – ehrlich gesagt - immer die vielen Erwähnungen und Verwünschungen der Frevler und Feinde. Dazu stehen die Aussagen Jesu in krassem Widerspruch. Der Gerechte wächst an seinen „Feinden“, an denen, die ihm Widerstand bieten, und das müssen nicht nur Feinde sein. Sie sind auch Engel, ungeflügelte Boten Gottes.
Die spanische christliche Mystikerin Theresa von Àvila sagte dazu in ihrem Buch Seelenburg: „Denn ob wir Gott lieben, kann man nicht wissen, wenn es auch spürbare Anzeichen dafür gibt. Aber die Liebe zum Nächsten ist erkennbar. Und glaubt mir: je weiter ihr euch in dieser fortschreiten seht, umso größer ist eure Liebe zu Gott.“
Und dafür ist uns ein jeder gesandt, der unseren Weg kreuzt bzw. niemand ist uns nicht gesandt. Wer uns entzündet, ist in der Regel da, um uns zu heilen.
Johannes 13 (Lutherbibel 1984):
20 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer jemanden aufnimmt, den ich senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.
Freuen wir uns also auf den nächsten Ärger, auf die nächste Sorge, auf die nächste Bitterkeit. Das legt uns die nächste Chance zu Füßen, die Liebe in uns zu vergrößern und das Unkraut unserer Illusion zu erkennen, kaltzustellen oder auszujäten, unser Antivirusprogramm laufen zu lassen. Einfach sagen: „Lieber Gedanke, du bist zwar da, doch ich glaube dir nicht. Raus, und mach die Tür von außen zu !“ oder moderner „Ab, isoliert in den File Sanitizer und dann schnell gelöscht!“ Auch dies ist ein Teil des Kreuzes, das wir auf uns nehmen. Das ist zum Teil mit der Verleugnung gemeint. Ich leugne die Realität meiner selbsterfundenen Geschichten.
Lukas 9 (Lutherbibel 1984)
23 Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.
Es geht darum, diesen Erinnerungen, Einflüsterungen, Geistesviren nicht zu trauen und eine klare Absage zu erteilen, sie zu isolieren und zu löschen. Verbeißen wir uns nicht in diese Gedanken, damit aus diesen Gedanken keine Missstimmungen erwachsen. Solche Missstimmung und solche Gedanken würden unseren Körper nur weiter schwächen. Sagen wir uns: „Ich weiß, ich habe einmal so gefühlt, doch damals wusste ich es noch nicht besser oder ich hatte es wieder vergessen. Und heute erinnere ich mich wieder daran und jetzt kann ich es ja verdauen und dann halte ich mein Herz und meinen Geist frei und unbeschwert.“ Halten wir das große Stoppschild namens Glaube an das Gute in uns hoch, aktivieren wir unser geistiges Antivirusprogramm, damit die Wucht der Illusion des Bösen daran abprallt! Genießen wir Seine Heilung! Glauben wir! Bleiben wir in der Liebe!
Damit erweist sich der christliche Glaube eine absolut schlechtwettertaugliche Lebensform. Wenn wir jede Wendung des Schicksals als eine Chance erkennen, in der Liebe zu wachsen, unser Herz zu weiten, so sind in der Rückschau oft die vermeintlichen „Schlechtwetterphasen“ des Lebens die, die uns dazu bringen, wahre Liebe und Lebendigkeit in uns zu ermöglichen.
Über vier Jahre in meiner Ehe litt ich unter unerfülltem Kinderwunsch. Ich wusste nicht, wieso ich kein Kind bekam, glaubte an Karma und damit daran, dass ich in irgendeinem anderen Leben irgendetwas Schreckliches gemacht haben musste, um in diesem Leben kein Kind zu haben. Ich weiß nicht, wer sich außer den Betroffenen das vorstellen kann: jeden Monat eine tiefe persönliche Niederlage zu erleiden, wieder den Lebenstraum nicht erfüllt zu bekommen. Jeden Monat irgendwann zu spüren, dass es doch nicht geklappt hat, ein dauerhaftes Leben in der Erwartung, das eigene Leben umzukrempeln. Mein Leben fühlte sich an, als ob ich auf einem Bahnhof war, und der Zug kommt nicht und keiner weiß, wann er kommt. Ob er überhaupt kommt? Als ich dann endlich schwanger war, war ich – selbst nach westdeutschen Maßstäben – mit knapp 35 Spätgebärende. Trotzdem ließ ich keine vorgeburtliche Diagnostik machen. Ich wollte einfach nehmen, was kommt. Lieben, was das Kind ist, wie das Kind ist, gesund oder krank, in guten wie in schlechten Tagen. Eltern und Kinder, das können wir uns nicht aussuchen. Bei den Kindern sind wir zwar beteiligt, sie zu schaffen, doch der Herr über Leben und Tod ist Gott. Nur er! Es gibt keine Garantie. Nur Güte…
Wie bedeutsam dies war und eine späte Dankbarkeit erfuhr ich später durch den Konflikt einer Frau, die durch vorgeburtliche Diagnostik von der schweren Krankheit des in ihr lebendigen Kindes hörte. Sie durchstand einen furchtbaren Kampf in sich, ob sie sich auf das Kind einlassen könnte, wollte, ob sie dem Kind ein solches Leben zumuten sollte oder nicht. Sie entbehrte der ganzen Freude, die eine Schwangerschaft bedeutet. Sie hatte es sich anders vorgestellt, vielleicht wie etwa den schönen Kleinmädchentraum des Vater-Mutter-Kind-Spiels. Da sie nicht gläubig war, war ihr nicht bewusst, dass die Entscheidung gar nicht bei ihr liegt.
Exkurs: Doch wo setze man das Maß an: wann ist Leben lebenswert? Für mich ist der Physiker Steven Hawking immer ein Beispiel. Ein zweites ist der ohne Arme und Beine geborene Australier Nick Vujicic[3], der mit all seinen Einschränkungen glücklich lebt, Sinn in seinem Leben hat, tief in Gott verankert ist, sogar für andere sorgt statt nur versorgt zu werden. Sind ihre Leben lebenswert? Ganz bestimmt! Viele Kinder, die ungeboren geblieben sind, hätten weit weniger Einschränkungen gehabt.
In der Liebe wachsen: Welche besondere Chance hat man mit einem kranken Kind? Wie viel mehr Hingabe ist für ein solches Kind notwendig? Um wie viel intensiver kann man die Liebe erleben, wenn man auch immer wieder Todesängste um das Kind aussteht? Wie viel wertvoller erscheint das Kind dann, und wie viel wertvoller erscheint dann das Leben, auch das eigene Leben? Auch Menschen mit Nahtoderfahrungen schätzen in der Regel ihr Leben auf ganz neue und intensive Weise. Sicher, wir bitten in der Regel nicht darum, eine solche Erfahrung zu machen und ich wünsche sie auch keinem. Doch einigen von uns wird sie gegeben, damit wir ihr Wunder erleben können: den Weg zur Liebe gehen können, wenn wir nicht mit unserem Schicksal hadern, sondern es willig annehmen.
Es sind doch solche Zeiten, die unsere Weisheit, unsere Herzensbildung, unsere Geduld und Langmut, unser Vertrauen, unsere Zuversicht und unseren Glauben[4] wachsen lassen. Wo kann sich ein Glaube erweisen, der nicht in der Realität geprüft ist? Wo kann er über das Lippenbekenntnis hinausgehen? Nur im wahren Leben! Und so ist es mit allem vermeintlichen Leid, das in unserem Leben ankommt. Wenn wir immer vorher wüsssten, was auf uns zukommt, immer wählen könnten, würden viele heilende Wege, die sich uns einfach so unter die Füße schieben, für immer ungegangen bleiben.
In Finisterra begegneten wir beim Bäcker Don Giovanni, einem Künstler aus Österreich. Ihn faszinierte Santiagos Flöte, er wollte unbedingt Aufnahmen von ihm machen. So verabredeten wir uns kurz unserer Abfahrt an der Bushaltestelle. Don Giovanni schenkte uns anschließend eine handbemalte Streichholzschachtel und eine ebensolche Wäscheklammer, auf der die Webadresse www.wolfgangsweg.de stand. Dort kann man die Werke von Don Giovanni bewundern. Ich fand ein Gedicht, das mein Verständnis unterstreicht. Die Wäscheklammer fiel mir wieder ein, ein paar Tage, bevor ich dieses schrieb. Hier ist es:
Ich bat um Stärke
Ich bat um Stärke, aber er machte mich schwach,
damit ich Bescheidenheit und Demut lernte.
Ich erbat seine Hilfe, um große Taten zu vollbringen,
aber er machte mich kleinmütig, damit ich gute Taten vollbrächte.
Ich bat um Reichtum, um glücklich zu werden.
Er machte mich arm, damit ich weise würde.
Ich bat um alle Dinge, damit ich das Leben genießen könne.
Er gab mir das Leben, damit ich alle Dinge genießen könne.
Ich erhielt nichts von dem, was ich erbat –
Aber alles, was gut für mich war.
Gegen mich selbst wurden meine Gebete erhört.
Ich bin unter allen Menschen ein gesegneter Mensch.
(Unbekannter Soldat)
Betrachten wir einige der wahren menschlichen Größen unserer Zeit und ihren Lebensweg:
Nelson Mandela war 27 Jahre als politischer Gefangener in Haft. Die Zeit hat ihn nicht gebrochen, sondern hat ihn wachsen lassen, so dass er später als Präsident von Südafrika einen friedlichen Übergang zur Abschaffung der Apartheid einleiten konnte.
Mahatma Gandhi verbrachte insgesamt 8 Jahre seines Lebens im Gefängnis. Er bestand auf dem gewaltfreien Weg in die Unabhängigkeit seines Landes.
Albert Schweitzer war 19717 – 1918 in Frankreich interniert. In dieser Zeit arbeitete er an seinem Werk „Ehrfurcht vor dem Leben“.
Der Psychiater und Psychotherapeut Victor Frankl war in Theresienstadt, Ausschwitz und Türkheim interniert. Aus seinen Erfahrungen dort entwickelte er die Logotherapie und Existenzanalyse, eine psychotherapeutische Methode, die über die Sinnfindung im Leben von Depression und Suizidalität befreit. Er prägte den Satz „Sinn kann nicht gegeben, sondern muss gefunden werden.“
Sie alle haben Leid, Angst und Härte, Zeiten der Machtlosigkeit und absoluten Einschränkung erlebt in ihrem Leben, Wüste. Sie sind daran gewachsen, haben in der Annahme ihres Schicksals ein Herz voller Liebe, Angstlosigkeit (Glaube) und Handlungskraft (Hoffnung) gewonnen. Denn Schlimmes hatten sie schon erlebt, es hat sie nicht gebrochen.
Paulo Coelho, der Mann, der mich mit seinem Buch auf den Jakobsweg gelockt hat, bringt in seinem Buch „Die Hexe von Portobello“ ein Gleichnis aus einer Schmiede, was dies verdeutlicht. Er beschreibt, dass die Schmiedestücke durch harte Schläge geformt, durch Feuershitze und kaltes Wasser strapaziert werden. Eisen, was nicht taugt und daran zerbirst und untauglich wird, das landet auf dem Haufen für Alteisen, unbrauchbar für die Zukunft. Nur was nicht zerbricht, erhält als Werkzeug, als Werkstück überzeitliche Dauer. Und so bittet der Schreiber darum, eben nicht auf dem Haufen von Alteisen zu landen, sondern durch die Schläge des allmächtigen Schmiedes, die Schicksalsschläge, durch Hitze und Kälte der Schlechtwetterperioden des Lebens als Werkzeug Gottes tauglich zu werden, innerlich fest zu werden und Halt bieten zu können. Dieser Bitte konnte ich mich anschließen.
Jesus Sirach 2 (Einheitsübersetzung): 4 Nimm alles an, was über dich kommen mag, halt aus in vielfacher Bedrängnis! 5 Denn im Feuer wird das Gold geprüft und jeder, der Gott gefällt, im Schmelzofen der Bedrängnis.
Weisheit 3,5 (Einheitsübersetzung): Denn Gott hat sie geprüft und fand sie seiner würdig. 6 Wie Gold im Schmelzofen hat er sie erprobt und sie angenommen als ein vollgültiges Opfer.
Ein weiteres Bild schenkten uns gemeinsam der heilige Augustinus und Papst Benedikt XVI. aus der Enzyklika Spe Salvi, Papst Benedikt XVI Nr. 32 – 34:
„Der Mensch ist zum Großen geschaffen – für Gott selbst, für das Erfülltwerden von ihm. Aber sein Herz ist zu eng für das Große, das ihm zugedacht ist. Es muß geweitet werden. ‘Indem Gott die Gabe [seiner selbst] aufschiebt, verstärkt er unser Verlangen; durch das Verlangen weitet er unser Inneres; indem er es ausweitet, macht er es aufnahmefähiger [für ihn selbst].’ Augustinus verweist auf den heiligen Paulus, der von sich sagt, daß er ausgestreckt auf das Kommende hin lebe (vgl. Phil 3, 13), und gebraucht dann ein sehr schönes Bild, um diesen Vorgang der Weitung und Bereitung des menschlichen Herzens zu beschreiben. ‘Stell dir vor, Gott will dich mit Honig [Bild für die Zärtlichkeit Gottes und seine Güte] anfüllen. Wenn du aber ganz mit Essig angefüllt bist, wohin willst du den Honig tun?’ Das Gefäß, d.h. das Herz, muss zuerst ausgeweitet und dann gereinigt werden: vom Essig und vom Essiggeschmack befreit werden. Das kostet Arbeit, das kostet Schmerz, aber nur so entsteht die Eignung für das, wozu wir bestimmt sind.[26]
Und das ist das zugehörige Bibelzitat von Paulus aus dem Brief an die Philipper 3 (Neue Genfer Übersetzung): „13 Geschwister, ich bilde mir nicht ein, das Ziel schon erreicht zu haben. Eins aber tue ich: Ich lasse das, was hinter mir liegt, bewusst zurück, konzentriere mich völlig auf das, was vor mir liegt.
Als wir pilgerten, da hatten wir den Weg vor uns und alle anderen Gegebenheiten des Weges. Wir konnten nur vorwärts gehen, egal ob Regen oder Hitze, Matsch oder Pfützen, Stock und Stein, Aufstieg oder Abstieg, Wege ohne jeglichen Schatten vor der spanischen Sonne in der Meseta, Trockenheit und Regentage, die laute Landstraße, stinkende Industriegebiete, graue Vorstadt, Wald, Feld und Wiesen. Der Weg geht immer vorwärts. Es ist ein Weg, wo wir nicht äußerlich, sondern nur innerlich wählen können. Wir können nämlich wählen, mit welcher Gesinnung wir den Weg annehmen. In Dankbarkeit, Neugier, Sinnvermutung und Gleichmut, als Gabe Gottes, oder in Lustlosigkeit, mit innerem Gemecker oder Gehader über alles, was nicht schön oder leicht ist, mit Widerstand. Mit letzterem verdoppeln wir das Gewicht, das wir tragen, der Weg ändert sich dadurch nicht.
Auf dem Camino würde die Nichtannahme des Weges bedeuten, dass wir in die falsche Richtung laufen. Wir müssen dann wieder bis zum Weg, bis zum letzten Pfeil, an den wir uns erinnern, zurückgehen. Oder dass wir einfach stehen bleiben. Wie oft im Leben treffen wir diese, auf dem Weg so unsinnige Wahl? Als wir aus Burgos herauspilgerten, fragte mich Santiago, welches meine Lebenseinstellung ist: der Weg des Pilgers, der nimmt, was kommt, oder der Weg des Alchimisten, der versucht, die Natur des Gegebenen zu verändern? Ich habe den Weg des Pilgers gewählt.
Welchen Weg wählst Du?
Wenn wir uns jeder als Teil von Gottes Organismus betrachten, als Zelle seines Körpers: Zu was kann es führen, wenn jeder sich als Einzelwesen sieht mit eigenen Zielen, mit dem Ziel, für sich selbst Reichtum und Fülle zu schaffen, ohne Bedenken des Ganzen? Im Körper nennt sich diese Krankheit Krebs: „Krebs ist im allgemeinen Sprachgebrauch ein Sammelbegriff für eine Vielzahl verwandter Krankheiten, bei denen Körperzellen unkontrolliert wachsen, sich teilen und gesundes Gewebe verdrängen und zerstören können. (Wikipedia.de)“.
Was passiert, wenn eine Zelle im Körper mit einer anderen in Konflikt gerät? Und macht das Sinn? Nein, ein Organismus funktioniert, wenn jede Zelle des Körpers die andere als Partner in ihrer Verschiedenartigkeit und unterschiedlichen Funktion akzeptiert und anerkennt und mit ihr kooperiert; wenn sie sich in das Gesamte, in die Einheit einfügt; wenn die Leberzelle akzeptiert, dass sie eine Leberzelle ist und keine Haut- oder Gehirnzelle.
Nächster Artikel: Nimm nicht sondern nimm an!
[1] Und hier erinnere ich gern an die Geschichte mit dem Hammer in dem Buch von Paul Watzlawick „Anleitung zum Unglücklichsein“.
[2] Ein solches Verhalten hält man inzwischen sogar für eine eigene Krankheit und sie hat inzwischen sogar einen Namen,: „Co-Abhängigkeit“, (siehe z.B. das Buch „Co-Abhängigkeit“ von Anne Schaef Wilson)
[3] Einfach mal den Namen bei www.youtube.com eingeben und sich bezaubern lassen!
[4] Auch dies Gaben des Heiligen Geistes
Eines Tages, beim Überarbeiten dieses Kapitels bekam ich ein Gleichnis gezeigt. Ich erhielt die Vision eines Weinstockes mit folgenden Worten: An diesem Weinstock sind Reben mit Trauben. Alle diese Trauben reifen zu ihrer eigenen Zeit. Wenn du nun eine Traube isst, die nicht reif ist, dann erscheint sie dir sauer, vielleicht bekommst du sogar Bauchschmerzen davon. Gib nicht der Traube die schuld, dass sie sauer und ungenießbar ist, sie kann nichts dafür, dass du sie zu früh ernten willst. Wenn du die Traube isst, wenn sie reif ist, dann ist sie süß und voller Geschmack, sie macht dich gesund.
Die rechte Zeit der Ernte, die rechte Zeit des Betrachtens des Geschehens deines Lebens erlöst dich von der Beurteilung, denn du wirst nicht beurteilen, sondern plötzlich wissen. Wenn du mitten in einer Situation stehst, dann nützt es nichts, die Erfahrung daraus auszuwerten, der Reifeprozess ist noch mitten im Gange, das Keltern der Erfahrung ergibt dann einen sauren Wein, Sauersein. Kannst du vertrauen, dass schon alles gut ist und abwarten, dann wird die Antwort automatisch irgendwann in deinem Herzen erscheinen und die Freude ist da. Und solange deine Beurteilung noch zu einem „sauren“ Ergebnis kommt, dann gehe davon aus, dass die Traube noch nicht reif ist. Warte mit der Ernte, mit dem Keltern. Atme tief durch und sage dir, „ich sag/denk jetzt einfach mal nichts, sondern warte eben mal ab, denn es fehlt wohl einfach nur noch ein wenig Zeit, Sonne und Regen!“ – das Leben sich entfalten lassen…
Die Trauben zu früh pflücken, d.h. die Dinge erzwingen, kontrollieren oder erkaufen, Kredite aufnehmen für etwas, wofür wir noch nicht reif sind, unausgegorene Wünsche, enttäuschte Erwartungen, jemand macht nicht, was wir wollen: das sind die sauren Trauben des Lebens.
Ende September, es sind wunderschöne Altweibersommertage, sind wir auf dem Spanischen Camino Portugués unterwegs. Kurz hinter der alten römischen Brücke Ponte Sampaio bekommen wir, als Pilger erkannt, direkt aus dem Kofferraum frisch von der Ernte eine ganze Einkaufstüte voller Weintrauben geschenkt, rote und weiße, so vier bis fünf Kilo. Auch am nächsten Tag ruft uns eine Frau zu sich ans Gartentor. Sie erntet gerade die Trauben ihres Weinstocks, der ein grünes Sonnendach über ihrem Garten bildet. Auch sie schenkt uns einen ganzen Eimer voller Weintrauben. Und diese privaten Weintrauben sind natürlich ungespritzt, gewaschen hat man sie uns trotzdem Es sind die süßesten, aromatischsten Trauben – sie hatten einen intensiven Muskatellergeschmack - die wir je in unserem Leben genießen durften. Keine der Trauben, die wir unterwegs gepflückt hatten – selbst in Rioja und im Bierzo – hat uns so gut geschmeckt wie die reifen, geschenkten Trauben. Wir bekamen in diesem Moment eine Menge Vitamine und Ballaststoffe auf unserer bisher sehr kargen Reise, neue Kraft und die wahre Süße des Lebens für unseren neuen Wegabschnitt.
Was für dich ist, das nimm zu dem Zeitpunkt, wo es von selbst zu dir kommt, was man dir freiwillig und von Herzen schenkt. Das ist, was für uns reif geworden ist, wofür wir reif geworden sind. Und genau so möchte Gott unsere Liebe und unseren Glauben. So möchte er, dass wir alles tun und behandeln. Freiwillig, nicht aus Angst oder Zwang oder Kontrolle oder Druck oder Manipulation oder Androhung oder Vertrag oder ein Mittel, um etwas anderes zu erreichen. Druck erzeugt zu häufig Gegendruck. Glaube, Leben und Liebe, das sind keine Verhaftung, keine Pflicht, kein Kompromiss und kein Befehl. Glaube ist am stärksten als Bedürfnis aus Liebe zu Gott, zu allen Menschen, zu dieser Welt. Er kann auf Dich warten. Bis Du von Dir selbst aus zurückliebst.
Gottt ist in Jesus Christus auf die machtloseste und kleinstmögliche Art auf die Welt gekommen: Als Säugling, vollständig angewiesen auf die Menschen für sein Überleben.
Mein Taufspruch heißt:
Psalm 37 (Lutherbibel 1984)
5 Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen
In der Übersetzung „Gute Nachricht Bibel“ ist es sogar noch deutlicher:
5 Überlass dem Herrn die Führung in deinem Leben; vertrau doch auf ihn, er macht es richtig!
Genau so ist es! Sobald man dieses zulässt, fällt das ganze Leben in die Ordnung zurück. Gott zu glauben und vollständig auf ihn zu bauen und zu wissen, dass alles gut ist, dass Er es richtig macht. Das ist damit gemeint, sein Haus auf einen Fels zu bauen. Dann kann jeder Sturm über einen hinweg gehen, denn man weiß ja, dass es gut ist. Kein Sturm bringt einen aus der Bahn, wenn man voller Vertrauen in Gott lebt. Auch im stärksten Sturm kann man jederzeit sagen: „Danke, dass Du es so geschaffen hast“ und dann Frieden mit der Situation schließen. Manchmal weiß man noch nicht, warum. Doch unser Zeithorizont und unsere Perspektive sind ja begrenzt, DAS können wir wirklich wissen.
Matthäus 7 (Lutherbibel 1984)
21 Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel…. 24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. 25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. 27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.
Gott ist der Schöpfer und Gott ist das wahre Werk, die Schöpfung. Gott zeigt uns in seinem wahren Werk und mittels seiner Schöpfung von allen möglichen Taten die Folgen auf, damit wir das Heilige verstehen und uns in unserem Leben und in unserem Vorgehen darauf ausrichten können. Und das Heilige liegt im Frieden Gottes, in der Liebe und Barmherzigkeit und in der Lebendigkeit. Daher beten wir im Vaterunser: Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden. Und: Erlöse uns von dem Bösen. Und so geht es einem, wenn man etwas anderes versucht:
Prediger 8 (Bibelübersetzung Neues Leben)
16 Ich habe versucht, zur Erkenntnis der Weisheit zu gelangen und alles, was auf der Erde geschieht, zu beobachten. Aber selbst wenn sich der Mensch Tag und Nacht keinen Schlaf gönnt, 17 wird er nie alles nachvollziehen können, was Gott auf dieser Erde tut. Wie sehr er sich bemüht, wie sehr er forscht, er wird es nicht ergründen können. Nicht einmal der weiseste Mensch kann es verstehen, selbst, wenn er es behauptet.
Eine meiner Klientinnen haderte sehr mit Gott über ihre aktuelle Lebenssituation. Während der Behandlung merkten wir, dass sie in einer selbsterdachten Welt lebte mit der Überschrift: „Ich kann gar nicht glücklich werden“. Wir haben diesen Glaubenssatz und ihr Herz den himmlischen Kräften überantwortet und behandelt und sie – die visuell sehr begabt ist – sah einen riesigen Dämon und eine Gruft, in der sie sich selbst eingesperrt hatte. Am Ende der Behandlung hatte sich die Überschrift gewandelt, sie bekam den Satz geschenkt: „Ich glaube, dass es gut ist“. Eine Einsicht, die in Gottes Reich hineinpasst. Gleichzeitig wandelte sich ihr Gottesbild von einem strafenden Gott von oben, der das Schicksal förmlich in Kübeln über sie ausschüttete, in einen Gott, der seine Hand unter sie hält und sie trägt, in eine wärmende Sonne, auf der sie stehen kann. Den Satz: „Ich glaube, dass es gut ist.“ wird sie nun in ihrem Alltag verankern.
Einmal sprach ich mit Santiago über das Verhalten eines anderen Menschen aus meiner Kindheit. Da sagte Santiago: „Meine Güte! Und wenn dieser Mensch mal tot ist und bei Petrus an die Tür klopft, dann wird Gott ihn beiseite nehmen, ihm an den Kopf klopfen, und fragen: „Sage mal, was hast Du Dir eigentlich DABEI bloß gedacht!“
Zuerst musste ich bei der Vorstellung des: „Was hast du dir dabei gedacht?“ einfach nur lachen, aber irgendwann blieb es mir das Lachen im Hals stecken. Vielleicht ist es das, was nach unserem Tod passiert, vielleicht das, was mit dem Fegefeuer, der Hölle gemeint ist: Der Moment der Wahrheit. Dass wir wirklich bis zu Ende denken und erkennen können, wie wir gehandelt haben. Und er uns fragt: „Sag mal, was hast Du Dir dabei nur gedacht? Für was für einen Gott hälst Du mich eigentlich?“
Dort werden wir keine Chance haben auszuweichen, weil gleich die Nachrichten anfangen, wir aufs Klo müssen, müde sind, keine Lust oder Hunger haben, jemand anruft oder wir zur Arbeit müssen – ein Ort, an dem es keine Verdrängung und keine Ablenkung mehr gibt. Weil wir wirklich unsere Handlungs- und Verhaltensweisen bis zu Ende betrachten und ihre Folgen klar sehen können – wie etwa Ebenezer Scrooge in dem Buch „A Christmas Carol“ von Charles Dickens, auch sehr schön in der Filmfassung der Jetzt-Zeit mit Bill Murray: Die Geister, die ich rief. Vielleicht bekommen wir so etwas wie Rückblenden, wie einen Film gezeigt mit all den Momenten, wo wir eine andere Richtung hätten einschlagen können, dorthin, wo wir vielleicht immer hinwollten, wovon wir immer geträumt haben, was wir uns so sehnlich gewünscht, aber nicht erfüllt haben. Der Moment der Wahrheit: Wenn wir die Folgen unserer Wegverfehlungen vollständig erkennen können.
Inzwischen habe ich das Gefühl vermittelt bekommen, dass die Frage aus dem strahlenden Gesicht Gottes lauten wird: „Und, warst Du mit deinem Leben zufrieden? Habe ich nicht eine schöne Welt geschaffen?“ Er HAT eine schöne Welt geschaffen! Was aber, wenn wir dann damit kommen: „Diese Welt ist ein Jammertal! Ich fand mich hässlich, untalentiert, vom Schicksal geschlagen, ohne Chance! Naja, für die Anderen war es vielleicht möglich, mit ihrem Leben zufrieden zu sein, aber für mich doch nicht! Ich hatte so viel Stress! Mein Beruf war schrecklich, langweilig und öde. Meine Ehe war schlicht eine Katastrophe. Und meine Kinder: Na, Du siehst ja, was draus geworden ist!“
Und was – wenn er mit sanften, freundlichen Augen uns direkt ins Herz sieht und dort die Wahrheit findet und hervorholt, die da – seien wir ehrlich – doch schon immer war:
„Wenn Du mir vertraut hättest und mit ein bisschen Mut hättest Du doch an diesem Punkt jenen Weg einschlagen können und … (was auch immer). Ich hatte beide Hände voller Glück an dieser Stelle für Dich bereit, aber Du kamst nicht, Du bist da stehen geblieben. Was war denn bloß?“ Was werden wir dann erzählen? Von unserer Krankenkasse, von unserer Altersversorgung? Von unserem Haus, unserem Auto, unserem Boot? Davon, dass wir nicht gewusst hätten, wovon wir dann leben? Dass unsere Kinder aber dringend eine Playstation gebraucht hätten? Und dann fragt Er weiter: „Wie kamst Du nur darauf, dass Du von mir nichts bekämst, wenn Du etwas tust, was Dir und anderen gut tut, was Dir Spaß macht? Ich will Euch doch nicht unglücklich, gelangweilt oder gestresst sehen!“ Und dann begreifen wir vielleicht langsam, was wir uns haben entgehen lassen, was wir alles hätten tun können, wie traumhaft alles hätte werden können, wenn wir der Verheißung gefolgt wären. Wenn wir an Gottes Reich mitgearbeitet hätten.
Da wird es brennen an dem Ort, den wir lebend Herz genannt haben, die Flammen der Scham, der Reue, des Erschreckens, des „Oh Mann, bin ich BLÖD gewesen!“ Der Moment der Wahrheit: Wenn wir vor Gott, der Glaube, Liebe und Hoffnung ist, stehen, mit unserem Leben vor uns in der Hand, könnten wir ihm dann ins Auge sehen, können wir uns selbst ins Auge sehen?
Und vielleicht sehen wir auch dann die Welt und er fragt uns: „Sag mal, Du hast doch gesehen, dass so viele Menschen hungern. Warum hast Du denn eigentlich nichts dagegen getan?“ Wir können schon heute uns mal einen Moment der Wahrheit gönnen und uns diese Frage schon heute stellen. Warum nicht jetzt, in diesem Moment?
Gott zu lieben und zu ehren heißt sicher auch, aus uns, aus diesem Leben, aus dieser Welt etwas Schönes und Wertvolles zu machen, das Geschenk Gottes zu würdigen und wertzuschätzen. Warum nicht zumindest ab heute?
Nehmen Sie sich Zeit für Ihren Persönlichen Moment der Wahrheit – jetzt…
Bist Du mit Deinem Leben zufrieden?
Habe ich nicht eine schöne Welt geschaffen?
Ich möchte hier eine neue Technik vorschlagen, mit der wir Probleme klären, Sinn finden, Fragen beantworten und Gegensätze miteinander vereinen kann. Und zwar schaffen wir uns ein Gottesboard. Was ist das?
Wir nehmen eine Pinwand, eine Magnettafel oder ähnliches, natürlich tut es auch ein kleines Büchlein. Diesem Gottes-Board übergeben wir alle die Dinge, die wir nicht verstehen und für die wir gern eine Erklärung oder eine Lösung hätten. Wenn zum Beispiel Gegensätze zu überwinden sind, dann schreiben wir diese, z.B. auf einem Kärtchen oder einem Post-It einander gegenüber und verbinden sie durch ein Herz, z.B. ->
Wir können Bitten und Fürbitten zum Besten aller Beteililgten formulieren, Fragen stellen und alles, was wir nicht selbst lösen können, einfach aufschreiben und abgeben. Betrachten wir all das, was wir aufschreiben, als ebenso klares wie demütiges Bekenntnis, dass wir es nicht allein schaffen und um Gottes Hilfe dabei bitten. Nehmen wir immer wieder diese Themen mit ins Gebet. Wir bekommen eine Lösung. Wenn wir die Zettel wieder vom Gottes-Board abnehmen, weil sie sich erledigt haben, dann können wir das Ergebnis oder die Lösung und wie es dazu kam auch aufschreiben. Ich bin sicher, dies wird ein kleines „Buch der Wunder“.
Die Worte Sünde und Schuld[1], das ist wohl das, was die viele, viele Menschen aktuell von der christlichen Kirche treibt, sie abhält wie auch zur Gottesferne führt. Es impliziert für den Laien einen strafenden und hyperkritischen Gott. Dass man es mit einem komplizierten Gesetzesapparat zu tun hat. Dass es schwierig ist, nicht zu sündigen. Dass man im Prinzip nie ok ist.
Sünde, das klingt vielen wie eine zentnerschwere Last, die man auf den Schultern trägt – Mit der man sich nicht auch noch beschäftigen möchte. Wann denn auch? Sünde: würde man das Wort von den Menschen malen lassen, so wäre es mit 100 % Wahrscheinlichkeit ein erhobener Zeigefinger.
Sünde! Sünde!! Sünde!!!
Asche auf Dein Haupt!
S C H Ä M E !!!
D I C H !!!
Winde Dich im Staub, Du!!! [2]
Uns reicht es wirklich schon… Gerade die heutige Zeit bietet uns unendlich viele Situationen, uns furchtbar, unzulänglich, erbärmlich, minderwertig, als Versager, zu fühlen, nicht gut genug. Heute können wir uns auf Knopfdruck mit der ganzen Welt vergleichen. Wir bekomm die Anderen in Hochglanz und grafisch aufgearbeitet, so wie sie nicht sind. Wir vergleichen uns mit all den Idolen und Ikonen, mit den Erfolgreichen, den Sportlichen, den Schönen, den Guten, den Genialen. Es gibt es ja inzwischen tausende Lebens- und Erfolgskonzepte! Wie soll man das voneinander unterscheiden, bewerten können? Wer weiß, ob sie heilsam sind oder nicht? Wo ist den vorn, wo ist denn gut? Was mach ich denn nur? Wonach sollte ich eigentlich streben? Wann bin ich gut? Gut genug? Annehmbar? Zumindest ausreichend? Ich darf weiterleben? Weiteratmen? Und ab wann können wir eigentlich endlich entspannen, unsere Daumenschrauben lockern? Wann haben wir endlich eine Chance? Mal ein Momentchen Ruhe…? Mal durchatmen können? Bitte!
Und wenn man es sich und den Anderen schon nie Recht machen kann, was ist mit dieser imperativen Stimme in unserem Innern, die uns ständig Vorhaltungen macht, die uns mit Schuldgefühlen und Unzulänglichkeit martert: nicht schlafen lässt:
Warum machst Du nicht endlich…?
(z.B. einen anständigen Job, Fortbildung, Steuererklärung, die Wohnung sauber, Wohltätiges)
Warum hast Du noch immer nicht…?
(z.B. Mann, Frau, Kind, Beruf, Haus, Geld, deine Eltern angerufen/besucht, Beförderung erreicht)
Warum bist Du immer noch nicht…?
(z.B. erfolgreich, schlank, fit, gepflegt, kultiviert, schlagfertig, liebevoll, barmherzig, eine gute Mutter, ein guter Vater, ein guter Ehepartner…)
Wie siehst Du nur aus?
(z.B. dick, dünn, ungepflegt, übernächtigt, schlampig, aufgedonnert, modisch, unmodern, (un)sexy, nuttig, alt(ernd), kindisch, faltig, nicht straff, grau…)
Wie kannst Du nur…?
(z.B. Dich so hängen lassen, so fett sein, Dich nicht bemühen, Dich scheiden lassen, Deine Kinder vernachlässigen, Dich in einen Verheiratetete(n) Mann/Frau verlieben, trinken, rauchen, zuviel…, zuwenig…, nicht richtig…?)
Gleichzeitig verhungern wir vor Liebe, vor Sehnsucht nach Anerkennung, nach Berührung und Zärtlichkeit, nach Ruhe, nach endlich „in Ordnung sein“, so zu sein, wie wir sind. Das Beste kommt noch: so sehr wir uns bemühen: Wir kommen schon auf die Welt mit der Last der Erbsünde, wir fangen schon unter Null an. Was ist das für ein Gott?
Tori Amos beschreibt in ihrem Lied Crucify, wie es sich anfühlt, hier ein Textauszug:
| Got a kick for a dog Beggin’ for Love I gotta have my suffering So that I can have my cross I know a cat named Easter He says will you ever learn You’re just an empty cage girl If you kill the bird I’ve been looking for a savior in these dirty streets looking for a savior beneath these dirty sheets I’ve been raising up my hands Drive another nail in Got enough guilt to start my own religion Please be Save me I cry Why do we |
Ich habe einen Tritt wie ein Hund bekommen, der nach Liebe bettelt. Ich muss mein Leiden haben, so dass ich mein Kreuz haben kann. Ich kenne eine Katze namens Ostern[3] Er sagt: Wirst du jemals lernen? Du bist ein leerer Käfig, Mädchen, wenn du den Vogel (die Seele) umbringst. Ich habe nach einem Retter gesucht in diesen schmutzigen Straßen, einen Retter gesucht unter diesen schmutzigen Bettlaken. Warum nur |
Und dann ist da eben diese Institution Kirche, die uns gleich mit unserer Sündhaftigkeit begrüßt, sobald wir sie als Laie betreten!
Exkurs: Als ich mich entschied, in die katholische Kirche eintreten zu wollen, blieb ich außen vor. „Ich kann Sie nicht in die Kirche aufnehmen“ Bis heute bin ich nicht aufnahmefähig. Ein Gerichtsverfahren beim Konsistorium wird mir vielleicht einmal die Chance geben. Doch die Kirche wird überstrahlt von einem Jesus mit weit ausgebreiteten Armen, der alle willkommen heißt. An ihn halte ich mich. Er ist der Priester, der mich schon lange aufgenommen hat. Er steht über dem örtlichen Pfarrer, viel größer als dieser in der Apsis. Ihm bin ich willkommen! Er ist froh, dass ich endlich da bin. Dort und an vielen anderen Orten hat er auf mich gewartet. Auf mich, auf Dich, uns alle, immer!
Die Gute Botschaft, was ja Evangelium heißt, die Heilsbotschaft kommt sehr, sehr viel leiser rüber. Wer hört sie noch, wer kann sie erklären? Sie wird nicht mit der Kirche identifiziert, obwohl sie das Kernstück des Glaubens ist. Gerade dass wir Last loswerden können und von jetzt auf gleich die Dinge anders machen können und das „da werden sie geholfen!“ Ein Ort, an dem wir angenommen werden, trotz jeglicher Vergangenheit in Ordnung sein. Unser aller Traum ist doch, egal wie unannehmbar wir uns selbst fühlen, als verlorener Sohnes, als verlorene Tochter mit offenen Armen empfangen werden. Die Vergebung der Sünden! Das ist doch real, ist doch das Versprechen: Ich bin bei Euch alle Tage! Warum mag das so sein? Lieber Gott, geht das auch anders?
Als ich meine Umkehr öffentlich machte, waren viele meine früheren Klienten entsetzt. „Nee, der christliche Glauben, das ist nichts für mich, da lass mich mal mit in Ruhe!“ „Nimm’ es mir bitte nicht übel, aber Kirche ist nicht mein Ding, ich werde daher nicht kommen.“ Katholisch werden, bekennende Christin sein, das klingt für viele wohl lächerlich, spinnert oder psychisch krank., als wollten man den Kaiser wieder haben, das Frauenwahlrecht abschaffen, sich die Kittelschürze anziehen und stante pede ins Mittelalter zurückkehren. Sofort kommt die Sprache auf Inquisition, Hexenverbrennung und Ablaßhandel mit der Überkommenheit, der Verhinderung der Emanzipation der Frauen und mehr. „Und das willst Du freiwillig, auf die Knie gehen oder sogar beichten?!“ „Und was ist mit der Aufklärung, dem politischen Bewusstsein?“ Ja, ich will das ganze Paket trotzdem kaufen.
Jesus, hilf uns bitte! Es heißt, Du hast die Last der Sünde doch für uns getragen, lass uns das doch mal spüren!
Je mehr wir uns auch des Sündenbegriffs freundlich annehmen, ihm eine Chance geben, uns zu heilen, umso tiefergehend öffnen sich uns die Türen zur Erkenntnis. Wir waren an einem Abzweig unseres Lebens nicht bewusst und aufmerksam, wir haben Wege gewählt, die uns und anderen schadeten. Doch wir können unser Leben korrigieren. Während anfangs das Confiteor, das Schuldbekenntnis, – wie mich damals in Los Arcos – schrecken mag, so schrecklich ist es nicht, um Vergebung zu beten, froh, dass es jemanden gibt, der für uns mitbetet:
Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria,
alle Engel und Heiligen,
und Euch, Brüder und Schwestern,
für mich zu beten bei Gott, unserem Herrn.
Türen öffnen sich, wenn wir uns für das Gute entscheiden, Seine Wege gehen, in Seinem Sinne, in Liebe handeln.
Ach ja, übrigens…für alle Neuen:
Herzlich Willkommen in der Kirche!
Herzlich Willkommen als Christ!
Die Gute Nachricht ist die: Egal, was Menschen sagen
und welchen Regelkatalog sie uns grad vor die Nase halten:
Gott sind wir willkommen, so wie wir sind, so wie wir gerade sind!
Wir sind herzlich eingeladen, mit Ihm eines Geistes zu sein!
Es geht nur um das Kommen! Ehrlich, er ist überglücklich!
Weil er sich schon so lange nach uns gesehnt hat.
Weil er sich schon so lange mit uns Mühe gegeben hat,
uns auf seinen Weg zu führen, uns hörend und sehend zu machen.
Und wenn wir es erstmal nur zu 30, 50 oder 90 % raffen: er hat ja Zeit mit uns,
und ist ein geduldiger Lehrer, unser EWIGER GOTT.
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[1] Und – dieses Kapitel ist wohl das, was ich über die Zeit hin am meisten umgeschrieben habe
[2] Im Sand sich winden, das tut doch die Schlange! Die will uns dort sehen, damit ihr dort unten nicht so langweilig ist…Das ist nicht Gott!
[3] Wortspiel mit der Katze aus Alice im Wunderland, gleichzeitig der Vorgang der österlichen Kreuzigung und der anschließenden Auferstehung
Während eines meiner Führungskräfteseminare erzählte ein gestandener Geschäftsführer eine Anekdote. „Ein bekannter Geschäftsmann wurde interviewt und nach dem Geheimnis seines Erfolges gefragt. Er antwortete: „Richtige Entscheidungen!“ Und er wurde weitergefragt: „Wie kommen sie denn zu den richtigen Entscheidungen?“ Er sagte: „Durch meine Erfahrung!“ Und dann wurde weiter nachgefragt: „Und wie kamen Sie zu ihrer Erfahrung?“ Seine Antwort war: „Durch falsche Entscheidungen!““ Und so ist es, genau wie mit dem Weg…
Geben wir dem Wort Sünde also einen Vertrauensvorschuss. Das ursprüngliche Wort in der Bibel heißt αμαρτια (hamartia), das bedeutet nicht treffen, verfehlen, das Ziel verfehlen bzw. Verfehlung, Irrtum im NeuenTestaments, so auch das hebräischen Wort chat’at des Alten Testamentes. D.h. wenn wir sündigen, laufen wir in die falsche Richtung und verfehlen wir unser Ziel. Und es gibt nur ein Ziel: Mit Gott leben, sein Schaffen an uns erleben, seinen Geist teilen. Menschen machen immer wieder Fehler. Machen wir Fehler, machen wir uns selbst Mühe, ganz einfach. Wir schieben ein paar Kilometer zusätzlich ein. Und das haben wir alle schon gemacht, oder? Oder 1. Johannes 1 (Lutherbibel 1984): 8 Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.
Das, was als Sünde bezeichnet ist, dass wir unserem Ziel nicht näher kommen und nicht lieben und uns nicht geliebt zu fühlen. Das Ergebnis: Lieblose Weltkonzepte, liebloses Denken, liebloses Handeln, Einsamkeit, Angst, brennende Sehnsucht. Wir weichen vom Weg der Liebe ab, wir teilen nicht seinen Geist, es ist ein Umweg. Wir müssen umkehren und unseren Weg und unsere Pfeile neu suchen. Dann erst geht es wieder voran.
Buch der Weisheit 11 (Einheitsübersetzung)
16 Sie sollten erkennen: Man wird mit dem gestraft, womit man sündigt.
Und Jesus teilt uns ganz genau auch den Ausgangspunkt für unseren Irrweg, unseren Irrtum, unsere Sünde mit in Markus 7 (Bibelübersetzung Neues Leben).
14 Dann rief Jesus die Menge zu sich. “Hört alle genau zu”, sagte er, “und versucht es zu verstehen. 15-16 Der Mensch wird nicht durch das unrein, was er isst; er wird unrein durch das, was er sagt und tut.” 17 Als Jesus sich von der Menge zurückzog und in ein Haus ging, fragten ihn seine Jünger, was er denn mit dieser Aussage gemeint habe. 18 “Versteht ihr es denn auch nicht?”, fragte er. “Begreift ihr nicht, dass nichts, was der Mensch isst, ihn verunreinigen kann? 19 Die Nahrung kommt nicht mit seinem Herzen in Berührung, sondern geht nur durch den Magen und wird dann wieder ausgeschieden.” Damit erklärte Jesus alle Speisen für erlaubt. 20 Und er fuhr fort: “Es sind seine Gedanken, die den Menschen verunreinigen. 21 Denn von innen, aus dem Herzen eines Menschen, kommen böse Gedanken wie Unzucht, Diebstahl, Mord, 22 Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Vergnügungssucht, Neid, Verleumdung, Stolz und Unvernunft. 23 Alle diese üblen Dinge kommen von innen heraus; sie sind es, die den Menschen unrein machen.”
Logo, das ist alles nicht Liebe. Es gibt kein Außen dafür. Der Teufel ist ein armer Geselle. Er ernährt sich von unseren Gedanken an das Böse und wird so größer und größer, er hat nur einen entscheidenden Fehler, er kommt nicht an! Und daran kann man ihn erkennen.
Als ich noch als Unternehmensberaterin arbeitete, hatte ich viele Ziele, habe viel dafür gearbeitet, um sie zu erreichen. Und wenn ich sie erreichte? Ich fühlte keine Freude. Ich kam nicht an. Verfehlung des Zieles…
Wir alle füttern ihn, mit jedem Gedanken der Angst, daraufhin mit der Erinnerung an die Angst, der Sorge, des Neides, der Eifersucht, der Gier usw. Und diese Gedankenenergie hat sich – so fühlt es sich wirklich manchmal an – verselbständigt, um ihren Bestand zu sichern und zu vergrößern. Er bietet uns einen Gedanken an, mit dem wir Gottes Geist verlassen, so wie die Schlange Eva den Apfel. Und wenn wir bereit sind, uns mit diesem Gedanken zu befassen, den Apfel in die Hand zu nehmen und hineinzubeißen, ihn an uns heran zu lasssen, liefern wir uns ihm aus. Die Zähne sind dann in uns, giftige Zähne mit Widerhaken. Sein Werk ist dann unser Werk. Die Liebe ist nicht in ihm, nicht in uns.
Das biblische Wort Diabolus kommt aus dem Griechischen und bedeutet: „hindurch werfen, durcheinander werfen und dann im übertragenen Sinne verleumden, verhasst machen, auseinander bringen, entzweien, täuschen, betrügen, verschmähen, verwerfen“. Und genau das ist eben wieder das Entstehen des Bösen. Das ist es, was wir machen: wenn man die Dinge durcheinander wirft, verleumdet, auseinander bringt und entzweit, Da wird das Gute und das Böse beurteilt, etwas Gutes als böse verleumdet, das Gute als Böses verworfen. Der Teufel wirkt mit Gedankenappetit, Zweifel, Ver(w)irrung, (Selbst-) Täuschung. Der gewinnt über uns Macht durch seine Vielgestaltigkeit von Ablenkungen von dem, was ist.
Wir müssen ihm nicht glauben, wir müssen ihn nicht füttern, wir müssen nicht zubeißen. Wir können wahrnehmen, Wahrheit und Klarheit sind die Gegenmittel. Welche Stärke hat ein Vorsatz: „Ich will nicht hassen, sondern bitte hilf mir auch jetzt zu lieben“! Und so können wir ganz einfach, ohne jedes kanonisches Recht und jede Regel selbst herausfinden, was Sünde ist: „Ist das, was ich gerade vorhabe bzw. getan habe, liebevoll für alle Beteiligten? Habe ich in jeden und alles die unbedingte Gütevermutung?“ Und Lieben heißt nicht unbedingt “lieb sein”…
Und noch eine gute Nachricht: Gott ist der, der auch noch das 100. Schaf suchen geht, wenn schon alle anderen bekehrt und auf dem Weg sind sind. Und ich bin sicher, Gott hat auch vor, Lucifer noch zu bekehren. Er wird das letzte Schaf sein, das er heimholt. Dann wird das Licht Gottes durch nichts mehr verdunkelt wird. In diesem Moment wird er seines Namens und seiner Bestimmung gerecht.
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Ganz klar wird dieses Prinzip in der Geschichte von König David aus dem 2. Buch Samuel (11). David sah eine verheiratete Frau names Batseba und beging mit ihr Ehebruch, wovon sie schwanger wurde. Ihr Mann war einer der Soldaten König Davids, die im Felde lagen. Um die Fremd-Vaterschaft zu vertuschen, versuchte David, ihren Mann Uria zu Batseba zu schicken, damit er dächte, das Kind sei von ihm, aber das gelang David nicht. Daraufhin ließ David Uria von seinen Befehlshabern in eine lebensgefährliche Situation im Kampfe stellen, und ja – Uria fiel im Krieg. Batseba verrichtete die angemessene Totenklage, dann holte König David sie in sein Haus. Sie heirateten und Batseba gebar einen Sohn. Gott sandte den Propheten Nathan zu David und machte ihm klar, welche Sünde er begangen hatte, was David einsah und bereute. Nathan sagte ihm voraus, dass sein neugeborener Sohn sterben würde, was dann auch geschah, obwohl David für seine Gesundheit betete und fastete und viel Reue zeigte. Nach dem Tod dieses Sohnes schwängerte David wieder Batseba und dieses Kind war Salomo, ein Kind und später König, den Gott sehr liebte.
König David hatte Urias Tod verursacht und so hatte er einen Tod, wenn auch nicht seinen eigenen, zu erleiden. Wenn ich einmal der Täter, der „Handelnde“ oder „Handeln-Könnende“ bin, sündige, so werde ich als Ausgleich der Sünde auf der anderen Seite der sein, an dem gehandelt bzw. eben nicht gehandelt wird, in der gleichen Sache. Wir bekommen immer beide Seiten zum Zwecke des Erkenntnisgewinns, erfahrbar auf allen Sinnesebenen, sozusagen 3-D, mit Körper, Geist und Seele. Ich will dieses Geschehen mal für das folgende das „duale Erleben“ nennen. Es ist für mich eines der großartigsten Mittel Gottes, uns zu führen. Man kann es als Strafe sehen, es ist jedoch pure Gnade, auf diese allumfassende Weise verstehen zu lernen. Diese mehrdimensionale Erfahrung ist deutlicher, glaubhafter als das Wort und die Gebote allein, sie wird zu Wissen, mit der Zeit zu Weisheit. Der Karma-Begriff hat die Weisheit und Erkenntnis bildende Konnotation nicht. Durch diese Weisheit wird unsere Welt angenehmer, gottgemäßer. Es wird klar, was Liebe ist.
Buch der Weisheit 11 (Einheitsübersetzung)
15 Zur Strafe für ihre frevlerische Torheit, in die sie sich verirrt hatten, als sie vernunftloses Gewürm und armseliges Ungeziefer verehrten, sandtest du ihnen eine Menge vernunftloser Tiere. 16 Sie sollten erkennen: Man wird mit dem gestraft, womit man sündigt.
Ich möchte ein paar Gleichnisse aus dem echten Leben erzählen, die uns aufzeigen, wie dieses Prinzip heute funktioniert.
1. Gleichnis: Ein Mann ist gehalten, in seinem Leben einen neuen Weg einzuschlagen. Seit sechs Jahren tritt er auf der Stelle und hadert mit seinem Leben, hadert mit Gott, weil er nicht bekommt, was er sich so sehr wünscht. Was er an den Tag legt, ist einfach kein “erfolgreiches” Verhalten. Wie ein Süchtiger hält er an einer Lebensform fest, die ihn immer mehr mit Todessehnsucht füllt. Er bekommt eine Depression, sein Beruf leidet massiv darunter, finanzielle Probleme treten auf, Liebe und Partnerschaft = Zero.
Parallel dazu entwickelt sich im Leben seiner Tochter ein ähnliches Muster. Das Mädchen besuchte immer unregelmäßiger die Schule, bis sie ohne Abschluss schließlich draußen stand. Ihre Eigeninitiative geht gegen Null. Sie beginnt mit Drogen, driftete ab und der Vater kann sie nicht halten. Immer, wenn es ihr schlecht geht oder sie Geld braucht, dann kommt sie zu ihrem Vater. Dort bekommt sie etwas zu essen, sie reden miteinander. So gern würde sie von ihm hören, dass alles gut gehen wird und Erfolg sich einstellen wird, wenn sie so weiter macht. Er erkennt, dass er ihr außer dem “täglich Brot” nicht wirklich helfen darf, solange sie dabei auf dem alten Weg bleibt. Er würde ein selbstdestruktives Verhalten damit in ihr verstärken. Damit würde er sie weiter auf die Straße ins Unglück schicken, sie noch mehr schwächen. Es tut ihm in der Seele weh, sein Kind so zu sehen. Er betet für sie, nimmt sich für sie Zeit. Sie wird immer, immer wieder wütend auf ihn, weil er ihr nicht zustimmt, schreit ihn an, explodiert, haut ab türenknallend ab.
Irgendwann begreift er, dass er seinem Vater im Himmel gegenüber genauso handelt. Er versteht, dass Gott ihm in seiner eigenen Selbstdestruktivität in aller Liebe nicht helfen darf. Er entscheidet sich zur Umkehr. Er merkt, dass er immer dann, wenn er die Umkehr durchzieht, sich gute Gelegenheiten ergeben. Wenn er die Umkehr wieder schleifen lässt und sich wieder zurückwendet, fällt das Gute wieder in sich zusammen, er kassiert Stornos oder Verzögerungen stellen sich ein.
2. Gleichnis: Über zunächst verheimlichten, einseitigen Ehebruch kommt ein Paar zusammen. Was zunächst auf der Strecke bleibt, – außer üblerweise der Familie -ist in der Partnerschaft das Vertrauen. Dadurch, dass man weiß, dass der andere einen anderen Partner schon mal belogen und betrogen hat, ist es leichter, ihm das wieder zuzutrauen. Die Eifersucht lauert, es entsteht Überaufmerksamkeit, Empfindlichkeit. Wer einmal lügt… Man vermutet schnell Betrug, eine neue Affäre hinter allen möglichen Reaktionen und Alleingängen und gegengeschlechtlichen Kontakten. Denn ganz sicher möchte man es nicht, dass es einem selbst genauso widerfährt. Und natürlich weiß man ja auch, wann, wie und auf welche Weise der Partner seinen ehemaligen Gatten betrogen hat. Man nimmt also all die Gefühle, die Quälerei wahr, die der verlassene Ehepartner während des Ehebruches hatte, übernimmt dessen Leiden, ohne dass es einen realen Hintergrund haben muss. Der andere Partner fühlt sich dadurch schnell beobachtet, kontrolliert und eingeschränkt, auch wenn er jetzt treu ist. Er erfährt wieder und wieder Misstrauen, das ja einst gerechtfertigt war. Der Zweifel wird immer versuchen, Hausgenosse zu sein.
3. Gleichnis: Die katholische Kirche führt im Mittelalter den Ablasshandel ein, d.h. Geld ist in der Lage, Vergebung herbei zu führen. Etwas, was eigentlich nur Gott kann, ein deutlicher Verstoß gegen das 1. Gebot. Geld wird die gleiche Macht wie Gott zugestanden. Die Kirche trennt sich von Gott, von Gottes Gebot, wartet nicht auf freiwilliges Geben. Gott trennt daraufhin die Kirche, d.h. er spaltet die Kirche, hebt die Einheit der Kirche auf. Er entzieht ihr die Macht durch Klostersturm, den Augsburger Religionsfrieden (Cuius regio, eius religio – Wessen Gebiet, dessen Religion), der weltliche Herrscher steht über dem Glauben. Und er lässt uns bis heute fühlen, wie es ist, wenn das Geld die Welt regiert. Und die evangelische Kirche entsteht dadurch nochmals als weitgehend uneinheitlicher, in viele unterschiedliche, autonome Landeskirchen getrennt.
Konsequenz des Zu-Gott-Erhebens von Geld:
Trotz vieler Bettelorden, vieler Heiliger, die in der Armut das gottgefällige Leben erkannt hatten, wie z.B. Johannes der Täufer, Augustinus, St. Martin, Franziskus von Assisi, Theresa von Ávila, trotz anders lautender Bibelworte:
Matthäus 19, Markus 10, Lukas 18:
Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!… Jesus sah ihn an und sagte: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Denn eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
Reichtum, das Horten wird zum erstrebenswerten Ziel. Die Erkenntnis war ja vorhanden, es kann keiner sagen, er hätte es nicht gewusst. Der Kapitalismus, die industrielle Revolution setzt sich durch, die Macht der Banken entsteht, die Ölmulties treten auf den Plan. Trends wie Globalisierung, und Shareholder Value Orientation kommen auf. Geld wird die Haupt-Motivation des Alltags, das Quartalsdenken in den Unternehmen nimmt zu statt auf organisches Wachsen der Unternehmen zu setzen. Die Legalisierung gewaltiger Zerstörung: Familien, Rohstoffe, Umwelt. Ich bezahle, daher darf ich! Bildung geschieht nicht mehr aus Interesse, aus Liebe, sondern für den Beruf, d.h. die Geldbeschaffungskompetenz des Menschen und seine wirtschaftliche Macht bestimmen den Wert des Menschen wie in dem Bankenslogan: Mein Haus, Mein Auto, Mein Boot….“ Erfolg wird mit dem Grad des Reichtums gemessen. Heute leiden die einen unter Arbeitslosigkeit, die anderen unter Arbeitsüberlastung. Stress wird zur Volkskrankheit. Zeit ist Geld und entweder ist das eine oder das andere knapp.
Bruch der Liebe und des sozialen Netzes: Der Schutz, die Gemeinschaft und die Barmherzigkeit der Großfamilie zerbricht. Nicht mehr die Großeltern unterstützen die Familien mit Kindern, weil sie ja arbeiten müssen, sondern bezahlte Kinderbetreuung wird eingeführt mit einem Betreuungsschlüssel von 1:23, 1:30. Depersonalisierung, Defamiliarisierung, dafür Kindergeld. Die Altersversorgung der Menschen wird von den Schultern der eigenen Kinder auf das Geld, auf anonyme Kinder, die Renteneinzahler, die Rentenkasse, die Pflegekasse übertragen. Kinder werden zu (Alt-)Lasten, zum Karrierehindernis. Die alten Menschen vereinsamen – oft fern von ihren Kindern, werden von bezahlten Kräften „wirtschaftlich“ im Heim gepflegt mit einem Betreuungsschlüssel von 1:6, am Wochenende 1:12.
Gesundheit und Heilung: Der Heilungsdienst der Kirche ist fast völlig eingestellt. Und die Tätigkeit des Heilens an die kommerzielle Schulmedizin abgegeben. Das Gesundheitssystem selbst ist zu einem riesigen Geschäft geworden, die Krankenkassenbeiträge würgen uns. Wir wissen, dass Gott heilt, dass er dem Gläubigen spontan Gesundheit schenken kann, so genannte Spontanremissionen wie auch allmähliche Genesung, sofern er umkehrt, um Hilfe und Heilung bittet und darin vertraut. Die Pharmaindustrie ist zu einem gewaltigen Wirtschaftsfaktor geworden, Medikamente, die niemand braucht, der Gottes Heilung in Anspruch nimmt. Die Arbeitswelt im Kapitalismus, die Lieblosigkeit und die soziale Verarmung sind die Hauptursachen für Krankheiten. Im Japanischen gibt es sogar schon ein Wort dafür: Karōshi, Tod durch Überarbeitung, meist Herzinfarkt während der Arbeitszeit. Und im Alter entscheidet selten Gott über unseren Todeszeitpunkt, sondern Arzt, Angehörige und der eigene Wille, niedergelegt in der Patientenverfügung. Ein gesegneter Tod im Kreise der Familie mit dankbarem Abschied der Beteiligten grenzt heute schon an unterlassene Hilfeleistung.
Und klar, dem Gott Mammon habe ich auch gehuldigt. Eine Zeit hatte ich auf meinem Schreibtisch eine Karte, bei der eine Hand aus dem Himmel ein großes Geldstück reicht. Das Geld kam irgendwann, die Folgen waren erschreckend: Überarbeitung, Stress, Schmerzen, Schlaflosigkeit, Gedankenkrankheit, Gewichtszunahme (Fülle!), soziale Verarmung, unerfüllter Kinderwunsch, Burnout.
Ich bekenne selbst Gott, dem Allmächtigen,
und allen Brüdern und Schwestern,
dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe,
dass ich Geld als Herrscher für mich
und in der Welt zugelassen habe.
Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken
durch meine Schuld, durch meine Schuld,
durch meine eigene Schuld.
Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria,
alle Engel und Heiligen,
und Euch, Brüder und Schwestern,
für mich zu beten bei Gott, unserem Herrn.
Ich bat um Vergebung, ich kehrte um. Es gibt nur noch einen Herrscher für mich, der ist so mächtig, dass er für mich sorgt. Ich gebe mich mit dem zufrieden, was ich brauche, was ich bekomme. Aber was hat Er mir auf die Finger gegeben, bis ich so weit war! Und wie froh bin ich jetzt! Wie einfach wird Leben!
Exkurs: Umkehr ist auch für die Kirche möglich? Es ist einfach: Indem sie betrachtet, was sie selbst von Gott trennt; wo sie sich verweltlicht hat, wo sie lieblos handelt, andere steinigt. Indem die Christen der verschiedenen Konfessionen betrachten, was sie individuell von Gott trennt und wo er durch Geld oder andere Götter ersetzt wird – meine Sicherheit ist mein Bankkonto, die Kirchensteuer, nicht Gott. Die Kirche kann aus eigenem Entschluss ihre eigene Trennung von Gott wieder aufheben und in die Einheit zurückkehren. Seien wir sicher, Er wird uns die Einheit der Kirche zurückgeben, der Gast „Spaltung“ ist dann nicht mehr nötig. Und auf diesem Wege betrachte jede Kirche nicht den Splitter im Auge der anderen Kirche, nämlich: Was hat die andere Kirche für Macken, warum sind die so unannehmbar für uns, so dass wir uns mit ihnen nicht vereinigen könnten? Sondern man betrachte den Balken im eigenen Auge. Wo sind unsere eigenen Baustellen, wo sind unsere eigenen Macken, und wie stellen wir sie ab? Denn allein da kann jede Kirche Veränderung bewirken, in sich selbst, nicht in einer Fremdorganisation. Wie können wir lieben und annehmen, was sie ausmacht. Schmeißen wir über Bord, was uns trennt – alle!
Diese Arbeit wird sicher sowohl für die Christenheit ein Segen sein, wie auch hilfreich für all die vielen, vielen Menschen, die ein dringendes Glaubensbedürfnis haben, die bei der Annäherung an den christlichen Glauben wie auch die christliche Kirche jedoch scheitern, weil sie die Spaltung nicht verstehen. Sie werden nicht mehr so viele Diskrepanzen zwischen dem neuen Testament und dem christlichen Lebenstil und Kirchenführung feststellen. Diese innere Renovierung wird all den Menschen, die heute bei dem Wort Kirche nur noch die Augen verdrehen, die Tür wieder öffnen.
Doch das „duale Erleben“ wirkt auch hier: Geben umgekehrt wir Gläubigen, wir Gottsuchenden auch der Kirche eine Chance als der Gemeinschaft der Gläubigen! Nehmen wir sie so wie sie ist! Liebende Akzeptanz! Denn die Kirche ist genau Spiegel dessen, wie ihre Mitglieder mit ihrem Glauben umgehen. Wirken wir selbst dabei mit, sie immer mehr dem Sein Jesu und seinen Worten anzunähern, mit zur Einheit zu führen! Denn wenn wir uns selbst von der Kirche trennen, weil sie nicht so ist, wie wir sie gern hätten, dann tragen wir zur Trennung bei. Dann tun wir genau dasselbe, sind um kein Deut besser oder anders. Wenn die Kirche nicht so ist, wie wir sie gerne hätten, dann liegt es an uns, unseren Glauben und unsere Jesus-Erfahrungen zu leben, uns einzubringen und dazu beizutragen, sie mehr und mehr so werden zu lassen, wie sie Glaube, Liebe und Hoffnung entspricht. Wenn Dir an der Kirche etwas fehlt, dann ganz sicher auch deswegen, weil Du dort fehlst, mein lieber Freund, meine liebe Freundin! Wer wirft denn gerade hier den ersten Stein?
Wenn wir uns eben von dem Wort Sünde abgestoßen fühlen, dann werfen wir der Kirche zur gleichen Zeit Sünde vor, nämlich vom Wege abzuweichen, den Jesus uns vorgezeichnet hat, lieblos zu sein, regelungssüchtig, bestimmerisch, herabwürdigend, was auch immer. Immer dasselbe Spielchen: Projektion! Auch eine Form des „dualen Erlebens“: Auch wir scheinen der Kirche Vorschriften machen zu wollen, wie Kirche sich für uns anfühlen soll. Wird die Kirche dadurch besser? Nein, wie auch! Lieblos ist das ebenso, gegenüber der Kirche, dem Leib Christi, gegenüber Gott! All diese Veränderung geht nur von innen heraus, indem wir in die Kirche hinein gehen. Bringen wir also unsere Lebendigkeit, unsere geistige Freiheit, unsere Einsicht, unser Vertrauen, unsere Kreativität, die Fähigkeit, über uns selbst zu lachen, unseren guten Willen, unsere Heilungs- und Veränderungsbereitschaft, unsere Wandlungsfähigkeit, unsere Liebe, unsere Akzeptanz, unsere Toleranz, unsere Fähigkeiten, unsere Leichtigkeit, unseren lebendigen Glauben mit in die Kirche. So wird sie durch uns, was immer wir sind: lebendig, gutwillig, frei, einsichtig, fröhlich, tolerant, akzeptabel, fähig, leicht, jung! Bringen wir unsere Wünsche und Vorstellungen an die Gemeinschaft der Gläubigen mit in die Kirche und die Gemeinschaft, ihr Geist und Sinn ändert sich automatisch, weil dem gemeinsamen Geist, der gemeinsamen Gestalt neue Facetten, neue Farben, neue Kräfte hinzugefügt werden – unsere.
Wenn wir eine liebevollere Kirche wollen, dann tragen wir doch einfach unsere Liebe hinein! Wenn wir eine Kirche wollen, die weniger durch Gesetze und Vorschriften geprägt ist, dann seien wir selbst weniger kritisch, stellen selbst keine Vorbedingungen für die Kirche: Ich gehe da erst (wieder) hin, wenn sich dies und das geändert hat. Für diese Änderungen brauchen wir unsere eigene Offenheit und Hingabe, damit Gott sie realisieren kann. Übernehmen wir für unseren Glauben, für die Einheit der Gläubigen mit Verantwortung! Es ist dasselbe wie in jeder Partnerschaft, Familie, Arbeitsstelle, Gemeinschaft, Organisation.
Politikverdrossenheit und Kirchenverdrossenheit gleichen sich: sich zurücklehnen zum einen wie ein trotziges Kind, dessen Erwartungen nicht erfüllt werden, zum anderen eben Bequemlichkeit und Verantwortungslosigkeit für die Gemeinschaft, zu der wir gehören. Was wir in dem Falle tun, ist, uns selbst eben nicht in die Gemeinschaft einzubringen, der wir per se durch unseren Wohnort bzw. durch unseren Glauben, unseren Gott angehören. Meckern und Rückzug[1] ist leicht und bequem. Verändern erfordert Glaube, Veränderungsbereitschaft und Engagement – nicht ganz so leicht und bequem, oder? Der Lohn? Gemeinschaft! Ein gemeinsamer Weg, gemeinsames Wachstum, geteiltes Leid, doppelte Freude! Ein herrlicher Leib Christi!
Vielleicht können wir das Wort Sünder auch mal übersetzen mit: „die sich von der Liebe weg verirrt haben“, vielleicht ist das annehmbarer. Also: wir kommen selbst immer wieder in Situationen, wo wir durch das „Die Sünde ist die Strafe an sich“ im „dualen Erleben“ nachfühlen können, wie der, gegen den wir – neben uns selbst – gesündigt haben, sich mit unserem Verhalten gefühlt hat, ob Mensch oder Gott. Klar fühlt sich das oft sehr quälend an, ist es ja auch! Liebe ist unser Lebenselexier und wir hungern… Wenn uns dann die Schuppen von den Augen fallen, wir bemerken, was wir dem Anderen und uns angetan haben oder antun wollten, dann ist Reue sofort da, können wir sofort umkehren, aufhören. Wenn wir also „duales Erleben“ erst einmal erfahren und verstanden haben, wie sich Vergebung und die Neu-Regulierung des Lebens, das Verschwinden des lieblosen Zustandes, unter dem man vielleicht schon so lange gelitten hat, anfühlt, dann kommen einem die Worte
„Bitte für uns Sünder, jetzt in und in der Stunde unseres Todes“
ganz einfach über die Lippen, nichts in uns wehrt sich mehr gegen dieses Wort, sondern wir sind froh, dass es tatsächlich Hilfe und einen Ausweg gibt. Das ist wieder eine wahre, gute Botschaft: dass dieser Irrsinn endlich aufhört, das, was uns schon so lange nervt, schmerzt, krank oder verrückt macht. So wie David seinen wunderbaren Sohn Salomo bekam. Eben: Vergebung erfahren, die Erfahrung einer falschen Entscheidung beendet bekommen.
Auch daher also unsere Übung, die Pfeile gegen den Strich zu suchen! Es bedeutete, dass wir uns an jeder Kreuzung versichern mussten, welches der richtige Weg ist. Wir betrachteten den Pfeil und konnten anhand seiner Positionierung meist erkennen, aus welchem Weg heraus man den Pfeil wohl am besten sehen konnte. Und dann ging es um den nächsten Pfeil. Oft trennten wir uns, wenn die Richtung nicht klar war, jeder suchte einen Weg ab und rief oder pfiff, wenn er den nächsten Pfeil gefunden hatte. Und dann gingen wir weiter. Und wenn wir uns unterwegs umdrehten, dann sahen wir oft die Pfeile in der Rückschau (der Blick auf die Früchte) und freuten uns, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Der Camino, der Weg Gottes schenkte uns Kraft und gute Erlebnisse, während die Landstraße uns Kraft nahm.
Und die Essenz? Wenn wir uns immer wieder fragen, warum läuft das hier so, dann können wir uns das Geschehen anschauen und uns fragen: Wo ist dieses Muster schon mal so gewesen, und zwar mit mir selbst auf der anderen Seite? Schauen wir in Gegenwart und Rückblick auf die Früchte unserer Lebensweise, auf das Maß der Liebe, was wir empfinden und erfahren. Gefallen sie uns nicht, dann gehen wir innerlich zum letzten Ort gehen, wo sie für uns gemeinsam gut waren, wo unser Leben von Zufriedenheit und Liebe geprägt war. Was haben wir seither getan? Was haben wir erlebt? Wann, wo und wodurch haben wir Wege eingeschlagen, auf denen wir keine guten Früchte fanden? Wo sind wir aus der Liebe gefallen? Gehen wir zu dieser Kreuzung zurück und halten erneut Ausschau: In welcher Richtung (Perspektive, Denken, Haltung) sind die guten Früchte am wahrscheinlichsten, was fühlt sich am deutlichsten als Liebe an, welcher Weg lässt uns am besten auf den bisherigen Früchten aufbauen? Wir werden zu denen, die den Weg der Liebe wieder finden. Aus Sündern werden Gesunde. Mit dem Martyrium Jesu, der Bitte um Vergebung und Umkehr sind uns die Sünden vergeben, was sollte zum Richten übrig bleiben außer dem innerlichen Ausrichten.
Gott ist für mich kein strafender Gott, sondern gerade, wenn ich eine für mich schwerwiegende Erkenntnis hinnehmen muss, ein Quell der Liebe, wenn ich dann irgendwann den Sinn dieser Erfahrung oder die Wirkung meines Handelns erkenne und verstehe. Er erklärt alles nachfühlbar und mit großer Geduld und Langmut, ich darf an jeder Kreuzung so lange hin und herlaufen, meine Runden drehen, die anderen Wege als Irrwege erfahren und erkennen, bis ich Seinen Weg einschlage, anders geht es gar nicht.
Wie kann ich denn sonst verstehen lernen?
Wann immer ich in meinem Leben etwas nicht bekommen habe, was ich wollte, oder ein schwierige Erfahrung hinnehmen musste, dann war es so, dass ich mich mit viel zuwenig zufrieden gegeben hätte und etwas viel Besseres, mehr Leben, mehr Liebe, mehr Lebendigkeit im Leben, auf mich wartete. Herr, du Freund des Lebens: das kann ich deutlich bestätigen. Auch ein Kind, dass sich an etwas festklammert, jammert, schreit oder bockt, für etwas, was nicht so gut für es ist und dem eigentlich eine gesündere, sinnvollere Variante zur Verfügung steht, dem mag ein gutelterliches Verhalten zunächst wenig gefallen oder wehtun, und so ist es auch mit uns als Erwachsenen und unserem Vater im Himmel.
Um uns mal einen kleinen Ausblick auf Duales Leben zu erlauben: Stellen wir uns einfach mal vor, wir stellen unserer Umgebung all die Liebe zur Verfügung, die in uns ist und die ist größer als die ganze Erde. Und die Umgebung weist sie zurück. Beispiele:
- Wir kochen was ganz Tolles, stellen uns stundenlang in die Küche. Und unsere Familie oder unsere Gäste schlingen das Essen einfach so oder beim Fernsehen herunter. Achten nicht drauf, sagen nichts dazu, kein Danke, kein Kommentar, keine Zufriedenheit. Oder sie meckern die ganze Zeit darüber. Wie geht es uns dann?
- Wir veranstalten ein wundervolles Fest, den Event des Lebens, und wir kassieren nur Absagen, weil die Eingeladenen was dringenderes zu tun haben. Wie fühlen wir uns? Siehe dazu auch das Gleichnis vom großen Gastmahl in Lukas 14 (Gute Nachricht Bibel):
Das große Abendmahl
15 Als aber einer das hörte, der mit zu Tisch saß, sprach er zu Jesus: Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes! 16 Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein17 Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit! 18 Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 19 Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 20 Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen. 21 Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein. 22 Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. 23 Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. 24 Denn ich sage euch, dass keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird. - Wir lieben einen Menschen und er weist permanent unsere Liebe zurück, weil er nicht daran glaubt, dass er geliebt wird, dass wir wirklich ihn meinen, weil er sich nicht liebenswert und eben einfach so wenig ok fühlt, dass er annehmen könnte, geliebt zu werden. Unsere Liebeserklärungen sieht er als Kritik an sich. Wie würden wir uns fühlen? Oder der Mensch sagt uns die ganze Zeit: Das ist mir zu dicht, so viel Liebe kann ich nicht aushalten, das kettet mich, da bleibt mir die Luft zum Atmen weg. Was machen wir dann?
- Wir bieten einem Menschen wunderbare Geschenke, Chancen und Erfahrungen an, laden ihn auf die schönsten Reisen ein, machen ihm ein tolles Jobangebot, wo er genau das tun könnte, was er sich schon immer gewünscht hat. Er nimmt sie aber nicht an, weil er Angst hat, weil er bequem ist, weil er der Sache nicht traut, weil er nicht glaubt, weil so etwas Gutes immer ein Haken haben muss und den will er nicht erfahren. Wenn wir dann auch noch Vorwürfe dafür kassieren. Und jetzt – wie gehen wir weiter mit ihm um? Was machen wir da mit unserer Liebe?
- Und das, wenn wir voller Verständnis, voller Liebe, voller bester Absichten, voller Langmut, voller Großzügigkeit sind, wenn wir Gefühle wie Eifersucht, Zorn, Angst vor Ablehnung und Zurückweisung nicht kennen würden. Was würden wir mit unserer Liebe, was würden wir mit unserem Gegenüber machen?
- Jemand sucht nach einem Ausweg aus seinem Dilemma, schreit permanent um Hilfe. Wir schicken ihm Nachrichten, Bücher, eine Bedienungsanleitung und Menschen, die ihm die Hilfe nahe bringen, alles sauber und nachvollziehbar aufgeschrieben. Er mag es hören und lesen, setzt es aber nicht um, beschwert sich aber weiter. Dann komme ich selbst vorbei, zeige es ihm, lass es ihn fühlen, sehen, erfahren, erkläre die Liebe noch mal ganz von vorne. Und er fordert dafür meinen Tod? Und jetzt?
Abweichungen vom Weg der Liebe, Ablehnung von Liebe, Nicht-Annehmen von Liebe: Das ist es viel eher noch, was ich als Sünde bezeichnen würde. Kinder würden sagen: Selber schuld, eigene Doofheit! Was sagen wir? Wie würden wir uns fühlen? Was macht man denn da? Was sagt Gott? Was macht er?
Also ich würde das eine Weile probieren, immer wieder anbieten, aber irgendwann würde ich sagen: Ja, wenn du partout nicht willst, denn mach weiter so und schau, wie du damit klar kommst. Ich würde mir an den Kopf fassen, den Kopf schütteln, die Person irgendwann sich selbst überlassen… Doch ich könnte nicht aufhören zu lieben. Was dann?
Manchmal schenkt er uns jedoch auch die Erfüllung unserer Wünsche und schenkt uns die Erfahrung, die mit dem Wunsch einhergeht.
Ein lange gehegter Wunsch ging eines Tages in Erfüllung, jedoch war die Erfahrung der Begleiterscheinungen ein deutliches Zeichen dafür, dass mein Wunsch nicht der beste Weg gewesen war, ich also das Ziel verfehlt hatte, saure Trauben gepflückt hatte. In dieser Nacht, da schon kam das Gericht zu mir: Es war, als ob im Halbschlaf ein Licht um mich herum anging und eine große Klarheit entstand und mir die Frage gestellt wurde: So, das hast Du also gewollt, hast Du das wirklich so gewollt? Dies ist ein Moment, dem man nicht ausweichen kann, in dem nichts als die Wahrheit funktioniert. Und dieser Moment ist der, in dem die Buße, die Umkehr einsetzen kann, wo man beginnt, für diese Wünsche ein Kreuz zu tragen. Heute bete ich immer wieder besonders inbrünstig die Zeile das Vaterunsers: Dein Wille geschehe, im Himmel wie auf Erden. Dein Wille, der die Liebe ist.
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[1] Gleichzeitig fühlen wir uns ausgeschlossen und machtlos: „Duales Erleben“: Die da oben, wir da unten, Untertan statt Teilhaber.
Jeden Irrweg brauchen wir nicht selbst auszuprobieren, es gibt ja gelbe Pfeile: In einer Welt, die noch das Böse für möglich hält, zeigen uns die 10 Gebote die wichtigsten Eckpunkte auf, in der Liebe zu bleiben. Hier lang geht’s geradeaus! Wie der Rat liebender Eltern gilt Sein Gebot, das wir genauso als gute Botschaft verstehen können. Und eigentlich: Geht es hier nicht auch um die goldene Regel: Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu? Ich will weder getötet, beklaut, falsch verurteilt usw. werden. Im „dualen Erleben“ auf der Opferseite finden wir das all das auch gemein, unfair, verbrecherisch. Daher will ich hier die Gebote einmal als solche „Liebeserklärungen“ formulieren, so, wie es mir eine innere Stimme sagte, ganz nach Paulus Wort aus 1. Korinther 13 (Lutherbibel 1984):
1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.
Es sind übrigens wirklich Gebote, keine Verbote: Zumindest im griechischen Urtext ist keinerlei Imperativ zu erkennen und so soll es auch im hebräischen sein, wie man mir sagte. Es heißt einfach im Indikativ: Du tötest nicht. Du stiehlst nicht. Punkt. Ganz selbstverständlich, es gibt keine Alternative dazu. Es ist keine Entscheidung von uns. Trotzdem haben alle deutschen Bibelübersetzungen und meisten englischen das „Du sollst nicht“ bzw. „thou shall not“, aufgeführt. Das klingt schon wieder nach erhobenem Zeigefinger Ist das nicht merkwürdig? Als gutelterlicher, liebender Rat würde es vielleicht so klingen (aus Gute Nachricht Bibel):
1. Gebot
2 »Ich bin der Herr, dein Gott! Ich habe dich aus Ägypten herausgeführt, ich habe dich aus der Sklaverei befreit.3Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
In biblischen Zeiten verehrten viele Menschen ganze Pantheone von Göttern, uns am bekanntesten sind die römischen mit Jupiter als oberstem Gott, die griechischen mit Zeus und die germanischen mit Thor. Die Israliten kannten am ehesten die Götter ihrer Nachbarn und natürlich die Babylonischen Götter. Wir haben diese Art von Götterwelten mit für bestimmte Lebensbereiche zuständigen personifizierten Göttern heute nicht mehr so präsent, dafür haben wir heute typischerweise andere „Herren“: z.B. unseren Arbeitgeber, das Geld an sich, „mein Haus, mein Auto, mein Ansehen, meine Altersversorgung“, daher auch Kreditgeber, diverse Süchte, Schönheit, Image und Style, meine Ziele etc.
„Ich bin Gott, Dein Gott, keiner außer mir. Ich bin die Liebe selbst und ich möchte meine Liebe ständig in Dich strömen lassen und weiter aus Dir hinaus in die ganze Welt hinein. Ich führe Dich und jeden Anderen, der will, aus der Sklaverei, wie ich es immer getan habe. Weißt Du, wenn Du Deinen Geist und alle Deine Prioritäten nach mir ausrichtest, dann kann ich alles für Dich tun, denn ich bin der allmächtige Gott. Ich liebe es, für Dich da zu sein, fühle einfach mal den Strom der Liebe, den ich über Dich ausgieße. Und so können wir gemeinsam das tun, wofür ich Dich geschaffen habe, wofür ich mir Dich seit ewigen Zeiten gewünscht habe, Dich seit Beginn der Zeit geplant habe. Wir sind im Einklang und ich sorge für Dich. Wir können so zusammen am wirksamsten voranschreiten. Ich wünsche mir Dich frei, nicht mit anderen Sachen beschäftigst, mit anderen Prioritäten, anderen Werte, denn ich will so gerne zu Dir durchkommen. Meine Sprache geht weit über das Wort hinaus und es ist nicht so einfach, Dir auf allen Deinen Sinneskanälen eine Nachricht zukommen zu lassen, wenn Dein Kopf mit etwas anderem voll, beschäftigt ist. Ich möchte Dir so viel schenken, vielleicht entgehen Dir so meine Segnungen. Ich rufe Dich oft, weil ich Dich so gern glücklich sehen möchte, weil ich Dich so gerne senden möchte. Es gibt so viel, was ich Dir gerade zeigen möchte. Vielleicht hast Du gerade keine Zeit für mich, wenn die beste Gelegenheit da ist. Ich tue jede Menge für Dich, bitte vertrau mir einfach. Lass mich Dir viel abnehmen, lass Dich auf mich ein, ja? Wenn Du Dich auf andere Herren einlässt, ihnen dienst, um von ihnen eine Aufgabe und Deine Sicherheit zu erhalten, dann bist Du nicht frei. Bei mir bist Du sicher und frei, während andere Sicherheiten trügerisch sein mögen, denn ich bin der allmächtige Gott. Und ich liebe jeden so sehr wie Dich, daher lass Mich auch den Gott eines jeden Anderen sein.“
2. Gebot:
4 Du sollst dir kein Gottesbild anfertigen. Mach dir überhaupt kein Abbild von irgendetwas im Himmel, auf der Erde oder im Meer. 5 Wirf dich nicht vor fremden Göttern nieder und diene ihnen nicht. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein leidenschaftlich liebender Gott und erwarte auch von dir ungeteilte Liebe. Wenn sich jemand von mir abwendet, dann ziehe ich dafür noch seine Nachkommen zur Rechenschaft bis in die dritte und vierte Generation. 6 Wenn mich aber jemand liebt und meine Gebote befolgt, dann erweise ich auch noch seinen Nachkommen Liebe und Treue, und das über Tausende von Generationen hin.
Gott ist so eifrig und sehnsüchtig um uns bemüht und hätte gern als Gegenstück unseren Eifer und unsere Sehnsucht. Die zwei griechischen Worte, die für Gottesbild und Abbild genutzt werden, heißen ειδωλον und ομοιωμα. Das Word ειδωλον (sprich eidolon) kommt vom Wortstamm des griechischem Wortes für „sehen“ her, also etwas Sichtbares, daher wird es als Bild übersetzt, doch wir können dort auch unser heutiges Wort Idol erkennen. Ein Vorbild. Ein Ausschnitt. Das Wort ομοιωμα (sprich Omoioma) bedeutet Ähnlichkeit, wir kennen es heute z.B. aus dem Wort Homöopathie.
„Ich bin Dein lebendiger Gott, eben nichts Statisches ist, sondern wirklich quicklebendig. Ich bin keine Momentaufnahme, sondern beständige Dauer, immer an Deiner Seite, doch trotzdem ständig neu, ständig in Bewegung – mit Dir. Ich bin für Dich da mit allen Sinnen, in allen Dimensionen erfahrbar, ich bin nicht nicht reduzierbar auf einen oder zwei Sinneskanäle oder Dimensionen. Wie könntest Du mich auch sonst in jedem Moment erfassen? Ich bin ewig, doch das umfasst ja alle Zeiten, daher bin Ich in Meiner Ewigkeit auch allumfassend und allgestaltig. Meine Sprache ist nicht nur das Wort, sondern auch das Bild, der Klang, das fühlbare Sein, die leibhaftige Erfahrung. Durch Nichts ist bin ich erfassbar außer durch Alles, nichts ist Mir ähnlich außer Alles, dem Schöpfer des Himmels und der Erden, aller Wesen. Mein Bild ist schon da: Einfach die Augen öffnen, einfach Sein erfahren, leben. Schau hin! Das bin ich! So verstehst, so fühlst Du, was ich Dir gerade für ALLE Deine Sinne, Körper, Geist und Seele zeige als Zeichen/Wegweiser und dann das nächste und das nächste und das nächste…“
Immer wenn ich auf dem Camino draußen geschlafen habe, dann lag der riesige, gewaltige, leuchtende Sternenhimmel vor meinen Augen. Dies kann uns wirklich gut die unfassbare Größe Gottes zumindest ein wenig vor Augen führen. Wir liegen da und sind so winzig. Und wie groß ist DAS denn!
Wie könnte ich da was herauspicken, um es darzustellen? Es hieße, Gott die Größe, Seine Dimensionen und die Lebendigkeit abzuerkennen, wenn wir ihn abbilden. Wir könnten es nicht. Durch dieses ALLES können wir seine Größe erahnen.
3. Gebot
7 Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird jeden bestrafen, der das tut.
Im Urtext kann man es auch so verstehen: von Eitelkeiten oder Nichtigkeiten fernhalten.
„Wir lieben uns und ich freue mich, wenn Du meinen Namen mit Liebe aussprichst, wenn Du mit mir und über mich redest. Was immer Du mit meinen Namen in Verbindung bringst: Ich wünsche mir so, dass es von dieser Liebe getragen ist, von Wahrheit, von dem, wie ich bin.“
4. Gebot
8 Halte den Ruhetag in Ehren, den siebten Tag der Woche! Er ist ein heiliger Tag, der dem Herrn gehört. 9 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Tätigkeiten verrichten; 10 aber der siebte Tag ist der Ruhetag des Herrn, deines Gottes. An diesem Tag sollst du nicht arbeiten, auch nicht dein Sohn oder deine Tochter, dein Sklave oder deine Sklavin, dein Vieh oder der Fremde, der bei dir lebt. 11 Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer mit allem, was lebt, geschaffen. Am siebten Tag aber ruhte er. Deshalb hat er den siebten Tag der Woche gesegnet und zu einem heiligen Tag erklärt, der ihm gehört.
„Ich weiß schon, dass ich manchmal für Euch Menschen nicht so einfach zu verstehen bin. Daher schenke ich Dir jede Woche einen Tag der Ruhe, damit Du Raum und freien Geist hast, um unsere Verbindung wieder wahrzunehmen, Deinem Körper Erholung schenkst. Ruhe und Stille ermöglichen Dir wieder Aufmerksamkeit. So kannst Du mich und die Erfahrungen, die ich Dir biete, leichter erfassen als in Geschäftigkeit. Ich liebe es, wenn Du Zeit für mich hast, mich mit allen Deinen Sinnen, mit Deinem Herzen, Deiner Seele zu erfassen. So kann ich meinen Strom der Liebe am besten in Dich fließen lassen, die viele gute Botschaften schicken. Manchmal bin ich die leise Stimme in Dir und ich wünsche mir so sehr, dass Du mich hörst.
Ich habe diese Welt schön geschaffen, so vielen unterschiedlichen Blumen ihre Farbe und ihren Duft gegeben. Ich habe Euch leuchtende Kinderaugen, weiche Haut, süße Früchte und das Lachen geschenkt. Genieße diese Welt, dieses Geschenk an Euch, an diesem freien Tag, genieße mich, um auch so – über die Welt und ihre Menschen – meine intensive Liebe zu Dir, zu Euch allen zu erfahren. Lass es einen Tag sein, an dem für Dich getan wird, an dem ich für Dich da bin.“
12 Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren. Dann wirst du lange in dem Land leben, das dir der Herr, dein Gott, gibt.
„Ja, Ich will Dich genau so, wie Du bist, denn ich habe Dich geschaffen, seit ewigen Zeiten geplant und genau so gewünscht. Ja, Du bist hier auf der Erde von ganzem Herzen erwünscht. Daher habe ich Dir die Eltern geschenkt, die am besten zu Deiner Schöpfung passen. Glaube einfach, dass sie Dich richtig auf Deine Bestimmung vorbereiten durch alles, was Du mit ihnen erlebst. Sie sind Dein Schicksal und gleichzeitig auch Dein Schatz! Er ist eines meiner besonderen Geschenke an Dich: Suche und hebe diesen Schatz! Es wird Dein persönliches Abenteuer sein.
Eltern lernen durch Kinder meine Art der Liebe für andere Wesen fühlen und leben. Sie tun, was sie können. Ihr lebt in meinem ewigen Kreislauf, schwach seid Ihr am Anfang und am Ende des Lebens, damit ihr die Hilfe anderer und dadurch mich erfahren und genießen könnt. Sie haben mir geholfen, als Du klein warst. Magst Du mir helfen, was Deine Eltern angeht?“
13 Du sollst nicht morden.
„Der Herr über Leben und Tod, über jedwede Bestimmung bin ich. Und das ist gut so, denn diese Entscheidung zu treffen, das ist gewaltig. Denn: Weißt Du, was ich mit diesem Menschen vorhatte, wofür ich ihn geschaffen hatte? Weißt Du, ob seine Mission schon beendet ist? Du bist ein Mitmensch, Du weißt es nicht.Vielleicht habe ich Dir gerade dieser Mensch als Deinen Engel gesandt, der Dir den Schlüssel zum Paradies in die Hand drücken kann. Vielleicht konnte gerade er durch seine verstörende Andersartigkeit Dir zeigen, wo Du selbst noch in Deinen Gedanken verstört, von meinem Reich getrennt warst und ihr könntet Freunde werden.
Abgesehen davon, dass Du durch Töten ein anders Leben zur Unzeit beenden mögest: Ich möchte Dir ein schlechtes Gewissen, vielleicht ein lebenslanger Gedanke, Zerrissenheit, Zweifel und Verzweifelung ersparen, die Frage: Was wäre gewesen, wenn ich diesen Menschen am Leben gelassen hätte? Tue Dir das bitte nicht an, ich möchte Dir das wirklich ersparen. Das trifft zu bei allen Formen von Mord, um ungeborenes Leben, um Selbstmord, um Mord und Totschlag, um Krieg. um Sterben lassen, falls Du hättest helfen können. Mein Reich ist Frieden, das Zulassen der Vielfalt der Menschen, weil ich sie so unterschiedlich brauche, und dass der Starke sich unter den Schwachen stellt, bitte komm doch herein!“
14 Du sollst nicht die Ehe brechen.
Die Ehe brechen ist in der Regel der Abschluss eines langen Prozesses. In einer funktionierenden Beziehung wird kein Dritter gesucht.
„Die Liebe ist mir heilig. Wehre am besten den Anfängen von Miss-Stimmungen in Eurer Ehe. Ehebruch beginnt innen, darum stärkt euren inneren Bund, hegt und zu pflegt ihn, festigt und vertieft ihn, dann ist das Leben miteinander die wahre Pracht und ihr fühlt Euch wohl miteinander, was ich Euch von Herzen wünsche. Mein Friede sei mit Euch. Ihr tut Euch wohl, wenn Ihr einander annehmt, die Liebe und damit Eurer Partner darf den ersten Platz unter den Menschen im Leben einnehmen. Genießt Eure Gemeinschaft, feiert sie mit Körper, Geist und Seele. Gerade in Eurem Partner kann ich jeden Tag bei Euch sein, gerade im Miteinander durch Dick und Dünn gehen, denn so bin ich auch. Diese Intensität und dieses Glücksempfinden habe ich der Liebe zwischen Mann und Frau geschenkt, gerade weil ich die Liebe liebe. Ihr seid mit mir Mitschöpfer, die tiefste Verbindung zwischen Mensch und Gott, wenn wir gemeinsam Eure Kinder ins Leben führen. Wenn das schwer ist, Ihr nicht weiter wisst, nicht weiter kommt: Ich bin gerne da, für Euch, ich bin doch die Liebe! Kommt zu mir, einzeln und noch besser gemeinsam, damit Ihr der Lösung Eurer Probleme gewahr werdet. Besonders hilft Euch dabei Vergebung und hinzuschauen, dass Euch nicht etwas trennt, was kleiner ist als die Liebe. Denn erst bricht das innere Band, bevor das äußerliche Band bricht, die Ehe bricht, einer ausbricht, was schade wäre, weil ich so meine Liebe nicht mehr so intensiv ausdrücken kann.“
15 Du sollst nicht stehlen.
Das im Griechischen gewählte Wort κλεψεις (klepseis, was wir aus dem Wort Kleptomanie kennen) heißt übrigens nicht nur stehlen, sondern auch unterschlagen, schmuggeln, entführen, sich betrügerisch, schlau oder heimlich etwas zu verschaffen, betrügen, täuschen, verhehlen, verbergen, verheimlichen, etwas heimlich tun.
„Was für Dich ist, das bekommst Du, denn ich meine es beständig gut mit Dir. Was nicht für Dich ist, das brauchst Du nicht, es wird Dir nichts nützen. Denn das Dumme ist: Du wirst es immer verbergen wollen, es wird Dir Angst verschaffen vor Entdeckung, vor Strafe, vor der Rückgabe, der Wiedergutmachung, der Schuld, es sind einfach blöde Gefühle, saure Trauben. Vielleicht verpasst Du durch diese Gefühle das anzunehmen, was ich Dir ganz frei gebe! Glaube mir, dass Du das bekommen wirst, was für Dich richtig ist, die süßen Trauben! Ich habe genau für Euch alle gemeinsam genug geschaffen.“
16 Du sollst nichts Unwahres über deinen Mitmenschen sagen.
Es geht hier im griechischen Original um die Aussage bei Gericht, sogar betont in Form einer sprachlichen Verdopplung.
„Für jeden Menschen habe ich meinen eigenen Plan, für Dich, wie für jeden anderen. Überlasse sie bitte meiner Führung, so wie Du lieber auch nicht von Deinem Wege durch Willkür anderer abgebracht wirst. Du hast immer ein gutes Gewissen, wenn Du bei der Wahrheit bleibst, besonders dann, wenn Du über Deinen Mitmenschen vor Gericht aussagst. Dort wird von Menschen über das weitere Leben von Menschen entschieden. Hilf den menschlichen Richtern, die beste Entscheidung für alle Beteiligten zu finden. Dafür brauchen sie Deine Wahrheit. Es ist gut, wenn die Unschuld Unschuldiger festgestellt wird und sie ihr Leben unbeschadet fortsetzen können. Es ist ebenso gut, wenn die Schuld Schuldiger festgestellt wird, damit auch Du und alle anderen die Wahrheit kennen und so besser geschützt seid. Nur so kann Vergebung stattfinden.“
Für das Lügen an sich könnte es sich so anhören:
„Mein liebes Kind, es ist einfach besser, z.B. nicht zu lügen. Denn wenn Du lügst, kriegst Du hinterher “Probleme”. Die Trennung entsteht ja nicht nur in der Trennung von der Wahrheit. Sie liegt auch in der Trennung von Dir selbst, weil Du ja nicht das sagst, was du denkst oder erlebt hast, sondern etwas Ausgedachtes, Konstruiertes. Und du erlebst Trennung von der Person, der Du die Lüge erzählst, weil sie jetzt von Dir nicht Deine Geschichte weiß, sondern nur eine erdachte Geschichte. Und da eine Lüge oft eine oder mehrere nach sich ziehen, trennst Du Dich im Folgenden wieder und immer weiter von Dir selbst. Du passt auf, dass du nicht beim Lügen ertappt wirst und trennst dich daher von spontanen Aussagen und prüfst erst, ob alles auch mit den bisherigen Lügen übereinstimmt, bevor Du eine Äußerung wagst. Das ist anstrengend und mühsam. Und Du kannst vielleicht nicht tun, was du von Herzen gern tätest, weil sonst eine Lüge herauskäme. Und so setzt sich die Trennung immer weiter fort, bis Du vielleicht in einer völlig erlogenen Welt lebst, geplagt von schlechtem Gewissen, Schuldgefühlen und einer Gegenwart, die nicht wirklich Deine ist. Das Leben wird weniger lebendig, sondern immer künstlicher. Das ist weder gesund noch heil. Dein natürliches Ich wird umgebracht.“
17 Du sollst nicht versuchen, etwas an dich zu bringen, das deinem Mitmenschen gehört, weder seine Frau noch seinen Sklaven oder seine Sklavin, sein Rind oder seinen Esel noch irgendetwas anderes, das ihm gehört.
„Es ist ein Anreiz, wenn Du nicht zufrieden mit dem bist, was Du hast und stattdessen Dein Herz auf das richten magst, was ein anderer hat. Komme doch lieber zu mir und ich helfe Dir, zufrieden und dankbar zu werden. Es gibt so viele Wege, die wir gemeinsam beschreiten können, um diesen Zustand zu erreichen. Verharre nicht in der Betrachtung dessen, was ein anderer hat, verschwende daran keine Zeit. Lass uns lieber die Zeit gemeinsam besser nutzen. Richte Dich auf mich aus und wir werden gemeinsam Dein Leben vom Mangel weg zu wahrer Freude zu verwandeln. Dein Mangelgefühl zeigt Dir gerade, dass es genau jetzt mit uns losgehen kann. Überschütte doch Deine Frau mit Liebe, so wird sie in ihrer Schönheit, ihrem Strahlen, ihrer Freundlichkeit, ihrer Liebe und Freude, für Dich da zu sein, wachsen. Behandle alle Wesen, für die Du zuständig bist oder mit denen Du zusammen wirkst, mit Liebe, Respekt und Freundlichkeit. Pflege sie gut und hilf ihnen wachsen, so werden sie auch für Dich gute Partner sein. Wenn Du noch nichts dergleichen hast, so wisse, dass ich Dich gerade jetzt pflege, führe und Dir helfe zu wachsen, damit auch Du Deinen eigenen, guten Platz findest, mit dem Du Dich zu Recht wohlfühlst. Genau so wirst Du stolz sein, auf Dich, auf sie und alles von Herzen genießen können, was Dein war, ist und sein wird.“
Wenn die Verfehlung des Zieles ist, auf etwas zuzugehen, was nicht Liebe ist, dann ist die Umkehr die Rückkehr in den Zustand der Liebe, in den Strom der Liebe. Wird uns das allein gelingen? Sind wir der tapfere kleine Mensch, der jetzt mit einem großen Kraft- und Willensaufwand das Steuer herumreißen muss, um alles wieder auszugleichen? Kommen wir so in die Liebe zurück?
Wenn wir uns Jesus anschauen, so finden wir immer wieder, dass er auf Sünder zugeht, nicht nur das, er sucht sie intensiv als verlorene Schafe. Wir lesen, wie er sie aufbaut, ihnen ihre Würde zurückgibt und sie mit den Anderen wieder auf gleiche Augenhöhe zurückbringt: z.B. bei der Frage nach der Steinigung der Ehebrecherin, bei Zachäus, dem Zöllner, dem verlorenen Sohn.
Exkurs: Was ich dabei mal wieder nicht verstehe, ist, warum die Beichtenden auf die Knie gezwungen werden. Und vor allem: Warum wird ihnen vorher die Eucharistie verweigert? Denen, die sie am meisten brauchen? Die Eucharistie ist das Medikament Jesu, die Quelle der Liebe und Vergebung.
Da ich lange zu geistiger Kommunion „gezwungen war“, habe ich die Eucharistie immer in beiden Gestalten[1] erhalten. Ich hatte dies vorher schon beim Abendmahls-Geheimnis des Rosenkranzes häufiger erfahren. Dadurch wurde mir ihr mystischer Inhalt immer mehr bewusst, ich spürte von beiden Gestalten die unterschiedliche Wirkung und warum es wichtig ist, dass es beide Gestalten gibt. Und je länger ich wöchentlich in der Kirche so kommunizierte, konnte ich immer deutlicher wahrnehmen, was Brot und Wein machen. Wenn ich das Brot erhalte, dann geht von meiner Herz-/Magenregion ein Strahlen zu allen Seiten aus. Später kam hinzu, dass ich merkte, wie sich daraus um mich herum eine Lichtspirale in Gang setzte, die wie ein Wind alles Schwere wegpustete, irgendwann nahm ich am Ende ein Herz – wie ein Schutzschild – um mich herum wahr. Wenn ich den Wein erhielt, dann war es zunächst so, dass sich von meinem Körpermittelpunkt nach oben und nach unten etwas Starkes, Dunkles aufrichtete, als ob ich nach oben und unten gezogen würde. Später kam hinzu, dass von derselben Stelle aus nach der Oben-/Untenbewegung anschließend derselbe Sog zu beiden Seiten stattfand. Das Kreuz baute sich aus dem Blut in mir auf und richtete meinen Kanal nach oben und zur Erde hin wieder aus, danach dahin, wo meine Arme und Hände hinreichen können, zu den Menschen der Welt. Irgendwann sah ich dann, dass das auch bei allen anderen geschieht und wir uns die Hände im Geiste reichen, um gemeinsam die Einheit zu bilden, ein Ganzes zu sein. Zusammen das Symbol der Herz-Jesu, das Kreuz auf dem Herz, als Bild des höchsten Gesetzes.
Die, die die Kommunion akut brauchen, kriegen sie oft nicht. Glauben wir, dass Jesus so heilig sein will, dass er von den „Unwürdigen“ ferngehalten wird, in ein fernes Tabernakel eingeschlossen? Möchte er auf ein Podest gestellt werden, das auch wieder trennt? Ist er nicht – im Gegenteil – immer auf die „Unwürdigen“ zugegangen, hat sich selbst zu ihnen runtergebeugt, sich zum Mahl direkt zu ihnen gesetzt? Sind nicht alle Unwürdigen Menschen, die irgendwo auf dem Weg zum Heil sind; sollten wir ihnen verachtungsvoll noch Steine in den Weg legen? Hat er nicht sich selbst hingekniet und seinen Jüngern die Füße gewaschen? Will er nicht unter uns allen sein, sagt er nicht: „Ich bin bei Euch alle Tage, bis an der Welt Ende!“ Judas Ischariot hat auch beim allerersten Abendmahl dabei und wurde nicht ausgelassen. Ich denke, die Eucharistie muss gerade als starke Medizin zu den Sündern hin, um sie zu heilen, um sie so sehr mit Liebe anzufüllen, dass sie den Weg zurück wieder finden, weil sie nun den Geruch, den Geschmack, das Gefühl kennen. So kann Jesus auch heute noch auf die Sünder zukommen! „Kommt zu mir,“ rief er „die ihr mühsam und beladen seid!“ Jesus ist doch quicklebendig immer da und gerade kein goldenes Kalb, vor dem man sich rituell in den Staub wirft.
Vor einiger Zeit habe ich das Bild gesehen von der Perle, als die wir Gottes Reich finden können, und die uns wichtiger ist als alles Andere. Wir sind auch Perlen, die allerdings teilweise noch in sehr harten Schalen stecken, die noch zu öffnen sind. Wir haben uns manchmal sehr fest verschlossen, doch trotzdem in uns ist schon die Perle angelegt. Manchmal braucht es viel Liebe (Wasser), damit wir unsere harte Schale öffnen können. Manchmal sind wir als Perle noch verdunkelt, brauchen noch ein wenig Politur. Mit dem weichen Tuch der Liebe poliert uns Gott, damit wir die manchmal verworrenen oder schrägen Vorstellungen über das, was und wie Liebe ist, loswerden können. Der Vorgang des Polierens fühlt sich manchmal vielleicht etwas sehr „drüber und drunter“ an, doch hinterher ist die Perle, unser inwendiges Reich Gottes glänzend.
Gott ist es, der uns die Gnade zukommen lässt, dass er auf Millionen unterschiedliche Weisen Liebe in unser Leben hineinfließen lässt. Es geht gar nicht darum, dass wir es allein schaffen. Es geht darum, dass wir uns mit unserem Schuldgefühl vor Gott hinstellen und sagen: „Hier stehe ich. Damit fühle ich mich furchtbar, ich hab keine Ahnung mehr, was ich tun soll. Tragen kann ich es nicht mehr. Ich komme nicht weiter. Bitte hilf mir, erlöse mich von dieser Last, dieser Lieblosigkeit!“ Am Ende des eigenen Lateins angekommen sein. Aufgeben zu meinen, es allein zu schaffen, es allein schaffen zu können oder zu müssen. Die Last weitergeben an Gott: Das primär ist für mich die Umkehr. Und dann geht es an das Umsetzen, ohne das keine Umkehr vollständig ist. Keine Umkehr ohne Gnade und keine Gnade ohne Umkehr und neues Handeln.
Der Prozess der Reue geschieht auch nicht aus unserer eigenen Veranlassung: „So, denn will/muss ich jetzt mal bereuen! Ich hab zwar nicht viel Lust drauf, aber was muss, das muss wohl!“ Nein, im Gegenteil: Die Liebe, die nach der Umkehr durch unser Aufgeben, durch unser Aufhören des uns dagegen Wehrens, durch uns fließt, führt automatisch zu Mitgefühl, Mitleid durch Sehen und Verstehen „dualen Erlebens“. Die Fortsetzung der Reue ist die Sühne. Die Liebe fließt weiter durch uns und bewirkt, dass wir dem von unserem Handeln Betroffenen Gutes tun wollen, ohne Druck, freiwillig. Nicht wir waschen uns rein, Er tut es.
Gott ist der Motor, Er befreit uns durch Umkehr, Reue, Sühne. Gott gibt uns von den Umständen frei, wenn wir die Verfehlung des Weges erkannt haben und beenden. Klar, auf unserem Pilgerweg unseres Lebens kommen wieder auf unser Ziel zu. Wir haben seinen gelben Pfeil erkannt, der Richtungswechsel ist vollzogen.
[1] Beide Gestalten: Brot und Wein
Nicht jede Handlung führt bei jedem Gegenüber automatisch zum gleichen Schmerz. Was der eine als schmerzhaft oder verletzend empfindet, das mag dem nächsten egal sein, eventuell begrüßt ein Anderer es sogar. Das Leid des Beteiligten liegt manchmal in der leidenden Person selbst. Sie beschließt bewusst oder unbewusst, unter der Handlung zu leiden, beispielsweise wenn der andere etwas von uns will, was wir ihm wirklich nicht geben können, wenn wir ein Schuldempfinden nicht haben, sondern nur Mitleid. Was ist, wenn unser dreijähriges Kind partout auf die stark befahrene Straße rennen will? Dann halten wir es auch fest, auch wenn es schreit und tobt und leidet und auf uns stinkesauer ist. Was ist, wenn ein Mensch von uns etwas erwartet, was unseren Werten, unseren Möglichkeiten, unseren Gefühlen, unserem Wesen widerspricht? Müssen wir uns dann entschuldigen und umkehren, um Vergebung bitten, weil sich der Andere verletzt fühlt?
Ich glaube, dass Gott häufig so mit uns geht. Er weiß, dass er das Rechte für uns will (der Einzige, der wirklich WEISS, was das ist!!!), uns nur den einen Weg aufmachen kann, den Weg unserer Bestimmung, unserer Verheißung. Doch was, wenn wir uns etwas – sei es irgendwelchen Quatsch, sei es die zweitbeste Alternative – noch so sehr wünschen und uns dran festklammern? Wir leiden und leiden, hadern eventuell vielleicht sogar noch mit Gott. Dabei tun wir ihm so leid. Bestimmt sagt er zu uns: „Kind, hab doch Einsehen, sei doch mal locker, lass dich führen, ich will doch was viel Besseres für dich!“ Und die beste Lösung, unsere Bestimmung, wartet und wartet, dreht Däumchen, setzt Schimmel an…
Vor meiner Entscheidung, den Weg zur Heilpraktikerin/Heilerin, zur Pilgerei, zum wahrhaft spirituellen Leben einzuschlagen, habe ich mich sehr bemüht, in einem anderen, einen weltlichem Beruf Fuß zu fassen, der eigentlich nur ein Trittstein, eine Lehrzeit zur Professionalisierung sein sollte. Die Zeichen wurden immer deutlicher, er hat die ganze Palette an „Pfeilen“ aufgefahren, bis es dann irgendwann in meinem Büro gebrannt hat. Alles, was ich nicht mehr brauchte, was zu Ende sein sollte, das war verbrannt. Habe ich gelitten? Ja! War es schön? Nein, aber notwendig, GUT war’s und DANKE, MEIN GOTT! … Der Brand war am Schalttag des Jahres 2004, das Jahr, an dessen Jahresanfang ich mich entschied, den Jakobsweg nach Santiago de Compostela zu pilgern. Und sechs Wochen nach dem Brand lernte ich Santiago kennen, der mich wieder auf den spirituellen Pfad zurückführte. Er war mein Barnabas.
Die Erklärung finden wir in Römer 8 (Hoffnung für alle):
27 Und Gott, der unsere Herzen ganz genau kennt, weiß, was der Geist für uns betet. Denn der Geist vertritt uns im Gebet, so wie Gott es für alle möchte, die zu ihm gehören. 28 Das eine aber wissen wir: Wer Gott liebt, dem dient alles, was geschieht, zum Guten. Dies gilt für alle, die Gott nach seinem Plan und Willen zum neuen Leben erwählt hat. 29 Wen Gott nämlich auserwählt hat, der ist nach seinem Willen auch dazu bestimmt, seinem Sohn ähnlich zu werden, damit dieser der Erste ist unter vielen Brüdern und Schwestern. 30 Und wen Gott dafür bestimmt hat, den hat er auch in seine Gemeinschaft berufen; wen er aber berufen hat, den hat er auch von seiner Schuld befreit.
Ebenso wichtig ist die Vergebung für die betroffene Person, das Opfer. Solange sie nicht vergibt, verharrt sie im Leid, entscheidet sich – täglich – weiter für das Leid: „Ich hätte da noch was zu kriegen! Schuld, Zins und Zinseszins!“ Die Situation ist vergangen, die Vergangenheit kann faktisch nicht mehr, sondern nur noch an einem Ort verändert werden, nämlich im eigenen Herzen, in dem, wie wir darüber denken und fühlen, in der Gegenwart. Wer weiß, warum jemand anderes hat, was wir für uns beanspruchen? Vielleicht brauchte er es dringender als wir…
Als wir Padrón verließen, den Ort, in dem das Schiff mit den sterblichen Überresten des heiligen Santiago in Spanien gelandet ist (der namensgebende Anleger-Stein – pedrón – ein römischer Meilenstein - ist immer noch unter dem Altar der Santiago-Kirche), da landeten wir nach dem Ortsausgang – zwar auf einem sehr schönen Weg – auf einer Halbinsel, vor uns nur Wasser, kein Weg. Der Platz hatte zwar eine sehr schöne Aussicht, doch länger als für eine Pause verweilen machte keinen Sinn.
Obwohl wir auf dem ganzen Camino nie gern eine Strecke wieder zurückgegangen sind, weil wir uns verlaufen hatten, nun mussten wir einfach umkehren. Wir hielten einen Mann auf einem Fahrrad an, der uns dann den Weg beschrieb, wo wir auch wieder unsere Pfeile fanden. Beim Pilgern verharren geht einfach gar nicht, hinsetzen und heulen, sich im Kreise drehen oder trotzig sich verschließen hilft gar nicht, sondern nur die Realität anerkennen. Wenn man in einer Sackgasse angekommen ist, dann muss man sich umdrehen und einen anderen Weg suchen, damit man weiter auf sein Ziel zukommt, wieder einen Platz findet, an dem man wieder essen und schlafen kann, warm und satt wird und Geborgenheit findet. Und eigentlich klingt ja pedrón fast wie perdón = Vergebung, oder?
Analog ist der Lebensweg. Da, wo ein Weg so für uns nicht weitergeht, wo wir sonst verhungern oder vor Kälte sterben würde, real oder im Herzen, da ist es angesagt, den alten Weg hinter sich zu lassen. Darum fordert uns das Vaterunser auf, denen zu vergeben, die uns verletzt haben, von denen wir meinen, dass sie uns gegenüber noch Schulden haben.
Das spanische Wort für „vergeben“ heißt „perdonar“. „Donar“ bedeutet geben, schenken, stiften, spenden, auch zu finden in dem Camino-Wort „Donativo“. Die lateinische Präposition „per“ bedeutet durch, hindurch. Und hierin findet sich viel Wahrheit und ein ganz simpler Weg, um mit Verletzungen umzugehen. Vergeben bedeutet hindurchgeben, durch uns hindurchgeben, durchreichen an Gott. Wir sammeln von dem anderen etwas auf, was wir mittels Vergebung gleich weitergeben an Got und dort entsorgen, am besten schon bevor es uns verletzt. Wir schenken es einfach an Gott weiter, statt die unwillkommene Gabe wieder „doppelt und dreifach“ zurückzugeben, d.h. uns zu rächen. Gott nimmt uns das Gegebene ab, so dass sich dieser Strang der Verfehlung nicht fortsetzt und sich weiterentwickelt zu einem Streit etc., sondern ins Leere läuft, ausläuft, in uns seinen Abschluss findet.
So wird unsere Welt immer mehr gereinigt: Handlungsstränge des Hasses, der Gewalt, des Missbrauchs, des Betruges, der Missverständnisse, der Lieblosigkeit einfach beendet, frische Handlungsstränge oder auch solche, die teilweise schon von Generation zu Generation in unserem Familienstammbaum am laufen sind. Wir dürfen quasi Müllleute sein, die zwischenmenschlichen Müll sich nicht aufhäufen lassen, sondern „stante pede“, unverzüglich in Gott entsorgen, wo dieser Müll sich rückstandslos in Liebe auflöst. Daher sagt Jesus uns auch in der Bergpredigt in Matthäus 5 (Lutherbibel 1984):
5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
39 Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.
40 Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel.
41 Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.
44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen,
45 damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.
Wenn wir anderen Menschen vergeben, dann befreien wir nicht nur den anderen, sondern vor allem uns selbst und machen unsere gesamte Welt besser. Wir öffnen uns für das Neue, für die Freiheit, den Frieden im Gottesbewusstsein. Selbst wenn die Aussicht auf die Rückzahlung der Schuld noch so schön gewesen wäre, die Rache noch so süß gewesen wäre, die Erfüllung unserer Erwartung ein Hochfest: was, wenn dieses Ziel nicht erreicht wird? Was, wenn es uns nicht weiterführt, wir im Warten verdorren, verfaulen oder verschimmeln würden, oder noch sinnfreier, in der Beschäftigung mit Anwälten und Gerichten, die die Schuld eintreiben sollen, unsere Zeit verplempern? Endlich frei sein, ohne Last. Und – irgendwann werden wir wissen, wofür das alles gut war!
Im Verlaufe meiner Scheidung hatte ich mit meinem Ex-Mann gerichtlich einen Ehegatten-Unterhalt vereinbart, da ich durch die Umstände die Erziehung unseres Sohnes allein übernommen habe. Er hat ihn nie gezahlt, die geschuldete Summe hat sich auf viele tausend Euro angesammelt. Ich habe in meinem Gnadenjahr auf alles verzichtet. Er schuldet mir nichts mehr. Ich hätte noch Jahre auf die schöne Aussicht des Luftschlosses dieser Geldsumme am anderen Ufer starren können, es für Meins halten können. Hätte ich jemals in dieses Schloss einziehen können? Ich habe die Bindung gelöst und mich auf meinen Glauben fokussiert. Ich lasse ihn ziehen und sein Leben leben, seine Ressourcen in sein Leben fließen. Ich gehe meinen Weg weiter. Für mein Auskommen ist mein Weg mit Gott zuständig. Vertrauen…
Die Vergebung findet durch Gott, den Vater statt. In Ihm kommen alle Dinge in Einheit zusammen, sowohl der Fehler wie auch das, was wir stattdessen hätten tun können. Es sind zwei Pole, die in Gott in einem Punkt zusammenfallen und dort in Frieden miteinander existieren. Die Dissonanz löst sich auf. Durch das Fühlen dieses Friedens, den Gott uns bei der Vergebung ermöglicht, bewirkt das Abfallen der Last. Eine Schuld lagert sich auch als Unerledigtes, als etwas, was nicht ans Licht kommen soll, in unserem Geistkörper an. Im Moment der Vergebung, wenn wir wieder wissen, dass wir die Schuld nicht tragen müssen, wird das Schuldgefühl daraus entlassen, das kann man spüren. Es ist der berühmte Stein, der einem vom Herzen plumpst.
Die Vergebung ist unsere einzige Aufgabe im Vaterunser! Den Rest macht er! Einfach durchreichen, nicht zurückschlagen, nicht mitmachen, den Ball – zack! – einfach gleich weiterwerfen an Gott. Wie geht das?
In dem Moment, wo etwas passiert, was sich wie eine Verletzung anfühlt einfach diese Bitte aussprechen:
„Bitte lass mich teilhaben an Deinem Heiligen Geist und Deinem Heiligen Herzen in Jesus Christus“.
Das ist, was m.E. auch gemeint ist mit „Lamm Gottes, Du trägst die Sünde der Welt“. Jesus hat auch einfach durchgereicht, was er anderen abgenommen hat. Mir ist klar geworden, dass er dafür seine Gebetszeiten brauchte.
In einem Rosenkranzgebet mit eigenen Geheimnissen, in dem Fall war die Geschichte des Wandelns auf dem Wasser in Matthäus 14, da nahm ich einmal wahr, wie Jesus auf einen Berg ging, um zu beten. Im Gebet sah ich eine Art Gebetskanal, angefüllt war von Luftwirbeln und Flammenzungen, der vom Himmel aus auf Jesus gerichtet war. Dieser Wind umwehte Jesus, und ich glaube, er wurde da all das los, was er den Menschen vorher abgenommen hatte, was er vorher getragen hatte. Plötzlich richtete sich für ein paar Ave Marias dieser Gebetskanal auf mich und ich spürte etwas wie einen starken geistigen Wind um mich, der mich von oben bis unten reinigte und leicht machte.
Wenn wir also etwas „durchzureichen“ haben, dann geht das entweder in der Teilhabe an Gottes Geist und Herz oder durch diesen Gebetsstrom, den wir uns auch jederzeit erbitten können. Darin verschwindet jede Emotion, die zu Verletzung, Streit und Rache führen könnte, in Friede und Liebe gewandelt. Dies wandelt uns zu den Friedfertigen.
Die tägliche Eucharistie ist eben unsere tägliche Reinwaschung, das tägliche, vollständige Durchreichen. Und wenn wir es nicht in die Kirche schaffen, so können wir auch täglich geistig kommunizieren. In der geistigen Eucharistie ist Jesus selbst der Spender, der Priester. So hat es für mich funktioniert: Wir imaginieren folgenden Text und stellen uns vor, dass Jesus uns selbst das Brot und den Kelch reicht und wir das Brot und den Wein schlucken (ich bete immer, wie beim 10. Rosenkranzgeheimnis, das Ave Maria währenddessen). Es ist eine Mischung aus Matthäus 26 und der katholischen Eucharistievorbereitung. In der katholischen Messe werden wir durch das Klingeln genau auf diesen Moment hingewiesen.
Das Abendmahl
Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte:
„Gepriesen bist du Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Wir bringen dieses Brot vor dein Angesicht, damit es uns das Brot des Lebens werde, mein Leib. Gepriesen bist du in Ewigkeit, Herr, unser Gott”.
und brach’s und gab’s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte: „Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns den Wein, die Frucht des Weinstocks und der menschlichen Arbeit. Wir bringen diesen Kelch vor dein Angesicht, damit er uns der Kelch des Heiles werde, das Blut Jesu Christi. Gepriesen bist du in Ewigkeit, Herr, unser Gott.” Er gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, das ist mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis.“
Von Finisterra sind wir mit dem Bus nach Noia gefahren, denn in Noia biegt der Bus von der Küstenstraße nach Santiago de Compostela ab. Die Strecke von Noia nach Padrón, dem ersten Ort auf dem Camino Portugués, ist ungefähr genauso weit wie der Weg von Santiago nach Padrón – so sahen wir es auf der Karte. Genauso weit stimmt so ungefähr, aber das Höhenprofil war deutlich unterschiedlich. Von Noia an ging es bergauf, encima, meist durch den Wald. Und immer wieder dachten wir, jetzt sind wir langsam oben angekommen. War aber nicht, es ging immer wieder weiter. Immer wieder tauchten neue Höhen vor uns auf, die vorher verdeckt waren: durch den Wald, durch die Hügel davor. Ich taufte diesen Berg „Montaña de Engaño“[1], Berg der Täuschung. weil: Immer denkt man, man hätte es geschafft mit dem Aufstieg, doch: getäuscht! Immer noch nicht! Die besondere zeitliche Position unseres Montaña de Engaños zwischen Camino Francés und Camino Portugués zeigte auch, was ein Abweichen vom Weg für uns bedeutete: unnötige Mühsal.
Nun, Montañas de Engaños hatte ich in den letzten Jahren häufig erlebt. Viel gemacht, wenig erreicht, immer wieder tauchten neue Herausforderungen vor mir auf, geruhsame, entspannte Zeiten gab es nicht. Angekommen war ich noch nicht. Würde es jetzt bald passieren, nach dem Camino? Passiert es eigentlich überhaupt irgendwann? Bei einem Vortrag über innere Heilung durch Jesus hörte ich einen ähnlichen Vergleich von einem bekannten charismatischen Priester. Man möchte eine Tasse Tee trinken, setzt die Tasse an die Lippen, aber der Tee fließt nicht aus der Tasse, der Tee gerät nicht in unseren Mund, was immer wir auch tun.
Die Ursache für dieses Geschehen im Leben nannte er teuflische Bindung, die Ursache für teuflische Bindung im Leben: Todsünde[2]. Was ist wichtig: Wer diese Situation auch in seinem Leben kennt, der sollte intensiv nachschauen, wo er sich wissentlich, absichtlich und mit freien Willen in etwas hineinbegeben hat, was nicht mit Gottes Willen übereingestimmt hat, was nicht Liebe war. Zu den größten Sünden gehören biblisch Mord, Ehebruch und Abfall von Gott, schwere Verleumdung und Verweigerung von Hilfe in Lebensgefahr. Nicht nur Abfall von Gott, das muss ich zugeben, ist in meinem Leben passiert. So prüfe sich ein jeder, der Montañas de Engaños im Alltag schon kennen gelernt hat, ob nicht eine solche Ursache vorhanden sein kann, egal was für eine Abweichung vom Weg. Dieser Ursache auf die Spur zu kommen kann unserem Leben eine gewaltige Wendung verschaffen, das nur als kleiner Rat am Rande.
Gott ist nicht der Verursacher von Leid, das schaffen wir selbst mit unseren Gedanken, die der Widersacher dann verstärkt in seine Zielrichtung lenkt, um es immer trüber, schwieriger und in unserem Falle heißer – was haben wir an diesem heißen Sonntagnachmittag geschwitzt – werden zu lassen. Aber Er lässt es geschehen, wenn es uns insgesamt wieder auf Seinen Weg führen kann.
Für unsere erste Abweichung vom Camino in Frankreich hatte er uns – als Pilgeranfänger – einen Schutzengel, nämlich Blanco geschickt, hier war der Montaña de Engaños seine Mahnung, auf dem Wege zu bleiben. In Padrón waren wir wieder auf dem Camino und hier zu bleiben, das wurde mir immer wichtiger! Und noch ein drittes Mal haben wir den Camino verlassen, nämlich um nach Fátima abzubiegen. Auch hier folgte direkt ein unerwarteter Aufstieg, nämlich der nach Alvaiázere. Jeder, der am Theater inszeniert, kann da doch nur blass werden, oder? Allerdings auch alles Hazañas!
Nächster Artikel: Verantwortung und Konsequenz
[1] Engaño ist auch eine Figur bei der Salsa, ein Antäuscher, wo der Mann so tut, als würde er seinen Arm um die Frau legen, dann aber schnell den Arm wieder zurücknimmt, um die nächste Figur einzuleiten.
[2] Es gibt eine neue Aufstellung von Todsünden für die heutige Zeit, die von dem Bischof Gianfranco Girotti veröffentlicht wurde: Handel und Konsum von Drogen, Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Umweltverschmutzung, Abtreibung, Genmanipulationen, Profitgier, exzessiver Reichtum/Luxus. Klingt mir durchaus gut beobachtet..
Womit viele Menschen heute wahrscheinlich mehr anfangen können, das ist das Konzept von Verantwortung = Antwort für/auf etwas geben und Konsequenz = was auf etwas folgt, was mit etwas folgt. Vergessen wir das ganze Strafkonzept, das Kopf einziehen, die Schuldgefühle und das Verstecken, die Abscheu vor dem Wort Sünde und all seiner schreckensbesetzten Konnotationen! Stehen wir auf, stehen wir dazu.
Wenn ich etwas getan habe, und es war nicht richtig, dann kümmere ich mich aktiv um die Konsequenzen, um die Dinge wieder in Ordnung, auf den richtigen Weg zu bringen. Dies tilgt den Fehler am schnellsten, die Last verschwindet; und es ist viel leichter als ein bleibendes Schuldgefühl. Wir brauchen einfach nur den Mut, auf den anderen zuzugehen und alles zu klären. Ganz sicher: danach fühlen wir uns besser, Kommunikation hilft. Und eine Umarmung auch. Strecken wir immer wieder die Hand zum Paz Christi, zum Friede sei mit Dir, zum Friede in Jesus Christus aus.
Verantwortung heißt generell, für das eigene Handeln einzustehen und immer wieder an den Kreuzungen des Lebens mit Ihm die Frage zu klären: Was ist die beste Antwort für alle Beteiligten auf die aktuelle Situation? Folgen wir Ihm, sind wir auf dem richtigen Weg. Konsequenz heißt dann auch: Ich habe verstanden, dass etwas kein guter Weg war und lasse es von nun an – konsequent. Ich habe verstanden, was das Wesen von Gottes Reich ist und setze es kontinuierlich um – konsequent.
Darüber hinaus ist es wichtig, sich nicht auf die Schuld zu fixieren und ständig sein Leben auf Gedanken über Sünde zu fokussieren, sondern viel besser auf das, was wir gut und göttlich machen, wie wir dorthin kommen, auf den guten Weg. Bleiben wir nicht auf dem Bauch und im Schmutz liegen, wenn wir gefallen sind. Stehen wir lieber auf und schauen wir jeden Tag dahin, was uns gelungen ist, was uns und andere weiter gebracht hat, verschieben wir unseren Handlungsfokus hier hin, auf die gute Botschaft, auf das, was die Früchte des Heiligen Geistes hervorbringt.
Genau das ist auch wichtig in der Kindererziehung. Wenn ich mich auf die Fehler meines Kindes konzentriere, darauf achte, dass es nichts falsch macht, dann mache ich es nervös, dann haben wir zwei ständig Stress miteinander und weder in mir noch in meinem Kind wächst ein positives Selbstbild. Viele kennen das mit den Sprüchen „lass mich das machen, das kannst du ja eh nicht“, „lass es lieber, das schaffst du nicht“, „mach bloß keinen Fehler“ oder „wehe, wenn du einen Fehler machst“ oder das Androhen von Strafe, wenn Fehler gemacht werden. Ein Kind mit einer solchen Erziehung bleibt unselbständig, entwickelt wenig Selbstbewusstsein, wird wenig ausprobieren, hat Lebensangst und kann nur schlecht Entscheidungen treffen.
Wir beten daher auch das Ende des Ave Maria im Rosario zu vielen Zeiten auch anders, nämlich als positive Einstellung zum Leben und zum Umgang mit der Sünde. Statt „Bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes“ beten wir „Bitte für uns, die wir Kinder Gottes sind, jetzt und in der Stunde unseres Überwindens von Sünde, Krankheit und Tod.“ In diesem Moment stellen wir uns aktiv in das Gute, indem wir uns als Kinder Gottes verstehen. Gottes Name ist: Ich bin, der ich bin (da). Auch wir können immer wählen, wer wir sind!
Auch wir können uns immer weiter von der Sünde lösen und alle unsere Antennen auf GUT einstellen. Sich mit dem Bösen nicht beschäftigen und es nicht direkt bekämpfen, denn auf seinem Feld hat es immer mehr Erfahrung als wir[1]. Sicherer ist es, das Böse indirekt bekämpfen durch konsequenten Fortschritt im Guten! Wir fokussieren uns nicht ständig auf unseren Tod, sondern auf all die Zeit, in der wir es schaffen können, zu lieben statt eine Sünde zu begehen, in Seinem Willen zu bleiben, auf dem Weg der Liebe zu bleiben und nicht krank zu werden oder unsere „Gäste“ freundlich und zügig wieder zu verabschieden. Wir orientieren uns auf die Zeit unserer Auferstehung in ein ewiges Leben.
Während meiner Heiler-Ausbildung lernte ich eine Frau kennen, mit der ich mich anfreundete. Wir beide hatten schwierige Lebensphasen, sie stieg gerade nach 6-jähriger Elternzeit wieder in ihren Beruf als Zahnärztin ein. Auch sie hatte in ihrer Kindheit oft den Satz „lass es lieber…“ „das schaffst du eh nicht“ gehört und ihr Selbstvertrauen in ihre beruflichen Fähigkeiten war in diesem Moment sehr gering. Jeden Abend telefonierten wir in dieser Zeit – mindestens eine Stunde. Sie berichtete mir von ihren Startschwierigkeiten. Und immer wieder fragte ich sie dann: „Und, was ist dir heute gut gelungen?“ Und wenn sie es nicht wusste, dann fragte ich beispielsweise scherzhaft: „Na, du wirst doch wohl ein Glas sauber mit Wasser gefüllt haben und deinem Patienten hingestellt haben, ohne zu kleckern“. Und dann war sie dran zu erzählen, was sie gut gemacht hatte. Von Tag zu Tag fiel ihr mehr ein.
Aus dieser Fokussierung auf die guten Erinnerungen und die positiven Leistungen wuchsen innerhalb weniger Wochen ihr Selbstbewusstsein und natürlich auch ihre Leistungen, zum einen, weil sie was Gutes zum Erzählen haben wollte und zum anderen, weil ihre Unsicherheit von Tag zu Tag abnahm und sie daher ihre Hände viel sicherer führen konnte. Sie entspannte sich, ihre Körpersprache änderte sich, auf ihre Patienten wirkte sie von Tag zu Tag kompetenter und sie traute sich mehr und mehr zu. Sie entdeckte, dass der Arzt, in dessen Praxis sie mitarbeitete, auch nur „mit Wasser kochte“, und sie sich neben ihm und seiner langjährigen Erfahrung mit ihren Fähigkeiten nicht verstecken musste. Heute ist sie eine freundliche, kompetente und beliebte Ärztin, die mit schlafwandlerischer Sicherheit ihre Patienten versorgt, ihren Patienten im Nu die Angst nehmen kann und auch vor schwierigen „Renovierungen“ nicht zurückschreckt.
Denn darum bitten wir: „Schau nicht auf unsere Schuld, sondern auf den Glauben deiner Kirche und schenke ihr nach deinem Willen Einheit und Frieden.“
Nächstes Kapitel: Der Sinn von Armut und Fülle
[1] Einfach mal die Versuchung Jesu in Matthäus 4 lesen, ein schönes Beispiel, wie er sich konsequent vom Spielfeld des Satans begibt. Ebenfalls interessant: Der Satan kann die Bibel auch zitieren…
Als wir den Camino Portugués wanderten, erreichten wir in der Nacht in Ponte de Lima einen gefühlsmäßigen Tiefpunkt. Wir kamen eigentlich rechtzeitig in dieser schönen Stadt an, an die ich gute Erinnerungen hatte, weil ich dort vor 15 Jahren einmal mit meinem Ex-Ehemann einen entspannten Tag verbracht hatte, an dem ich auch den wunderbaren Vinho Verde aus Ponte de Lima kennen gelernt hatte.. Doch wir fanden keine Unterkunft.
Es sollte eine Behelfsherberge geben, so hatten die Altherrenpilger uns in dem Büchlein gezeigt. Wir fanden keinen Hinweis darauf. Das Tourismusbüro war schon zu. Die Bombeiros Volontarios nahmen hier keine Pilger auf, die örtliche Jugendherberge, zu der wir noch 2,5 km laufen mussten, war uns mit 11 Euro pro Person viel zu teuer. Nach der 40-km-Etappe mit strammen Aufstiegen wollten die Füße einfach nicht mehr, und dafür hatten wir uns extra die Beine so lang gelaufen. Wir liefen am Rio Lima den breiten Platanenweg wieder zurück. Nach der vergeblichen Suche wollten wir zumindest wissen, wo denn unsere Pfeile für den nächsten Morgen waren, also zur Brücke zurück, wo der letzte Pfeil sein musste, dann zur Kirche zum Abendgottesdienst, vielleicht würde es dort Hilfe geben. Nach der Messe fragten wir eine Nonne, die konnte uns auch nicht helfen, der Pfarrer war in Sekundenschnelle verschwunden. Es war schon kurz vor acht Uhr, wir mussten zumindest noch etwas zum Abendessen einkaufen Schinken gab’s für mich und den fantastischen, örtlichen Limiano-Käse für Santiago, dazu leider nur „Pan Rico“. Das bedeutet eigentlich „reiches“ oder „leckeres Brot“, in Wahrheit ist es aber wabbeliges Tütenweißbrot.
Wieder zurück zum Platanenweg! Immer wieder kamen wir hier vorbei. Als ich das letzte Mal in Ponte de Lima war, hatten wir in dem modernen Hotel direkt dort bei den Platanen übernachtet, einfach die Kreditkarte gezückt, bezahlt und waren dann noch lecker Essen gegangen, hatten Wein gekauft, wie man es als Tourist so macht. Damals arbeitete ich noch bei HP, hatte ein sechsstelliges Jahresgehalt, wir waren mit meinem großen Mercedes-Dienstwagen unterwegs. Was für ein Unterschied, das wurde mir in diesen Stunden immer wieder bewusst. Jedoch nicht, dass ich dieses Leben zurück haben wollte…was ich gerade erlebte, war so viel bedeutungsvoller, gerade dieser Punkt der Strecke enthielt für mich ein Lehrstück Gottes der Extraklasse!
Psalm 57 (Lutherbibel 1984): 3 Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten, zu Gott, der meine Sache zum guten Ende führt.
Wir entschlossen uns, unsere die Flechas für den nächsten Tag zu suchen, um an der Strecke irgendwo uns ein Plätzchen zum Schlafen zu finden. Doch bald war es zu dunkel, wir sahen die Pfeile nicht mehr. Wir suchten uns also einen vor Entdeckung geschützten Platz zum draußen schlafen und fanden ein verwaistes Grundstück, in dessen Zaun wir ein großes Loch entdeckten. Wir kletterten hindurch, bereiteten uns unter Büschen ein Lager. Bei unserem Aufbruch entdeckten wir, dass es das Gelände des stillgelegten Klärwerkes war…
Gegen ½ 4 Uhr morgens wurden wir von Regentropfen geweckt. Schnell packten wir unsere Sachen, damit unsere Sachen von dem sandigen Boden nicht schmierig-matschig würden, und gingen zurück zum letzten Pfeil. Etwas zurück, am Platanenweg, war ein Haus gewesen, an dem Kerzen brannten, und wo wir den letzten Pfeil gesehen hatten, vielleicht gab es dort einen Unterschlupf, so war uns zumindest. Aber Fehlanzeige! Wir setzten uns auf eine Bank unter den Platanen und deckten uns mit den Schlafsäcken zu, um im Sitzen noch ein wenig zu schlafen. Eine Zeitlang waren die mächtigen Bäume ein guter Regenschutz, doch irgendwann wurde der Regen zu stark und fand seinen Weg durch das Blätterdach. Ganz in der Nähe führte die neue Autobahnbrücke über den Lima. Und so kamen wir dazu, tatsächlich unter einer Brücke zu schlafen – auf einem winzigen Rasenplatz neben ein paar Büschen, direkt neben dem Weg, nur wenig von den Blicken möglicher Vorbeigehender verborgen.
Zum Glück fanden wir beide noch 2 Stündchen Schlaf. Am Morgen, einem Samstag, brachen wir sehr früh auf, fanden unsere Pfeile wieder und machten uns auf den Weg. Wir hatten kein Brot mehr und unser Hunger auf Frühstück wuchs. Alles, was wir noch hatten, waren ein paar Schlucke Wasser, Santiago ein paar Scheiben Limano-Käse und ich 2 – 3 Scheiben Schinken. Auf der Suche nach einer Toilette fanden wir einen winzigen, uralten Laden mit Café an der Straße. Es war gar nicht ganz klar, ob er offen war oder nicht, doch ich ging hinein. Und dort erstand ich für 1,63 Euro eine Flasche Ananas-Saft, zwei Pfirsiche und – die letzten vier Brötchen, wirklich das allerletzte Stück Brot, was noch da war. Ich war so glücklich und wurde so euphorisch nach dieser Nacht – über vier Brötchen. Ich freute mich den ganzen Morgen, wir frühstückten auf einer Mauer am Wegesrand, lachten, scherzten und waren unseres Lebens wieder froh. Vier Brötchen haben unseren ganzen Morgen in die gleißende Sonne des Frohseins getaucht. Vielleicht kann man sich das nicht vorstellen, wenn man das nicht erlebt hat, doch so viel Glück für „eigentlich so wenig“ zu erleben – das war ein unvergessliches Erlebnis, ich lernte das Kleine wertzuschätzen, weil ich wenig hatte und mir unerwartet ein dringendes Bedürfnis erfüllt war : Unser täglich Brot gib uns heute…
Vor dem Camino hatte ich die letzten Monaten, teils bewusst, teils von oben ‘angeregt’ in Armut verbracht. Auf dem Camino habe ich unterwegs erfahren, dass das Leben trägt. Wenn ich nichts anderes habe, als mich selbst, dann kann ich nur mich geben. Phasen der Armut haben im Leben einen segnenden Effekt, wenn man sie mit Freuden annimmt und dadurch das Reich Gottes hier auf der Welt erfährt. Das kann man an unserem Aufenthalt in Coimbra und an der Freude über die Brötchen in dem Dorf nach Ponte de Lima erfahren und in dem Geschenk der Weintrauben auf dem Weg.
Wir haben in Portugal nur noch in karitativen Einrichtungen geschlafen, die am Weg auftauchten, bei der freiwilligen Feuerwehr, in Gemeindehäusern, im Kloster etc., und haben keinen Pfennig mehr für Übernachtung ausgegeben, trotzdem haben wir nur einmal draußen geschlafen. Wir haben oft etwas zu Essen geschenkt bekommen und der Höhepunkt war in Coimbra, wo wir (sogar) zwei Tage (pilgerunüblich!) in der Casa de Abrigo bei Vollverpflegung verbracht haben, im Armenhaus. Wir wurden darin trainiert, dass schon alles da ist, was man wirklich braucht und zwar genau zu dem Zeitpunkt, wo man es braucht. Wir haben tatsächlich Gottes Reich erfahren dürfen. Und wir waren an diesem Ort unheimlich glücklich. Für die anderen Bewohner des Heimes waren wir sicher auch eine besondere Erfahrung, nämlich dass es Hoffung gibt, das man einfach so auf dem Weg zu einem Ziel jenseits der Angst unterwegs sein kann, erfüllt, dankbar, zufrieden, liebevoll und miteinander vertraut.
Nach der Rückkehr von meiner Pilgerreise kam es natürlich darauf an, diese Erkenntnis auch im Alltag umzusetzen und das ging erstmal gründlich schief, ich bin kurzfristig in meinen alten Trott verfallen, habe mich ehrlicherweise dabei immer wieder selbst ausgetrickst, weil ich nicht vertraut habe. Doch dann lernte ich, und es wurde langsam, ein stetiger Weg aufwärts. Und: Erkennend über sich selbst lachen ist gesund!
Markus 10 (Lutherbibel 1984)
17 Und als er sich auf den Weg machte, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? 18 Aber Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein. 19 Du kennst die Gebote: »Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst niemanden berauben; ehre Vater und Mutter.« 20 Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. 21 Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach! 22 Er aber wurde unmutig über das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter. 23 Und Jesus sah um sich und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen! 24 Die Jünger aber entsetzten sich über seine Worte. Aber Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie schwer ist’s, ins Reich Gottes zu kommen! 25 Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme. 26 Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann dann selig werden? 27 Jesus aber sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist’s unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.
Das will ich gern wiederholen: aber bei Gott sind alle Dinge möglich. Mit jedem Unglauben reißen wir sein Reich wieder ein Stück ein. Hier ist die Entscheidung zu treffen. Jeder hat vielleicht einen versteckten Grund, nicht daran zu glauben, dass bei Gott alle Dinge möglich sind, doch das sollten wir mit aller Kraft herausfinden und daran arbeiten, diesen Glauben zu wandeln.
Bei mir hat es sich herausgestellt, es war ein Erlebnis in der Kirche, als meine Eltern zum Abendmahl nach vorn zum Altar gingen und mich – die ich wirklich gerne mitwollte – nicht mitnahmen und mich bei meiner Tante ließen mit den Worten: Das ist (noch) nichts für dich! Daraus machte ich eine erdachte Welt: Gottes Nahrung ist für andere, aber nicht für mich. Ein großes Gefühl von abgekoppelt sein, mir wurde Gottes Nahrung / Gottes Welt vorenthalten und ich war in Gottes Welt fehl am Platz, sie ist für andere, nicht für mich. Darüber war ich auch schwermütig, fühlte mich übersehen und gleichzeitig wutentbrannt.
Der Erzengel Michael hat mich wieder in Gottes Welt eingeladen mit den Worten: In Gottes Welt bist du erwünscht, ersehnt und sehr willkommen. Des Vaters Haus hat viele Wohnungen und an seiner Tafel ist immer Platz für Dich, ebenso in seiner Kleiderkammer und auch sonst. Ich kann jetzt vertrauensvoll und offen mich in dieser Welt bewegen und sanft mit mir und dieser Welt umgehen. Gottes Nahrung vervollständigt mich, sie erfrischt mich und ich fühle mich mit eingeschlossen und bedacht.
Auch die Apostel bestätigten dies in Lukas 22, 35 (Lutherbibel 1984): Und er sprach zu ihnen: Als ich euch ausgesandt habe ohne Geldbeutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr da je Mangel gehabt? Sie sprachen: Niemals.
Markus 10 (Lutherbibel 1984):
15 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.
Wie ein Kind bedeutet: Das Kind gibt nichts dazu, außer dass es ist, es selbst ist, sich nach seinen eigenen Kräften einbringt. Aber es empfängt doch alles aus der tätigen Sorge seiner Eltern, so wie wir aus der tätigen Sorge Gottes alles erhalten, wenn wir unseren Teil, uns mit unseren Fähigkeiten, in Gottes Welt hineinweben.
Lukas 6 (Lutherbibel 1984):
20 Und er hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer. 21 Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr sollt satt werden.
Für die Dinge, die ich erhalte, gebe ich jedem, fast ohne Dazutun, etwas anderes zurück als Geld, etwas viel Schöneres, etwas, was viel mehr ich bin und aus mir herauskommt. Denn etwas anderes – außer mir selbst – habe ich ja momentan auch nicht zu geben.
Wie ist es also mit Reichtum und Gottes Reich: Wenn man Geld hat und Sicherheit hat, dann kann Gott weniger hervortreten mit seinen Wundern, seinen Gaben. Man sorgt für sich selbst, kauft sich Sicherheit und der Zufall hat weniger Chance einen zu überraschen. Man braucht Gottes Reich nicht zu erfahren und tut es daher nicht in dem Maße wie der, der darauf angewiesen ist.
Die Freude, das intensive Glücksgefühl über eine Nacht in einem Bett, ein warmes Essen – wer hat die schon, wenn er wohnt, ein Bett hat, und sich jeden Abend dort schlafen legt. Wer aber kein Bett besitzt, eines bekommt und dort warm und weich schlafen kann, ist voll des Glücks. Ich freue mich jeden Tag darüber, hier wie auch in der Zeit auf dem Camino.
Man bittet nicht, man ruft nicht Gott um Hilfe, sondern man löst das Problem mit Geld, indem man etwas kauft, jemanden bestellt oder bezahlt. Wenn man aber darauf angewiesen ist, sich auf die Welt bzw. Gott zu verlassen, dann wird „der Tag auch für sich selbst sorgen“, wenn man sich gleichzeitig selbst um Gottes Reich bemüht, dort, in die gemeinsame Geldbörse des Himmels „einzahlt“. Da ist ja dann genug da!
Lukas 12 (Einheitsübersetzung):
33 Verkauft eure Habe und gebt den Erlös den Armen! Macht euch Geldbeutel, die nicht zerreißen. Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, droben im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst. 34 Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
Ganz automatisch wird durch das Erfahren des Reiches Gottes in einem selbst der Wille angefacht, auch ein Teil dessen zu sein, ebenfalls freiwillig zu geben und seine tief empfundene Dankbarkeit zu zeigen. Wenn Jesus sagt: eher wird eine Kamel durch ein Nadelöhr gehen, als dass ein Reicher in Gottes neue Welt geht, dann darum, weil ein Reicher das Gefühl der Dringlichkeit eines Bedürfnisses nicht so erfährt wie ein Armer und auch nicht das Glücksgefühl, wenn dieses Bedürfnis erfüllt wird. Paulus sagt dazu in seinem 1. Brief an Timotheus, 6 (Übersetzung Neues Leben):
17 Sag allen, die in dieser gegenwärtigen Welt reich sind, sie sollen nicht stolz sein und nicht auf ihr Geld vertrauen, das bald vergehen wird. Stattdessen sollen sie ihr Vertrauen auf den lebendigen Gott setzen, der uns alles reichlich gibt, was wir brauchen, damit wir uns daran freuen und es genießen können. 18 Fordere sie auf, ihr Geld zu nutzen, um Gutes zu tun. Sie sollen reich an guten Taten sein, die Bedürftigen großzügig unterstützen und immer bereit sein, mit anderen zu teilen, was Gott ihnen gegeben hat.
Wichtig ist: es geht nicht darum, dass irgendwann jemand sagt: hier und ab jetzt ist das Reich Gottes da, ab jetzt sorgt Gott für mich, sondern dass der Mensch selbst entscheidet und dann selbst erfährt und merkt: Gottes Reich ist da, ich fühle es, ich lebe drin und ich stehe voll in seiner Fürsorge, ich verlasse mich darauf. Die eigene Hand aufmachen und die weltliche Sicherheit loslassen, um so mit dieser Hand Gottes Hand zu ergreifen und auf Seine Sicherheit setzen. Wer sich um Gottes Reich sorgt und dafür arbeitet, sich dafür einsetzt, jeder auf seine ganz persönliche Weise und es muss nicht mit Geld sein, für den wird gesorgt, sofern man Gottes Reich es tun lässt. Als Arme bekommen wir die reale Chance, dass das Vertrauen und der Glaube in Gottes Reich durch tatsächliche, tägliche Erfahrung sich festigen können.
Lassen wir Johannes den Täufer hier das letzte Wort haben, auf die Frage, was wir tun können in Lukas 3 (Lutherbibel): 7 Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? 8 Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. 9 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 10 Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun? 11 Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso.
Nächster Artikel: Existentielle Sorgen und der rechte Zeitpunkt
Es mag für uns erstmal eine riesige Angst bedeuten, in diese so andersartige Welt zu gehen und wir mögen uns viele Sorgen machen, doch ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass das Wichtige immer genau zum richtigen Zeitpunkt da ist, nicht vorher und nicht später. Dazu nochmals diese Geschichte:
Als wir aus Porto rauswanderten, waren wir beide nicht in sehr großer Laufstimmung. Wir hatten unsere gelben Pfeile ganz schnell verloren und liefen auf der Landstraße. Zwischen den Orten war kaum Wald, Feld oder Wiese, alles wirkte wie eine lang gezogene Ortschaft entlang der Landstraße. Der Verkehrslärm ermüdete mehr als alles andere, eine kilometerlange Baustelle begleitete uns und schon am Nachmittag war ich des Laufens wirklich müde. Das Wetter trübte sich ein und alles wurde grau. Wir gingen durch das Städtchen Lourosa. Nachmittags um vier entdeckte ich auf der anderen Straßenseite die Bombeiros Volontarios, die freiwillige Feuerwehr. Ich fragte Santiago, ob wir es da mal probieren wollten, war aber auf eine Absage gefasst, weil es erst vier Uhr nachmittags war. Doch er ging mit mir über die Straße und wir fragten, ob wir dort übernachten konnten.
Wir bekamen grünes Licht und noch bevor wir unseren Raum gezeigt bekamen, einen unbenutzten Gemeinschaftsraum mit Bar und Schaumstoffmatratzen auf dem Fußboden, kam der Kommandante zurück und fragte uns, ob wir etwas essen wollen. Er ging mit uns schnell in das zum Komplex gehörige öffentlich bewirtschaftete Casino der Bombeiros, um uns dem Koch Elia vorzustellen. Als wir dabei zwei, drei Schritte ins Freie traten, da regnete es schon in Strömen. Es regnete die ganze Nacht durch wie aus Eimern bis morgens um fünf. Die Hilfe von oben kommt immer im richtigen Moment! Denn wäre die Feuerwehr früher da gewesen, hätten wir wohl noch nicht anhalten wollen, wäre sie später gekommen, wären wir klitschenass geworden. Wenn man sich keine Sorgen macht, dann kann man unbeschwert laufen und ist aufmerksam genug, genau das zu finden, was man braucht. Und: es gab ein dort Fernseher mit Fußball (Champions League) für Santiago, was er sich schon lange gewünscht hatte.
Wenn wir ständig in Sorge sind, dann machen wir uns nur selbst fertig und verpassen unsere Wegweiser.
Nochmals: Was wir wirklich brauchen, kommt zum rechten Zeitpunkt.
Nicht zu früh, nicht zu spät.
Sorge Dich nicht, lebe im Augenblick!
Wenn wir zu früh etwas haben wollen, belasten wir uns unnötig.
wenn wir nicht im Moment leben, präsent sind, dann verpassen wir,
was für uns ist.
Woher weiß ich, dass es der richtige Zeitpunkt ist? Weil da ist, was ich brauche. Woher weiß ich, dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist? Weil das, was ich brauche, nicht da ist und/oder etwas anderes ansteht. Wir brauchen Armut und die Akzeptanz dafür, um zu erfahren, dass es auch ohne die vielen Silberlinge geht. Wenn wir etwas brauchen, dann ist es oder Geld dafür da, wenn nicht, ist es nicht die Zeit dafür oder es geht auch anders und wir sind gehalten, dieses “anders” zu finden. Und es gibt auch das “Bitte und es wird dir gegeben, klopfe an, und es wird dir aufgetan”, was wir auch ausprobieren sollten.
Beispiel: Wir können unsere Miete nicht zahlen und sind auf einer anderen Ebene vielleicht einsam und allein, vielleicht einfach auch nur frustriert oder deprimiert aus obigen Gründen, nehmen die Einsamkeit aber nicht wahr. Dann kann uns das zeigen, dass wir unsere Miete lieber mit jemandem teilen oder unsere Eltern zu uns nehmen sollten, bei jemand anderem einziehen, eine WG gründen, aus einer zu großen Wohnung in was kleineres umziehen oder was auch immer…
Seien wir kreativ, schauen wir uns die ganze Realität an. Wenn das Geld fehlt, was fehlt uns noch oder vielleicht noch dringender? Und wenn eine Lösung mit Geld möglich wäre, welche andere Möglichkeit würde sie uns verstellen, um diese unsere Welt zu einer möglichen, schöneren Welt zu machen, mit mehr Wärme, Menschlichkeit, Freude, Teilen? Welche Fähigkeiten können wir dadurch entwickeln, dass wir das jeweilige Problem nicht mit Geld lösen können, sondern die Dinge selbst in die Hand nehmen oder uns jemanden suchen? Was ist das Gute daran? Dann bringt uns das Nicht-Geld-haben auch etwas, was wir mindestens genauso wenn nicht noch mehr brauchen.
Doch das Handeln aus Existenzangst, dieses sich selbst Verkaufen, etwas wegen des Geldes tun: es kann durchaus sein, dass es sich dabei um eine gemeinschaftliche Trance handelt, eines dieser Gedankenmodelle einer erdachten Welt, das durch alle, die daran glauben, in die Welt gerufen ist – eine Eigenschöpfung, eine Kreation einer großen Gruppe Menschen, fern ab von Gottes Welt. Nehmen wir daran teil und es ist so in unserem Leben, gehen wir voll Überzeugung einen anderen Weg und es ist anders. Wie wir zu der festen Überzeugung kommen? Der Himmel kann uns helfen, er kann uns aus dieser Gedankenwelt umgehend herausführen, uns unsere Dornenkrone abstreifen. Ich bitte darum und – meine Welt ist anders. Denn es ist so:
Lukas 9 (Lutherbibel 1984)
25 Denn welchen Nutzen hätte der Mensch, wenn er die ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst oder nähme Schaden an sich selbst?
Bitte seht mich nicht als zynisch an über das Schicksal von einer Unzahl von Menschen, die auch heute noch verhungern, dazu komme ich später. Ich rede von unseresgleichen, die sich hier arm fühlen oder in ihrer Existenz bedroht, täten sie, was sie gern tun würden. Nutzt die gute Gelegenheit, diese Zeit, Gottes Reich zu erfahren! Doch wenn sich mehr Menschen um Gottes Reich kümmern und füreinander da wären, wenn es das Ungleichgewicht zwischen Über-Fülle und Armut nicht gäbe, dann gäbe es wahrscheinlich auch dies in den anderen Regionen der Erde nicht. Wenn Ihr Eure Armut annehmen und schätzen und lieben lernt und ihre Vorteile und das in ihr erfahrbare Glück erkennt, wird sich das Leben von Grund auf verändern.
Der Grimm’sche Hans im Glück war tatsächlich am Ende im Glück, er hatte alle seine Belastungen verloren und nur noch eines am Leibe, nämlich das, was er in seiner Lehre gelernt hatte und die Erkenntnis, wie belastend Habe ist. Es ist nicht schlimm, Materielles auch in größeren Mengen zu verlieren. Ich habe es erlebt, es war schnell zu verwinden, es war jedes Mal hinterher besser. Es waren Kurskorrekturen, mächtige gelbe Pfeile im Leben. Ich habe mich an Gott und am Sinn festgehalten und an das Gute geglaubt. Er hat sich erwiesen. Es geht mir heute viel besser als in der Zeit, als ich viel hatte, aber auch viel Last damit hatte. Ich kann dazu heute von Herzen sagen: Fürchtet Euch nicht! Ihr werdet einfach etwas anderes erleben. Und sollte jetzt eine Zeit anbrechen, in denen viele Habe verlieren, so sage ich nochmals: Fürchtet Euch nicht, sondern freut Euch, denn Ihr werdet dafür finden, was Ihr lange vermisst habt, ihr werdet Einander finden – Gemeinschaft und Freude im Teilen, im Geben und Empfangen. Und Sorglosigkeit.
Unser Atem fließt durch uns – täglich, ständig. Wenn der Atem fehlt, dann fehlt nach kurzer Zeit das Leben, Atem erhält uns am Leben. Der Luftaustausch findet nach göttlichen Prinzipien statt, es ist immer genug da. Luft kann man nicht besitzen, keinen Grundbucheintrag dafür erwerben, sie für sich behalten, horten oder anderen vorenthalten, keiner hält die Hand auf und sagt: Sie haben geatmet, das kostet jetzt 5 Euro. Luft ist für alle da. Sie strömt überall hin, füllt alles an, jeder bekommt, soviel er braucht.
Atmen ist Austausch, Atem ist Geben und Nehmen, wir nehmen den Sauerstoff und geben das Kohlendioxyd. Und die Pflanzen nehmen das Kohlendioxyd und geben den Sauerstoff. Der Austausch findet automatisch und unreguliert statt. Der Atem wird durch unser Herz an den Körper weitergegeben. Unsere Atemorgane, Lunge und Herz, sitzen gemeinsam im Zentrum des Kreuzes, da, wo sich beide Balken verbinden – im Liebeszentrum. Atem ist Liebe, Atem ist Energie, Atem ist Leben.
Im Griechischen ist Atem das Wort (πνεuμα) pneuma, Nebenbedeutung Hauch, Luftstrom, Leben, Seele, Geist und dieses Wort wird auch für den Heiligen Geist benutzt πνεuμα τò άγιον (pneuma to agion). Der erste Mensch wurde durch den Hauch Gottes zum Leben erweckt: 1. Mose 2 (Einheitsübersetzung).
7 Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.
Atem ist allen frei zugänglich.
Für unseren zweiten Aufnahmevorgang „Essen und Verdauen“ gilt im Prinzip gottgewollt dasselbe. Noch heute lebt zum Beispiel das Volk der Hazda in Tansania so. Diese Erde bietet genügend Nahrung und Ressourcen für alle, und zwar wenn sie allen zugänglich ist und gerecht verteilt werden. Wenn jeder bekommt, was er b(r)aucht. Haben wir teil am Geist Gottes, so wissen wir einfach, die Welt, die ist für uns alle gemacht. Kleines Beispiel: Es gibt eine Torte auf dem Tisch, für jeden ist ein Stück da. Was denken wir, wenn einer sich ¾ der Torte nimmt und die restlichen 11 Leute sich ein Drittel der Torte zu teilen haben. Da kriegten wir große Augen und ein massives Ungerechtigkeitsgefühl und blieben hungrig, wenn wir zu den 11 gehören würden. Und der Eine kriegt Völlegefühl und mindestens eins auf die Pfoten. Leicht zu verstehen, oder? Zu den 11 gehören übrigens nicht nur die Armen dieser Welt, sondern vor allem unsere Kinder und Kindeskinder, denen wir schamlos „die Torte wegfressen“.
Was zurzeit besteht, ist ein großes Ungleichgewicht, eine große Ungerechtigkeit: 25 % aller Kinder in den USA waren lt. WHO in den 90er Jahren übergewichtig, weltweit sind 22 Millionen Kinder unter 5 Jahren übergewichtig. Dafür sterben 6 Millionen Kinder jährlich an den Folgen von Hunger und Unterernährung, alle 6 Sekunden eines, in 2008 sind laut UNO ca. 100 Millionen Menschen jährlich an Hunger gestorben.
Es ist wohl nicht gerechtfertigt, einen über den Eigenbedarf hinausgehenden Teil dieser Erde für sich selbst zu beanspruchen. Diese Welt gehört Gott, damit allen Menschen, daher ist Besitz, der über die persönlichen Grundbedürfnisse hinausgeht, an sich wohl kein erwünschter Zustand, kein gerechter Zustand.
In 3. Mose 25,23 (Gute Nachricht Bibel) ist von Gott zu vernehmen:
23 Besitz an Grund und Boden darf nicht endgültig verkauft werden, weil das Land nicht euer, sondern mein Eigentum ist. Ihr lebt bei mir wie Fremde oder Gäste, denen das Land nur zur Nutzung überlassen ist.
Die Naturvölker wussten das und wissen das, so lebten auch die Indianer in Nordamerika und die Ureinwohner Australiens. Sie folgten der gottgegebenen Nahrung und sahen sich im Recht, vorübergehend einen Ort sorgsam zu nutzen, ihn aber auch wieder freizugeben, ohne ihn auszubeuten. Sie nutzten achtsam, was sie brauchten, ohne zu horten.
„Erst wenn der letzte Baum gerodet,
der letzte Fluss vergiftet,
der letzte Fisch gefangen ist,
werden die Menschen feststellen,
dass man Geld nicht essen kann.“
(kanadische Cree-Indianer)
Und wenn der Besitz dann noch dazu verwandt wird, andere Menschen damit auszunehmen und die Erde auszubeuten, schlägt die Gnade dieser Erde zum Gegenteil um. Der Seite www.oekosystem-erde.de entnahm ich diese Information.
„In der Summe betrug der globale Ressourcenverbrauch im Jahr 2002 fast 53 Milliarden Tonnen; für das Jahr 2020 werden 80 Milliarden Tonnen erwartet. Die Jäger und Sammler hatten einen Verbrauch von etwa 1 Tonne natürlicher Rohstoffe pro Kopf und Jahr, der Einwohner eines Industrielandes verbraucht heute zwischen 15 und 35 Tonnen Rohstoffe im Jahr. Da zudem die genutzten Produkte heute in der Regel aufwendig hergestellt werden und während der Kette weitere Rohstoffe verbraucht werden, liegt der Verbrauch in den Industrieländern bei Berücksichtigung dieser Vorstufen tatsächlich sogar zwischen 40 und 80 Tonnen pro Kopf und Jahr.“
Mit welcher Berechtigung plündern wir diese Erde in den jetzigen Generationen aus, wie es nie vorher getan wurde. Weil es möglich ist? Weil wir es brauchen? Brauchen wir wirklich alles, was wir haben? Das sehe ich nicht. Weil es unser Recht ist, weil wir es bezahlen? Wir opfern dem Gott Mammon und erhalten dafür von ihm den Ablass?
Jeder, der sein Herz diesem Thema öffnet, der wird nach kurzer Zeit wissen, dass wir die Welt gerade jetzt im Eiltempo an die Wand fahren, uns selbst gleich mit.
Das, was die meisten hier unter Sicherheit verstehen: ein fester Job, eine geregelte Arbeit, ein Haus, ein Auto, eine Altersversorgung, Horten, Halten, Haben, das ist genau der Weg, Sicherheit gänzlich zu verlieren. Man wiegt sich in Sicherheit, doch was ist, wenn in wenigen Jahren die Wahrheit, die jetzt schon abzusehen ist, eintritt. Was ist diese Sicherheit dann noch wert?
Und macht uns diese Lebensform, das Konsumieren, das Haben denn generell glücklich und zufrieden mit dieser Welt? Eher nein: Der Anteil depressiv-erkrankter Menschen liegt derzeit lt. WHO bei 121 Millionen weltweit, Voraussagen der WHO sehen die Depression als zweitverbreitetste Krankheit in 2020, an Depression sterben jährlich 850.000 Menschen. Doch bekanntermaßen geht die Depressionsrate zurück, wenn die Existenz nicht gesichert ist, das hat sich in Kriegszeiten gezeigt.
Wer immer anfängt, das reichlich vorhandene Datenmaterial über diese Erde auszuwerten, der wird eindeutig zu dem Schluss kommen, dass wir als Menschheit derzeit definitiv nicht auf dem Weg der Liebe sind – im „mehr, mehr, mehr“ kann kein Ziel liegen -, dass wir uns mit offenen Augen und freiwillig in den Untergang hineinsteuern, eben durch
- bewusste Aufrechterhaltung des Hungerelends
- Bewirken und Zulassen von Umweltverschmutzung
- Bewirken und Zulassen der Klimakatastrophe
- unfassbare Ressourcenvergeudung
Es ist fassbar, es ist begreifbar, dass etwas gemacht werden muss, ist es machbar? Können wir den Tanker noch umsteuern?
Ich werde manchmal gefragt, ob wir uns denn ins Mittelalter zurückbegeben sollten. Definitiv nicht! Jetzt, wo wir globale Kooperation entwickelt haben, da ist ein globaler Weg möglich, der vom Einzelnen ausgeht. Keine Inquisition, keine Kreuzzüge, keine Gegner, keine Feinde, keine Schwerter, alle sind im selben Boot und alle wissen jetzt voneinander. Dieser Weg kann sich nur freiwillig, friedlich, gewaltfrei und aus der Liebe heraus entwickeln.
Aus einer Studie der UN-Universität “Weltforschungsinstitut für Wirtschaftsentwicklung“ in Helsinki stammen diese Zahlen (basierend auf Zahlenmaterial aus dem Jahr 2000):
Ein Erwachsener braucht nur 2138 $, um zu den Top 50 der reichsten Menschen der Erde zu gehören, mehr als 61.000 $ werden gebraucht, um zu den Top 10 zu gehören und 510.000 $ ermöglichen die Zugehörigkeit zum Top 1 Prozent der reichsten Menschen der Welt zu gehören.
„Reicher Mann und armer Mann
Standen da und sahen sich an.
Und der Arme sagte bleich:
Wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich.“
(Bertolt Brecht, Gedichte [1933-1938])
Die Schätzung der Reichtumsanteile zeigt auf, dass die reichsten 2 Prozent der Weltbevölkerung mehr als die Hälfte des weltweiten Reichtums besitzen, das reichste Prozent besitzt allein 40 % des Besitzes. Die damit verbundene Zahl für die Top 5 Prozent beträgt 71 % und die Top 10 Prozent beträgt 85 %. Im Kontrast dazu: die unteren 50 Prozent der Weltbevölkerung besitzen kaum 1 % des weltweiten Reichtums. Mitglieder der Top 10 Prozent sind 400 mal reicher im Durchschnitt als die genannten 50 % am unteren Ende der Reichtumsskala, und die Top 1 sind fast 2000 mal reicher. Malen wir doch mal eine Torte:

Reichtumsverteilung in der Welt - Herzlos: Die Hälfte der Menschheit besitzt nur 1 % des Reichtums der Welt
Es gibt zur Zeit ca. 6,8 Mrd. Menschen auf der Erde. Das bedeutet:
- 1 % der Menschheit, d.h. 68 Mio. Menschen behalten das blaue Tortenstück für sich, das ist ungefähr die Bevölkerung von Westdeutschland.
- 2 % der Menschheit, d.h. 136 Mio. Menschen behalten das weinrote Tortenstück für sich.
- 3 % der Menschheit, d.h. 204 Mio. Menschen behalten das weiße Tortenstück für sich.
- 5 % der Menschheit, d.h. 340 Mio. Menschen behalten das grüne Stück für sich.
- 40 % der Menschheit, d.h. 2.720 Mio.Menschen teilen sich das lila Tortenstück.
- Das winzige orangene Tortenstück müssen sich 50 % der Menschheit teilen, d.h. 3.400 Mio. Menschen. Kann einer den Hunger jetzt sehen? Und – warum kriegt hier keiner auf die Pfoten?
Adolf Eichmann, Holocaust-Beauftragter Hitlers, wird dieser Satz zugesprochen: „10 Tote sind eine Tragödie, 100 Tote eine Katastrophe, doch 6 Mio. Tote nur noch Statistik.“ Ist das so, soll er Recht behalten? Auch heute noch? Wir regen uns über den Holocaust und den Völkermord an den Juden im 3. Reich auf und lassen jährlich genauso viele Kinder in dieser Welt am Hunger sterben?
Jemand der es wissen muss, Jean Ziegler, UN-Experte für Ernährung, sagt dazu: “Ein Kind, das heute verhungert, wird ermordet!” Recht hat er! Wir töten durch unser Verhalten. Ein Interview mit ihm hier.
Das zu akzeptieren, das zuzulassen, da nicht drüber sofort in Tränen auszubrechen und dann zu handeln, da haben wir sie nicht mehr alle! Das ist globaler, kollektiver Irrsinn, Wahnsinn, ohne Sinn! Wir haben sie nicht mehr alle, weil nicht alle haben. Wie werden wir gemeinsam zur Besinnung kommen? Wie werden wir gemeinsam aufwachen können? Warum trifft uns das nicht? Woher kommt diese Gefühllosigkeit, diese Hartherzigkeit?
Was gibt uns die Berechtigung für dieses unser Handeln? Weil wir es bezahlen? Geld ist Recht!? Was gibt den Mengen von Kinderschändern die Berechtigung, in Asien mit kleinen Mädchen und Jungen ihre sexuellen Phantasien auszuleben? Weil sie es bezahlen?! Das giergesteuerte Ausnutzen der Bedürftigkeit der Armen: Männer kaufen Frauen, Männer kaufen Männer, Frauen kaufen Männer.
Was gibt Menschen das Recht, weite Teile der Welt Anderen vorzuenthalten? Weil sie es bezahlen?! Wie kann ein Mensch das Recht erhalten, sich herausnehmen, mehr zu nehmen, als er braucht? Dies ist keine Rechtschaffenheit, hier wird mit Geld Recht bezahlt und gekauft. Die ethische Frage wird nur selten gestellt. Jesus in Lukas 16 (Neue Genfer Übersetzung):
14 Das alles hörten auch die Pharisäer, die sehr am Geld hingen, und sie lachten über ihn. 15 Da sagte er zu ihnen: Ihr redet den Leuten ein, dass ihr gerecht seid; aber Gott kennt euer Herz. Denn was die Menschen für großartig halten, das ist in den Augen Gottes ein Gräuel.
Mir auch. Wem noch? Bitte mal Hand hoch…
Lukas 6 (Lutherbibel 1984)
24 Aber dagegen: Weh euch Reichen! Denn ihr habt euren Trost schon gehabt.
Beispielsweise: Was gibt den ausländischen Ölgesellschaften in Ecuador die Berechtigung, den Regenwald und die artenreichen Feuchtgebiete und die Lebensgrundlage indigener Völker durch Umweltverschmutzung zu zerstören? Weil sie bezahlen?!
Matthäus 24 (Lutherbibel 1984): 12 Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.
Von Ordnung ist hier keine Spur. Wann und wie kommt die Welt wieder in Ordnung? Kann sich das irgendeiner vorstellen, kann sich irgendeiner den Weg dahin vorstellen? Also: Wie kann der Tanker umgesteuert werden?
Der Kommunismus – das hat nicht geklappt, aus verschiedenen Gründen, der Kapitalismus und die Marktwirtschaft auch nicht, das ist heute deutlich zu sehen. Wir haben das alles lange genug ausprobiert, um deutlich zu diesem Schluss zu kommen.
Haben wir schon aufgegeben in der Einstellung „Was kann ich denn schon dazu tun, was kann ich denn daran schon verändern?“ Ja, wie kann es geschehen, dass die Menschen, die haben, sich entscheiden, so lange zu geben, bis alle genug haben, nämlich das, was jeder braucht, den symbolischen Denar vom Weinbergsbesitzer, egal, zu welcher Uhrzeit man dort angefangen hat?
Teilen, verteilen, das geht nur freiwillig, aus Liebe, aus Mitleid, aus einem Gerechtigkeitssinn, der alle betrifft, nicht nur das Meine und die Meinen, dem Gefühl heraus, dass Ordnung und Harmonie existiert, wenn alle haben, was sie brauchen. Ich glaube, da haben wir alle noch viel zu lernen, ich nehme mich nicht aus.
Es ist an der Zeit: Ein weltweites, gemeinsames Leben nach den Regeln von Gottes Reich. Die Bedienungsanleitung haben wir schon seit 2000 Jahren im Neuen Testament.
Der Messias war schon da!
Es gibt keinen Grund, es weiter aufzuschieben.
Als ich zurückkam, machte ich mir große Gedanken um mein wirtschaftliches Auskommen, das nach einigen fetten Jahren schon seit 2 – 3 Jahren recht mager gewesen war. Da ich nun in der Nachfolge leben wollte, kam ich in einen großen Konflikt mit meinem Gewissen und einigen Passagen aus dem neuen Testament:
Johannes 2 (Lutherbibel 84)
14 Und er fand im Tempel die Händler, die Rinder, Schafe und Tauben verkauften, und die Wechsler, die da saßen.15 Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern und schüttete den Wechslern das Geld aus und stieß die Tische um 16 und sprach zu denen, die die Tauben verkauften: Tragt das weg und macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhaus!
Matthäus 10 (Einheitsübersetzung)
1 Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen…5 Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samariter, 6 sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. 7 Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. 8 Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben. 9 Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel. 10 Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Unterhalt. 11 Wenn ihr in eine Stadt oder in ein Dorf kommt, erkundigt euch, wer es wert ist, euch aufzunehmen; bei ihm bleibt, bis ihr den Ort wieder verlasst. 12 Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wünscht ihm Frieden. 13 Wenn das Haus es wert ist, soll der Friede, den ihr ihm wünscht, bei ihm einkehren. Ist das Haus es aber nicht wert, dann soll der Friede zu euch zurückkehren. 14 Wenn man euch aber in einem Haus oder in einer Stadt nicht aufnimmt und eure Worte nicht hören will, dann geht weg und schüttelt den Staub von euren Füßen.
Apostelgeschichte 8 (Lutherbibel 84)
9 Es war aber ein Mann mit Namen Simon, der zuvor in der Stadt Zauberei trieb und das Volk von Samaria in seinen Bann zog, weil er vorgab, er wäre etwas Großes. … 13 Da wurde auch Simon gläubig und ließ sich taufen und hielt sich zu Philippus. Und als er die Zeichen und großen Taten sah, die geschahen, geriet er außer sich vor Staunen. …. 17 Da legten sie die Hände auf sie und sie empfingen den Heiligen Geist. 18 Als aber Simon sah, dass der Geist gegeben wurde, wenn die Apostel die Hände auflegten, bot er ihnen Geld an 19 und sprach: Gebt auch mir die Macht, damit jeder, dem ich die Hände auflege, den Heiligen Geist empfange.20 Petrus aber sprach zu ihm: Dass du verdammt werdest mitsamt deinem Geld, weil du meinst, Gottes Gabe werde durch Geld erlangt. 21 Du hast weder Anteil noch Anrecht an dieser Sache; denn dein Herz ist nicht rechtschaffen vor Gott.
Mir war nicht klar, wie ich nun in Übereinstimmung mit dem Wort mein Leben bewerkstelligen sollte, wenn ich mich Vollzeit um die auf dem Camino empfangene Gabe kümmern sollte. Ich hatte keine Rücklagen. Ewig drängelte die Krankenkasse, der Vermieter möchte sein Geld und zu Essen brauche ich auch etwas. Lange Zeit habe ich mich damit beschäftigt, um eine Klärung gebetet. Ich habe viel versucht. Zunächst etwas anderes nebenbei zu machen, was mir als Cash Cow diente. Dann habe ich sehr moderate Preise angeboten und mir überlegt, zumindest den Teil Ausbildung so anzubieten, dass außer eventuellen Raum- oder Sachkosten kein Teilnahmebeitrag fällig wird. Dennoch war der Konflikt noch nicht behoben. Ich fand auch keinen Christen hier, der mir dazu einen Weg aufzeigte, ich sah kein Beispiel An einem Sonntag – das Thema war gerade wieder aktiv, kam im Gottesdienst in der Lesung die Geschichte vom Fallestellen der Pharisäer mit der Steuer.
Matthäus 22 (Einheitsübersetzung)
15 Damals kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. 16 Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen; denn du siehst nicht auf die Person. 17 Sag uns also: Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? 18 Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle? 19 Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin. 20 Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? 21 Sie antworteten: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!
Da stand ich nun mal wieder. Nach dem Gottesdienst, bei meinem Verabschiedungsgebet hörte ich in mir die Worte: Nimm nicht sondern nimm an. Es geht darum, dass ich keine Forderungen stelle, sondern annehme, was ich freiwillig bekomme. Manche wollen mir mehr geben, als ich fordern würde. Doch wenn wir einen Preis festsetzen, untergraben wir das. Wir nehmen ihnen auch die Freude am Geben, weil es zur Pflicht wird. Eine junge Frau mit geringem Einkommen gab mir gern von dem, was sie hatte, und sagte: „Na, dann bezahl ich jetzt für jemanden mit, der sich das nicht leisten kann. Da hab ich auch was Gutes getan.“ So kommen andere mit in den Kreislauf hinein, können sich am wahren Geben beteiligen, nicht am Bezahlen. Das, was wir nicht freiwillig bekommen, ist noch nicht reif für uns, eine saure Traube.
Und das gilt nicht nur für finanzielle Beziehungen, sondern auch für alle anderen Beziehungen.
Nächster Artikel: Parasiten und der Zusammenhalt der Gemeinschaft
Parasiten sind Wesen, die einem Anderen Lebenskraft entziehen, um sich selbst zu stärken. Wir erleben heutzutage bei einem der wichtigsten Nutztiere der Welt, der Biene, einen weit verbreiteten Befall durch den Parasiten Varroa-Milbe. Diese Milben befallen die Brut des Bienenvolkes, indem sie sich von ihrem Leib ernähren, so dass viele missgestaltete Jungbienen entstehen, die durch ihre Behinderung das Volk schwächen. Im Winter gehen aufgrund der Brutpause die Milben auf die erwachsenen Bienen über, indem sie ihren Panzer durchbrechen und ihren Lebenssaft aussaugen. Die Milbe gab es ursprünglich nur in Asien, wo sie hauptsächlich die Drohnenbrut befiel, also die männlichen Bienen, die nach der Begattung der Königin sowieso das Bienenvolk verlässt.
Bienen werden gebraucht für die Bestäubung Äpfeln, Birnen, Beeren wie Himbeeren, Erdbeeren, Johannis- und Stachelbeeren, Gurken, Kirschen, Kürbissen und Melonen, Mandeln, Pfirsichen, Sojabohnen, insgesamt ca. 100 Obst- und Gemüsearten, unseren Grundnahrungsmitteln und Vitalstoff-Spendern. Wenn sie nicht mehr da sind, dann werden lebenswichtige, gesunde Nahrungsquellen einfach entfallen. Der Mensch ist von der Biene weitaus abhängiger als die Biene vom Menschen. Wir hätten ein tödliches Ernährungsproblem. Mehr siehe in diesem Focus-Artikel.
Meine Mutter, inzwischen über 80, lebt seit 30 Jahren freiwilllig in sehr einfachen Verhältnissen. Sie gehörte zu den Aussteigern der frühen 80er Jahre. In der Nachkriegszeit hatte sie eine Ausbildung zur Imkermeisterin durchlaufen, nun wollte sie diesen Teil ihres Daseins, diese Liebe nach ihrer Familienzeit wieder neu aufleben lassen. Mit 50 brach sie mit einem Wohnwagen auf, um auf einer griechischen Insel das Leben in der und mit der Natur zu leben. Sie parkte den Wohnwagen 50 m vom Meer entfernt, dort steht er bis heute, von einer befreundeten Künstlerin mit Olivenbäumen bemalt. Inzwischen sind weitere Räume hinzugekommen: eine Küche aus Natursteinen, ein Holzhäuschen, in dem die Honigschleuder und alle weiteren Bienensachen untergebracht sind, ein begehbarer Blechcontainer zur Aufbewahrung von Werkzeug und Material und ein winziges Einzimmer-Fertighaus als Schlafzimmer in der Sommershitze.
Sie lebt einen großen Teil des Jahres ohne fließend Wasser und Stromanschluss. Das Wasser pumpt sie aus einer nahe gelegenen Quelle. Eine kleine Solaranlage lädt ihr eine Autobatterie für ihre Strombedürfnisse auf, mit Gas aus der Flasche wird gekocht. Die Toilettenverhältnisse sind wie zu Großvaters Zeiten, auch wenn es kein Herz in der Tür gibt. An einem Brunnen wird die Wäsche gewaschen, dort ist auch eine Solardusche installiert: in ein dunkel angemaltes Fass pumpt man das Wasser, das die Sonne zum Duschen zügig aufheizt. Auch hier können wir aus ihrer nun 30-jähriger Erfahrung sagen: Es geht! Auch ein die bürgerliche Zivilisation vollständig gewöhnter Mensch kann dieses Leben zufrieden annehmen.
Viele Jahre erforschte sie hier die biologische Bienenzucht. Als die Bienen durch die Varroa-Milbe befallen wurden, suchte sie nach Möglichkeiten, diesen ohne den Einsatz von Giften zu bekämpfen, damit nicht die Bienen und der Honig in Mitleidenschaft gezogen wurden, was die deutschen Veterinäre vorschrieben. Sie wollte, dass ihr Honig weiterhin Bioqualität aufwies. Sie entwickelte die thermische Behandlung, mit der durch Hitze die Milben so geschwächt wurden, dass sie von den Bienen herab fielen und so aus dem Bienenstock entfernt werden konnten. Sie behandelte ihre Bienen darüber hinaus mit Reiki und stellte auch fest, dass die Anwesenheit anderer Tiere (Kohabitation) einen positiven Einfluss auf die Gesundheit des Bienenvolkes hatte. Ihre griechischen, recht wilden Bienen waren dabei von der Varroa deutlich weniger befallen als die Bienen deutscher Imker, mit denen sie in Kontakt stand. Denn sie veröffentlichte regelmäßig in Bienenzeitschriften und besuchte internationale Bienenkongresse.
Auch weiteren Bienenprodukten wie z.B. Propolis und Bienengift widmete sie sich ausführlich. Propolis ist für den Menschen ein natürliches (Wund)-Desinfektionsmittel und kann bei vielen entzündlichen Prozessen des Körpers genutzt werden. Bienengift kann bei Muskel- und Gelenkschmerzen eingesetzt werden, um durch die Durchblutungsförderung und als Antirheumatikum. Es wirkt blutdrucksenkend, blutverdünnend und beugt Blutgerinseln und als Folge davon Schlaganfällen und Herzinfarkten vor, der Zivilisationskrankheit Nr. 1.
Irgendwann erreichte sie die Erkenntnis, dass die Varroa-Milbe auch ein Gast der Bienen als Botschafter für UNS war. Der wahre Parasit der Bienen ist der Mensch!
Die Imker hatten dem Wildtier Biene über die Jahrhunderte hinweg durch Selektion die Aggressivität und Verteidigungsbereitschaft weggezüchtet, damit sie am Bienenstock einfacher arbeiten konnten. Diese Selektion machte die Biene anfälliger für ihre Feinde und damit auch gegen die Varroa, schwächte insgesamt das Immunsystem der Bienen.
Er nimmt ihnen den Honig und gibt ihnen z.B. billigen Zuckersaft oder Maissirup. Das kann man sich auf uns Menschen übertragen so vorstellen: Wir laufen den ganzen Tag fleißig herum und kaufen für uns und unsere Kinder im Bioladen ganz wunderbares Obst und Gemüse, Brot, Joghurt und Marmelade und verstauen unseren Einkauf sorgfältig in selbstgefertigten Behältern im Kühlschrank. Wenn wir zurückkommen, da finden wir plötzlich in unserem Kühlschrank billige, schadstoffreiche, nährstoffarme Discounterware wieder. Wie würden wir das finden? Ist das fair und gerecht?
Für ein kleines Glas Honig müssen die Bienen 16800 km fliegen, also fast die halbe Erde umrunden. (von einer Postkarte von berlinerhonig)
Darüber hinaus schädigt der Mensch die Bienen gleichzeitig auf verschiedene Weisen, nämlich durch Pflanzenschutzgifte und die Zunahme der elektromagnetischen Strahlung. Die Varroa-Milbe ist ein Krankheitsengel der Bienen, um auf das unmäßig parasitäre Handeln des Menschen an den Bienen, an der Natur aufmerksam zu machen, um uns schon mal fühlen zu lassen, was passieren kann, wenn wir Menschen unser zerstörerisches Handeln gegenüber den Bienen fortsetzen. Wir setzen unsere eigenen Nahrungsquellen aufs Spiel!
Menschliche Parasiten kennen wir natürlich auch für die gesamte Menschheit. Das sind die, die von der Lebenskraft anderer Menschen leben, ihnen den Lebenssaft aussaugen, im Kleinen wie im Großen, die Trittbrettfahrer des Lebens. „Pavear“ nennt man das in Ecuador, den „Truthahn“ machen. Wen halten wir für Trittbrettfahrer, für Truthähne, wer sind sie, die modernen Zöllner und Wegelagerer? Spekulanten? Shareholder? Banker? Steuertrickser? Sozialleistungsbetrüger? Wo sind wir selbst Parasiten? Wo saugen wir den Lebenssaft anderer aus, wo die Lebenskraft und die Ressourcen unserer Erde? Denken wir einmal nach! Machen Sie jetzt eine Pause und denken einmal nach. Oder lesen Sie z.B. diesen Artikel über die 7 Sünden Europas in der Schuldenkrise.
Was hilft gegen Parasiten? Die Bienen zeigen es uns jetzt. Es ist zum einen der innere Zusammenhalt und die Verteidigungsbereitschaft des Volkes, der Gemeinschaft, das Füreinander-da-sein.
Ein Bienenvolk meiner Mutter war besonders stark und konnte den Varroa-Milben immer recht gut widerstehen. Sie hatten einen Weg gefunden, der sich mir beim Behandeln der Bienen erschloss. In der Zeit, da die Milben auf die erwachsenen Bienen übergingen, da suchten insbesondere die alten Bienen, deren Zeit gekommen war, die milbenreichen Stellen im Bienenstock auf, um sich mit Absicht befallen zu lassen. Auf ihrem letzten Flug, ihrem Todesflug, von dem sie nicht in den Stock zurückkehrten, nahmen sie die Milben mit aus dem Stock heraus und entsorgten sie auf diese Weise.
Wie kann uns dieses Vorgehen weiterhelfen? Identifizieren wir die Parasiten und die parasitären Systeme unter den Menschen und lassen wir sie ins Leere laufen! Alles das, was jetzt in unserer Gesellschaft dran ist zu sterben: werfen wir es den Parasiten zum Fraß vor, damit sie so in das Ende ihres Parasiten-Daseins getragen werden. Auch persönliche Parasiten, Menschen, die unsere Lebenskraft ausnutzen, können wir so loswerden. Werfen wir ihnen unsere Eigenschaften zum Fraß vor, die von uns gehen können, ob dies nun Geldgier, Bequemlichkeit, Konflikt-, Verlust- oder Existenzangst, irrige Glaubenssätze oder Süchte oder was auch sonst immer sein mögen! Lassen wir sie gehen, verzichten wir auf das Geld, die Bequemlichkeit, setzen wir Grenzen, schließen wir uns mit anderen durch gegenseitige Unterstützung zusammen.
Die Gemeinschaft auf Gegenseitigkeit ist die Keimzelle des Widerstandes gegen die Parasiten. Wir beobachten diese gemeinnützigen Gemeinschaften heute wie früher die Kirchen und Klostergemeinschaften der auf Armut gegründeten Orden. Einige Beispiele aus neueren Tagen:
Wikipedia, das Wissensportal, dass aus freiwilligem Handeln durch Millionen von Wissenden aus der ganzen Welt parallel und schnell aufgebaut wird, das durch einen Selbstverwaltungsmechanismus seine Qualitätssicherung erreicht. Was wurde zum Fraß vorgeworfen? „Wissen ist Macht!“, „Wissen kostet“.
OpenSource Initiative[1], eine weltweite Gemeinschaft von Softwareentwicklern, die das Betriebssystem Linux gemeinsam weiterentwickeln. Das Ausschlaggebende an dieser Gruppe ist die Intention des Teilens mit allen und der Zusammenarbeit. Alle, die Beiträge leisten, verpflichten sich dazu, dass die Software
- in einer lesbaren und verständlichen Form weitergeben wird,
- beliebig kopiert, verbreitet und genutzt werden kann
- verändert werden darf und in der veränderten Form verbreitet werden darf
Das Betriebssystem entsteht als ein Produkt der Gemeinschaft, und zwar ziemlich schnell. Welchem modernen Zöllner wird hier das Handwerk gelegt, der die Hand bei fast jedem Computerkauf aufhält? Dem 13 Jahre lang reichsten Mann der Welt. Große Geldgeber, so auch der deutsche Staat, investieren inzwischen mit viel Sinn lieber in dieses Gemeinschaftserzeugnis als in kommerzielle Produzenten. Was wurde zum Fraß vorgeworfen: Verzicht auf Profit und Gewinnmaximierung, Monopole und Geheimniskrämerei zur Schaffung von Wettbewerbsvorteilen.
Couch-Surfing.com ist ein Portal einer Gemeinschaft von Menschen, die, auf Gegenseitigkeit beruhend, anderen Menschen auf Reisen vorübergehend ihre Couch zum Schlafen, ihre Wohnung als Aufenthalt, zur Verfügung stellt. Indem sie bereit sind, andere Menschen aufzunehmen, haben sie selbst die Chance, selbst mit geringem Kostenaufwand zu reisen. Dabei haben beide Seiten mehr vom Reisen: Der Couch-Besitzer bekommt mehr Leben „in seine Bude“, der Reisende erlebt authentische Menschen, das Alltagsleben im besuchten Land, in der besuchten Stadt kennen und hat schon mal einen natürlich menschlichen Anlaufpunkt und nicht nur die oft künstliche, genormte Welt der kommerziellen Hotels. Was wurde zum Fraß vorgeworfen? „My home is my castle!“ Inzwischen ist Couch-Surfing kommerzialisiert worden und daher kein so gutes Beispiel mehr, aber es war mal eines!
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[1] Wer mehr über das Gedankengerüst hinter OpenSource wissen möchte, der lese „Die Kathedrale und der Bazar“, ein Essay von Eric Steven Raymond.
Wenn ich die große Bedrohung der gesamten Menschheit durch Umweltkatastrophen und Klimawandel sehen, die vielen Hungertoten und die seelisch so Hungrigen in unseren Breitengraden sehe, so habe ich sehr oft das Gefühl, dass Gott uns massiv schüttelt und sagt: „Wach doch mal auf, Mensch, wach doch mal auf!!! Wie tief schlaft Ihr eigentlich!!! Schau doch mal hin, da kann doch was nicht stimmen mit dem, was Ihr macht! Macht es anders, ich habe Euch doch schon gesagt, wie es geht! WACHT AUF! Wie groß soll ich es denn Euch noch in den Himmel schreiben und auf der Erde zeigen? Wie groß muss der Vorschlaghammer noch werden, mit dem ich Euch aufwecken muss? Wieviel eiskaltes Wasser muss ich Euch noch ins Gesicht kippen? Ich liebe Euch, ich will das doch gar nicht!”
Wie wäre es denn, wenn wir das Aufwachen und damit die Veränderung auf viel mehr Ebenen fortsetzten, wenn wir nicht verrückt wären, sondern rechtschaffen, genügsam und barmherzig? Wir würden unser Leben anschauen und feststellen, was wir wirklich brauchen. Den Rest abgeben. Künftig nicht mehr als das nehmen.
Auf dem Camino waren wir zwei Monate mit dem Rucksack unterwegs, und dort ist wenig brauchen nicht nur eine Tugend, sondern eine schlichte Notwendigkeit, sich zu beschränken. 7 – 8 Kilo, dazu die tägliche Wegzehrung, das ist das maximale, was man dabei haben sollte, sonst schleppt man sich kaputt, versaut sich durch Haben alle Tage. Und ich merkte, wie wenig ich wirklich brauche.
Nach dem Camino, meine Sachen waren noch alle eingelagert, da habe ich vier Monate aus einer Kommode mit 5 Schubladen gelebt, in denen meine persönliche Habe verstaut war. Und dann hatte ich noch meinen Computer und meinen Drucker. Das hat über eine längere Zeit genügt. Es funktionierte prima! Der Rest war weiterhin eingelagert. Viele Wohnungen, die ich in dieser Zeit besuchte, waren für mich zwiespältig zu ertragen, weil sie so sehr voll gestellt waren.
Als ich meine Praxis einrichtete, da kamen meine Liege, ein Regal und drei Stühle und ein paar Bilder in meinen Praxisraum, in einem Abstellraum stehen noch ein Tisch und Klappstühle für Veranstaltungen. Als ich wieder eine eigene Wohnung bezog, da habe ich meinen restlichen Besitz aus dem Lager geholt und nur das behalten, was ich wirklich brauche, das – möglichst gebraucht – gekauft, was ich brauchte. Ich habe viel gespendet, versteigert und weggeworfen, was keiner mehr haben wollte. Übrig ist noch ein Stapel Bücher, den ich gern verkaufen oder sonst wie loswerden möchte. Am heutigen Tage fehlt mir nur noch ein Teppich. Und mehr möchte ich nicht mehr haben. Es wird nur noch bei Defekt ersetzt und Verbrauchs- und Arbeitsmaterial angeschafft. Und gut ist’s. Es geht, ich vermisse nichts – versprochen. Und es ist immer noch viel im Vergleich mit den Schwestern aus dem Orden von Mutter Theresa, die hatten: zwei Saris, ein Blecheimer zum Spülen der Saris, ein Paar Sandalen, ein Gebetbuch, in hiesigen Breiten noch zwei Paar Socken und eine Strickweste, bzw. ein Mantel für den Winter.
Sicher wird ein solches Umdenken zu massiven Veränderungen an unserem Wirtschaftssystem führen, zu anfänglicher auch größerer Verunsicherung, zu elementaren Umbrüchen in unserem eigenen Leben, im Tagesablauf und in unseren Besitzverhältnissen, manchmal wird es uns auch erschrecken, doch nur Mut, es ist auch eine Befreiung. Es werden Dinge verschwinden, deren Zeit gekommen ist. Gut so!
In der Kriegs- und Nachkriegszeit ist das alles von außen auf uns zugekommen, die Menschen haben es überlebt und Gemeinschaft erfahren. Warum nicht dies jetzt aus eigenem Antrieb einleiten, unsere Gesellschaft evolutionär umgestalten? Wie wäre es, statt Gottes Reaktion auf unser sichtbar irrsinniges Verhalten abzuwarten, ihn einzuladen in den Weg der Veränderung: Sieh Herr, wir wollen es jetzt so machen, wie Du es uns damals vorgeschlagen hast, weil wir gesehen haben, dass unser bisheriges Handeln uns an den Abgrund gebracht hat. Alles beginnt mit der Berührung im Herzen, lassen wir uns berühren! Lieben wir unseren Nächsten wie uns selbst! Wenn wir jetzt genug haben, dann sorgen wir jetzt dafür, dass auch andere genug haben.
Leben ist dienen, für andere da sein: Matthäus 20 (Lutherbibel 84)
26 So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; 27 und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, 28 so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.
Und wenn wir irgendwann einmal weniger haben als wir brauchen, umso eher kann es dann wahrscheinlich sein, dass uns jemand gibt. Unser aktuelles Sozialsystem tut so etwas schon. Doch die Perspektive geht weiter, es geht nicht nur um unser Land, sondern jeden Menschen dieser Erde, denn alle gehören dazu, jeder ist unser Nächster. Es geht um die freiwillige Selbstbeschränkung, es geht auch um die zukünftige Weltbevölkerung, um unsere nachgeborenen „Nächsten“. Mir geht es auch nicht nur um Geld, um finanzielle Ressourcen, sondern auch um unsere Zeit und liebevolle Zuwendung, dass sie wieder denen zufließt, die sie benötigen – unseren Kinder und Kindeskinder, unseren Eltern, unserem soziales Umfeld, den Bedürftigen – denen, die uns brauchen. Und es wird einen Unterschied, den Unterschied machen!
Matthäus 25 (Lutherbibel 84):
32 Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, 33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. 34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! 35 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. 36 Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. 37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? 38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet? 39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. 41 Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! 42 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. 43 Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht. 44 Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? 45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. 46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.
Um das Bild der ewigen Strafe zu verdeutlichen und nicht wieder den Zeigefinger rauszuholen: Es ist das Leben ohne Glaube, Liebe und Hoffnung, das Leben in Angst und Misstrauen, in Gleichgültigkeit und Kälte, in Sinnlosigkeit und Depression. Ein Reicher weiß nicht, ob er geliebt wird oder sein Geld. Sein Geld macht seinen Glauben scheinbar obsolet, macht er noch echte Glaubenserfahrungen? Weil er alles Kaufbare jederzeit haben kann, wird es irgendwann langweilig, keine Sehnsucht, kein Wandeln von Essig in Honig, kein Brennen, kein Verlangen, kein Glücksgefühl – ausgelöst von nur vier Brötchen. Oder immer größere, gewaltigere, kostspieligere Reize sind dafür notwendig, siehe Steve Fossett oder Richard Branson. Am Ende steht das Alles-Satt-Haben, die Depression. Das ist wirklich eine Hölle.
Prediger 5 (Lutherbibel 84)
9 Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt, und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben. Das ist auch eitel.10 Denn wo viele Güter sind, da sind viele, die sie aufessen; und was hat ihr Besitzer mehr davon als das Nachsehen? 11 Wer arbeitet, dem ist der Schlaf süß, er habe wenig oder viel gegessen; aber die Fülle lässt den Reichen nicht schlafen. 12 Es ist ein böses Übel, das ich sah unter der Sonne: Reichtum, wohl verwahrt, wird zum Schaden dem, der ihn hat.
Und nicht, dass wir in 30 Jahren oder so genug haben werden, wer weiß, ob unsere Habe dann überhaupt noch existiert. Man kann es an der momentanen Finanzkrise ja sehr schön sehen, ob sich unsere Habe nicht einfach in der Unendlichkeit der Datenwelt aufgelöst hat oder Spekulanten es sich in die Tasche gesteckt haben. Brauchen die es?
Und: Kennen Sie die meisten dieser Spekulanten? Wir alle sind es! Weil wir Zinsen erwarten von unseren Ersparnissen, weil wir beträchtliche Erträge von unseren Fonds erwarten, von unseren Lebensversicherungen. Es werden doch hauptsächlich die Fonds gekauft, die eine gute Performance haben, Quartal für Quartal, bei jedem Test der Stiftung Warentest. Wie viele Menschen kaufen Nachhaltigkeits-Fonds? Wer beauftragt denn die Banken mit Profitorientierung? Wir selbst! Weil wir die beste Anlage kaufen wollen. In 2008 exisitierte in Deutschland im Umlauf ein Wertpapiervermögen inländischer Emittenden von 3.250.195.000.000 Euro. Dieses Geld steckt in unserem Wirtschaftssystem. Wir selbst sind diese Shareholder, die auf einem vernünftigen Shareholder Value aus der Finanzkraft der Unternehmen Wert legen.
Wer erhöht denn unsere Benzinpreise, die wir an der Tanksäule als moderne Wegelagerei erfahren? Sind das nur die Ölmultis? Auch, aber nicht nur: das sind oft bankeneigene und freie Anleger und Spekulanten z.B. mit Hedge Fonds, mit denen unsere normalen Fonds kurzfristig ihre Zahlen, ihre Performance aufbessern können. Da werden gute Zahlen gebraucht, da werden durch Rohstoff-Spekulation gute Zahlen geschaffen, die wir z.B. an der Tanksäule bezahlen. Wo kommt denn die Rendite für die Zukunft her? Aus unseren heutigen Portemonaies. Rechte Tasche zahlt an linke Tasche…
Wer sorgt denn für die Einsparungspläne mit Massenentlassungen und Verlagerung von Produktion ins Ausland? Wer setzt denn unsere Arbeitsplätze aufs Spiel? Wer sind denn die Quartalsdenker, die so ziemlich jede nachhaltige Unternehmensstrategie so schnell zu Fall bringen? Ebenso wir selbst, durch unser Konsumverhalten, durch unser Investitionsverhalten bei Finanzprodukten jeder Art und mittelbar über die Rentenversicherungen und die Refinanzierungsstrategien der Banken für das Wirtschaftsbankwesen. Die Ratingunternehmen, die Boni-zahlenden Banken, die jung-dynamischen[1] Unternehmensberatungen, das sind nur unsere Erfüllungsgehilfen, von uns beauftragt, fast genötigt, tolle Zahlen zu produzieren, meist exzellent bezahlt, auf Kosten der anderen Wirtschaftsteilnehmer.
Doch diese tollen Zahlen, was bedeuten sie im realen Leben? Denn wir sehen lediglich den Prozentsatz für Performance unserer Geldanlage, das ist so weit weg, so unpersönlich, dass wir damit nicht die Härte und den Druck in Verbindung bringen, die von dieser Zahl ausgeht und damit von uns ausgeht. Wir wundern uns nur oder jammern, wenn diese Härte uns selbst oder Mitmenschen trifft, bei denen die Anonymität der Zahl sich wieder in reale Gesichter, Schicksale wandelt. Wenn jemand entlassen wird, Sparplänen, Umstrukturierungen, Verlagerung von Unternehmensbereichen ins Ausland zum Opfer fällt, gemobbt wird, vor Stress und Überforderung krank wird, weil er zwei oder sogar drei Jobs gleichzeitig macht, das Gefühl hat, machen zu müssen. Da sorgen wir also auch selbst dafür.
Der mit ca.1,6 Billiarden verschuldete deutsche Staat soll uns ebenfalls für unsere Anleihen eine schöne Rendite zahlen, d.h. so sorgen wir ebenfalls für unsere ebenso „schöne“ Steuerlast, an der der Kapitaldienst inzwischen im Bund ca. jeden 5. Euro ausmacht, d.h. 20 % unserer Steuerzahlungen geht in unsere Rendite. Wieder: Rechte Tasche zahlt an linke Tasche…. Zum anderen leisten wir uns heute damit einen Lebensstil, den wir uns von unseren Kindern und Enkeln ohne deren Zustimmung borgen, indem wir ihnen diese Schulden hinterlassen, ihren Gemeinschaftsrucksack unendlich voll packen, schwer machen. Macht das Sinn? Wie kann das unser Anstand eigentlich gutheißen, wenn wir das Beste für unsere Kinder wollen?
Ich bin kein apokalyptischer Reiter, ich sehe inzwischen einfach hin. Wollen wir einfach darauf warten, dass die Konsequenz unseres Handelns, die sich jetzt schon berechenbar abzeichnet, über uns hereinbricht? Und dann heulen und mit den Zähnen klappern?
Matthäus 24 (Übersetzung Neues Leben): 45 Wer ist also ein vertrauenswürdiger und kluger Diener, dem der Herr sein Haus und die Versorgung seiner Familie anvertrauen kann?46 Wenn der Herr zurückkommt und feststellt, dass der Diener seine Aufgabe zu seiner Zufriedenheit erfüllt, ist der Diener glücklich zu schätzen. 47 Ich versichere euch: Der Herr wird diesem Diener die Verantwortung für seinen gesamten Besitz übertragen. 48 Doch wenn der Diener böse ist und glaubt, `Mein Herr wird ja erst einmal eine Weile fort sein´, 49 wenn er anfängt, die anderen Diener schlecht zu behandeln, und Trinkgelage veranstaltet – 50 dann wird sein Herr unangemeldet und völlig überraschend zurückkehren. 51 Und er wird diesen Diener davonjagen und dorthin schicken, wo auch die Heuchler sind. Und an jenem Ort werden sie weinen und mit den Zähnen knirschen.«
Was wir heute freiwillig tun, wird nicht in der Zukunft über uns hereinbrechen, was wir heute freiwillig aufgeben, wird uns nicht später in eine Opferposition, ein erzwungenes Abgeben führen, sondern zu freiwillig Rechtschaffenden machen: Handeln in und aus Liebe, ohne Zwang, ohne Angst. Ich weiß aus Erfahrung: Leben ohne Haben kann genauso schön oder schöner sein als Leben mit Haben.
So auch der Apostel Paulus in 1. Timotheus 6 (Einheitsübersetzung):
7 Denn wir haben nichts in die Welt mitgebracht, und wir können auch nichts aus ihr mitnehmen. 8 Wenn wir Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen. 9 Wer aber reich werden will, gerät in Versuchungen und Schlingen, er verfällt vielen sinnlosen und schädlichen Begierden, die den Menschen ins Verderben und in den Untergang stürzen. 10 Denn die Wurzel aller Übel ist die Habsucht. Nicht wenige, die ihr verfielen, sind vom Glauben abgeirrt und haben sich viele Qualen bereitet. …
Auch Politik ist nur insoweit handlungsfähig, als dass die Menschen mitziehen, auf die Politiker lohnt es sich nicht zu zeigen. Als Beispiel möchte ich die Steuerlüge im 1990er Wahlkampf der Regierung Kohl anführen zur Zeit der Wiedervereinigung. Es war ganz klar, dass es viel, viel Geld kosten würde, unserem Nächsten im eigenen Land zu geben, was er brauchte. Wie viele Jahre hatten wir auf die Wiedervereinigung gehofft und gewartet? „Aus der Portokasse“ sollte plötzlich die Einheit finanziert werden… Wir haben es doch gewusst, dass das nicht geht, oder? Und es wurde der gewählt, der versprach, uns unsere Pfründe zu erhalten. Die traditionelle Gemeinschaftsvermögenseinnahmequelle, die Steuer, wurde dann umbenannt in Solidaritätszuschlag, um zu verschleiern, dass die Steuererhöhungen doch notwendig geworden waren. Doch ob das Finanzamt nun Steuer oder Solidaritätszuschlag einnimmt: es ist nur ein anderes Etikett, ein anderer Name.
Wodurch werden denn am häufigsten gute Ansätze in der Politik verwässert? Durch die Lobbyisten der Betroffenen, die ihre Pfründe schrumpfen sehen, durch uns selbst, weil wir nicht mitziehen. Wir sind es selbst, da gibt es kein Vertun, keiner sonst, Du und Ich, mein Nächster wie auch Ich. Geben wir diese Pfründe doch einfach freiwillig auf, aus Einsicht und aus Liebe, damit nicht alle 11 Sekunden ein Mensch an Hunger oder Unterernährung stirbt, damit der Verschwendung von Ressourcen, der Umweltverschmutzung ein Ende geschaffen wird. Sagen wir ja, stimmt schon, machen wir das! Das macht Sinn! Überzeugen wir uns selbst davon, fangen wir selbst damit an, auch wenn unser Nachbar das noch nicht tut. Auch nicht nur Kosmetik, oberflächlich, sondern durchgängig! Aufräumen können wir am besten bei uns selbst, nur für uns selbst können wir die Entscheidung treffen; nicht für unseren Nachbarn. Doch er hat dann einen weniger, auf den er zeigen kann: „Wieso ich denn, der macht es doch auch nicht!“ Wie schön, wenn er bald keinen mehr dafür hat…
Ein Imagewandel ist fällig. Nicht der hat Erfolg, der mehr hat als andere, der im Überfluss lebt, sondern der, der es schafft, glücklich und zufrieden mit dem zu leben, was er braucht und den Rest in den Zeiten seiner Stärke in die Gemeinschaft investiert. Der kann dann vertrauen, dass andere es tun, wenn er selbst braucht, schwach ist. Wer mehr hat als andere in dieser Welt, ob nun Top 1, Top 5 oder Top 10, der ist derjenige, der anderen etwas wegnimmt oder vorenthält. „Der Teufel scheißt immer auf einen großen Haufen“ heißt ein altes Sprichwort in Deutschland. Wer viel hat, der sollte sich vielleicht mal fragen, ob die beste Quelle ihm denn dieses erschlossen hat.
Es kommt wirklich nur auf unsere Sichtweise an. Es kostet keinen Cent, diese zu verändern.
In der Bundesrepublik gibt es lt. Wikipedia ca. 50 Millionen Christen, weltweit gibt aus laut Encyclopædia Britannica 2005 2,1 Milliarden Anhänger der christlichen Religionen, das sind ca. 1/3 der Weltbevölkerung. Wenn all diese einfach die Bibel als Bedienungsanleitung für diese Welt wirklich ernst nähmen und ihr Leben danach rechtschaffen umstellen würden, freiwillig und aus Überzeugung, wer könnte dem dann noch widerstehen? Können, wollen wir als Christen das mal gemeinsam stemmen? Ich bin sicher, Gott würde sich über die Christenheit freuen.
Und so könnte der Weg – auch nach dem Gleichnis der Arbeiter im Weinberg – aussehen: Hier in Deutschland gibt es schon die Petition für das bedingungslose Grundeinkommen. Entscheiden wir uns doch einfach freiwillig dafür, mit diesem Grundeinkommen zu leben, denn dieser Betrag ist auch gleichzeitig das Maximaleinkommen, d.h. keiner hat mehr, als er braucht. Der Rest wird abgegeben. Waren, die gebraucht werden, werden hergestellt, alles andere nicht, was gut für unser Lebensrucksäcke, unsere Weltressourcen, und unsere Umwelt ist. Familien mit Kindern haben dann mehr Geld als Ehepaare ohne Kinder, denn sie brauchen es ja, weil sie mehr Menschen sind, sie brauchen mehr Wohnraum, mehr Essen etc. Alle anderen Mittel werden zunächst dazu genutzt, um staatliche Schulden zu tilgen, wo das notwendig ist. Na sicher würde so ein großer Teil der Wirtschaft zusammenbrechen, aber genau der, den wir nicht brauchen. Jeder tut, was er für richtig für die Gemeinschaft hält und nicht das, was bezahlt wird.
Alle anderen Themen, die uns in der Einheit der Christen dann noch auseinanderdividierten, würden wahrscheinlich ob der Größe dieser Aufgabe als Peanuts mit einem Schulterzucken nebenbei erledigt werden, das würde Er uns dann einfach schenken.
Und danach, wenn wir uns selbst gewandelt haben, wenn wir durch unser eigenes Leben überzeugen können, dass es geht, dann können wir öffentlich, gemeinschaftlich tätig werden, nämlich da, wo wir meinen, am rechten Platz zu stehen, was uns liegt, was uns am meisten am Herzen liegt, wo wir den Wandel vorantreiben können, wo wir richtig gut sind. Wo wir uns freiwillig engagieren, da müssen wir uns nicht bewerben oder werben, da erhalten wir keine Absagen, das können wir uns aussuchen, nach Lust und Laune. Schön, oder?
Lukas 12 (Lutherbibel 84)
34 Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.
Scheren wir aus der Herde aus, wählen wir einen neuen Weg und andere werden uns folgen!
Keine Revolution von oben, kein Kampf, kein Krieg, keine Enteignung von außen, nein, gebraucht wird ganz viel Liebe, die Entwicklung der Fähigkeit, mit dem Herzen zu sehen und zu handeln und eine Evolution in uns, eine Enteignung von innen heraus, umfassende Diät, Mensch für Mensch, Haushalt für Haushalt, Land für Land: Keimzellen, aus denen sich die Welt erneuert, das Bild des Sauerteiges. Daraus entwickelt sich eine Welt der Hoffnung, der wir gern angehören werden, eine Welt, in der die Depression verschwindet, weil jeder Sinn und Teilhabe findet – die Gabe des Heiligen Geistes.
Und wenn noch mal jemand fragt: Warum ist so viel Leid, so viel Hunger, diese Umweltkatastrophe in der Welt?
Dann noch mal: Damit wir auf dem jetzigen Weg einhalten, umkehren und mit dem Herzen sehen, fühlen und handeln lernen . Damit wir jetzt Gottes Reich konsequent errichten.
Nächster Artikel: Und die Fülle?
[1] Als ich mich einmal bei einer großen, weltweiten Unternehmens- und Wirtschaftsberatung bewarb, da nannten sie mir das Durchschnittsalter ihrer Mitarbeiter in Deutschland: 28 Jahre. Das Durchschnittsalter der englischen Tochter dieses Unternehmens lag bei 24 Jahren. DAS gab mir zu denken. Natürlich war ich auch zu alt…
Psalm 16 (Einheitsübersetzung): 11 Du zeigst mir den Pfad zum Leben. Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle, zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit.
Epheser 3 (Gute Nachricht Bibel): 19 Ihr sollt die Liebe erkennen, die Christus zu uns hat und die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr immer umfassender Anteil bekommen an der ganzen Fülle des Lebens mit Gott.
Auf unserem Weg will uns Gott immer mehr öffnen für die Fülle an Glaube, Liebe und Hoffnung und uns befreien von Angst, Überregulierung, Absicherung und Selbstbescheidung aufgrund mangelnden Selbstwertgefühls …mehr ist für mich wohl nicht drin, ich bin ja viel zu “Wasauchimmer” und zu wenig “Wasauchsonstnoch”… Er will nicht, dass wir uns mit einer mittelmäßigen Liebe, mit einem Halbwegs-Glauben und einer Manchmal-Hoffnung zufrieden geben. Nein, er hat uns geschaffen für die vollendete Liebe, für den Glauben jenseits allen Zweifels und die grenzenlose, nie endende Hoffnung. Und manchmal machen wir schwere Zeiten durch, damit wir uns endlich öffnen für die ganze Fülle, anstatt uns nur mit dem Zipfel der Wurst zu begnügen. Bis wir kapieren: Ich kann ja viel mehr haben, viel mehr an Gutem in meinem Leben zulassen als bisher. Glauben wir nicht nur gemäß Glaubensbekenntnis an den Heiligen Geist, nein, lassen wir ihn ständig uns erfüllen, dauerhaft Licht in unseren ganzen Tag bringen! Das ist unsere Bestimmung, das ist das Ziel!
Die Fülle wird denen gegeben, die sich im Kleinen als verantwortlich und würdig erwiesen haben. Und dann kann man schauen, ob sie sich auch im Großen als würdig erweisen. Kanalisieren sie die Fülle zu denen hin, die brauchen, oder in ihr eigenes Leben, in ihre eigene Absicherung, ins Horten?
Lukas 16: Von der Treue
10 Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht. 11 Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer wird euch das wahre Gut anvertrauen?
Psalm 62,11
Fällt euch Reichtum zu, so hängt euer Herz nicht daran.
Beispiele für Füllegeschehen anhand von Buchautoren:
Joanne K. Rowling, die Schöpferin von Harry Potter, die Liebe als Schutz gegen das Böse des Lord Voldemorts setzte, die die Liebe siegen ließ. Sie lebte zur Zeit des Schreibens des 1. Buches als allein erziehende Mutter von sehr wenig Geld. Heute redet man von Millionen Pfund Einnahmen. Was passiert mit dem Geld, das sie mit Harry Potter eingenommen hat?
Neale Donald Walsh, Autor der Trilogie „Gespräche mit Gott“ und anderen Büchern über Gott. Wie lebt er heute? Was hat er aus seinem finanziellen Erfolg gemacht?
Paulo Coelho, unter anderem Autor des Buches „Der Alchimist“ und „Auf dem Jakobsweg“ und vieler weiterer meist spiritueller Bücher. Er gilt als einer von 10 Autoren, die weltweit die meisten Bücher verkaufen. Welche Frucht hat er getragen?
Sie alle hatten Zeiten der Wüste, der Ebbe und der Armut, Sie kennen diesen Ort gut. Was haben sie daraus gemacht? Wohin haben sie ihre Einnahmen kanalisiert? Behalten sie, was sie zum Leben brauchen und geben sie den Rest an die Bedürftigen? Haben sie die erwünschte Frucht getragen, ihre Talente gemehrt und diese Mehrung dem Großen, Ganzen gewidmet? Ich will diese Frage nicht erforschen, sie hier nicht beantworten, nur aufwerfen, forschen Sie mal selbst! Die Autoren selbst werden es wissen, Gott weiß es.
Die wahre Fülle entsteht meiner Erfahrung nach erstaunlicherweise in der Beschränkung. In der Vereinigung der Gegensätze – Friede. In der freiwilligen Beschränkung wird das Kleine groß, das Feine überwältigend, weil alles seinen Platz findet in unserer Zeit und in unserem Raum und so Tiefe gewinnt. Wir können alles intensiv genießen und auskosten, auf was wir uns fokussieren. Oft genug Nein gesagt zur Zerstreuung ergibt ein großes Ja. Das ist zum Beispiel das Glück der Ehe und Treue. Einem Menschen so nah kommen zu können, dass man einander ganz nah kommt, einander ganz erfährt, in allen Facetten erfasst und genießt.
Psalm 112 (Lutherbibel 1984)
3 Reichtum und Fülle wird in ihrem Hause sein, und ihre Gerechtigkeit bleibt ewiglich.4 Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis von dem Gnädigen, Barmherzigen und Gerechten. 5 Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht und das Seine tut, wie es recht ist! 6 Denn er wird ewiglich bleiben; der Gerechte wird nimmermehr vergessen. 7 Vor schlimmer Kunde fürchtet er sich nicht; sein Herz hofft unverzagt auf den HERRN. 8 Sein Herz ist getrost und fürchtet sich nicht, bis er auf seine Feinde herabsieht. 9 Er streut aus und gibt den Armen; / seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.
Was wird die Fülle derer, die sich bewusst beschränken und ihre Lebenszeit dem Reich Gottes widmen? Ich kann nur von mir reden. Das erfüllt mich mit viel Freude, das ist meine Fülle:
- Ich habe für alles so viel Zeit bzw. kann mir soviel Zeit nehmen, wie es nun mal braucht. Für jeden Menschen, der zu mir kommt, plane ich zunächst zwei Stunden, manchmal mehr ein. Ich will nicht gehetzt werden, weil bald der Nächste kommen würde. Und keiner soll sich bei mir gehetzt fühlen. Ich will einen Ort der Ruhe und des Friedens und der Wertschätzung haben und bieten. Ich lasse mir selbst Zeit für einen entspannten Morgenanfang. Alles funktioniert besser, wenn ich entspannt bin.
- Es gibt keine Prioritäten. Alles, was ich tue, hat gleiche Priorität, weil es alles dem Reich Gottes dient. Ob ich nun Menschen behandle, Essen für meine Familie koche und den Haushalt mache, meinem Kind bei den Hausaufgaben helfe, bete, für einen eigenen ruhevollen oder gesunden Zustand in mir sorge, diese Welt als Gottes Geschenk genieße und liebe, an diesem Buch schreibe, in der Kirche für Obdachlose mitarbeite. Alles ist gleich viel wert, weil es in Gottes Reich investiert ist, in das höchste Gesetz.
- Ich liebe, was ich tue, es macht mir Spaß und erfüllt mich mit viel, viel Freude. Ständig lerne ich Neues. Ich sehe Sinn darin, mein Leben macht Sinn. Ich lerne viele Menschen kennen, denen ich helfen kann, ich fühle mich nützlich. Nur noch ganz selten fühle ich Sorge, denn für mich wird gesorgt. Ich habe keine Angst um meine materielle Existenz.
- Die Liebe zu den Menschen wächst in mir und macht mich meistens ausgeglichen. Viele Menschen umarmen mich spontan, und ich sie. Das ist schön! Liebe steht für mich im Vordergrund, sie ist das Wichtigste.
- Ich kann mich an so vielen kleinen Dingen freuen, weil bei mir heute einfach schon kleine Reize für die Freude genügen. Ich habe Muße, sie in Tiefe wahrzunehmen. Ich bin zufrieden.
- Wenn Probleme auftreten, dann habe ich immer jemanden, an den ich mich wenden kann und der mir hilft, sie zu lösen. Kein Problem fühlt sich so unlösbar an – und sie lösen sich auch, Stück für Stück, mal schnell, mal allmählich. Ich vertraue.
Die Fülle in Gottes Reich, das ist Liebe, Freude, Sinn, innere Freiheit, Sicherheit, Sorglosigkeit, Vertrauen – unbezahlbar. Sprüche 8 (Lutherbibel 1984) verheißt diese Fülle, die nicht die Habe ist:
17 Ich liebe, die mich lieben, und die mich suchen, finden mich. 18 Reichtum und Ehre ist bei mir, bleibendes Gut und Gerechtigkeit. 19 Meine Frucht ist besser als Gold und feines Gold, und mein Ertrag besser als erlesenes Silber. 20 Ich wandle auf dem Wege der Gerechtigkeit, mitten auf der Straße des Rechts, 21 dass ich versorge mit Besitz, die mich lieben, und ihre Schatzkammern fülle.
Die Fülle ist immer das Leben selbst!
Der Zauberer kommt nicht zu früh und nicht zu spät, sondern genau zum richtigen Zeitpunkt.
Gandalf in „Der Herr der Ringe“, J.R.R. Tolkien

Rechtzeitig was Süßes zum Nachtisch: Himbeeren auf dem Weg zur Schwedenschanze / Rhön, denn das Restaurant dort war geschlossen
Psalm 145 (Lutherbibel 1984)
15 Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. 16 Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, nach deinem Wohlgefallen. 17 Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken. 18 Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn ernstlich anrufen. 19 Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren, und hört ihr Schreien und hilft ihnen. 20 Der HERR behütet alle, die ihn lieben.
Das Leben hat die Chance, auf stetigen Bahnen seinen Weg zu nehmen. Wir lernen etwas, probieren es aus und dann werden wir – Stück für Stück – in die Lage versetzt, dies, was wir gelernt haben, an den Mann oder die Frau zu bringen. Dieses ist der natürliche Zyklus und fand sich lange Zeit im Leben der Menschen wieder: Der Weg vom Lehrling zum Gesellen zum Meister. Man kann sich Dinge selbst beibringen und sie durch Üben vervollkommnen oder man kann in die Lehre gehen – und manchmal hat man einfach auch wirklich Talent, das man ausprobieren und ausbauen kann. Auf jeden Fall berücksichtigt dieser Weg die Form des menschlichen Lernens vom Versuch und Irrtum bis zur Erfahrung. Es gibt Lehr- und Wanderjahre, es gibt einfach Zeiten, die sind keine Herrenjahre, nämlich mindestens die Einstiegsjahre. Es gibt Zeiten der Aussaat und Zeiten der Ernte.
Genauso ist es mit den anderen Dingen im Leben. Wir setzen uns ein Ziel, z.B. eine Anschaffung, und gehen darauf los. Wir sparen so lange, bis wir unser Ziel erreicht haben und uns kaufen können, was wir wollen. Auf diesem Wege haben wir auch alle Zeit festzustellen, ob wir das wirklich brauchen und wollen und uns leisten können. Wir haben Zeit, uns darauf zu freuen und unsere Vorstellungen festigen unser Wissen und unser Wollen. Dies ist wie bei einer Lehre eine Zeit der Prüfung, hier können wir noch vor dem Vollzug der Anschaffung unsere Meinung ändern und auf etwas anderes sparen oder etwas anderes anschaffen, wir haben alle Zeit der Welt, uns zu informieren, was wir haben wollen. Woher weiß ich, dass ich im Moment etwas nicht für mich ist? Weil dafür kein Geld ist.
Ebenso ist dies so in einem Leben, das einen langsamen und stetigen Aufstieg in den Leistungen nimmt. Wir leisten soviel, wie es uns gut tut – und nicht mehr. Wenn wir Ruhe oder eine Pause brauchen, dann hören wir auf. Wir machen zur vereinbarten Zeit Feierabend, damit wir für die anderen Aktivitäten in unserem Leben, unsere Liebsten, unseren Körper die Zeit haben, die ihnen zusteht. Wenn wir Anfänger sind, geben wir uns als solches zu erkennen und scheinen nicht mehr, als wir sind. Wenn wir etwas brauchen, was wir uns nicht dauerhaft leisten können, dann können wir es mit anderen gemeinsam anschaffen und teilen oder mieten. Wenn wir so vorangehen, dann schulden wir niemandem etwas. Grow as you go – wachsen, während wir vorangehen, so viel investieren, wie wir haben, das war zu meiner Zeit bei Hewlett-Packard ein finanzieller Leitgedanke bei meinem damaligen Arbeitgeber.
Schulden entstehen immer dann, wenn wir etwas vorausnehmen; wenn wir im Voraus etwas nehmen, was wir noch gar nicht haben. Vorwärts-Sparen nannte eine Bank das einmal. Eine Schuld ist eine Verpflichtung für unsere Zukunft. Wir legen eine geplante, oft dauerhafte Last auf unsere Zukunft. Obwohl wir nicht wissen können, wie diese Zukunft wird, ob unsere Voraussagen eintreffen. Wenn wir etwas teilen, dann können andere es nutzen, wir stärken uns gegenseitig, wenn wir etwas mieten, dann können wir z.B. die Mietsache jederzeit in der Regel mit einer kurzen Frist zurückgeben. Wenn wir etwas kaufen und wollen es wieder loswerden, müssen wir auf jeden Fall warten, bis wir einen Käufer finden. Das kann sofort sein, das kann aber auch eine Weile dauern oder nie sein. Kalkulieren können wir dies nicht. Daher sollten wir uns zu diesem Punkt nur das leisten, was wir haben. Wenn wir etwas mittels Schulden kaufen und dann verkaufen wollen oder müssen, dann können wir nicht wissen, wann wir die Schulden und damit die Last wieder los sind.
Ich will etwas haben: spare ich oder nehme ich einen Kredit auf? Eine ganz normale Überlegung. Häufig wird z.B. bei Wohneigentum gerechnet: Die Kreditkosten gegen die Miete. Und das sieht dann häufig sehr ähnlich aus. Ist es aber nicht!
Jesus Sirach, 21 (Einheitsübersetzung): 8 Baut einer sein Haus mit fremdem Geld, sammelt er Steine für einen Schutthaufen.
Ja, es ist recht einfach, immer einen neuen Kredit aufzunehmen, aber gar nicht selten drücken einem zunehmend die Kredite den Hals zu. Die Kredite verpflichten einen, eine bestimmte Menge an Geld zu verdienen, damit diesen Kreditverpflichtungen nachgekommen werden kann. Dies kann aber keiner für immer gewährleisten, vor allem in der heutigen Zeit nicht. Wie schnell zieht man in eine andere Stadt oder wird versetzt, wie schnell kann man seine Arbeit verlieren, wie schnell kann heute eine Beziehung enden und sich damit die finanzielle Basis der Betroffenen ändern, wie schnell können gesundheitliche Einschränkungen von heute auf morgen die komplette Lebensgestaltung verändern? Wie schnell ändern sich heute die Bedürfnisse? Und was ist mit der Idee, die ich in drei Jahren haben könnte, die mein ganzes Leben auf den Kopf stellen wird? Werde ich auf sie aufgrund der heute getroffenen Verpflichtung verzichten?
Kann man da wirklich guten Gewissens einen Vertrag über viele Jahre, ja sogar Jahrzehnte abschließen? Und zwar im Bezug auf sich selbst, im Bezug auf das eigene Leben? Will man diese stark bindende Festlegung wirklich treffen: „Ich stehe dafür gerade, dass ich die nächsten 30 Jahre jeden Monat so viel Geld zur Verfügung habe, dass ich diesen Verpflichtungen nachkommen kann. Ich belaste mein Leben mit dieser Hypothek. Ich packe dies in meinen Lebensrucksack und werde dies die nächsten 30 Jahre tragen.“
Exkurs: Dürfen wir wirklich so viel Staatsschulden anhäufen, wie wir es derzeitig tun? Sind wir uns im Klaren darüber, ob das jemals zurückgezahlt werden kann?
Zahlen und Meinung aus einem Artikel aus dem Tagesspiegel
Meine Meinung dazu: Jeder von uns sollte jetzt, so wie er kann, mindestens seinen Anteil an den Staatsschulden zurückzahlen statt in private Dinge zu investieren. Mit welchem Recht beladen wir die Lebensrucksäcke der folgenden Generationen mit diesem unvorstellbar großen Schuldenberg. Ich freue mich schon auf den Tag, an dem ich das kann!
Wenn ich frei sein will für das Leben, das zu mir gehört, das ich mir erträume, das ich mir erfühle, dann behindern solche Lasten immens. Sie behindern mich dabei, im Fluss des Lebens mit zu schwimmen und zu lernen. Ich muss probieren und scheitern und wieder neu aufstehen können. Wenn ich mir aufgrund früherer Verpflichtungen diese Möglichkeiten nehme, mich zu schwer mache, dann schaffe ich automatisch Druck und Last. Davon werden meine Leistungen und mein Leben nicht besser.
Es gibt Verpflichtungen, an die binde ich mich auch freiwillig und zwar aus Liebe: Eine Ehe und vor allem an Kinder. Setze ich ein Kind in die Welt, so bin ich die nächsten 20 Jahre verpflichtet, dieses Kind groß zu ziehen, sein körperliches, seelisches und geistiges Wachstum zu unterstützen, für dieses Kind Verantwortung zu übernehmen, es zu ernähren, zu kleiden, und ihm in dieser Welt Raum zu geben. Doch hier habe ich die Freiheit, mit diesem Partner und diesen Kindern das WIE immer wieder neu zu verhandeln und gestalten, sie auch mitzunehmen.
Wenn ich z.B. wirklich einen Lebenstraum realisieren will oder eine Chance wahrnehmen will, kann die Familie daran partizipieren, vor allem, wenn ich sie mitträumen lasse und daraus ein gemeinsamer Traum entsteht, der von allen gemeinsam dann auch in die Welt geholt wird. Sie können sich mit verändern, sie können den Weg mitgehen. Wollen wir nicht irgendwann am „Ich muss!“ scheitern, wenn es wirklich darauf ankommt, dann sorgen wir für leichtes Gepäck! Das habe ich insbesondere auf dem Jakobsweg gelernt. Ein leichter Rucksack ist auch für den Lebensweg ein großes Glück!
Doch Kredite können auch auf andere Weise aufgenommen werden, nämlich auf die Zeit und auf die Körperkraft. Wenn wir immer wieder unser Zeitkonto überziehen, und Zeit von den Bereichen abziehe, die unsere Lebenskraft und Lebensfreude stärken, dann legen wir damit auch eine Last auf unsere Zukunft. Wir nehmen dann zwar keinen materiellen Kredit auf, sondern einen Kredit auf unsere Gesundheit, doch wir entfernen uns dabei ebenso von uns und unseren zukünftigen Möglichkeiten. Wenn wir unsere Kraft nicht erhalten, dann müssen wir den Kredit auf dem Zeitkonto und der Körperkraft irgendwann zurückzahlen. Hier geht es nicht um die Last im Rucksack, sondern um die Schwächung des Trägers, der den Rucksack trägt. Es ist ja egal, ob ich die Last nicht tragen kann, weil die Last zu schwer ist oder ich zu schwach bin.
Als ich bei Hewlett-Packard arbeitete, legte ich mir lange Zeit eine 60-Stunden-Woche auf, weil ich meinte, alles schaffen zu müssen. Weil ich nicht NEIN sagen konnte. Weil subjektiv durch das variable Gehalt und die Umsatzziele ein großer Druck auf mir lastete. Dieses zeitliche Überziehen hinterließ große Schäden bei mir an Körper, Geist und Seele. Durch einen Burnout habe ich diesen Kredit zurückzahlen müssen, Stunde für Stunde, Tag für Tag, Woche für Woche..
Die Rückzahlung kann durch Krankheiten, durch Unfälle, durch Auszeiten und durch Müdigkeit und Erschöpfung, z.B. Burnout oder Depression „ausgeglichen“ werden. Der Körper holt sich irgendwann seine Zeit und seine Zuwendung zurück, das habe ich am eigenen Leib erlebt. Ob dies in einem Moment passiert, den wir selbst wählen würden? Müdigkeit und Erschöpfung lassen jede neue Idee schal werden, die eigentlich zu erwartende Freude kann nicht durchkommen. Hinzu kommt oft das schlechte Gewissen, ein neuer Kredit: ich müsste eigentlich mich besser um … meine Kinder, meinen Partner, meinen Körper, meine Familie, meine Freunde, Gott und die Welt, mich … kümmern. Und so entsteht oft noch mehr Druck, da ich dann ja auch noch den Wunsch habe, mein schlechtes Gewissen zu kompensieren.
Mir ist da ein Beispiel im Sinn, bei dem mir sofort die Idee von diesem Kredit kam. Ich weiß nicht, ob dies wirklich so war. Was ich jetzt schildere, sind nur meine Gedanken, es muss nicht die Realität sein. Vor einiger Zeit verstarb ein Geschäftsführer eines deutschen Unternehmens im Alter von 47 Jahren an Herzversagen. Von Mitarbeitern, die ihn kannten, hörte ich, dass sie von diesem Chef zu jeder Tages- und Nachtzeit und am Wochenende E-Mails und Anrufe erhielten. Er muss ständig aktiv gewesen sein, sich ständig für das Unternehmen eingesetzt haben. Zugegeben, das Unternehmen stand in einer Krise, ausgelöst durch ein Projekt, dessen Realisierung zu großen Problemen führte und im Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik stand. Er starb während seines Urlaubs. Er war verheiratet und ließ Frau und Kinder zurück.
Nur mein Gedanke: Kann es nicht so gewesen sein, dass hier ein Zeitkonto so intensiv überzogen wurde, vielleicht ja aus den nobelsten Gründen, dass dieses Leben mit 47 schon erschöpft, der komplette „Betrag“ bereits abgehoben war?
Auch wenn ich ein neues Unternehmen gründen will, und keinen materiellen Kredit aufnehmen will, deswegen aber gleichzeitig neben meiner bisherigen Tätigkeit das neue Unternehmen aufbaue, d.h. zwei Jobs zur gleichen Zeit übernehme, nehme ich auch in diesem Fall ein Kredit auf meinem Zeitkonto auf. Welches Risiko ist kalkulierbarer? Nach meiner Erfahrung kann eine Tätigkeit noch so interessant und befriedigend sein: sobald sie in Überforderung ausartet, weil ich mich nicht gut um mich als das wichtigste Werkzeug des Vorhabens kümmere oder eines meiner Konten überziehe, wird sie sich irgendwann als Belastung, Druck und Pflicht anfühlen, das Gegenteil von Liebe.
Wenn wir etwas sehen, was wir haben möchten, dann sollte die 1. Frage sein: Brauche ich das? Und wenn ich das nicht von ganzem Herzen fühlen kann, dann brauche ich es nicht. Warum sollte ich es dann haben wollen? Wenn wir ständig mit allen Ressourcen unserer Welt so umgehen würden, dann hätten wir von allem genug, dann hätte jeder von allem genug. So hat es über viele Jahrtausende hin funktioniert.
Ein schönes Beispiel gibt es dafür auch in 2. Buch Mose 16, im Exodus, mit der Speisung der Israeliten in der Wüste durch Manna, wie im Kapitel “In der Wüste sein und der Ausblick auf das gelobte Land“ zu lesen war. Und dasselbe finden wir auch im Vaterunser. Wir beten:
Unser täglich Brot gib uns heute!
Gib uns heute das, was wir heute brauchen. Um den Rest sorgen wir uns nicht. Weil auch morgen wir wieder darum bitten werden, wir leben ja jeden neuen Tag mit Gott. Es geht nicht um das Brot für die nächste Woche. Samstag dürfen wir schon für Sonntag mit vor sorgen, damit wir uns am Sonntag Raum und Zeit schaffen für Gott, das ist alles.
Doch unsere Realität ist ganz anders, die Gedankenwelt und der Wunsch nach Haben der meisten Menschen geht weit über das Brauchen hinaus. Es gibt den Spruch des heiligen Augustinus: Weniger brauchen ist besser als mehr haben. Mehr haben wollen, als man braucht, das ist ebenfalls das Bauen auf Sand, das Dienen eines anderen Gottes und das Überfüllen des Lebensrucksack, so dass unser Leben immer schwerer, unflexibler und unbeweglicher wird. Gott in seiner wunderbar unnachahmlichen Konsequenz zeigt uns immer wieder, dass es so ist. Und so kann es sein, wenn wir etwas wirklich brauchen:
Auf dem Wilsnack-Weg aus Fehrbellin heraus kam ich über längere Zeit in keinen Ort, der Pilgerweg umging sie alle. Ich war kurz nach sieben Uhr aufgebrochen. In der Nacht zuvor hatte es stark geregnet und alles war pitschnass. Nach drei Stunden Wanderung hatte ich Frühstückshunger, denn ich war ohne zu essen losgegangen, so hatten wir es immer gehalten. Ich wollte mich gern setzen, aber es gab keine Bank und keine andere Sitzgelegenheit auf diesem Weg durch die brandenburgische Luchlandschaft.
Und so sprach ich immer wieder aus: Ich brauche jetzt eine Bank, ich brauche jetzt mein Frühstück, ich habe Hunger, ich brauche jetzt eine Bank. Und ich hörte in mir die Worte: Du bekommst gleich deine Bank. Und dann sah ich in der Entfernung etwas, das wie eine wunderschöne, weiße Bank aussah, es hätte aber auch ein Schild sein können.
Ich ging auf dieses weiße Etwas zu und tatsächlich – es war eine Bank, aber was für Eine! Überdimensional groß und wunderschön, so groß, dass ich mich an die Seitenlehne besser anlehnen konnte und dafür auch noch meine geplagten Füße hochlegen konnte – auch ein Pilgersegen. Ich habe ein Bank gebraucht und ich habe ein Bank bekommen, eben die größte und schönste, die ich je gesehen habe. Ich habe voller Dankbarkeit auch herzlich und noch eine ganze Weile gelacht darüber.
Wenn wir etwas wirklich brauchen, dann bekommen wir es, wenn wir es von ganzem Herzen für angemessen halten. Um die Notwendigkeit festzustellen, brauchen wir nur die Hand auf unser Herz zu legen und den Satz aussprechen: „Ich brauche …..“ Wenn wir es wirklich brauchen, dann ist kein Zweifel in uns. Wenn wir es nicht brauchen, dann wird es uns ganz schnell offenbar.





















