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Ponte de Lima

Als wir den Camino Portugués wanderten, erreichten wir in der Nacht in Ponte de Lima einen gefühlsmäßigen Tiefpunkt. Wir kamen eigentlich rechtzeitig in dieser schönen Stadt an, an die ich gute Erinnerungen hatte, weil ich dort vor 15 Jahren einmal mit meinem Ex-Ehemann einen entspannten Tag verbracht hatte, an dem ich auch den wunderbaren Vinho Verde aus Ponte de Lima kennen gelernt hatte.. Doch wir fanden keine Unterkunft.

Es sollte eine Behelfsherberge geben, so hatten die Altherrenpilger uns in dem Büchlein gezeigt. Wir fanden keinen Hinweis darauf. Das Tourismusbüro war schon zu. Die Bombeiros Volontarios nahmen hier keine Pilger auf, die örtliche Jugendherberge, zu der wir noch 2,5 km laufen mussten, war uns mit 11 Euro pro Person viel zu teuer. Nach der 40-km-Etappe mit strammen Aufstiegen wollten die Füße einfach nicht mehr, und dafür hatten wir uns extra die Beine so lang gelaufen. Wir liefen am Rio Lima den breiten Platanenweg wieder zurück. Nach der vergeblichen Suche wollten wir zumindest wissen, wo denn unsere Pfeile für den nächsten Morgen waren,  also zur Brücke zurück, wo der letzte Pfeil sein musste, dann zur Kirche zum Abendgottesdienst, vielleicht würde es dort Hilfe geben. Nach der Messe fragten wir eine Nonne, die konnte uns auch nicht helfen, der Pfarrer war in Sekundenschnelle verschwunden. Es war schon kurz vor acht Uhr, wir mussten zumindest noch etwas zum Abendessen einkaufen Schinken gab’s  für mich und den fantastischen, örtlichen Limiano-Käse für Santiago, dazu leider nur „Pan Rico“. Das bedeutet eigentlich „reiches“ oder „leckeres Brot“, in Wahrheit ist es aber wabbeliges Tütenweißbrot.

Wieder zurück zum Platanenweg! Immer wieder kamen wir hier vorbei. Als ich das letzte Mal in Ponte de Lima war, hatten wir in dem modernen Hotel direkt dort bei den Platanen übernachtet, einfach die Kreditkarte gezückt, bezahlt und waren dann noch lecker Essen gegangen, hatten Wein gekauft, wie man es als Tourist so macht. Damals arbeitete ich noch bei HP, hatte ein sechsstelliges Jahresgehalt, wir waren mit meinem großen Mercedes-Dienstwagen unterwegs. Was für ein Unterschied, das wurde mir in diesen Stunden immer wieder bewusst. Jedoch nicht, dass ich  dieses Leben zurück haben wollte…was ich gerade erlebte, war so viel bedeutungsvoller, gerade dieser Punkt der Strecke enthielt für mich ein Lehrstück Gottes der Extraklasse!

Psalm 57 (Lutherbibel 1984): 3 Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten, zu Gott, der meine Sache zum guten Ende führt.

Wir entschlossen uns, unsere die Flechas für den nächsten Tag zu suchen, um an der Strecke irgendwo uns ein Plätzchen zum Schlafen zu finden. Doch bald war es zu dunkel, wir sahen die Pfeile nicht mehr. Wir suchten uns also einen vor Entdeckung geschützten Platz zum draußen schlafen und fanden ein verwaistes Grundstück, in dessen Zaun wir ein großes Loch entdeckten. Wir kletterten hindurch, bereiteten uns unter Büschen ein Lager.  Bei unserem Aufbruch entdeckten wir, dass es das Gelände des stillgelegten Klärwerkes war…

Gegen ½ 4 Uhr morgens wurden wir von Regentropfen geweckt. Schnell packten wir unsere Sachen, damit unsere Sachen von dem sandigen Boden nicht schmierig-matschig würden, und gingen zurück zum letzten Pfeil. Etwas zurück, am Platanenweg, war ein Haus gewesen, an dem Kerzen brannten, und wo wir den letzten Pfeil gesehen hatten, vielleicht gab es dort einen Unterschlupf, so war uns zumindest. Aber Fehlanzeige! Wir setzten uns auf eine Bank unter den Platanen und deckten uns mit den Schlafsäcken zu, um im Sitzen noch ein wenig zu schlafen. Eine Zeitlang waren die mächtigen Bäume ein guter Regenschutz, doch irgendwann wurde der Regen zu stark und fand seinen Weg durch das Blätterdach. Ganz in der Nähe führte die neue Autobahnbrücke über den Lima. Und so kamen wir dazu, tatsächlich unter einer Brücke zu schlafen  – auf einem winzigen Rasenplatz neben ein paar Büschen, direkt neben dem Weg, nur wenig von den Blicken möglicher Vorbeigehender verborgen.

Zum Glück fanden wir beide noch 2 Stündchen Schlaf. Am Morgen, einem Samstag, brachen wir sehr früh auf, fanden unsere Pfeile wieder und machten uns auf den Weg. Wir hatten kein Brot mehr und unser Hunger auf Frühstück wuchs. Alles, was wir noch hatten, waren ein paar Schlucke Wasser, Santiago ein paar Scheiben Limano-Käse und ich 2 – 3 Scheiben Schinken. Auf der Suche nach einer Toilette fanden wir einen winzigen, uralten Laden mit Café an der Straße. Es war gar nicht ganz klar, ob er offen war oder nicht, doch ich ging hinein. Und dort erstand ich für 1,63 Euro eine Flasche Ananas-Saft, zwei Pfirsiche und – die letzten vier Brötchen, wirklich das allerletzte Stück Brot, was noch da war. Ich war so glücklich und wurde so euphorisch nach dieser Nacht – über vier Brötchen. Ich freute mich den ganzen Morgen, wir frühstückten auf einer Mauer am Wegesrand, lachten, scherzten und waren unseres Lebens wieder froh. Vier Brötchen haben unseren ganzen Morgen in die gleißende Sonne des Frohseins getaucht. Vielleicht kann man sich das nicht vorstellen, wenn man das nicht erlebt hat, doch so viel Glück für „eigentlich so wenig“ zu erleben – das war ein unvergessliches Erlebnis, ich lernte das Kleine wertzuschätzen, weil ich wenig hatte und mir unerwartet ein dringendes Bedürfnis erfüllt war : Unser täglich Brot gib uns heute…

Vor dem Camino hatte ich die letzten Monaten, teils bewusst, teils von oben ‘angeregt’ in Armut verbracht. Auf dem Camino habe ich unterwegs erfahren, dass das Leben trägt. Wenn ich nichts anderes habe, als mich selbst, dann kann ich nur mich geben. Phasen der Armut haben im Leben einen segnenden Effekt, wenn man sie mit Freuden annimmt und dadurch das Reich Gottes hier auf der Welt erfährt. Das kann man an unserem Aufenthalt in Coimbra und an der Freude über die Brötchen in dem Dorf nach Ponte de Lima erfahren und in dem Geschenk der Weintrauben auf dem Weg.

Wir haben in Portugal nur noch in karitativen Einrichtungen geschlafen, die am Weg auftauchten, bei der freiwilligen Feuerwehr, in Gemeindehäusern, im Kloster etc., und haben keinen Pfennig mehr für Übernachtung ausgegeben, trotzdem haben wir nur einmal draußen geschlafen. Wir haben oft etwas zu Essen geschenkt bekommen und der Höhepunkt war in Coimbra, wo wir (sogar) zwei Tage (pilgerunüblich!) in der Casa de Abrigo bei Vollverpflegung verbracht haben, im Armenhaus. Wir wurden darin trainiert, dass schon alles da ist, was man wirklich braucht und zwar genau zu dem Zeitpunkt, wo man es braucht. Wir haben tatsächlich Gottes Reich erfahren dürfen. Und wir waren an diesem Ort unheimlich glücklich. Für die anderen Bewohner des Heimes waren wir sicher auch eine besondere Erfahrung, nämlich dass es Hoffung gibt, das man einfach so auf dem Weg zu einem Ziel jenseits der Angst unterwegs sein kann, erfüllt, dankbar, zufrieden, liebevoll und miteinander vertraut.

Nach der Rückkehr von meiner Pilgerreise kam es natürlich darauf an, diese Erkenntnis auch im Alltag umzusetzen und das ging erstmal gründlich schief, ich bin kurzfristig in meinen alten Trott verfallen, habe mich ehrlicherweise dabei immer wieder selbst ausgetrickst, weil ich nicht vertraut habe. Doch dann lernte ich, und es wurde langsam, ein stetiger Weg aufwärts. Und: Erkennend über sich selbst lachen ist gesund!

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Markus 10 (Lutherbibel 1984)

17 Und als er sich auf den Weg machte, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? 18 Aber Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein. 19 Du kennst die Gebote: »Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst niemanden berauben; ehre Vater und Mutter.« 20 Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. 21 Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach! 22 Er aber wurde unmutig über das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter. 23 Und Jesus sah um sich und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen! 24 Die Jünger aber entsetzten sich über seine Worte. Aber Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie schwer ist’s, ins Reich Gottes zu kommen! 25 Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme. 26 Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann dann selig werden? 27 Jesus aber sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist’s unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.

Das will ich gern wiederholen: aber bei Gott sind alle Dinge möglich. Mit jedem Unglauben reißen wir sein Reich wieder ein Stück ein. Hier ist die Entscheidung zu treffen. Jeder hat vielleicht einen versteckten Grund, nicht daran zu glauben, dass bei Gott alle Dinge möglich sind, doch das sollten wir mit aller Kraft herausfinden und daran arbeiten, diesen Glauben zu wandeln.

Bei mir  hat es sich herausgestellt, es war ein Erlebnis in der Kirche, als meine Eltern zum Abendmahl nach vorn zum Altar gingen und mich – die ich wirklich gerne mitwollte – nicht mitnahmen und mich bei meiner Tante ließen mit den Worten: Das ist (noch) nichts für dich! Daraus machte ich eine erdachte Welt: Gottes Nahrung ist für andere, aber nicht für mich. Ein großes Gefühl von abgekoppelt sein, mir wurde Gottes Nahrung / Gottes Welt vorenthalten und ich war in Gottes Welt fehl am Platz, sie ist für andere, nicht für mich. Darüber war ich auch schwermütig, fühlte mich übersehen und gleichzeitig wutentbrannt.

Der Erzengel Michael hat mich wieder in Gottes Welt eingeladen mit den Worten: In Gottes Welt bist du erwünscht, ersehnt und sehr willkommen. Des Vaters Haus hat viele Wohnungen und an seiner Tafel ist immer Platz für Dich, ebenso in seiner Kleiderkammer und auch sonst. Ich kann jetzt vertrauensvoll und offen mich in dieser Welt bewegen und sanft mit mir und dieser Welt umgehen. Gottes Nahrung vervollständigt mich, sie erfrischt mich und ich fühle mich mit eingeschlossen und bedacht.

Auch die Apostel bestätigten dies in Lukas 22, 35 (Lutherbibel 1984): Und er sprach zu ihnen: Als ich euch ausgesandt habe ohne Geldbeutel, ohne Tasche und ohne Schuhe, habt ihr da je Mangel gehabt? Sie sprachen: Niemals.

Markus 10 (Lutherbibel 1984):

15 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.

Wie ein Kind bedeutet: Das Kind gibt nichts dazu, außer dass es ist, es selbst ist, sich nach seinen eigenen Kräften einbringt. Aber es empfängt doch alles aus der tätigen Sorge seiner Eltern, so wie wir aus der tätigen Sorge Gottes alles erhalten, wenn wir unseren Teil, uns mit unseren Fähigkeiten, in Gottes Welt hineinweben.

Lukas 6 (Lutherbibel 1984):

20 Und er hob seine Augen auf über seine Jünger und sprach: Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer. 21 Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr sollt satt werden.

Für die Dinge, die ich erhalte, gebe ich jedem, fast ohne Dazutun, etwas anderes zurück als Geld, etwas viel Schöneres, etwas, was viel mehr ich bin und aus mir herauskommt. Denn etwas anderes – außer mir selbst – habe ich ja momentan auch nicht zu geben.

Wie ist es also mit Reichtum und Gottes Reich:  Wenn man Geld hat und Sicherheit hat, dann kann Gott weniger hervortreten mit seinen Wundern, seinen Gaben. Man sorgt für sich selbst, kauft sich Sicherheit und der Zufall hat weniger Chance einen zu überraschen. Man braucht Gottes Reich nicht zu erfahren und tut es daher nicht in dem Maße wie der, der darauf angewiesen ist.

Die Freude, das intensive Glücksgefühl über eine Nacht in einem Bett, ein warmes Essen – wer hat die schon, wenn er wohnt, ein Bett hat, und sich jeden Abend dort schlafen legt. Wer aber kein Bett besitzt, eines bekommt und dort warm und weich schlafen kann, ist voll des Glücks. Ich freue mich jeden Tag darüber, hier wie auch in der Zeit auf dem Camino.

Man bittet nicht, man ruft nicht Gott um Hilfe, sondern man löst das Problem mit Geld, indem man etwas kauft, jemanden bestellt oder bezahlt. Wenn man aber darauf angewiesen ist, sich auf die Welt bzw. Gott zu verlassen, dann wird „der Tag auch für sich selbst sorgen“, wenn man sich gleichzeitig selbst um Gottes Reich bemüht, dort, in die gemeinsame Geldbörse des Himmels „einzahlt“. Da ist ja dann genug da!

Lukas  12 (Einheitsübersetzung):

33 Verkauft eure Habe und gebt den Erlös den Armen! Macht euch Geldbeutel, die nicht zerreißen. Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, droben im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst. 34 Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.

Ganz automatisch wird durch das Erfahren des Reiches Gottes in einem selbst der Wille angefacht, auch ein Teil dessen zu sein, ebenfalls freiwillig zu geben und seine tief empfundene Dankbarkeit zu zeigen. Wenn Jesus sagt: eher wird eine Kamel durch ein Nadelöhr gehen, als dass ein Reicher in Gottes neue Welt geht, dann darum, weil ein Reicher das Gefühl der Dringlichkeit eines Bedürfnisses nicht so erfährt wie ein Armer und auch nicht das Glücksgefühl, wenn dieses Bedürfnis erfüllt wird.  Paulus sagt dazu in seinem 1. Brief an Timotheus, 6 (Übersetzung Neues Leben):

17 Sag allen, die in dieser gegenwärtigen Welt reich sind, sie sollen nicht stolz sein und nicht auf ihr Geld vertrauen, das bald vergehen wird. Stattdessen sollen sie ihr Vertrauen auf den lebendigen Gott setzen, der uns alles reichlich gibt, was wir brauchen, damit wir uns daran freuen und es genießen können. 18 Fordere sie auf, ihr Geld zu nutzen, um Gutes zu tun. Sie sollen reich an guten Taten sein, die Bedürftigen großzügig unter­stützen und immer bereit sein, mit anderen zu teilen, was Gott ihnen gegeben hat.

Wichtig ist: es geht nicht darum, dass irgendwann jemand sagt: hier und ab jetzt ist das Reich Gottes da, ab jetzt sorgt Gott für mich, sondern dass der Mensch selbst entscheidet und dann selbst erfährt und merkt: Gottes Reich ist da, ich fühle es, ich lebe drin und ich stehe voll in seiner Fürsorge, ich verlasse mich darauf. Die eigene Hand aufmachen und die weltliche Sicherheit loslassen, um so mit dieser Hand Gottes Hand zu ergreifen und auf Seine Sicherheit setzen. Wer sich um Gottes Reich sorgt und dafür arbeitet, sich dafür einsetzt, jeder auf seine ganz persönliche Weise und es muss nicht mit Geld sein, für den wird gesorgt, sofern man Gottes Reich es tun lässt. Als Arme bekommen wir die reale Chance, dass das Vertrauen und der Glaube in Gottes Reich durch tatsächliche, tägliche Erfahrung sich festigen können.

Lassen wir Johannes den Täufer hier das letzte Wort haben, auf die Frage, was wir tun können in Lukas 3 (Lutherbibel): 7 Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging, um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiss gemacht, dass ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? 8 Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken. 9 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 10 Und die Menge fragte ihn und sprach: Was sollen wir denn tun? 11 Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer zu essen hat, tue ebenso.

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Es mag für uns erstmal eine riesige Angst bedeuten, in diese so andersartige Welt zu gehen und wir mögen uns viele Sorgen machen, doch ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass das Wichtige immer genau zum richtigen Zeitpunkt da ist, nicht vorher und nicht später. Dazu nochmals diese Geschichte:

Porto, Blick über den Douro auf die Sé und den Bischofspalast

Als wir aus Porto rauswanderten, waren wir beide nicht in sehr großer Laufstimmung. Wir hatten unsere gelben Pfeile ganz schnell verloren und liefen auf der Landstraße. Zwischen den Orten war kaum Wald, Feld oder Wiese, alles wirkte wie eine lang gezogene Ortschaft entlang der Landstraße.  Der Verkehrslärm ermüdete mehr als alles andere, eine kilometerlange Baustelle begleitete uns und schon am Nachmittag war ich des Laufens wirklich müde. Das Wetter trübte sich ein und alles wurde grau. Wir gingen durch das Städtchen Lourosa. Nachmittags um vier entdeckte ich auf der anderen Straßenseite die Bombeiros Volontarios, die freiwillige Feuerwehr. Ich fragte Santiago, ob wir es da mal probieren wollten, war aber auf eine Absage gefasst, weil es erst vier Uhr nachmittags war. Doch er ging mit mir über die Straße und wir fragten, ob wir dort übernachten konnten.

Wir bekamen grünes Licht und noch bevor wir unseren Raum gezeigt bekamen, einen unbenutzten Gemeinschaftsraum mit Bar und Schaumstoffmatratzen auf dem Fußboden, kam der Kommandante zurück und fragte uns, ob wir etwas essen wollen. Er ging mit uns schnell in das zum Komplex gehörige öffentlich bewirtschaftete Casino der Bombeiros, um uns dem Koch Elia vorzustellen. Als wir dabei zwei, drei Schritte ins Freie traten, da regnete es schon in Strömen. Es regnete die ganze Nacht durch wie aus Eimern bis morgens um fünf. Die Hilfe von oben kommt immer im richtigen Moment!  Denn wäre die Feuerwehr früher da gewesen, hätten wir wohl noch nicht anhalten wollen, wäre sie später gekommen, wären wir klitschenass geworden. Wenn man sich keine Sorgen macht, dann kann man unbeschwert laufen und ist aufmerksam genug, genau das zu finden, was man braucht. Und: es gab ein dort Fernseher mit Fußball (Champions League) für Santiago, was er sich schon lange gewünscht hatte.

Wenn wir ständig in Sorge sind, dann machen wir uns nur selbst fertig und verpassen unsere Wegweiser.

Nochmals: Was wir wirklich brauchen, kommt zum rechten Zeitpunkt.

Nicht zu früh, nicht zu spät.

Sorge Dich nicht, lebe im Augenblick!

Wenn wir zu früh etwas haben wollen, belasten wir uns unnötig.

wenn wir nicht im Moment leben, präsent sind, dann verpassen wir,

was für uns ist.

Woher weiß ich, dass es der richtige Zeitpunkt ist? Weil da ist, was ich brauche. Woher weiß ich, dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist? Weil das, was ich brauche, nicht da ist und/oder etwas anderes ansteht. Wir brauchen Armut und die Akzeptanz dafür, um zu erfahren, dass es auch ohne die vielen Silberlinge geht. Wenn wir etwas brauchen, dann ist es oder Geld dafür da, wenn nicht, ist es nicht die Zeit dafür oder es geht auch anders und wir sind gehalten, dieses “anders” zu finden. Und es gibt auch das “Bitte und es wird dir gegeben, klopfe an, und es wird dir aufgetan”, was wir auch ausprobieren sollten.

Beispiel: Wir können unsere Miete nicht zahlen und sind auf einer anderen Ebene vielleicht einsam und allein, vielleicht einfach auch nur frustriert oder deprimiert aus obigen Gründen, nehmen die Einsamkeit aber nicht wahr. Dann kann uns das zeigen, dass wir unsere Miete lieber mit jemandem teilen oder unsere Eltern zu uns nehmen sollten, bei jemand anderem einziehen, eine WG gründen, aus einer zu großen Wohnung in was kleineres umziehen oder was auch immer…

Seien wir kreativ, schauen wir uns die ganze Realität an. Wenn das Geld fehlt, was fehlt uns noch oder vielleicht noch dringender? Und wenn eine Lösung mit Geld möglich wäre, welche andere Möglichkeit würde sie uns verstellen, um diese unsere Welt zu einer möglichen, schöneren Welt zu machen, mit mehr Wärme, Menschlichkeit, Freude, Teilen? Welche Fähigkeiten können wir dadurch entwickeln, dass wir das jeweilige Problem nicht mit Geld lösen können, sondern die Dinge selbst in die Hand nehmen oder uns jemanden suchen?  Was ist das Gute daran? Dann bringt uns das Nicht-Geld-haben auch etwas, was wir mindestens genauso wenn nicht noch mehr brauchen.

Doch das Handeln aus Existenzangst, dieses sich selbst Verkaufen, etwas wegen des Geldes tun: es kann durchaus sein, dass es sich dabei um eine gemeinschaftliche Trance handelt, eines dieser Gedankenmodelle einer erdachten Welt, das durch alle, die daran glauben, in die Welt gerufen ist – eine Eigenschöpfung, eine Kreation einer großen Gruppe Menschen, fern ab von Gottes Welt. Nehmen wir daran teil und es ist so in unserem Leben, gehen wir voll Überzeugung einen anderen Weg und es ist anders. Wie wir zu der festen Überzeugung kommen? Der Himmel kann uns helfen, er kann uns aus dieser Gedankenwelt umgehend herausführen, uns unsere Dornenkrone abstreifen. Ich bitte darum und – meine Welt ist anders. Denn es ist so:

Lukas 9 (Lutherbibel 1984)

25 Denn welchen Nutzen hätte der Mensch, wenn er die ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst oder nähme Schaden an sich selbst?

Bitte seht mich nicht als zynisch an über das Schicksal von einer Unzahl von Menschen, die auch heute noch verhungern, dazu komme ich später. Ich rede von unseresgleichen, die sich hier arm fühlen oder in ihrer Existenz bedroht, täten sie, was sie gern tun würden. Nutzt die gute Gelegenheit, diese Zeit, Gottes Reich zu erfahren! Doch wenn sich mehr Menschen um Gottes Reich kümmern und füreinander da wären, wenn es das Ungleichgewicht zwischen Über-Fülle und Armut nicht gäbe, dann gäbe es wahr­scheinlich auch dies in den anderen Regionen der Erde nicht. Wenn Ihr Eure Armut annehmen und schätzen und lieben lernt und ihre Vorteile und das in ihr erfahrbare Glück erkennt, wird sich das Leben von Grund auf verändern.

Dieser Hans im Glück wohnt bei mir um die Ecke am Märchenbrunnen, meinem Sommerwohnzimmer

Der Grimm’sche Hans im Glück war tatsächlich am Ende im Glück, er hatte alle seine Belastungen verloren und nur noch eines am Leibe, nämlich das, was er in seiner Lehre gelernt hatte und die Erkenntnis, wie belastend Habe ist. Es ist nicht schlimm, Materielles auch in größeren Mengen zu verlieren. Ich habe es erlebt,  es war schnell zu verwinden, es war jedes Mal hinterher besser. Es waren Kurskorrekturen, mächtige gelbe Pfeile im Leben. Ich habe mich an Gott und am Sinn festgehalten und an das Gute geglaubt. Er hat sich erwiesen. Es geht mir heute viel besser als in der Zeit, als ich viel hatte, aber auch viel Last damit hatte. Ich kann dazu heute von Herzen sagen: Fürchtet Euch nicht! Ihr werdet einfach etwas anderes erleben. Und sollte jetzt eine Zeit anbrechen, in denen viele Habe verlieren, so sage ich nochmals: Fürchtet Euch nicht, sondern freut Euch, denn Ihr werdet dafür finden, was Ihr lange vermisst habt, ihr werdet Einander finden – Gemeinschaft und Freude im Teilen, im Geben und Empfangen. Und Sorglosigkeit.

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Unser Atem fließt durch uns – täglich, ständig. Wenn der Atem fehlt, dann fehlt nach kurzer Zeit das Leben, Atem erhält uns am Leben. Der Luftaustausch findet nach göttlichen Prinzipien statt, es ist immer genug da. Luft kann man nicht besitzen, keinen Grundbucheintrag dafür erwerben, sie für sich behalten, horten oder anderen vorenthalten, keiner hält die Hand auf und sagt: Sie haben geatmet, das kostet jetzt 5 Euro. Luft ist für alle da. Sie strömt überall hin, füllt alles an, jeder bekommt, soviel er braucht.

Atmen ist Austausch, Atem ist Geben und Nehmen, wir nehmen den Sauerstoff und geben das Kohlendioxyd. Und die Pflanzen nehmen das Kohlendioxyd und geben den Sauerstoff. Der Austausch findet automatisch und unreguliert statt. Der Atem wird durch unser Herz an den Körper weitergegeben. Unsere Atemorgane, Lunge und Herz, sitzen gemeinsam im Zentrum des Kreuzes, da, wo sich beide Balken verbinden – im Liebeszentrum. Atem ist Liebe, Atem ist Energie, Atem ist Leben.

Im Griechischen ist Atem das Wort (πνεuμα) pneuma, Nebenbedeutung Hauch, Luftstrom, Leben, Seele, Geist und dieses Wort wird auch für den Heiligen Geist benutzt πνεuμα τò άγιον (pneuma to agion). Der erste Mensch wurde durch den Hauch Gottes zum Leben erweckt: 1. Mose 2 (Einheitsübersetzung).

7 Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.

Atem ist allen frei zugänglich.

Für unseren zweiten Aufnahmevorgang „Essen und Verdauen“ gilt im Prinzip gottgewollt dasselbe. Noch heute lebt zum Beispiel das Volk der Hazda in Tansania so. Diese Erde bietet genügend Nahrung und Ressourcen für alle, und zwar wenn sie allen zugänglich ist und gerecht verteilt werden. Wenn jeder bekommt, was er b(r)aucht. Haben wir teil am Geist Gottes, so wissen wir einfach, die Welt, die ist für uns alle gemacht. Kleines Beispiel: Es gibt eine Torte auf dem Tisch, für jeden ist ein Stück da. Was denken wir, wenn einer sich ¾ der Torte nimmt und die restlichen 11 Leute sich ein Drittel der Torte zu teilen haben. Da kriegten wir große Augen und ein massives Ungerechtigkeitsgefühl und blieben hungrig, wenn wir zu den 11 gehören würden. Und der Eine kriegt Völlegefühl und mindestens eins auf die Pfoten. Leicht zu verstehen, oder? Zu den 11 gehören übrigens nicht nur die Armen dieser Welt, sondern vor allem unsere Kinder und Kindeskinder, denen wir schamlos „die Torte wegfressen“.

Was zurzeit besteht, ist ein großes Ungleichgewicht, eine große Ungerechtigkeit: 25 % aller Kinder in den USA waren lt. WHO in den 90er Jahren übergewichtig, weltweit sind 22 Millionen Kinder unter 5 Jahren übergewichtig. Dafür sterben 6 Millionen Kinder jährlich an den Folgen von Hunger und Unterernährung, alle 6 Sekunden eines, in 2008 sind laut UNO ca. 100 Millionen Menschen jährlich an Hunger gestorben.

Es ist wohl nicht gerechtfertigt, einen über den Eigenbedarf hinausgehenden Teil dieser Erde für sich selbst zu beanspruchen. Diese Welt gehört Gott, damit allen Menschen, daher ist Besitz, der über die persönlichen Grundbedürfnisse hinausgeht, an sich wohl kein erwünschter Zustand, kein gerechter Zustand.

In 3. Mose 25,23 (Gute Nachricht Bibel) ist von Gott zu vernehmen:

23 Besitz an Grund und Boden darf nicht endgültig verkauft werden, weil das Land nicht euer, sondern mein Eigentum ist. Ihr lebt bei mir wie Fremde oder Gäste, denen das Land nur zur Nutzung überlassen ist.

Die Naturvölker wussten das und wissen das, so lebten auch die Indianer in Nordamerika und die Ureinwohner Australiens. Sie folgten der gottgegebenen Nahrung und sahen sich im Recht, vorübergehend einen Ort sorgsam zu nutzen, ihn aber auch wieder freizugeben, ohne ihn auszubeuten. Sie nutzten achtsam, was sie brauchten, ohne zu horten.

„Erst wenn der letzte Baum gerodet,
der letzte Fluss vergiftet,
der letzte Fisch gefangen ist,
werden die Menschen feststellen,
dass man Geld nicht essen kann.“

(kanadische Cree-Indianer)

Und wenn der Besitz dann noch dazu verwandt wird, andere Menschen damit auszu­nehmen und die Erde auszubeuten, schlägt die Gnade dieser Erde zum Gegenteil um. Der Seite www.oekosystem-erde.de entnahm ich diese Information.

„In der Summe betrug der globale Ressourcenverbrauch im Jahr 2002 fast 53 Milliarden Tonnen; für das Jahr 2020 werden 80 Milliarden Tonnen erwartet. Die Jäger und Sammler hatten einen Verbrauch von etwa 1 Tonne natürlicher Rohstoffe pro Kopf und Jahr, der Einwohner eines Industrielandes verbraucht heute zwischen 15 und 35 Tonnen Rohstoffe im Jahr. Da zudem die genutzten Produkte heute in der Regel aufwendig hergestellt werden und während der Kette weitere Rohstoffe verbraucht werden, liegt der Verbrauch in den Industrieländern bei Berücksichtigung dieser Vorstufen tatsächlich sogar zwischen 40 und 80 Tonnen pro Kopf und Jahr.“

Mit welcher Berechtigung plündern wir diese Erde in den jetzigen Generationen aus, wie es nie vorher getan wurde. Weil es möglich ist? Weil wir es brauchen? Brauchen wir wirklich alles, was wir haben? Das sehe ich nicht. Weil es unser Recht ist, weil wir es bezahlen? Wir opfern dem Gott Mammon und erhalten dafür von ihm den Ablass?

Jeder, der sein Herz diesem Thema öffnet, der wird nach kurzer Zeit wissen, dass wir die Welt gerade jetzt im Eiltempo an die Wand fahren, uns selbst gleich mit.

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Das, was die meisten hier unter Sicherheit verstehen: ein fester Job, eine geregelte Arbeit, ein Haus, ein Auto, eine Altersversorgung, Horten, Halten, Haben, das ist genau der Weg, Sicherheit gänzlich zu verlieren. Man wiegt sich in Sicherheit, doch was ist, wenn in wenigen Jahren die Wahrheit, die jetzt schon abzusehen ist, eintritt. Was ist diese Sicherheit dann noch wert?

Und macht uns diese Lebensform, das Konsumieren, das Haben denn generell glücklich und zufrieden mit dieser Welt? Eher nein: Der Anteil depressiv-erkrankter Menschen liegt derzeit lt. WHO bei 121 Millionen weltweit, Voraussagen der WHO sehen die Depression als zweitverbreitetste Krankheit in 2020, an Depression sterben jährlich 850.000 Menschen. Doch bekanntermaßen geht die Depressionsrate zurück, wenn die Existenz nicht gesichert ist, das hat sich in Kriegszeiten gezeigt.

Wer immer anfängt, das reichlich vorhandene Datenmaterial über diese Erde auszuwerten, der wird eindeutig zu dem Schluss kommen, dass wir als Menschheit derzeit definitiv nicht auf dem Weg der Liebe sind – im „mehr, mehr, mehr“ kann kein Ziel liegen -, dass wir uns mit offenen Augen und freiwillig in den Untergang hineinsteuern, eben durch

  • bewusste Aufrechterhaltung des Hungerelends
  • Bewirken und Zulassen von Umweltverschmutzung
  • Bewirken und Zulassen der Klimakatastrophe
  • unfassbare Ressourcenvergeudung

Es ist fassbar, es ist begreifbar, dass etwas gemacht werden muss, ist es machbar? Können wir den Tanker noch umsteuern?

Ich werde manchmal gefragt, ob wir uns denn ins Mittelalter zurückbegeben sollten. Definitiv nicht! Jetzt, wo wir globale Kooperation entwickelt haben, da ist ein globaler Weg möglich, der vom Einzelnen ausgeht. Keine Inquisition, keine Kreuzzüge, keine Gegner, keine Feinde, keine Schwerter, alle sind im selben Boot und alle wissen jetzt voneinander. Dieser Weg kann sich nur freiwillig, friedlich, gewaltfrei und aus der Liebe heraus entwickeln.

Aus einer Studie der UN-Universität “Weltforschungsinstitut für Wirtschafts­entwicklung“ in Helsinki stammen diese Zahlen (basierend auf Zahlenmaterial aus dem Jahr 2000):

Ein Erwachsener braucht nur 2138 $, um zu den Top 50 der reichsten Menschen der Erde zu gehören, mehr als 61.000 $ werden gebraucht, um zu den Top 10 zu gehören und 510.000 $ ermöglichen die Zugehörigkeit zum Top 1 Prozent der reichsten Menschen der Welt zu gehören.

„Reicher Mann und armer Mann

Standen da und sahen sich an.

Und der Arme sagte bleich:

Wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich.“

(Bertolt Brecht, Gedichte [1933-1938])

Die Schätzung der Reichtumsanteile zeigt auf, dass die reichsten 2 Prozent der Weltbevölkerung mehr als die Hälfte des weltweiten Reichtums besitzen, das reichste Prozent besitzt allein 40 % des Besitzes. Die damit verbundene Zahl für die Top 5 Prozent beträgt 71 % und die Top 10 Prozent beträgt 85 %. Im Kontrast dazu: die unteren 50 Prozent der Weltbevölkerung besitzen kaum 1 % des weltweiten Reichtums. Mitglieder der Top 10 Prozent sind 400 mal reicher im Durchschnitt als die genannten 50 % am unteren Ende der Reichtumsskala, und die Top 1 sind fast 2000 mal reicher. Malen wir doch mal eine Torte:

Reichtumsverteilung in der Welt - Herzlos: Die Hälfte der Menschheit besitzt nur 1 % des Reichtums der Welt

Es gibt zur Zeit ca. 6,8 Mrd. Menschen auf der Erde. Das bedeutet:

  • 1 % der Menschheit, d.h. 68 Mio. Menschen behalten das blaue Tortenstück für sich, das ist ungefähr die Bevölkerung von Westdeutschland.
  • 2 % der Menschheit, d.h. 136 Mio. Menschen behalten das weinrote Tortenstück für sich.
  • 3 % der Menschheit, d.h. 204 Mio. Menschen behalten das weiße Tortenstück für sich.
  • 5 % der Menschheit, d.h. 340 Mio. Menschen behalten das grüne Stück für sich.
  • 40 % der Menschheit, d.h. 2.720 Mio.Menschen teilen sich das lila Tortenstück.
  • Das winzige orangene Tortenstück müssen sich 50 % der Menschheit teilen, d.h. 3.400 Mio. Menschen. Kann einer den Hunger jetzt sehen? Und – warum kriegt hier keiner auf die Pfoten?

Adolf Eichmann, Holocaust-Beauftragter Hitlers, wird dieser Satz zugesprochen: „10 Tote sind eine Tragödie, 100 Tote eine Katastrophe, doch 6 Mio. Tote nur noch Statistik.“ Ist das so, soll er Recht behalten? Auch heute noch? Wir regen uns über den Holocaust und den Völkermord an den Juden im 3. Reich auf und lassen jährlich genauso viele Kinder in dieser Welt am Hunger sterben?

Jemand der es wissen muss, Jean Ziegler, UN-Experte für Ernährung, sagt dazu: “Ein Kind, das heute verhungert, wird ermordet!” Recht hat er! Wir töten durch unser Verhalten. Ein Interview mit ihm hier.

Das zu akzeptieren, das zuzulassen, da nicht drüber sofort in Tränen auszubrechen und dann zu handeln, da haben wir sie nicht mehr alle! Das ist globaler, kollektiver Irrsinn, Wahnsinn, ohne Sinn! Wir haben sie nicht mehr alle, weil nicht alle haben. Wie werden wir gemeinsam zur Besinnung kommen? Wie werden wir gemeinsam aufwachen können? Warum trifft uns das nicht? Woher kommt diese Gefühllosigkeit, diese Hartherzigkeit?

Was gibt uns die Berechtigung für dieses unser Handeln? Weil wir es bezahlen? Geld ist Recht!? Was gibt den Mengen von Kinderschändern die Berechtigung, in Asien mit kleinen Mädchen und Jungen ihre sexuellen Phantasien auszuleben? Weil sie es bezahlen?! Das giergesteuerte Ausnutzen der Bedürftigkeit der Armen: Männer kaufen Frauen, Männer kaufen Männer, Frauen kaufen Männer.

Was gibt Menschen das Recht, weite Teile der Welt Anderen vorzuenthalten? Weil sie es bezahlen?! Wie kann ein Mensch das Recht erhalten, sich herausnehmen, mehr zu nehmen, als er braucht? Dies ist keine Rechtschaffenheit, hier wird mit Geld Recht bezahlt und gekauft. Die ethische Frage wird nur selten gestellt. Jesus in Lukas 16 (Neue Genfer Übersetzung):

14 Das alles hörten auch die Pharisäer, die sehr am Geld hingen, und sie lachten über ihn. 15 Da sagte er zu ihnen: Ihr redet den Leuten ein, dass ihr gerecht seid; aber Gott kennt euer Herz. Denn was die Menschen für großartig halten, das ist in den Augen Gottes ein Gräuel.

Mir auch. Wem noch? Bitte mal Hand hoch…

Lukas 6 (Lutherbibel 1984)

24 Aber dagegen: Weh euch Reichen! Denn ihr habt euren Trost schon gehabt.

Beispielsweise: Was gibt den ausländischen Ölgesellschaften in Ecuador die Berechtigung, den Regenwald und die artenreichen Feuchtgebiete und die Lebensgrundlage indigener Völker durch Umweltverschmutzung zu zerstören? Weil sie bezahlen?!

Matthäus 24 (Lutherbibel 1984): 12 Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.

Von Ordnung ist hier keine Spur. Wann und wie kommt die Welt wieder in Ordnung? Kann sich das irgendeiner vorstellen, kann sich irgendeiner den Weg dahin vorstellen? Also: Wie kann der Tanker umgesteuert werden?

Der Kommunismus – das hat nicht geklappt, aus verschiedenen Gründen, der Kapitalismus und die Marktwirtschaft auch nicht, das ist heute deutlich zu sehen. Wir haben das alles lange genug ausprobiert, um deutlich zu diesem Schluss zu kommen.

Haben wir schon aufgegeben in der Einstellung „Was kann ich denn schon dazu tun, was kann ich denn daran schon verändern?“ Ja, wie kann es geschehen, dass die Menschen, die haben, sich entscheiden, so lange zu geben, bis alle genug haben, nämlich das, was jeder braucht, den symbolischen Denar vom Weinbergsbesitzer, egal, zu welcher Uhrzeit man dort angefangen hat?

Teilen, verteilen, das geht nur freiwillig, aus Liebe, aus Mitleid, aus einem Gerechtigkeits­sinn, der alle betrifft, nicht nur das Meine und die Meinen, dem Gefühl heraus, dass Ordnung und Harmonie existiert, wenn alle haben, was sie brauchen. Ich glaube, da haben wir alle noch viel zu lernen, ich nehme mich nicht aus.

Es ist an der Zeit: Ein weltweites, gemeinsames Leben nach den Regeln von Gottes Reich. Die Bedienungs­anleitung haben wir schon seit 2000 Jahren im Neuen Testament.

Der Messias war schon da!


Es gibt keinen Grund, es weiter aufzuschieben.

 

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Als ich zurückkam, machte ich mir große Gedanken um mein wirtschaftliches Auskommen, das nach einigen fetten Jahren schon seit 2 – 3 Jahren recht mager gewesen war. Da ich nun in der Nachfolge leben wollte, kam ich in einen großen Konflikt mit meinem Gewissen und einigen Passagen aus dem neuen Testament:

Johannes 2 (Lutherbibel 84)

14 Und er fand im Tempel die Händler, die Rinder, Schafe und Tauben verkauften, und die Wechsler, die da saßen.15 Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus samt den Schafen und Rindern und schüttete den Wechslern das Geld aus und stieß die Tische um 16 und sprach zu denen, die die Tauben verkauften: Tragt das weg und macht nicht meines Vaters Haus zum Kaufhaus!

Matthäus 10 (Einheitsübersetzung)

1 Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen…5 Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samariter, 6 sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel. 7 Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. 8 Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben. 9 Steckt nicht Gold, Silber und Kupfermünzen in euren Gürtel. 10 Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Unterhalt. 11 Wenn ihr in eine Stadt oder in ein Dorf kommt, erkundigt euch, wer es wert ist, euch aufzunehmen; bei ihm bleibt, bis ihr den Ort wieder verlasst. 12 Wenn ihr in ein Haus kommt, dann wünscht ihm Frieden. 13 Wenn das Haus es wert ist, soll der Friede, den ihr ihm wünscht, bei ihm einkehren. Ist das Haus es aber nicht wert, dann soll der Friede zu euch zurückkehren. 14 Wenn man euch aber in einem Haus oder in einer Stadt nicht aufnimmt und eure Worte nicht hören will, dann geht weg und schüttelt den Staub von euren Füßen.

Apostelgeschichte 8 (Lutherbibel 84)

9 Es war aber ein Mann mit Namen Simon, der zuvor in der Stadt Zauberei trieb und das Volk von Samaria in seinen Bann zog, weil er vorgab, er wäre etwas Großes. …  13 Da wurde auch Simon gläubig und ließ sich taufen und hielt sich zu Philippus. Und als er die Zeichen und großen Taten sah, die geschahen, geriet er außer sich vor Staunen. . 17 Da legten sie die Hände auf sie und sie empfingen den Heiligen Geist. 18 Als aber Simon sah, dass der Geist gegeben wurde, wenn die Apostel die Hände auflegten, bot er ihnen Geld an 19 und sprach: Gebt auch mir die Macht, damit jeder, dem ich die Hände auflege, den Heiligen Geist empfange.20 Petrus aber sprach zu ihm: Dass du verdammt werdest mitsamt deinem Geld, weil du meinst, Gottes Gabe werde durch Geld erlangt. 21 Du hast weder Anteil noch Anrecht an dieser Sache; denn dein Herz ist nicht rechtschaffen vor Gott.

Mir war nicht klar, wie ich nun in Übereinstimmung mit dem Wort mein Leben bewerkstelligen sollte, wenn ich mich Vollzeit um die auf dem Camino empfangene Gabe kümmern sollte. Ich hatte keine Rücklagen. Ewig drängelte die Krankenkasse, der Vermieter möchte sein Geld und zu Essen brauche ich auch etwas. Lange Zeit habe ich mich damit beschäftigt, um eine Klärung gebetet. Ich habe viel versucht. Zunächst etwas anderes neben­bei zu machen, was mir als Cash Cow diente. Dann habe ich sehr moderate Preise angeboten und mir überlegt, zumindest den Teil Ausbildung so anzubieten, dass außer eventuellen Raum- oder Sach­kosten kein Teilnahmebeitrag fällig wird. Dennoch war der Konflikt noch nicht behoben. Ich fand auch keinen Christen hier, der mir dazu einen Weg aufzeigte, ich sah kein Beispiel An einem Sonntag – das Thema war gerade wieder aktiv, kam im Gottesdienst  in der Lesung die Geschichte vom Fallestellen der Pharisäer mit der Steuer.

Matthäus 22 (Einheitsübersetzung)

15 Damals kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. 16 Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen; denn du siehst nicht auf die Person. 17 Sag uns also: Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht? 18 Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle? 19 Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin. 20 Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? 21 Sie antworteten: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!

Da stand ich nun mal wieder. Nach dem Gottesdienst, bei meinem Verabschiedungsgebet hörte ich in mir die Worte: Nimm nicht sondern nimm an. Es geht darum, dass ich keine Forderungen stelle, sondern annehme, was ich freiwillig bekomme. Manche wollen mir mehr geben, als ich fordern würde. Doch wenn wir einen Preis festsetzen, untergraben wir das. Wir nehmen ihnen auch die Freude am Geben, weil es zur Pflicht wird. Eine junge Frau mit geringem Einkommen gab mir gern von dem, was sie hatte, und sagte: „Na, dann bezahl ich jetzt für jemanden mit, der sich das nicht leisten kann. Da hab ich auch was Gutes getan.“ So kommen andere mit in den Kreislauf hinein, können sich am wahren Geben beteiligen, nicht am Bezahlen.  Das, was wir nicht freiwillig bekommen, ist noch nicht reif für uns, eine saure Traube.

Und das gilt nicht nur für finanzielle Beziehungen, sondern auch für alle anderen Beziehungen.

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Varroa Milbe - Public domain Foto aus wikicommons

Parasiten sind Wesen, die einem Anderen Lebenskraft entziehen, um sich selbst zu stärken. Wir erleben heutzutage bei einem der wichtigsten Nutztiere der Welt, der Biene, einen weit verbreiteten Befall durch den Parasiten Varroa-Milbe. Diese Milben befallen die Brut des Bienenvolkes, indem sie sich von ihrem Leib ernähren, so dass viele miss­gestaltete Jungbienen entstehen, die durch ihre Behinderung das Volk schwächen. Im Winter gehen aufgrund der Brutpause die Milben auf die erwachsenen Bienen über, indem sie ihren Panzer durchbrechen und ihren Lebenssaft aussaugen. Die Milbe gab es ursprünglich nur in Asien, wo sie hauptsächlich die Drohnenbrut befiel, also die männ­lichen Bienen, die nach der Begattung der Königin sowieso das Bienenvolk verlässt.

Honigbiene beim Nektarsammeln - Bild von Alvesgaspar aus Wikicommons

Bienen werden gebraucht für die Bestäubung Äpfeln, Birnen, Beeren wie Himbeeren, Erdbeeren, Johannis- und Stachelbeeren, Gurken, Kirschen, Kürbissen und Melonen, Mandeln, Pfirsichen, Sojabohnen, insgesamt ca. 100 Obst- und Gemüsearten, unseren Grundnahrungsmitteln und Vitalstoff-Spendern. Wenn sie nicht mehr da sind, dann werden lebenswichtige, gesunde Nahrungsquellen einfach entfallen. Der Mensch ist von der Biene weitaus abhängiger als die Biene vom Menschen. Wir hätten ein tödliches Ernährungsproblem. Mehr siehe in diesem Focus-Artikel.

 

Meine Mutter, inzwischen über 80, lebt seit 30 Jahren freiwilllig in sehr einfachen Verhältnissen. Sie gehörte zu den Aussteigern der frühen 80er Jahre. In der Nachkriegszeit hatte sie eine Ausbildung zur Imkermeisterin durchlaufen, nun wollte sie diesen Teil ihres Daseins, diese Liebe nach ihrer Familienzeit wieder neu aufleben lassen. Mit 50 brach sie mit einem Wohnwagen auf, um auf einer griechischen Insel das Leben in der und mit der Natur zu leben. Sie parkte den Wohnwagen 50 m vom Meer entfernt, dort steht er bis heute, von einer befreundeten Künstlerin mit Olivenbäumen bemalt. Inzwischen sind weitere Räume hinzugekommen: eine Küche aus Natursteinen, ein Holzhäuschen, in dem die Honigschleuder und alle weiteren Bienensachen untergebracht sind, ein begehbarer Blechcontainer zur Aufbewahrung von Werkzeug und Material und ein winziges Einzimmer-Fertighaus als Schlafzimmer in der Sommershitze.

 

Sie lebt einen großen Teil des Jahres ohne fließend Wasser und Stromanschluss. Das Wasser pumpt sie aus einer nahe gelegenen Quelle. Eine kleine Solaranlage lädt ihr eine Autobatterie für ihre Strombedürfnisse auf, mit Gas aus der Flasche wird gekocht. Die Toilettenverhältnisse sind wie zu Großvaters Zeiten, auch wenn es kein Herz in der Tür gibt. An einem Brunnen wird die Wäsche gewaschen, dort ist auch eine Solardusche installiert: in ein dunkel angemaltes Fass pumpt man das Wasser, das die Sonne zum Duschen zügig aufheizt. Auch hier können wir aus ihrer nun 30-jähriger Erfahrung sagen: Es geht! Auch ein die bürgerliche Zivilisation vollständig gewöhnter Mensch kann dieses Leben zufrieden annehmen.

 

Viele Jahre erforschte sie hier die biologische Bienenzucht. Als die Bienen durch die Varroa-Milbe befallen wurden, suchte sie nach Möglichkeiten, diesen ohne den Einsatz von Giften zu bekämpfen, damit nicht die Bienen und der Honig in Mitleidenschaft gezogen wurden, was die deutschen Veterinäre vorschrieben. Sie wollte, dass ihr Honig weiterhin Bioqualität aufwies. Sie entwickelte die thermische Behandlung, mit der durch Hitze die Milben so geschwächt wurden, dass sie von den Bienen herab fielen und so aus dem Bienenstock entfernt werden konnten. Sie behandelte ihre Bienen darüber hinaus mit Reiki und stellte auch fest, dass die Anwesenheit anderer Tiere (Kohabitation) einen positiven Einfluss auf die Gesundheit des Bienenvolkes hatte. Ihre griechischen, recht wilden Bienen waren dabei von der Varroa deutlich weniger befallen als die Bienen deutscher Imker, mit denen sie in Kontakt stand. Denn sie veröffentlichte regelmäßig in Bienenzeitschriften und besuchte internationale Bienenkongresse.

 

Auch weiteren Bienenprodukten wie z.B. Propolis und Bienengift widmete sie sich ausführlich. Propolis ist für den Menschen ein natürliches (Wund)-Desinfektionsmittel und kann bei vielen entzündlichen Prozessen des Körpers genutzt werden. Bienengift kann bei Muskel- und Gelenkschmerzen eingesetzt werden, um durch die Durchblutungsförderung und als Antirheumatikum. Es wirkt blutdrucksenkend, blutverdünnend und beugt Blutgerinseln und als Folge davon Schlaganfällen und Herzinfarkten vor, der Zivilisationskrankheit Nr. 1.

Irgendwann erreichte sie die Erkenntnis, dass die Varroa-Milbe auch ein Gast der Bienen als Botschafter für UNS war. Der wahre Parasit der Bienen ist der Mensch!

 

Die Imker hatten dem Wildtier Biene über die Jahrhunderte hinweg durch Selektion die Aggressivität und Verteidigungsbereitschaft weggezüchtet, damit sie am Bienenstock einfacher arbeiten konnten. Diese Selektion machte die Biene anfälliger für ihre Feinde und damit auch gegen die Varroa, schwächte insgesamt das Immunsystem der Bienen.

 

Er nimmt ihnen den Honig und gibt ihnen z.B. billigen Zuckersaft oder Maissirup. Das kann man sich auf uns Menschen übertragen so vorstellen: Wir laufen den ganzen Tag fleißig herum und kaufen für uns und unsere Kinder im Bioladen ganz wunderbares Obst und Gemüse, Brot, Joghurt und Marmelade und verstauen unseren Einkauf sorgfältig in selbstgefertigten Behältern im Kühlschrank. Wenn wir zurückkommen, da finden wir plötzlich in unserem Kühlschrank billige, schadstoffreiche, nährstoffarme Discounterware wieder. Wie würden wir das finden? Ist das fair und gerecht?

Für ein kleines Glas Honig müssen die Bienen 16800 km fliegen, also fast die halbe Erde umrunden. (von einer Postkarte von berlinerhonig)

Darüber hinaus schädigt der Mensch die Bienen gleichzeitig auf verschiedene Weisen, nämlich durch Pflanzenschutzgifte und die Zunahme der elektromagnetischen Strahlung. Die Varroa-Milbe ist ein Krankheitsengel der Bienen, um auf das unmäßig parasitäre Handeln des Menschen an den Bienen, an der Natur aufmerksam zu machen, um uns schon mal fühlen zu lassen, was passieren kann, wenn wir Menschen unser zerstöre­ri­sches Handeln gegenüber den Bienen fortsetzen. Wir setzen unsere eigenen Nahrungs­quellen aufs Spiel!

 

Menschliche Parasiten kennen wir natürlich auch für die gesamte Menschheit. Das sind die, die von der Lebenskraft anderer Menschen leben, ihnen den Lebenssaft aussaugen, im Kleinen wie im Großen, die Trittbrettfahrer des Lebens. „Pavear“ nennt man das in Ecuador, den „Truthahn“ machen. Wen halten wir für Trittbrettfahrer, für Truthähne, wer sind sie, die modernen Zöllner und Wegelagerer? Spekulanten? Shareholder? Banker? Steuer­trickser? Sozialleistungsbetrüger? Wo sind wir selbst Parasiten? Wo saugen wir den Lebenssaft anderer aus, wo die Lebenskraft und die Ressourcen unserer Erde? Denken wir einmal nach! Machen Sie jetzt eine Pause und denken einmal nach. Oder lesen Sie z.B. diesen Artikel über die 7 Sünden Europas in der Schuldenkrise.

Was hilft gegen Parasiten? Die Bienen zeigen es uns jetzt. Es ist zum einen der innere Zusammenhalt und die Verteidigungsbereitschaft des Volkes, der Gemeinschaft, das Füreinander-da-sein.

Ein Bienenvolk meiner Mutter war besonders stark und konnte den Varroa-Milben immer recht gut widerstehen. Sie hatten einen Weg gefunden, der sich mir beim Behandeln der Bienen erschloss. In der Zeit, da die Milben auf die erwachsenen Bienen übergingen, da suchten insbesondere die alten Bienen, deren Zeit gekommen war, die milbenreichen Stellen im Bienenstock auf, um sich mit Absicht befallen zu lassen. Auf ihrem letzten Flug, ihrem Todesflug, von dem sie nicht in den Stock zurückkehrten, nahmen sie die Milben mit aus dem Stock heraus und entsorgten sie auf diese Weise.

Wie kann uns dieses Vorgehen weiterhelfen? Identifizieren wir die Parasiten und die parasitären Systeme unter den Menschen und lassen wir sie ins Leere laufen! Alles das, was jetzt in unserer Gesellschaft dran ist zu sterben: werfen wir es den Parasiten zum Fraß vor, damit sie so in das Ende ihres Parasiten-Daseins getragen werden. Auch persönliche Parasiten, Menschen, die unsere Lebenskraft ausnutzen, können wir so loswerden. Werfen wir ihnen unsere Eigenschaften zum Fraß vor, die von uns gehen können, ob dies nun Geldgier, Bequemlichkeit, Konflikt-, Verlust- oder Existenzangst, irrige Glaubenssätze oder Süchte oder was auch sonst immer sein mögen! Lassen wir sie gehen, verzichten wir auf das Geld, die Bequemlichkeit, setzen wir Grenzen, schließen wir uns mit anderen durch gegenseitige Unterstützung zusammen.

Die Gemeinschaft auf Gegenseitigkeit ist die Keimzelle des Widerstandes gegen die Parasiten. Wir beobachten diese gemeinnützigen Gemeinschaften heute wie früher die Kirchen und Klostergemeinschaften der auf Armut gegründeten Orden. Einige Beispiele aus neueren Tagen:

Wikipedia, das Wissensportal, dass aus freiwilligem Handeln durch Millionen von Wissenden aus der ganzen Welt parallel und schnell aufgebaut wird, das durch einen Selbstverwaltungsmechanismus seine Qualitätssicherung erreicht. Was wurde zum Fraß vorgeworfen? „Wissen ist Macht!“,  „Wissen kostet“.

OpenSource Initiative[1], eine weltweite Gemeinschaft von Softwareentwicklern, die das Betriebssystem Linux gemeinsam weiterentwickeln. Das Ausschlaggebende an dieser Gruppe ist die Intention des Teilens mit allen und der  Zusammenarbeit. Alle, die Beiträge leisten, verpflichten sich dazu, dass die Software

  • in einer lesbaren und verständlichen Form weitergeben wird,
  • beliebig kopiert, verbreitet und genutzt werden kann
  • verändert werden darf und in der veränderten Form verbreitet werden darf

Das Betriebssystem entsteht als ein Produkt der Gemeinschaft, und zwar ziemlich schnell. Welchem modernen Zöllner wird hier das Handwerk gelegt, der die Hand bei fast jedem Computerkauf aufhält? Dem 13 Jahre lang reichsten Mann der Welt. Große Geldgeber, so auch der deutsche Staat, investieren inzwischen mit viel Sinn lieber in dieses Gemeinschaftserzeugnis als in kommerzielle Produzenten. Was wurde zum Fraß vorgeworfen: Verzicht auf Profit und Gewinnmaximierung, Monopole und Geheimniskrämerei zur Schaffung von Wettbewerbsvorteilen.

Couch-Surfing.com ist ein Portal einer Gemeinschaft von Menschen, die, auf Gegenseitigkeit beruhend, anderen Menschen auf Reisen vorübergehend ihre Couch zum Schlafen, ihre Wohnung als Aufenthalt, zur Verfügung stellt. Indem sie bereit sind, andere Menschen aufzunehmen, haben sie selbst die Chance, selbst mit geringem Kostenaufwand zu reisen. Dabei haben beide Seiten mehr vom Reisen: Der Couch-Besitzer bekommt mehr Leben „in seine Bude“, der Reisende erlebt authentische Menschen, das Alltagsleben im besuchten Land, in der besuchten Stadt kennen und hat schon mal einen natürlich menschlichen Anlaufpunkt und nicht nur die oft künstliche, genormte Welt der kommerziellen Hotels. Was wurde zum Fraß vorgeworfen? „My home is my castle!“  Inzwischen ist Couch-Surfing kommerzialisiert worden und daher kein so gutes Beispiel mehr, aber es war mal eines!

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[1] Wer mehr über das Gedankengerüst hinter OpenSource wissen möchte, der lese „Die Kathedrale und der Bazar“, ein Essay von Eric Steven Raymond.

Wenn ich die große Bedrohung der gesamten Menschheit durch Umweltkatastrophen und Klimawandel sehen, die vielen Hungertoten und die seelisch so Hungrigen in unseren Breitengraden sehe,  so habe ich sehr oft das Gefühl, dass Gott uns massiv schüttelt und  sagt: „Wach doch mal auf, Mensch, wach doch mal auf!!! Wie tief schlaft Ihr eigentlich!!! Schau doch mal hin, da kann doch was nicht stimmen mit dem, was Ihr macht! Macht es anders, ich habe Euch doch schon gesagt, wie es geht!  WACHT AUF! Wie groß soll ich es denn Euch noch in den Himmel schreiben und auf der Erde zeigen? Wie groß muss der Vorschlaghammer noch werden, mit dem ich Euch aufwecken muss? Wieviel eiskaltes Wasser muss ich Euch noch ins Gesicht kippen?  Ich liebe Euch, ich will das doch gar nicht!”
 

Wie wäre es denn, wenn wir das Aufwachen und damit die Veränderung auf viel mehr Ebenen fortsetzten, wenn wir nicht verrückt wären, sondern rechtschaffen, genügsam und barmherzig? Wir würden unser Leben anschauen und feststellen, was wir wirklich brauchen. Den Rest abgeben. Künftig nicht mehr als das nehmen.

Auf dem Camino waren wir zwei Monate mit dem Rucksack unterwegs, und dort ist wenig brauchen nicht nur eine Tugend, sondern eine schlichte Notwendigkeit, sich zu beschränken. 7 – 8 Kilo, dazu die tägliche Wegzehrung, das ist das maximale, was man dabei haben sollte, sonst schleppt man sich kaputt, versaut sich durch Haben alle Tage. Und ich merkte, wie wenig ich wirklich brauche.

Nach dem Camino, meine Sachen waren noch alle eingelagert, da habe ich vier Monate aus einer Kommode mit 5 Schubladen gelebt, in denen meine persönliche Habe verstaut war. Und dann hatte ich noch meinen Computer und meinen Drucker. Das hat über eine längere Zeit genügt. Es funktionierte prima! Der Rest war weiterhin eingelagert. Viele Wohnungen, die ich in dieser Zeit besuchte, waren für mich zwiespältig zu ertragen, weil sie so sehr voll gestellt waren.

 

Als ich meine Praxis einrichtete, da kamen meine Liege, ein Regal und drei Stühle und ein paar Bilder in meinen Praxisraum, in einem Abstellraum stehen noch ein Tisch und Klappstühle für Veranstaltungen. Als ich wieder eine eigene Wohnung bezog, da habe ich meinen restlichen Besitz aus dem Lager geholt und nur das behalten, was ich wirklich brauche, das – möglichst gebraucht – gekauft, was ich brauchte. Ich habe viel gespendet,  versteigert und weggeworfen, was keiner mehr haben wollte.  Übrig ist noch ein Stapel Bücher, den ich gern verkaufen oder sonst wie loswerden möchte. Am heutigen Tage  fehlt mir nur noch ein Teppich. Und mehr möchte ich nicht mehr haben. Es wird nur noch bei Defekt ersetzt und Verbrauchs- und Arbeitsmaterial angeschafft. Und gut ist’s. Es geht, ich vermisse nichts – versprochen. Und es ist  immer noch viel im Vergleich mit den Schwestern aus dem Orden von Mutter Theresa, die hatten: zwei Saris, ein Blecheimer zum Spülen der Saris, ein Paar Sandalen, ein Gebetbuch, in hiesigen Breiten noch zwei Paar Socken und eine Strickweste, bzw. ein Mantel für den Winter.

Sicher wird ein solches Umdenken zu massiven Veränderungen an unserem Wirtschafts­system führen, zu anfänglicher auch größerer Verunsicherung, zu elementaren Um­brüchen in unserem eigenen Leben, im Tagesablauf und in unseren Besitz­verhältnissen, manchmal wird es uns auch erschrecken, doch nur Mut, es ist auch eine Befreiung. Es werden Dinge verschwinden, deren Zeit gekommen ist. Gut so!

In der Kriegs- und Nachkriegszeit ist das alles von außen auf uns zugekommen, die Menschen haben es überlebt und Gemeinschaft erfahren. Warum nicht dies jetzt aus eigenem Antrieb einleiten, unsere Gesellschaft evolutionär umgestalten? Wie wäre es, statt Gottes Reaktion auf unser sichtbar irrsinniges Verhalten abzuwarten, ihn einzuladen in den Weg der Veränderung: Sieh Herr, wir wollen es jetzt so machen, wie Du es uns damals vorgeschlagen hast, weil wir gesehen haben, dass unser bisheriges Handeln uns an den Abgrund gebracht hat.  Alles beginnt mit der Berührung im Herzen, lassen wir uns berühren! Lieben wir unseren Nächsten wie uns selbst! Wenn wir jetzt genug haben, dann sorgen wir jetzt dafür, dass auch andere genug haben.

Leben ist dienen, für andere da sein: Matthäus 20 (Lutherbibel 84)

26 So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; 27 und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, 28 so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.

Und wenn wir irgendwann einmal weniger haben als wir brauchen, umso eher kann es dann wahrscheinlich sein, dass uns jemand gibt. Unser aktuelles Sozialsystem tut so etwas schon.  Doch die Perspektive geht weiter, es geht nicht nur um unser Land, sondern jeden Menschen dieser Erde, denn alle gehören dazu, jeder ist unser Nächster. Es geht um die freiwillige Selbstbeschrän­kung, es geht auch um die zukünftige Weltbevölkerung, um unsere nachgeborenen „Nächsten“. Mir geht es auch nicht nur um Geld, um finan­zielle Ressourcen, sondern auch um unsere Zeit und liebevolle Zuwendung, dass sie wieder denen zufließt, die sie benötigen – unseren Kinder und Kindeskinder, unseren Eltern, unserem soziales Umfeld, den Bedürftigen – denen, die uns brauchen. Und es wird einen Unterschied, den Unterschied machen!

Matthäus 25 (Lutherbibel 84):

32 Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, 33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. 34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! 35 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. 36 Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. 37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? 38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet? 39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. 41 Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! 42 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. 43 Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht. 44 Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? 45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. 46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.

Um das Bild der ewigen Strafe zu verdeutlichen und nicht wieder den Zeigefinger rauszuholen: Es ist das Leben ohne Glaube, Liebe und Hoffnung, das Leben in Angst und Misstrauen, in Gleichgültigkeit und Kälte, in Sinnlosigkeit und Depression. Ein Reicher weiß nicht, ob er geliebt wird oder sein Geld. Sein Geld macht seinen Glauben scheinbar obsolet, macht er noch echte Glaubenserfahrungen? Weil er alles Kaufbare jederzeit haben kann, wird es irgendwann langweilig, keine Sehnsucht, kein Wandeln von Essig in Honig, kein Brennen, kein Verlangen, kein Glücksgefühl – ausgelöst von nur vier Brötchen. Oder immer größere, gewaltigere, kostspieligere Reize sind dafür notwendig, siehe Steve Fossett oder Richard Branson. Am Ende steht das Alles-Satt-Haben, die Depression. Das ist wirklich eine Hölle.

Prediger 5 (Lutherbibel 84)

9 Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt, und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben. Das ist auch eitel.10 Denn wo viele Güter sind, da sind viele, die sie aufessen; und was hat ihr Besitzer mehr davon als das Nachsehen? 11 Wer arbeitet, dem ist der Schlaf süß, er habe wenig oder viel gegessen; aber die Fülle lässt den Reichen nicht schlafen. 12 Es ist ein böses Übel, das ich sah unter der Sonne: Reichtum, wohl verwahrt, wird zum Schaden dem, der ihn hat.  

Und nicht, dass wir in 30 Jahren oder so genug haben werden, wer weiß, ob unsere Habe dann überhaupt noch existiert. Man kann es an der momentanen Finanzkrise ja sehr schön sehen, ob sich unsere Habe nicht einfach in der Unendlichkeit der Datenwelt aufgelöst hat oder Spekulanten es sich in die Tasche gesteckt haben. Brauchen die es?

Und: Kennen Sie die meisten dieser Spekulanten? Wir alle sind es! Weil wir Zinsen erwarten von unseren Ersparnissen, weil wir beträchtliche Erträge von unseren Fonds erwarten, von unseren Lebensversicherungen. Es werden doch hauptsächlich die Fonds gekauft, die eine gute Performance haben, Quartal für Quartal, bei jedem Test der Stiftung Warentest. Wie viele Menschen kaufen Nachhaltigkeits-Fonds? Wer beauftragt denn die Banken mit Profitorientierung? Wir selbst! Weil wir die beste Anlage kaufen wollen. In 2008 exisitierte in Deutschland im Umlauf ein Wertpapiervermögen inländischer Emittenden von 3.250.195.000.000 Euro. Dieses Geld steckt in unserem Wirtschaftssystem. Wir selbst sind diese Shareholder, die auf einem vernünftigen Shareholder Value aus der Finanzkraft der Unternehmen Wert legen.

Wer erhöht denn unsere Benzinpreise, die wir an der Tanksäule als moderne Wegelagerei erfahren? Sind das nur die Ölmultis? Auch, aber nicht nur: das sind oft bankeneigene und freie Anleger und Spekulanten z.B. mit Hedge Fonds, mit denen unsere normalen Fonds kurzfristig ihre Zahlen, ihre Performance aufbessern können. Da werden gute Zahlen gebraucht, da werden durch Rohstoff-Spekulation gute Zahlen geschaffen, die wir z.B. an der Tanksäule bezahlen. Wo kommt denn die Rendite für die Zukunft her? Aus unseren heutigen Portemonaies. Rechte Tasche zahlt an linke Tasche…

Wer sorgt denn für die Einsparungspläne mit Massenentlassungen und Verlagerung von Produktion ins Ausland? Wer setzt denn unsere Arbeitsplätze aufs Spiel? Wer sind denn die Quartalsdenker, die so ziemlich jede nachhaltige Unternehmensstrategie so schnell zu Fall bringen? Ebenso wir selbst, durch unser Konsumverhalten, durch unser Investitions­verhalten bei Finanzprodukten jeder Art und mittelbar über die Rentenversicherungen und die Refinanzierungsstrategien der Banken für das Wirtschaftsbankwesen. Die Rating­unternehmen, die Boni-zahlenden Banken, die jung-dynamischen[1] Unternehmens­beratungen, das sind nur unsere Erfüllungsgehilfen, von uns beauftragt, fast genötigt, tolle Zahlen zu produzieren, meist exzellent bezahlt, auf Kosten der anderen Wirtschaftsteilnehmer.

Doch diese tollen Zahlen, was bedeuten sie im realen Leben? Denn wir sehen lediglich den Prozentsatz für Performance unserer Geldanlage, das ist so weit weg, so unpersön­lich, dass wir damit nicht die Härte und den Druck in Verbindung bringen, die von dieser Zahl ausgeht und damit von uns ausgeht. Wir wundern uns nur oder jammern, wenn diese Härte uns selbst oder Mitmenschen trifft, bei denen die Anonymität der Zahl sich wieder in reale Gesichter, Schicksale wandelt. Wenn jemand entlassen wird, Sparplänen, Umstrukturierungen, Verlagerung von Unternehmensbereichen ins Ausland zum Opfer fällt, gemobbt wird, vor Stress und Überforderung krank wird, weil er zwei oder sogar drei  Jobs gleichzeitig macht, das Gefühl hat, machen zu müssen. Da sorgen wir also auch selbst dafür.

Der mit ca.1,6 Billiarden verschuldete deutsche Staat soll uns ebenfalls für unsere Anleihen eine schöne Rendite zahlen, d.h. so sorgen wir ebenfalls für unsere ebenso „schöne“ Steuerlast, an der der Kapitaldienst inzwischen im Bund ca. jeden 5. Euro ausmacht, d.h. 20 % unserer Steuerzahlungen geht in unsere Rendite. Wieder: Rechte Tasche zahlt an linke Tasche…. Zum anderen leisten wir uns heute damit einen Lebensstil, den wir uns von unseren Kindern und Enkeln ohne deren Zustimmung borgen, indem wir ihnen diese Schulden hinterlassen, ihren Gemeinschaftsrucksack unendlich voll packen, schwer machen. Macht das Sinn? Wie kann das unser Anstand eigentlich gutheißen, wenn wir das Beste für unsere Kinder wollen?

Ich bin kein apokalyptischer Reiter, ich sehe inzwischen einfach hin. Wollen wir einfach darauf warten, dass die Konsequenz unseres Handelns, die sich jetzt schon berechenbar abzeichnet, über uns hereinbricht? Und dann heulen und mit den Zähnen klappern?

 

Matthäus 24 (Übersetzung Neues Leben): 45 Wer ist also ein vertrauenswürdiger und kluger Diener, dem der Herr sein Haus und die Versorgung seiner Familie anvertrauen kann?46 Wenn der Herr zurückkommt und feststellt, dass der Diener seine Aufgabe zu seiner Zufriedenheit erfüllt, ist der Diener glücklich zu schätzen. 47 Ich versichere euch: Der Herr wird diesem Diener die Verantwortung für seinen gesamten Besitz übertragen. 48 Doch wenn der Diener böse ist und glaubt, `Mein Herr wird ja erst einmal eine Weile fort sein´, 49 wenn er anfängt, die anderen Diener schlecht zu behandeln, und Trinkgelage veranstaltet – 50 dann wird sein Herr unangemeldet und völlig überraschend zurückkehren. 51 Und er wird diesen Diener davonjagen und dorthin schicken, wo auch die Heuchler sind. Und an jenem Ort werden sie weinen und mit den Zähnen knirschen.«

Was wir heute freiwillig tun, wird nicht in der Zukunft über uns hereinbrechen, was wir heute freiwillig aufgeben, wird uns nicht später in eine Opferposition, ein erzwungenes Abgeben führen, sondern zu freiwillig Rechtschaffenden machen: Handeln in und aus Liebe, ohne Zwang, ohne Angst. Ich weiß aus Erfahrung: Leben ohne Haben kann genauso schön oder schöner sein als Leben mit Haben.

So auch der Apostel Paulus in 1. Timotheus 6 (Einheitsübersetzung):

7 Denn wir haben nichts in die Welt mitgebracht, und wir können auch nichts aus ihr mitnehmen. 8 Wenn wir Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen. 9 Wer aber reich werden will, gerät in Versuchungen und Schlingen, er verfällt vielen sinnlosen und schädlichen Begierden, die den Menschen ins Verderben und in den Untergang stürzen. 10 Denn die Wurzel aller Übel ist die Habsucht. Nicht wenige, die ihr verfielen, sind vom Glauben abgeirrt und haben sich viele Qualen bereitet. …

Auch Politik ist nur insoweit handlungsfähig, als dass die Menschen mitziehen, auf die Politiker lohnt es sich nicht zu zeigen. Als Beispiel möchte ich die Steuerlüge im 1990er Wahlkampf der Regierung Kohl anführen zur Zeit der Wiedervereinigung. Es war ganz klar, dass es viel, viel Geld kosten würde, unserem Nächsten im eigenen Land zu geben, was er brauchte. Wie viele Jahre hatten wir auf die Wiedervereinigung gehofft und gewartet? „Aus der Portokasse“ sollte plötzlich die Einheit finanziert werden… Wir haben es doch gewusst, dass das nicht geht, oder? Und es wurde der gewählt, der versprach, uns unsere Pfründe zu erhalten. Die traditionelle Gemeinschaftsvermögens­einnahmequelle, die Steuer, wurde dann umbenannt in Solidaritätszuschlag, um zu verschleiern, dass die Steuererhöhungen doch notwendig geworden waren. Doch ob das Finanzamt nun Steuer oder Solidaritätszuschlag einnimmt: es ist nur ein anderes Etikett, ein anderer Name.

Wodurch werden denn am häufigsten gute Ansätze in der Politik verwässert? Durch die Lobbyisten der Betroffenen, die ihre Pfründe schrumpfen sehen, durch uns selbst, weil wir nicht mitziehen. Wir sind es selbst, da gibt es kein Vertun, keiner sonst, Du und Ich, mein Nächster wie auch Ich. Geben wir diese Pfründe doch einfach freiwillig auf, aus Einsicht und aus Liebe, damit nicht alle 11 Sekunden ein Mensch an Hunger oder Unter­ernährung stirbt, damit der Verschwendung von Ressourcen, der Umweltver­schmutzung ein Ende geschaffen wird. Sagen wir ja, stimmt schon, machen wir das! Das macht Sinn! Überzeugen wir uns selbst davon, fangen wir selbst damit an, auch wenn unser Nachbar das noch nicht tut. Auch nicht nur Kosmetik, oberflächlich, sondern durchgängig! Aufräumen können wir am besten bei uns selbst, nur für uns selbst können wir die Entscheidung treffen; nicht für unseren Nachbarn. Doch er hat dann einen weniger, auf den er zeigen kann: „Wieso ich denn, der macht es doch auch nicht!“ Wie schön, wenn er bald keinen mehr dafür hat…

Ein Imagewandel ist fällig. Nicht der hat Erfolg, der mehr hat als andere, der im Über­fluss lebt, sondern der, der es schafft, glücklich und zufrieden mit dem zu leben, was er braucht und den Rest in den Zeiten seiner Stärke in die Gemeinschaft investiert. Der kann dann vertrauen, dass andere es tun, wenn er selbst braucht, schwach ist. Wer mehr hat als andere in dieser Welt, ob nun Top 1, Top 5 oder Top 10, der ist derjenige, der anderen etwas wegnimmt  oder vorenthält. „Der Teufel scheißt immer auf einen großen Haufen“ heißt ein altes Sprichwort in Deutschland. Wer viel hat, der sollte sich vielleicht mal fragen, ob die beste Quelle ihm denn dieses erschlossen hat.

Es kommt wirklich nur auf unsere Sichtweise an. Es kostet keinen Cent, diese zu verändern.

 

In der Bundesrepublik gibt es lt. Wikipedia ca. 50 Millionen Christen, weltweit gibt aus laut Encyclopædia Britannica 2005 2,1 Milliarden Anhänger der christlichen Religionen, das sind ca. 1/3 der Weltbevölkerung. Wenn all diese einfach die Bibel als Bedienungs­anleitung für diese Welt wirklich ernst nähmen und ihr Leben danach rechtschaffen umstellen würden, freiwillig und aus Überzeugung, wer könnte dem dann noch wider­stehen? Können, wollen wir als Christen das mal gemeinsam stemmen? Ich bin sicher, Gott würde sich über die Christenheit freuen.

Und so könnte der Weg – auch nach dem Gleichnis der Arbeiter im Weinberg – aussehen: Hier in Deutschland gibt es schon die Petition für das bedingungslose Grundeinkommen. Entscheiden wir uns doch einfach freiwillig dafür, mit diesem Grundeinkommen zu leben, denn dieser Betrag ist auch gleichzeitig das Maximal­einkommen, d.h. keiner hat mehr, als er braucht. Der Rest wird abgegeben. Waren, die gebraucht werden, werden hergestellt, alles andere nicht, was gut für unser Lebens­rucksäcke, unsere Weltressourcen, und unsere Umwelt ist. Familien mit Kindern haben dann mehr Geld als Ehepaare ohne Kinder, denn sie brauchen es ja, weil sie mehr Menschen sind, sie brauchen mehr Wohnraum, mehr Essen etc.  Alle anderen Mittel werden zunächst dazu genutzt, um staatliche Schulden zu tilgen, wo das notwendig ist. Na sicher würde so ein großer Teil der Wirtschaft zusammenbrechen, aber genau der, den wir nicht brauchen. Jeder tut, was er für richtig für die Gemeinschaft hält und nicht das, was bezahlt wird.

Alle anderen Themen, die uns in der Einheit der Christen dann noch auseinander­dividierten, würden wahrscheinlich ob der Größe dieser Aufgabe als Peanuts mit einem Schulterzucken nebenbei erledigt werden, das würde Er uns dann einfach schenken.

Und danach, wenn wir uns selbst gewandelt haben, wenn wir durch unser eigenes Leben überzeugen können, dass es geht, dann können wir öffentlich, gemeinschaftlich tätig werden, nämlich da, wo wir meinen, am rechten Platz zu stehen, was uns liegt, was uns am meisten am Herzen liegt, wo wir den Wandel vorantreiben können, wo wir richtig gut sind. Wo wir uns freiwillig engagieren, da müssen wir uns nicht bewerben oder werben, da erhalten wir keine Absagen, das können wir uns aussuchen, nach Lust und Laune. Schön, oder?

Lukas 12 (Lutherbibel 84)

34 Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.

Scheren wir aus der Herde aus, wählen wir einen neuen Weg und andere werden uns folgen!

Keine Revolution von oben, kein Kampf, kein Krieg, keine Enteignung von außen, nein, gebraucht wird ganz viel Liebe, die Entwicklung der Fähigkeit, mit dem Herzen zu sehen und zu handeln und eine Evolution in uns, eine Enteignung von innen heraus, umfas­sen­de Diät, Mensch für Mensch, Haushalt für Haushalt, Land für Land: Keimzellen, aus denen sich die Welt erneuert, das Bild des Sauerteiges. Daraus entwickelt sich eine Welt der Hoffnung, der wir gern angehören werden, eine Welt, in der die Depression verschwindet, weil jeder Sinn und Teilhabe findet – die Gabe des Heiligen Geistes.

Und wenn noch mal jemand fragt: Warum ist so viel Leid, so viel Hunger, diese Umweltkatastrophe in der Welt?

Dann noch mal: Damit wir auf dem jetzigen Weg einhalten, umkehren und mit dem Herzen sehen, fühlen und handeln lernen . Damit wir jetzt Gottes Reich konsequent errichten.

Nächster Artikel: Und die Fülle?


[1] Als ich mich einmal bei einer großen, weltweiten Unternehmens- und Wirtschaftsberatung bewarb, da nannten sie mir das Durchschnittsalter ihrer Mitarbeiter in Deutschland: 28 Jahre. Das Durchschnittsalter der englischen Tochter dieses Unternehmens lag bei 24 Jahren. DAS gab mir zu denken. Natürlich war ich auch zu alt…

Psalm 16 (Einheitsübersetzung): 11 Du zeigst mir den Pfad zum Leben. Vor deinem Angesicht herrscht Freude in Fülle, zu deiner Rechten Wonne für alle Zeit.

Epheser 3 (Gute Nachricht Bibel): 19 Ihr sollt die Liebe erkennen, die Christus zu uns hat und die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr immer umfassender Anteil bekommen an der ganzen Fülle des Lebens mit Gott.

Auf unserem Weg will uns Gott immer mehr öffnen für die Fülle an Glaube, Liebe und Hoffnung und uns befreien von Angst, Überregulierung, Absicherung und Selbstbescheidung aufgrund mangelnden Selbstwertgefühls …mehr ist für mich wohl nicht drin, ich bin ja viel zu “Wasauchimmer” und zu wenig “Wasauchsonstnoch”… Er will nicht, dass wir uns mit einer mittelmäßigen Liebe, mit einem Halbwegs-Glauben und einer Manchmal-Hoffnung zufrieden geben. Nein, er hat uns geschaffen für die vollendete Liebe, für den  Glauben jenseits allen Zweifels und die grenzenlose, nie endende Hoffnung. Und manchmal machen wir schwere Zeiten durch, damit wir uns endlich öffnen für die ganze Fülle, anstatt uns nur mit dem Zipfel der Wurst zu begnügen. Bis wir kapieren: Ich kann ja viel mehr haben, viel mehr an Gutem in meinem Leben zulassen als bisher. Glauben wir nicht nur gemäß Glaubensbekenntnis an den Heiligen Geist, nein, lassen wir ihn ständig uns erfüllen,  dauerhaft Licht in unseren ganzen Tag bringen! Das ist unsere Bestimmung, das ist das Ziel!

Die Fülle wird denen gegeben, die sich im Kleinen als verantwortlich und würdig erwie­sen haben. Und dann kann man schauen, ob sie sich auch im Großen als würdig erwei­sen. Kanalisieren sie die Fülle zu denen hin, die brauchen, oder in ihr eigenes Leben, in ihre eigene Absicherung, ins Horten?

Lukas 16: Von der Treue
10 Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht. 11 Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon nicht treu seid, wer wird euch das wahre Gut anvertrauen?

Psalm 62,11

Fällt euch Reichtum zu, so hängt euer Herz nicht daran.

Beispiele für Füllegeschehen anhand von Buchautoren:

Joanne K. Rowling, die Schöpferin von Harry Potter, die Liebe als Schutz gegen das Böse des Lord Voldemorts setzte, die die Liebe siegen ließ. Sie lebte zur Zeit des Schreibens des 1. Buches als allein erziehende Mutter von sehr wenig Geld. Heute redet man von Millionen Pfund Einnahmen. Was passiert mit dem Geld, das sie mit Harry Potter eingenommen hat?

Neale Donald Walsh, Autor der Trilogie „Gespräche mit Gott“ und anderen Büchern über Gott. Wie lebt er heute? Was hat er aus seinem finanziellen Erfolg gemacht?

Paulo Coelho, unter anderem Autor des Buches „Der Alchimist“ und „Auf dem Jakobsweg“ und vieler weiterer meist spiritueller Bücher. Er gilt als einer von 10 Autoren, die weltweit die meisten Bücher verkaufen. Welche Frucht hat er getragen?

Sie alle hatten Zeiten der Wüste, der Ebbe und der Armut, Sie kennen diesen Ort gut. Was haben sie daraus gemacht? Wohin haben sie ihre Einnahmen kanalisiert? Behalten sie, was sie zum Leben brauchen und geben sie den Rest an die Bedürftigen? Haben sie die erwünschte Frucht getragen, ihre Talente gemehrt und diese Mehrung dem Großen, Ganzen gewidmet? Ich will diese Frage nicht erforschen, sie hier nicht beantworten, nur aufwerfen, forschen Sie mal selbst! Die Autoren selbst werden es wissen, Gott weiß es.

Die wahre Fülle entsteht meiner Erfahrung nach erstaunlicherweise in der Beschränkung. In der Vereinigung der Gegensätze – Friede. In der freiwilligen Beschränkung wird das Kleine groß, das Feine überwältigend, weil alles seinen Platz findet in unserer Zeit und in unserem Raum und so Tiefe gewinnt. Wir können alles intensiv genießen und auskosten, auf was wir uns fokussieren. Oft genug Nein gesagt zur Zerstreuung ergibt ein großes Ja. Das ist zum Beispiel das Glück der Ehe und Treue. Einem Menschen so nah kommen zu können, dass man einander ganz nah kommt, einander ganz erfährt, in allen Facetten erfasst und genießt.

Psalm 112 (Lutherbibel 1984)

3 Reichtum und Fülle wird in ihrem Hause sein, und ihre Gerechtigkeit bleibt ewiglich.4 Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis von dem Gnädigen, Barmherzigen und Gerechten. 5 Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht und das Seine tut, wie es recht ist! 6 Denn er wird ewiglich bleiben; der Gerechte wird nimmermehr vergessen. 7 Vor schlimmer Kunde fürchtet er sich nicht; sein Herz hofft unverzagt auf den HERRN. 8 Sein Herz ist getrost und fürchtet sich nicht, bis er auf seine Feinde herabsieht. 9 Er streut aus und gibt den Armen; / seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.

Was wird die Fülle derer, die sich bewusst beschränken und ihre Lebenszeit dem Reich Gottes widmen? Ich kann nur von mir reden. Das erfüllt mich mit viel Freude, das ist meine Fülle:

  • Ich habe für alles so viel Zeit bzw. kann mir soviel Zeit nehmen, wie es nun mal braucht. Für jeden Menschen, der zu mir kommt, plane ich zunächst zwei Stunden, manchmal mehr ein. Ich will nicht gehetzt werden, weil bald der Nächste kommen würde. Und keiner soll sich bei mir gehetzt fühlen. Ich will einen Ort der Ruhe und des Friedens und der Wertschätzung haben und bieten. Ich lasse mir selbst Zeit für einen entspannten Morgenanfang. Alles funktioniert besser, wenn ich entspannt bin.
  • Es gibt keine Prioritäten. Alles, was ich tue, hat gleiche Priorität, weil es alles dem Reich Gottes dient. Ob ich nun Menschen behandle, Essen für meine Familie koche und den Haushalt mache, meinem Kind bei den Hausauf­gaben helfe, bete, für einen eigenen ruhevollen oder gesunden Zustand in mir sorge, diese Welt als Gottes Geschenk genieße und liebe, an diesem Buch schreibe, in der Kirche für Obdachlose mitarbeite. Alles ist gleich viel wert, weil es in Gottes Reich investiert ist, in das höchste Gesetz.
  • Ich liebe, was ich tue, es macht mir Spaß und erfüllt mich mit viel, viel Freude. Ständig lerne ich Neues. Ich sehe Sinn darin, mein Leben macht Sinn. Ich lerne viele Menschen kennen, denen ich helfen kann, ich fühle mich nützlich. Nur noch ganz selten fühle ich Sorge, denn für mich wird gesorgt. Ich habe keine Angst um meine materielle Existenz.
  • Die Liebe zu den Menschen wächst in mir und macht mich meistens ausgeglichen. Viele Menschen umarmen mich spontan, und ich sie. Das ist schön! Liebe steht für mich im Vordergrund, sie ist das Wichtigste.
  • Ich kann mich an so vielen kleinen Dingen freuen, weil bei mir heute einfach schon kleine Reize für die Freude genügen. Ich habe Muße, sie in Tiefe wahrzunehmen. Ich bin zufrieden.
  • Wenn Probleme auftreten, dann habe ich immer jemanden, an den ich mich wenden kann und der mir hilft, sie zu lösen. Kein Problem fühlt sich so unlösbar an – und sie lösen sich auch, Stück für Stück, mal schnell, mal allmählich. Ich vertraue.

Die Fülle in Gottes Reich, das ist Liebe, Freude, Sinn, innere Freiheit, Sicherheit, Sorglosigkeit, Vertrauen – unbezahlbar. Sprüche 8 (Lutherbibel 1984) verheißt diese Fülle, die nicht die Habe ist:

17 Ich liebe, die mich lieben, und die mich suchen, finden mich. 18 Reichtum und Ehre ist bei mir, bleibendes Gut und Gerechtigkeit. 19 Meine Frucht ist besser als Gold und feines Gold, und mein Ertrag besser als erlesenes Silber. 20 Ich wandle auf dem Wege der Gerechtigkeit, mitten auf der Straße des Rechts, 21 dass ich versorge mit Besitz, die mich lieben, und ihre Schatzkammern fülle.

Die Fülle ist immer das Leben selbst!

Nächster Artikel: Kredite auf das Leben

Der Zauberer kommt nicht zu früh und nicht zu spät, sondern genau zum richtigen Zeitpunkt.
Gandalf in „Der Herr der Ringe“, J.R.R. Tolkien

Rechtzeitig was Süßes zum Nachtisch: Himbeeren auf dem Weg zur Schwedenschanze / Rhön, denn das Restaurant dort war geschlossen

Psalm 145 (Lutherbibel 1984)

15 Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. 16 Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, nach deinem Wohlgefallen. 17 Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken. 18 Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn ernstlich anrufen. 19 Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren, und hört ihr Schreien und hilft ihnen. 20 Der HERR behütet alle, die ihn lieben.

Das Leben hat die Chance, auf stetigen Bahnen seinen Weg zu nehmen. Wir lernen etwas, probieren es aus und dann werden wir – Stück für Stück – in die Lage versetzt, dies, was wir gelernt haben, an den Mann oder die Frau zu bringen. Dieses ist der natürliche Zyklus und fand sich lange Zeit im Leben der Menschen wieder: Der Weg vom Lehrling zum Gesellen zum Meister. Man kann sich Dinge selbst beibringen und sie durch Üben vervollkommnen oder man kann in die Lehre gehen – und manchmal hat man einfach auch wirklich Talent, das man ausprobieren und ausbauen kann. Auf jeden Fall berücksichtigt dieser Weg die Form des menschlichen Lernens vom Versuch und Irrtum bis zur Erfahrung. Es gibt Lehr- und Wanderjahre, es gibt einfach Zeiten, die sind keine Herrenjahre, nämlich mindestens die Einstiegsjahre. Es gibt Zeiten der Aussaat und Zeiten der Ernte.

Genauso  ist es mit den anderen Dingen im Leben. Wir setzen uns ein Ziel, z.B. eine Anschaffung, und gehen darauf los. Wir sparen so lange, bis wir unser Ziel erreicht haben und uns kaufen können, was wir wollen. Auf diesem Wege haben wir auch alle Zeit fest­zustellen, ob wir das wirklich brauchen und wollen und uns leisten können. Wir haben Zeit, uns darauf zu freuen und unsere Vorstellungen festigen unser Wissen und unser Wollen. Dies ist wie bei einer Lehre eine Zeit der Prüfung, hier können wir noch vor dem Vollzug der Anschaffung unsere Meinung ändern und auf etwas anderes sparen oder etwas anderes anschaffen, wir haben alle Zeit der Welt, uns zu informieren, was wir haben wollen. Woher weiß ich, dass ich im Moment etwas nicht für mich ist? Weil dafür kein Geld ist.

Ebenso ist dies so in einem Leben, das einen langsamen und stetigen Aufstieg in den Leistungen nimmt. Wir leisten soviel, wie es uns gut tut – und nicht mehr. Wenn wir Ruhe oder eine Pause brauchen, dann hören wir auf. Wir machen zur vereinbarten Zeit Feierabend, damit wir für die anderen Aktivitäten in unserem Leben, unsere Liebsten, unseren Körper die Zeit haben, die ihnen zusteht. Wenn wir Anfänger sind, geben wir uns als solches zu erkennen und scheinen nicht mehr, als wir sind. Wenn wir etwas brauchen, was wir uns nicht dauerhaft leisten können, dann können wir es mit anderen gemeinsam anschaffen und teilen oder mieten. Wenn wir so vorangehen, dann schulden wir niemandem etwas. Grow as you go – wachsen, während wir vorangehen, so viel investieren, wie wir haben, das war zu meiner Zeit bei Hewlett-Packard ein finanzieller Leitgedanke bei meinem damaligen Arbeitgeber.

Schulden entstehen immer dann, wenn wir etwas vorausnehmen; wenn wir im Voraus etwas nehmen, was wir noch gar nicht haben. Vorwärts-Sparen nannte eine Bank das einmal. Eine Schuld ist eine Verpflichtung für unsere Zukunft. Wir legen eine geplante, oft dauerhafte Last auf unsere Zukunft. Obwohl wir nicht wissen können, wie diese Zukunft wird, ob unsere Voraussagen eintreffen. Wenn wir etwas teilen, dann können andere es nutzen, wir stärken uns gegenseitig, wenn wir etwas mieten, dann können wir z.B. die Mietsache jederzeit in der Regel mit einer kurzen Frist zurückgeben. Wenn wir etwas kaufen und wollen es wieder loswerden, müssen wir auf jeden Fall warten, bis wir einen Käufer finden. Das kann sofort sein, das kann aber auch eine Weile dauern oder nie sein. Kalkulieren können wir dies nicht. Daher sollten wir uns zu diesem Punkt nur das leisten, was wir haben. Wenn wir etwas mittels Schulden kaufen und dann verkaufen wollen oder müssen, dann können wir nicht wissen, wann wir die Schulden und damit die Last wieder los sind.

Ich will etwas haben: spare ich oder nehme ich einen Kredit auf? Eine ganz normale Überlegung. Häufig wird z.B. bei Wohneigentum gerechnet: Die Kreditkosten gegen die Miete. Und das sieht dann häufig sehr ähnlich aus. Ist es aber nicht!

Jesus Sirach, 21 (Einheitsübersetzung): 8 Baut einer sein Haus mit fremdem Geld, sammelt er Steine für einen Schutthaufen.

Ja, es ist recht einfach, immer einen neuen Kredit aufzunehmen, aber gar nicht selten drücken einem zunehmend die Kredite den Hals zu. Die Kredite verpflichten einen, eine bestimmte Menge an Geld zu verdienen, damit diesen Kreditverpflichtungen nachge­kommen werden kann. Dies kann aber keiner für immer gewährleisten, vor allem in der heutigen Zeit nicht. Wie schnell zieht man in eine andere Stadt oder wird versetzt, wie schnell kann man seine Arbeit verlieren, wie schnell kann heute eine Beziehung enden und sich damit die finan­zielle Basis der Betroffenen ändern, wie schnell können gesundheitliche Einschränkungen von heute auf morgen die komplette Lebensgestaltung verändern? Wie schnell ändern sich heute die Bedürfnisse? Und was ist mit der Idee, die ich in drei Jahren haben könnte, die mein ganzes Leben auf den Kopf stellen wird? Werde ich auf sie aufgrund der heute getroffenen Verpflichtung verzichten?

Kann man da wirklich guten Gewissens einen Vertrag über viele Jahre, ja sogar Jahrzehnte abschließen? Und zwar im Bezug auf sich selbst, im Bezug auf das eigene Leben? Will man diese stark bindende Festlegung wirklich treffen: „Ich stehe dafür gerade, dass ich die nächsten 30 Jahre jeden Monat so viel Geld zur Verfügung habe, dass ich diesen Verpflichtungen nachkommen kann. Ich belaste mein Leben mit dieser Hypothek. Ich packe dies in meinen Lebensrucksack und werde dies die nächsten 30 Jahre tragen.“

Exkurs: Dürfen wir wirklich so viel Staatsschulden anhäufen, wie wir es derzeitig tun? Sind wir uns im Klaren darüber, ob das jemals zurückgezahlt werden kann?

Zahlen und Meinung aus einem Artikel aus dem Tagesspiegel

Meine Meinung dazu: Jeder von uns sollte jetzt, so wie er kann, mindestens seinen Anteil an den Staatsschulden zurückzahlen statt in private Dinge zu investieren. Mit welchem Recht beladen wir die Lebensrucksäcke der folgenden Generationen mit diesem unvorstellbar großen Schuldenberg. Ich freue mich schon auf den Tag, an dem ich das kann!

Wenn ich frei sein will für das Leben, das zu mir gehört, das ich mir erträume, das ich mir erfühle, dann behindern solche Lasten immens. Sie behindern mich dabei, im Fluss des Lebens mit zu schwimmen und zu lernen. Ich muss probieren und scheitern und wieder neu aufstehen können. Wenn ich mir aufgrund früherer Verpflichtungen diese Möglich­keiten nehme, mich zu schwer mache, dann schaffe ich automatisch Druck und Last. Davon werden meine Leistungen und mein Leben nicht besser.

Es gibt Verpflichtungen, an die binde ich mich auch freiwillig und zwar aus Liebe: Eine Ehe und vor allem an Kinder. Setze ich ein Kind in die Welt, so bin ich die nächsten 20 Jahre verpflichtet, dieses Kind groß zu ziehen, sein körperliches, seelisches und geistiges Wachstum zu unterstützen, für dieses Kind Verantwortung zu übernehmen, es zu ernähren, zu kleiden, und ihm in dieser Welt Raum zu geben. Doch hier habe ich die Freiheit, mit diesem Partner und diesen Kindern das WIE immer wieder neu zu ver­handeln und gestalten, sie auch mitzunehmen.

Unter Druck durch zu vollen Lebensrucksack - Cartoon von Johanna Fritz

Wenn ich z.B. wirklich einen Lebenstraum realisieren will oder eine Chance wahrnehmen will, kann die Familie daran partizipieren, vor allem, wenn ich sie mitträumen lasse und daraus ein gemeinsamer Traum entsteht, der von allen gemeinsam dann auch in die Welt geholt wird. Sie können sich mit verändern, sie können den Weg mitgehen. Wollen wir nicht irgendwann am „Ich muss!“ scheitern, wenn es wirklich darauf ankommt, dann sorgen wir für leichtes Gepäck! Das habe ich insbesondere auf dem Jakobsweg gelernt. Ein leichter Rucksack ist auch für den Lebensweg ein großes Glück!

Doch Kredite können auch auf andere Weise aufgenommen werden, nämlich auf die Zeit und auf die Körperkraft. Wenn wir immer wieder unser Zeitkonto überziehen, und Zeit von den Bereichen abziehe, die unsere Lebenskraft und Lebensfreude stärken, dann legen wir damit auch eine Last auf unsere Zukunft. Wir nehmen dann zwar keinen materiellen Kredit auf, sondern einen Kredit auf unsere Gesundheit, doch wir entfernen uns dabei ebenso von uns und unseren zukünftigen Möglichkeiten. Wenn wir unsere Kraft nicht erhalten, dann müssen wir den Kredit auf dem Zeitkonto und der Körperkraft irgend­wann zurückzahlen. Hier geht es nicht um die Last im Rucksack, sondern um die Schwächung des Trägers, der den Rucksack trägt. Es ist ja egal, ob ich die Last nicht tragen kann, weil die Last zu schwer ist oder ich zu schwach bin.

Als ich bei Hewlett-Packard arbeitete, legte ich mir lange Zeit eine 60-Stunden-Woche auf, weil ich meinte, alles schaffen zu müssen. Weil ich nicht NEIN sagen konnte. Weil subjektiv durch das variable Gehalt und die Umsatzziele ein großer Druck auf mir lastete. Dieses zeitliche Überziehen hinterließ große Schäden bei mir an Körper, Geist und Seele. Durch einen Burnout habe ich diesen Kredit zurückzahlen müssen, Stunde für Stunde, Tag für Tag, Woche für Woche..

Die Rückzahlung kann durch Krankheiten, durch Unfälle, durch Auszeiten und durch Müdigkeit und Erschöpfung, z.B. Burnout oder Depression „ausgeglichen“ werden. Der Körper holt sich irgendwann seine Zeit und seine Zuwendung zurück, das habe ich am eigenen Leib erlebt. Ob dies in einem Moment passiert, den wir selbst wählen würden? Müdigkeit und Erschöpfung lassen jede neue Idee schal werden, die eigentlich zu erwar­tende Freude kann nicht durchkommen. Hinzu kommt oft das schlechte Gewissen, ein neuer Kredit: ich müsste eigentlich mich besser um … meine Kinder, meinen Partner, meinen Körper, meine Familie, meine Freunde, Gott und die Welt, mich … kümmern. Und so entsteht oft noch mehr Druck, da ich dann ja auch noch den Wunsch habe, mein schlechtes Gewissen zu kompensieren.

Mir ist da ein Beispiel im Sinn, bei dem mir sofort die Idee von diesem Kredit kam. Ich weiß nicht, ob dies wirklich so war. Was ich jetzt schildere, sind nur meine Gedanken, es muss nicht die Realität sein. Vor einiger Zeit verstarb ein Geschäftsführer eines deutschen Unternehmens im Alter von 47 Jahren an Herzversagen. Von Mitarbeitern, die ihn kannten, hörte ich, dass sie von diesem Chef zu jeder Tages- und Nachtzeit und am Wochenende E-Mails und Anrufe erhielten. Er muss ständig aktiv gewesen sein, sich ständig für das Unternehmen eingesetzt haben. Zugegeben, das Unternehmen stand in einer Krise, ausgelöst durch ein Projekt, dessen Realisierung zu großen Problemen führte und im Kreuzfeuer der öffentlichen Kritik stand. Er starb während seines Urlaubs. Er war verheiratet und ließ Frau und Kinder zurück.

Nur mein Gedanke: Kann es nicht so gewesen sein, dass hier ein Zeitkonto so intensiv überzogen wurde, vielleicht ja aus den nobelsten Gründen, dass dieses Leben mit 47 schon erschöpft, der komplette „Betrag“ bereits abgehoben war?

Auch wenn ich ein neues Unternehmen gründen will, und keinen materiellen Kredit aufnehmen will, deswegen aber gleichzeitig neben meiner bisherigen Tätigkeit das neue Unternehmen aufbaue, d.h. zwei Jobs zur gleichen Zeit übernehme, nehme ich auch in diesem Fall ein Kredit auf meinem Zeitkonto auf. Welches Risiko ist kalkulierbarer? Nach meiner Erfahrung kann eine Tätigkeit noch so interessant und befriedigend sein: sobald sie in Überforderung ausartet, weil ich mich nicht gut um mich als das wichtigste Werkzeug des Vorhabens kümmere oder eines meiner Konten überziehe, wird sie sich irgendwann als Belastung, Druck und Pflicht anfühlen, das Gegenteil von Liebe.

Nächster Artikel: Was brauchen wir wirklich?

Wenn wir etwas sehen, was wir haben möchten, dann sollte die 1. Frage sein: Brauche ich das? Und wenn ich das nicht von ganzem Herzen fühlen kann, dann brauche ich es nicht. Warum sollte ich es dann haben wollen? Wenn wir ständig mit allen Ressourcen unserer Welt so umgehen würden, dann hätten wir von allem genug, dann hätte jeder von allem genug. So hat es über viele Jahrtausende hin funktioniert.

Ein schönes Beispiel gibt es dafür auch in 2. Buch Mose 16, im Exodus, mit der Speisung der Israeliten in der Wüste durch Manna, wie im Kapitel “In der Wüste sein und der Ausblick auf das gelobte Land“ zu lesen war. Und dasselbe finden wir auch im Vaterunser. Wir beten:

Unser täglich Brot gib uns heute!

Gib uns heute das, was wir heute brauchen. Um den Rest sorgen wir uns nicht. Weil auch morgen wir wieder darum bitten werden, wir leben ja jeden neuen Tag mit Gott. Es geht nicht um das Brot für die nächste Woche. Samstag dürfen wir schon für Sonntag mit vor sorgen, damit wir uns am Sonntag Raum und Zeit schaffen für Gott, das ist alles.

Doch unsere Realität ist ganz anders, die Gedankenwelt und der Wunsch nach Haben der meisten Menschen geht weit über das Brauchen hinaus. Es gibt den Spruch des heiligen Augustinus: Weniger brauchen ist besser als mehr haben. Mehr haben wollen, als man braucht, das ist ebenfalls das Bauen auf Sand, das Dienen eines anderen Gottes und das Überfüllen des Lebensrucksack, so dass unser Leben immer schwerer, unflexibler und unbeweglicher wird. Gott in seiner wunderbar unnachahmlichen Konsequenz zeigt uns immer wieder, dass es so ist. Und so kann es sein, wenn wir etwas wirklich brauchen:

Auf dem Wilsnack-Weg aus Fehrbellin heraus kam ich über längere Zeit in keinen Ort, der Pilgerweg umging sie alle. Ich war kurz nach sieben Uhr aufgebrochen. In der Nacht zuvor hatte es stark geregnet und alles war pitschnass. Nach drei Stunden Wanderung hatte ich Frühstückshunger, denn ich war ohne zu essen  losgegangen, so hatten wir es immer gehalten. Ich wollte mich gern setzen, aber es gab keine Bank und keine andere Sitzgelegenheit auf diesem Weg durch die brandenburgische Luchlandschaft.

Ich brauche eine BANK!

Und so sprach ich immer wieder aus: Ich brauche jetzt eine Bank, ich brauche jetzt mein Frühstück, ich habe Hunger, ich brauche jetzt eine Bank. Und ich hörte in mir die Worte: Du bekommst gleich deine Bank. Und dann sah ich in der Entfernung etwas, das wie eine wunderschöne, weiße Bank aussah, es hätte aber auch ein Schild sein können.

Ich ging auf dieses weiße Etwas zu und tatsächlich – es war eine Bank, aber was für Eine! Überdimensional  groß und wunderschön, so groß, dass ich mich an die Seitenlehne besser anlehnen konnte und dafür auch noch meine geplagten Füße hochlegen konnte – auch ein Pilgersegen. Ich habe ein Bank gebraucht und ich habe ein Bank bekommen, eben die größte und schönste, die ich je gesehen habe. Ich habe voller Dankbarkeit auch herzlich und noch eine ganze Weile gelacht darüber.

Ich bekam meine Bank! Und was für eine!

Wenn wir etwas wirklich brauchen, dann bekommen wir es, wenn wir es von ganzem Herzen für angemessen halten. Um die Notwendigkeit festzustellen, brauchen wir nur die Hand auf unser Herz zu legen und den Satz aussprechen: „Ich brauche …..“ Wenn wir es wirklich brauchen, dann ist kein Zweifel in uns. Wenn wir es nicht brauchen, dann wird es uns ganz schnell offenbar.

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