Du durchsuchst gerade das Tag-Archiv des 'Armut Tags.
Ganz klar wird dieses Prinzip in der Geschichte von König David aus dem 2. Buch Samuel (11). David sah eine verheiratete Frau names Batseba und beging mit ihr Ehebruch, wovon sie schwanger wurde. Ihr Mann war einer der Soldaten König Davids, die im Felde lagen. Um die Fremd-Vaterschaft zu vertuschen, versuchte David, ihren Mann Uria zu Batseba zu schicken, damit er dächte, das Kind sei von ihm, aber das gelang David nicht. Daraufhin ließ David Uria von seinen Befehlshabern in eine lebensgefährliche Situation im Kampfe stellen, und ja – Uria fiel im Krieg. Batseba verrichtete die angemessene Totenklage, dann holte König David sie in sein Haus. Sie heirateten und Batseba gebar einen Sohn. Gott sandte den Propheten Nathan zu David und machte ihm klar, welche Sünde er begangen hatte, was David einsah und bereute. Nathan sagte ihm voraus, dass sein neugeborener Sohn sterben würde, was dann auch geschah, obwohl David für seine Gesundheit betete und fastete und viel Reue zeigte. Nach dem Tod dieses Sohnes schwängerte David wieder Batseba und dieses Kind war Salomo, ein Kind und später König, den Gott sehr liebte.
König David hatte Urias Tod verursacht und so hatte er einen Tod, wenn auch nicht seinen eigenen, zu erleiden. Wenn ich einmal der Täter, der „Handelnde“ oder „Handeln-Könnende“ bin, sündige, so werde ich als Ausgleich der Sünde auf der anderen Seite der sein, an dem gehandelt bzw. eben nicht gehandelt wird, in der gleichen Sache. Wir bekommen immer beide Seiten zum Zwecke des Erkenntnisgewinns, erfahrbar auf allen Sinnesebenen, sozusagen 3-D, mit Körper, Geist und Seele. Ich will dieses Geschehen mal für das folgende das „duale Erleben“ nennen. Es ist für mich eines der großartigsten Mittel Gottes, uns zu führen. Man kann es als Strafe sehen, es ist jedoch pure Gnade, auf diese allumfassende Weise verstehen zu lernen. Diese mehrdimensionale Erfahrung ist deutlicher, glaubhafter als das Wort und die Gebote allein, sie wird zu Wissen, mit der Zeit zu Weisheit. Der Karma-Begriff hat die Weisheit und Erkenntnis bildende Konnotation nicht. Durch diese Weisheit wird unsere Welt angenehmer, gottgemäßer. Es wird klar, was Liebe ist.
Buch der Weisheit 11 (Einheitsübersetzung)
15 Zur Strafe für ihre frevlerische Torheit, in die sie sich verirrt hatten, als sie vernunftloses Gewürm und armseliges Ungeziefer verehrten, sandtest du ihnen eine Menge vernunftloser Tiere. 16 Sie sollten erkennen: Man wird mit dem gestraft, womit man sündigt.
Ich möchte ein paar Gleichnisse aus dem echten Leben erzählen, die uns aufzeigen, wie dieses Prinzip heute funktioniert.
1. Gleichnis: Ein Mann ist gehalten, in seinem Leben einen neuen Weg einzuschlagen. Seit sechs Jahren tritt er auf der Stelle und hadert mit seinem Leben, hadert mit Gott, weil er nicht bekommt, was er sich so sehr wünscht. Was er an den Tag legt, ist einfach kein “erfolgreiches” Verhalten. Wie ein Süchtiger hält er an einer Lebensform fest, die ihn immer mehr mit Todessehnsucht füllt. Er bekommt eine Depression, sein Beruf leidet massiv darunter, finanzielle Probleme treten auf, Liebe und Partnerschaft = Zero.
Parallel dazu entwickelt sich im Leben seiner Tochter ein ähnliches Muster. Das Mädchen besuchte immer unregelmäßiger die Schule, bis sie ohne Abschluss schließlich draußen stand. Ihre Eigeninitiative geht gegen Null. Sie beginnt mit Drogen, driftete ab und der Vater kann sie nicht halten. Immer, wenn es ihr schlecht geht oder sie Geld braucht, dann kommt sie zu ihrem Vater. Dort bekommt sie etwas zu essen, sie reden miteinander. So gern würde sie von ihm hören, dass alles gut gehen wird und Erfolg sich einstellen wird, wenn sie so weiter macht. Er erkennt, dass er ihr außer dem “täglich Brot” nicht wirklich helfen darf, solange sie dabei auf dem alten Weg bleibt. Er würde ein selbstdestruktives Verhalten damit in ihr verstärken. Damit würde er sie weiter auf die Straße ins Unglück schicken, sie noch mehr schwächen. Es tut ihm in der Seele weh, sein Kind so zu sehen. Er betet für sie, nimmt sich für sie Zeit. Sie wird immer, immer wieder wütend auf ihn, weil er ihr nicht zustimmt, schreit ihn an, explodiert, haut ab türenknallend ab.
Irgendwann begreift er, dass er seinem Vater im Himmel gegenüber genauso handelt. Er versteht, dass Gott ihm in seiner eigenen Selbstdestruktivität in aller Liebe nicht helfen darf. Er entscheidet sich zur Umkehr. Er merkt, dass er immer dann, wenn er die Umkehr durchzieht, sich gute Gelegenheiten ergeben. Wenn er die Umkehr wieder schleifen lässt und sich wieder zurückwendet, fällt das Gute wieder in sich zusammen, er kassiert Stornos oder Verzögerungen stellen sich ein.
2. Gleichnis: Über zunächst verheimlichten, einseitigen Ehebruch kommt ein Paar zusammen. Was zunächst auf der Strecke bleibt, – außer üblerweise der Familie -ist in der Partnerschaft das Vertrauen. Dadurch, dass man weiß, dass der andere einen anderen Partner schon mal belogen und betrogen hat, ist es leichter, ihm das wieder zuzutrauen. Die Eifersucht lauert, es entsteht Überaufmerksamkeit, Empfindlichkeit. Wer einmal lügt… Man vermutet schnell Betrug, eine neue Affäre hinter allen möglichen Reaktionen und Alleingängen und gegengeschlechtlichen Kontakten. Denn ganz sicher möchte man es nicht, dass es einem selbst genauso widerfährt. Und natürlich weiß man ja auch, wann, wie und auf welche Weise der Partner seinen ehemaligen Gatten betrogen hat. Man nimmt also all die Gefühle, die Quälerei wahr, die der verlassene Ehepartner während des Ehebruches hatte, übernimmt dessen Leiden, ohne dass es einen realen Hintergrund haben muss. Der andere Partner fühlt sich dadurch schnell beobachtet, kontrolliert und eingeschränkt, auch wenn er jetzt treu ist. Er erfährt wieder und wieder Misstrauen, das ja einst gerechtfertigt war. Der Zweifel wird immer versuchen, Hausgenosse zu sein.
3. Gleichnis: Die katholische Kirche führt im Mittelalter den Ablasshandel ein, d.h. Geld ist in der Lage, Vergebung herbei zu führen. Etwas, was eigentlich nur Gott kann, ein deutlicher Verstoß gegen das 1. Gebot. Geld wird die gleiche Macht wie Gott zugestanden. Die Kirche trennt sich von Gott, von Gottes Gebot, wartet nicht auf freiwilliges Geben. Gott trennt daraufhin die Kirche, d.h. er spaltet die Kirche, hebt die Einheit der Kirche auf. Er entzieht ihr die Macht durch Klostersturm, den Augsburger Religionsfrieden (Cuius regio, eius religio – Wessen Gebiet, dessen Religion), der weltliche Herrscher steht über dem Glauben. Und er lässt uns bis heute fühlen, wie es ist, wenn das Geld die Welt regiert. Und die evangelische Kirche entsteht dadurch nochmals als weitgehend uneinheitlicher, in viele unterschiedliche, autonome Landeskirchen getrennt.
Konsequenz des Zu-Gott-Erhebens von Geld:
Trotz vieler Bettelorden, vieler Heiliger, die in der Armut das gottgefällige Leben erkannt hatten, wie z.B. Johannes der Täufer, Augustinus, St. Martin, Franziskus von Assisi, Theresa von Ávila, trotz anders lautender Bibelworte:
Matthäus 19, Markus 10, Lukas 18:
Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!… Jesus sah ihn an und sagte: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Denn eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.
Reichtum, das Horten wird zum erstrebenswerten Ziel. Die Erkenntnis war ja vorhanden, es kann keiner sagen, er hätte es nicht gewusst. Der Kapitalismus, die industrielle Revolution setzt sich durch, die Macht der Banken entsteht, die Ölmulties treten auf den Plan. Trends wie Globalisierung, und Shareholder Value Orientation kommen auf. Geld wird die Haupt-Motivation des Alltags, das Quartalsdenken in den Unternehmen nimmt zu statt auf organisches Wachsen der Unternehmen zu setzen. Die Legalisierung gewaltiger Zerstörung: Familien, Rohstoffe, Umwelt. Ich bezahle, daher darf ich! Bildung geschieht nicht mehr aus Interesse, aus Liebe, sondern für den Beruf, d.h. die Geldbeschaffungskompetenz des Menschen und seine wirtschaftliche Macht bestimmen den Wert des Menschen wie in dem Bankenslogan: Mein Haus, Mein Auto, Mein Boot….“ Erfolg wird mit dem Grad des Reichtums gemessen. Heute leiden die einen unter Arbeitslosigkeit, die anderen unter Arbeitsüberlastung. Stress wird zur Volkskrankheit. Zeit ist Geld und entweder ist das eine oder das andere knapp.
Bruch der Liebe und des sozialen Netzes: Der Schutz, die Gemeinschaft und die Barmherzigkeit der Großfamilie zerbricht. Nicht mehr die Großeltern unterstützen die Familien mit Kindern, weil sie ja arbeiten müssen, sondern bezahlte Kinderbetreuung wird eingeführt mit einem Betreuungsschlüssel von 1:23, 1:30. Depersonalisierung, Defamiliarisierung, dafür Kindergeld. Die Altersversorgung der Menschen wird von den Schultern der eigenen Kinder auf das Geld, auf anonyme Kinder, die Renteneinzahler, die Rentenkasse, die Pflegekasse übertragen. Kinder werden zu (Alt-)Lasten, zum Karrierehindernis. Die alten Menschen vereinsamen – oft fern von ihren Kindern, werden von bezahlten Kräften „wirtschaftlich“ im Heim gepflegt mit einem Betreuungsschlüssel von 1:6, am Wochenende 1:12.
Gesundheit und Heilung: Der Heilungsdienst der Kirche ist fast völlig eingestellt. Und die Tätigkeit des Heilens an die kommerzielle Schulmedizin abgegeben. Das Gesundheitssystem selbst ist zu einem riesigen Geschäft geworden, die Krankenkassenbeiträge würgen uns. Wir wissen, dass Gott heilt, dass er dem Gläubigen spontan Gesundheit schenken kann, so genannte Spontanremissionen wie auch allmähliche Genesung, sofern er umkehrt, um Hilfe und Heilung bittet und darin vertraut. Die Pharmaindustrie ist zu einem gewaltigen Wirtschaftsfaktor geworden, Medikamente, die niemand braucht, der Gottes Heilung in Anspruch nimmt. Die Arbeitswelt im Kapitalismus, die Lieblosigkeit und die soziale Verarmung sind die Hauptursachen für Krankheiten. Im Japanischen gibt es sogar schon ein Wort dafür: Karōshi, Tod durch Überarbeitung, meist Herzinfarkt während der Arbeitszeit. Und im Alter entscheidet selten Gott über unseren Todeszeitpunkt, sondern Arzt, Angehörige und der eigene Wille, niedergelegt in der Patientenverfügung. Ein gesegneter Tod im Kreise der Familie mit dankbarem Abschied der Beteiligten grenzt heute schon an unterlassene Hilfeleistung.
Und klar, dem Gott Mammon habe ich auch gehuldigt. Eine Zeit hatte ich auf meinem Schreibtisch eine Karte, bei der eine Hand aus dem Himmel ein großes Geldstück reicht. Das Geld kam irgendwann, die Folgen waren erschreckend: Überarbeitung, Stress, Schmerzen, Schlaflosigkeit, Gedankenkrankheit, Gewichtszunahme (Fülle!), soziale Verarmung, unerfüllter Kinderwunsch, Burnout.
Ich bekenne selbst Gott, dem Allmächtigen,
und allen Brüdern und Schwestern,
dass ich Gutes unterlassen und Böses getan habe,
dass ich Geld als Herrscher für mich
und in der Welt zugelassen habe.
Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken
durch meine Schuld, durch meine Schuld,
durch meine eigene Schuld.
Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria,
alle Engel und Heiligen,
und Euch, Brüder und Schwestern,
für mich zu beten bei Gott, unserem Herrn.
Ich bat um Vergebung, ich kehrte um. Es gibt nur noch einen Herrscher für mich, der ist so mächtig, dass er für mich sorgt. Ich gebe mich mit dem zufrieden, was ich brauche, was ich bekomme. Aber was hat Er mir auf die Finger gegeben, bis ich so weit war! Und wie froh bin ich jetzt! Wie einfach wird Leben!
Exkurs: Umkehr ist auch für die Kirche möglich? Es ist einfach: Indem sie betrachtet, was sie selbst von Gott trennt; wo sie sich verweltlicht hat, wo sie lieblos handelt, andere steinigt. Indem die Christen der verschiedenen Konfessionen betrachten, was sie individuell von Gott trennt und wo er durch Geld oder andere Götter ersetzt wird – meine Sicherheit ist mein Bankkonto, die Kirchensteuer, nicht Gott. Die Kirche kann aus eigenem Entschluss ihre eigene Trennung von Gott wieder aufheben und in die Einheit zurückkehren. Seien wir sicher, Er wird uns die Einheit der Kirche zurückgeben, der Gast „Spaltung“ ist dann nicht mehr nötig. Und auf diesem Wege betrachte jede Kirche nicht den Splitter im Auge der anderen Kirche, nämlich: Was hat die andere Kirche für Macken, warum sind die so unannehmbar für uns, so dass wir uns mit ihnen nicht vereinigen könnten? Sondern man betrachte den Balken im eigenen Auge. Wo sind unsere eigenen Baustellen, wo sind unsere eigenen Macken, und wie stellen wir sie ab? Denn allein da kann jede Kirche Veränderung bewirken, in sich selbst, nicht in einer Fremdorganisation. Wie können wir lieben und annehmen, was sie ausmacht. Schmeißen wir über Bord, was uns trennt – alle!
Diese Arbeit wird sicher sowohl für die Christenheit ein Segen sein, wie auch hilfreich für all die vielen, vielen Menschen, die ein dringendes Glaubensbedürfnis haben, die bei der Annäherung an den christlichen Glauben wie auch die christliche Kirche jedoch scheitern, weil sie die Spaltung nicht verstehen. Sie werden nicht mehr so viele Diskrepanzen zwischen dem neuen Testament und dem christlichen Lebenstil und Kirchenführung feststellen. Diese innere Renovierung wird all den Menschen, die heute bei dem Wort Kirche nur noch die Augen verdrehen, die Tür wieder öffnen.
Doch das „duale Erleben“ wirkt auch hier: Geben umgekehrt wir Gläubigen, wir Gottsuchenden auch der Kirche eine Chance als der Gemeinschaft der Gläubigen! Nehmen wir sie so wie sie ist! Liebende Akzeptanz! Denn die Kirche ist genau Spiegel dessen, wie ihre Mitglieder mit ihrem Glauben umgehen. Wirken wir selbst dabei mit, sie immer mehr dem Sein Jesu und seinen Worten anzunähern, mit zur Einheit zu führen! Denn wenn wir uns selbst von der Kirche trennen, weil sie nicht so ist, wie wir sie gern hätten, dann tragen wir zur Trennung bei. Dann tun wir genau dasselbe, sind um kein Deut besser oder anders. Wenn die Kirche nicht so ist, wie wir sie gerne hätten, dann liegt es an uns, unseren Glauben und unsere Jesus-Erfahrungen zu leben, uns einzubringen und dazu beizutragen, sie mehr und mehr so werden zu lassen, wie sie Glaube, Liebe und Hoffnung entspricht. Wenn Dir an der Kirche etwas fehlt, dann ganz sicher auch deswegen, weil Du dort fehlst, mein lieber Freund, meine liebe Freundin! Wer wirft denn gerade hier den ersten Stein?
Wenn wir uns eben von dem Wort Sünde abgestoßen fühlen, dann werfen wir der Kirche zur gleichen Zeit Sünde vor, nämlich vom Wege abzuweichen, den Jesus uns vorgezeichnet hat, lieblos zu sein, regelungssüchtig, bestimmerisch, herabwürdigend, was auch immer. Immer dasselbe Spielchen: Projektion! Auch eine Form des „dualen Erlebens“: Auch wir scheinen der Kirche Vorschriften machen zu wollen, wie Kirche sich für uns anfühlen soll. Wird die Kirche dadurch besser? Nein, wie auch! Lieblos ist das ebenso, gegenüber der Kirche, dem Leib Christi, gegenüber Gott! All diese Veränderung geht nur von innen heraus, indem wir in die Kirche hinein gehen. Bringen wir also unsere Lebendigkeit, unsere geistige Freiheit, unsere Einsicht, unser Vertrauen, unsere Kreativität, die Fähigkeit, über uns selbst zu lachen, unseren guten Willen, unsere Heilungs- und Veränderungsbereitschaft, unsere Wandlungsfähigkeit, unsere Liebe, unsere Akzeptanz, unsere Toleranz, unsere Fähigkeiten, unsere Leichtigkeit, unseren lebendigen Glauben mit in die Kirche. So wird sie durch uns, was immer wir sind: lebendig, gutwillig, frei, einsichtig, fröhlich, tolerant, akzeptabel, fähig, leicht, jung! Bringen wir unsere Wünsche und Vorstellungen an die Gemeinschaft der Gläubigen mit in die Kirche und die Gemeinschaft, ihr Geist und Sinn ändert sich automatisch, weil dem gemeinsamen Geist, der gemeinsamen Gestalt neue Facetten, neue Farben, neue Kräfte hinzugefügt werden – unsere.
Wenn wir eine liebevollere Kirche wollen, dann tragen wir doch einfach unsere Liebe hinein! Wenn wir eine Kirche wollen, die weniger durch Gesetze und Vorschriften geprägt ist, dann seien wir selbst weniger kritisch, stellen selbst keine Vorbedingungen für die Kirche: Ich gehe da erst (wieder) hin, wenn sich dies und das geändert hat. Für diese Änderungen brauchen wir unsere eigene Offenheit und Hingabe, damit Gott sie realisieren kann. Übernehmen wir für unseren Glauben, für die Einheit der Gläubigen mit Verantwortung! Es ist dasselbe wie in jeder Partnerschaft, Familie, Arbeitsstelle, Gemeinschaft, Organisation.
Politikverdrossenheit und Kirchenverdrossenheit gleichen sich: sich zurücklehnen zum einen wie ein trotziges Kind, dessen Erwartungen nicht erfüllt werden, zum anderen eben Bequemlichkeit und Verantwortungslosigkeit für die Gemeinschaft, zu der wir gehören. Was wir in dem Falle tun, ist, uns selbst eben nicht in die Gemeinschaft einzubringen, der wir per se durch unseren Wohnort bzw. durch unseren Glauben, unseren Gott angehören. Meckern und Rückzug[1] ist leicht und bequem. Verändern erfordert Glaube, Veränderungsbereitschaft und Engagement – nicht ganz so leicht und bequem, oder? Der Lohn? Gemeinschaft! Ein gemeinsamer Weg, gemeinsames Wachstum, geteiltes Leid, doppelte Freude! Ein herrlicher Leib Christi!
Vielleicht können wir das Wort Sünder auch mal übersetzen mit: „die sich von der Liebe weg verirrt haben“, vielleicht ist das annehmbarer. Also: wir kommen selbst immer wieder in Situationen, wo wir durch das „Die Sünde ist die Strafe an sich“ im „dualen Erleben“ nachfühlen können, wie der, gegen den wir – neben uns selbst – gesündigt haben, sich mit unserem Verhalten gefühlt hat, ob Mensch oder Gott. Klar fühlt sich das oft sehr quälend an, ist es ja auch! Liebe ist unser Lebenselexier und wir hungern… Wenn uns dann die Schuppen von den Augen fallen, wir bemerken, was wir dem Anderen und uns angetan haben oder antun wollten, dann ist Reue sofort da, können wir sofort umkehren, aufhören. Wenn wir also „duales Erleben“ erst einmal erfahren und verstanden haben, wie sich Vergebung und die Neu-Regulierung des Lebens, das Verschwinden des lieblosen Zustandes, unter dem man vielleicht schon so lange gelitten hat, anfühlt, dann kommen einem die Worte
„Bitte für uns Sünder, jetzt in und in der Stunde unseres Todes“
ganz einfach über die Lippen, nichts in uns wehrt sich mehr gegen dieses Wort, sondern wir sind froh, dass es tatsächlich Hilfe und einen Ausweg gibt. Das ist wieder eine wahre, gute Botschaft: dass dieser Irrsinn endlich aufhört, das, was uns schon so lange nervt, schmerzt, krank oder verrückt macht. So wie David seinen wunderbaren Sohn Salomo bekam. Eben: Vergebung erfahren, die Erfahrung einer falschen Entscheidung beendet bekommen.
Auch daher also unsere Übung, die Pfeile gegen den Strich zu suchen! Es bedeutete, dass wir uns an jeder Kreuzung versichern mussten, welches der richtige Weg ist. Wir betrachteten den Pfeil und konnten anhand seiner Positionierung meist erkennen, aus welchem Weg heraus man den Pfeil wohl am besten sehen konnte. Und dann ging es um den nächsten Pfeil. Oft trennten wir uns, wenn die Richtung nicht klar war, jeder suchte einen Weg ab und rief oder pfiff, wenn er den nächsten Pfeil gefunden hatte. Und dann gingen wir weiter. Und wenn wir uns unterwegs umdrehten, dann sahen wir oft die Pfeile in der Rückschau (der Blick auf die Früchte) und freuten uns, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Der Camino, der Weg Gottes schenkte uns Kraft und gute Erlebnisse, während die Landstraße uns Kraft nahm.
Und die Essenz? Wenn wir uns immer wieder fragen, warum läuft das hier so, dann können wir uns das Geschehen anschauen und uns fragen: Wo ist dieses Muster schon mal so gewesen, und zwar mit mir selbst auf der anderen Seite? Schauen wir in Gegenwart und Rückblick auf die Früchte unserer Lebensweise, auf das Maß der Liebe, was wir empfinden und erfahren. Gefallen sie uns nicht, dann gehen wir innerlich zum letzten Ort gehen, wo sie für uns gemeinsam gut waren, wo unser Leben von Zufriedenheit und Liebe geprägt war. Was haben wir seither getan? Was haben wir erlebt? Wann, wo und wodurch haben wir Wege eingeschlagen, auf denen wir keine guten Früchte fanden? Wo sind wir aus der Liebe gefallen? Gehen wir zu dieser Kreuzung zurück und halten erneut Ausschau: In welcher Richtung (Perspektive, Denken, Haltung) sind die guten Früchte am wahrscheinlichsten, was fühlt sich am deutlichsten als Liebe an, welcher Weg lässt uns am besten auf den bisherigen Früchten aufbauen? Wir werden zu denen, die den Weg der Liebe wieder finden. Aus Sündern werden Gesunde. Mit dem Martyrium Jesu, der Bitte um Vergebung und Umkehr sind uns die Sünden vergeben, was sollte zum Richten übrig bleiben außer dem innerlichen Ausrichten.
Gott ist für mich kein strafender Gott, sondern gerade, wenn ich eine für mich schwerwiegende Erkenntnis hinnehmen muss, ein Quell der Liebe, wenn ich dann irgendwann den Sinn dieser Erfahrung oder die Wirkung meines Handelns erkenne und verstehe. Er erklärt alles nachfühlbar und mit großer Geduld und Langmut, ich darf an jeder Kreuzung so lange hin und herlaufen, meine Runden drehen, die anderen Wege als Irrwege erfahren und erkennen, bis ich Seinen Weg einschlage, anders geht es gar nicht.
Wie kann ich denn sonst verstehen lernen?
Wann immer ich in meinem Leben etwas nicht bekommen habe, was ich wollte, oder ein schwierige Erfahrung hinnehmen musste, dann war es so, dass ich mich mit viel zuwenig zufrieden gegeben hätte und etwas viel Besseres, mehr Leben, mehr Liebe, mehr Lebendigkeit im Leben, auf mich wartete. Herr, du Freund des Lebens: das kann ich deutlich bestätigen. Auch ein Kind, dass sich an etwas festklammert, jammert, schreit oder bockt, für etwas, was nicht so gut für es ist und dem eigentlich eine gesündere, sinnvollere Variante zur Verfügung steht, dem mag ein gutelterliches Verhalten zunächst wenig gefallen oder wehtun, und so ist es auch mit uns als Erwachsenen und unserem Vater im Himmel.
Um uns mal einen kleinen Ausblick auf Duales Leben zu erlauben: Stellen wir uns einfach mal vor, wir stellen unserer Umgebung all die Liebe zur Verfügung, die in uns ist und die ist größer als die ganze Erde. Und die Umgebung weist sie zurück. Beispiele:
- Wir kochen was ganz Tolles, stellen uns stundenlang in die Küche. Und unsere Familie oder unsere Gäste schlingen das Essen einfach so oder beim Fernsehen herunter. Achten nicht drauf, sagen nichts dazu, kein Danke, kein Kommentar, keine Zufriedenheit. Oder sie meckern die ganze Zeit darüber. Wie geht es uns dann?
- Wir veranstalten ein wundervolles Fest, den Event des Lebens, und wir kassieren nur Absagen, weil die Eingeladenen was dringenderes zu tun haben. Wie fühlen wir uns? Siehe dazu auch das Gleichnis vom großen Gastmahl in Lukas 14 (Gute Nachricht Bibel):
Das große Abendmahl
15 Als aber einer das hörte, der mit zu Tisch saß, sprach er zu Jesus: Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes! 16 Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein17 Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit! 18 Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 19 Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 20 Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen. 21 Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein. 22 Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. 23 Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. 24 Denn ich sage euch, dass keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird. - Wir lieben einen Menschen und er weist permanent unsere Liebe zurück, weil er nicht daran glaubt, dass er geliebt wird, dass wir wirklich ihn meinen, weil er sich nicht liebenswert und eben einfach so wenig ok fühlt, dass er annehmen könnte, geliebt zu werden. Unsere Liebeserklärungen sieht er als Kritik an sich. Wie würden wir uns fühlen? Oder der Mensch sagt uns die ganze Zeit: Das ist mir zu dicht, so viel Liebe kann ich nicht aushalten, das kettet mich, da bleibt mir die Luft zum Atmen weg. Was machen wir dann?
- Wir bieten einem Menschen wunderbare Geschenke, Chancen und Erfahrungen an, laden ihn auf die schönsten Reisen ein, machen ihm ein tolles Jobangebot, wo er genau das tun könnte, was er sich schon immer gewünscht hat. Er nimmt sie aber nicht an, weil er Angst hat, weil er bequem ist, weil er der Sache nicht traut, weil er nicht glaubt, weil so etwas Gutes immer ein Haken haben muss und den will er nicht erfahren. Wenn wir dann auch noch Vorwürfe dafür kassieren. Und jetzt – wie gehen wir weiter mit ihm um? Was machen wir da mit unserer Liebe?
- Und das, wenn wir voller Verständnis, voller Liebe, voller bester Absichten, voller Langmut, voller Großzügigkeit sind, wenn wir Gefühle wie Eifersucht, Zorn, Angst vor Ablehnung und Zurückweisung nicht kennen würden. Was würden wir mit unserer Liebe, was würden wir mit unserem Gegenüber machen?
- Jemand sucht nach einem Ausweg aus seinem Dilemma, schreit permanent um Hilfe. Wir schicken ihm Nachrichten, Bücher, eine Bedienungsanleitung und Menschen, die ihm die Hilfe nahe bringen, alles sauber und nachvollziehbar aufgeschrieben. Er mag es hören und lesen, setzt es aber nicht um, beschwert sich aber weiter. Dann komme ich selbst vorbei, zeige es ihm, lass es ihn fühlen, sehen, erfahren, erkläre die Liebe noch mal ganz von vorne. Und er fordert dafür meinen Tod? Und jetzt?
Abweichungen vom Weg der Liebe, Ablehnung von Liebe, Nicht-Annehmen von Liebe: Das ist es viel eher noch, was ich als Sünde bezeichnen würde. Kinder würden sagen: Selber schuld, eigene Doofheit! Was sagen wir? Wie würden wir uns fühlen? Was macht man denn da? Was sagt Gott? Was macht er?
Also ich würde das eine Weile probieren, immer wieder anbieten, aber irgendwann würde ich sagen: Ja, wenn du partout nicht willst, denn mach weiter so und schau, wie du damit klar kommst. Ich würde mir an den Kopf fassen, den Kopf schütteln, die Person irgendwann sich selbst überlassen… Doch ich könnte nicht aufhören zu lieben. Was dann?
Manchmal schenkt er uns jedoch auch die Erfüllung unserer Wünsche und schenkt uns die Erfahrung, die mit dem Wunsch einhergeht.
Ein lange gehegter Wunsch ging eines Tages in Erfüllung, jedoch war die Erfahrung der Begleiterscheinungen ein deutliches Zeichen dafür, dass mein Wunsch nicht der beste Weg gewesen war, ich also das Ziel verfehlt hatte, saure Trauben gepflückt hatte. In dieser Nacht, da schon kam das Gericht zu mir: Es war, als ob im Halbschlaf ein Licht um mich herum anging und eine große Klarheit entstand und mir die Frage gestellt wurde: So, das hast Du also gewollt, hast Du das wirklich so gewollt? Dies ist ein Moment, dem man nicht ausweichen kann, in dem nichts als die Wahrheit funktioniert. Und dieser Moment ist der, in dem die Buße, die Umkehr einsetzen kann, wo man beginnt, für diese Wünsche ein Kreuz zu tragen. Heute bete ich immer wieder besonders inbrünstig die Zeile das Vaterunsers: Dein Wille geschehe, im Himmel wie auf Erden. Dein Wille, der die Liebe ist.
Nächster Artikel: Die 10 Gebote – ganz liebevoll
[1] Gleichzeitig fühlen wir uns ausgeschlossen und machtlos: „Duales Erleben“: Die da oben, wir da unten, Untertan statt Teilhaber.
Das, was die meisten hier unter Sicherheit verstehen: ein fester Job, eine geregelte Arbeit, ein Haus, ein Auto, eine Altersversorgung, Horten, Halten, Haben, das ist genau der Weg, Sicherheit gänzlich zu verlieren. Man wiegt sich in Sicherheit, doch was ist, wenn in wenigen Jahren die Wahrheit, die jetzt schon abzusehen ist, eintritt. Was ist diese Sicherheit dann noch wert?
Und macht uns diese Lebensform, das Konsumieren, das Haben denn generell glücklich und zufrieden mit dieser Welt? Eher nein: Der Anteil depressiv-erkrankter Menschen liegt derzeit lt. WHO bei 121 Millionen weltweit, Voraussagen der WHO sehen die Depression als zweitverbreitetste Krankheit in 2020, an Depression sterben jährlich 850.000 Menschen. Doch bekanntermaßen geht die Depressionsrate zurück, wenn die Existenz nicht gesichert ist, das hat sich in Kriegszeiten gezeigt.
Wer immer anfängt, das reichlich vorhandene Datenmaterial über diese Erde auszuwerten, der wird eindeutig zu dem Schluss kommen, dass wir als Menschheit derzeit definitiv nicht auf dem Weg der Liebe sind – im „mehr, mehr, mehr“ kann kein Ziel liegen -, dass wir uns mit offenen Augen und freiwillig in den Untergang hineinsteuern, eben durch
- bewusste Aufrechterhaltung des Hungerelends
- Bewirken und Zulassen von Umweltverschmutzung
- Bewirken und Zulassen der Klimakatastrophe
- unfassbare Ressourcenvergeudung
Es ist fassbar, es ist begreifbar, dass etwas gemacht werden muss, ist es machbar? Können wir den Tanker noch umsteuern?
Ich werde manchmal gefragt, ob wir uns denn ins Mittelalter zurückbegeben sollten. Definitiv nicht! Jetzt, wo wir globale Kooperation entwickelt haben, da ist ein globaler Weg möglich, der vom Einzelnen ausgeht. Keine Inquisition, keine Kreuzzüge, keine Gegner, keine Feinde, keine Schwerter, alle sind im selben Boot und alle wissen jetzt voneinander. Dieser Weg kann sich nur freiwillig, friedlich, gewaltfrei und aus der Liebe heraus entwickeln.
Aus einer Studie der UN-Universität “Weltforschungsinstitut für Wirtschaftsentwicklung“ in Helsinki stammen diese Zahlen (basierend auf Zahlenmaterial aus dem Jahr 2000):
Ein Erwachsener braucht nur 2138 $, um zu den Top 50 der reichsten Menschen der Erde zu gehören, mehr als 61.000 $ werden gebraucht, um zu den Top 10 zu gehören und 510.000 $ ermöglichen die Zugehörigkeit zum Top 1 Prozent der reichsten Menschen der Welt zu gehören.
„Reicher Mann und armer Mann
Standen da und sahen sich an.
Und der Arme sagte bleich:
Wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich.“
(Bertolt Brecht, Gedichte [1933-1938])
Die Schätzung der Reichtumsanteile zeigt auf, dass die reichsten 2 Prozent der Weltbevölkerung mehr als die Hälfte des weltweiten Reichtums besitzen, das reichste Prozent besitzt allein 40 % des Besitzes. Die damit verbundene Zahl für die Top 5 Prozent beträgt 71 % und die Top 10 Prozent beträgt 85 %. Im Kontrast dazu: die unteren 50 Prozent der Weltbevölkerung besitzen kaum 1 % des weltweiten Reichtums. Mitglieder der Top 10 Prozent sind 400 mal reicher im Durchschnitt als die genannten 50 % am unteren Ende der Reichtumsskala, und die Top 1 sind fast 2000 mal reicher. Malen wir doch mal eine Torte:

Reichtumsverteilung in der Welt - Herzlos: Die Hälfte der Menschheit besitzt nur 1 % des Reichtums der Welt
Es gibt zur Zeit ca. 6,8 Mrd. Menschen auf der Erde. Das bedeutet:
- 1 % der Menschheit, d.h. 68 Mio. Menschen behalten das blaue Tortenstück für sich, das ist ungefähr die Bevölkerung von Westdeutschland.
- 2 % der Menschheit, d.h. 136 Mio. Menschen behalten das weinrote Tortenstück für sich.
- 3 % der Menschheit, d.h. 204 Mio. Menschen behalten das weiße Tortenstück für sich.
- 5 % der Menschheit, d.h. 340 Mio. Menschen behalten das grüne Stück für sich.
- 40 % der Menschheit, d.h. 2.720 Mio.Menschen teilen sich das lila Tortenstück.
- Das winzige orangene Tortenstück müssen sich 50 % der Menschheit teilen, d.h. 3.400 Mio. Menschen. Kann einer den Hunger jetzt sehen? Und – warum kriegt hier keiner auf die Pfoten?
Adolf Eichmann, Holocaust-Beauftragter Hitlers, wird dieser Satz zugesprochen: „10 Tote sind eine Tragödie, 100 Tote eine Katastrophe, doch 6 Mio. Tote nur noch Statistik.“ Ist das so, soll er Recht behalten? Auch heute noch? Wir regen uns über den Holocaust und den Völkermord an den Juden im 3. Reich auf und lassen jährlich genauso viele Kinder in dieser Welt am Hunger sterben?
Jemand der es wissen muss, Jean Ziegler, UN-Experte für Ernährung, sagt dazu: “Ein Kind, das heute verhungert, wird ermordet!” Recht hat er! Wir töten durch unser Verhalten. Ein Interview mit ihm hier.
Das zu akzeptieren, das zuzulassen, da nicht drüber sofort in Tränen auszubrechen und dann zu handeln, da haben wir sie nicht mehr alle! Das ist globaler, kollektiver Irrsinn, Wahnsinn, ohne Sinn! Wir haben sie nicht mehr alle, weil nicht alle haben. Wie werden wir gemeinsam zur Besinnung kommen? Wie werden wir gemeinsam aufwachen können? Warum trifft uns das nicht? Woher kommt diese Gefühllosigkeit, diese Hartherzigkeit?
Was gibt uns die Berechtigung für dieses unser Handeln? Weil wir es bezahlen? Geld ist Recht!? Was gibt den Mengen von Kinderschändern die Berechtigung, in Asien mit kleinen Mädchen und Jungen ihre sexuellen Phantasien auszuleben? Weil sie es bezahlen?! Das giergesteuerte Ausnutzen der Bedürftigkeit der Armen: Männer kaufen Frauen, Männer kaufen Männer, Frauen kaufen Männer.
Was gibt Menschen das Recht, weite Teile der Welt Anderen vorzuenthalten? Weil sie es bezahlen?! Wie kann ein Mensch das Recht erhalten, sich herausnehmen, mehr zu nehmen, als er braucht? Dies ist keine Rechtschaffenheit, hier wird mit Geld Recht bezahlt und gekauft. Die ethische Frage wird nur selten gestellt. Jesus in Lukas 16 (Neue Genfer Übersetzung):
14 Das alles hörten auch die Pharisäer, die sehr am Geld hingen, und sie lachten über ihn. 15 Da sagte er zu ihnen: Ihr redet den Leuten ein, dass ihr gerecht seid; aber Gott kennt euer Herz. Denn was die Menschen für großartig halten, das ist in den Augen Gottes ein Gräuel.
Mir auch. Wem noch? Bitte mal Hand hoch…
Lukas 6 (Lutherbibel 1984)
24 Aber dagegen: Weh euch Reichen! Denn ihr habt euren Trost schon gehabt.
Beispielsweise: Was gibt den ausländischen Ölgesellschaften in Ecuador die Berechtigung, den Regenwald und die artenreichen Feuchtgebiete und die Lebensgrundlage indigener Völker durch Umweltverschmutzung zu zerstören? Weil sie bezahlen?!
Matthäus 24 (Lutherbibel 1984): 12 Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.
Von Ordnung ist hier keine Spur. Wann und wie kommt die Welt wieder in Ordnung? Kann sich das irgendeiner vorstellen, kann sich irgendeiner den Weg dahin vorstellen? Also: Wie kann der Tanker umgesteuert werden?
Der Kommunismus – das hat nicht geklappt, aus verschiedenen Gründen, der Kapitalismus und die Marktwirtschaft auch nicht, das ist heute deutlich zu sehen. Wir haben das alles lange genug ausprobiert, um deutlich zu diesem Schluss zu kommen.
Haben wir schon aufgegeben in der Einstellung „Was kann ich denn schon dazu tun, was kann ich denn daran schon verändern?“ Ja, wie kann es geschehen, dass die Menschen, die haben, sich entscheiden, so lange zu geben, bis alle genug haben, nämlich das, was jeder braucht, den symbolischen Denar vom Weinbergsbesitzer, egal, zu welcher Uhrzeit man dort angefangen hat?
Teilen, verteilen, das geht nur freiwillig, aus Liebe, aus Mitleid, aus einem Gerechtigkeitssinn, der alle betrifft, nicht nur das Meine und die Meinen, dem Gefühl heraus, dass Ordnung und Harmonie existiert, wenn alle haben, was sie brauchen. Ich glaube, da haben wir alle noch viel zu lernen, ich nehme mich nicht aus.
Es ist an der Zeit: Ein weltweites, gemeinsames Leben nach den Regeln von Gottes Reich. Die Bedienungsanleitung haben wir schon seit 2000 Jahren im Neuen Testament.
Der Messias war schon da!
Es gibt keinen Grund, es weiter aufzuschieben.
