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In dem Moment, wo wir anfangen zu beurteilen, Menschen, Verhalten, Situationen und Dinge in Gut und Böse, und Folgen von Dingen in Gut und Böse und Vergangenheit oder Zukunft in Gut und Böse zu unterteilen, da fängt die Verfehlung des Weges an, eben Sünde. Wir schalten in unsere Wahrnehmung einen Zwischenschritt ein für eine Filterung in Gut und Böse. Dies legt den Samen in uns für Emotionen wie Wut, Zorn, Trauer, Depression, Mangel- oder Rachegefühle. Wir erzählen uns selbst Geschichten. Deren Wahrheitsgehalt? Reine Spekulation! Genau das halte ich persönlich für die Erbsünde. Wir ermöglichen unserem Bewusstsein, die Kategorie „BÖSE“ zuzulassen, so dass es sich in unserem Bewusstsein anlagern kann. Da gehört es aber nicht rein. Weil durch Erziehung und Erleben Verurteilung und Kritik von den Eltern zu den Kindern weitergegeben werden, es ist uns zur ständigen Gewohnheit geworden. Doch Gewohnheiten kann man sich auch abgewöhnen.
Den Menschen, allen Menschen kann man es nicht recht machen, das ist völlig hoffnungslos, das ging sogar Jesus so, und der ist der menschgewordene Gott; siehe auch Matthäus 11 (Lutherbibel 1984):
16 Mit wem soll ich aber dieses Geschlecht vergleichen? Es gleicht den Kindern, die auf dem Markt sitzen und rufen den andern zu: 17 Wir haben euch aufgespielt und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben Klagelieder gesungen und ihr wolltet nicht weinen. 18 Johannes ist gekommen, aß nicht und trank nicht; so sagen sie: Er ist besessen.19 Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt; so sagen sie: Siehe, was ist dieser Mensch für ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden aus ihren Werken.
Nie kann man es allen recht machen! Wer es versucht, wird daran verzweifeln. Kann man es überhaupt jemandem recht machen? Immer wird jemand ein Haar in der Suppe finden. Genau das ist die Frucht vom Baum der Beurteilung von Gut und Böse: Die Annahme des Bösen, dass das Haar in der Suppe etwas Böses ist.
Und der Höhepunkt der Erbsünde war die Verurteilung von Gott selbst in Jesus Christus und seine Kreuzigung. Hier wurde die Beurteilung durch Menschen tatsächlich vollends ad absurdum geführt, in das Verrückteste, was kommen konnte. Gott ist zu uns auf die Erde gekommen, hat die Menschen geliebt, geheilt und gelehrt von der Liebe als Ausgangspunkt aller Perspektiven. Und wir wissen es nicht besser, als ihn zum Tode zu verurteilen und auf barbarische Weise umzubringen! Weil er sich nicht an irgendwelche unserer Regeln hält?! Da zeigt sich doch, wie wir ohne Sinn, Verstand und Herz urteilen!
Regeln, ach, davon haben wir weiterhin mehr als genug… Jesus sagt das auch sehr deutlich in Johannes 15 (Hoffnung für Alle):
24 Wenn ich nicht vor aller Augen Gottes Wunder vollbracht hätte, die kein anderer tun kann, wären sie ohne Schuld. Aber nun haben sie alles miterlebt, und trotzdem hassen sie mich und auch meinen Vater. 25 Dies geschieht, damit sich die Voraussage der Heiligen Schrift erfüllt: ‘Sie hassen mich ohne jeden Grund!’
Doch auch hier ist nichts ohne Sinn. Im Höhepunkt der Verurteilung hat sich die Möglichkeit zur Umkehr aufgetan, der Weg zur Besserung, der Weg zur deutlichen Erkenntnis. Damit wir endlich verstehen, dass wir keinen Schimmer haben! Das Böse entsteht, indem wir etwas dazu machen! Auch das Absurdeste enthält die Chance zum Heil. Der Tod Jesu führte zum Leben, zur Auferstehung. Aus dem Tod entsprang der Quell des Heils für die gesamte Menschheit. Er sagte damit zu uns: Ich würde sogar für Euch sterben…und hat es auch getan! Ergreifen wir diese Chance zum Heil!
Nochmal, so sieht es im Alltag aus: Nur aus der Beurteilung, unserem Privatfilter „das ist gut und das ist böse“, ergeben sich Gedanken über diese Bosheit – wir basteln unsere „blöde“ Welt selbst[1] – und diese Gedanken produzieren Gefühle, z.B. Ärger, Eifersucht, Trauer, Angst. Diese Gedanken und Gefühle sind es, die uns von der Wahrnehmung Seines Willens abhalten, von seiner Führung, so dass wir immer mehr die Illusion entwickeln, wir wären die Herren unseres Lebens, wir könnten / dürften diese Beurteilung abgeben und das Geschehen nicht als Teil seiner Führung ansehen. Und wir wissen ja, zu was für absurden Handlungen wir uns manchmal aus obigen Gefühlen hinreißen lassen…
Wie kann es anders sein, als dass Gottes Schöpfung und sein Weg gut ist? Welcher Mensch, welche Handlung gut ist? Wer sind wir, dass wir uns aufschwingen, dies beurteilen zu wollen? Der Regenbogen, die große Brücke zwischen Himmel und Erde, kann nur entstehen, wenn wir Regen und Sonnenschein gleichzeitig haben. Beides ist für uns gut.
1.Mose 9,13 (Lutherbibel 1984): Gott sprach: Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.
Und selbst hier scheiden sich die Geister: Für manche ist Regen himmlisch und Sonne nicht. Und für manche ist Sonne himmlisch und der Regen nicht. Ist die Sonne daher schlecht oder gut, was ist mit dem Regen? Auch ein Gewitter ist eine sinnvolle Sache, es nimmt den Druck der Schwüle, wenn auch viele Angst davor haben.
Römer 8 (Lutherbibel 1984): 28 Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.
Eines Tages erlebte ich einen von Kindern und Jugendlichen mitgestalteten Gottesdienst mit, die gerade von der Religiösen Kinderwoche zurückgekommen waren. Die Kinder hatten dort den Psalm 23 „Vom Guten Hirten“ besprochen. Sie hatten dann im Gottesdienst die Zeit, immer wieder Worte und Sätze aus dem Psalm zu sprechen. Da saß ich nun im Gottesdienst und hörte die hellen Kinderstimmen rufen: „Er gibt mir neue Kraft.“ „Nichts wird mir fehlen.“ „Du beschützt mich.“ „Du gibst mir mehr als genug.“ „Er gibt mir neue Kraft.“ „Und geht es auch durch dunkle Täler, fürchte ich mich nicht.“ „Er leitet mich auf sicheren Wegen.“ „Nichts wird mir fehlen.“ „Er führt mich zu frischen Quellen.“ „Du Herr bist bei mir.“ „Er gibt mir neue Kraft.“ „In deinem Haus darf ich für immer bleiben.“ „Ich fürchte mich nicht, denn du bist bei mir.“ „Du beschützt mich.“ „Deine Güte und Liebe werden mich begleiten mein Leben lang.“ „Er führt mich zu frischen Quellen.“ „Du beschützt mich mit deinem Hirtenstab.“ „Er weidet mich auf saftigen Wiesen.“ Da wurde mir klar: wenn wir als Kinder lernen können, im ständigen Bewusstsein dieses Psalms zu leben, dann können wir so früh lernen, alles für gut zu halten, auch wenn es mal durch dunklere Täler geht. So können wir die Erbsünde hinter uns lassen.
Psalm 23: Der gute Hirte (Bibelübersetzung Hoffnung für alle)
1 Ein Lied Davids: Der Herr ist mein Hirte. Nichts wird mir fehlen. 2 Er weidet mich auf saftigen Wiesen und führt mich zu frischen Quellen. 3 Er gibt mir neue Kraft. Er leitet mich auf sicheren Wegen, weil er der gute Hirte ist. 4 Und geht es auch durch dunkle Täler, fürchte ich mich nicht, denn du, Herr, bist bei mir. Du beschützt mich mit deinem Hirtenstab. 5 Du lädst mich ein und deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du begrüßt mich wie ein Hausherr seinen Gast und gibst mir mehr als genug. 6 Deine Güte und Liebe werden mich begleiten mein Leben lang; in deinem Haus darf ich für immer bleiben.
Und für uns Erwachsene, die wir noch ohne dieses Bewusstsein sind, finden wir diesen Ratschlag Jesu zur Güte:
Lukas 6 (Lutherbibel 1984): 36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. 37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. 38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen. … 41 Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? 42 Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!
Und wenn ich erstmal den Balken aus meinem eigenen Auge gezogen habe, dann finde ich in der Regel den Splitter im Auge des anderen nicht mehr, sondern nur noch sein Wunderbarsein, sein wunderbares Sein. Und ist der Splitter noch da, haben wir ein Feld zum Handeln gefunden, das unser bedarf.
Unser Gefühlshaushalt ist auch unser Messgerät. Schaute ich auf das, was ich als unangenehm, störend empfand: BINGO! Ich entdeckte bei näherer Betrachtung wahrscheinlich hiervon etwas direkt bei MIR, meine eigenen Balken:
- Geiz, Habgier, Existenzangst, Verlassensangst, Angst vor Mangel, Mangel an Glaube und Vertrauen
- Selbsterhöhung oder Erhöhung einer anderen Person, Stolz, Übermut, Eitelkeit, Ruhmsucht, Angst vor Imageverlust, Kontrollverhalten
- Genusssucht, Maßlosigkeit, Unmäßigkeit, Selbstsucht
- Zorn, Wut, Vergeltung, Rechthaberei, Rache, Bitterkeit, Hadern mit dem Schicksal
- Neid, Missgunst, Eifersucht, Angst
- Trägheit, Faulheit, Feigheit, Ignoranz, Lieblosigkeit, Gleichgültigkeit
Es wurde mir immer wieder und intensiver klar, das man zuerst sein eigenes Herz ansehen kann, bevor man auf eine andere Person sauer ist und/oder sie lieblos behandelt. Alles, was uns im Außen trifft, berührt, hat seine Ursache im Innern – dem Feld, was ganz uns gehört, das wir wirklich gemeinsam mit Gott bestellen können und dessen Fruchtgüte wir selbst mitbestimmen können, wo wir anpacken können und tatsächlich zuständig sind.
Markus 12 (Lutherbibel 1984): Die Frage nach dem höchsten Gebot
28 Und es trat zu ihm einer von den Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Und als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen? 29 Jesus aber antwortete ihm: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, 30 und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt1 und von allen deinen Kräften« (5.Mose 6,4-5). 31 Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3.Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese. 32 Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Meister, du hast wahrhaftig recht geredet! Er ist nur “einer,” und ist kein anderer außer ihm; 33 und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und von allen Kräften, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. 34 Als Jesus aber sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.
In ganz einfachem Deutsch:
- Nimm die Welt an und schätze sie, so wie sie ist. Halte sie für gut.
- Nimm Deinen Nächsten an und schätze ihn, so wie er ist.Halte ihn für gut.
Vertraue in seine Güte.
- Nimm Dich selbst an und schätze Dich, so wie Du bist.Halte Dich für gut.
- Denn alles ist von Gott geschaffen.
Alle Gebote werden obsolet, wenn ich dies beachte und lebe, denn warum sollte ich lügen, töten etc., wenn ich alles für gut halte.
Warum sollte ich dann meine Eltern schlecht behandeln, wenn alles gut ist, dann begleiten wir einander ein Leben lang in Liebe. Kinder kommen so auf die Welt, sie lieben ihre Eltern einfach automatisch, egal, wie sie behandelt werden. Erst zu einem späteren Zeitpunkt im Leben, wenn sie die Gewohnheit der Beurteilung übernommen haben, dann wenden sie sich manchmal gegen sie.
Genauso steht es mit der Lüge. Was sollte ich verbergen oder verändern oder anders darstellen wollen, wenn ich alles in Liebe und Dankbarkeit annehme?
Warum sollten Kriege geführt, andere Menschen überhaupt angegriffen oder getötet werden? (Das erschließt sich mir allerdings sowieso bis heute nicht.) Es gäbe keine Veranlassung dafür. Ein gewaltfreier Weg ist immer möglich!
Lukas 6 (Lutherbibel 1984):
27 Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; 28 segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen. 29 Und wer dich auf die eine Backe schlägt, dem biete die andere auch dar; und wer dir den Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht.30 Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück. 31 Und wie ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch!
Wenn einer uns im Affekt schlägt, d.h. auf die erste Wange, so ist der zweite Schlag, den wir ihm sodann anbieten, immer einer, den er bewusst ausführen muss. Ob er dann ein zweites Mal zuschlägt, ist wesentlich unwahrscheinlicher.
Warum sollte ich neidisch sein oder anderen Menschen etwas wegnehmen wollen, wenn ich mit meinem Zustand zufrieden bin und – wenn ich selbst arm bin und etwas brauche, was ich nicht habe – andere mir barmherzig zur Seite stehen?
So sah es auch der Apostel Paulus in Galater 3 (Hoffnung für alle):
19 Was aber soll dann noch das Gesetz? Gott hat es zusätzlich gegeben, damit wir das Ausmaß unserer Sünden erkennen. Dieses Gesetz – von den Engeln durch den Vermittler Mose zu uns gebracht – sollte auch nur so lange gelten, bis der Nachkomme Abrahams da wäre, an dem Gott sein Versprechen erfüllen wollte.
Wer das noch nicht kann, der hat alle Chance der Welt. Einfach Schritt für Schritt bei sich selbst anfangen. Am einfachsten ist es, die Hand auf’s Herz zu legen und genau jetzt sich Liebe im Herzen durch Jesus Christus zu wünschen. Das Böse ist einfach eine Illusion, ein geistiger Virus, und diese Illusionen wecken als erstes unsere emotionalen Erinnerungen / vergangene, unvergebene Sündenfälle. Diese entzünden dann unsere Gedanken, daran entzünden sich unsere Gefühle und daran irgendwann unser Körper. Das ist wie bei einem Computervirus. Ist der Virus erst mal da, dann ist irgendwann die ganze Festplatte korrupt, digitaler Müll bei 100 % Prozessorauslastung. Nix geht mehr. Menschlich gesehen: Wirre Gedanken, die sich im Kreise drehen, der Kopf zum Bersten voll, geistige Erschöpfung, Stagnation.
Und genau durch Glaube, gepaart mit Liebe und Annahme verschwindet das Böse aus der Welt, durch den Anteil daran, den wir selbst tun können, indem wir erkennen können, dass es entweder gar nicht böse ist, oder wir einen deutlichen Handlungsappell vor uns sehen. Hierfür können wir Verantwortung übernehmen, hier können wir diesem Appell folgen und handeln, das scheint mir unsere Aufgabe! Glaube an das Gute ist das wirksamste Antivirusprogramm. Es ist der einzige Ansatz, der unserer Macht ohne Machtausübung zugänglich ist.
Auch der Apostel Paulus hält dafür ein schönes Beispiel bereit im Römerbrief 11 (Lutherbibel 1984), wo er vom Volk Israel als dem möglichen Anderen spricht, dem man Schuld zuweisen möchte:
11 So frage ich nun: Sind sie gestrauchelt, damit sie fallen? Das sei ferne! Sondern durch ihren Fall ist den Heiden das Heil widerfahren, damit Israel ihnen nacheifern sollte. 12 Wenn aber schon ihr Fall Reichtum für die Welt ist und ihr Schade Reichtum für die Heiden, wie viel mehr wird es Reichtum sein, wenn ihre Zahl voll wird. 13 Euch Heiden aber sage ich: Weil ich Apostel der Heiden bin, preise ich mein Amt, 14 ob ich vielleicht meine Stammverwandten zum Nacheifern reizen und einige von ihnen retten könnte. 15 Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird ihre Annahme anderes sein als Leben aus den Toten! 16 Ist die Erstlingsgabe vom Teig heilig, so ist auch der ganze Teig heilig; und wenn die Wurzel heilig ist, so sind auch die Zweige heilig.
Ändern wir uns zuerst, das haben wir in der Hand, fangen wir bei uns an. Formatieren wir uns selber neu! Die Veränderung des Nächsten sich zum Ziele nehmen[2] ist meist hoffnungslos und zudem dessen eigene Aufgabe unter Gottes Führung. Ein weiteres Beispiel für die unnötige Neukreation von Bosheit in der Welt ist die Unterteilung der Menschen in Freunde und Feinde:
Von der Feindesliebe, Matthäus 5 (Lutherbibel 1984)
43 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3.Mose 19,18) und deinen Feind hassen. 44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen2, 45 damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch die Zöllner? 47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe auch die Heiden?
In den Psalmen erschrecken mich – ehrlich gesagt - immer die vielen Erwähnungen und Verwünschungen der Frevler und Feinde. Dazu stehen die Aussagen Jesu in krassem Widerspruch. Der Gerechte wächst an seinen „Feinden“, an denen, die ihm Widerstand bieten, und das müssen nicht nur Feinde sein. Sie sind auch Engel, ungeflügelte Boten Gottes.
Die spanische christliche Mystikerin Theresa von Àvila sagte dazu in ihrem Buch Seelenburg: „Denn ob wir Gott lieben, kann man nicht wissen, wenn es auch spürbare Anzeichen dafür gibt. Aber die Liebe zum Nächsten ist erkennbar. Und glaubt mir: je weiter ihr euch in dieser fortschreiten seht, umso größer ist eure Liebe zu Gott.“
Und dafür ist uns ein jeder gesandt, der unseren Weg kreuzt bzw. niemand ist uns nicht gesandt. Wer uns entzündet, ist in der Regel da, um uns zu heilen.
Johannes 13 (Lutherbibel 1984):
20 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer jemanden aufnimmt, den ich senden werde, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat.
Freuen wir uns also auf den nächsten Ärger, auf die nächste Sorge, auf die nächste Bitterkeit. Das legt uns die nächste Chance zu Füßen, die Liebe in uns zu vergrößern und das Unkraut unserer Illusion zu erkennen, kaltzustellen oder auszujäten, unser Antivirusprogramm laufen zu lassen. Einfach sagen: „Lieber Gedanke, du bist zwar da, doch ich glaube dir nicht. Raus, und mach die Tür von außen zu !“ oder moderner „Ab, isoliert in den File Sanitizer und dann schnell gelöscht!“ Auch dies ist ein Teil des Kreuzes, das wir auf uns nehmen. Das ist zum Teil mit der Verleugnung gemeint. Ich leugne die Realität meiner selbsterfundenen Geschichten.
Lukas 9 (Lutherbibel 1984)
23 Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.
Es geht darum, diesen Erinnerungen, Einflüsterungen, Geistesviren nicht zu trauen und eine klare Absage zu erteilen, sie zu isolieren und zu löschen. Verbeißen wir uns nicht in diese Gedanken, damit aus diesen Gedanken keine Missstimmungen erwachsen. Solche Missstimmung und solche Gedanken würden unseren Körper nur weiter schwächen. Sagen wir uns: „Ich weiß, ich habe einmal so gefühlt, doch damals wusste ich es noch nicht besser oder ich hatte es wieder vergessen. Und heute erinnere ich mich wieder daran und jetzt kann ich es ja verdauen und dann halte ich mein Herz und meinen Geist frei und unbeschwert.“ Halten wir das große Stoppschild namens Glaube an das Gute in uns hoch, aktivieren wir unser geistiges Antivirusprogramm, damit die Wucht der Illusion des Bösen daran abprallt! Genießen wir Seine Heilung! Glauben wir! Bleiben wir in der Liebe!
Damit erweist sich der christliche Glaube eine absolut schlechtwettertaugliche Lebensform. Wenn wir jede Wendung des Schicksals als eine Chance erkennen, in der Liebe zu wachsen, unser Herz zu weiten, so sind in der Rückschau oft die vermeintlichen „Schlechtwetterphasen“ des Lebens die, die uns dazu bringen, wahre Liebe und Lebendigkeit in uns zu ermöglichen.
Über vier Jahre in meiner Ehe litt ich unter unerfülltem Kinderwunsch. Ich wusste nicht, wieso ich kein Kind bekam, glaubte an Karma und damit daran, dass ich in irgendeinem anderen Leben irgendetwas Schreckliches gemacht haben musste, um in diesem Leben kein Kind zu haben. Ich weiß nicht, wer sich außer den Betroffenen das vorstellen kann: jeden Monat eine tiefe persönliche Niederlage zu erleiden, wieder den Lebenstraum nicht erfüllt zu bekommen. Jeden Monat irgendwann zu spüren, dass es doch nicht geklappt hat, ein dauerhaftes Leben in der Erwartung, das eigene Leben umzukrempeln. Mein Leben fühlte sich an, als ob ich auf einem Bahnhof war, und der Zug kommt nicht und keiner weiß, wann er kommt. Ob er überhaupt kommt? Als ich dann endlich schwanger war, war ich – selbst nach westdeutschen Maßstäben – mit knapp 35 Spätgebärende. Trotzdem ließ ich keine vorgeburtliche Diagnostik machen. Ich wollte einfach nehmen, was kommt. Lieben, was das Kind ist, wie das Kind ist, gesund oder krank, in guten wie in schlechten Tagen. Eltern und Kinder, das können wir uns nicht aussuchen. Bei den Kindern sind wir zwar beteiligt, sie zu schaffen, doch der Herr über Leben und Tod ist Gott. Nur er! Es gibt keine Garantie. Nur Güte…
Wie bedeutsam dies war und eine späte Dankbarkeit erfuhr ich später durch den Konflikt einer Frau, die durch vorgeburtliche Diagnostik von der schweren Krankheit des in ihr lebendigen Kindes hörte. Sie durchstand einen furchtbaren Kampf in sich, ob sie sich auf das Kind einlassen könnte, wollte, ob sie dem Kind ein solches Leben zumuten sollte oder nicht. Sie entbehrte der ganzen Freude, die eine Schwangerschaft bedeutet. Sie hatte es sich anders vorgestellt, vielleicht wie etwa den schönen Kleinmädchentraum des Vater-Mutter-Kind-Spiels. Da sie nicht gläubig war, war ihr nicht bewusst, dass die Entscheidung gar nicht bei ihr liegt.
Exkurs: Doch wo setze man das Maß an: wann ist Leben lebenswert? Für mich ist der Physiker Steven Hawking immer ein Beispiel. Ein zweites ist der ohne Arme und Beine geborene Australier Nick Vujicic[3], der mit all seinen Einschränkungen glücklich lebt, Sinn in seinem Leben hat, tief in Gott verankert ist, sogar für andere sorgt statt nur versorgt zu werden. Sind ihre Leben lebenswert? Ganz bestimmt! Viele Kinder, die ungeboren geblieben sind, hätten weit weniger Einschränkungen gehabt.
In der Liebe wachsen: Welche besondere Chance hat man mit einem kranken Kind? Wie viel mehr Hingabe ist für ein solches Kind notwendig? Um wie viel intensiver kann man die Liebe erleben, wenn man auch immer wieder Todesängste um das Kind aussteht? Wie viel wertvoller erscheint das Kind dann, und wie viel wertvoller erscheint dann das Leben, auch das eigene Leben? Auch Menschen mit Nahtoderfahrungen schätzen in der Regel ihr Leben auf ganz neue und intensive Weise. Sicher, wir bitten in der Regel nicht darum, eine solche Erfahrung zu machen und ich wünsche sie auch keinem. Doch einigen von uns wird sie gegeben, damit wir ihr Wunder erleben können: den Weg zur Liebe gehen können, wenn wir nicht mit unserem Schicksal hadern, sondern es willig annehmen.
Es sind doch solche Zeiten, die unsere Weisheit, unsere Herzensbildung, unsere Geduld und Langmut, unser Vertrauen, unsere Zuversicht und unseren Glauben[4] wachsen lassen. Wo kann sich ein Glaube erweisen, der nicht in der Realität geprüft ist? Wo kann er über das Lippenbekenntnis hinausgehen? Nur im wahren Leben! Und so ist es mit allem vermeintlichen Leid, das in unserem Leben ankommt. Wenn wir immer vorher wüsssten, was auf uns zukommt, immer wählen könnten, würden viele heilende Wege, die sich uns einfach so unter die Füße schieben, für immer ungegangen bleiben.
In Finisterra begegneten wir beim Bäcker Don Giovanni, einem Künstler aus Österreich. Ihn faszinierte Santiagos Flöte, er wollte unbedingt Aufnahmen von ihm machen. So verabredeten wir uns kurz unserer Abfahrt an der Bushaltestelle. Don Giovanni schenkte uns anschließend eine handbemalte Streichholzschachtel und eine ebensolche Wäscheklammer, auf der die Webadresse www.wolfgangsweg.de stand. Dort kann man die Werke von Don Giovanni bewundern. Ich fand ein Gedicht, das mein Verständnis unterstreicht. Die Wäscheklammer fiel mir wieder ein, ein paar Tage, bevor ich dieses schrieb. Hier ist es:
Ich bat um Stärke
Ich bat um Stärke, aber er machte mich schwach,
damit ich Bescheidenheit und Demut lernte.
Ich erbat seine Hilfe, um große Taten zu vollbringen,
aber er machte mich kleinmütig, damit ich gute Taten vollbrächte.
Ich bat um Reichtum, um glücklich zu werden.
Er machte mich arm, damit ich weise würde.
Ich bat um alle Dinge, damit ich das Leben genießen könne.
Er gab mir das Leben, damit ich alle Dinge genießen könne.
Ich erhielt nichts von dem, was ich erbat –
Aber alles, was gut für mich war.
Gegen mich selbst wurden meine Gebete erhört.
Ich bin unter allen Menschen ein gesegneter Mensch.
(Unbekannter Soldat)
Betrachten wir einige der wahren menschlichen Größen unserer Zeit und ihren Lebensweg:
Nelson Mandela war 27 Jahre als politischer Gefangener in Haft. Die Zeit hat ihn nicht gebrochen, sondern hat ihn wachsen lassen, so dass er später als Präsident von Südafrika einen friedlichen Übergang zur Abschaffung der Apartheid einleiten konnte.
Mahatma Gandhi verbrachte insgesamt 8 Jahre seines Lebens im Gefängnis. Er bestand auf dem gewaltfreien Weg in die Unabhängigkeit seines Landes.
Albert Schweitzer war 19717 – 1918 in Frankreich interniert. In dieser Zeit arbeitete er an seinem Werk „Ehrfurcht vor dem Leben“.
Der Psychiater und Psychotherapeut Victor Frankl war in Theresienstadt, Ausschwitz und Türkheim interniert. Aus seinen Erfahrungen dort entwickelte er die Logotherapie und Existenzanalyse, eine psychotherapeutische Methode, die über die Sinnfindung im Leben von Depression und Suizidalität befreit. Er prägte den Satz „Sinn kann nicht gegeben, sondern muss gefunden werden.“
Sie alle haben Leid, Angst und Härte, Zeiten der Machtlosigkeit und absoluten Einschränkung erlebt in ihrem Leben, Wüste. Sie sind daran gewachsen, haben in der Annahme ihres Schicksals ein Herz voller Liebe, Angstlosigkeit (Glaube) und Handlungskraft (Hoffnung) gewonnen. Denn Schlimmes hatten sie schon erlebt, es hat sie nicht gebrochen.
Paulo Coelho, der Mann, der mich mit seinem Buch auf den Jakobsweg gelockt hat, bringt in seinem Buch „Die Hexe von Portobello“ ein Gleichnis aus einer Schmiede, was dies verdeutlicht. Er beschreibt, dass die Schmiedestücke durch harte Schläge geformt, durch Feuershitze und kaltes Wasser strapaziert werden. Eisen, was nicht taugt und daran zerbirst und untauglich wird, das landet auf dem Haufen für Alteisen, unbrauchbar für die Zukunft. Nur was nicht zerbricht, erhält als Werkzeug, als Werkstück überzeitliche Dauer. Und so bittet der Schreiber darum, eben nicht auf dem Haufen von Alteisen zu landen, sondern durch die Schläge des allmächtigen Schmiedes, die Schicksalsschläge, durch Hitze und Kälte der Schlechtwetterperioden des Lebens als Werkzeug Gottes tauglich zu werden, innerlich fest zu werden und Halt bieten zu können. Dieser Bitte konnte ich mich anschließen.
Jesus Sirach 2 (Einheitsübersetzung): 4 Nimm alles an, was über dich kommen mag, halt aus in vielfacher Bedrängnis! 5 Denn im Feuer wird das Gold geprüft und jeder, der Gott gefällt, im Schmelzofen der Bedrängnis.
Weisheit 3,5 (Einheitsübersetzung): Denn Gott hat sie geprüft und fand sie seiner würdig. 6 Wie Gold im Schmelzofen hat er sie erprobt und sie angenommen als ein vollgültiges Opfer.
Ein weiteres Bild schenkten uns gemeinsam der heilige Augustinus und Papst Benedikt XVI. aus der Enzyklika Spe Salvi, Papst Benedikt XVI Nr. 32 – 34:
„Der Mensch ist zum Großen geschaffen – für Gott selbst, für das Erfülltwerden von ihm. Aber sein Herz ist zu eng für das Große, das ihm zugedacht ist. Es muß geweitet werden. ‘Indem Gott die Gabe [seiner selbst] aufschiebt, verstärkt er unser Verlangen; durch das Verlangen weitet er unser Inneres; indem er es ausweitet, macht er es aufnahmefähiger [für ihn selbst].’ Augustinus verweist auf den heiligen Paulus, der von sich sagt, daß er ausgestreckt auf das Kommende hin lebe (vgl. Phil 3, 13), und gebraucht dann ein sehr schönes Bild, um diesen Vorgang der Weitung und Bereitung des menschlichen Herzens zu beschreiben. ‘Stell dir vor, Gott will dich mit Honig [Bild für die Zärtlichkeit Gottes und seine Güte] anfüllen. Wenn du aber ganz mit Essig angefüllt bist, wohin willst du den Honig tun?’ Das Gefäß, d.h. das Herz, muss zuerst ausgeweitet und dann gereinigt werden: vom Essig und vom Essiggeschmack befreit werden. Das kostet Arbeit, das kostet Schmerz, aber nur so entsteht die Eignung für das, wozu wir bestimmt sind.[26]
Und das ist das zugehörige Bibelzitat von Paulus aus dem Brief an die Philipper 3 (Neue Genfer Übersetzung): „13 Geschwister, ich bilde mir nicht ein, das Ziel schon erreicht zu haben. Eins aber tue ich: Ich lasse das, was hinter mir liegt, bewusst zurück, konzentriere mich völlig auf das, was vor mir liegt.
Als wir pilgerten, da hatten wir den Weg vor uns und alle anderen Gegebenheiten des Weges. Wir konnten nur vorwärts gehen, egal ob Regen oder Hitze, Matsch oder Pfützen, Stock und Stein, Aufstieg oder Abstieg, Wege ohne jeglichen Schatten vor der spanischen Sonne in der Meseta, Trockenheit und Regentage, die laute Landstraße, stinkende Industriegebiete, graue Vorstadt, Wald, Feld und Wiesen. Der Weg geht immer vorwärts. Es ist ein Weg, wo wir nicht äußerlich, sondern nur innerlich wählen können. Wir können nämlich wählen, mit welcher Gesinnung wir den Weg annehmen. In Dankbarkeit, Neugier, Sinnvermutung und Gleichmut, als Gabe Gottes, oder in Lustlosigkeit, mit innerem Gemecker oder Gehader über alles, was nicht schön oder leicht ist, mit Widerstand. Mit letzterem verdoppeln wir das Gewicht, das wir tragen, der Weg ändert sich dadurch nicht.
Auf dem Camino würde die Nichtannahme des Weges bedeuten, dass wir in die falsche Richtung laufen. Wir müssen dann wieder bis zum Weg, bis zum letzten Pfeil, an den wir uns erinnern, zurückgehen. Oder dass wir einfach stehen bleiben. Wie oft im Leben treffen wir diese, auf dem Weg so unsinnige Wahl? Als wir aus Burgos herauspilgerten, fragte mich Santiago, welches meine Lebenseinstellung ist: der Weg des Pilgers, der nimmt, was kommt, oder der Weg des Alchimisten, der versucht, die Natur des Gegebenen zu verändern? Ich habe den Weg des Pilgers gewählt.
Welchen Weg wählst Du?
Wenn wir uns jeder als Teil von Gottes Organismus betrachten, als Zelle seines Körpers: Zu was kann es führen, wenn jeder sich als Einzelwesen sieht mit eigenen Zielen, mit dem Ziel, für sich selbst Reichtum und Fülle zu schaffen, ohne Bedenken des Ganzen? Im Körper nennt sich diese Krankheit Krebs: „Krebs ist im allgemeinen Sprachgebrauch ein Sammelbegriff für eine Vielzahl verwandter Krankheiten, bei denen Körperzellen unkontrolliert wachsen, sich teilen und gesundes Gewebe verdrängen und zerstören können. (Wikipedia.de)“.
Was passiert, wenn eine Zelle im Körper mit einer anderen in Konflikt gerät? Und macht das Sinn? Nein, ein Organismus funktioniert, wenn jede Zelle des Körpers die andere als Partner in ihrer Verschiedenartigkeit und unterschiedlichen Funktion akzeptiert und anerkennt und mit ihr kooperiert; wenn sie sich in das Gesamte, in die Einheit einfügt; wenn die Leberzelle akzeptiert, dass sie eine Leberzelle ist und keine Haut- oder Gehirnzelle.
Nächster Artikel: Nimm nicht sondern nimm an!
[1] Und hier erinnere ich gern an die Geschichte mit dem Hammer in dem Buch von Paul Watzlawick „Anleitung zum Unglücklichsein“.
[2] Ein solches Verhalten hält man inzwischen sogar für eine eigene Krankheit und sie hat inzwischen sogar einen Namen,: „Co-Abhängigkeit“, (siehe z.B. das Buch „Co-Abhängigkeit“ von Anne Schaef Wilson)
[3] Einfach mal den Namen bei www.youtube.com eingeben und sich bezaubern lassen!
[4] Auch dies Gaben des Heiligen Geistes
In unseren Breiten, wo wir weniger an materiellen Mangelkrankheiten leiden, weil wir genug haben, leiden wir oft an geistigen und seelischen Mangel- oder auch Füllekrankheiten. Krankheit entsteht hier durch die eigenen Gedanken und die eigene Emotionalität, nämlich sich selbst kränkende Gedanken, durch Beurteilung, durch das Werten: das ist gut, das ist böse und den darauf sich aufsattelnden Gefühlen.
Ganz einfach kann man das feststellen mit den Techniken der Kinesiologie. In meinen Kursen verwende ich dieses Beispiel: Ein Proband, dessen Muskelstärke wir mit dem kinesiologischen Armtest austesten, stellt sich beim Test nacheinander sein Lieblingsessen vor und anschließend das, was er gar nicht gern isst. Das heißt, er produziert lediglich Gedanken, nämlich die Vorstellung, die das Essen dieser Speisen einbeziehen, Geschmack, Geruch, Aussehen, Gefühl beim Kauen und Schlucken; die Speisen an sich sind nicht da. Es war noch nie anders, als dass der Gedanke an die Lieblingsspeise den Probanden stark sein ließ, so dass sein Arm jedem Druck standhielt. Der Gedanke an die verabscheute Speise lässt ihn in der Regel so schwach sein, dass der Arm schon geringem Druck nachgibt und vom Probanden einfach nicht in der Waagerechten zu halten ist.
Dieser einfache Test, den jeder ausprobieren kann, zeigt uns, dass jeder Gedanke auf unseren Körper wirkt und zwar – je nach Qualität – uns stärkt oder schwächt. In einer Studie durch die amerikanische Psychiaterin J. Ciecolt-Glaser und ihrem Mann R. Glaser, einem Immunologen, hat man Ehepaaren vor einer Sitzung kleine Verletzungen der Haut am Arm zugefügt. Anschließend hatten sie die Aufgabe, miteinander wohlwollend über die gemeinsame Beziehung zu sprechen. Die Wunde wurde 8 Tage lang genau beobachtet. Nach zwei Monaten wurde die Verwundung ein zweites Mal ausgeführt, diesmal jedoch ging es darum, über ein strittiges Thema ihrer Beziehung zu diskutieren. Die Wundheilung dauerte diesmal ein bis zwei Tage länger als bei dem wohlwollenden Gespräch.
Unser Körper dient als Anzeiger für das, was uns kränkt und was wir in unserem Leben verändern sollten. Es ist wie in dem Spruch:
Sag du es ihm/ihr,
sagte die Seele zum Körper,
auf mich hört er/sie nicht.
Es gibt Landkarten des Körpers, aus denen wir von der Krankheit auf das zugrunde liegende Gedankengut schließen können, das zur Heilung ansteht. Besonders die Autoren Louise Hay und Thorwald Detlefsen/Rüdiger Dahlke[1], in Deutschland wohl die Bekanntesten, stellen dafür entsprechende Literatur zur Verfügung, wie Krankheiten von Organen, Körperregionen und ihre Form gedeutet werden können. Man kann sich aber auch einfach die Funktion und Arbeitsweise des Körperteils bzw. des Organs anschauen, und davon auf die geistige Bedeutung schließen. Zusätzlich können wir Informationen gewinnen, z.B. aus der Nähe des Krankheitsherdes zu den Meridianverläufen auf Organe schließen, ebenso durch das befallene Organ auf die Störung im Denken. [2]
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[1] Louise Hay, Heile Deinen Körper, Lüchow-Verlag, Rüdiger Dahlke: Krankheit als Symbol. Es gibt auch einen sehr schönen Vortrag von G. Mackenthun et.al. über Psychosomatik bei der Charité:
http://home.arcor.de/g.mackenthun/lect/psysom/psysoma.htm
[2] Beim intuitiven Handauflegen kann man ganze Geschichten aus den Positionen erzählen und damit das Gedankenmuster, das der Krankheit oder Befindlichkeitsstörung zugrunde liegt, identifizieren. Je leichter und reiner unser Geistkörper, umso besser fühlen wir uns, umso weniger Gedanken löst er in uns aus, umso weniger beschäftigen sie uns. Man merkt es deutlich beim Handauflegen, dass die Pausen zwischen den Gedanken länger werden, zusehends Gedanken harmonischer und freundlicher werden, dass Gedanken sich von pessimistisch zu optimistisch ändern. Energiewahrnehmungen beim Heilsegnen wandeln sich von kurzwellig / spitz / hart / heiß / schmerzhaft zu langwellig / rund / weich / warm / angenehm.
