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Mir wurde auf meinem eigenen Heilungs-Weg immer mehr klar, dass ich mich häufig in meiner Gedankenwelt außerhalb der Realität befand. Am deutlichsten war dies mit Erwartungen. Ich habe zu einem bestimmten Zeitpunkt etwas Bestimmtes erwartet oder erwünscht, dafür kam etwas anderes. Ich habe mir andere Menschen anders gewünscht, als sie waren, habe es von Ihnen sogar erwartet. Die Enttäuschung über das Nicht-Eintreffen meiner Erwartung war oft so groß, dass ich das, was wirklich passierte, was wesentlich besser für mich war, nicht wahrnahm. Ging dann das Leben ins Land, dann wurde mir häufig klar, warum es so viel besser war, ein anderes Ergebnis als das gewünschte oder erwartete zu erhalten.
In der Rückschau können wir unser Leben oft viel besser verstehen, doch wir leben es vorwärts. Was uns hilft, ist der Glaube, dass alles, was Realität ist, gut und Gott ist: Teilhabe am Geist Gottes.
2. Moses 3 (Schlachter-Bibel 2000)
13 Und Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Kindern Israels komme und zu ihnen sage: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt!, und sie mich fragen werden: Was ist sein Name? — was soll ich ihnen sagen? 14 Gott sprach zu Mose: »Ich bin, der ich bin!« Und er sprach: So sollst du zu den Kindern Israels sagen: »Ich bin«, der hat mich zu euch gesandt.
Wenn es sich nicht gut anfühlt, dann meistens, weil wir uns in einem Irrtum, in einer Illusion befinden. Oft werden uns die Konsequenzen einer Handlung gezeigt, über deren Ausgang, Motivation oder Rechtmäßigkeit wir uns geirrt haben. Wir denken uns die Welt, wie sie nicht ist, planen daraufhin etwas, was nicht geschehen kann und laufen gegen eine Wand, mit der wir an dieser Stelle nicht gerechnet haben, die wir an dieser Stelle einfach nicht berücksichtigt hatten. Das tut weh. Gut daran ist, dass wir es jetzt kapieren können. Je schneller wir hinschauen und annehmen, was ist, d.h. verstehen, dass dieses Erlebnis gut für uns war, anstatt dem nachzutrauern, was nicht war, umso leichter fällt uns das Leben.
Eine wichtige Realität sind wir selbst, so wie wir sind. Wenn wir uns nicht so zeigen, wie wir sind, beispielsweise weil wir
- cool sein wollen,
- unsere Gefühle nicht zeigen wollen, uns unserer Gefühle schämen,
- wir uns für irgendwas an uns, von uns oder in uns schämen
- keine Schwäche zeigen wollen, denken perfekt sein zu müssen,
- unsere Verletzlichkeit, Emotionalität und Sehnsucht nach Liebe nicht zeigen wollen
- Angst vor Ablehnung oder Konflikten oder Verlassensangst haben
- es allen recht machen wollen
- von uns ein anderes Bild – Image! – vermitteln wollen, von dem wir uns mehr Erfolg versprechen
- Contenance gegenüber unserem Chef, unseren Auftraggebern bewahren wollen
dann handeln wir ebenso gegen unsere gottgegebene Realität. Dann locken wir an, was nicht zu uns passt, schüren Erwartungen, die wir nicht erfüllen. Wir locken das an, was zu dem passt, was wir als Fassade gerade vormachen, aber nicht sind. Und – wir können nicht von dem gefunden werden, was wirklich zu uns passt. Und die, die nicht zu uns passen, erschrecken sich oder sind enttäuscht, wenn wir uns als etwas entpuppen, was sie in uns nicht vermutet haben und verlassen uns. Wir produzieren zunächst Täuschung und daraus folgend dann die Ent-Täuschung, die Beendigung der Täuschung, selbst.
In einer Beziehung zu einem Mann habe ich mich einmal bemüht, möglichst liebe- und verständnisvoll zu sein, z.B. „nur heute ärgere dich nicht“. Eines Abends war ich mit diesem Mann im Kino. Als wir vor seiner Tür ankamen – wir waren mit meinem Auto gefahren, weil seines in der Werkstatt war – da sagte er, er würde jetzt gern allein in seine Wohnung gehen. Ich hatte mich noch auf ein paar Stunden mit ihm – wie sonst – gefreut. Innerlich implodierte ich, gab ihm jedoch ein Küsschen, heuchelte Verständnis und wünschte ihm noch einen schönen Abend und fuhr nach Hause. Selbstverleugnung! Als er mit mir kurz darauf Schluss machte, da sagte er mir: „Weißt du, als du an dem Abend nach dem Film xy einfach so, völlig emotionslos, nach Hause gefahren bist, als ich allein bleiben wollte, war mir klar, dass ich dir ziemlich egal bin. Andere Frauen, die ich kannte, wären sauer gewesen, hätten was gesagt oder mich sogar angeschrieen. Du warst ungerührt. Das hat mir von allem am meisten zu Denken gegeben.“ Da implodierte ich wieder, aber gleichzeitig auch in mir der Glaubenssatz: „ Es ist in einer Beziehung nicht gut ist, seine negativen Emotionen zu zeigen.“ Auch sie können für andere eine sehr wichtige Aussage enthalten. Egal, auch wenn er nicht der Richtige war: das war eine sehr wichtige Lehre für meine Zukunft.
Ich habe während einer Zeit in meinem Leben Dinge erlebt, die der Albtraum vieler, vieler Menschen sind:
- Ich habe mich scheiden lassen.
- Ich musste mein Kind für längere Zeit gehen lassen, weil es bei seinem Vater leben wollte.
- Ich habe mein Haus verkauft, weil der Preis des Haltens zu hoch war.
- Ich habe 150.000 Euro und meine Altersversorgung dabei verloren und war nicht nur bankrott, sondern blieb mit Schulden zurück.
- Ich konnte meinen hochdotierten Beruf als Unternehmensberaterin nicht mehr ausüben, weil mir plötzlich dort – und nur dort – die Worte wegblieben.
- In meinem Büro hat es gebrannt.
- Ich habe eine Zeit lang Hartz IV beantragen müssen, denn alle „Sicherheitsleinen“ waren gerissen.
Ich habe es alles überlebt und nie wirklich einen unwiederbringlichen Verlust erlitten, es hat mich nicht verzweifeln lassen. Alles hat mich auf wundersame Weise gestärkt. All dies passierte zu meinem Guten. Wenn das nicht passiert wäre, würde ich noch heute etwas anderes tun als das, als meine Bestimmung zu leben, vielleicht würde ich mich noch immer ablenken oder davor davonlaufen, wäre noch nicht aufgewacht. Ich würde mir noch Sorgen machen und Angst haben. Ich würde noch heute unter einer hohen Last stöhnen. Ich würde mich immer noch hetzen, nicht genug Zeit haben und mich überfordern, statt ein gesundes und liebevolles Leben zu leben, in dem Zeit in Balance ist. Ich hätte Gottes Welt nicht kennen und schätzen gelernt. Ich hätte sie nicht so gebraucht. Ich hätte Gott nicht so gebraucht, wie ich ihn gebraucht und erfahren habe. Ich wurde arm und erfuhr, wie es ist, von Gott getragen zu werden. Ich habe keine Angst mehr, ich mache mir nur noch selten Sorgen. Die einzige „Sicherheitsleine“, die ich habe, ist Gott, sonst nichts. Sicherer geht es nicht, denn er hat mehr Macht als jeder Mensch, mehr als alles, was ich selbst versuchen könnte.
Und das wichtigste, prägende Erlebnis der Gut-Wahrnehmung war dieses:
- Als Kind habe ich etwas erlebt, was ein Kind nicht erleben sollte – und es in einer Amnesie verdrängt
Ich verstand damals die Welt, die Menschen nicht mehr und das zog sich von meiner Kindheit in meine Jugend und ins Erwachsenensein. Aus diesem Grund habe ich ein Leben lang nach Heilung gesucht und sie auch gefunden, mit Gottes Hilfe, über meine Hände. Wäre ich dadurch nicht so sehr verletzt gewesen, wäre nicht mein Leidensdruck so groß gewesen, wäre dadurch nicht mein Glaube an Gott so erschüttert worden, wie hätte ich sonst all diese Heilungserfahrungen am eigenen Leibe real erleben können? Wie könnte ich sonst so sicher sein, dass funktioniert, was ich tue? Ich habe meinen Glauben an einen guten Gott zurück gewonnen und weiß in aller Tiefe, was ich hier schreibe, es ist mehr als Glaube. Meine Seele ist geheilt.
Der wichtigste Glaubenssatz in meinem Leben war durch diese Kindheitserlebnisse: „Was ich will, ist sowieso egal!“ Die Behandlung dieses Glaubenssatzes hat zwei Stunden gedauert, in denen ich, geschützt durch den Erzengel Michael, nochmals durch die damalige Erfahrungen gegangen bin, geheult, geschrieen und mit den Beinen um mich getreten habe, ganz viele Momente wieder erlebt habe, in denen mein Wille einfach übergangen wurde oder wo ich meinen Willen nicht mal erwähnt habe, sondern mich gleich dem Willen anderer – gegen meine Bedürfnisse und Vorstellungen – unterworfen habe.
Am Ende der Behandlung war in meinem Munde ein Satz, den schon Jesus uns zu beten empfohlen hat: „Dein Wille geschehe!“ Noch nie hatte ich mich in meinem Leben so getröstet gefühlt. Alle diese Erlebnisse waren von mir abgefallen. Und dann fiel mir eines auch nicht mehr schwer, was er im gleichen Atemzug sagte: Wie auch wir denen vergeben, die uns verletzen. Ich konnte vergeben und Frieden wiedergewinnen.
Ich denke heute, Sein Wille war, dass ich Heilung vollständig und authentisch verstehe. Diesen Weg dazu habe ich genau so gebraucht. Und dafür bin ich meinem guten Gott dankbar. Die Gegensätze haben sich im Frieden vereint. Ich habe gesehen, dass es gut war: Der Weg des verwundeten und dann geheilten Heiler führt zur Heilberufung.
Gott hat die Welt geschaffen und sein Werk gefiel ihm. Er hat sie geschaffen mit Sinn.
1. Mose 1 (Lutherbibel 1984)
Verse: 10, 12, 17, 21, 25: Gott sah, dass es gut war.
1. Mose 1 (Lutherbibel 1984)
31 Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut.
Wer sind wir, dass wir dies in Zweifel stellen, diese Welt sogar als Jammertal bezeichnen können?
In Jesaja 45 steht dazu deutlich:
9 Weh dem, der mit seinem Schöpfer rechtet, er, eine Scherbe unter irdenen Scherben. Sagt denn der Ton zu dem Töpfer: Was machst du mit mir?, und zu dem, der ihn verarbeitet: Du hast kein Geschick?
Nun, in der Schöpfungsgeschichte verbot Gott Adam, von dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen.
1. Mose 2 (Lutherbibel 1984)
16 Dann gebot Gott, der Herr, dem Menschen: Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen, 17 doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.
Von der Übersetzung her kann das dort verwendete griechische Wort γινωσκειν sowohl mit Erkennen, jedoch genauso gut auch mit Beurteilen übersetzt werden, es kann auch Wahrnehmen oder Bezeichnen/Benennen heißen. Der Mensch fängt damit an, selbst die Welt in Gut und Böse aufzuteilen, etwas gut oder böse zu nennen. Das erste, was nach der Bibel ihm nach dem Sündenfall auffiel, war die Nacktheit. Was ist an der Nacktheit gut oder böse? Warum war sie plötzlich für Adam und Eva schlecht, beschämend? Der Mensch ist von Gott geschaffen, wie der Mensch eben geschaffen ist: Gott sah, dass es gut war.
Der Mensch beginnt nun zu urteilen, worüber er kein Urteil zu fällen hat, worüber er kein Urteil fällen kann, worüber kein Urteil gefällt werden kann. Denn was Gott geschaffen hat, ist gut. Der Mensch ist gut, auch nackt.
Nochmals die Sätze aus dem Buch der Weisheit:
Weisheit 11 (Einheitsübersetzung)
23 Du hast mit allen Erbarmen, weil du alles vermagst, und siehst über die Sünden der Menschen hinweg, damit sie sich bekehren. 24 Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen. 25 Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben, oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre? 26 Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens.
Hat einer von uns wirklich das Gefühl, dass wir Menschen tatsächlich erkennen können, was gut und böse ist? Mal ganz ernsthaft, ist das wirklich unsere Erfahrung? Das mit dem Beurteilen ist viel wahrscheinlicher, oder? Das können wir JEDEN Tag erleben, an uns selbst und an anderen…
In dem Moment, wo wir anfangen zu beurteilen, Menschen, Verhalten, Situationen und Dinge in Gut und Böse, und Folgen von Dingen in Gut und Böse und Vergangenheit oder Zukunft in Gut und Böse zu unterteilen, da fängt die Verfehlung des Weges an, eben Sünde. Wir schalten in unsere Wahrnehmung einen Zwischenschritt ein für eine Filterung in Gut und Böse. Dies legt den Samen in uns für Emotionen wie Wut, Zorn, Trauer, Depression, Mangel- oder Rachegefühle. Wir erzählen uns selbst Geschichten. Deren Wahrheitsgehalt? Reine Spekulation! Genau das halte ich persönlich für die Erbsünde. Wir ermöglichen unserem Bewusstsein, die Kategorie „BÖSE“ zuzulassen, so dass es sich in unserem Bewusstsein anlagern kann. Da gehört es aber nicht rein. Weil durch Erziehung und Erleben Verurteilung und Kritik von den Eltern zu den Kindern weitergegeben werden, es ist uns zur ständigen Gewohnheit geworden. Doch Gewohnheiten kann man sich auch abgewöhnen.
Den Menschen, allen Menschen kann man es nicht recht machen, das ist völlig hoffnungslos, das ging sogar Jesus so, und der ist der menschgewordene Gott; siehe auch Matthäus 11 (Lutherbibel 1984):
16 Mit wem soll ich aber dieses Geschlecht vergleichen? Es gleicht den Kindern, die auf dem Markt sitzen und rufen den andern zu: 17 Wir haben euch aufgespielt und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben Klagelieder gesungen und ihr wolltet nicht weinen. 18 Johannes ist gekommen, aß nicht und trank nicht; so sagen sie: Er ist besessen.19 Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt; so sagen sie: Siehe, was ist dieser Mensch für ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden aus ihren Werken.
Nie kann man es allen recht machen! Wer es versucht, wird daran verzweifeln. Kann man es überhaupt jemandem recht machen? Immer wird jemand ein Haar in der Suppe finden. Genau das ist die Frucht vom Baum der Beurteilung von Gut und Böse: Die Annahme des Bösen, dass das Haar in der Suppe etwas Böses ist.
Und der Höhepunkt der Erbsünde war die Verurteilung von Gott selbst in Jesus Christus und seine Kreuzigung. Hier wurde die Beurteilung durch Menschen tatsächlich vollends ad absurdum geführt, in das Verrückteste, was kommen konnte. Gott ist zu uns auf die Erde gekommen, hat die Menschen geliebt, geheilt und gelehrt von der Liebe als Ausgangspunkt aller Perspektiven. Und wir wissen es nicht besser, als ihn zum Tode zu verurteilen und auf barbarische Weise umzubringen! Weil er sich nicht an irgendwelche unserer Regeln hält?! Da zeigt sich doch, wie wir ohne Sinn, Verstand und Herz urteilen!
Regeln, ach, davon haben wir weiterhin mehr als genug… Jesus sagt das auch sehr deutlich in Johannes 15 (Hoffnung für Alle):
24 Wenn ich nicht vor aller Augen Gottes Wunder vollbracht hätte, die kein anderer tun kann, wären sie ohne Schuld. Aber nun haben sie alles miterlebt, und trotzdem hassen sie mich und auch meinen Vater. 25 Dies geschieht, damit sich die Voraussage der Heiligen Schrift erfüllt: ‘Sie hassen mich ohne jeden Grund!’
Doch auch hier ist nichts ohne Sinn. Im Höhepunkt der Verurteilung hat sich die Möglichkeit zur Umkehr aufgetan, der Weg zur Besserung, der Weg zur deutlichen Erkenntnis. Damit wir endlich verstehen, dass wir keinen Schimmer haben! Das Böse entsteht, indem wir etwas dazu machen! Auch das Absurdeste enthält die Chance zum Heil. Der Tod Jesu führte zum Leben, zur Auferstehung. Aus dem Tod entsprang der Quell des Heils für die gesamte Menschheit. Er sagte damit zu uns: Ich würde sogar für Euch sterben…und hat es auch getan! Ergreifen wir diese Chance zum Heil!
Nochmal, so sieht es im Alltag aus: Nur aus der Beurteilung, unserem Privatfilter „das ist gut und das ist böse“, ergeben sich Gedanken über diese Bosheit – wir basteln unsere „blöde“ Welt selbst[1] – und diese Gedanken produzieren Gefühle, z.B. Ärger, Eifersucht, Trauer, Angst. Diese Gedanken und Gefühle sind es, die uns von der Wahrnehmung Seines Willens abhalten, von seiner Führung, so dass wir immer mehr die Illusion entwickeln, wir wären die Herren unseres Lebens, wir könnten / dürften diese Beurteilung abgeben und das Geschehen nicht als Teil seiner Führung ansehen. Und wir wissen ja, zu was für absurden Handlungen wir uns manchmal aus obigen Gefühlen hinreißen lassen…
Wie kann es anders sein, als dass Gottes Schöpfung und sein Weg gut ist? Welcher Mensch, welche Handlung gut ist? Wer sind wir, dass wir uns aufschwingen, dies beurteilen zu wollen? Der Regenbogen, die große Brücke zwischen Himmel und Erde, kann nur entstehen, wenn wir Regen und Sonnenschein gleichzeitig haben. Beides ist für uns gut.
1.Mose 9,13 (Lutherbibel 1984): Gott sprach: Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.
Und selbst hier scheiden sich die Geister: Für manche ist Regen himmlisch und Sonne nicht. Und für manche ist Sonne himmlisch und der Regen nicht. Ist die Sonne daher schlecht oder gut, was ist mit dem Regen? Auch ein Gewitter ist eine sinnvolle Sache, es nimmt den Druck der Schwüle, wenn auch viele Angst davor haben.
Römer 8 (Lutherbibel 1984): 28 Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.
Eines Tages erlebte ich einen von Kindern und Jugendlichen mitgestalteten Gottesdienst mit, die gerade von der Religiösen Kinderwoche zurückgekommen waren. Die Kinder hatten dort den Psalm 23 „Vom Guten Hirten“ besprochen. Sie hatten dann im Gottesdienst die Zeit, immer wieder Worte und Sätze aus dem Psalm zu sprechen. Da saß ich nun im Gottesdienst und hörte die hellen Kinderstimmen rufen: „Er gibt mir neue Kraft.“ „Nichts wird mir fehlen.“ „Du beschützt mich.“ „Du gibst mir mehr als genug.“ „Er gibt mir neue Kraft.“ „Und geht es auch durch dunkle Täler, fürchte ich mich nicht.“ „Er leitet mich auf sicheren Wegen.“ „Nichts wird mir fehlen.“ „Er führt mich zu frischen Quellen.“ „Du Herr bist bei mir.“ „Er gibt mir neue Kraft.“ „In deinem Haus darf ich für immer bleiben.“ „Ich fürchte mich nicht, denn du bist bei mir.“ „Du beschützt mich.“ „Deine Güte und Liebe werden mich begleiten mein Leben lang.“ „Er führt mich zu frischen Quellen.“ „Du beschützt mich mit deinem Hirtenstab.“ „Er weidet mich auf saftigen Wiesen.“ Da wurde mir klar: wenn wir als Kinder lernen können, im ständigen Bewusstsein dieses Psalms zu leben, dann können wir so früh lernen, alles für gut zu halten, auch wenn es mal durch dunklere Täler geht. So können wir die Erbsünde hinter uns lassen.
Psalm 23: Der gute Hirte (Bibelübersetzung Hoffnung für alle)
1 Ein Lied Davids: Der Herr ist mein Hirte. Nichts wird mir fehlen. 2 Er weidet mich auf saftigen Wiesen und führt mich zu frischen Quellen. 3 Er gibt mir neue Kraft. Er leitet mich auf sicheren Wegen, weil er der gute Hirte ist. 4 Und geht es auch durch dunkle Täler, fürchte ich mich nicht, denn du, Herr, bist bei mir. Du beschützt mich mit deinem Hirtenstab. 5 Du lädst mich ein und deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du begrüßt mich wie ein Hausherr seinen Gast und gibst mir mehr als genug. 6 Deine Güte und Liebe werden mich begleiten mein Leben lang; in deinem Haus darf ich für immer bleiben.
Und für uns Erwachsene, die wir noch ohne dieses Bewusstsein sind, finden wir diesen Ratschlag Jesu zur Güte:
Lukas 6 (Lutherbibel 1984): 36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. 37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. 38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen. … 41 Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? 42 Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!
Und wenn ich erstmal den Balken aus meinem eigenen Auge gezogen habe, dann finde ich in der Regel den Splitter im Auge des anderen nicht mehr, sondern nur noch sein Wunderbarsein, sein wunderbares Sein. Und ist der Splitter noch da, haben wir ein Feld zum Handeln gefunden, das unser bedarf.
Unser Gefühlshaushalt ist auch unser Messgerät. Schaute ich auf das, was ich als unangenehm, störend empfand: BINGO! Ich entdeckte bei näherer Betrachtung wahrscheinlich hiervon etwas direkt bei MIR, meine eigenen Balken:
- Geiz, Habgier, Existenzangst, Verlassensangst, Angst vor Mangel, Mangel an Glaube und Vertrauen
- Selbsterhöhung oder Erhöhung einer anderen Person, Stolz, Übermut, Eitelkeit, Ruhmsucht, Angst vor Imageverlust, Kontrollverhalten
- Genusssucht, Maßlosigkeit, Unmäßigkeit, Selbstsucht
- Zorn, Wut, Vergeltung, Rechthaberei, Rache, Bitterkeit, Hadern mit dem Schicksal
- Neid, Missgunst, Eifersucht, Angst
- Trägheit, Faulheit, Feigheit, Ignoranz, Lieblosigkeit, Gleichgültigkeit
Es wurde mir immer wieder und intensiver klar, das man zuerst sein eigenes Herz ansehen kann, bevor man auf eine andere Person sauer ist und/oder sie lieblos behandelt. Alles, was uns im Außen trifft, berührt, hat seine Ursache im Innern – dem Feld, was ganz uns gehört, das wir wirklich gemeinsam mit Gott bestellen können und dessen Fruchtgüte wir selbst mitbestimmen können, wo wir anpacken können und tatsächlich zuständig sind.
Markus 12 (Lutherbibel 1984): Die Frage nach dem höchsten Gebot
28 Und es trat zu ihm einer von den Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Und als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen? 29 Jesus aber antwortete ihm: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, 30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt1 und von allen deinen Kräften« (5.Mose 6,4-5). 31 Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3.Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese. 32 Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Meister, du hast wahrhaftig recht geredet! Er ist nur “einer,” und ist kein anderer außer ihm; 33 und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und von allen Kräften, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. 34 Als Jesus aber sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.
In ganz einfachem Deutsch:
- Nimm die Welt an und schätze sie, so wie sie ist. Halte sie für gut.
- Nimm Deinen Nächsten an und schätze ihn, so wie er ist.Halte ihn für gut.
Vertraue in seine Güte.
- Nimm Dich selbst an und schätze Dich, so wie Du bist.Halte Dich für gut.
- Denn alles ist von Gott geschaffen.
Alle Gebote werden obsolet, wenn ich dies beachte und lebe, denn warum sollte ich lügen, töten etc., wenn ich alles für gut halte.
Warum sollte ich dann meine Eltern schlecht behandeln, wenn alles gut ist, dann begleiten wir einander ein Leben lang in Liebe. Kinder kommen so auf die Welt, sie lieben ihre Eltern einfach automatisch, egal, wie sie behandelt werden. Erst zu einem späteren Zeitpunkt im Leben, wenn sie die Gewohnheit der Beurteilung übernommen haben, dann wenden sie sich manchmal gegen sie.
Genauso steht es mit der Lüge. Was sollte ich verbergen oder verändern oder anders darstellen wollen, wenn ich alles in Liebe und Dankbarkeit annehme?
Warum sollten Kriege geführt, andere Menschen überhaupt angegriffen oder getötet werden? (Das erschließt sich mir allerdings sowieso bis heute nicht.) Es gäbe keine Veranlassung dafür. Ein gewaltfreier Weg ist immer möglich!
Lukas 6 (Lutherbibel 1984):
27 Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; 28 segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. 29 Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht.30 Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück. 31 Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!
Wenn einer uns im Affekt schlägt, d.h. auf die erste Wange, so ist der zweite Schlag, den wir ihm sodann anbieten, immer einer, den er bewusst ausführen muss. Ob er dann ein zweites Mal zuschlägt, ist wesentlich unwahrscheinlicher.
Warum sollte ich neidisch sein oder anderen Menschen etwas wegnehmen wollen, wenn ich mit meinem Zustand zufrieden bin und – wenn ich selbst arm bin und etwas brauche, was ich nicht habe – andere mir barmherzig zur Seite stehen?
So sah es auch der Apostel Paulus in Galater 3 (Hoffnung für alle):
19 Was aber soll dann noch das Gesetz? Gott hat es zusätzlich gegeben, damit wir das Ausmaß unserer Sünden erkennen. Dieses Gesetz – von den Engeln durch den Vermittler Mose zu uns gebracht – sollte auch nur so lange gelten, bis der Nachkomme Abrahams da wäre, an dem Gott sein Versprechen erfüllen wollte.
Wer das noch nicht kann, der hat alle Chance der Welt. Einfach Schritt für Schritt bei sich selbst anfangen. Am einfachsten ist es, die Hand auf’s Herz zu legen und genau jetzt sich Liebe im Herzen durch Jesus Christus zu wünschen. Das Böse ist einfach eine Illusion, ein geistiger Virus, und diese Illusionen wecken als erstes unsere emotionalen Erinnerungen / vergangene, unvergebene Sündenfälle. Diese entzünden dann unsere Gedanken, daran entzünden sich unsere Gefühle und daran irgendwann unser Körper. Das ist wie bei einem Computervirus. Ist der Virus erst mal da, dann ist irgendwann die ganze Festplatte korrupt, digitaler Müll bei 100 % Prozessorauslastung. Nix geht mehr. Menschlich gesehen: Wirre Gedanken, die sich im Kreise drehen, der Kopf zum Bersten voll, geistige Erschöpfung, Stagnation.
Und genau durch Glaube, gepaart mit Liebe und Annahme verschwindet das Böse aus der Welt, durch den Anteil daran, den wir selbst tun können, indem wir erkennen können, dass es entweder gar nicht böse ist, oder wir einen deutlichen Handlungsappell vor uns sehen. Hierfür können wir Verantwortung übernehmen, hier können wir diesem Appell folgen und handeln, das scheint mir unsere Aufgabe! Glaube an das Gute ist das wirksamste Antivirusprogramm. Es ist der einzige Ansatz, der unserer Macht ohne Machtausübung zugänglich ist.
Auch der Apostel Paulus hält dafür ein schönes Beispiel bereit im Römerbrief 11 (Lutherbibel 1984), wo er vom Volk Israel als dem möglichen Anderen spricht, dem man Schuld zuweisen möchte:
11 So frage ich nun: Sind sie gestrauchelt, damit sie fallen? Das sei ferne! Sondern durch ihren Fall ist den Heiden das Heil widerfahren, damit Israel ihnen nacheifern sollte. 12 Wenn aber schon ihr Fall Reichtum für die Welt ist und ihr Schade Reichtum für die Heiden, wie viel mehr wird es Reichtum sein, wenn ihre Zahl voll wird. 13 Euch Heiden aber sage ich: Weil ich Apostel der Heiden bin, preise ich mein Amt, 14 ob ich vielleicht meine Stammverwandten zum Nacheifern reizen und einige von ihnen retten könnte. 15 Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird ihre Annahme anderes sein als Leben aus den Toten! 16 Ist die Erstlingsgabe vom Teig heilig, so ist auch der ganze Teig heilig; und wenn die Wurzel heilig ist, so sind auch die Zweige heilig.
Ändern wir uns zuerst, das haben wir in der Hand, fangen wir bei uns an. Formatieren wir uns selber neu! Die Veränderung des Nächsten sich zum Ziele nehmen[2] ist meist hoffnungslos und zudem dessen eigene Aufgabe unter Gottes Führung. Ein weiteres Beispiel für die unnötige Neukreation von Bosheit in der Welt ist die Unterteilung der Menschen in Freunde und Feinde:
Von der Feindesliebe, Matthäus 5 (Lutherbibel 1984)
43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3.Mose 19,18) und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen2, 45 damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? 47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?
In den Psalmen erschrecken mich – ehrlich gesagt - immer die vielen Erwähnungen und Verwünschungen der Frevler und Feinde. Dazu stehen die Aussagen Jesu in krassem Widerspruch. Der Gerechte wächst an seinen „Feinden“, an denen, die ihm Widerstand bieten, und das müssen nicht nur Feinde sein. Sie sind auch Engel, ungeflügelte Boten Gottes.
Die spanische christliche Mystikerin Theresa von Àvila sagte dazu in ihrem Buch Seelenburg: „Denn ob wir Gott lieben, kann man nicht wissen, wenn es auch spürbare Anzeichen dafür gibt. Aber die Liebe zum Nächsten ist erkennbar. Und glaubt mir: je weiter ihr euch in dieser fortschreiten seht, umso größer ist eure Liebe zu Gott.“
Und dafür ist uns ein jeder gesandt, der unseren Weg kreuzt bzw. niemand ist uns nicht gesandt. Wer uns entzündet, ist in der Regel da, um uns zu heilen.
Johannes 13 (Lutherbibel 1984):
20 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer jemanden aufnimmt, den ich senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.
Freuen wir uns also auf den nächsten Ärger, auf die nächste Sorge, auf die nächste Bitterkeit. Das legt uns die nächste Chance zu Füßen, die Liebe in uns zu vergrößern und das Unkraut unserer Illusion zu erkennen, kaltzustellen oder auszujäten, unser Antivirusprogramm laufen zu lassen. Einfach sagen: „Lieber Gedanke, du bist zwar da, doch ich glaube dir nicht. Raus, und mach die Tür von außen zu !“ oder moderner „Ab, isoliert in den File Sanitizer und dann schnell gelöscht!“ Auch dies ist ein Teil des Kreuzes, das wir auf uns nehmen. Das ist zum Teil mit der Verleugnung gemeint. Ich leugne die Realität meiner selbsterfundenen Geschichten.
Lukas 9 (Lutherbibel 1984)
23 Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.
Es geht darum, diesen Erinnerungen, Einflüsterungen, Geistesviren nicht zu trauen und eine klare Absage zu erteilen, sie zu isolieren und zu löschen. Verbeißen wir uns nicht in diese Gedanken, damit aus diesen Gedanken keine Missstimmungen erwachsen. Solche Missstimmung und solche Gedanken würden unseren Körper nur weiter schwächen. Sagen wir uns: „Ich weiß, ich habe einmal so gefühlt, doch damals wusste ich es noch nicht besser oder ich hatte es wieder vergessen. Und heute erinnere ich mich wieder daran und jetzt kann ich es ja verdauen und dann halte ich mein Herz und meinen Geist frei und unbeschwert.“ Halten wir das große Stoppschild namens Glaube an das Gute in uns hoch, aktivieren wir unser geistiges Antivirusprogramm, damit die Wucht der Illusion des Bösen daran abprallt! Genießen wir Seine Heilung! Glauben wir! Bleiben wir in der Liebe!
Damit erweist sich der christliche Glaube eine absolut schlechtwettertaugliche Lebensform. Wenn wir jede Wendung des Schicksals als eine Chance erkennen, in der Liebe zu wachsen, unser Herz zu weiten, so sind in der Rückschau oft die vermeintlichen „Schlechtwetterphasen“ des Lebens die, die uns dazu bringen, wahre Liebe und Lebendigkeit in uns zu ermöglichen.
Über vier Jahre in meiner Ehe litt ich unter unerfülltem Kinderwunsch. Ich wusste nicht, wieso ich kein Kind bekam, glaubte an Karma und damit daran, dass ich in irgendeinem anderen Leben irgendetwas Schreckliches gemacht haben musste, um in diesem Leben kein Kind zu haben. Ich weiß nicht, wer sich außer den Betroffenen das vorstellen kann: jeden Monat eine tiefe persönliche Niederlage zu erleiden, wieder den Lebenstraum nicht erfüllt zu bekommen. Jeden Monat irgendwann zu spüren, dass es doch nicht geklappt hat, ein dauerhaftes Leben in der Erwartung, das eigene Leben umzukrempeln. Mein Leben fühlte sich an, als ob ich auf einem Bahnhof war, und der Zug kommt nicht und keiner weiß, wann er kommt. Ob er überhaupt kommt? Als ich dann endlich schwanger war, war ich – selbst nach westdeutschen Maßstäben – mit knapp 35 Spätgebärende. Trotzdem ließ ich keine vorgeburtliche Diagnostik machen. Ich wollte einfach nehmen, was kommt. Lieben, was das Kind ist, wie das Kind ist, gesund oder krank, in guten wie in schlechten Tagen. Eltern und Kinder, das können wir uns nicht aussuchen. Bei den Kindern sind wir zwar beteiligt, sie zu schaffen, doch der Herr über Leben und Tod ist Gott. Nur er! Es gibt keine Garantie. Nur Güte…
Wie bedeutsam dies war und eine späte Dankbarkeit erfuhr ich später durch den Konflikt einer Frau, die durch vorgeburtliche Diagnostik von der schweren Krankheit des in ihr lebendigen Kindes hörte. Sie durchstand einen furchtbaren Kampf in sich, ob sie sich auf das Kind einlassen könnte, wollte, ob sie dem Kind ein solches Leben zumuten sollte oder nicht. Sie entbehrte der ganzen Freude, die eine Schwangerschaft bedeutet. Sie hatte es sich anders vorgestellt, vielleicht wie etwa den schönen Kleinmädchentraum des Vater-Mutter-Kind-Spiels. Da sie nicht gläubig war, war ihr nicht bewusst, dass die Entscheidung gar nicht bei ihr liegt.
Exkurs: Doch wo setze man das Maß an: wann ist Leben lebenswert? Für mich ist der Physiker Steven Hawking immer ein Beispiel. Ein zweites ist der ohne Arme und Beine geborene Australier Nick Vujicic[3], der mit all seinen Einschränkungen glücklich lebt, Sinn in seinem Leben hat, tief in Gott verankert ist, sogar für andere sorgt statt nur versorgt zu werden. Sind ihre Leben lebenswert? Ganz bestimmt! Viele Kinder, die ungeboren geblieben sind, hätten weit weniger Einschränkungen gehabt.
In der Liebe wachsen: Welche besondere Chance hat man mit einem kranken Kind? Wie viel mehr Hingabe ist für ein solches Kind notwendig? Um wie viel intensiver kann man die Liebe erleben, wenn man auch immer wieder Todesängste um das Kind aussteht? Wie viel wertvoller erscheint das Kind dann, und wie viel wertvoller erscheint dann das Leben, auch das eigene Leben? Auch Menschen mit Nahtoderfahrungen schätzen in der Regel ihr Leben auf ganz neue und intensive Weise. Sicher, wir bitten in der Regel nicht darum, eine solche Erfahrung zu machen und ich wünsche sie auch keinem. Doch einigen von uns wird sie gegeben, damit wir ihr Wunder erleben können: den Weg zur Liebe gehen können, wenn wir nicht mit unserem Schicksal hadern, sondern es willig annehmen.
Es sind doch solche Zeiten, die unsere Weisheit, unsere Herzensbildung, unsere Geduld und Langmut, unser Vertrauen, unsere Zuversicht und unseren Glauben[4] wachsen lassen. Wo kann sich ein Glaube erweisen, der nicht in der Realität geprüft ist? Wo kann er über das Lippenbekenntnis hinausgehen? Nur im wahren Leben! Und so ist es mit allem vermeintlichen Leid, das in unserem Leben ankommt. Wenn wir immer vorher wüsssten, was auf uns zukommt, immer wählen könnten, würden viele heilende Wege, die sich uns einfach so unter die Füße schieben, für immer ungegangen bleiben.
In Finisterra begegneten wir beim Bäcker Don Giovanni, einem Künstler aus Österreich. Ihn faszinierte Santiagos Flöte, er wollte unbedingt Aufnahmen von ihm machen. So verabredeten wir uns kurz unserer Abfahrt an der Bushaltestelle. Don Giovanni schenkte uns anschließend eine handbemalte Streichholzschachtel und eine ebensolche Wäscheklammer, auf der die Webadresse www.wolfgangsweg.de stand. Dort kann man die Werke von Don Giovanni bewundern. Ich fand ein Gedicht, das mein Verständnis unterstreicht. Die Wäscheklammer fiel mir wieder ein, ein paar Tage, bevor ich dieses schrieb. Hier ist es:
Ich bat um Stärke
Ich bat um Stärke, aber er machte mich schwach,
damit ich Bescheidenheit und Demut lernte.
Ich erbat seine Hilfe, um große Taten zu vollbringen,
aber er machte mich kleinmütig, damit ich gute Taten vollbrächte.
Ich bat um Reichtum, um glücklich zu werden.
Er machte mich arm, damit ich weise würde.
Ich bat um alle Dinge, damit ich das Leben genießen könne.
Er gab mir das Leben, damit ich alle Dinge genießen könne.
Ich erhielt nichts von dem, was ich erbat –
Aber alles, was gut für mich war.
Gegen mich selbst wurden meine Gebete erhört.
Ich bin unter allen Menschen ein gesegneter Mensch.
(Unbekannter Soldat)
Betrachten wir einige der wahren menschlichen Größen unserer Zeit und ihren Lebensweg:
Nelson Mandela war 27 Jahre als politischer Gefangener in Haft. Die Zeit hat ihn nicht gebrochen, sondern hat ihn wachsen lassen, so dass er später als Präsident von Südafrika einen friedlichen Übergang zur Abschaffung der Apartheid einleiten konnte.
Mahatma Gandhi verbrachte insgesamt 8 Jahre seines Lebens im Gefängnis. Er bestand auf dem gewaltfreien Weg in die Unabhängigkeit seines Landes.
Albert Schweitzer war 19717 – 1918 in Frankreich interniert. In dieser Zeit arbeitete er an seinem Werk „Ehrfurcht vor dem Leben“.
Der Psychiater und Psychotherapeut Victor Frankl war in Theresienstadt, Ausschwitz und Türkheim interniert. Aus seinen Erfahrungen dort entwickelte er die Logotherapie und Existenzanalyse, eine psychotherapeutische Methode, die über die Sinnfindung im Leben von Depression und Suizidalität befreit. Er prägte den Satz „Sinn kann nicht gegeben, sondern muss gefunden werden.“
Sie alle haben Leid, Angst und Härte, Zeiten der Machtlosigkeit und absoluten Einschränkung erlebt in ihrem Leben, Wüste. Sie sind daran gewachsen, haben in der Annahme ihres Schicksals ein Herz voller Liebe, Angstlosigkeit (Glaube) und Handlungskraft (Hoffnung) gewonnen. Denn Schlimmes hatten sie schon erlebt, es hat sie nicht gebrochen.
Paulo Coelho, der Mann, der mich mit seinem Buch auf den Jakobsweg gelockt hat, bringt in seinem Buch „Die Hexe von Portobello“ ein Gleichnis aus einer Schmiede, was dies verdeutlicht. Er beschreibt, dass die Schmiedestücke durch harte Schläge geformt, durch Feuershitze und kaltes Wasser strapaziert werden. Eisen, was nicht taugt und daran zerbirst und untauglich wird, das landet auf dem Haufen für Alteisen, unbrauchbar für die Zukunft. Nur was nicht zerbricht, erhält als Werkzeug, als Werkstück überzeitliche Dauer. Und so bittet der Schreiber darum, eben nicht auf dem Haufen von Alteisen zu landen, sondern durch die Schläge des allmächtigen Schmiedes, die Schicksalsschläge, durch Hitze und Kälte der Schlechtwetterperioden des Lebens als Werkzeug Gottes tauglich zu werden, innerlich fest zu werden und Halt bieten zu können. Dieser Bitte konnte ich mich anschließen.
Jesus Sirach 2 (Einheitsübersetzung): 4 Nimm alles an, was über dich kommen mag, halt aus in vielfacher Bedrängnis! 5 Denn im Feuer wird das Gold geprüft und jeder, der Gott gefällt, im Schmelzofen der Bedrängnis.
Weisheit 3,5 (Einheitsübersetzung): Denn Gott hat sie geprüft und fand sie seiner würdig. 6 Wie Gold im Schmelzofen hat er sie erprobt und sie angenommen als ein vollgültiges Opfer.
Ein weiteres Bild schenkten uns gemeinsam der heilige Augustinus und Papst Benedikt XVI. aus der Enzyklika Spe Salvi, Papst Benedikt XVI Nr. 32 – 34:
„Der Mensch ist zum Großen geschaffen – für Gott selbst, für das Erfülltwerden von ihm. Aber sein Herz ist zu eng für das Große, das ihm zugedacht ist. Es muß geweitet werden. ‘Indem Gott die Gabe [seiner selbst] aufschiebt, verstärkt er unser Verlangen; durch das Verlangen weitet er unser Inneres; indem er es ausweitet, macht er es aufnahmefähiger [für ihn selbst].’ Augustinus verweist auf den heiligen Paulus, der von sich sagt, daß er ausgestreckt auf das Kommende hin lebe (vgl. Phil 3, 13), und gebraucht dann ein sehr schönes Bild, um diesen Vorgang der Weitung und Bereitung des menschlichen Herzens zu beschreiben. ‘Stell dir vor, Gott will dich mit Honig [Bild für die Zärtlichkeit Gottes und seine Güte] anfüllen. Wenn du aber ganz mit Essig angefüllt bist, wohin willst du den Honig tun?’ Das Gefäß, d.h. das Herz, muss zuerst ausgeweitet und dann gereinigt werden: vom Essig und vom Essiggeschmack befreit werden. Das kostet Arbeit, das kostet Schmerz, aber nur so entsteht die Eignung für das, wozu wir bestimmt sind.[26]
Und das ist das zugehörige Bibelzitat von Paulus aus dem Brief an die Philipper 3 (Neue Genfer Übersetzung): „13 Geschwister, ich bilde mir nicht ein, das Ziel schon erreicht zu haben. Eins aber tue ich: Ich lasse das, was hinter mir liegt, bewusst zurück, konzentriere mich völlig auf das, was vor mir liegt.
Als wir pilgerten, da hatten wir den Weg vor uns und alle anderen Gegebenheiten des Weges. Wir konnten nur vorwärts gehen, egal ob Regen oder Hitze, Matsch oder Pfützen, Stock und Stein, Aufstieg oder Abstieg, Wege ohne jeglichen Schatten vor der spanischen Sonne in der Meseta, Trockenheit und Regentage, die laute Landstraße, stinkende Industriegebiete, graue Vorstadt, Wald, Feld und Wiesen. Der Weg geht immer vorwärts. Es ist ein Weg, wo wir nicht äußerlich, sondern nur innerlich wählen können. Wir können nämlich wählen, mit welcher Gesinnung wir den Weg annehmen. In Dankbarkeit, Neugier, Sinnvermutung und Gleichmut, als Gabe Gottes, oder in Lustlosigkeit, mit innerem Gemecker oder Gehader über alles, was nicht schön oder leicht ist, mit Widerstand. Mit letzterem verdoppeln wir das Gewicht, das wir tragen, der Weg ändert sich dadurch nicht.
Auf dem Camino würde die Nichtannahme des Weges bedeuten, dass wir in die falsche Richtung laufen. Wir müssen dann wieder bis zum Weg, bis zum letzten Pfeil, an den wir uns erinnern, zurückgehen. Oder dass wir einfach stehen bleiben. Wie oft im Leben treffen wir diese, auf dem Weg so unsinnige Wahl? Als wir aus Burgos herauspilgerten, fragte mich Santiago, welches meine Lebenseinstellung ist: der Weg des Pilgers, der nimmt, was kommt, oder der Weg des Alchimisten, der versucht, die Natur des Gegebenen zu verändern? Ich habe den Weg des Pilgers gewählt.
Welchen Weg wählst Du?
Wenn wir uns jeder als Teil von Gottes Organismus betrachten, als Zelle seines Körpers: Zu was kann es führen, wenn jeder sich als Einzelwesen sieht mit eigenen Zielen, mit dem Ziel, für sich selbst Reichtum und Fülle zu schaffen, ohne Bedenken des Ganzen? Im Körper nennt sich diese Krankheit Krebs: „Krebs ist im allgemeinen Sprachgebrauch ein Sammelbegriff für eine Vielzahl verwandter Krankheiten, bei denen Körperzellen unkontrolliert wachsen, sich teilen und gesundes Gewebe verdrängen und zerstören können. (Wikipedia.de)“.
Was passiert, wenn eine Zelle im Körper mit einer anderen in Konflikt gerät? Und macht das Sinn? Nein, ein Organismus funktioniert, wenn jede Zelle des Körpers die andere als Partner in ihrer Verschiedenartigkeit und unterschiedlichen Funktion akzeptiert und anerkennt und mit ihr kooperiert; wenn sie sich in das Gesamte, in die Einheit einfügt; wenn die Leberzelle akzeptiert, dass sie eine Leberzelle ist und keine Haut- oder Gehirnzelle.
Nächster Artikel: Nimm nicht sondern nimm an!
[1] Und hier erinnere ich gern an die Geschichte mit dem Hammer in dem Buch von Paul Watzlawick „Anleitung zum Unglücklichsein“.
[2] Ein solches Verhalten hält man inzwischen sogar für eine eigene Krankheit und sie hat inzwischen sogar einen Namen,: „Co-Abhängigkeit“, (siehe z.B. das Buch „Co-Abhängigkeit“ von Anne Schaef Wilson)
[3] Einfach mal den Namen bei www.youtube.com eingeben und sich bezaubern lassen!
[4] Auch dies Gaben des Heiligen Geistes
Eines Tages, beim Überarbeiten dieses Kapitels bekam ich ein Gleichnis gezeigt. Ich erhielt die Vision eines Weinstockes mit folgenden Worten: An diesem Weinstock sind Reben mit Trauben. Alle diese Trauben reifen zu ihrer eigenen Zeit. Wenn du nun eine Traube isst, die nicht reif ist, dann erscheint sie dir sauer, vielleicht bekommst du sogar Bauchschmerzen davon. Gib nicht der Traube die schuld, dass sie sauer und ungenießbar ist, sie kann nichts dafür, dass du sie zu früh ernten willst. Wenn du die Traube isst, wenn sie reif ist, dann ist sie süß und voller Geschmack, sie macht dich gesund.
Die rechte Zeit der Ernte, die rechte Zeit des Betrachtens des Geschehens deines Lebens erlöst dich von der Beurteilung, denn du wirst nicht beurteilen, sondern plötzlich wissen. Wenn du mitten in einer Situation stehst, dann nützt es nichts, die Erfahrung daraus auszuwerten, der Reifeprozess ist noch mitten im Gange, das Keltern der Erfahrung ergibt dann einen sauren Wein, Sauersein. Kannst du vertrauen, dass schon alles gut ist und abwarten, dann wird die Antwort automatisch irgendwann in deinem Herzen erscheinen und die Freude ist da. Und solange deine Beurteilung noch zu einem „sauren“ Ergebnis kommt, dann gehe davon aus, dass die Traube noch nicht reif ist. Warte mit der Ernte, mit dem Keltern. Atme tief durch und sage dir, „ich sag/denk jetzt einfach mal nichts, sondern warte eben mal ab, denn es fehlt wohl einfach nur noch ein wenig Zeit, Sonne und Regen!“ – das Leben sich entfalten lassen…
Die Trauben zu früh pflücken, d.h. die Dinge erzwingen, kontrollieren oder erkaufen, Kredite aufnehmen für etwas, wofür wir noch nicht reif sind, unausgegorene Wünsche, enttäuschte Erwartungen, jemand macht nicht, was wir wollen: das sind die sauren Trauben des Lebens.
Ende September, es sind wunderschöne Altweibersommertage, sind wir auf dem Spanischen Camino Portugués unterwegs. Kurz hinter der alten römischen Brücke Ponte Sampaio bekommen wir, als Pilger erkannt, direkt aus dem Kofferraum frisch von der Ernte eine ganze Einkaufstüte voller Weintrauben geschenkt, rote und weiße, so vier bis fünf Kilo. Auch am nächsten Tag ruft uns eine Frau zu sich ans Gartentor. Sie erntet gerade die Trauben ihres Weinstocks, der ein grünes Sonnendach über ihrem Garten bildet. Auch sie schenkt uns einen ganzen Eimer voller Weintrauben. Und diese privaten Weintrauben sind natürlich ungespritzt, gewaschen hat man sie uns trotzdem Es sind die süßesten, aromatischsten Trauben – sie hatten einen intensiven Muskatellergeschmack - die wir je in unserem Leben genießen durften. Keine der Trauben, die wir unterwegs gepflückt hatten – selbst in Rioja und im Bierzo – hat uns so gut geschmeckt wie die reifen, geschenkten Trauben. Wir bekamen in diesem Moment eine Menge Vitamine und Ballaststoffe auf unserer bisher sehr kargen Reise, neue Kraft und die wahre Süße des Lebens für unseren neuen Wegabschnitt.
Was für dich ist, das nimm zu dem Zeitpunkt, wo es von selbst zu dir kommt, was man dir freiwillig und von Herzen schenkt. Das ist, was für uns reif geworden ist, wofür wir reif geworden sind. Und genau so möchte Gott unsere Liebe und unseren Glauben. So möchte er, dass wir alles tun und behandeln. Freiwillig, nicht aus Angst oder Zwang oder Kontrolle oder Druck oder Manipulation oder Androhung oder Vertrag oder ein Mittel, um etwas anderes zu erreichen. Druck erzeugt zu häufig Gegendruck. Glaube, Leben und Liebe, das sind keine Verhaftung, keine Pflicht, kein Kompromiss und kein Befehl. Glaube ist am stärksten als Bedürfnis aus Liebe zu Gott, zu allen Menschen, zu dieser Welt. Er kann auf Dich warten. Bis Du von Dir selbst aus zurückliebst.
Gottt ist in Jesus Christus auf die machtloseste und kleinstmögliche Art auf die Welt gekommen: Als Säugling, vollständig angewiesen auf die Menschen für sein Überleben.
Mein Taufspruch heißt:
Psalm 37 (Lutherbibel 1984)
5 Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen
In der Übersetzung „Gute Nachricht Bibel“ ist es sogar noch deutlicher:
5 Überlass dem Herrn die Führung in deinem Leben; vertrau doch auf ihn, er macht es richtig!
Genau so ist es! Sobald man dieses zulässt, fällt das ganze Leben in die Ordnung zurück. Gott zu glauben und vollständig auf ihn zu bauen und zu wissen, dass alles gut ist, dass Er es richtig macht. Das ist damit gemeint, sein Haus auf einen Fels zu bauen. Dann kann jeder Sturm über einen hinweg gehen, denn man weiß ja, dass es gut ist. Kein Sturm bringt einen aus der Bahn, wenn man voller Vertrauen in Gott lebt. Auch im stärksten Sturm kann man jederzeit sagen: „Danke, dass Du es so geschaffen hast“ und dann Frieden mit der Situation schließen. Manchmal weiß man noch nicht, warum. Doch unser Zeithorizont und unsere Perspektive sind ja begrenzt, DAS können wir wirklich wissen.
Matthäus 7 (Lutherbibel 1984)
21 Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr, Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel…. 24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. 25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. 27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.
Gott ist der Schöpfer und Gott ist das wahre Werk, die Schöpfung. Gott zeigt uns in seinem wahren Werk und mittels seiner Schöpfung von allen möglichen Taten die Folgen auf, damit wir das Heilige verstehen und uns in unserem Leben und in unserem Vorgehen darauf ausrichten können. Und das Heilige liegt im Frieden Gottes, in der Liebe und Barmherzigkeit und in der Lebendigkeit. Daher beten wir im Vaterunser: Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden. Und: Erlöse uns von dem Bösen. Und so geht es einem, wenn man etwas anderes versucht:
Prediger 8 (Bibelübersetzung Neues Leben)
16 Ich habe versucht, zur Erkenntnis der Weisheit zu gelangen und alles, was auf der Erde geschieht, zu beobachten. Aber selbst wenn sich der Mensch Tag und Nacht keinen Schlaf gönnt, 17 wird er nie alles nachvollziehen können, was Gott auf dieser Erde tut. Wie sehr er sich bemüht, wie sehr er forscht, er wird es nicht ergründen können. Nicht einmal der weiseste Mensch kann es verstehen, selbst, wenn er es behauptet.
Eine meiner Klientinnen haderte sehr mit Gott über ihre aktuelle Lebenssituation. Während der Behandlung merkten wir, dass sie in einer selbsterdachten Welt lebte mit der Überschrift: „Ich kann gar nicht glücklich werden“. Wir haben diesen Glaubenssatz und ihr Herz den himmlischen Kräften überantwortet und behandelt und sie – die visuell sehr begabt ist – sah einen riesigen Dämon und eine Gruft, in der sie sich selbst eingesperrt hatte. Am Ende der Behandlung hatte sich die Überschrift gewandelt, sie bekam den Satz geschenkt: „Ich glaube, dass es gut ist“. Eine Einsicht, die in Gottes Reich hineinpasst. Gleichzeitig wandelte sich ihr Gottesbild von einem strafenden Gott von oben, der das Schicksal förmlich in Kübeln über sie ausschüttete, in einen Gott, der seine Hand unter sie hält und sie trägt, in eine wärmende Sonne, auf der sie stehen kann. Den Satz: „Ich glaube, dass es gut ist.“ wird sie nun in ihrem Alltag verankern.
Einmal sprach ich mit Santiago über das Verhalten eines anderen Menschen aus meiner Kindheit. Da sagte Santiago: „Meine Güte! Und wenn dieser Mensch mal tot ist und bei Petrus an die Tür klopft, dann wird Gott ihn beiseite nehmen, ihm an den Kopf klopfen, und fragen: „Sage mal, was hast Du Dir eigentlich DABEI bloß gedacht!“
Zuerst musste ich bei der Vorstellung des: „Was hast du dir dabei gedacht?“ einfach nur lachen, aber irgendwann blieb es mir das Lachen im Hals stecken. Vielleicht ist es das, was nach unserem Tod passiert, vielleicht das, was mit dem Fegefeuer, der Hölle gemeint ist: Der Moment der Wahrheit. Dass wir wirklich bis zu Ende denken und erkennen können, wie wir gehandelt haben. Und er uns fragt: „Sag mal, was hast Du Dir dabei nur gedacht? Für was für einen Gott hälst Du mich eigentlich?“
Dort werden wir keine Chance haben auszuweichen, weil gleich die Nachrichten anfangen, wir aufs Klo müssen, müde sind, keine Lust oder Hunger haben, jemand anruft oder wir zur Arbeit müssen – ein Ort, an dem es keine Verdrängung und keine Ablenkung mehr gibt. Weil wir wirklich unsere Handlungs- und Verhaltensweisen bis zu Ende betrachten und ihre Folgen klar sehen können – wie etwa Ebenezer Scrooge in dem Buch „A Christmas Carol“ von Charles Dickens, auch sehr schön in der Filmfassung der Jetzt-Zeit mit Bill Murray: Die Geister, die ich rief. Vielleicht bekommen wir so etwas wie Rückblenden, wie einen Film gezeigt mit all den Momenten, wo wir eine andere Richtung hätten einschlagen können, dorthin, wo wir vielleicht immer hinwollten, wovon wir immer geträumt haben, was wir uns so sehnlich gewünscht, aber nicht erfüllt haben. Der Moment der Wahrheit: Wenn wir die Folgen unserer Wegverfehlungen vollständig erkennen können.
Inzwischen habe ich das Gefühl vermittelt bekommen, dass die Frage aus dem strahlenden Gesicht Gottes lauten wird: „Und, warst Du mit deinem Leben zufrieden? Habe ich nicht eine schöne Welt geschaffen?“ Er HAT eine schöne Welt geschaffen! Was aber, wenn wir dann damit kommen: „Diese Welt ist ein Jammertal! Ich fand mich hässlich, untalentiert, vom Schicksal geschlagen, ohne Chance! Naja, für die Anderen war es vielleicht möglich, mit ihrem Leben zufrieden zu sein, aber für mich doch nicht! Ich hatte so viel Stress! Mein Beruf war schrecklich, langweilig und öde. Meine Ehe war schlicht eine Katastrophe. Und meine Kinder: Na, Du siehst ja, was draus geworden ist!“
Und was – wenn er mit sanften, freundlichen Augen uns direkt ins Herz sieht und dort die Wahrheit findet und hervorholt, die da – seien wir ehrlich – doch schon immer war:
„Wenn Du mir vertraut hättest und mit ein bisschen Mut hättest Du doch an diesem Punkt jenen Weg einschlagen können und … (was auch immer). Ich hatte beide Hände voller Glück an dieser Stelle für Dich bereit, aber Du kamst nicht, Du bist da stehen geblieben. Was war denn bloß?“ Was werden wir dann erzählen? Von unserer Krankenkasse, von unserer Altersversorgung? Von unserem Haus, unserem Auto, unserem Boot? Davon, dass wir nicht gewusst hätten, wovon wir dann leben? Dass unsere Kinder aber dringend eine Playstation gebraucht hätten? Und dann fragt Er weiter: „Wie kamst Du nur darauf, dass Du von mir nichts bekämst, wenn Du etwas tust, was Dir und anderen gut tut, was Dir Spaß macht? Ich will Euch doch nicht unglücklich, gelangweilt oder gestresst sehen!“ Und dann begreifen wir vielleicht langsam, was wir uns haben entgehen lassen, was wir alles hätten tun können, wie traumhaft alles hätte werden können, wenn wir der Verheißung gefolgt wären. Wenn wir an Gottes Reich mitgearbeitet hätten.
Da wird es brennen an dem Ort, den wir lebend Herz genannt haben, die Flammen der Scham, der Reue, des Erschreckens, des „Oh Mann, bin ich BLÖD gewesen!“ Der Moment der Wahrheit: Wenn wir vor Gott, der Glaube, Liebe und Hoffnung ist, stehen, mit unserem Leben vor uns in der Hand, könnten wir ihm dann ins Auge sehen, können wir uns selbst ins Auge sehen?
Und vielleicht sehen wir auch dann die Welt und er fragt uns: „Sag mal, Du hast doch gesehen, dass so viele Menschen hungern. Warum hast Du denn eigentlich nichts dagegen getan?“ Wir können schon heute uns mal einen Moment der Wahrheit gönnen und uns diese Frage schon heute stellen. Warum nicht jetzt, in diesem Moment?
Gott zu lieben und zu ehren heißt sicher auch, aus uns, aus diesem Leben, aus dieser Welt etwas Schönes und Wertvolles zu machen, das Geschenk Gottes zu würdigen und wertzuschätzen. Warum nicht zumindest ab heute?
Nehmen Sie sich Zeit für Ihren Persönlichen Moment der Wahrheit – jetzt…
Bist Du mit Deinem Leben zufrieden?
Habe ich nicht eine schöne Welt geschaffen?
Ich möchte hier eine neue Technik vorschlagen, mit der wir Probleme klären, Sinn finden, Fragen beantworten und Gegensätze miteinander vereinen kann. Und zwar schaffen wir uns ein Gottesboard. Was ist das?
Wir nehmen eine Pinwand, eine Magnettafel oder ähnliches, natürlich tut es auch ein kleines Büchlein. Diesem Gottes-Board übergeben wir alle die Dinge, die wir nicht verstehen und für die wir gern eine Erklärung oder eine Lösung hätten. Wenn zum Beispiel Gegensätze zu überwinden sind, dann schreiben wir diese, z.B. auf einem Kärtchen oder einem Post-It einander gegenüber und verbinden sie durch ein Herz, z.B. ->
Wir können Bitten und Fürbitten zum Besten aller Beteililgten formulieren, Fragen stellen und alles, was wir nicht selbst lösen können, einfach aufschreiben und abgeben. Betrachten wir all das, was wir aufschreiben, als ebenso klares wie demütiges Bekenntnis, dass wir es nicht allein schaffen und um Gottes Hilfe dabei bitten. Nehmen wir immer wieder diese Themen mit ins Gebet. Wir bekommen eine Lösung. Wenn wir die Zettel wieder vom Gottes-Board abnehmen, weil sie sich erledigt haben, dann können wir das Ergebnis oder die Lösung und wie es dazu kam auch aufschreiben. Ich bin sicher, dies wird ein kleines „Buch der Wunder“.


