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Über längere Zeit hatte ich häufig mein Herz durch Handauflegen behandelt. Wann immer mir etwas weh tat, wenn ich mich verletzt fühlte, dann legte ich mir die Hände auf, um mich zu heilen. Und auch zu vielen anderen Zeiten, mit Gebet und ohne, machte ich viele Übungen, die ich erhalten hatte, für mein Herz, für meine Fähigkeit zu lieben. Ich habe viele schöne Seiten der Welt kennen gelernt und ich liebe diese Welt. Doch eines Tages – bei der Behandlung - wachte ich auf. Ich begriff, wie sehr die Welt in Unordnung ist, wie dringend jede Hilfe nötig ist für die Armen dieser Welt, für die Gesundheit dieser Welt, wie nah wir am Abgrund stehen. Ich verstand, wie sinnlos die Zeit vor dem Fernseher, mit kommerziellen Zielen anderer Menschen, mit jedweden anderen Beschäftigungen verbracht ist. Ich sah auch das Leid der Menschen hier, die ihr Leben so von sich abgetrennt verleben, die so fern von sich selbst sind. Die sehen und hören und nicht sehen und hören, oder warum tun sie nichts? Die sich selbst, obwohl sie keine äußere Not haben, so viel Schmerz zufügen. Ich sah Jesus an, und ich hatte das Gefühl, dass er mir sagte: Ja, so schlimm ist es, du fühlst es jetzt in Deinem Herzen. So schlimm steht es um diese Welt,
Millionen Menschen verhungern, leiden, kämpfen hart um ihre Existenz und verlieren oder müssen zusehen, wie sie ihre Liebsten nicht retten können – täglich, stündlich, minütlich.
Unendlich viele Menschen kümmern sich nicht darum, kümmern sich um ihr eigenes Ding, um ihren eigenen Schmerz, ihr eigenes Unglück, ihre eigene Ziellosigkeit, oder ihre Ziele, sie drehen sich um ihre Welt, sie arbeiten für ihre Karriere, für mich, mir, mein, damit es ihrer Familie mehr als gut geht, für Umsatzziele, Erfolgsboni, ihre eigene und die Profitgier großer Firmen, für große Häuser, Autos, Urlaube, Luxus. Sie kümmern sich darum, den Exportüberschuss Deutschland zu erhöhen, das Ausnehmen anderer Länder, auch ärmerer Länder. Sie sehen sich und verzweifeln, doch sie sehen nicht die Not der Welt, die viel größer ist als ihre eigene. Doch jeder Tag, der sich nicht der Veränderung dieser Welt zur Linderung ihrer größten Not und zur Rettung unserer Umwelt widmet, ist ein verlorener Tag, verbrannte Stunden, ist ein Tag, der uns allen fehlt, ist ein Tag, der besser hätte genutzt werden können. Und ich verstehe darunter nicht nur Almosen für die Hungernden, sondern die Schaffung einer global gerechten, füreinander sorgenden Gemeinschaft.
Ich kann mir vorstellen, dass das jetzt keiner gerne lesen möchte, nur das macht es für mich nicht weniger eindringlich. Sollte ich es lieber verschweigen, um niemandem Schuldgefühle zu verursachen? Es heißt ja immer, man sollte die dem Anderen die Wahrheit umhängen wie ein wärmendes Mäntelchen, und nicht wie einen nassen Lappen ins Gesicht schlagen. Aber wie macht man das in diesem Falle?
Es tat richtig, richtig weh, als das durchkam. Meine Tränen begannen zu fließen und mein Bewusstsein veränderte sich schlagartig. Ja, da war ich – auch so eine, die sich so viel Zeit nur um sich selbst gedreht hat. An diesem Tag bin ich aufgewacht. Zuerst wollte ich alles Mögliche tun, nur schnell, schnell, schnell mich auch engagieren. Was, was konnte ich tun? Was werde ich tun? Mein Lebensweg zeigte mir zumindest, wo ein Teil meines Platzes ist. Ich habe einen Weg gefunden, wie man zum Herzen durchkommt, ich bin – wie es scheint – in der Lage, Herzen zu heilen, damit die Menschen sich dem Leben wieder zuwenden können. Es hat sich herausgestellt, dass ich das ausbilden kann, anderen die Angel in die Hand reichen und nicht nur den Fisch, Herzschaftler und Herzpraktiker, keine Wissenschaftler. Und ich habe die Worte. Ich trage den Namen eines Engels, des Erzengel Gabriels, der bedeutet: Gott ist mein Held bzw. Meine Stärke ist Gott bzw. Mein Mann ist Gott Ich werde mich in seine Aufgabe mit hineinstellen und verkünden, was mir widerfahren ist, was ich gelernt habe, mit diesem Buch und später, es wird kommen und ich werde mich nicht weigern. Ich wünsche mir von Herzen, dass ich andere Menschen durch meine Worte auch anrühren kann, sie aufwachen können und in die Nachfolge eintreten. – Ein Tag der Gnade!
Epheser 1, 18 Er öffne euch die Augen des Herzens, damit ihr erkennt, was für eine Hoffnung Gott euch gegeben hat, als er euch berief, was für ein reiches und wunderbares Erbe er für die bereithält, die zu seinem heiligen Volk gehören, 19 und mit was für einer überwältigend großen Kraft er unter uns, den Glaubenden, am Werk ist.
Wenn ich die große Bedrohung der gesamten Menschheit durch Umweltkatastrophen und Klimawandel sehen, die vielen Hungertoten und die seelisch so Hungrigen in unseren Breitengraden sehe, so habe ich sehr oft das Gefühl, dass Gott uns massiv schüttelt und sagt: „Wach doch mal auf, Mensch, wach doch mal auf!!! Wie tief schlaft Ihr eigentlich!!! Schau doch mal hin, da kann doch was nicht stimmen mit dem, was Ihr macht! Macht es anders, ich habe Euch doch schon gesagt, wie es geht! WACHT AUF! Wie groß soll ich es denn Euch noch in den Himmel schreiben und auf der Erde zeigen? Wie groß muss der Vorschlaghammer noch werden, mit dem ich Euch aufwecken muss? Wieviel eiskaltes Wasser muss ich Euch noch ins Gesicht kippen? Ich liebe Euch, ich will das doch gar nicht!”
Wie wäre es denn, wenn wir das Aufwachen und damit die Veränderung auf viel mehr Ebenen fortsetzten, wenn wir nicht verrückt wären, sondern rechtschaffen, genügsam und barmherzig? Wir würden unser Leben anschauen und feststellen, was wir wirklich brauchen. Den Rest abgeben. Künftig nicht mehr als das nehmen.
Auf dem Camino waren wir zwei Monate mit dem Rucksack unterwegs, und dort ist wenig brauchen nicht nur eine Tugend, sondern eine schlichte Notwendigkeit, sich zu beschränken. 7 – 8 Kilo, dazu die tägliche Wegzehrung, das ist das maximale, was man dabei haben sollte, sonst schleppt man sich kaputt, versaut sich durch Haben alle Tage. Und ich merkte, wie wenig ich wirklich brauche.
Nach dem Camino, meine Sachen waren noch alle eingelagert, da habe ich vier Monate aus einer Kommode mit 5 Schubladen gelebt, in denen meine persönliche Habe verstaut war. Und dann hatte ich noch meinen Computer und meinen Drucker. Das hat über eine längere Zeit genügt. Es funktionierte prima! Der Rest war weiterhin eingelagert. Viele Wohnungen, die ich in dieser Zeit besuchte, waren für mich zwiespältig zu ertragen, weil sie so sehr voll gestellt waren.
Als ich meine Praxis einrichtete, da kamen meine Liege, ein Regal und drei Stühle und ein paar Bilder in meinen Praxisraum, in einem Abstellraum stehen noch ein Tisch und Klappstühle für Veranstaltungen. Als ich wieder eine eigene Wohnung bezog, da habe ich meinen restlichen Besitz aus dem Lager geholt und nur das behalten, was ich wirklich brauche, das – möglichst gebraucht – gekauft, was ich brauchte. Ich habe viel gespendet, versteigert und weggeworfen, was keiner mehr haben wollte. Übrig ist noch ein Stapel Bücher, den ich gern verkaufen oder sonst wie loswerden möchte. Am heutigen Tage fehlt mir nur noch ein Teppich. Und mehr möchte ich nicht mehr haben. Es wird nur noch bei Defekt ersetzt und Verbrauchs- und Arbeitsmaterial angeschafft. Und gut ist’s. Es geht, ich vermisse nichts – versprochen. Und es ist immer noch viel im Vergleich mit den Schwestern aus dem Orden von Mutter Theresa, die hatten: zwei Saris, ein Blecheimer zum Spülen der Saris, ein Paar Sandalen, ein Gebetbuch, in hiesigen Breiten noch zwei Paar Socken und eine Strickweste, bzw. ein Mantel für den Winter.
Sicher wird ein solches Umdenken zu massiven Veränderungen an unserem Wirtschaftssystem führen, zu anfänglicher auch größerer Verunsicherung, zu elementaren Umbrüchen in unserem eigenen Leben, im Tagesablauf und in unseren Besitzverhältnissen, manchmal wird es uns auch erschrecken, doch nur Mut, es ist auch eine Befreiung. Es werden Dinge verschwinden, deren Zeit gekommen ist. Gut so!
In der Kriegs- und Nachkriegszeit ist das alles von außen auf uns zugekommen, die Menschen haben es überlebt und Gemeinschaft erfahren. Warum nicht dies jetzt aus eigenem Antrieb einleiten, unsere Gesellschaft evolutionär umgestalten? Wie wäre es, statt Gottes Reaktion auf unser sichtbar irrsinniges Verhalten abzuwarten, ihn einzuladen in den Weg der Veränderung: Sieh Herr, wir wollen es jetzt so machen, wie Du es uns damals vorgeschlagen hast, weil wir gesehen haben, dass unser bisheriges Handeln uns an den Abgrund gebracht hat. Alles beginnt mit der Berührung im Herzen, lassen wir uns berühren! Lieben wir unseren Nächsten wie uns selbst! Wenn wir jetzt genug haben, dann sorgen wir jetzt dafür, dass auch andere genug haben.
Leben ist dienen, für andere da sein: Matthäus 20 (Lutherbibel 84)
26 So soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener; 27 und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, 28 so wie der Menschensohn nicht gekommen ist, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.
Und wenn wir irgendwann einmal weniger haben als wir brauchen, umso eher kann es dann wahrscheinlich sein, dass uns jemand gibt. Unser aktuelles Sozialsystem tut so etwas schon. Doch die Perspektive geht weiter, es geht nicht nur um unser Land, sondern jeden Menschen dieser Erde, denn alle gehören dazu, jeder ist unser Nächster. Es geht um die freiwillige Selbstbeschränkung, es geht auch um die zukünftige Weltbevölkerung, um unsere nachgeborenen „Nächsten“. Mir geht es auch nicht nur um Geld, um finanzielle Ressourcen, sondern auch um unsere Zeit und liebevolle Zuwendung, dass sie wieder denen zufließt, die sie benötigen – unseren Kinder und Kindeskinder, unseren Eltern, unserem soziales Umfeld, den Bedürftigen – denen, die uns brauchen. Und es wird einen Unterschied, den Unterschied machen!
Matthäus 25 (Lutherbibel 84):
32 Und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, 33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. 34 Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! 35 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. 36 Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen. 37 Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? 38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet? 39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? 40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. 41 Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! 42 Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. 43 Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht. 44 Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? 45 Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. 46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.
Um das Bild der ewigen Strafe zu verdeutlichen und nicht wieder den Zeigefinger rauszuholen: Es ist das Leben ohne Glaube, Liebe und Hoffnung, das Leben in Angst und Misstrauen, in Gleichgültigkeit und Kälte, in Sinnlosigkeit und Depression. Ein Reicher weiß nicht, ob er geliebt wird oder sein Geld. Sein Geld macht seinen Glauben scheinbar obsolet, macht er noch echte Glaubenserfahrungen? Weil er alles Kaufbare jederzeit haben kann, wird es irgendwann langweilig, keine Sehnsucht, kein Wandeln von Essig in Honig, kein Brennen, kein Verlangen, kein Glücksgefühl – ausgelöst von nur vier Brötchen. Oder immer größere, gewaltigere, kostspieligere Reize sind dafür notwendig, siehe Steve Fossett oder Richard Branson. Am Ende steht das Alles-Satt-Haben, die Depression. Das ist wirklich eine Hölle.
Prediger 5 (Lutherbibel 84)
9 Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt, und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben. Das ist auch eitel.10 Denn wo viele Güter sind, da sind viele, die sie aufessen; und was hat ihr Besitzer mehr davon als das Nachsehen? 11 Wer arbeitet, dem ist der Schlaf süß, er habe wenig oder viel gegessen; aber die Fülle lässt den Reichen nicht schlafen. 12 Es ist ein böses Übel, das ich sah unter der Sonne: Reichtum, wohl verwahrt, wird zum Schaden dem, der ihn hat.
Und nicht, dass wir in 30 Jahren oder so genug haben werden, wer weiß, ob unsere Habe dann überhaupt noch existiert. Man kann es an der momentanen Finanzkrise ja sehr schön sehen, ob sich unsere Habe nicht einfach in der Unendlichkeit der Datenwelt aufgelöst hat oder Spekulanten es sich in die Tasche gesteckt haben. Brauchen die es?
Und: Kennen Sie die meisten dieser Spekulanten? Wir alle sind es! Weil wir Zinsen erwarten von unseren Ersparnissen, weil wir beträchtliche Erträge von unseren Fonds erwarten, von unseren Lebensversicherungen. Es werden doch hauptsächlich die Fonds gekauft, die eine gute Performance haben, Quartal für Quartal, bei jedem Test der Stiftung Warentest. Wie viele Menschen kaufen Nachhaltigkeits-Fonds? Wer beauftragt denn die Banken mit Profitorientierung? Wir selbst! Weil wir die beste Anlage kaufen wollen. In 2008 exisitierte in Deutschland im Umlauf ein Wertpapiervermögen inländischer Emittenden von 3.250.195.000.000 Euro. Dieses Geld steckt in unserem Wirtschaftssystem. Wir selbst sind diese Shareholder, die auf einem vernünftigen Shareholder Value aus der Finanzkraft der Unternehmen Wert legen.
Wer erhöht denn unsere Benzinpreise, die wir an der Tanksäule als moderne Wegelagerei erfahren? Sind das nur die Ölmultis? Auch, aber nicht nur: das sind oft bankeneigene und freie Anleger und Spekulanten z.B. mit Hedge Fonds, mit denen unsere normalen Fonds kurzfristig ihre Zahlen, ihre Performance aufbessern können. Da werden gute Zahlen gebraucht, da werden durch Rohstoff-Spekulation gute Zahlen geschaffen, die wir z.B. an der Tanksäule bezahlen. Wo kommt denn die Rendite für die Zukunft her? Aus unseren heutigen Portemonaies. Rechte Tasche zahlt an linke Tasche…
Wer sorgt denn für die Einsparungspläne mit Massenentlassungen und Verlagerung von Produktion ins Ausland? Wer setzt denn unsere Arbeitsplätze aufs Spiel? Wer sind denn die Quartalsdenker, die so ziemlich jede nachhaltige Unternehmensstrategie so schnell zu Fall bringen? Ebenso wir selbst, durch unser Konsumverhalten, durch unser Investitionsverhalten bei Finanzprodukten jeder Art und mittelbar über die Rentenversicherungen und die Refinanzierungsstrategien der Banken für das Wirtschaftsbankwesen. Die Ratingunternehmen, die Boni-zahlenden Banken, die jung-dynamischen[1] Unternehmensberatungen, das sind nur unsere Erfüllungsgehilfen, von uns beauftragt, fast genötigt, tolle Zahlen zu produzieren, meist exzellent bezahlt, auf Kosten der anderen Wirtschaftsteilnehmer.
Doch diese tollen Zahlen, was bedeuten sie im realen Leben? Denn wir sehen lediglich den Prozentsatz für Performance unserer Geldanlage, das ist so weit weg, so unpersönlich, dass wir damit nicht die Härte und den Druck in Verbindung bringen, die von dieser Zahl ausgeht und damit von uns ausgeht. Wir wundern uns nur oder jammern, wenn diese Härte uns selbst oder Mitmenschen trifft, bei denen die Anonymität der Zahl sich wieder in reale Gesichter, Schicksale wandelt. Wenn jemand entlassen wird, Sparplänen, Umstrukturierungen, Verlagerung von Unternehmensbereichen ins Ausland zum Opfer fällt, gemobbt wird, vor Stress und Überforderung krank wird, weil er zwei oder sogar drei Jobs gleichzeitig macht, das Gefühl hat, machen zu müssen. Da sorgen wir also auch selbst dafür.
Der mit ca.1,6 Billiarden verschuldete deutsche Staat soll uns ebenfalls für unsere Anleihen eine schöne Rendite zahlen, d.h. so sorgen wir ebenfalls für unsere ebenso „schöne“ Steuerlast, an der der Kapitaldienst inzwischen im Bund ca. jeden 5. Euro ausmacht, d.h. 20 % unserer Steuerzahlungen geht in unsere Rendite. Wieder: Rechte Tasche zahlt an linke Tasche…. Zum anderen leisten wir uns heute damit einen Lebensstil, den wir uns von unseren Kindern und Enkeln ohne deren Zustimmung borgen, indem wir ihnen diese Schulden hinterlassen, ihren Gemeinschaftsrucksack unendlich voll packen, schwer machen. Macht das Sinn? Wie kann das unser Anstand eigentlich gutheißen, wenn wir das Beste für unsere Kinder wollen?
Ich bin kein apokalyptischer Reiter, ich sehe inzwischen einfach hin. Wollen wir einfach darauf warten, dass die Konsequenz unseres Handelns, die sich jetzt schon berechenbar abzeichnet, über uns hereinbricht? Und dann heulen und mit den Zähnen klappern?
Matthäus 24 (Übersetzung Neues Leben): 45 Wer ist also ein vertrauenswürdiger und kluger Diener, dem der Herr sein Haus und die Versorgung seiner Familie anvertrauen kann?46 Wenn der Herr zurückkommt und feststellt, dass der Diener seine Aufgabe zu seiner Zufriedenheit erfüllt, ist der Diener glücklich zu schätzen. 47 Ich versichere euch: Der Herr wird diesem Diener die Verantwortung für seinen gesamten Besitz übertragen. 48 Doch wenn der Diener böse ist und glaubt, `Mein Herr wird ja erst einmal eine Weile fort sein´, 49 wenn er anfängt, die anderen Diener schlecht zu behandeln, und Trinkgelage veranstaltet – 50 dann wird sein Herr unangemeldet und völlig überraschend zurückkehren. 51 Und er wird diesen Diener davonjagen und dorthin schicken, wo auch die Heuchler sind. Und an jenem Ort werden sie weinen und mit den Zähnen knirschen.«
Was wir heute freiwillig tun, wird nicht in der Zukunft über uns hereinbrechen, was wir heute freiwillig aufgeben, wird uns nicht später in eine Opferposition, ein erzwungenes Abgeben führen, sondern zu freiwillig Rechtschaffenden machen: Handeln in und aus Liebe, ohne Zwang, ohne Angst. Ich weiß aus Erfahrung: Leben ohne Haben kann genauso schön oder schöner sein als Leben mit Haben.
So auch der Apostel Paulus in 1. Timotheus 6 (Einheitsübersetzung):
7 Denn wir haben nichts in die Welt mitgebracht, und wir können auch nichts aus ihr mitnehmen. 8 Wenn wir Nahrung und Kleidung haben, soll uns das genügen. 9 Wer aber reich werden will, gerät in Versuchungen und Schlingen, er verfällt vielen sinnlosen und schädlichen Begierden, die den Menschen ins Verderben und in den Untergang stürzen. 10 Denn die Wurzel aller Übel ist die Habsucht. Nicht wenige, die ihr verfielen, sind vom Glauben abgeirrt und haben sich viele Qualen bereitet. …
Auch Politik ist nur insoweit handlungsfähig, als dass die Menschen mitziehen, auf die Politiker lohnt es sich nicht zu zeigen. Als Beispiel möchte ich die Steuerlüge im 1990er Wahlkampf der Regierung Kohl anführen zur Zeit der Wiedervereinigung. Es war ganz klar, dass es viel, viel Geld kosten würde, unserem Nächsten im eigenen Land zu geben, was er brauchte. Wie viele Jahre hatten wir auf die Wiedervereinigung gehofft und gewartet? „Aus der Portokasse“ sollte plötzlich die Einheit finanziert werden… Wir haben es doch gewusst, dass das nicht geht, oder? Und es wurde der gewählt, der versprach, uns unsere Pfründe zu erhalten. Die traditionelle Gemeinschaftsvermögenseinnahmequelle, die Steuer, wurde dann umbenannt in Solidaritätszuschlag, um zu verschleiern, dass die Steuererhöhungen doch notwendig geworden waren. Doch ob das Finanzamt nun Steuer oder Solidaritätszuschlag einnimmt: es ist nur ein anderes Etikett, ein anderer Name.
Wodurch werden denn am häufigsten gute Ansätze in der Politik verwässert? Durch die Lobbyisten der Betroffenen, die ihre Pfründe schrumpfen sehen, durch uns selbst, weil wir nicht mitziehen. Wir sind es selbst, da gibt es kein Vertun, keiner sonst, Du und Ich, mein Nächster wie auch Ich. Geben wir diese Pfründe doch einfach freiwillig auf, aus Einsicht und aus Liebe, damit nicht alle 11 Sekunden ein Mensch an Hunger oder Unterernährung stirbt, damit der Verschwendung von Ressourcen, der Umweltverschmutzung ein Ende geschaffen wird. Sagen wir ja, stimmt schon, machen wir das! Das macht Sinn! Überzeugen wir uns selbst davon, fangen wir selbst damit an, auch wenn unser Nachbar das noch nicht tut. Auch nicht nur Kosmetik, oberflächlich, sondern durchgängig! Aufräumen können wir am besten bei uns selbst, nur für uns selbst können wir die Entscheidung treffen; nicht für unseren Nachbarn. Doch er hat dann einen weniger, auf den er zeigen kann: „Wieso ich denn, der macht es doch auch nicht!“ Wie schön, wenn er bald keinen mehr dafür hat…
Ein Imagewandel ist fällig. Nicht der hat Erfolg, der mehr hat als andere, der im Überfluss lebt, sondern der, der es schafft, glücklich und zufrieden mit dem zu leben, was er braucht und den Rest in den Zeiten seiner Stärke in die Gemeinschaft investiert. Der kann dann vertrauen, dass andere es tun, wenn er selbst braucht, schwach ist. Wer mehr hat als andere in dieser Welt, ob nun Top 1, Top 5 oder Top 10, der ist derjenige, der anderen etwas wegnimmt oder vorenthält. „Der Teufel scheißt immer auf einen großen Haufen“ heißt ein altes Sprichwort in Deutschland. Wer viel hat, der sollte sich vielleicht mal fragen, ob die beste Quelle ihm denn dieses erschlossen hat.
Es kommt wirklich nur auf unsere Sichtweise an. Es kostet keinen Cent, diese zu verändern.
In der Bundesrepublik gibt es lt. Wikipedia ca. 50 Millionen Christen, weltweit gibt aus laut Encyclopædia Britannica 2005 2,1 Milliarden Anhänger der christlichen Religionen, das sind ca. 1/3 der Weltbevölkerung. Wenn all diese einfach die Bibel als Bedienungsanleitung für diese Welt wirklich ernst nähmen und ihr Leben danach rechtschaffen umstellen würden, freiwillig und aus Überzeugung, wer könnte dem dann noch widerstehen? Können, wollen wir als Christen das mal gemeinsam stemmen? Ich bin sicher, Gott würde sich über die Christenheit freuen.
Und so könnte der Weg – auch nach dem Gleichnis der Arbeiter im Weinberg – aussehen: Hier in Deutschland gibt es schon die Petition für das bedingungslose Grundeinkommen. Entscheiden wir uns doch einfach freiwillig dafür, mit diesem Grundeinkommen zu leben, denn dieser Betrag ist auch gleichzeitig das Maximaleinkommen, d.h. keiner hat mehr, als er braucht. Der Rest wird abgegeben. Waren, die gebraucht werden, werden hergestellt, alles andere nicht, was gut für unser Lebensrucksäcke, unsere Weltressourcen, und unsere Umwelt ist. Familien mit Kindern haben dann mehr Geld als Ehepaare ohne Kinder, denn sie brauchen es ja, weil sie mehr Menschen sind, sie brauchen mehr Wohnraum, mehr Essen etc. Alle anderen Mittel werden zunächst dazu genutzt, um staatliche Schulden zu tilgen, wo das notwendig ist. Na sicher würde so ein großer Teil der Wirtschaft zusammenbrechen, aber genau der, den wir nicht brauchen. Jeder tut, was er für richtig für die Gemeinschaft hält und nicht das, was bezahlt wird.
Alle anderen Themen, die uns in der Einheit der Christen dann noch auseinanderdividierten, würden wahrscheinlich ob der Größe dieser Aufgabe als Peanuts mit einem Schulterzucken nebenbei erledigt werden, das würde Er uns dann einfach schenken.
Und danach, wenn wir uns selbst gewandelt haben, wenn wir durch unser eigenes Leben überzeugen können, dass es geht, dann können wir öffentlich, gemeinschaftlich tätig werden, nämlich da, wo wir meinen, am rechten Platz zu stehen, was uns liegt, was uns am meisten am Herzen liegt, wo wir den Wandel vorantreiben können, wo wir richtig gut sind. Wo wir uns freiwillig engagieren, da müssen wir uns nicht bewerben oder werben, da erhalten wir keine Absagen, das können wir uns aussuchen, nach Lust und Laune. Schön, oder?
Lukas 12 (Lutherbibel 84)
34 Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.
Scheren wir aus der Herde aus, wählen wir einen neuen Weg und andere werden uns folgen!
Keine Revolution von oben, kein Kampf, kein Krieg, keine Enteignung von außen, nein, gebraucht wird ganz viel Liebe, die Entwicklung der Fähigkeit, mit dem Herzen zu sehen und zu handeln und eine Evolution in uns, eine Enteignung von innen heraus, umfassende Diät, Mensch für Mensch, Haushalt für Haushalt, Land für Land: Keimzellen, aus denen sich die Welt erneuert, das Bild des Sauerteiges. Daraus entwickelt sich eine Welt der Hoffnung, der wir gern angehören werden, eine Welt, in der die Depression verschwindet, weil jeder Sinn und Teilhabe findet – die Gabe des Heiligen Geistes.
Und wenn noch mal jemand fragt: Warum ist so viel Leid, so viel Hunger, diese Umweltkatastrophe in der Welt?
Dann noch mal: Damit wir auf dem jetzigen Weg einhalten, umkehren und mit dem Herzen sehen, fühlen und handeln lernen . Damit wir jetzt Gottes Reich konsequent errichten.
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[1] Als ich mich einmal bei einer großen, weltweiten Unternehmens- und Wirtschaftsberatung bewarb, da nannten sie mir das Durchschnittsalter ihrer Mitarbeiter in Deutschland: 28 Jahre. Das Durchschnittsalter der englischen Tochter dieses Unternehmens lag bei 24 Jahren. DAS gab mir zu denken. Natürlich war ich auch zu alt…

