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Die Worte Sünde und Schuld[1], das ist wohl das, was die viele, viele Menschen aktuell von der christlichen Kirche treibt, sie abhält wie auch zur Gottesferne führt. Es impliziert für den Laien einen strafenden und hyperkritischen Gott. Dass man es mit einem komplizierten Gesetzesapparat zu tun hat. Dass es schwierig ist, nicht zu sündigen. Dass man im Prinzip nie ok ist.
Sünde, das klingt vielen wie eine zentnerschwere Last, die man auf den Schultern trägt – Mit der man sich nicht auch noch beschäftigen möchte. Wann denn auch? Sünde: würde man das Wort von den Menschen malen lassen, so wäre es mit 100 % Wahrscheinlichkeit ein erhobener Zeigefinger.
Sünde! Sünde!! Sünde!!!
Asche auf Dein Haupt!
S C H Ä M E !!!
D I C H !!!
Winde Dich im Staub, Du!!! [2]
Uns reicht es wirklich schon… Gerade die heutige Zeit bietet uns unendlich viele Situationen, uns furchtbar, unzulänglich, erbärmlich, minderwertig, als Versager, zu fühlen, nicht gut genug. Heute können wir uns auf Knopfdruck mit der ganzen Welt vergleichen. Wir bekomm die Anderen in Hochglanz und grafisch aufgearbeitet, so wie sie nicht sind. Wir vergleichen uns mit all den Idolen und Ikonen, mit den Erfolgreichen, den Sportlichen, den Schönen, den Guten, den Genialen. Es gibt es ja inzwischen tausende Lebens- und Erfolgskonzepte! Wie soll man das voneinander unterscheiden, bewerten können? Wer weiß, ob sie heilsam sind oder nicht? Wo ist den vorn, wo ist denn gut? Was mach ich denn nur? Wonach sollte ich eigentlich streben? Wann bin ich gut? Gut genug? Annehmbar? Zumindest ausreichend? Ich darf weiterleben? Weiteratmen? Und ab wann können wir eigentlich endlich entspannen, unsere Daumenschrauben lockern? Wann haben wir endlich eine Chance? Mal ein Momentchen Ruhe…? Mal durchatmen können? Bitte!
Und wenn man es sich und den Anderen schon nie Recht machen kann, was ist mit dieser imperativen Stimme in unserem Innern, die uns ständig Vorhaltungen macht, die uns mit Schuldgefühlen und Unzulänglichkeit martert: nicht schlafen lässt:
Warum machst Du nicht endlich…?
(z.B. einen anständigen Job, Fortbildung, Steuererklärung, die Wohnung sauber, Wohltätiges)
Warum hast Du noch immer nicht…?
(z.B. Mann, Frau, Kind, Beruf, Haus, Geld, deine Eltern angerufen/besucht, Beförderung erreicht)
Warum bist Du immer noch nicht…?
(z.B. erfolgreich, schlank, fit, gepflegt, kultiviert, schlagfertig, liebevoll, barmherzig, eine gute Mutter, ein guter Vater, ein guter Ehepartner…)
Wie siehst Du nur aus?
(z.B. dick, dünn, ungepflegt, übernächtigt, schlampig, aufgedonnert, modisch, unmodern, (un)sexy, nuttig, alt(ernd), kindisch, faltig, nicht straff, grau…)
Wie kannst Du nur…?
(z.B. Dich so hängen lassen, so fett sein, Dich nicht bemühen, Dich scheiden lassen, Deine Kinder vernachlässigen, Dich in einen Verheiratetete(n) Mann/Frau verlieben, trinken, rauchen, zuviel…, zuwenig…, nicht richtig…?)
Gleichzeitig verhungern wir vor Liebe, vor Sehnsucht nach Anerkennung, nach Berührung und Zärtlichkeit, nach Ruhe, nach endlich „in Ordnung sein“, so zu sein, wie wir sind. Das Beste kommt noch: so sehr wir uns bemühen: Wir kommen schon auf die Welt mit der Last der Erbsünde, wir fangen schon unter Null an. Was ist das für ein Gott?
Tori Amos beschreibt in ihrem Lied Crucify, wie es sich anfühlt, hier ein Textauszug:
| Got a kick for a dog Beggin’ for Love I gotta have my suffering So that I can have my cross I know a cat named Easter He says will you ever learn You’re just an empty cage girl If you kill the bird I’ve been looking for a savior in these dirty streets looking for a savior beneath these dirty sheets I’ve been raising up my hands Drive another nail in Got enough guilt to start my own religion Please be Save me I cry Why do we |
Ich habe einen Tritt wie ein Hund bekommen, der nach Liebe bettelt. Ich muss mein Leiden haben, so dass ich mein Kreuz haben kann. Ich kenne eine Katze namens Ostern[3] Er sagt: Wirst du jemals lernen? Du bist ein leerer Käfig, Mädchen, wenn du den Vogel (die Seele) umbringst. Ich habe nach einem Retter gesucht in diesen schmutzigen Straßen, einen Retter gesucht unter diesen schmutzigen Bettlaken. Warum nur |
Und dann ist da eben diese Institution Kirche, die uns gleich mit unserer Sündhaftigkeit begrüßt, sobald wir sie als Laie betreten!
Exkurs: Als ich mich entschied, in die katholische Kirche eintreten zu wollen, blieb ich außen vor. „Ich kann Sie nicht in die Kirche aufnehmen“ Bis heute bin ich nicht aufnahmefähig. Ein Gerichtsverfahren beim Konsistorium wird mir vielleicht einmal die Chance geben. Doch die Kirche wird überstrahlt von einem Jesus mit weit ausgebreiteten Armen, der alle willkommen heißt. An ihn halte ich mich. Er ist der Priester, der mich schon lange aufgenommen hat. Er steht über dem örtlichen Pfarrer, viel größer als dieser in der Apsis. Ihm bin ich willkommen! Er ist froh, dass ich endlich da bin. Dort und an vielen anderen Orten hat er auf mich gewartet. Auf mich, auf Dich, uns alle, immer!
Die Gute Botschaft, was ja Evangelium heißt, die Heilsbotschaft kommt sehr, sehr viel leiser rüber. Wer hört sie noch, wer kann sie erklären? Sie wird nicht mit der Kirche identifiziert, obwohl sie das Kernstück des Glaubens ist. Gerade dass wir Last loswerden können und von jetzt auf gleich die Dinge anders machen können und das „da werden sie geholfen!“ Ein Ort, an dem wir angenommen werden, trotz jeglicher Vergangenheit in Ordnung sein. Unser aller Traum ist doch, egal wie unannehmbar wir uns selbst fühlen, als verlorener Sohnes, als verlorene Tochter mit offenen Armen empfangen werden. Die Vergebung der Sünden! Das ist doch real, ist doch das Versprechen: Ich bin bei Euch alle Tage! Warum mag das so sein? Lieber Gott, geht das auch anders?
Als ich meine Umkehr öffentlich machte, waren viele meine früheren Klienten entsetzt. „Nee, der christliche Glauben, das ist nichts für mich, da lass mich mal mit in Ruhe!“ „Nimm’ es mir bitte nicht übel, aber Kirche ist nicht mein Ding, ich werde daher nicht kommen.“ Katholisch werden, bekennende Christin sein, das klingt für viele wohl lächerlich, spinnert oder psychisch krank., als wollten man den Kaiser wieder haben, das Frauenwahlrecht abschaffen, sich die Kittelschürze anziehen und stante pede ins Mittelalter zurückkehren. Sofort kommt die Sprache auf Inquisition, Hexenverbrennung und Ablaßhandel mit der Überkommenheit, der Verhinderung der Emanzipation der Frauen und mehr. „Und das willst Du freiwillig, auf die Knie gehen oder sogar beichten?!“ „Und was ist mit der Aufklärung, dem politischen Bewusstsein?“ Ja, ich will das ganze Paket trotzdem kaufen.
Jesus, hilf uns bitte! Es heißt, Du hast die Last der Sünde doch für uns getragen, lass uns das doch mal spüren!
Je mehr wir uns auch des Sündenbegriffs freundlich annehmen, ihm eine Chance geben, uns zu heilen, umso tiefergehend öffnen sich uns die Türen zur Erkenntnis. Wir waren an einem Abzweig unseres Lebens nicht bewusst und aufmerksam, wir haben Wege gewählt, die uns und anderen schadeten. Doch wir können unser Leben korrigieren. Während anfangs das Confiteor, das Schuldbekenntnis, – wie mich damals in Los Arcos – schrecken mag, so schrecklich ist es nicht, um Vergebung zu beten, froh, dass es jemanden gibt, der für uns mitbetet:
Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria,
alle Engel und Heiligen,
und Euch, Brüder und Schwestern,
für mich zu beten bei Gott, unserem Herrn.
Türen öffnen sich, wenn wir uns für das Gute entscheiden, Seine Wege gehen, in Seinem Sinne, in Liebe handeln.
Ach ja, übrigens…für alle Neuen:
Herzlich Willkommen in der Kirche!
Herzlich Willkommen als Christ!
Die Gute Nachricht ist die: Egal, was Menschen sagen
und welchen Regelkatalog sie uns grad vor die Nase halten:
Gott sind wir willkommen, so wie wir sind, so wie wir gerade sind!
Wir sind herzlich eingeladen, mit Ihm eines Geistes zu sein!
Es geht nur um das Kommen! Ehrlich, er ist überglücklich!
Weil er sich schon so lange nach uns gesehnt hat.
Weil er sich schon so lange mit uns Mühe gegeben hat,
uns auf seinen Weg zu führen, uns hörend und sehend zu machen.
Und wenn wir es erstmal nur zu 30, 50 oder 90 % raffen: er hat ja Zeit mit uns,
und ist ein geduldiger Lehrer, unser EWIGER GOTT.
Nächster Artikel: Das Wort Sünde
[1] Und – dieses Kapitel ist wohl das, was ich über die Zeit hin am meisten umgeschrieben habe
[2] Im Sand sich winden, das tut doch die Schlange! Die will uns dort sehen, damit ihr dort unten nicht so langweilig ist…Das ist nicht Gott!
[3] Wortspiel mit der Katze aus Alice im Wunderland, gleichzeitig der Vorgang der österlichen Kreuzigung und der anschließenden Auferstehung
Während eines meiner Führungskräfteseminare erzählte ein gestandener Geschäftsführer eine Anekdote. „Ein bekannter Geschäftsmann wurde interviewt und nach dem Geheimnis seines Erfolges gefragt. Er antwortete: „Richtige Entscheidungen!“ Und er wurde weitergefragt: „Wie kommen sie denn zu den richtigen Entscheidungen?“ Er sagte: „Durch meine Erfahrung!“ Und dann wurde weiter nachgefragt: „Und wie kamen Sie zu ihrer Erfahrung?“ Seine Antwort war: „Durch falsche Entscheidungen!““ Und so ist es, genau wie mit dem Weg…
Geben wir dem Wort Sünde also einen Vertrauensvorschuss. Das ursprüngliche Wort in der Bibel heißt αμαρτια (hamartia), das bedeutet nicht treffen, verfehlen, das Ziel verfehlen bzw. Verfehlung, Irrtum im NeuenTestaments, so auch das hebräischen Wort chat’at des Alten Testamentes. D.h. wenn wir sündigen, laufen wir in die falsche Richtung und verfehlen wir unser Ziel. Und es gibt nur ein Ziel: Mit Gott leben, sein Schaffen an uns erleben, seinen Geist teilen. Menschen machen immer wieder Fehler. Machen wir Fehler, machen wir uns selbst Mühe, ganz einfach. Wir schieben ein paar Kilometer zusätzlich ein. Und das haben wir alle schon gemacht, oder? Oder 1. Johannes 1 (Lutherbibel 1984): 8 Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.
Das, was als Sünde bezeichnet ist, dass wir unserem Ziel nicht näher kommen und nicht lieben und uns nicht geliebt zu fühlen. Das Ergebnis: Lieblose Weltkonzepte, liebloses Denken, liebloses Handeln, Einsamkeit, Angst, brennende Sehnsucht. Wir weichen vom Weg der Liebe ab, wir teilen nicht seinen Geist, es ist ein Umweg. Wir müssen umkehren und unseren Weg und unsere Pfeile neu suchen. Dann erst geht es wieder voran.
Buch der Weisheit 11 (Einheitsübersetzung)
16 Sie sollten erkennen: Man wird mit dem gestraft, womit man sündigt.
Und Jesus teilt uns ganz genau auch den Ausgangspunkt für unseren Irrweg, unseren Irrtum, unsere Sünde mit in Markus 7 (Bibelübersetzung Neues Leben).
14 Dann rief Jesus die Menge zu sich. “Hört alle genau zu”, sagte er, “und versucht es zu verstehen. 15-16 Der Mensch wird nicht durch das unrein, was er isst; er wird unrein durch das, was er sagt und tut.” 17 Als Jesus sich von der Menge zurückzog und in ein Haus ging, fragten ihn seine Jünger, was er denn mit dieser Aussage gemeint habe. 18 “Versteht ihr es denn auch nicht?”, fragte er. “Begreift ihr nicht, dass nichts, was der Mensch isst, ihn verunreinigen kann? 19 Die Nahrung kommt nicht mit seinem Herzen in Berührung, sondern geht nur durch den Magen und wird dann wieder ausgeschieden.” Damit erklärte Jesus alle Speisen für erlaubt. 20 Und er fuhr fort: “Es sind seine Gedanken, die den Menschen verunreinigen. 21 Denn von innen, aus dem Herzen eines Menschen, kommen böse Gedanken wie Unzucht, Diebstahl, Mord, 22 Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Vergnügungssucht, Neid, Verleumdung, Stolz und Unvernunft. 23 Alle diese üblen Dinge kommen von innen heraus; sie sind es, die den Menschen unrein machen.”
Logo, das ist alles nicht Liebe. Es gibt kein Außen dafür. Der Teufel ist ein armer Geselle. Er ernährt sich von unseren Gedanken an das Böse und wird so größer und größer, er hat nur einen entscheidenden Fehler, er kommt nicht an! Und daran kann man ihn erkennen.
Als ich noch als Unternehmensberaterin arbeitete, hatte ich viele Ziele, habe viel dafür gearbeitet, um sie zu erreichen. Und wenn ich sie erreichte? Ich fühlte keine Freude. Ich kam nicht an. Verfehlung des Zieles…
Wir alle füttern ihn, mit jedem Gedanken der Angst, daraufhin mit der Erinnerung an die Angst, der Sorge, des Neides, der Eifersucht, der Gier usw. Und diese Gedankenenergie hat sich – so fühlt es sich wirklich manchmal an – verselbständigt, um ihren Bestand zu sichern und zu vergrößern. Er bietet uns einen Gedanken an, mit dem wir Gottes Geist verlassen, so wie die Schlange Eva den Apfel. Und wenn wir bereit sind, uns mit diesem Gedanken zu befassen, den Apfel in die Hand zu nehmen und hineinzubeißen, ihn an uns heran zu lasssen, liefern wir uns ihm aus. Die Zähne sind dann in uns, giftige Zähne mit Widerhaken. Sein Werk ist dann unser Werk. Die Liebe ist nicht in ihm, nicht in uns.
Das biblische Wort Diabolus kommt aus dem Griechischen und bedeutet: „hindurch werfen, durcheinander werfen und dann im übertragenen Sinne verleumden, verhasst machen, auseinander bringen, entzweien, täuschen, betrügen, verschmähen, verwerfen“. Und genau das ist eben wieder das Entstehen des Bösen. Das ist es, was wir machen: wenn man die Dinge durcheinander wirft, verleumdet, auseinander bringt und entzweit, Da wird das Gute und das Böse beurteilt, etwas Gutes als böse verleumdet, das Gute als Böses verworfen. Der Teufel wirkt mit Gedankenappetit, Zweifel, Ver(w)irrung, (Selbst-) Täuschung. Der gewinnt über uns Macht durch seine Vielgestaltigkeit von Ablenkungen von dem, was ist.
Wir müssen ihm nicht glauben, wir müssen ihn nicht füttern, wir müssen nicht zubeißen. Wir können wahrnehmen, Wahrheit und Klarheit sind die Gegenmittel. Welche Stärke hat ein Vorsatz: „Ich will nicht hassen, sondern bitte hilf mir auch jetzt zu lieben“! Und so können wir ganz einfach, ohne jedes kanonisches Recht und jede Regel selbst herausfinden, was Sünde ist: „Ist das, was ich gerade vorhabe bzw. getan habe, liebevoll für alle Beteiligten? Habe ich in jeden und alles die unbedingte Gütevermutung?“ Und Lieben heißt nicht unbedingt “lieb sein”…
Und noch eine gute Nachricht: Gott ist der, der auch noch das 100. Schaf suchen geht, wenn schon alle anderen bekehrt und auf dem Weg sind sind. Und ich bin sicher, Gott hat auch vor, Lucifer noch zu bekehren. Er wird das letzte Schaf sein, das er heimholt. Dann wird das Licht Gottes durch nichts mehr verdunkelt wird. In diesem Moment wird er seines Namens und seiner Bestimmung gerecht.
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Ganz klar wird dieses Prinzip in der Geschichte von König David aus dem 2. Buch Samuel (11). David sah eine verheiratete Frau names Batseba und beging mit ihr Ehebruch, wovon sie schwanger wurde. Ihr Mann war einer der Soldaten König Davids, die im Felde lagen. Um die Fremd-Vaterschaft zu vertuschen, versuchte David, ihren Mann Uria zu Batseba zu schicken, damit er dächte, das Kind sei von ihm, aber das gelang David nicht. Daraufhin ließ David Uria von seinen Befehlshabern in eine lebensgefährliche Situation im Kampfe stellen, und ja – Uria fiel im Krieg. Batseba verrichtete die angemessene Totenklage, dann holte König David sie in sein Haus. Sie heirateten und Batseba gebar einen Sohn. Gott sandte den Propheten Nathan zu David und machte ihm klar, welche Sünde er begangen hatte, was David einsah und bereute. Nathan sagte ihm voraus, dass sein neugeborener Sohn sterben würde, was dann auch geschah, obwohl David für seine Gesundheit betete und fastete und viel Reue zeigte. Nach dem Tod dieses Sohnes schwängerte David wieder Batseba und dieses Kind war Salomo, ein Kind und später König, den Gott sehr liebte.
König David hatte Urias Tod verursacht und so hatte er einen Tod, wenn auch nicht seinen eigenen, zu erleiden. Wenn ich einmal der Täter, der „Handelnde“ oder „Handeln-Könnende“ bin, sündige, so werde ich als Ausgleich der Sünde auf der anderen Seite der sein, an dem gehandelt bzw. eben nicht gehandelt wird, in der gleichen Sache. Wir bekommen immer beide Seiten zum Zwecke des Erkenntnisgewinns, erfahrbar auf allen Sinnesebenen, sozusagen 3-D, mit Körper, Geist und Seele. Ich will dieses Geschehen mal für das folgende das „duale Erleben“ nennen. Es ist für mich eines der großartigsten Mittel Gottes, uns zu führen. Man kann es als Strafe sehen, es ist jedoch pure Gnade, auf diese allumfassende Weise verstehen zu lernen. Diese mehrdimensionale Erfahrung ist deutlicher, glaubhafter als das Wort und die Gebote allein, sie wird zu Wissen, mit der Zeit zu Weisheit. Der Karma-Begriff hat die Weisheit und Erkenntnis bildende Konnotation nicht. Durch diese Weisheit wird unsere Welt angenehmer, gottgemäßer. Es wird klar, was Liebe ist.
Buch der Weisheit 11 (Einheitsübersetzung)
15 Zur Strafe für ihre frevlerische Torheit, in die sie sich verirrt hatten, als sie vernunftloses Gewürm und armseliges Ungeziefer verehrten, sandtest du ihnen eine Menge vernunftloser Tiere. 16 Sie sollten erkennen: Man wird mit dem gestraft, womit man sündigt.
Ich möchte ein paar Gleichnisse aus dem echten Leben erzählen, die uns aufzeigen, wie dieses Prinzip heute funktioniert.
1. Gleichnis: Ein Mann ist gehalten, in seinem Leben einen neuen Weg einzuschlagen. Seit sechs Jahren tritt er auf der Stelle und hadert mit seinem Leben, hadert mit Gott, weil er nicht bekommt, was er sich so sehr wünscht. Was er an den Tag legt, ist einfach kein “erfolgreiches” Verhalten. Wie ein Süchtiger hält er an einer Lebensform fest, die ihn immer mehr mit Todessehnsucht füllt. Er bekommt eine Depression, sein Beruf leidet massiv darunter, finanzielle Probleme treten auf, Liebe und Partnerschaft = Zero.
Parallel dazu entwickelt sich im Leben seiner Tochter ein ähnliches Muster. Das Mädchen besuchte immer unregelmäßiger die Schule, bis sie ohne Abschluss schließlich draußen stand. Ihre Eigeninitiative geht gegen Null. Sie beginnt mit Drogen, driftete ab und der Vater kann sie nicht halten. Immer, wenn es ihr schlecht geht oder sie Geld braucht, dann kommt sie zu ihrem Vater. Dort bekommt sie etwas zu essen, sie reden miteinander. So gern würde sie von ihm hören, dass alles gut gehen wird und Erfolg sich einstellen wird, wenn sie so weiter macht. Er erkennt, dass er ihr außer dem “täglich Brot” nicht wirklich helfen darf, solange sie dabei auf dem alten Weg bleibt. Er würde ein selbstdestruktives Verhalten damit in ihr verstärken. Damit würde er sie weiter auf die Straße ins Unglück schicken, sie noch mehr schwächen. Es tut ihm in der Seele weh, sein Kind so zu sehen. Er betet für sie, nimmt sich für sie Zeit. Sie wird immer, immer wieder wütend auf ihn, weil er ihr nicht zustimmt, schreit ihn an, explodiert, haut ab türenknallend ab.
Irgendwann begreift er, dass er seinem Vater im Himmel gegenüber genauso handelt. Er versteht, dass Gott ihm in seiner eigenen Selbstdestruktivität in aller Liebe nicht helfen darf. Er entscheidet sich zur Umkehr. Er merkt, dass er immer dann, wenn er die Umkehr durchzieht, sich gute Gelegenheiten ergeben. Wenn er die Umkehr wieder schleifen lässt und sich wieder zurückwendet, fällt das Gute wieder in sich zusammen, er kassiert Stornos oder Verzögerungen stellen sich ein.
2. Gleichnis: Über zunächst verheimlichten, einseitigen Ehebruch kommt ein Paar zusammen. Was zunächst auf der Strecke bleibt, – außer üblerweise der Familie -ist in der Partnerschaft das Vertrauen. Dadurch, dass man weiß, dass der andere einen anderen Partner schon mal belogen und betrogen hat, ist es leichter, ihm das wieder zuzutrauen. Die Eifersucht lauert, es entsteht Überaufmerksamkeit, Empfindlichkeit. Wer einmal lügt… Man vermutet schnell Betrug, eine neue Affäre hinter allen möglichen Reaktionen und Alleingängen und gegengeschlechtlichen Kontakten. Denn ganz sicher möchte man es nicht, dass es einem selbst genauso widerfährt. Und natürlich weiß man ja auch, wann, wie und auf welche Weise der Partner seinen ehemaligen Gatten betrogen hat. Man nimmt also all die Gefühle, die Quälerei wahr, die der verlassene Ehepartner während des Ehebruches hatte, übernimmt dessen Leiden, ohne dass es einen realen Hintergrund haben muss. Der andere Partner fühlt sich dadurch schnell beobachtet, kontrolliert und eingeschränkt, auch wenn er jetzt treu ist. Er erfährt wieder und wieder Misstrauen, das ja einst gerechtfertigt war. Der Zweifel wird immer versuchen, Hausgenosse zu sein.
3. Gleichnis: Die katholische Kirche führt im Mittelalter den Ablasshandel ein, d.h. Geld ist in der Lage, Vergebung herbei zu führen. Etwas, was eigentlich nur Gott kann, ein deutlicher Verstoß gegen das 1. Gebot. Geld wird die gleiche Macht wie Gott zugestanden. Die Kirche trennt sich von Gott, von Gottes Gebot, wartet nicht auf freiwilliges Geben. Gott trennt daraufhin die Kirche, d.h. er spaltet die Kirche, hebt die Einheit der Kirche auf. Er entzieht ihr die Macht durch Klostersturm, den Augsburger Religionsfrieden (Cuius regio, eius religio – Wessen Gebiet, dessen Religion), der weltliche Herrscher steht über dem Glauben. Und er lässt uns bis heute fühlen, wie es ist, wenn das Geld die Welt regiert. Und die evangelische Kirche entsteht dadurch nochmals als weitgehend uneinheitlicher, in viele unterschiedliche, autonome Landeskirchen getrennt.
Konsequenz des Zu-Gott-Erhebens von Geld:
Trotz vieler Bettelorden, vieler Heiliger, die in der Armut das gottgefällige Leben erkannt hatten, wie z.B. Johannes der Täufer, Augustinus, St. Martin, Franziskus von Assisi, Theresa von Ávila, trotz anders lautender Bibelworte:
Matthäus 19, Markus 10, Lukas 18:
Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!… Jesus sah ihn an und sagte: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Denn eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
Reichtum, das Horten wird zum erstrebenswerten Ziel. Die Erkenntnis war ja vorhanden, es kann keiner sagen, er hätte es nicht gewusst. Der Kapitalismus, die industrielle Revolution setzt sich durch, die Macht der Banken entsteht, die Ölmulties treten auf den Plan. Trends wie Globalisierung, und Shareholder Value Orientation kommen auf. Geld wird die Haupt-Motivation des Alltags, das Quartalsdenken in den Unternehmen nimmt zu statt auf organisches Wachsen der Unternehmen zu setzen. Die Legalisierung gewaltiger Zerstörung: Familien, Rohstoffe, Umwelt. Ich bezahle, daher darf ich! Bildung geschieht nicht mehr aus Interesse, aus Liebe, sondern für den Beruf, d.h. die Geldbeschaffungskompetenz des Menschen und seine wirtschaftliche Macht bestimmen den Wert des Menschen wie in dem Bankenslogan: Mein Haus, Mein Auto, Mein Boot….“ Erfolg wird mit dem Grad des Reichtums gemessen. Heute leiden die einen unter Arbeitslosigkeit, die anderen unter Arbeitsüberlastung. Stress wird zur Volkskrankheit. Zeit ist Geld und entweder ist das eine oder das andere knapp.
Bruch der Liebe und des sozialen Netzes: Der Schutz, die Gemeinschaft und die Barmherzigkeit der Großfamilie zerbricht. Nicht mehr die Großeltern unterstützen die Familien mit Kindern, weil sie ja arbeiten müssen, sondern bezahlte Kinderbetreuung wird eingeführt mit einem Betreuungsschlüssel von 1:23, 1:30. Depersonalisierung, Defamiliarisierung, dafür Kindergeld. Die Altersversorgung der Menschen wird von den Schultern der eigenen Kinder auf das Geld, auf anonyme Kinder, die Renteneinzahler, die Rentenkasse, die Pflegekasse übertragen. Kinder werden zu (Alt-)Lasten, zum Karrierehindernis. Die alten Menschen vereinsamen – oft fern von ihren Kindern, werden von bezahlten Kräften „wirtschaftlich“ im Heim gepflegt mit einem Betreuungsschlüssel von 1:6, am Wochenende 1:12.
Gesundheit und Heilung: Der Heilungsdienst der Kirche ist fast völlig eingestellt. Und die Tätigkeit des Heilens an die kommerzielle Schulmedizin abgegeben. Das Gesundheitssystem selbst ist zu einem riesigen Geschäft geworden, die Krankenkassenbeiträge würgen uns. Wir wissen, dass Gott heilt, dass er dem Gläubigen spontan Gesundheit schenken kann, so genannte Spontanremissionen wie auch allmähliche Genesung, sofern er umkehrt, um Hilfe und Heilung bittet und darin vertraut. Die Pharmaindustrie ist zu einem gewaltigen Wirtschaftsfaktor geworden, Medikamente, die niemand braucht, der Gottes Heilung in Anspruch nimmt. Die Arbeitswelt im Kapitalismus, die Lieblosigkeit und die soziale Verarmung sind die Hauptursachen für Krankheiten. Im Japanischen gibt es sogar schon ein Wort dafür: Karōshi, Tod durch Überarbeitung, meist Herzinfarkt während der Arbeitszeit. Und im Alter entscheidet selten Gott über unseren Todeszeitpunkt, sondern Arzt, Angehörige und der eigene Wille, niedergelegt in der Patientenverfügung. Ein gesegneter Tod im Kreise der Familie mit dankbarem Abschied der Beteiligten grenzt heute schon an unterlassene Hilfeleistung.
Und klar, dem Gott Mammon habe ich auch gehuldigt. Eine Zeit hatte ich auf meinem Schreibtisch eine Karte, bei der eine Hand aus dem Himmel ein großes Geldstück reicht. Das Geld kam irgendwann, die Folgen waren erschreckend: Überarbeitung, Stress, Schmerzen, Schlaflosigkeit, Gedankenkrankheit, Gewichtszunahme (Fülle!), soziale Verarmung, unerfüllter Kinderwunsch, Burnout.
Ich bekenne selbst Gott, dem Allmächtigen,
und allen Brüdern und Schwestern,
dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe,
dass ich Geld als Herrscher für mich
und in der Welt zugelassen habe.
Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken
durch meine Schuld, durch meine Schuld,
durch meine eigene Schuld.
Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria,
alle Engel und Heiligen,
und Euch, Brüder und Schwestern,
für mich zu beten bei Gott, unserem Herrn.
Ich bat um Vergebung, ich kehrte um. Es gibt nur noch einen Herrscher für mich, der ist so mächtig, dass er für mich sorgt. Ich gebe mich mit dem zufrieden, was ich brauche, was ich bekomme. Aber was hat Er mir auf die Finger gegeben, bis ich so weit war! Und wie froh bin ich jetzt! Wie einfach wird Leben!
Exkurs: Umkehr ist auch für die Kirche möglich? Es ist einfach: Indem sie betrachtet, was sie selbst von Gott trennt; wo sie sich verweltlicht hat, wo sie lieblos handelt, andere steinigt. Indem die Christen der verschiedenen Konfessionen betrachten, was sie individuell von Gott trennt und wo er durch Geld oder andere Götter ersetzt wird – meine Sicherheit ist mein Bankkonto, die Kirchensteuer, nicht Gott. Die Kirche kann aus eigenem Entschluss ihre eigene Trennung von Gott wieder aufheben und in die Einheit zurückkehren. Seien wir sicher, Er wird uns die Einheit der Kirche zurückgeben, der Gast „Spaltung“ ist dann nicht mehr nötig. Und auf diesem Wege betrachte jede Kirche nicht den Splitter im Auge der anderen Kirche, nämlich: Was hat die andere Kirche für Macken, warum sind die so unannehmbar für uns, so dass wir uns mit ihnen nicht vereinigen könnten? Sondern man betrachte den Balken im eigenen Auge. Wo sind unsere eigenen Baustellen, wo sind unsere eigenen Macken, und wie stellen wir sie ab? Denn allein da kann jede Kirche Veränderung bewirken, in sich selbst, nicht in einer Fremdorganisation. Wie können wir lieben und annehmen, was sie ausmacht. Schmeißen wir über Bord, was uns trennt – alle!
Diese Arbeit wird sicher sowohl für die Christenheit ein Segen sein, wie auch hilfreich für all die vielen, vielen Menschen, die ein dringendes Glaubensbedürfnis haben, die bei der Annäherung an den christlichen Glauben wie auch die christliche Kirche jedoch scheitern, weil sie die Spaltung nicht verstehen. Sie werden nicht mehr so viele Diskrepanzen zwischen dem neuen Testament und dem christlichen Lebenstil und Kirchenführung feststellen. Diese innere Renovierung wird all den Menschen, die heute bei dem Wort Kirche nur noch die Augen verdrehen, die Tür wieder öffnen.
Doch das „duale Erleben“ wirkt auch hier: Geben umgekehrt wir Gläubigen, wir Gottsuchenden auch der Kirche eine Chance als der Gemeinschaft der Gläubigen! Nehmen wir sie so wie sie ist! Liebende Akzeptanz! Denn die Kirche ist genau Spiegel dessen, wie ihre Mitglieder mit ihrem Glauben umgehen. Wirken wir selbst dabei mit, sie immer mehr dem Sein Jesu und seinen Worten anzunähern, mit zur Einheit zu führen! Denn wenn wir uns selbst von der Kirche trennen, weil sie nicht so ist, wie wir sie gern hätten, dann tragen wir zur Trennung bei. Dann tun wir genau dasselbe, sind um kein Deut besser oder anders. Wenn die Kirche nicht so ist, wie wir sie gerne hätten, dann liegt es an uns, unseren Glauben und unsere Jesus-Erfahrungen zu leben, uns einzubringen und dazu beizutragen, sie mehr und mehr so werden zu lassen, wie sie Glaube, Liebe und Hoffnung entspricht. Wenn Dir an der Kirche etwas fehlt, dann ganz sicher auch deswegen, weil Du dort fehlst, mein lieber Freund, meine liebe Freundin! Wer wirft denn gerade hier den ersten Stein?
Wenn wir uns eben von dem Wort Sünde abgestoßen fühlen, dann werfen wir der Kirche zur gleichen Zeit Sünde vor, nämlich vom Wege abzuweichen, den Jesus uns vorgezeichnet hat, lieblos zu sein, regelungssüchtig, bestimmerisch, herabwürdigend, was auch immer. Immer dasselbe Spielchen: Projektion! Auch eine Form des „dualen Erlebens“: Auch wir scheinen der Kirche Vorschriften machen zu wollen, wie Kirche sich für uns anfühlen soll. Wird die Kirche dadurch besser? Nein, wie auch! Lieblos ist das ebenso, gegenüber der Kirche, dem Leib Christi, gegenüber Gott! All diese Veränderung geht nur von innen heraus, indem wir in die Kirche hinein gehen. Bringen wir also unsere Lebendigkeit, unsere geistige Freiheit, unsere Einsicht, unser Vertrauen, unsere Kreativität, die Fähigkeit, über uns selbst zu lachen, unseren guten Willen, unsere Heilungs- und Veränderungsbereitschaft, unsere Wandlungsfähigkeit, unsere Liebe, unsere Akzeptanz, unsere Toleranz, unsere Fähigkeiten, unsere Leichtigkeit, unseren lebendigen Glauben mit in die Kirche. So wird sie durch uns, was immer wir sind: lebendig, gutwillig, frei, einsichtig, fröhlich, tolerant, akzeptabel, fähig, leicht, jung! Bringen wir unsere Wünsche und Vorstellungen an die Gemeinschaft der Gläubigen mit in die Kirche und die Gemeinschaft, ihr Geist und Sinn ändert sich automatisch, weil dem gemeinsamen Geist, der gemeinsamen Gestalt neue Facetten, neue Farben, neue Kräfte hinzugefügt werden – unsere.
Wenn wir eine liebevollere Kirche wollen, dann tragen wir doch einfach unsere Liebe hinein! Wenn wir eine Kirche wollen, die weniger durch Gesetze und Vorschriften geprägt ist, dann seien wir selbst weniger kritisch, stellen selbst keine Vorbedingungen für die Kirche: Ich gehe da erst (wieder) hin, wenn sich dies und das geändert hat. Für diese Änderungen brauchen wir unsere eigene Offenheit und Hingabe, damit Gott sie realisieren kann. Übernehmen wir für unseren Glauben, für die Einheit der Gläubigen mit Verantwortung! Es ist dasselbe wie in jeder Partnerschaft, Familie, Arbeitsstelle, Gemeinschaft, Organisation.
Politikverdrossenheit und Kirchenverdrossenheit gleichen sich: sich zurücklehnen zum einen wie ein trotziges Kind, dessen Erwartungen nicht erfüllt werden, zum anderen eben Bequemlichkeit und Verantwortungslosigkeit für die Gemeinschaft, zu der wir gehören. Was wir in dem Falle tun, ist, uns selbst eben nicht in die Gemeinschaft einzubringen, der wir per se durch unseren Wohnort bzw. durch unseren Glauben, unseren Gott angehören. Meckern und Rückzug[1] ist leicht und bequem. Verändern erfordert Glaube, Veränderungsbereitschaft und Engagement – nicht ganz so leicht und bequem, oder? Der Lohn? Gemeinschaft! Ein gemeinsamer Weg, gemeinsames Wachstum, geteiltes Leid, doppelte Freude! Ein herrlicher Leib Christi!
Vielleicht können wir das Wort Sünder auch mal übersetzen mit: „die sich von der Liebe weg verirrt haben“, vielleicht ist das annehmbarer. Also: wir kommen selbst immer wieder in Situationen, wo wir durch das „Die Sünde ist die Strafe an sich“ im „dualen Erleben“ nachfühlen können, wie der, gegen den wir – neben uns selbst – gesündigt haben, sich mit unserem Verhalten gefühlt hat, ob Mensch oder Gott. Klar fühlt sich das oft sehr quälend an, ist es ja auch! Liebe ist unser Lebenselexier und wir hungern… Wenn uns dann die Schuppen von den Augen fallen, wir bemerken, was wir dem Anderen und uns angetan haben oder antun wollten, dann ist Reue sofort da, können wir sofort umkehren, aufhören. Wenn wir also „duales Erleben“ erst einmal erfahren und verstanden haben, wie sich Vergebung und die Neu-Regulierung des Lebens, das Verschwinden des lieblosen Zustandes, unter dem man vielleicht schon so lange gelitten hat, anfühlt, dann kommen einem die Worte
„Bitte für uns Sünder, jetzt in und in der Stunde unseres Todes“
ganz einfach über die Lippen, nichts in uns wehrt sich mehr gegen dieses Wort, sondern wir sind froh, dass es tatsächlich Hilfe und einen Ausweg gibt. Das ist wieder eine wahre, gute Botschaft: dass dieser Irrsinn endlich aufhört, das, was uns schon so lange nervt, schmerzt, krank oder verrückt macht. So wie David seinen wunderbaren Sohn Salomo bekam. Eben: Vergebung erfahren, die Erfahrung einer falschen Entscheidung beendet bekommen.
Auch daher also unsere Übung, die Pfeile gegen den Strich zu suchen! Es bedeutete, dass wir uns an jeder Kreuzung versichern mussten, welches der richtige Weg ist. Wir betrachteten den Pfeil und konnten anhand seiner Positionierung meist erkennen, aus welchem Weg heraus man den Pfeil wohl am besten sehen konnte. Und dann ging es um den nächsten Pfeil. Oft trennten wir uns, wenn die Richtung nicht klar war, jeder suchte einen Weg ab und rief oder pfiff, wenn er den nächsten Pfeil gefunden hatte. Und dann gingen wir weiter. Und wenn wir uns unterwegs umdrehten, dann sahen wir oft die Pfeile in der Rückschau (der Blick auf die Früchte) und freuten uns, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Der Camino, der Weg Gottes schenkte uns Kraft und gute Erlebnisse, während die Landstraße uns Kraft nahm.
Und die Essenz? Wenn wir uns immer wieder fragen, warum läuft das hier so, dann können wir uns das Geschehen anschauen und uns fragen: Wo ist dieses Muster schon mal so gewesen, und zwar mit mir selbst auf der anderen Seite? Schauen wir in Gegenwart und Rückblick auf die Früchte unserer Lebensweise, auf das Maß der Liebe, was wir empfinden und erfahren. Gefallen sie uns nicht, dann gehen wir innerlich zum letzten Ort gehen, wo sie für uns gemeinsam gut waren, wo unser Leben von Zufriedenheit und Liebe geprägt war. Was haben wir seither getan? Was haben wir erlebt? Wann, wo und wodurch haben wir Wege eingeschlagen, auf denen wir keine guten Früchte fanden? Wo sind wir aus der Liebe gefallen? Gehen wir zu dieser Kreuzung zurück und halten erneut Ausschau: In welcher Richtung (Perspektive, Denken, Haltung) sind die guten Früchte am wahrscheinlichsten, was fühlt sich am deutlichsten als Liebe an, welcher Weg lässt uns am besten auf den bisherigen Früchten aufbauen? Wir werden zu denen, die den Weg der Liebe wieder finden. Aus Sündern werden Gesunde. Mit dem Martyrium Jesu, der Bitte um Vergebung und Umkehr sind uns die Sünden vergeben, was sollte zum Richten übrig bleiben außer dem innerlichen Ausrichten.
Gott ist für mich kein strafender Gott, sondern gerade, wenn ich eine für mich schwerwiegende Erkenntnis hinnehmen muss, ein Quell der Liebe, wenn ich dann irgendwann den Sinn dieser Erfahrung oder die Wirkung meines Handelns erkenne und verstehe. Er erklärt alles nachfühlbar und mit großer Geduld und Langmut, ich darf an jeder Kreuzung so lange hin und herlaufen, meine Runden drehen, die anderen Wege als Irrwege erfahren und erkennen, bis ich Seinen Weg einschlage, anders geht es gar nicht.
Wie kann ich denn sonst verstehen lernen?
Wann immer ich in meinem Leben etwas nicht bekommen habe, was ich wollte, oder ein schwierige Erfahrung hinnehmen musste, dann war es so, dass ich mich mit viel zuwenig zufrieden gegeben hätte und etwas viel Besseres, mehr Leben, mehr Liebe, mehr Lebendigkeit im Leben, auf mich wartete. Herr, du Freund des Lebens: das kann ich deutlich bestätigen. Auch ein Kind, dass sich an etwas festklammert, jammert, schreit oder bockt, für etwas, was nicht so gut für es ist und dem eigentlich eine gesündere, sinnvollere Variante zur Verfügung steht, dem mag ein gutelterliches Verhalten zunächst wenig gefallen oder wehtun, und so ist es auch mit uns als Erwachsenen und unserem Vater im Himmel.
Um uns mal einen kleinen Ausblick auf Duales Leben zu erlauben: Stellen wir uns einfach mal vor, wir stellen unserer Umgebung all die Liebe zur Verfügung, die in uns ist und die ist größer als die ganze Erde. Und die Umgebung weist sie zurück. Beispiele:
- Wir kochen was ganz Tolles, stellen uns stundenlang in die Küche. Und unsere Familie oder unsere Gäste schlingen das Essen einfach so oder beim Fernsehen herunter. Achten nicht drauf, sagen nichts dazu, kein Danke, kein Kommentar, keine Zufriedenheit. Oder sie meckern die ganze Zeit darüber. Wie geht es uns dann?
- Wir veranstalten ein wundervolles Fest, den Event des Lebens, und wir kassieren nur Absagen, weil die Eingeladenen was dringenderes zu tun haben. Wie fühlen wir uns? Siehe dazu auch das Gleichnis vom großen Gastmahl in Lukas 14 (Gute Nachricht Bibel):
Das große Abendmahl
15 Als aber einer das hörte, der mit zu Tisch saß, sprach er zu Jesus: Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes! 16 Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein17 Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit! 18 Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 19 Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 20 Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen. 21 Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein. 22 Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. 23 Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. 24 Denn ich sage euch, dass keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird. - Wir lieben einen Menschen und er weist permanent unsere Liebe zurück, weil er nicht daran glaubt, dass er geliebt wird, dass wir wirklich ihn meinen, weil er sich nicht liebenswert und eben einfach so wenig ok fühlt, dass er annehmen könnte, geliebt zu werden. Unsere Liebeserklärungen sieht er als Kritik an sich. Wie würden wir uns fühlen? Oder der Mensch sagt uns die ganze Zeit: Das ist mir zu dicht, so viel Liebe kann ich nicht aushalten, das kettet mich, da bleibt mir die Luft zum Atmen weg. Was machen wir dann?
- Wir bieten einem Menschen wunderbare Geschenke, Chancen und Erfahrungen an, laden ihn auf die schönsten Reisen ein, machen ihm ein tolles Jobangebot, wo er genau das tun könnte, was er sich schon immer gewünscht hat. Er nimmt sie aber nicht an, weil er Angst hat, weil er bequem ist, weil er der Sache nicht traut, weil er nicht glaubt, weil so etwas Gutes immer ein Haken haben muss und den will er nicht erfahren. Wenn wir dann auch noch Vorwürfe dafür kassieren. Und jetzt – wie gehen wir weiter mit ihm um? Was machen wir da mit unserer Liebe?
- Und das, wenn wir voller Verständnis, voller Liebe, voller bester Absichten, voller Langmut, voller Großzügigkeit sind, wenn wir Gefühle wie Eifersucht, Zorn, Angst vor Ablehnung und Zurückweisung nicht kennen würden. Was würden wir mit unserer Liebe, was würden wir mit unserem Gegenüber machen?
- Jemand sucht nach einem Ausweg aus seinem Dilemma, schreit permanent um Hilfe. Wir schicken ihm Nachrichten, Bücher, eine Bedienungsanleitung und Menschen, die ihm die Hilfe nahe bringen, alles sauber und nachvollziehbar aufgeschrieben. Er mag es hören und lesen, setzt es aber nicht um, beschwert sich aber weiter. Dann komme ich selbst vorbei, zeige es ihm, lass es ihn fühlen, sehen, erfahren, erkläre die Liebe noch mal ganz von vorne. Und er fordert dafür meinen Tod? Und jetzt?
Abweichungen vom Weg der Liebe, Ablehnung von Liebe, Nicht-Annehmen von Liebe: Das ist es viel eher noch, was ich als Sünde bezeichnen würde. Kinder würden sagen: Selber schuld, eigene Doofheit! Was sagen wir? Wie würden wir uns fühlen? Was macht man denn da? Was sagt Gott? Was macht er?
Also ich würde das eine Weile probieren, immer wieder anbieten, aber irgendwann würde ich sagen: Ja, wenn du partout nicht willst, denn mach weiter so und schau, wie du damit klar kommst. Ich würde mir an den Kopf fassen, den Kopf schütteln, die Person irgendwann sich selbst überlassen… Doch ich könnte nicht aufhören zu lieben. Was dann?
Manchmal schenkt er uns jedoch auch die Erfüllung unserer Wünsche und schenkt uns die Erfahrung, die mit dem Wunsch einhergeht.
Ein lange gehegter Wunsch ging eines Tages in Erfüllung, jedoch war die Erfahrung der Begleiterscheinungen ein deutliches Zeichen dafür, dass mein Wunsch nicht der beste Weg gewesen war, ich also das Ziel verfehlt hatte, saure Trauben gepflückt hatte. In dieser Nacht, da schon kam das Gericht zu mir: Es war, als ob im Halbschlaf ein Licht um mich herum anging und eine große Klarheit entstand und mir die Frage gestellt wurde: So, das hast Du also gewollt, hast Du das wirklich so gewollt? Dies ist ein Moment, dem man nicht ausweichen kann, in dem nichts als die Wahrheit funktioniert. Und dieser Moment ist der, in dem die Buße, die Umkehr einsetzen kann, wo man beginnt, für diese Wünsche ein Kreuz zu tragen. Heute bete ich immer wieder besonders inbrünstig die Zeile das Vaterunsers: Dein Wille geschehe, im Himmel wie auf Erden. Dein Wille, der die Liebe ist.
Nächster Artikel: Die 10 Gebote – ganz liebevoll
[1] Gleichzeitig fühlen wir uns ausgeschlossen und machtlos: „Duales Erleben“: Die da oben, wir da unten, Untertan statt Teilhaber.
Jeden Irrweg brauchen wir nicht selbst auszuprobieren, es gibt ja gelbe Pfeile: In einer Welt, die noch das Böse für möglich hält, zeigen uns die 10 Gebote die wichtigsten Eckpunkte auf, in der Liebe zu bleiben. Hier lang geht’s geradeaus! Wie der Rat liebender Eltern gilt Sein Gebot, das wir genauso als gute Botschaft verstehen können. Und eigentlich: Geht es hier nicht auch um die goldene Regel: Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu? Ich will weder getötet, beklaut, falsch verurteilt usw. werden. Im „dualen Erleben“ auf der Opferseite finden wir das all das auch gemein, unfair, verbrecherisch. Daher will ich hier die Gebote einmal als solche „Liebeserklärungen“ formulieren, so, wie es mir eine innere Stimme sagte, ganz nach Paulus Wort aus 1. Korinther 13 (Lutherbibel 1984):
1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.
Es sind übrigens wirklich Gebote, keine Verbote: Zumindest im griechischen Urtext ist keinerlei Imperativ zu erkennen und so soll es auch im hebräischen sein, wie man mir sagte. Es heißt einfach im Indikativ: Du tötest nicht. Du stiehlst nicht. Punkt. Ganz selbstverständlich, es gibt keine Alternative dazu. Es ist keine Entscheidung von uns. Trotzdem haben alle deutschen Bibelübersetzungen und meisten englischen das „Du sollst nicht“ bzw. „thou shall not“, aufgeführt. Das klingt schon wieder nach erhobenem Zeigefinger Ist das nicht merkwürdig? Als gutelterlicher, liebender Rat würde es vielleicht so klingen (aus Gute Nachricht Bibel):
1. Gebot
2 »Ich bin der Herr, dein Gott! Ich habe dich aus Ägypten herausgeführt, ich habe dich aus der Sklaverei befreit.3Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
In biblischen Zeiten verehrten viele Menschen ganze Pantheone von Göttern, uns am bekanntesten sind die römischen mit Jupiter als oberstem Gott, die griechischen mit Zeus und die germanischen mit Thor. Die Israliten kannten am ehesten die Götter ihrer Nachbarn und natürlich die Babylonischen Götter. Wir haben diese Art von Götterwelten mit für bestimmte Lebensbereiche zuständigen personifizierten Göttern heute nicht mehr so präsent, dafür haben wir heute typischerweise andere „Herren“: z.B. unseren Arbeitgeber, das Geld an sich, „mein Haus, mein Auto, mein Ansehen, meine Altersversorgung“, daher auch Kreditgeber, diverse Süchte, Schönheit, Image und Style, meine Ziele etc.
„Ich bin Gott, Dein Gott, keiner außer mir. Ich bin die Liebe selbst und ich möchte meine Liebe ständig in Dich strömen lassen und weiter aus Dir hinaus in die ganze Welt hinein. Ich führe Dich und jeden Anderen, der will, aus der Sklaverei, wie ich es immer getan habe. Weißt Du, wenn Du Deinen Geist und alle Deine Prioritäten nach mir ausrichtest, dann kann ich alles für Dich tun, denn ich bin der allmächtige Gott. Ich liebe es, für Dich da zu sein, fühle einfach mal den Strom der Liebe, den ich über Dich ausgieße. Und so können wir gemeinsam das tun, wofür ich Dich geschaffen habe, wofür ich mir Dich seit ewigen Zeiten gewünscht habe, Dich seit Beginn der Zeit geplant habe. Wir sind im Einklang und ich sorge für Dich. Wir können so zusammen am wirksamsten voranschreiten. Ich wünsche mir Dich frei, nicht mit anderen Sachen beschäftigst, mit anderen Prioritäten, anderen Werte, denn ich will so gerne zu Dir durchkommen. Meine Sprache geht weit über das Wort hinaus und es ist nicht so einfach, Dir auf allen Deinen Sinneskanälen eine Nachricht zukommen zu lassen, wenn Dein Kopf mit etwas anderem voll, beschäftigt ist. Ich möchte Dir so viel schenken, vielleicht entgehen Dir so meine Segnungen. Ich rufe Dich oft, weil ich Dich so gern glücklich sehen möchte, weil ich Dich so gerne senden möchte. Es gibt so viel, was ich Dir gerade zeigen möchte. Vielleicht hast Du gerade keine Zeit für mich, wenn die beste Gelegenheit da ist. Ich tue jede Menge für Dich, bitte vertrau mir einfach. Lass mich Dir viel abnehmen, lass Dich auf mich ein, ja? Wenn Du Dich auf andere Herren einlässt, ihnen dienst, um von ihnen eine Aufgabe und Deine Sicherheit zu erhalten, dann bist Du nicht frei. Bei mir bist Du sicher und frei, während andere Sicherheiten trügerisch sein mögen, denn ich bin der allmächtige Gott. Und ich liebe jeden so sehr wie Dich, daher lass Mich auch den Gott eines jeden Anderen sein.“
2. Gebot:
4 Du sollst dir kein Gottesbild anfertigen. Mach dir überhaupt kein Abbild von irgendetwas im Himmel, auf der Erde oder im Meer. 5 Wirf dich nicht vor fremden Göttern nieder und diene ihnen nicht. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein leidenschaftlich liebender Gott und erwarte auch von dir ungeteilte Liebe. Wenn sich jemand von mir abwendet, dann ziehe ich dafür noch seine Nachkommen zur Rechenschaft bis in die dritte und vierte Generation. 6 Wenn mich aber jemand liebt und meine Gebote befolgt, dann erweise ich auch noch seinen Nachkommen Liebe und Treue, und das über Tausende von Generationen hin.
Gott ist so eifrig und sehnsüchtig um uns bemüht und hätte gern als Gegenstück unseren Eifer und unsere Sehnsucht. Die zwei griechischen Worte, die für Gottesbild und Abbild genutzt werden, heißen ειδωλον und ομοιωμα. Das Word ειδωλον (sprich eidolon) kommt vom Wortstamm des griechischem Wortes für „sehen“ her, also etwas Sichtbares, daher wird es als Bild übersetzt, doch wir können dort auch unser heutiges Wort Idol erkennen. Ein Vorbild. Ein Ausschnitt. Das Wort ομοιωμα (sprich Omoioma) bedeutet Ähnlichkeit, wir kennen es heute z.B. aus dem Wort Homöopathie.
„Ich bin Dein lebendiger Gott, eben nichts Statisches ist, sondern wirklich quicklebendig. Ich bin keine Momentaufnahme, sondern beständige Dauer, immer an Deiner Seite, doch trotzdem ständig neu, ständig in Bewegung – mit Dir. Ich bin für Dich da mit allen Sinnen, in allen Dimensionen erfahrbar, ich bin nicht nicht reduzierbar auf einen oder zwei Sinneskanäle oder Dimensionen. Wie könntest Du mich auch sonst in jedem Moment erfassen? Ich bin ewig, doch das umfasst ja alle Zeiten, daher bin Ich in Meiner Ewigkeit auch allumfassend und allgestaltig. Meine Sprache ist nicht nur das Wort, sondern auch das Bild, der Klang, das fühlbare Sein, die leibhaftige Erfahrung. Durch Nichts ist bin ich erfassbar außer durch Alles, nichts ist Mir ähnlich außer Alles, dem Schöpfer des Himmels und der Erden, aller Wesen. Mein Bild ist schon da: Einfach die Augen öffnen, einfach Sein erfahren, leben. Schau hin! Das bin ich! So verstehst, so fühlst Du, was ich Dir gerade für ALLE Deine Sinne, Körper, Geist und Seele zeige als Zeichen/Wegweiser und dann das nächste und das nächste und das nächste…“
Immer wenn ich auf dem Camino draußen geschlafen habe, dann lag der riesige, gewaltige, leuchtende Sternenhimmel vor meinen Augen. Dies kann uns wirklich gut die unfassbare Größe Gottes zumindest ein wenig vor Augen führen. Wir liegen da und sind so winzig. Und wie groß ist DAS denn!
Wie könnte ich da was herauspicken, um es darzustellen? Es hieße, Gott die Größe, Seine Dimensionen und die Lebendigkeit abzuerkennen, wenn wir ihn abbilden. Wir könnten es nicht. Durch dieses ALLES können wir seine Größe erahnen.
3. Gebot
7 Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird jeden bestrafen, der das tut.
Im Urtext kann man es auch so verstehen: von Eitelkeiten oder Nichtigkeiten fernhalten.
„Wir lieben uns und ich freue mich, wenn Du meinen Namen mit Liebe aussprichst, wenn Du mit mir und über mich redest. Was immer Du mit meinen Namen in Verbindung bringst: Ich wünsche mir so, dass es von dieser Liebe getragen ist, von Wahrheit, von dem, wie ich bin.“
4. Gebot
8 Halte den Ruhetag in Ehren, den siebten Tag der Woche! Er ist ein heiliger Tag, der dem Herrn gehört. 9 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Tätigkeiten verrichten; 10 aber der siebte Tag ist der Ruhetag des Herrn, deines Gottes. An diesem Tag sollst du nicht arbeiten, auch nicht dein Sohn oder deine Tochter, dein Sklave oder deine Sklavin, dein Vieh oder der Fremde, der bei dir lebt. 11 Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer mit allem, was lebt, geschaffen. Am siebten Tag aber ruhte er. Deshalb hat er den siebten Tag der Woche gesegnet und zu einem heiligen Tag erklärt, der ihm gehört.
„Ich weiß schon, dass ich manchmal für Euch Menschen nicht so einfach zu verstehen bin. Daher schenke ich Dir jede Woche einen Tag der Ruhe, damit Du Raum und freien Geist hast, um unsere Verbindung wieder wahrzunehmen, Deinem Körper Erholung schenkst. Ruhe und Stille ermöglichen Dir wieder Aufmerksamkeit. So kannst Du mich und die Erfahrungen, die ich Dir biete, leichter erfassen als in Geschäftigkeit. Ich liebe es, wenn Du Zeit für mich hast, mich mit allen Deinen Sinnen, mit Deinem Herzen, Deiner Seele zu erfassen. So kann ich meinen Strom der Liebe am besten in Dich fließen lassen, die viele gute Botschaften schicken. Manchmal bin ich die leise Stimme in Dir und ich wünsche mir so sehr, dass Du mich hörst.
Ich habe diese Welt schön geschaffen, so vielen unterschiedlichen Blumen ihre Farbe und ihren Duft gegeben. Ich habe Euch leuchtende Kinderaugen, weiche Haut, süße Früchte und das Lachen geschenkt. Genieße diese Welt, dieses Geschenk an Euch, an diesem freien Tag, genieße mich, um auch so – über die Welt und ihre Menschen – meine intensive Liebe zu Dir, zu Euch allen zu erfahren. Lass es einen Tag sein, an dem für Dich getan wird, an dem ich für Dich da bin.“
12 Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren. Dann wirst du lange in dem Land leben, das dir der Herr, dein Gott, gibt.
„Ja, Ich will Dich genau so, wie Du bist, denn ich habe Dich geschaffen, seit ewigen Zeiten geplant und genau so gewünscht. Ja, Du bist hier auf der Erde von ganzem Herzen erwünscht. Daher habe ich Dir die Eltern geschenkt, die am besten zu Deiner Schöpfung passen. Glaube einfach, dass sie Dich richtig auf Deine Bestimmung vorbereiten durch alles, was Du mit ihnen erlebst. Sie sind Dein Schicksal und gleichzeitig auch Dein Schatz! Er ist eines meiner besonderen Geschenke an Dich: Suche und hebe diesen Schatz! Es wird Dein persönliches Abenteuer sein.
Eltern lernen durch Kinder meine Art der Liebe für andere Wesen fühlen und leben. Sie tun, was sie können. Ihr lebt in meinem ewigen Kreislauf, schwach seid Ihr am Anfang und am Ende des Lebens, damit ihr die Hilfe anderer und dadurch mich erfahren und genießen könnt. Sie haben mir geholfen, als Du klein warst. Magst Du mir helfen, was Deine Eltern angeht?“
13 Du sollst nicht morden.
„Der Herr über Leben und Tod, über jedwede Bestimmung bin ich. Und das ist gut so, denn diese Entscheidung zu treffen, das ist gewaltig. Denn: Weißt Du, was ich mit diesem Menschen vorhatte, wofür ich ihn geschaffen hatte? Weißt Du, ob seine Mission schon beendet ist? Du bist ein Mitmensch, Du weißt es nicht.Vielleicht habe ich Dir gerade dieser Mensch als Deinen Engel gesandt, der Dir den Schlüssel zum Paradies in die Hand drücken kann. Vielleicht konnte gerade er durch seine verstörende Andersartigkeit Dir zeigen, wo Du selbst noch in Deinen Gedanken verstört, von meinem Reich getrennt warst und ihr könntet Freunde werden.
Abgesehen davon, dass Du durch Töten ein anders Leben zur Unzeit beenden mögest: Ich möchte Dir ein schlechtes Gewissen, vielleicht ein lebenslanger Gedanke, Zerrissenheit, Zweifel und Verzweifelung ersparen, die Frage: Was wäre gewesen, wenn ich diesen Menschen am Leben gelassen hätte? Tue Dir das bitte nicht an, ich möchte Dir das wirklich ersparen. Das trifft zu bei allen Formen von Mord, um ungeborenes Leben, um Selbstmord, um Mord und Totschlag, um Krieg. um Sterben lassen, falls Du hättest helfen können. Mein Reich ist Frieden, das Zulassen der Vielfalt der Menschen, weil ich sie so unterschiedlich brauche, und dass der Starke sich unter den Schwachen stellt, bitte komm doch herein!“
14 Du sollst nicht die Ehe brechen.
Die Ehe brechen ist in der Regel der Abschluss eines langen Prozesses. In einer funktionierenden Beziehung wird kein Dritter gesucht.
„Die Liebe ist mir heilig. Wehre am besten den Anfängen von Miss-Stimmungen in Eurer Ehe. Ehebruch beginnt innen, darum stärkt euren inneren Bund, hegt und zu pflegt ihn, festigt und vertieft ihn, dann ist das Leben miteinander die wahre Pracht und ihr fühlt Euch wohl miteinander, was ich Euch von Herzen wünsche. Mein Friede sei mit Euch. Ihr tut Euch wohl, wenn Ihr einander annehmt, die Liebe und damit Eurer Partner darf den ersten Platz unter den Menschen im Leben einnehmen. Genießt Eure Gemeinschaft, feiert sie mit Körper, Geist und Seele. Gerade in Eurem Partner kann ich jeden Tag bei Euch sein, gerade im Miteinander durch Dick und Dünn gehen, denn so bin ich auch. Diese Intensität und dieses Glücksempfinden habe ich der Liebe zwischen Mann und Frau geschenkt, gerade weil ich die Liebe liebe. Ihr seid mit mir Mitschöpfer, die tiefste Verbindung zwischen Mensch und Gott, wenn wir gemeinsam Eure Kinder ins Leben führen. Wenn das schwer ist, Ihr nicht weiter wisst, nicht weiter kommt: Ich bin gerne da, für Euch, ich bin doch die Liebe! Kommt zu mir, einzeln und noch besser gemeinsam, damit Ihr der Lösung Eurer Probleme gewahr werdet. Besonders hilft Euch dabei Vergebung und hinzuschauen, dass Euch nicht etwas trennt, was kleiner ist als die Liebe. Denn erst bricht das innere Band, bevor das äußerliche Band bricht, die Ehe bricht, einer ausbricht, was schade wäre, weil ich so meine Liebe nicht mehr so intensiv ausdrücken kann.“
15 Du sollst nicht stehlen.
Das im Griechischen gewählte Wort κλεψεις (klepseis, was wir aus dem Wort Kleptomanie kennen) heißt übrigens nicht nur stehlen, sondern auch unterschlagen, schmuggeln, entführen, sich betrügerisch, schlau oder heimlich etwas zu verschaffen, betrügen, täuschen, verhehlen, verbergen, verheimlichen, etwas heimlich tun.
„Was für Dich ist, das bekommst Du, denn ich meine es beständig gut mit Dir. Was nicht für Dich ist, das brauchst Du nicht, es wird Dir nichts nützen. Denn das Dumme ist: Du wirst es immer verbergen wollen, es wird Dir Angst verschaffen vor Entdeckung, vor Strafe, vor der Rückgabe, der Wiedergutmachung, der Schuld, es sind einfach blöde Gefühle, saure Trauben. Vielleicht verpasst Du durch diese Gefühle das anzunehmen, was ich Dir ganz frei gebe! Glaube mir, dass Du das bekommen wirst, was für Dich richtig ist, die süßen Trauben! Ich habe genau für Euch alle gemeinsam genug geschaffen.“
16 Du sollst nichts Unwahres über deinen Mitmenschen sagen.
Es geht hier im griechischen Original um die Aussage bei Gericht, sogar betont in Form einer sprachlichen Verdopplung.
„Für jeden Menschen habe ich meinen eigenen Plan, für Dich, wie für jeden anderen. Überlasse sie bitte meiner Führung, so wie Du lieber auch nicht von Deinem Wege durch Willkür anderer abgebracht wirst. Du hast immer ein gutes Gewissen, wenn Du bei der Wahrheit bleibst, besonders dann, wenn Du über Deinen Mitmenschen vor Gericht aussagst. Dort wird von Menschen über das weitere Leben von Menschen entschieden. Hilf den menschlichen Richtern, die beste Entscheidung für alle Beteiligten zu finden. Dafür brauchen sie Deine Wahrheit. Es ist gut, wenn die Unschuld Unschuldiger festgestellt wird und sie ihr Leben unbeschadet fortsetzen können. Es ist ebenso gut, wenn die Schuld Schuldiger festgestellt wird, damit auch Du und alle anderen die Wahrheit kennen und so besser geschützt seid. Nur so kann Vergebung stattfinden.“
Für das Lügen an sich könnte es sich so anhören:
„Mein liebes Kind, es ist einfach besser, z.B. nicht zu lügen. Denn wenn Du lügst, kriegst Du hinterher “Probleme”. Die Trennung entsteht ja nicht nur in der Trennung von der Wahrheit. Sie liegt auch in der Trennung von Dir selbst, weil Du ja nicht das sagst, was du denkst oder erlebt hast, sondern etwas Ausgedachtes, Konstruiertes. Und du erlebst Trennung von der Person, der Du die Lüge erzählst, weil sie jetzt von Dir nicht Deine Geschichte weiß, sondern nur eine erdachte Geschichte. Und da eine Lüge oft eine oder mehrere nach sich ziehen, trennst Du Dich im Folgenden wieder und immer weiter von Dir selbst. Du passt auf, dass du nicht beim Lügen ertappt wirst und trennst dich daher von spontanen Aussagen und prüfst erst, ob alles auch mit den bisherigen Lügen übereinstimmt, bevor Du eine Äußerung wagst. Das ist anstrengend und mühsam. Und Du kannst vielleicht nicht tun, was du von Herzen gern tätest, weil sonst eine Lüge herauskäme. Und so setzt sich die Trennung immer weiter fort, bis Du vielleicht in einer völlig erlogenen Welt lebst, geplagt von schlechtem Gewissen, Schuldgefühlen und einer Gegenwart, die nicht wirklich Deine ist. Das Leben wird weniger lebendig, sondern immer künstlicher. Das ist weder gesund noch heil. Dein natürliches Ich wird umgebracht.“
17 Du sollst nicht versuchen, etwas an dich zu bringen, das deinem Mitmenschen gehört, weder seine Frau noch seinen Sklaven oder seine Sklavin, sein Rind oder seinen Esel noch irgendetwas anderes, das ihm gehört.
„Es ist ein Anreiz, wenn Du nicht zufrieden mit dem bist, was Du hast und stattdessen Dein Herz auf das richten magst, was ein anderer hat. Komme doch lieber zu mir und ich helfe Dir, zufrieden und dankbar zu werden. Es gibt so viele Wege, die wir gemeinsam beschreiten können, um diesen Zustand zu erreichen. Verharre nicht in der Betrachtung dessen, was ein anderer hat, verschwende daran keine Zeit. Lass uns lieber die Zeit gemeinsam besser nutzen. Richte Dich auf mich aus und wir werden gemeinsam Dein Leben vom Mangel weg zu wahrer Freude zu verwandeln. Dein Mangelgefühl zeigt Dir gerade, dass es genau jetzt mit uns losgehen kann. Überschütte doch Deine Frau mit Liebe, so wird sie in ihrer Schönheit, ihrem Strahlen, ihrer Freundlichkeit, ihrer Liebe und Freude, für Dich da zu sein, wachsen. Behandle alle Wesen, für die Du zuständig bist oder mit denen Du zusammen wirkst, mit Liebe, Respekt und Freundlichkeit. Pflege sie gut und hilf ihnen wachsen, so werden sie auch für Dich gute Partner sein. Wenn Du noch nichts dergleichen hast, so wisse, dass ich Dich gerade jetzt pflege, führe und Dir helfe zu wachsen, damit auch Du Deinen eigenen, guten Platz findest, mit dem Du Dich zu Recht wohlfühlst. Genau so wirst Du stolz sein, auf Dich, auf sie und alles von Herzen genießen können, was Dein war, ist und sein wird.“
Wenn die Verfehlung des Zieles ist, auf etwas zuzugehen, was nicht Liebe ist, dann ist die Umkehr die Rückkehr in den Zustand der Liebe, in den Strom der Liebe. Wird uns das allein gelingen? Sind wir der tapfere kleine Mensch, der jetzt mit einem großen Kraft- und Willensaufwand das Steuer herumreißen muss, um alles wieder auszugleichen? Kommen wir so in die Liebe zurück?
Wenn wir uns Jesus anschauen, so finden wir immer wieder, dass er auf Sünder zugeht, nicht nur das, er sucht sie intensiv als verlorene Schafe. Wir lesen, wie er sie aufbaut, ihnen ihre Würde zurückgibt und sie mit den Anderen wieder auf gleiche Augenhöhe zurückbringt: z.B. bei der Frage nach der Steinigung der Ehebrecherin, bei Zachäus, dem Zöllner, dem verlorenen Sohn.
Exkurs: Was ich dabei mal wieder nicht verstehe, ist, warum die Beichtenden auf die Knie gezwungen werden. Und vor allem: Warum wird ihnen vorher die Eucharistie verweigert? Denen, die sie am meisten brauchen? Die Eucharistie ist das Medikament Jesu, die Quelle der Liebe und Vergebung.
Da ich lange zu geistiger Kommunion „gezwungen war“, habe ich die Eucharistie immer in beiden Gestalten[1] erhalten. Ich hatte dies vorher schon beim Abendmahls-Geheimnis des Rosenkranzes häufiger erfahren. Dadurch wurde mir ihr mystischer Inhalt immer mehr bewusst, ich spürte von beiden Gestalten die unterschiedliche Wirkung und warum es wichtig ist, dass es beide Gestalten gibt. Und je länger ich wöchentlich in der Kirche so kommunizierte, konnte ich immer deutlicher wahrnehmen, was Brot und Wein machen. Wenn ich das Brot erhalte, dann geht von meiner Herz-/Magenregion ein Strahlen zu allen Seiten aus. Später kam hinzu, dass ich merkte, wie sich daraus um mich herum eine Lichtspirale in Gang setzte, die wie ein Wind alles Schwere wegpustete, irgendwann nahm ich am Ende ein Herz – wie ein Schutzschild – um mich herum wahr. Wenn ich den Wein erhielt, dann war es zunächst so, dass sich von meinem Körpermittelpunkt nach oben und nach unten etwas Starkes, Dunkles aufrichtete, als ob ich nach oben und unten gezogen würde. Später kam hinzu, dass von derselben Stelle aus nach der Oben-/Untenbewegung anschließend derselbe Sog zu beiden Seiten stattfand. Das Kreuz baute sich aus dem Blut in mir auf und richtete meinen Kanal nach oben und zur Erde hin wieder aus, danach dahin, wo meine Arme und Hände hinreichen können, zu den Menschen der Welt. Irgendwann sah ich dann, dass das auch bei allen anderen geschieht und wir uns die Hände im Geiste reichen, um gemeinsam die Einheit zu bilden, ein Ganzes zu sein. Zusammen das Symbol der Herz-Jesu, das Kreuz auf dem Herz, als Bild des höchsten Gesetzes.
Die, die die Kommunion akut brauchen, kriegen sie oft nicht. Glauben wir, dass Jesus so heilig sein will, dass er von den „Unwürdigen“ ferngehalten wird, in ein fernes Tabernakel eingeschlossen? Möchte er auf ein Podest gestellt werden, das auch wieder trennt? Ist er nicht – im Gegenteil – immer auf die „Unwürdigen“ zugegangen, hat sich selbst zu ihnen runtergebeugt, sich zum Mahl direkt zu ihnen gesetzt? Sind nicht alle Unwürdigen Menschen, die irgendwo auf dem Weg zum Heil sind; sollten wir ihnen verachtungsvoll noch Steine in den Weg legen? Hat er nicht sich selbst hingekniet und seinen Jüngern die Füße gewaschen? Will er nicht unter uns allen sein, sagt er nicht: „Ich bin bei Euch alle Tage, bis an der Welt Ende!“ Judas Ischariot hat auch beim allerersten Abendmahl dabei und wurde nicht ausgelassen. Ich denke, die Eucharistie muss gerade als starke Medizin zu den Sündern hin, um sie zu heilen, um sie so sehr mit Liebe anzufüllen, dass sie den Weg zurück wieder finden, weil sie nun den Geruch, den Geschmack, das Gefühl kennen. So kann Jesus auch heute noch auf die Sünder zukommen! „Kommt zu mir,“ rief er „die ihr mühsam und beladen seid!“ Jesus ist doch quicklebendig immer da und gerade kein goldenes Kalb, vor dem man sich rituell in den Staub wirft.
Vor einiger Zeit habe ich das Bild gesehen von der Perle, als die wir Gottes Reich finden können, und die uns wichtiger ist als alles Andere. Wir sind auch Perlen, die allerdings teilweise noch in sehr harten Schalen stecken, die noch zu öffnen sind. Wir haben uns manchmal sehr fest verschlossen, doch trotzdem in uns ist schon die Perle angelegt. Manchmal braucht es viel Liebe (Wasser), damit wir unsere harte Schale öffnen können. Manchmal sind wir als Perle noch verdunkelt, brauchen noch ein wenig Politur. Mit dem weichen Tuch der Liebe poliert uns Gott, damit wir die manchmal verworrenen oder schrägen Vorstellungen über das, was und wie Liebe ist, loswerden können. Der Vorgang des Polierens fühlt sich manchmal vielleicht etwas sehr „drüber und drunter“ an, doch hinterher ist die Perle, unser inwendiges Reich Gottes glänzend.
Gott ist es, der uns die Gnade zukommen lässt, dass er auf Millionen unterschiedliche Weisen Liebe in unser Leben hineinfließen lässt. Es geht gar nicht darum, dass wir es allein schaffen. Es geht darum, dass wir uns mit unserem Schuldgefühl vor Gott hinstellen und sagen: „Hier stehe ich. Damit fühle ich mich furchtbar, ich hab keine Ahnung mehr, was ich tun soll. Tragen kann ich es nicht mehr. Ich komme nicht weiter. Bitte hilf mir, erlöse mich von dieser Last, dieser Lieblosigkeit!“ Am Ende des eigenen Lateins angekommen sein. Aufgeben zu meinen, es allein zu schaffen, es allein schaffen zu können oder zu müssen. Die Last weitergeben an Gott: Das primär ist für mich die Umkehr. Und dann geht es an das Umsetzen, ohne das keine Umkehr vollständig ist. Keine Umkehr ohne Gnade und keine Gnade ohne Umkehr und neues Handeln.
Der Prozess der Reue geschieht auch nicht aus unserer eigenen Veranlassung: „So, denn will/muss ich jetzt mal bereuen! Ich hab zwar nicht viel Lust drauf, aber was muss, das muss wohl!“ Nein, im Gegenteil: Die Liebe, die nach der Umkehr durch unser Aufgeben, durch unser Aufhören des uns dagegen Wehrens, durch uns fließt, führt automatisch zu Mitgefühl, Mitleid durch Sehen und Verstehen „dualen Erlebens“. Die Fortsetzung der Reue ist die Sühne. Die Liebe fließt weiter durch uns und bewirkt, dass wir dem von unserem Handeln Betroffenen Gutes tun wollen, ohne Druck, freiwillig. Nicht wir waschen uns rein, Er tut es.
Gott ist der Motor, Er befreit uns durch Umkehr, Reue, Sühne. Gott gibt uns von den Umständen frei, wenn wir die Verfehlung des Weges erkannt haben und beenden. Klar, auf unserem Pilgerweg unseres Lebens kommen wieder auf unser Ziel zu. Wir haben seinen gelben Pfeil erkannt, der Richtungswechsel ist vollzogen.
[1] Beide Gestalten: Brot und Wein
Nicht jede Handlung führt bei jedem Gegenüber automatisch zum gleichen Schmerz. Was der eine als schmerzhaft oder verletzend empfindet, das mag dem nächsten egal sein, eventuell begrüßt ein Anderer es sogar. Das Leid des Beteiligten liegt manchmal in der leidenden Person selbst. Sie beschließt bewusst oder unbewusst, unter der Handlung zu leiden, beispielsweise wenn der andere etwas von uns will, was wir ihm wirklich nicht geben können, wenn wir ein Schuldempfinden nicht haben, sondern nur Mitleid. Was ist, wenn unser dreijähriges Kind partout auf die stark befahrene Straße rennen will? Dann halten wir es auch fest, auch wenn es schreit und tobt und leidet und auf uns stinkesauer ist. Was ist, wenn ein Mensch von uns etwas erwartet, was unseren Werten, unseren Möglichkeiten, unseren Gefühlen, unserem Wesen widerspricht? Müssen wir uns dann entschuldigen und umkehren, um Vergebung bitten, weil sich der Andere verletzt fühlt?
Ich glaube, dass Gott häufig so mit uns geht. Er weiß, dass er das Rechte für uns will (der Einzige, der wirklich WEISS, was das ist!!!), uns nur den einen Weg aufmachen kann, den Weg unserer Bestimmung, unserer Verheißung. Doch was, wenn wir uns etwas – sei es irgendwelchen Quatsch, sei es die zweitbeste Alternative – noch so sehr wünschen und uns dran festklammern? Wir leiden und leiden, hadern eventuell vielleicht sogar noch mit Gott. Dabei tun wir ihm so leid. Bestimmt sagt er zu uns: „Kind, hab doch Einsehen, sei doch mal locker, lass dich führen, ich will doch was viel Besseres für dich!“ Und die beste Lösung, unsere Bestimmung, wartet und wartet, dreht Däumchen, setzt Schimmel an…
Vor meiner Entscheidung, den Weg zur Heilpraktikerin/Heilerin, zur Pilgerei, zum wahrhaft spirituellen Leben einzuschlagen, habe ich mich sehr bemüht, in einem anderen, einen weltlichem Beruf Fuß zu fassen, der eigentlich nur ein Trittstein, eine Lehrzeit zur Professionalisierung sein sollte. Die Zeichen wurden immer deutlicher, er hat die ganze Palette an „Pfeilen“ aufgefahren, bis es dann irgendwann in meinem Büro gebrannt hat. Alles, was ich nicht mehr brauchte, was zu Ende sein sollte, das war verbrannt. Habe ich gelitten? Ja! War es schön? Nein, aber notwendig, GUT war’s und DANKE, MEIN GOTT! … Der Brand war am Schalttag des Jahres 2004, das Jahr, an dessen Jahresanfang ich mich entschied, den Jakobsweg nach Santiago de Compostela zu pilgern. Und sechs Wochen nach dem Brand lernte ich Santiago kennen, der mich wieder auf den spirituellen Pfad zurückführte. Er war mein Barnabas.
Die Erklärung finden wir in Römer 8 (Hoffnung für alle):
27 Und Gott, der unsere Herzen ganz genau kennt, weiß, was der Geist für uns betet. Denn der Geist vertritt uns im Gebet, so wie Gott es für alle möchte, die zu ihm gehören. 28 Das eine aber wissen wir: Wer Gott liebt, dem dient alles, was geschieht, zum Guten. Dies gilt für alle, die Gott nach seinem Plan und Willen zum neuen Leben erwählt hat. 29 Wen Gott nämlich auserwählt hat, der ist nach seinem Willen auch dazu bestimmt, seinem Sohn ähnlich zu werden, damit dieser der Erste ist unter vielen Brüdern und Schwestern. 30 Und wen Gott dafür bestimmt hat, den hat er auch in seine Gemeinschaft berufen; wen er aber berufen hat, den hat er auch von seiner Schuld befreit.
Ebenso wichtig ist die Vergebung für die betroffene Person, das Opfer. Solange sie nicht vergibt, verharrt sie im Leid, entscheidet sich – täglich – weiter für das Leid: „Ich hätte da noch was zu kriegen! Schuld, Zins und Zinseszins!“ Die Situation ist vergangen, die Vergangenheit kann faktisch nicht mehr, sondern nur noch an einem Ort verändert werden, nämlich im eigenen Herzen, in dem, wie wir darüber denken und fühlen, in der Gegenwart. Wer weiß, warum jemand anderes hat, was wir für uns beanspruchen? Vielleicht brauchte er es dringender als wir…
Als wir Padrón verließen, den Ort, in dem das Schiff mit den sterblichen Überresten des heiligen Santiago in Spanien gelandet ist (der namensgebende Anleger-Stein – pedrón – ein römischer Meilenstein - ist immer noch unter dem Altar der Santiago-Kirche), da landeten wir nach dem Ortsausgang – zwar auf einem sehr schönen Weg – auf einer Halbinsel, vor uns nur Wasser, kein Weg. Der Platz hatte zwar eine sehr schöne Aussicht, doch länger als für eine Pause verweilen machte keinen Sinn.
Obwohl wir auf dem ganzen Camino nie gern eine Strecke wieder zurückgegangen sind, weil wir uns verlaufen hatten, nun mussten wir einfach umkehren. Wir hielten einen Mann auf einem Fahrrad an, der uns dann den Weg beschrieb, wo wir auch wieder unsere Pfeile fanden. Beim Pilgern verharren geht einfach gar nicht, hinsetzen und heulen, sich im Kreise drehen oder trotzig sich verschließen hilft gar nicht, sondern nur die Realität anerkennen. Wenn man in einer Sackgasse angekommen ist, dann muss man sich umdrehen und einen anderen Weg suchen, damit man weiter auf sein Ziel zukommt, wieder einen Platz findet, an dem man wieder essen und schlafen kann, warm und satt wird und Geborgenheit findet. Und eigentlich klingt ja pedrón fast wie perdón = Vergebung, oder?
Analog ist der Lebensweg. Da, wo ein Weg so für uns nicht weitergeht, wo wir sonst verhungern oder vor Kälte sterben würde, real oder im Herzen, da ist es angesagt, den alten Weg hinter sich zu lassen. Darum fordert uns das Vaterunser auf, denen zu vergeben, die uns verletzt haben, von denen wir meinen, dass sie uns gegenüber noch Schulden haben.
Das spanische Wort für „vergeben“ heißt „perdonar“. „Donar“ bedeutet geben, schenken, stiften, spenden, auch zu finden in dem Camino-Wort „Donativo“. Die lateinische Präposition „per“ bedeutet durch, hindurch. Und hierin findet sich viel Wahrheit und ein ganz simpler Weg, um mit Verletzungen umzugehen. Vergeben bedeutet hindurchgeben, durch uns hindurchgeben, durchreichen an Gott. Wir sammeln von dem anderen etwas auf, was wir mittels Vergebung gleich weitergeben an Got und dort entsorgen, am besten schon bevor es uns verletzt. Wir schenken es einfach an Gott weiter, statt die unwillkommene Gabe wieder „doppelt und dreifach“ zurückzugeben, d.h. uns zu rächen. Gott nimmt uns das Gegebene ab, so dass sich dieser Strang der Verfehlung nicht fortsetzt und sich weiterentwickelt zu einem Streit etc., sondern ins Leere läuft, ausläuft, in uns seinen Abschluss findet.
So wird unsere Welt immer mehr gereinigt: Handlungsstränge des Hasses, der Gewalt, des Missbrauchs, des Betruges, der Missverständnisse, der Lieblosigkeit einfach beendet, frische Handlungsstränge oder auch solche, die teilweise schon von Generation zu Generation in unserem Familienstammbaum am laufen sind. Wir dürfen quasi Müllleute sein, die zwischenmenschlichen Müll sich nicht aufhäufen lassen, sondern „stante pede“, unverzüglich in Gott entsorgen, wo dieser Müll sich rückstandslos in Liebe auflöst. Daher sagt Jesus uns auch in der Bergpredigt in Matthäus 5 (Lutherbibel 1984):
5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
39 Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.
40 Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel.
41 Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.
44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen,
45 damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.
Wenn wir anderen Menschen vergeben, dann befreien wir nicht nur den anderen, sondern vor allem uns selbst und machen unsere gesamte Welt besser. Wir öffnen uns für das Neue, für die Freiheit, den Frieden im Gottesbewusstsein. Selbst wenn die Aussicht auf die Rückzahlung der Schuld noch so schön gewesen wäre, die Rache noch so süß gewesen wäre, die Erfüllung unserer Erwartung ein Hochfest: was, wenn dieses Ziel nicht erreicht wird? Was, wenn es uns nicht weiterführt, wir im Warten verdorren, verfaulen oder verschimmeln würden, oder noch sinnfreier, in der Beschäftigung mit Anwälten und Gerichten, die die Schuld eintreiben sollen, unsere Zeit verplempern? Endlich frei sein, ohne Last. Und – irgendwann werden wir wissen, wofür das alles gut war!
Im Verlaufe meiner Scheidung hatte ich mit meinem Ex-Mann gerichtlich einen Ehegatten-Unterhalt vereinbart, da ich durch die Umstände die Erziehung unseres Sohnes allein übernommen habe. Er hat ihn nie gezahlt, die geschuldete Summe hat sich auf viele tausend Euro angesammelt. Ich habe in meinem Gnadenjahr auf alles verzichtet. Er schuldet mir nichts mehr. Ich hätte noch Jahre auf die schöne Aussicht des Luftschlosses dieser Geldsumme am anderen Ufer starren können, es für Meins halten können. Hätte ich jemals in dieses Schloss einziehen können? Ich habe die Bindung gelöst und mich auf meinen Glauben fokussiert. Ich lasse ihn ziehen und sein Leben leben, seine Ressourcen in sein Leben fließen. Ich gehe meinen Weg weiter. Für mein Auskommen ist mein Weg mit Gott zuständig. Vertrauen…
Die Vergebung findet durch Gott, den Vater statt. In Ihm kommen alle Dinge in Einheit zusammen, sowohl der Fehler wie auch das, was wir stattdessen hätten tun können. Es sind zwei Pole, die in Gott in einem Punkt zusammenfallen und dort in Frieden miteinander existieren. Die Dissonanz löst sich auf. Durch das Fühlen dieses Friedens, den Gott uns bei der Vergebung ermöglicht, bewirkt das Abfallen der Last. Eine Schuld lagert sich auch als Unerledigtes, als etwas, was nicht ans Licht kommen soll, in unserem Geistkörper an. Im Moment der Vergebung, wenn wir wieder wissen, dass wir die Schuld nicht tragen müssen, wird das Schuldgefühl daraus entlassen, das kann man spüren. Es ist der berühmte Stein, der einem vom Herzen plumpst.
Die Vergebung ist unsere einzige Aufgabe im Vaterunser! Den Rest macht er! Einfach durchreichen, nicht zurückschlagen, nicht mitmachen, den Ball – zack! – einfach gleich weiterwerfen an Gott. Wie geht das?
In dem Moment, wo etwas passiert, was sich wie eine Verletzung anfühlt einfach diese Bitte aussprechen:
„Bitte lass mich teilhaben an Deinem Heiligen Geist und Deinem Heiligen Herzen in Jesus Christus“.
Das ist, was m.E. auch gemeint ist mit „Lamm Gottes, Du trägst die Sünde der Welt“. Jesus hat auch einfach durchgereicht, was er anderen abgenommen hat. Mir ist klar geworden, dass er dafür seine Gebetszeiten brauchte.
In einem Rosenkranzgebet mit eigenen Geheimnissen, in dem Fall war die Geschichte des Wandelns auf dem Wasser in Matthäus 14, da nahm ich einmal wahr, wie Jesus auf einen Berg ging, um zu beten. Im Gebet sah ich eine Art Gebetskanal, angefüllt war von Luftwirbeln und Flammenzungen, der vom Himmel aus auf Jesus gerichtet war. Dieser Wind umwehte Jesus, und ich glaube, er wurde da all das los, was er den Menschen vorher abgenommen hatte, was er vorher getragen hatte. Plötzlich richtete sich für ein paar Ave Marias dieser Gebetskanal auf mich und ich spürte etwas wie einen starken geistigen Wind um mich, der mich von oben bis unten reinigte und leicht machte.
Wenn wir also etwas „durchzureichen“ haben, dann geht das entweder in der Teilhabe an Gottes Geist und Herz oder durch diesen Gebetsstrom, den wir uns auch jederzeit erbitten können. Darin verschwindet jede Emotion, die zu Verletzung, Streit und Rache führen könnte, in Friede und Liebe gewandelt. Dies wandelt uns zu den Friedfertigen.
Die tägliche Eucharistie ist eben unsere tägliche Reinwaschung, das tägliche, vollständige Durchreichen. Und wenn wir es nicht in die Kirche schaffen, so können wir auch täglich geistig kommunizieren. In der geistigen Eucharistie ist Jesus selbst der Spender, der Priester. So hat es für mich funktioniert: Wir imaginieren folgenden Text und stellen uns vor, dass Jesus uns selbst das Brot und den Kelch reicht und wir das Brot und den Wein schlucken (ich bete immer, wie beim 10. Rosenkranzgeheimnis, das Ave Maria währenddessen). Es ist eine Mischung aus Matthäus 26 und der katholischen Eucharistievorbereitung. In der katholischen Messe werden wir durch das Klingeln genau auf diesen Moment hingewiesen.
Das Abendmahl
Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte:
„Gepriesen bist du Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Wir bringen dieses Brot vor dein Angesicht, damit es uns das Brot des Lebens werde, mein Leib. Gepriesen bist du in Ewigkeit, Herr, unser Gott”.
und brach’s und gab’s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte: „Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns den Wein, die Frucht des Weinstocks und der menschlichen Arbeit. Wir bringen diesen Kelch vor dein Angesicht, damit er uns der Kelch des Heiles werde, das Blut Jesu Christi. Gepriesen bist du in Ewigkeit, Herr, unser Gott.” Er gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, das ist mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis.“
Von Finisterra sind wir mit dem Bus nach Noia gefahren, denn in Noia biegt der Bus von der Küstenstraße nach Santiago de Compostela ab. Die Strecke von Noia nach Padrón, dem ersten Ort auf dem Camino Portugués, ist ungefähr genauso weit wie der Weg von Santiago nach Padrón – so sahen wir es auf der Karte. Genauso weit stimmt so ungefähr, aber das Höhenprofil war deutlich unterschiedlich. Von Noia an ging es bergauf, encima, meist durch den Wald. Und immer wieder dachten wir, jetzt sind wir langsam oben angekommen. War aber nicht, es ging immer wieder weiter. Immer wieder tauchten neue Höhen vor uns auf, die vorher verdeckt waren: durch den Wald, durch die Hügel davor. Ich taufte diesen Berg „Montaña de Engaño“[1], Berg der Täuschung. weil: Immer denkt man, man hätte es geschafft mit dem Aufstieg, doch: getäuscht! Immer noch nicht! Die besondere zeitliche Position unseres Montaña de Engaños zwischen Camino Francés und Camino Portugués zeigte auch, was ein Abweichen vom Weg für uns bedeutete: unnötige Mühsal.
Nun, Montañas de Engaños hatte ich in den letzten Jahren häufig erlebt. Viel gemacht, wenig erreicht, immer wieder tauchten neue Herausforderungen vor mir auf, geruhsame, entspannte Zeiten gab es nicht. Angekommen war ich noch nicht. Würde es jetzt bald passieren, nach dem Camino? Passiert es eigentlich überhaupt irgendwann? Bei einem Vortrag über innere Heilung durch Jesus hörte ich einen ähnlichen Vergleich von einem bekannten charismatischen Priester. Man möchte eine Tasse Tee trinken, setzt die Tasse an die Lippen, aber der Tee fließt nicht aus der Tasse, der Tee gerät nicht in unseren Mund, was immer wir auch tun.
Die Ursache für dieses Geschehen im Leben nannte er teuflische Bindung, die Ursache für teuflische Bindung im Leben: Todsünde[2]. Was ist wichtig: Wer diese Situation auch in seinem Leben kennt, der sollte intensiv nachschauen, wo er sich wissentlich, absichtlich und mit freien Willen in etwas hineinbegeben hat, was nicht mit Gottes Willen übereingestimmt hat, was nicht Liebe war. Zu den größten Sünden gehören biblisch Mord, Ehebruch und Abfall von Gott, schwere Verleumdung und Verweigerung von Hilfe in Lebensgefahr. Nicht nur Abfall von Gott, das muss ich zugeben, ist in meinem Leben passiert. So prüfe sich ein jeder, der Montañas de Engaños im Alltag schon kennen gelernt hat, ob nicht eine solche Ursache vorhanden sein kann, egal was für eine Abweichung vom Weg. Dieser Ursache auf die Spur zu kommen kann unserem Leben eine gewaltige Wendung verschaffen, das nur als kleiner Rat am Rande.
Gott ist nicht der Verursacher von Leid, das schaffen wir selbst mit unseren Gedanken, die der Widersacher dann verstärkt in seine Zielrichtung lenkt, um es immer trüber, schwieriger und in unserem Falle heißer – was haben wir an diesem heißen Sonntagnachmittag geschwitzt – werden zu lassen. Aber Er lässt es geschehen, wenn es uns insgesamt wieder auf Seinen Weg führen kann.
Für unsere erste Abweichung vom Camino in Frankreich hatte er uns – als Pilgeranfänger – einen Schutzengel, nämlich Blanco geschickt, hier war der Montaña de Engaños seine Mahnung, auf dem Wege zu bleiben. In Padrón waren wir wieder auf dem Camino und hier zu bleiben, das wurde mir immer wichtiger! Und noch ein drittes Mal haben wir den Camino verlassen, nämlich um nach Fátima abzubiegen. Auch hier folgte direkt ein unerwarteter Aufstieg, nämlich der nach Alvaiázere. Jeder, der am Theater inszeniert, kann da doch nur blass werden, oder? Allerdings auch alles Hazañas!
Nächster Artikel: Verantwortung und Konsequenz
[1] Engaño ist auch eine Figur bei der Salsa, ein Antäuscher, wo der Mann so tut, als würde er seinen Arm um die Frau legen, dann aber schnell den Arm wieder zurücknimmt, um die nächste Figur einzuleiten.
[2] Es gibt eine neue Aufstellung von Todsünden für die heutige Zeit, die von dem Bischof Gianfranco Girotti veröffentlicht wurde: Handel und Konsum von Drogen, Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Umweltverschmutzung, Abtreibung, Genmanipulationen, Profitgier, exzessiver Reichtum/Luxus. Klingt mir durchaus gut beobachtet..
Womit viele Menschen heute wahrscheinlich mehr anfangen können, das ist das Konzept von Verantwortung = Antwort für/auf etwas geben und Konsequenz = was auf etwas folgt, was mit etwas folgt. Vergessen wir das ganze Strafkonzept, das Kopf einziehen, die Schuldgefühle und das Verstecken, die Abscheu vor dem Wort Sünde und all seiner schreckensbesetzten Konnotationen! Stehen wir auf, stehen wir dazu.
Wenn ich etwas getan habe, und es war nicht richtig, dann kümmere ich mich aktiv um die Konsequenzen, um die Dinge wieder in Ordnung, auf den richtigen Weg zu bringen. Dies tilgt den Fehler am schnellsten, die Last verschwindet; und es ist viel leichter als ein bleibendes Schuldgefühl. Wir brauchen einfach nur den Mut, auf den anderen zuzugehen und alles zu klären. Ganz sicher: danach fühlen wir uns besser, Kommunikation hilft. Und eine Umarmung auch. Strecken wir immer wieder die Hand zum Paz Christi, zum Friede sei mit Dir, zum Friede in Jesus Christus aus.
Verantwortung heißt generell, für das eigene Handeln einzustehen und immer wieder an den Kreuzungen des Lebens mit Ihm die Frage zu klären: Was ist die beste Antwort für alle Beteiligten auf die aktuelle Situation? Folgen wir Ihm, sind wir auf dem richtigen Weg. Konsequenz heißt dann auch: Ich habe verstanden, dass etwas kein guter Weg war und lasse es von nun an – konsequent. Ich habe verstanden, was das Wesen von Gottes Reich ist und setze es kontinuierlich um – konsequent.
Darüber hinaus ist es wichtig, sich nicht auf die Schuld zu fixieren und ständig sein Leben auf Gedanken über Sünde zu fokussieren, sondern viel besser auf das, was wir gut und göttlich machen, wie wir dorthin kommen, auf den guten Weg. Bleiben wir nicht auf dem Bauch und im Schmutz liegen, wenn wir gefallen sind. Stehen wir lieber auf und schauen wir jeden Tag dahin, was uns gelungen ist, was uns und andere weiter gebracht hat, verschieben wir unseren Handlungsfokus hier hin, auf die gute Botschaft, auf das, was die Früchte des Heiligen Geistes hervorbringt.
Genau das ist auch wichtig in der Kindererziehung. Wenn ich mich auf die Fehler meines Kindes konzentriere, darauf achte, dass es nichts falsch macht, dann mache ich es nervös, dann haben wir zwei ständig Stress miteinander und weder in mir noch in meinem Kind wächst ein positives Selbstbild. Viele kennen das mit den Sprüchen „lass mich das machen, das kannst du ja eh nicht“, „lass es lieber, das schaffst du nicht“, „mach bloß keinen Fehler“ oder „wehe, wenn du einen Fehler machst“ oder das Androhen von Strafe, wenn Fehler gemacht werden. Ein Kind mit einer solchen Erziehung bleibt unselbständig, entwickelt wenig Selbstbewusstsein, wird wenig ausprobieren, hat Lebensangst und kann nur schlecht Entscheidungen treffen.
Wir beten daher auch das Ende des Ave Maria im Rosario zu vielen Zeiten auch anders, nämlich als positive Einstellung zum Leben und zum Umgang mit der Sünde. Statt „Bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes“ beten wir „Bitte für uns, die wir Kinder Gottes sind, jetzt und in der Stunde unseres Überwindens von Sünde, Krankheit und Tod.“ In diesem Moment stellen wir uns aktiv in das Gute, indem wir uns als Kinder Gottes verstehen. Gottes Name ist: Ich bin, der ich bin (da). Auch wir können immer wählen, wer wir sind!
Auch wir können uns immer weiter von der Sünde lösen und alle unsere Antennen auf GUT einstellen. Sich mit dem Bösen nicht beschäftigen und es nicht direkt bekämpfen, denn auf seinem Feld hat es immer mehr Erfahrung als wir[1]. Sicherer ist es, das Böse indirekt bekämpfen durch konsequenten Fortschritt im Guten! Wir fokussieren uns nicht ständig auf unseren Tod, sondern auf all die Zeit, in der wir es schaffen können, zu lieben statt eine Sünde zu begehen, in Seinem Willen zu bleiben, auf dem Weg der Liebe zu bleiben und nicht krank zu werden oder unsere „Gäste“ freundlich und zügig wieder zu verabschieden. Wir orientieren uns auf die Zeit unserer Auferstehung in ein ewiges Leben.
Während meiner Heiler-Ausbildung lernte ich eine Frau kennen, mit der ich mich anfreundete. Wir beide hatten schwierige Lebensphasen, sie stieg gerade nach 6-jähriger Elternzeit wieder in ihren Beruf als Zahnärztin ein. Auch sie hatte in ihrer Kindheit oft den Satz „lass es lieber…“ „das schaffst du eh nicht“ gehört und ihr Selbstvertrauen in ihre beruflichen Fähigkeiten war in diesem Moment sehr gering. Jeden Abend telefonierten wir in dieser Zeit – mindestens eine Stunde. Sie berichtete mir von ihren Startschwierigkeiten. Und immer wieder fragte ich sie dann: „Und, was ist dir heute gut gelungen?“ Und wenn sie es nicht wusste, dann fragte ich beispielsweise scherzhaft: „Na, du wirst doch wohl ein Glas sauber mit Wasser gefüllt haben und deinem Patienten hingestellt haben, ohne zu kleckern“. Und dann war sie dran zu erzählen, was sie gut gemacht hatte. Von Tag zu Tag fiel ihr mehr ein.
Aus dieser Fokussierung auf die guten Erinnerungen und die positiven Leistungen wuchsen innerhalb weniger Wochen ihr Selbstbewusstsein und natürlich auch ihre Leistungen, zum einen, weil sie was Gutes zum Erzählen haben wollte und zum anderen, weil ihre Unsicherheit von Tag zu Tag abnahm und sie daher ihre Hände viel sicherer führen konnte. Sie entspannte sich, ihre Körpersprache änderte sich, auf ihre Patienten wirkte sie von Tag zu Tag kompetenter und sie traute sich mehr und mehr zu. Sie entdeckte, dass der Arzt, in dessen Praxis sie mitarbeitete, auch nur „mit Wasser kochte“, und sie sich neben ihm und seiner langjährigen Erfahrung mit ihren Fähigkeiten nicht verstecken musste. Heute ist sie eine freundliche, kompetente und beliebte Ärztin, die mit schlafwandlerischer Sicherheit ihre Patienten versorgt, ihren Patienten im Nu die Angst nehmen kann und auch vor schwierigen „Renovierungen“ nicht zurückschreckt.
Denn darum bitten wir: „Schau nicht auf unsere Schuld, sondern auf den Glauben deiner Kirche und schenke ihr nach deinem Willen Einheit und Frieden.“
Nächstes Kapitel: Der Sinn von Armut und Fülle
[1] Einfach mal die Versuchung Jesu in Matthäus 4 lesen, ein schönes Beispiel, wie er sich konsequent vom Spielfeld des Satans begibt. Ebenfalls interessant: Der Satan kann die Bibel auch zitieren…



