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Eine andere wichtige Aufgabe besteht darin, Ihm den Raum zu geben, auf uns zuzukommen. Und komisch, ein paar Nächte vor der ersten Tour nach Bad Wilsnack hatte Er mich gefragt: „Wie würdest du denn empfinden, geliebt zu werden, wie würdest du fühlen, von mir geliebt zu werden?“ Und aus tiefstem Herzen hatte ich geantwortet: „Ich würde es daran spüren, dass die Menschen und die Dinge auch auf mich zukommen, mich einladen, zu mir kommen, ich erwünscht bin.“

Und er gab mir dann auf der Wanderschaft zu verstehen: „Dann höre auf, auf die anderen zu intensiv zuzugehen und gib ihnen genauso auch die Möglichkeit dazu, zu dir zu kommen. Gib uns den Raum, auf dich zuzugehen. Wenn du immer auf alles zugehst oder dein Leben, dein Kopf zu voll ist, kannst du die Erfahrung nicht machen. Du hast momentan so viel zu tun, um deine Basis neu einzurichten, da hast du gar keine Zeit dazu, große neue Dinge mit der angemessenen Aufmerksamkeit zuzulassen. Es gibt immer genug Zeit. Überlege dir, was momentan aktuell ansteht, schau dich um und erledige es. Und wenn dann Raum ist, dann kann das Andere auf Dich zukommen. Keiner will dich überfordern und alle Dinge wollen gern in Liebe getan werden.“

Mein schönes, weiches Strohbett am Morgen danach

Und so gab ich Ihm den Raum, für mich zu sorgen, indem ich nicht für mich sorgte. In der ersten Nacht fand ich ein wunderbares Bett im Stroh. Zum genau richtigen Zeitpunkt war da ein Heuschober, in dem ich wunderbar geschützt und superweich auf meinem Strohbett schlafen konnte. In der zweiten Nacht schlief ich im Gästezimmer der katholischen Kirche in Fehrbellin, das auf demselben Flur wie die kleine Kirche lag, direkt im Hause des Herrn. Diese Übernachtung hatte mir übrigens Schwester Anneliese bestellt… Und auch der dortige Diakon war schon wie wir  in Lourdes gewesen. Wir hatten ein sehr intensives Gespräch über das Pilgern. Der Diakon fragte mich, warum ich mich für die katholische Kirche entschieden hatte. Meine Antwort war diese: „Ich bin in meinem Herzen mehr berührt, ich fühle mich in der Gemeinschaft der Gläubigen besser aufgehoben, die rituellen Gottesdienste erreichen mich auf einer tieferen Ebene. Und zum Anderen: mir ist das weibliche Element der Heiligen Jungfrau Maria wichtig. Sie fehlt mir in der evangelischen Kirche. Die Mutter ist das Tor zur Welt und sie ist elementar wichtig, weil Mütterlichkeit genauso wichtig ist wie Väterlichkeit.“ Der Diakon meinte dann: „Es ist schön, wenn ein Mensch das ausspricht, was man tief im Herzen spürt…“. Er gab mir als Nachtlektüre sein wunderbares Buch zu lesen, dass von all den vielen Weisen handelte, wie die Menschen mit Gott und der Welt unzufrieden sind „In der Bibel steht’s geschrieben“.

Katholische Kirche in Fehrbellin

Eine sehr wichtige Form, Ihm Raum zu geben, ist es, die eigenen Gefühle von Schwäche und Unzulänglichkeit, von Angst und Nicht-Vertrauen ihm und sich eingestehen können. Denn in diesem Moment kann Er uns helfen, das Vertrauen wieder zu gewinnen und ihn wieder besser verstehen zu können, uns helfen zu lassen. Gott will uns dienen. Er kann uns am besten dienen, wenn wir seine Hilfe auch brauchen. Wenn wir mutig unseres Weges gehen, ohne Bedenken, dann brauchen wir ihn nicht so sehr, als wenn wir mit vor Angst schlotternden Knien den Weg gehen. Daher können wir uns an immer für uns mutigere Dinge heranwagen, speziell so kann Gott uns mit seiner Stärke begleiten, wir können Ihn seine Stärke ausspielen und für Viele augenscheinlich machen.

Wir beide sind uns einig, dass für uns der Portugiesische Weg der Eindrucksvollere war. Das lag nicht an der Landschaft, die sowohl in Spanien wie auch in Portugal uns Augen, Herz und Seele erfüllte. Den spanischen Jakobsweg will ich mal vergleichen mit einem festen Monatsgehalt, mit dem wir in jedem Monat eben fest rechnen können. Der spanische Jakobsweg ist exzellent organisiert und schon mit unserer Liste der Herbergen waren wir sicher, alle paar Kilometer unterkommen zu können, einfach ankommen ohne zu fragen, einfach erst unser Credencial und dann den Rucksack auspacken.

Auf dem Portugiesischen Weg in Portugal waren wir jeden Abend darauf angewiesen, an einem fremden Ort etwas zu finden – ohne die Gewissheit zu haben, dass dort für den Pilger schon etwas vorbereitet ist. Wir waren auf die Barmherzigkeit der Menschen, der Kirche, der Feuerwehr, des Volkes angewiesen und so war jedes Finden wieder ein Moment großer freudiger Erregung, Dankbarkeit und Begeisterung, das Gefühl, wieder die Gnade Gottes zu erfahren. Vielleicht ist das ohne Pilgererfahrung schwer nachzu­vollziehen. Doch hier im Alltag ist es dasselbe: In jedem Monat, den ich als Selbständige – vor allem jetzt ohne Preisliste, ohne finanzielle Forderung – ein Einkommen habe, ohne am Monatsanfang zu wissen, woher es denn kommen mag, fühle ich mich wieder in Gottes Gnade, ist überschäumende Dankbarkeit, Freude und Begeisterung da, dass für mich gesorgt wird. Das feste Monatsgehalt mag zwar eine Beruhigung sein, das lebendigere Leben, das intensivere Gottesempfinden hat man jedoch ohne diese Sicherheit. So hat er jeden Monat den Raum und die Chance, uns zu zeigen, dass er da ist.

Ein weitere Form des Raumgebens ist unser innerliches oder nach Außen gerichtetes Ausdrücken der Bereitschaft zur Nachfolge oder zumindest, ein bestimmtes Vorhaben mit Jesus Christus zu tun. Dazu gehört auch Geduld, Demut und das Vertrauen, dass mit Gott alle Dinge möglich sind, auch wenn am Horizont nichts erkennbar ist – wie bei dem kleinen Ort Hontanas in der Meseta.

Durch meine frische, dynamische und erlebnisreiche Annäherung an Jesus im Frühjahr vor dem Pilgern festigte sich in mir der Wunsch, auf das Handauflegen im christlichen Kontext umzusteigen, zur Quelle des Christentums zurückzukehren. Ab diesem Zeitpunkt geschahen, im Rückblick für mich erst erkennbar, immer mehr Zeichen, die darauf hindeuteten, dass dies nun auch geschehen würde. Mein Laptop ging kaputt, alle Daten gingen verloren. Wenn ich damals schon umgestiegen wäre, hätte ich all die Daten auch einfach nicht mehr gebraucht. Auf der Reise hätte ich vielleicht schon von Anfang an stärker nach der neuen Methode nachfragen können, anstatt die alte aus Gewohnheit zu verwenden. Direkt nach der Rückkunft hätte ich mich allein diesem Bestreben widmen können, anstatt im alten System noch eine wirtschaftliche Versorgung als Cash Cow zu suchen. Ich habe Schritt für Schritt alles Alte losgelassen und mich inzwischen vollständig auf das Neue eingestellt. Oft frage ich mich, ob ich nicht, wenn ich früher konsequenter und mutiger gewesen wäre, die Zeichen der Zeit erkannt und angenommen hätte, schon viel früher in den Genuss dieser Gnade, dieses segens­reichen Schaffens gekommen wäre. Ja, ich denke, es hätte mich bereits viel früher getragen und mir wohl diverse schmerzhafte Zusammenstöße mit dem Sackgassen­schild erspart. Einsicht sprudelt in mir nur allmählich…doch die Erkenntnis ist eindringlich.

Oft hindert uns Angst – bis hin zu Panik – daran, Gott Raum zu schaffen durch Leere in unserem Leben und unserem Kopf. Auszuhalten, wenn wirklich nichts da ist, das Leben sich entfalten lassen. Das ist der Moment, in dem wir am meisten in der Lage sind zu empfangen – eben weil wir leer sind und damit bereit für unerwartete Gaben.

2 Samuel 22 (Lutherbibel 1984) 33 Gott stärkt mich mit Kraft und weist mir den rechten Weg. 34 Er macht meine Füße gleich den Hirschen und stellt mich auf meine Höhen. … 37 Du gibst meinen Schritten weiten Raum, dass meine Knöchel nicht wanken.

Jesus klopft an, aufmachen können nur wir selbst von innen.

Und auch unser Inneres will ihm geöffnet sein. In einem Vortrag über Jesus wurde ein Bild gezeigt, dass Jesus klopfend vor einer Tür zeigte. Uns wurde erklärt, dass Jesus erst eintritt, wenn wir ihm freiwillig die Tür von Innen aufmachen. Mein Leben ist seit Santiago eine Herausforderung, weil es ja so viel zu Lernen gibt, wie ich eben mit Gott lebe. Durch die Inszenierungen auf meiner Lebensbühne passiert enorm viel, und manches ist anfangs nicht leicht zu verstehen, es, Er schüttelt mich auch immer wieder, damit danach wieder etwas neu in die Ordnung fallen kann.

Und anfangs mag es genügen, ihm die Tür aufzumachen. Doch irgendwann will Jesus uns auf ganzer Ebene uns erreichen und klopft an allen unseren Zimmertüren, bis wir ihn einlassen.

Auch andere Menschen begannen, Gott Raum zu schaffen. Im Laufe der Zeit hatte ich mehrere Räume, in denen ich praktizierte, die mir andere Menschen kostenfrei zur Verfügung stellten. In einem davon standen vier Bilder stehen, die nicht mir sondern dem Raumspender gehörten, die ich dort aber gerne hatte. Es waren darunter drei Holzschnittte: Die Ankündigung des Engels bei Maria, Jesu Geburt und Jesus und die Kinder. Und ein Bild, das Jesus klopfend vor der Tür zeigte. An einem Wochenende war ich mit Jesus in einer Heilungssitzung, in der er mir klar machte: „Du hast mir zwar deine Haustür geöffnet, aber es gibt einfach bei dir noch so ein paar Rumpel­kammern, an die du mich nicht ranlässt, die du schön verschlossen hälst. Wenn du dieses Thema heilen willst, dann musst du mich auch in deine Rumpelkammern lassen.“ In einer Geste der Verzweiflung ob meiner Heilungsbedürftigkeit reichte ich ihm einen Schlüssel und sagte: „Ok, hier ist mein Generalschlüssel. Nimm und schließ alles auf, was Du willst. Wir werden alle Rumpelkammern aufräumen, wenn das notwendig ist.“ In den Wochen danach kamen auch ein paar richtig „eklige“ Themen an die Oberfläche. Ich wanderte durch ein paar finstere Täler, Schattentäler meiner Seele: Opferbewusstsein, Machtansprüche, Umgang mit starkem Willen anderer, Selbstbetrug durch Anpassung, bestimmte Themen aus der Liebe heraushalten wollen, doch „Er war bei mir, sein Stecken und Stab schützten und trösteten mich.“

Doch am Tag nach dieser „Schlüsselübergabe“ kam ich in den Praxisraum und das Bild mit Jesus vor der Tür war weg. Ich brauchte es nicht mehr. Ich verstand nun, dass es vorher tatsächlich für mich dort gestanden hatte. Nach ein paar Tagen traf ich meinen Raumspender und fragte ihn nach dem Bild. Er hatte es noch am Abend meiner Schlüsselübergabe in sein Zimmer geholt.

Exkurs: Aus dieser Geschichte kann man noch mehrere Dinge erkennen:

  • Was da ist, ist tatsächlich für uns.
  • Wenn wir ein Thema erledigt, uns verändert haben oder eine Entscheidung getroffen haben, dann ist er in der Lage, in anderen Menschen und unserer Umgebung sogleich etwas auszulösen.
  • Wir sind auf so komplexe Weise miteinander verbunden, dass mein Raumgeber und ich zum gleichen Zeitpunkt das gleiche Thema bearbeiteten. Ich habe das Thema abgeschlossen und er hat sich im gleichen Moment diesem Bild zugewandt.
  • Wie gigantisch kann man sich das vorstellen, wie Gott unseren Partner neu führen kann, wenn wir uns selbst in seinem Sinne verändern!

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Wenn wir einmal wieder dabei sind, uns in schwierigen Situationen des Lebens selbst das Herz zu brechen und die Gedanken zu vergiften, dann hilft aus meiner Erfahrung, zunächst – so absurd es zunächst klingt – Gott für diesen Moment, diese Gabe zu danken. Und dann bitten wir Jesus intensiv, dass wir uns selbst, den anderen Menschen oder die Situation aus der Perspektive seines heiligen Herzen fühlen können. Wir bitten darum, am heiligen Herzen teilzuhaben. Wenn wir den anderen dann in göttlichem Licht sehen, fließt plötzlich ein warmes, weites Gefühl in unser Herz und wir können tatsächlich Großherzigkeit spüren, die Worte zu fühlen und zu hören, die wir großherzig uns selbst und dem Anderen auch sagen könnten, die Gefühle, die wir uns oder ihnen stattdessen entgegen bringen könnten. Plötzlich kommen ganz andere Sicht- und Verhaltensweisen vor unsere Augen. Wir lassen Gefühle zu, verdrängen sie nicht, doch wir holen uns dafür das Höchstmaß an Liebe in unser Herz, aus DEM Herz der Herzen. Einfach mal probieren, wenn es das nächste Mal so weit ist!

Hesekiel 36 (Einheitsübersetzung)

26 Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch.

Bleiben wir auf dem Weg, den Jesu Herz, den diese neue Einsicht schenkt, dann lösen sich Konfliktsituationen, Schmerzen und Verletzungen in Luft auf, und wir vermeiden dadurch Tage z.B.

  • der inneren Generalprobe und des anschließenden „wir Zwei haben zu reden!“
  • des Schmollens und Grollens, wenn es nur bei der Generalprobe bleibt,
  • des Rückzuges, des Abhauens und mutwilligen Verlassens, um Angstgefühle und Reue beim anderen auszulösen,
  • der atmosphärischen Vergiftung der Beziehung, der Familie oder des Arbeitslebens,
  • des lauten Streites oder des stillen Leidens – der Opferhaltung -des Schuldgefühle Auslösens: „sieh doch nur, wie weh du mir tust“,
  • des Stresses durch Verdrängungsmaßnahmen,
  • des Frustfressens, -trinkens oder sonstiger Betäubungsversuche,
  • suizidaler Gedanken.

Der Mensch, dem wir am meisten dabei kränken und wehtun, sind tatsächlich wir selbst. Davor kann uns Jesus heiliges Herz bewahren, ich danke dafür so sehr!

Denn wenn ein anderer Mensch auf eine bestimmte Weise handelt, dann wird ihn nichts, aber auch gar nichts davon abhalten, genau so zu handeln, außer seiner eigenen Einsicht. Und die geschieht nur durch eigenes Fühlen, inneres Wissen durch Erfahrung. Was passiert denn, wenn wir einige der obigen Verhaltensweisen, die oft Manipulations­versuche sind, einsetzen? Der Andere wird entweder nichts ändern oder wird Lippen­bekennt­nisse abgeben oder unwillig das tun, was wir wollen, doch bei nächster Gelegenheit passiert genau wieder dasselbe. Siehe auch Kritik, Kontrolle und Zwang

Vater unser, Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.

Doch Lippenbekenntnisse wie beispielsweise ein erzwungenes „Ich liebe Dich“, das fühlt sich schal an, gerät für uns auch ins Gegenteil dessen, was wir uns erhofft haben, darauf können wir nicht setzen, das sind die sauren Trauben, zur Unzeit gepflückte Trauben. Lassen wir uns selbst und unsere Mitmenschen reifen, bis sie freiwillig und aus eigenem Antrieb handeln, dann sind die Trauben süß. Wenn sie es nicht tun, sind sie noch nicht reif, so zu handeln. Doch haben wir immer noch uns selbst, denn wie gut geht es uns, wenn wir selbst durch das heilige Herz süß werden. Dann ist die Süße definitiv bei uns!

Lukas 24 (Lutherbibel 1984):  Über Jesu Worte zu den Emmaus-Jüngern nach der Auferstehung

32…Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?

Und wenn es denn gar zu schwer wird, wenn Situationen und Krankheiten unerträglich werden, unsere Mitmenschen einfach nicht reifen wollen und wir uns selbst zu diesem Thema von allen Seiten angesehen und nach unseren eigenen Möglichkeiten austherapiert haben, dann gibt es immer noch das Loslassen und das Abgeben wie in Kapitel „Heilung durch Abgeben und Loslassen im Heiligen Herzen Jesu“ beschrieben.

Markus 11 (Lutherbibel 1984):

22 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt Glauben an Gott! 23 Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge spräche: Heb dich und wirf dich ins Meer!, und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, dass geschehen werde, was er sagt, so wird’s ihm geschehen. 24 Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteil werden. 25-26 Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Übertretungen.

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Die Gabe des Caminos

Auch mit meinem Sohn bin ich ein paar Tage gepilgert, auf dem Weg nach Bad Wilsnack. Das Waldhaus zur Saubucht nimmt auch – auf besondere Weise – Pilger auf. Mitten im Wald haben wir eine wundervolle Nacht verbracht und wurden von den Wirtsleuten auf das Liebevollste versorgt. Danke dafür! Als wir bei einem reichhaltigen Frühstück saßen, so gar nicht meine Gewohnheit, da gab es plötzlich an der Fensterscheibe einen lauten Knall. Ich schaute schnell hin und sah einen Vogel, der zunächst schwankend auf dem Fensterbrett saß und dann zu Boden fiel. Mit dem Wirt gemeinsam traten wir hinaus, um nach dem Vogel zu sehen. Er nahm den kleinen, benommenen, braungepunkteten Kerl in die Hand, schaute ihn an und sagte zu uns: „Das überleben sie meist nicht.“

Ich bat ihn, mir den Vogel zu geben, setzte mich mit ihm in die Sonne und legte ihm die Hände auf, betete für ihn. Nach einer Weile, während der ich eine Menge von Heilkraft wahrgenommen hatte, machte ich meine Hände auf, so dass er wegfliegen konnte, falls er fliegen könnte. Er blieb sitzen. Also hielt ich ihn weiterhin mit meinen Händen umschlossen und betete noch inständiger für ihn. Nach einer weiteren Weile zuckte er plötzlich. Ich öffnete meine Hände und der Vogel flog von meinen Händen aus ohne Schwanken in die Luft, gewann sofort kraftvoll an Höhe, da bald der Zaun und einige Bäume einem Geradeausflug im Wege waren. Binnen ein paar Augenblicke war er nicht mehr zu sehen.

In der Kathedrale in Madrid hat Jesus mir die Grundlagen meiner Gabe des Caminos geschenkt: Das Leben heilen durch Handauflegen.  In den Wochen darauf hat er mich gelehrt, die Gabe zu nutzen, die Gabe erweitert und vertieft. Allsdann haben wir gemein­sam an mir selbst alles ausprobiert. Anschließend erhielt ich wieder die Gelegen­heit, mit anderen Menschen zu arbeiten und in dieser Arbeit Erfahrungen zu sammeln. Jeder einzelne Mensch, der zu mir kommt, hilft mir, die Gabe intensiver zu begreifen und ihr neue Facetten hinzuzufügen. Aus diesen Erfahrungen heraus entwickel­ten sich wieder neue Fähigkeiten und Erkenntnisse und dies hört nicht auf. Jeder Klient bringt mir auch immer Themen mit, die für mich relevant sind. Ich bin immer gleichzeitig aufgefordert, mich selbst in Frage zu stellen, um mich selbst in die Frage des Klienten zu stellen, damit ich Teil der Antwort sein kann.

Matthäus 9 (Lutherbibel 1984):

35 Und Jesus ging ringsum in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen. 36 Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben.37 Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. 38 Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.

Das Heilen mit Gottes Hilfe beinhaltet im Gegensatz zur Schulmedizin stets die bewusste Einbeziehung von Gottes Macht und Hilfe und die alleinige Hingabe an Seine Weisheit. Dieses Prinzip wird z.B. auch im 12-Schritte-Programm der  Anonymen Alkoholiker genutzt, sie ziehen zum Beispiel auch bewusst Gott bzw. neutralisiert eine „höhere Macht“ mit ein, die DA helfen kann, wo wir selbst nicht mehr weiter kommen.

Heilung geschieht besonders dauerhaft, wenn sich Himmel und Erde vereinigen.

Gottes und Adams Hand von der Decke der Sixtinischen Kapelle im Vatican

Himmel und Erde,

Gott und Mensch

reichen sich die Hand und

wirken gemeinsam,

damit Heilung gelingt.

Wir empfangen von oben den Segen des dreifaltigen Gottes, der unseren Geistkörper dazu anregt, in den Zustand seiner Gottgeschaffenheit zurückzukehren, und so Ver­änderun­gen ermöglicht. Wie oft besiegelte Jesus eine Heilung mit den Worten: Dein Glaube hat dir geholfen. Unser Glaube und unser Vertrauen sind der Schlüssel, dass Heilung gelingt und diese Anregung sich in unserem Geistkörper verankert. Indem wir sie für wirklich halten, gelingt sie. Matthäus 21 (Lutherbibel 1984): 22 Und alles, was ihr bittet im Gebet, wenn ihr glaubt, so werdet ihr’s empfangen.

Der Glaube gibt unseren Gedanken ein neues Fundament, eine neue Ausgangsbasis. Anschließend ist es essentiell und unerlässlich, dass wir hier auf der Erde etwas verändern, mit unserem Körper, in unserem Denken und in unserem Verhalten, wie in Johannes 5 (Lutherbibel 1984):

14 Danach fand ihn Jesus im Tempel und sprach zu ihm: Siehe, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, dass dir nicht etwas Schlimmeres widerfahre.

Es kommt darauf an, eine notwendige Veränderung zu vollziehen, mag es im Denken oder Handeln sein, womit wir unser Leben immer mehr auf Gott und die grandiose, jedoch oft einfach unglaubliche und unglaublich einfache Lebensform auszurichten, die er uns anbietet.

Exodus 23,25 (Lutherbibel 1984):

Aber dem HERRN, eurem Gott, sollt ihr dienen, so wird er dein Brot und dein Wasser segnen, und ich will alle Krankheit von dir wenden.

Der Mensch ist ein Erfahrungskörper Gottes. Er nimmt in sich die Erfahrungen des Lebens auf und verarbeitet sie. Im oberen Teil unseres Körpers findet Aufnahme statt, mit unseren Sinnen, mit dem Mund, mit den Lungen. Vom Herzen an abwärts findet Verarbeitung des Erfahrenen, Aufgenommenen statt. Das Herz bekommt von der Lunge das Blut. Das nimmt den Sauerstoff, unseren dringlichsten Überlebensstoff neben dem Geist auf, und leitet ihn an den gesamten Körper weiter, der davon lebt. Ebenso ist es mit der Nahrung. Oben kommen die Dinge herein und unten werden sie verarbeitet, angeleitet durch das Herz, bewirkt durch den Magen und den Darm.

Im unteren Teil des Körpers, ab dem Herzen eben, getrennt durch das Zwerchfell[1], findet keine Aufnahme mehr statt – bis auf den Schöpfungsakt des Menschen, wo die Frau den Mann aufnehmen kann, sondern Verarbeitung, Verdauung. Unser Verdauungs­system scheidet die Nährstoffe und Flüssigkeit, die aufgenommen werden, von Ballaststoffen und Abfall. Dieser materielle Abfall, den der Körper nicht mehr braucht, wird über den Darmausgang entsorgt. Die Niere gibt an die aufgenommenen Flüssig­keiten ebenfalls die Abfallstoffe ab, die sie aus dem Blut ausfiltert. Unser „Abwasser“ wird über die Blase entsorgt werden.

Das gleiche existiert auf der geistigen Ebene. Der „Darmausgang“ des geistigen Körpers sind die Füße. Die Füße geben an die Erde all das ab, was im Geistkörper verdaut wurde und nun für den Menschen geistig / emotional erledigt und damit unbrauchbar, entsorgbar geworden ist, sie entladen und leiten ab. Jesus hat diesen Vorgang des Entsorgens/Reinigens mit der Fußwaschung gemeint und gewirkt, siehe Johannes 13 (Lutherbibel 1984):

Giotto di Bondone, Cappella Scrovegni in Padua, public domain Bild aus wikicommons

3 Jesus aber wusste, dass ihm der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott ging, 4 da stand er vom Mahl auf, legte sein Obergewand ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. 5 Danach goss er Wasser in ein Becken, fing an, den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete sie mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war. 6 Da kam er zu Simon Petrus; der sprach zu ihm: Herr, solltest du mir die Füße waschen? 7 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. 8 Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir.9 Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! 10 Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füße gewaschen werden; denn er ist ganz rein.

Wenn eine Heilung vollzogen ist – „wer gewaschen ist“ – bedarf zum sicheren Abschluss einer „Waschung der Füße“, um alles los zu werden. Wer einen solchen Vorgang schon einmal erlebt hat, weiß um die riesige Erleichterung dieser Entlastung. Und genau so, wie der Darm verstopft oder verschlossen sein kann, so können auch die zugehörigen geistigen Zuwege zu den Füßen verstopft und verschlossen sein. Ist dies der Fall, dann kommen Gedanken und Gefühle, die man eigentlich schon längst verarbeitet hat, trotzdem immer wieder hoch und bedrücken den Menschen ebenso wie ein voller Darm, der nicht abführen kann. Völlegefühl, Schwere und wieder Aufstoßen auf geistig-emotionaler Ebene, Déjà-Vu.  Wie viele Ursachen von Unwohlsein, Schmerzen und Krankheiten man allein über die Füße heilen kann!

Wenn der Mensch Erfahrungen aufnimmt und sie nicht verarbeiten kann, dann wird der Mensch daran krank, und das gilt gleichermaßen für die verhinderte Verdauung

  • des Materiellen – Übelkeit, Völlegefühl, unzureichende Nahrungsverwertung und damit Mangelerscheinungen, Verstopfung, Darmverschluss,
  • des Geistigen – nervösen Magenbeschwerden, Verkrampfung des Darmtraktes[2]
  • der Gefühle – Herzbeschwerden, Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems, Magen- und Darmentzündung, Nieren- und Blasenerkrankungen

Wie eine Schale, wie ein Kelch nimmt der Mensch Erfahrungen auf. Wir sind die Schale, die von Gott getragen, gestützt ist, er ist der Ständer, der Schaft. Leichtverdauliches und glückliche Erfahrungen gehen einfach durch unser System durch, bestehen zum Großteil aus Nährstoffen und es bleibt Dankbarkeit und Freude zurück. Ich fühle mich in Gottes Reich gut ernährt, kraftvoll, gestützt und gut aufgehoben.

Für die Verdauung des Schwerverdaulichen, der Sorgen, der Nöte und des Leides und der Heilung durch Gott sieht es so aus: Wir nehmen die schwerverdauliche seelische und geistige Erfahrung auf und dann beginnt in unserem Herzen die Stütze durch Gott mittels des heiligen Herz Jesu. Wir sind gehalten, uns an ihn zu wenden und ihn um Hilfe zu bitten, damit wir das Schwerverdauliche verarbeiten – verstehen – können. Damit wir aus jeder Erfahrung die Nährstoffe aufnehmen können und die Ballaststoffe und das Unbrauch­bare abgeben können. Alles Schwere birgt eine wichtige Erfahrung. Wenn wir ihn nicht aktiv um Hilfe bitten, die Kooperation einleiten, und das beginnt tatsächlich schon mit einem Stoßseufzer, dann öffnen wir uns diesem Verdauungsprozess nicht. Durch Nichtverdauen passiert dann:

  • Ärger führt zu mehr Ärger, zur Wut, zur Explosion, zur Säure, zur Entzündung, zum Eiter, zum Flächenbrand. Neuer Ärger trifft auf alten, unverarbeiteten Ärger und dieser alte verstärkt den neuen. Die Eiterbeule platzt und der ausfließende Eiter greift andere Organe an. Ein Tropfen bringt das Fass zum Überlaufen und aller aufgelaufener Ärger entlädt sich und vergiftet die Umwelt gleich mit, d.h. andere ärgern sich auch.
  • Angst und Sorge führt zu mehr Ängsten und Sorgen, zu Absicherungsverhalten, zum nicht vorwärts gehen sondern anhalten,  zu Festhalten, zum Stau, zur Nicht-Verdauung, zur Verstopfung, zum Zumachen, zur Vergiftung, weil das zu Verrottende im Körper statt außerhalb verrottet, zur Nahrungsverweigerung. Neue Situationen von „ich weiß nicht“ führen durch Erinnerung zu alten, unerlösten Sorgen und diese wandeln die zunächst neutrale Situation wieder in Verunsicherung, in Entscheidungsschwäche, in Schwarz-Sehen, in Selbsterfüllenden Prophezeiungen, anstatt sie sich einfach entfalten zu lassen.
  • Unverarbeitete Schicksalsschläge und gebrochene Herzen führen zu Hadern mit dem Schicksal, zu Nicht-Annehmen, zu Seh- und Hörstörungen, zu allergischen Reaktionen, zu Schock, posttraumatischen Belastungsstörung und zur Belastungsdepression, zur Todessehnsucht, zu Herzinfarkt und Schlaganfall, zu Stillstand.
  • Trennung von der eigenen Essenz führt zu Selbstunsicherheit, mangelnder Selbstliebe bis hin zu Selbsthass, dies führt zu Ängsten und deren Folgeerscheinungen, geprägt durch den Gedanken „die wollen mich nicht, nehmen mich nicht so, wie ich bin“ und zu „ich muss anders sein, damit sie mich wollen“ und damit zu noch mehr Anpassung, Selbstentfernung und Leistungsdruck, um zu sein, wie die anderen einen wollen könnten. Da aber alle etwas Unterschiedliches wollen, ist es schwer, es allen recht zu machen. Man schleift sich selbst von immer mehr Seiten ab und das Wundsein, innen wie außen, nimmt zu.
  • Trennung von der eigenen Essenz führt auch zu Ärger und dessen Folgeerscheinungen, geprägt durch den Gedanken „ich ärgere mich, dass die mich nicht wollen (d.h. annehmen, wie ich bin)“ und zu „die müssen mich aber so nehme wie ich bin“ und dem damit verbundenen „die anderen sind nicht in Ordnung“, was ja ebenso wenig stimmt und damit zu einer Verschärfung der bereits bestehenden Konflikte führt, innen wie außen.
  • Sinnlosigkeit, damit zum Grübeln und Gedankenkreisen, weil kein Gedanke einen befreienden Ausgang findet, zu dem, was ich Gedankenkrankheit  (s. o.) nenne, zu Kopfschmerzen, Verspannungen im Nacken und Schulterbereich, zu Rückenschmerzen, zu chronischen Schmerzzuständen, zu Schlaflosigkeit, zu Depression, zu Demenz
  • Unverarbeitete Fehler, unvergebene Sünden, führen zu dem Schrecken, zu Lügen, zu Scham, zur Schuldenlast, zum Abweichen vom eigenen Weg und der eigenen Spontaneität, zu Manipulierbarkeit aus Angst vor Entdeckung oder Anklage, zum Verdrängen und Verstecken, zu Schuldgefühlen, zu Schluckbeschwerden, zu Darmbeschwerden und Darmkrebs (das darf nicht (wieder) ans Tageslicht kommen).

Kurz und gut: wir befinden uns in der sprichwörtlichen Hölle.

Auch heute schon haben wir Institutionen, die uns beim Verdauen von schwierigen Erfahrungen helfen können, die Psychotherapie und die Seelsorge.  Ich denke, diese Verdauung auf allen Ebenen bedarf der innigen Vereinigung zwischen Mensch und Gott, der Verbindung von Psychotherapie und Seelsorge. Den Weg zur Gesundheit kennt nur Gott, manche „Verdauungssäfte“ muss einfach Gott beisteuern, nur er besitzt die vollständige Weisheit. Der Wegweiser ist der Körper des Menschen. Die Symptome zeigen die Störungen im Geist auf der „Leinwand“ des Körpers. Die Kraft Gottes ist wie ein kräftiger Strahl sauberen Wassers, mit dem die Trübheit des Geistes an sich gereinigt wird und alles, was sich noch unklar, verschmiert oder verstaubt in der Seele befindet. Die Erlebnisse des Lebens sind dann kein „Schrott“ mehr, sondern erscheinen zum rechten Zeitpunkt im klaren Wasser der Erkenntnis als Trittsteine des Lebenslaufs.

Wieder zurück zum Bild des Kelches: der Mensch macht die Erfahrung und Gott hilft, diese Erfahrung zu verdauen und in Nahrung und Unbrauchbares / Ballaststoffe zu scheiden. In jeder schwer verdaulichen Erfahrung ist eine Heilungsimpuls, ein Hinweis Gottes zu verstehen, dafür brauchen wir ihn: „Kind, hier bist Du nicht in meiner Welt, komm doch zu mir!“ zu verstehen. Das Leichtverdauliche kann ich ja leicht verstehen, und das Schwerverdauliche eben schwer verstehen. Manches, was wir zu verdauen haben, ist eben komplex, d.h. sperrig oder nur langfristig zu entwirren und zu verarbeiten, weil uns noch Verdauungsstoffe (Erfahrungen) fehlen. Wenn wir uns mit unserem Herzen bei solchen Problemen an Jesus und sein heiliges Herz wenden, dann kommt alles wieder in Gang, unser Leben wird wieder heil. Er kann uns stützen und uns helfen, das Unverdauliche zu verarbeiten. Wir können das Gute, die Liebe und den Sinn darin entdecken und von uns ausscheiden, was wir nicht brauchen: irrige Gedanken und Gefühle und Verhaltensweisen, die aus solchen Gedanken entstehen, Glaubenssätze, Nichtwissen, eingeschränkte Perspektive, Verständnislosigkeit, Misstrauen, Angst, Wut, alles was oben steht. Gottes Weisheit allein kann uns das Verständnis vermitteln und damit die Verdauung einleiten.

Hiobs heilende Erkenntnis, Buch Hiob 42 (Lutherbibel 1984)

1 Und Hiob antwortete dem HERRN und sprach: 2 Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer. 3 »Wer ist der, der den Ratschluss verhüllt mit Worten ohne Verstand? « Darum hab ich unweise geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe. 4 »So höre nun, lass mich reden; ich will dich fragen, lehre mich! «

Als Hiob anerkannte, dass mit Gott kein Hadern ist, dass alles Schwere einen Sinn hat und uns gerade DIE Gelegenheit gibt, unseren Glauben zu leben, so die profundesten Glaubenserfahrungen und wunderbarste Rettung zu erleben und eben nicht in Todessehnsucht zu verfallen, war das sein entscheidender Schritt zur Heilung.

Genau eines leitet die Heilung ein, nämlich die Liebe, das liebevolle Annehmen dessen des Menschen und dessen, was ist. Matthäus 11 (Lutherbibel 1984):

28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Daher ist wohl das Handauflegen auch oft die erste Wahl von Jesus gewesen: die Berührung, das Herzen. Was tut denn eine Mutter, die ein krankes Kind hat oder deren Kind sich wehgetan hat? Sie nimmt es in den Arm und legt ihm die Hände auf die Stirn oder wo auch immer es dem Kind weh tut, küsst es dort, pustet, auf jeden Fall eine körperliche Handlung wie Jesus in Markus 10 (Hoffnung für alle):

16 Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.

In jedem anderen Menschen ist Gott, manchmal kann man auch sagen „verbirgt sich Gott“, wenn ein Mensch für uns schwer annehmbar ist.

Santo Caliz de Valencia von Juan de Juanes, public domain Bild aus wikicommons

Liebe ist immer der Anfang der Heilung. Der Punkt, wo sich Schale und Schaft des Kelches „Mensch“ treffen, ist das Herz. Und das Herz Gottes ist Jesus, der Punkt, wo sich das Menschliche und das Göttliche im Bild des Kelches überlappt. Daher: Mit liebevoller Annahme beginnt die Heilung. Ein schönes Symbol ist der Santo Cáliz von Valencia, der genau an der richtigen Stelle ein stilisiertes Herz enthält. Der Kranke erhält alles, was er braucht, um sich endlich mal wieder „in Ordnung“ zu fühlen. Und das ist genau, was beim Handauf­legen passiert, ein dauerhafter Segensfluß. Segen heißt auf Spanisch Benedición, das bedeutet „Gut-Sagen“, ebenso im Griechischen Ευλογια – Eulogia. Es ist der Zustand, an dem wir fühlen können, wie es ist, wenn alles gut ist. Das alttestamentliche Wort barach/barakh bedeutet „mit heilvoller Kraft begaben“. So fühlt sich Segen für mich an. Der Be­handelte erhält endlich mal wie­der den Zustand zurück, wie es sich anfühlt, wenn alles in Ord­nung ist, wie der gottgewoll­te Zustand des Menschen ist. Es ist zunächst vielleicht ein wenig so wie die entspannende und erleichternde Wirkung, die durch den Konsum chemischer Ersatz­stoffe wie Alkohol, Drogen und Schmerz­tabletten eintritt, lediglich ohne Neben­wirkungen und länger anhaltend – bis hin zur Spontanheilung. Es gibt keinen Kater oder Turkey. Sehnsucht nach Liebe und Gott ist die Mutter aller Süchte, fehlt Liebe, so setzen suchende und leider oft suchtbildende Verhaltens­weisen ein.

Unser aktuelles medizinisches System hält diese Liebes-Qualität nicht vordergründig zur Verfügung. Doch der Einfluss von liebevollen Schwestern und Pflegern auf den Gesun­dungs­­­­­­vorgang ist enorm wichtig. Je mehr diese von der tätigen Sorge um die Kran­ken durch andere Pflichten und Rationalisierung abgelenkt werden, umso langsamer die Gesundung. Wenn wir heute am Tag der Operation noch aus dem Krankenhaus „raus­geschmissen“ werden, dann ist das schon ein ganz schlechter Anfang der Genesung, vor allem, wenn zuhause keiner da ist, der den Kranken liebevoll umsorgt. Doch eigentlich liegt hier schon das Kind im Brunnen. Die Verdauung kann ja schon viel früher einsetzen, und zwar bevor Schwerverdauliches zur Krankheit geführt hat.

Nicht jeder Mensch schafft es „gleich so“ anzufangen, mit Jesus direkt alle seine Probleme zu besprechen und die Heilung einzuleiten. Manchmal braucht er erst mal materiellere Hände und Arme und Stimmen, nämlich die eines anderen Menschen oder sogar die eigenen Hände. Jemand, der ihm von seinem eigenen Vertrauen zu Jesus abgibt. Er kann durch seine realen Ohren die tröstende Stimme des anderen Menschen hören, er kann die Wärme der Hände und den Herzschlag der Umarmung spüren. Dafür sind wir Menschen auch füreinander da, dafür gibt uns Gott einander, wir sind einander Engel / Boten.

Als Jesus die Menschen berührt hat, als er auf der Erde wandelte, da war der Heilungs­impuls durch seine unvergleichliche Liebe und seinen unverbrüchlichen Glauben natürlich so groß, dass der Mensch in seiner direkten Umgebung diesen Verdauungs­vorgang im Nu bewältigen konnte. Allein seine Präsenz, sein geistiger Körper, stellte diesen Zustand her, siehe die Geschichte der Heilung der Frau mit dem Blutfluss (z.B. in Lukas 8).  Auch ich habe schon häufig seine heilende Gegenwart spüren können. Wenn ich beim Rosenkranz das Geheimnis der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor bete, dann ist es besonders deutlich, ebenso bei seiner Geburt, wenn er als Kind auch in meinen Armen liegt. Heutige Heiler haben eine breite Spannweite, wann bzw. wie schnell sie Heilung durch Berührung bewirken können. Das hängt eben vom Maß ihrer eigenen Liebesausstrahlung, der Präsenz ihres eigenen gesundeten Geistkörpers und der Tiefe und Stabilität ihres eigenen Glaubens ab.

Ebenso sind die kirchlichen Sakramente wichtige rituelle Heilungsvorgänge. Die Beichte, das „an das Tageslicht bringen des bisher Verborgenen“ und die Vergebung der Sünde, und zwar in der Form: Dies war eine Erfahrung, Du hast die Erfahrung gemacht, wie es sich anfühlt, wenn du… „Thema der Erfahrung“ zulässt. Du bist gestraft gewesen durch „die Sünde selbst“. Das genügt. Lass den Fehler los. Komm zurück auf den Weg der Liebe. Verändern können wir die Vergangenheit eh nicht. Und lass ebenso die Fehler anderer los, sie sind ebenso schon gestraft durch „die Sünde selbst“. Vergib ihnen selbst. Dies ist die einzige Aufforderung an den Menschen im Vaterunser: „wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ oder die für mich deutlichere, sinnvollere Übersetzung des spanischen Textes „wie auch wir denen vergeben, die uns verletzt haben“, wobei für das benutzte Wort „ofender“ folgende weitere Übersetzungen angeboten werden: ärgern, beleidigen, beschimpfen, brüskieren, kränken, misshandeln, schmähen, zu nahe treten. Handeln können wir nur heute, durch Umkehr, durch gesundes Denken und daraus folgende Rechtschaffenheit, wenn es möglich ist der Bitte um Entschuldigung oder sogar Wiedergutmachung. Das haben wir jetzt in der Hand, die Vergangenheit nicht.

Exodus 15 (Einheitsübersetzung):

26 Er sagte: Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen gut ist, wenn du seinen Geboten gehorchst und auf alle seine Gesetze achtest, werde ich dir keine der Krankheiten schicken, die ich den Ägyptern geschickt habe. Denn ich bin der Herr, dein Arzt.

Wir können das Gewicht, den Ballaststoff „Schuld“ loslassen, der Ankläger wird entmachtet, die uns würgende Schlange muss ihren Griff öffnen. Das bisher Versteckte darf ans Tageslicht und ich bin davon befreit. Wer immer schon die Erfahrung einer Vergebung gemacht hat, der weiß, welche Last einem da von den Schultern genommen wurde, welcher Stein einem dann von Herzen fällt, wie einem ein Eisblock aus dem Unterbauch verschwinden kann. Meine frühere Psychotherapeutin sagte: Schuldgefühle sind so sinnvoll wie ein Kropf. Ich denke heute: An Schuld festzuhalten, sich darin zu „verbeißen“, das ist sinnlos. Die Last der Schuld jedoch erst einmal zu fühlen, um den Wunsch entstehen zu lassen, sie loszuwerden, das halte ich für hilfreich, eine Lehre daraus zu ziehen für wichtig. Und Jesus hat das auf seine Art gesagt: Ich sterbe für Euch, damit Ihr wisst, dass ich alle Sünden auf mich nehme und ihr sie daher nicht mehr haben müsst. Das ist mein neuer und ewiger Bund.

Und hierfür gilt die Eucharistie-Feier, die heilige Handlung mit dem Kelch. Leider findet die Laienkommunion mit der Gestalt des Weines für mein Gefühl in der katholischen Kirche zu wenig statt, gerade das Ritual des Kelches findet oft nur am Altar und für eine Elite statt, doch er war für uns alle da. Markus 14 (Neues Leben):

23 Anschließend nahm er einen Becher Wein, dankte Gott und gab den Becher seinen Jüngern. Sie tranken >> alle << daraus. 24 Jesus sagte: «Das ist mein Blut, mit dem der neue Bund zwischen Gott und den Menschen besiegelt wird. Es wird zur Vergebung der Sünden vergossen.“

Die Reinigung durch Blut, das alte biblische Bild, symbolisiert durch den Wein, wird hier denen vorenthalten, die es dringend brauchen. Durch das geistige Nachempfinden dieser Aufnahme während der Gabenbereitung können wir uns selbst helfen: während der Lesung des letzten Abendmahls uns in die Schar und Reihe seiner Jünger einreihen und trinken.

Die Kooperation zwischen einem Mensch als Mittler und Gott bei der Heilung wird solange gebraucht, bis eine sichere Kommunikation und Heilungsbeziehung zwischen dem Kranken und Jesus bestehen, die Wahrnehmung mit der Hilfe des heiligen Geistes etabliert ist, das Bibelwort als heilsam erfahren wird. Bis der Kranke die Stimme Jesu in seinem Inneren hören kann und ihr trauen kann. Bis er vielleicht sogar die Anwesenheit Jesu körperlich spüren kann. Eins kann ich aus Erfahrung sagen: Sehr häufig beginnt Jesus mit den Worten: Das ist ganz einfach[3]! Oder: Ich bin da, ich bin bei Dir! Daran könnt Ihr ihn erkennen. Und ja: das Leben ist so gut, kann so gut sein, wie er sagt. Außer den begnadeten und gesegneten Menschen, die von Seiner Stimme, vom Heiligen Geist selbst berufen werden und Ihn selbst spüren und entdecken können, geht der Weg des verlorenen Sohnes oft über einen anderen Menschen und seine Liebe. Jesus hat damit angefangen, er ist als Mensch zu uns gekommen, und die Apostel haben diesen Weg fortgesetzt.

Und dies tun Eltern für ihr Kind und wir alle füreinander. Besinnen wir uns wieder darauf, seien wir füreinander da! Und hier kommt mein „Gott ist ja nicht bescheuert, er macht nichts ohne Sinn“ wieder zum Tragen. Er gibt uns erstmal fühlbar einander, damit wir einander zum Lieben und Wärmen und Heilen haben, damit wir nicht wirklich krank werden. Sinn und Heil durch heilende Sinneserfahrung.

Wenn wir an Seele, Geist oder Körper erkrankt sind, dann ist der beste Heiler der, der sich als Mensch Jesus zur Verfügung stellt, ob nun durch Handauflegen oder Gebet oder ein hörendes Herz. Der Seine Stimme schon sicher hören kann und seine Hinweise deuten kann, der ihm auch Halt aus dem Bibelwort und eigenen Gotteserfahrungen heraus mitgeben kann. Jemand, der durch den Körper die Seele versteht. Jemand, der ihn sanft und liebevoll berührt und Gottes Segen so direkt an den Kranken weitergibt. Jemand, der ihm zuhört und vorübergehend als Dolmetscher zu Gott wirkt.

Einfach solange, bis die Worte und die Denkweise so vertraut sind, dass wir wissen, ja, das sagt jetzt Gott zu uns, wenn wir die innere Stimme hören. Heilung ist damit auch ein kontinuierlicher Vorgang, von der Befreiung spezifischer, akuter Krankheitsauslöser bis zur vollständigen Reinigung und Reinerhaltung unseres gesamten Geistkörpers.

Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass das Handauflegen Gottes Gnade deutlich erfahrbar macht, dass die Menschen sich entspannen und das Gefühl erhalten, mit Gott kann man sich wirklich wohlfühlen. Die dieses Gefühl schon fast vergessen hatten, weil sie es so lange schon nicht gefühlt hatten, auch dass sich jemand für sie einfach lange und liebevoll Zeit genommen hat und nur für ihn da war, ihn einfach so nahm, wie er gerade war. Sie tauen auf. Das Wort, das Gespräch allein reicht oft nicht aus, denn das bleibt oft in unserem Denkapparat stecken, stößt dort auf Widerstand und verstrickt sich dort in Widersprüche und Rationalisierungen, wie oft kommt es nicht in unserem Herzen an! Die Wärme umsorgender Hände, so wie die Hände unserer Mutter, in die wir uns als Kind Trost suchend geflüchtet haben, hat eine unvergleichlich öffnende Funktion. Die Gedanken ebben ab, wir verlegen uns auf das Fühlen, unsere Sinne öffnen sich in Stille und Zeit. Eine meiner Klientinnen bestätigte mir: „Das, was Du mir gesagt hast, das hat mir auch schon eine andere Frau gesagt, doch von ihr konnte ich es nicht annehmen, hatte viel Widerstand. Unter deinen Händen konnte ich es fühlen, mich in der Situation wahrnehmen, konnte durch die Stille heilende Bilder sehen und dadurch verstehen, wie es wirklich ist, hatte die Zeit, mit dem Herzen wahrzunehmen und so es  jetzt selbst zu wissen.“

Wichtig ist in jedem Fall bei solchen Beziehungen, keine dauerhafte Abhängigkeit entstehen zu lassen und immer wieder die direkte Verbindung zwischen Gott und dem Menschen zu fördern und in den Vordergrund zu stellen, auf Jesus selbst zu verweisen. Ein Heiler oder geistiger Lehrer sollte wie ein Medikament nur eine vorübergehende Erscheinung im Leben eines Anderen sein und wie in der Erziehung von Kindern die Selbständigkeit – hier in der Gottesbeziehung – fördern. Irgendwann muss er aus dem Weg treten und den Anderen in Demut der direkten Kommunikation mit Gott über­lassen. Das ist das Ziel der Heilung: Ein stabiles Leben in Gott.

Nach der Heilung durch Gott gilt es, im Guten zu bleiben, alte Gewohnheiten, ob nun im Denken oder Handeln aufzugeben, kontinuierliche Rechtschaffenheit. Das ist wie bei einer Sucht. Auch Jesus kannte dies:

Matthäus 12 (Einheitsübersetzung):

43 Ein unreiner Geist, der einen Menschen verlassen hat, wandert durch die Wüste und sucht einen Ort, wo er bleiben kann. Wenn er aber keinen findet, 44 dann sagt er: Ich will in mein Haus zurückkehren, das ich verlassen habe. Und wenn er es bei seiner Rückkehr leer antrifft, sauber und geschmückt, 45 dann geht er und holt sieben andere Geister, die noch schlimmer sind als er selbst. Sie ziehen dort ein und lassen sich nieder. So wird es mit diesem Menschen am Ende schlimmer werden als vorher.

Was kann dabei helfen? Zum einen ist es das tägliche Widerstehen, ein kleines, schaffbares Ziel sich vorzunehmen, nämlich:  Die nächsten 24 Stunden neu zu handeln!

Lukas 9 (Gute Nachricht Bibel) 23 Dann wandte sich Jesus an alle und sagte: »Wer mir folgen will, muss sich und seine Wünsche aufgeben, muss Tag für Tag sein Kreuz auf sich nehmen und auf meinem Weg hinter mir hergehen.

Das ist ebenfalls so im 12-Schritte Programm der Anonymen Alkoholiker und in den Reiki-Lebensregeln mit „Nur heute sorge dich nicht, nur heute ärgere dich nicht, nur heute sei dankbar.“ Darüber hinaus können im Moment vor dem drohenden Rückfall z.B. folgende Methoden helfen:

  • Das Beste: „Lass mich teilhaben an Deinem Heiligen Geist und Deinem Heiligen Herzen in Jesus Christus!“ „Erfülle mich mit Deinem Geist!“
  • Ein inniges Gebet: „Bitte Herr, nimm diesen Drang, diesen Gedanken von mir“ oder „Erlöse uns von dem Bösen“, die Gnade und Erlösung erfahren
  • die Hand auf dem Herzen, das Einhalten und tiefe Atmen, um sich wieder zu fühlen und den Willen zu stärken
  • ein stärkendes, im Bedarfsfall innerlich gesungenes  Lied, z.B. „Lobe den Herrn“, um einer Versuchung entgegenzuwirken
  • Schaffung und Erlernen neuer, heilsamer Gewohnheiten
  • die bewusste Stärkung von Glaube, Liebe und Hoffnung im eigenen Leben: Immer wieder innehalten und sich fragen: trägt dieser aktuelle Gedanke, diese Handlung jetzt zur Förderung meiner Gesundheit, meines persönlichen Wohlbefindens, zur Stärkung von Glaube, Liebe und Hoffnung bei? Und wenn nicht? Weg damit!
  • eine Rückkehr zu und ein Festhalten an positiven Leitsätzen, heilsamen inneren Bilder
  • ein klares NEIN, ein Gedankenstopp (den Gedanken aktiv wegschicken: „Jetzt aber raus, und mach die Tür von außen zu!“)
  • eine nebenwirkungsfreie Ersatzhandlung (wie z.B. ein Glas Wasser trinken, Abreagieren durch Bewegung, wie der Kaugummi bei der Raucherentwöhnung)

helfen, um die Stimme und das innere Drängen, das „Craving“ zum Verstummen zu bringen.

Und irgendwann kamen diese Worte zu mir: „Herr, bitte befreie mich von der Schlange!“ Das tut er dann auch. Einfach den Satz dreimal aussprechen, dann wurde es mir immer viel leichter und offener in der Gegend des Zwerchfells, ich bekam wieder Luft, und ich konnte mich aus drängenden, unangenehmen Gedanken lösen. Eine gute Sicht kam hinzu.

Das Wichtige an einem solchen Heiler und Therapeuten ist nicht so sehr das Studium (schadet jedoch auf keinen Fall), sondern eigene Heilung und Heilungserfahrung, sichere Verankerung in Gott durch den Heiligen Geist und Vertrauen in seine Gaben, denn der Heilige Geist gibt uns sehr häufig, was wir wissen und sagen sollten, vergleichbar zu Markus 13 (Lutherbibel 1984).

11 Und wenn sie euch hinführen und überantworten werden, so sorgt euch nicht vorher, was ihr reden sollt; sondern was euch in jener Stunde gegeben wird, das redet. Denn ihr seid’s nicht, die da reden, sondern der Heilige Geist.

Oft helfen auch Gleichnisse, ob aus Bibel, eigene positive, ermunternde Erfahrungen oder die anderer.

Zwei weitere Dinge sind unersetzlich: Der Glaube ist die entscheidende Kraft, ob wir es uns zutrauen, zu einem Lahmen zu sagen, „Im Namen Jesu Christi, geh umher!“ wie einst Petrus und uns dann ganz sicher sind, dass er es auch tut. Wenn ein Pfarrer im Sakrament der Eucharistie die Hostien wandelt, dann glauben wir auch jedes Mal daran, und keiner zweifelt, dass die Wandlung geschieht. Das Ergebnis können nur wenige prüfen. Beim Heilen ist das Ergebnis sichtbarer. Man könnte sich ja blamieren…[4]

Die andere Zutat ist die Liebe, die Liebesaustrahlung des Heilers, sein Mitgefühl, sein inniger Heilungswunsch für seinen Nächsten, sein barmherziges Wirken und Gebet, sein Spürenlassen von Liebe. Der Behandelte sollte in seiner Liebe „baden“ können. Wenn die Ausstrahlung von Glaube und Liebe groß genug ist, dann kann sich der Kranke, auf den Glauben und die Liebe des Heilers sich einlassend, ganz einfach „in den Glauben fallen“, dann tritt es ein, das „dein Glaube hat dir geholfen“. Je stärker der Glaube des Heilers, umso mehr vermittelt er durch seine Ausstrahlung und seinen authentischen Habitus statt eines: „Wollen wir mal  sehen, ob wir was tun können!“ ein „Mit Gott sind alle Dinge möglich!“.

Die tiefe Versenkung in Gott und das Geschehen während der Behandlungen, der religiösen Vertiefung ist ebenfalls eine wichtige Zutat. Hierfür ist es gut, wenn der Heiler über einen freien Kopf, einen gelösten Alltag und innere Ruhe und Balance verfügt.

Im Anschluss an einen sonntäglichen Gottesdienst schenkte mir eine Frau eine CD mit Liedern aus dem Marienwallfahrtsort Medjugorje. Ich hörte sie erstmals zwei Tage später während einer Behandlung. Eines der Lieder hieß „Veni Sancte Spirito – komm Heiliger Geist“, danach ein Lied, in dem einfach nur der Name Jesus wie ein Mantra wiederholt wurde. In dieses Lied und in seinen Namen geriet ich so tief hinein, dass ich mich selbst intensiv, eben seelisch-innig mit Jesus verbunden fühlte. Es ist viel passiert in dieser Behandlung, der stachelige Schmerz eines Bandscheibenvorfalls verschwand dauerhaft!

Der Heiler braucht darüber hinaus die Durchlässigkeit für Seine Worte und Seine Kraft und die seiner Helfer, die sichere Kenntnis (inkl. steter Anwendung im eigenen Leben) und Verabreichung von Gottes Medikamenten:

  • Liebe – zum Annehmen, wie es ist, gegen Gleichgültigkeit, Hass, Süchte

Johannes 15 (Lutherbibel 1984): 9 Wie mich mein Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe! 10 Wenn ihr meine Gebote haltet, so bleibt ihr in meiner Liebe, wie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe.

  • Berührung und Wärme – zum Auftauen, gegen Kälte und Einsamkeit
  • Vertrauen und Geborgenheit -  zum Mut fassen, für Veränderungsbereitschaft, für Hoffnung, gegen Angst, Sorgen und Eifersucht; kein Problem ist größer als Gott

Matthäus 6 (Gute Nachricht Bibel): 34 Quält euch also nicht mit Gedanken an morgen; der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Es genügt, dass jeder Tag seine eigene Last hat.

  • Vergebung – zur Entlastung, gegen Schuldgefühle, Verdrängung und sich Verstecken und Verharren,
  • Frieden – zum Vereinen von Gegensätzen, gegen Ärger, Wut, Konflikt und Gegensätzlichkeit,

Römer 15 (Lutherbibel 1984): 13 Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.

  • Dankbarkeit – zum Annehmen, gegen Mangelgefühle, Leidfokussierung, Einfallslosigkeit und Nicht-Verstehen der Realität

1. Thessalonicher 5 (Gute Nachricht Bibel): 18 Dankt Gott in jeder Lebenslage! Das will Gott von euch als Menschen, die mit Jesus Christus verbunden sind.

  • Freude  – zur Motivation, gegen Niedergedrücktheit, Antriebslosigkeit und Verzweiflung

Jakobus 1 (Einheitsübersetzung): 2 Seid voll Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei Versuchungen geratet. 3 Ihr wisst, dass die Prüfung eures Glaubens Ausdauer bewirkt. 4 Die Ausdauer aber soll zu einem vollendeten Werk führen; denn so werdet ihr vollendet und untadelig sein, es wird euch nichts mehr fehlen.

  • Sinn und Verständnis – zum Finden von Gottes Welt, zur Stärkung von Akzeptanz, gegen die Entfremdung und Entfernung davon
  • Verbindung mit der inneren Essenz – zur Entwicklung von Selbstvertrauen, Gottvertrauen durch gemeinsame Heilserlebnisse und Selbstheilung, gegen Wankelmütigkeit, Selbstverleugnung, Selbstablehnung bis hin zum Selbsthass
  • Vereinfachung und Entschleunigung – zum Leben im Hier und Jetzt, gegen die Zersplitterung des Lebens und die Ablenkung vom Wesentlichen

Ohne Beteiligung des Kranken geht es allerdings nicht:

  • Heilungsbereitschaft – die Bereitschaft, sich in seinem Selbst in Liebe anzunehmen
  • Sich selbst gut weiterpflegen durch ein ausgewogenes Maß an Bewegung, Aktivität und Ruhe und eine nährstoffreiche materielle Ernährung

Prediger 10,10 (Einheitsübersetzung): Wenn die Axt stumpf geworden ist und ihr Benutzer hat sie nicht vorher geschliffen, dann braucht er mehr Kraft – Wissen hätte ihm den Vorteil gebracht, dass er sein Werkzeug vorbereitet hätte.

  • Sinnfindung im eigenen Sein und in den eigenen Werken
  • Veränderungsbereitschaft: Situationen und Beziehungen, die zur Veränderung anstehen, auch wirklich ändern, im echten Leben handeln, Umkehr
  • Dem Rückfall aktiv vorbeugen und seine schlechten Gewohnheiten abzulegen
  • Sich selbst einbringen in Seine Welt und zwar genau so, wie man ist.

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[1] Im antiken Griechenland hielt man das Zwerchfell für den Sitz der Seele… Als ob die Seele ein Filter wäre, durch die alles Aufgenommene passieren muss.

[2] Beim Handauflegen am Kopf, am Herzen und am Magen passiert es regelmäßig, dass sich der Darm entspannt und gehäuft Darmgeräusche wie Glucksen auftreten. Dies wird in der Bioenergetik auch als Psychoperistaltik genannt, wo sich bei geistigen und seelischen Verdauungsprozessen eben diese Darmgeräusche einstellen, die nicht durch materielle Verdauung verursacht sind, sondern durch die Entspannung des Darms.

[3] Einfach immer, leicht nicht unbedingt.

[4] Eine geschickte und praktische Gedankenbrücke gibt es in einem Zweig alternativer Medizin, den meine Mutter anwendet. Ab dem Zeitpunkt der Heilung sind alle Wahrnehmungen am Krankheitsherd so genannte „Regelungen“, Wirkungen der Gesundung. Der Geheilte sagt sich, wenn er was fühlt: „Aha, da tut sich was für meine Gesundung!“ anstatt Zweifel oder Unglaube an der Heilung: „Bin ich jetzt doch noch krank oder was ist das jetzt?“ Kränkende Gedanken werden dadurch sehr schön ausgebremst, der Glaube an die Heilung gestärkt, sowohl beim Heiler wie beim Geheilten, das Glaubensgerüst stürzt nicht so schnell wieder ein, der Zweifel findet für seinen giftigen Widerhaken keine Anhaftung.

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