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Am 11. Ok tober kamen wir in Fátima nach schon 11 km an. Am Weg fanden wir einen toten Hund, dessen Bedeutung sollte ich erst später erfahren. Danke Apostel Santiago für diesen langen, wunderschönen, gemeinsamen Weg, all das Glück, dass Du uns gebracht hast, die Veränderungen, alle die Erkenntnisse, die wunderschönen Wege, Straßen und Städte, all die freundlichen Menschen, die sich von Ort zu Ort an den Händen fassten, um uns zu helfen. Danke für all die Gottesdienste, die wir besuchen konnten, danke für das neue Leben, das Alpha nach dem Omega! Danke, dass uns klar wurde, was wir brauchen und was wir loslassen können. Danke für die Treue und das sich selbst treu sein lernen. Danke für Gottes Reich. Danke für all die gelben Flechas und die Muscheln, auch die am Strand von Finisterra!
In Fátima kamen wir an und nach den obligatorischen Fotos am Ortseingangsschild besuchten wir erstmal die Igreja Matriz, die örtliche Kirche. Gerade begann ein französischer Gottesdienst mit einer fast vollständig schwarzen Pilgergemeinde aus Afrika, Elfenbeinküste. Sie zogen zu Beginn des Gottesdienstes in einer polonaiseartigen Prozession durch die Kirche. Ein weißer Padre begleitete sie. Wir sollten ihn die nächsten Tage noch häufiger sehen, er grüßte jedes Mal freundlich. Wir beteten intensiv dankend für das gute Ende unserer Pilgerreise und für unsere kommenden Tage in Fátima. Über dem Altar breitete ein hölzerner „Sagrado Corazón de Jesus“ weit seine Arme für uns aus.
Auf dem Weg zum Sanctuario fanden wir ein chinesisches Restaurant mit erschwinglichen Preisen namens „Boa Sorte“, zu Deutsch „Guter Ausgang“ oder „Gutes Schicksal“. Hier haben wir das erste Mal wieder gemeinsam eine warme Mahlzeit seit Buzy in Frankreich in einem Restaurant zu uns genommen. Und auch hier schloss sich wieder ein Kreis. Bei unserer Abfahrt haben wir als letztes am Alexanderplatz Chinesisch gegessen. Auf dem weiteren Weg zum Sanctuario kamen wir an einer Straße voller Souvenirläden vorbei – wie in Lourdes. Im Tourismusbüro erhielten wir eine Fátimakarte und die Wegbeschreibung zur Unterkunft in der Herberge Pão da Vida – Brot des Lebens -, wo wir drei Tage bleiben konnten, so wie es uns Miguel in Redondela geraten hatte. Wir wurden in getrennten Trakten untergebracht. Der Hospitalero zeigte uns die Pilgerküche im Pão da Vida, sie war eine schlichte Katastrophe, war eher ein zum Hof hin offener Verschlag. Unter dem Beton-Waschtrog mit lediglich kaltem Wasser befanden sich eine große Plastik-Schüssel mit dem stinkigen Abwasser. Beim Gasherd fehlten bei zwei Feuerstellen die Abdeckplatten, das Geschirr war schmierig, weil man es nicht richtig abwaschen kann. Auf dem Tisch lagen alte, verschlissene Plastiktischdecken. Davor standen rissige Holzbänke. Pilgerbescheidenheit in allen Ehren – doch so etwas würde in Deutschland aus gesundheitlichen Gründen geschlossen werden.
Irgendwann entdeckte ich in dem Haus, in dem ich wohnte, eine riesige, vollständig ausgestattete Einbauküche mit warmem Wasser, Abfluss, Herd, einfach allem, blitzsauber. Nun musste mal gut sein! Diese Küche konnte auch für uns sein, wir waren definitiv keine Pilger 2. Klasse.
Wir trafen die zwei Österreicher wieder. Auch sie hatten in Conimbriga nach den Pfeilen gesucht, auch sie hatten in Conimbriga den Weg in Richtung Amphitheater versucht, doch sie hatten den Weg nicht gefunden und waren die N1 über Lleiria gepilgert. Was wir als realisierte Vision von Gottes Reich durchquert hatten, das Tal hinter Conimbriga, das war ihnen verborgen geblieben.
Am Nachmittag besuchten wir die Via Sacra und die Engelshöhe, dort, wo der Engel den Kindern Lucia, Jacinta und Francisco erschienen war. Ein riesiger, freistehender Feigenbaum spendete uns reife Früchte. Wir fanden zum einen wieder einen Pingo Doce Supermarkt und so waren warme Mahlzeiten mit Frango Asado uns für die Fátima-Tage sicher, zum anderen ein Internet-Café.
In der Abenddämmerung durchquerten wir das Sanctuario. Hier wurde uns wieder das Anderssein des portugiesischen Pilgerns deutlich. Im ganzen Sanctuario lagerten die Pilger unter Plastikplanen oder auch so einfach nur auf dem Fußboden, manche nur mit einer Decke. Sie nutzten einfach alles, um unterzukommen. Auch auf dem großen Parkplatz hinter dem Sanctuario standen viele Zelte, Wohnwagen und Wohnmobile, wie ein Campingplatz, auch auf den Straßen waren viele kleine Zelte errichtet. Alles war mehr ein Familien- oder Gruppenerlebnis, es gab große Toilettenhäuser und dort auch einige Duschen. Der übliche Santiagopilger wirkt gegenüber dem üblichen Fátimapilger wie ein gut ausgestatteter, ernsthafter Sportenthusiast mit HighTech-Ausrüsung gegenüber einem Freizeitsportler in weiten Jogginghosen, doch während unserem Gefühl nach der Jakobsweg vom Glaubensweg immer mehr zum modischen Visionquest-Urlaub, Globetrotter-Muss und Selbstfindungstrip a la „Ich bin denn mal weg“ mutiert, steht hier in Fátima der Glaube und die Ausrichtung auf Gott ohne jegliche Religions-Scham im Vordergrund. Die ganze Atmosphäre war heiter, familiär, einfach – Kinder des Glaubens, Gotteskindschaft unter den weichen Händen der Gottesmutter:
Santa Maria, madre de gracia,
madre de misericordia,
en la vida y en la muerte
ampáranos, Madre Nuestra![1]
Nach dem abendlichen Rosario ging es ins Bett. Die Wolldecke, die ich über meinem Schlafsack noch brauchte, roch heftig nach Mottenmittel, aber ich brauchte es immer noch warm, nahm immer noch eine Wärmflasche mit ins Bett. In meinem Zimmer wohnten mit mir noch 4 Portugiesinnen, eine Großmutter mit ihrer Enkelin, deren Gepäck in einem „Hackenmercedes“[2] verstaut war. Die Großmutter lag neben mir und schnarchte und schnarchte die Nächte durch, ohrenbetäubend laut. Die anderen Portugiesinnen waren zwei sehr lebhafte, ältere Damen, immer geschäftig, immer mit Maria auf den Lippen, das war sehr rührend, wenn auch manchmal recht „unruhig“. Sie standen teilweise zwei-, dreimal in der Nacht auf und machten das Deckenlicht an, um auf die Uhr sehen zu können, damit sie nichts für sie Wichtiges verpassten.
Unseren nächsten Tag begannen wir im Sanctuario mit einem Gottesdienst in der Basilica den „Nossa Senhora del Rosario“, den eine große Gruppe von Rad-Pilgern von der Algarve mitgestaltet. An der Capelinha de las Apariciones, dem Kapellchen, dem Herzen des Sanctuarios mit der kleinen, zierlich-feinen Fátima-Statue, dem ersten Bau des Sanctuarios, trafen wir auf eine ganz besondere Glaubensgeste. Auf den Knien legten die Pilger einen ca. 500 m langen Stein-Weg zur Capelinha zurück, umrundeten sie ein bis dreimal auf den Knien, während sie ihren Rosario zu beten. Manche wurden von anderen dabei an der Hand gehalten, geführt. Das haben wir nicht gemacht, das lag nicht in unserer Natur. Wir sind dafür 1500 km gepilgert
In der Mitte des Platzes steht auf einer hohen Säule ein vergoldeter „Sagrado Corazón de Jesus“. Wie schön, auch hier! Umgeben ist die Statue von mehreren Trinkbrunnen. Ein schönes Bild für Johannes 4,14 (Neues Leben): Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, der wird niemals mehr Durst haben. Das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer nie versiegenden Quelle, die unaufhörlich bis ins ewige Leben fließt.
Am Nachmittag begann im Sanctuario die große Prozession für die Weihe der Trinitätskirche mit dem neuen Oratorium von Fátima. Das Sanctuario war brechend voll! Hunderttausende Menschen, alle im Glauben versammelt! Von der Capelinha aus geht die gewaltige Prozession zum Altar vor der Basilika, die Virgen wird auf einem Bett aus Rosen getragen, ihr folgen ca. 200 Padres in elfenbeinfarbenen Gewändern, gefolgt von den Hohen und Wichtigen Portugals. Noch höherer Besuch war da, Tercisio Bertone, der Legat des Papstes, der die Feierlichkeiten führte und die neue Kirche weihte. Die Vírgen wurde dazu auch in die Kirche getragen und stand auf dem Ehrenplatz vorn am Altar. In die Kirche kamen wir natürlich nicht mehr hinein, obwohl sie 9000 Menschen fasst. Der Weihegottesdienst und das Oratorium wurden auf Großleinwänden nach draußen für alle in das Sanctuarium übertragen.
Offizielles Video des Weihegottesdienstes der Igreja Trinidade des Sanctuario de Fátima
Wunderschön, ein Genuß, wir sitzen im warmen Oktoberwetter unter den Bäumen und lauschen dem Oratorium. Wir sind angekommen, auf unseren Füßen und im Herzen. An diesem Tag haben wir einen kompletten Rosario-Zyklus für meinen verstorbenen Vater gebetet. Im Sanctuario bekamen wir am Nachmittag rote Rosen geschenkt von einer amerikanischen Gruppe von Pilgern, die für jede der ca. 2300 Rosen, die sie mitgebracht haben und dort verschenkten, einen öffentlichen Rosario gebetet hatten. Wir haben unterwegs keine 2.300 Rosarios gebetet, doch ca. 150 werden es gewesen sein. Unschöner Zwischenfall dabei: Sie machten mehrere Fotos von der Aktion, davon einige mit einem kleinen portugiesischen Mädchen, das da gerade stand, dem sie einen Blumenstrauß in die Hand drückten. Nach dem Foto nahmen sie ihr den Blumenstrauß einfach kommentarlos wieder aus den Händen. Die Kleine weinte sehr, denn sie war davon ausgegangen, man hätte ihr die Blumen geschenkt. Nein, man hatte sie einfach nur als „Dekoelement“ benutzt. Was wirft ein solches Handeln auf die ganze Aktion, die ganzen Rosenkränze? Nach diesem Erleben legten wir uns ein wenig hin, um für den Rest des Abends voll aufnahmefähig zu sein.
Als Santiago mich zum Einkaufen abholte, bekam er Streit mit der Hospitalera. Er hatte „einfach“ unser Haus betreten und war dort auf die Toilette gegangen, welch eine Freveltat. Als Latino hat Santiago auch ein südamerikanisches Temperament mitbekommen, so artete der Zwischenfall etwas aus.
Für unser Abendbrot setzten wir uns in die Innenküche des „Pão da Vida“. Plötzlich erschien der Hospitalero und schmiss Santiago mit harten Worten und voller Entschiedenheit aus der Küche, daher verblieb uns für ein gemeinsames Mahl nur der Küchenverschlag außen.

Atemberaubend - Fátima Lichtergottesdienst am 12.10.2007 - Bild vom offiziellen Server des Sanctuario de Fátima
Am Abend waren wir in dem 2 ½-stündigen Lichtergottesdienst, hunderttausende von Menschen mit Kerzen auf dem großen Sanctuario. Das ganze Gelände ist voller Lichter, größer als ein Fußballfeld beeindruckender als das Endspiel der WM 2006, das ich im Olympiastadion miterlebte, und dicht gedrängt mit Menschen. Es ist nicht nur romantisch, sondern ergreifend, gigantisch, feierlich, rührend, nahe gehend, gotterfüllt – DIOS ES GRANDE – GOTT IST GROSS - und wir waren mittendrin, Teil der Gemeinschaft der Gläubigen. Der Gesang des Chores erfüllte den riesigen Platz, wir alle sangen das Fátimalied „Avé, avé, avé Maria, avé, avé, avé Maria!“[3], als die zierliche Marienstatue von der Capelinha zum großen Altar getragen wird. Wir fielen kurz nach Mitternacht erschöpft aber glücklich ins Bett.
Offizielles Video der Veranstaltung vom Server des Sanctuario de Fátima
Gegen fünf Uhr morgen rührten sich schon meine portugiesischen Damen, machten in aller Herrgottsfrühe einen heiligen Lärm. Sie wollten – die Arme voller Kerzen, die so lang waren wie sie selber groß – ins Sanctuario, um sie dort – gewidmet ihren großen Familien – dem Feuer zu überantworten. Die eine drückt mir einen zerknitterten Zettel in die Hand, den ihr eine Frau in mehreren Exemplaren zugesteckt hat. Er war ihr sehr heilig und bedeutend und so ist er auch für mich ein bedeutendes Geschenk, das ich in Ehren halte. Er enthält die letzten Worte der Lúcia und ein Bild der Vírgen. Wir verabschiedeten uns herzlich, sie drückten mich, und da drückte ich sie auch zurück.
Pelo Santo Padre!…
Nossa Senhora!…Nossa Senhora!…
Anjinhos!
Coração de Jesus!… Coração de Jesus!
Vamos, vamos…
- Para onde? Preguntou-lhe a Prioresa.
Para o Céu…
- Com quem?
Com Nosso Senhor…Com Nossa Senhora…e os Pastorinhos…![4]
Anders als in Lourdes, wo man Kerzen kaufen kann, um sie anzuzünden, aufzustellen und brennen zu lassen, wirft man hier die Kerzen einfach in ein riesiges Feuer, auch bündelweise, auch Kerzen von 1,50 m Länge, wo sie gleich vollständig schmelzen. Das hatte ich noch nirgendwo gesehen! Und es gab nicht nur Kerzen, man konnte aus Wachs auch Augen, Arme, Beine usw. erstehen, wenn man für seine Gesundheit oder die Genesung Anderer eine Fürbitte unterstützen will.
Am nächsten Tag zur Frühstückszeit traf ich den Hospitalero und sprach ihn auf die Küchensituation an, bat ihn, ob wir wegen meiner Blasenentzündung wohl beide drinnen bleiben könnten. Er lenkte nicht ein, obwohl ihm in unserem Gespräch die Argumente ausgingen, er blieb irgendwann beim unbegründeten Nein. Er war nicht bereit, Santiago in das Haus, in die Küche zu lassen und schlug mir vor, doch selbst drinnen zu essen und Santiago draußen essen zu lassen. Ich sagte zu ihm: “Ich pilgere doch nicht 1500 km mit einem Menschen, mit Santiago, um ihn dann alleine draußen sitzen und essen zu lassen. Was glauben Sie eigentlich, was für ein Mensch in bin?” So bereitete ich unser Frühstück in der Innenküche, wir frühstückten im Verschlag und ich wusch anschließend wieder in der Innenküche ab. Für eine spätere Entscheidung meines Lebens sollte dieser Vorgang zum Thema „Pão da Vida – Brot des Lebens“ noch einmal ein wichtiges Gleichnis werden.

Große Abschiedsmesse in Fátima am 13.10.2007 - Und wir mittendrin! Foto vom offiziellen Server des Sanctuario de Fátima
Zu 10.00 Uhr eilten wir wieder ins Sanctuario, denn dort erwartete uns der Abschiedsgottesdienst. Die Oktobersonne glänzte vom Himmel und wieder erlebten wir eine Eucharistiefeier mit zig Pastoren, die die Hostien unter den Gläubigen verteilten, eine unglaubliche Organisation. Eins wurde uns klar: Unsere Freunde und Helfer, die Bombeiros kommen in Portugal gleich nach dem Herrn. In den Prozessionen standen sie immer in der ersten Reihe der Weltlichen.
Ich hörte ein Gespräch mit, eine Frau möchte auf die andere Seite des Geländes, was aber wegen der Prozession abgesperrt ist. Der Ordner sagt zu ihr: „Für Wunder ist hier „Nossa Senhora“ (unsere Frau, d.h. Santa Maria Virgen) zuständig.“ Recht hat er! Am Ende des Gottesdienstes zogen alle Menschen weiße Taschentücher heraus und winkten der Virgen von Fátima zu, die nun von den Bombeiros vom Altar vor der Basilika wieder zu ihrem Platz an der Capellinha zurückgetragen wurde.
Offizielles Video dieses Abschiedsgottesdienste vom 13.10.2007
Mir kam es aber auch so vor, als ob dies – natürlich nicht nur, aber auch – uns zum Abschied für unsere Pilgerei geschenkt wurde. Schaut her, sagte Er zu uns, soviel Menschen kann ich aufbieten, um euch einen gebührenden Abschied vom Camino zu feiern, sie winken auch für Euch! Ganz großer Bahnhof! Mir kamen gerührt die Tränen, so schön, so intensiv hatte ich es mir nicht vorgestellt! Ein gebührender Ersatz dafür, dass wir in Santiago de Compostela den großen Botofumeiro nicht in Aktion sehen konnten, dass Santiago nicht das erwartete, erhebende Erlebnis gewesen war. Aber unser Pilgerende war ja erst hier in Fátima. Danke für dieses große Fest, danke für diesen Abschied! Wir fühlten uns wahrlich angehoben.
Heute war der Tag, an dem auch der Rest der Welt die neue Kirche ausführlich besichtigen durfte, auch das Oratorium wurde für die breite Öffentlichkeit wiederholt. Wir genossen das wunderbare Konzert. Die Portugiesen waren – wie es schien – nicht ganz so begeistert, viele besichtigten nur die Kirche, setzten sich, hörten kurz zu und standen dann wieder auf, um weiter herumzulaufen. So setzten wir uns weit nach vorn, sahen die Hirtenkinder, den Engel und die Virgen. In dem Programmheft war auch eine deutsche Übersetzung des Textes des Oratoriums. Die Botschaft von Fátima war hier als „Beten und Busse“ gedruckt. Ich schmunzelte: das mit den vielen Bussen, das war sehr präsent hier in Fátima. Anders als in Santiago, wo der einzelne Pilger im Pilgergottesdienst erwähnt wird, wird hier ein starker Schwerpunkt auf die Pilgergruppen gelegt, die in den in Fátima allgegenwärtigen Bussen anreisen, hier waren sie dran. Im Pilgerbüro holten wir uns unseren „Carimbo“ vom Sanctuario de Fátima, der durfte nicht fehlen.
Ein wenig Zeit blieb uns noch, um Souvenirs einzukaufen. Rosarios – das ist DAS Fátima-Souvenir, ganz klar, ein Geschäft nach dem anderen. Santiago kaufte Rosarios für seine ganze Familie, ich besorgte einen schwarzen Rosario für meinen Sohn. Santiago und ich erstanden uns Kruzifixe, denn wir wollen uns selbst einen Rosario basteln.
Für mich war der Abschiedsgottesdienst der letzte religiöse Akt hier in Fátima, das ist, was als Abschluss mir in Erinnerung bleiben sollte und ich mochte, von den vielfältigen Eindrücken gesättigt, früh ins Bett. Santiago machte sich noch zum Abend-Rosario ins Sanctuario auf, er war offensichtlich noch nicht durch mit seinem Programm. Anschließend – wieder im Pão da Vida – entschuldigte er sich beim Hospitalero, die Vírgen hatte ihm beim Rosario den Respekt gegenüber Frauen ans Herz gelegt.
Schlafen konnte ich nicht gleich, denn in meinem Zimmer wohnte inzwischen eine Polin und wir unterhielten uns lange auf Englisch; sie lebte seit einiger Zeit in London. Ich berichtete von unserer Pilgerei und sie erzählte mir von polnischen Pilgerzielen, die sie schon besucht hatte, von Tschenstochau. Sie beneidete mich um meinen Pilgerpartner, sie würde auch gern mit einem Mann zusammen einen solchen Weg beschreiten. Ich wurde mir so auch nochmals bewusst, was für ein Glück, was für eine Gnade mir geschehen war, dass ich den Camino mit Santiago pilgern durfte, es wäre allein – siehe das Tal hinter Conimbriga – nicht dasselbe gewesen.
Mit dieser Reise habe ich nicht nur meinen Kontakt zu Jesus vertieft, sondern bin auch endlich bei der Santa Maria Virgen von tiefstem Herzen angekommen. So viele Frauen in Portugal fangen einfach schon an zu weinen, wenn sie nur den Namen hören. Das Bedürfnis nach einer guten Mutter und nach einer weiblichen Ansprechpartnerin und Fürsprecherin im Himmel ist groß, auch in mir! Das habe ich hier kennen gelernt und gefühlt. Danke dafür!
[1] Heilige Maria, Du Mutter der Gnade, Du Mutter der Barmherzigkeit, im Leben wie im Tode beschütze uns, Du unsere Mutter.
[2] Einkaufswagen mit Rädern
[3] Auf dem Server des Sanctuariums von Fátima kann man sich Videos dieses Abends und des folgenden Morgens herunterladen,, die ich oben eingebunden habe. Auch einige Bild auf dieser Seite ist von diesem Server: www.santuario-fatima.pt
[4] Heiliger Vater! Unsere Herrin, unsere Herrin! Engelchen! Das Herz Jesu, das Herz Jesu! Lasst uns gehen, lasst uns gehen! Wohin? fragt die Äbtissin. In den Himmel… Mit wem? Mit unserem Herrn, mit unserer Herrin, mit den Hirtenkindern…
Fátima war 1917 ein kleines Dorf, ca. 120 km entfernt von Lissabon. Den drei Hirtenkindern Lúcia dos Santos(10), Jacinta Marto(6) und Franciso Marto (8) erschien beim Schafehüten in Ajustrel bei Fátima im Frühling 1916 ein Engel, der sich selbst als Engel des Friedens bezeichnete. Er lehrte sie ein Gebet, bei dem er niederkniete und die Stirn auf die Erde beugte:
„Mein Gott, ich glaube an Dich,
ich bete Dich an,
ich hoffe auf Dich,
ich liebe Dich.
Ich bitte Dich um Verzeihung für jene,
die nicht glauben,
Dich nicht anbeten,
nicht hoffen und Dich nicht lieben.“
Er erhob sich anschließend und schärfte ihnen ein: “Betet so! Die heiligsten Herzen Jesu und Mariens hören auf eure Bitten.“
Die Kinder beteten immer wieder das Gebet. Im Sommer 1916 kam der Engel wieder zu ihnen und gab sich als Schutzengel Portugals zu erkennen. Wieder forderte er sie zum Beten auf, aber auch zu persönlichen Opfern, zur Bekehrung der Sünder und als Wiedergutmachung.Im Herbst kam der Engel wieder und betete ein neues Gebet für sie:
„Allerheiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Hl. Geist, ich opfere Dir auf den kostbaren Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit unseres Herrn Jesus Christus gegenwärtig in allen Tabernakeln der Welt, zur Sühne für alle Schmähungen, Sakrilegien und Gleichgültigkeiten, durch welche Er selbst beleidigt wird. Durch die unendlichen Verdienste Seines Heiligsten Herzens und die des Unbefleckten Herzens Mariens erflehe ich von Dir die Bekehrung der armen Sünder.”
Die Kinder beteten und nahmen Opfer auf sich, indem sie hungerten oder auf Wasser in der Sommershitze verzichteten, sich schmerzhaft mit rauen Stricken banden. Am 13. Mai 1917 erschien den drei Kindern in Cova da Iria die heilige Jungfrau Maria, die sie bat, in den kommenden Monaten jeweils am 13. wieder dort zu erscheinen. Sie fragte die Kinder, ob sie bereit wären, Sühne für die Sünder der Welt zu leisten, was die Kinder ihr versprachen. Dann öffnete sie ihre Hände und die Kinder hatten ein starkes Gotteserleben. Maria bat die Kinder, vor allem den Rosenkranz regelmäßig zu beten.
Am 13. Juni trug Maria Lúcia auf, Lesen und Schreiben zu lernen und täglich den Rosenkranz zu beten. Sie kündigte den baldigen Tod von Jacinta und Francisco an und die Berufung der Lúcia. Bei der 3. Erscheinung einen Monat später hatten die Kinder eine Vision des Fegefeuers, von Teufeln und der Hölle. Russland sollte Mariens unbefleckten Herzen geweiht werden. „Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren, und es wird Friede sein; wenn nicht, dann wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Verfolgungen der Kirche heraufbeschwören, die Guten werden gemartert werden und der Heilige Vater wird viel zu leiden haben; verschiedene Nationen werden vernichtet werden; am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt werden.“
Für den Rosenkranz gab sie ihnen auf, nach jedem Geheimnis folgendes Gebet zu sprechen: “O mein Jesus, verzeihe uns unsere Sünden; bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die Deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen.”
Am 13. August wurden die Kinder daran gehindert, nach Cova de Iria zu gehen. Ebenso wie in Lourdes kamen immer mehr Menschen dazu. Die portugiesische Regierung war jedoch willens, den christlichen Glauben in Portugal auszurotten. Die Kinder verbrachten den Tag im Gefängnis, wo sie jedoch unverbrüchlich zu ihrem Glauben und ihrer Mission standen. Dafür erschien die Gottesmutter ihnen am 19. August und dankte Ihnen.
Am 13. September wurden die Kinder von ca. 25.000 Menschen begleitet. Bei der Erscheinung. Wieder wurden sie zum Rosenkranzbeten aufgefordert. Die Opfer jedoch, die sie sich selbst auferlegt hatten, wurden ihnen abgemildert.
Am 13. Oktober waren ca. 70.000 Menschen gekommen. Wieder bat Maria die Kinder darum, den Rosenkranz zu beten. Sie kündigte ein baldiges Ende des Krieges an und es geschah das große Sonnenwunder von Fátima, während dessen es einige Spontanheilungen gab: Die Sonne erschien wie eine Platte aus mattem Silber, dann tanzte sie am Himmel, dann schien sie wie ein Feuerrad vom Himmel zu fallen und die Zuschauer gerieten in Angst. Dann kehrte die Sonne an ihren gewohnten Platz zurück und alles war wieder normal. Die Kinder sahen den heiligen Josef mit dem kindlichen Jesus auf dem Arm, der die Welt segnete.
Jacinta erkrankte an der spanischen Grippe und verstarb im Alter von 10 Jahren am 10. Februar 1920, auch ihr Bruder Francisco wurde ein Opfer dieser Krankheit, als er am 4. April 1919 starb. Am 13. Mai 1930 wurden die Erscheinungen von Fátima von der Kirche für glaubwürdig erklärt.
Drei „Geheimnisse von Fátima“ werden den Kirchenoberen nach und nach durch Lúcia offenbart:
© Die Vision der Hölle in der Mitte der Erde
© Die Ankündigung des 2. Weltkrieges und die Bekehrung Russlands
© Ein Anschlag auf dem Papst
Die ersten beiden Visionen wurden am 13. Mai 1942 veröffentlicht. Am 31. Oktober 1942 weiht Pius XII. die ganze Menschheit dem Unbefleckten Herzens Mariens in einer Radioansprache in Portugal und wiederholt dieses am 8. Dezember desselben Jahres im Petersdom. Am 25. Mai 1984 vollzieht Papst Johannes Paul II. in Einheit mit den Bischöfen der Kirche die Weihe der Menschen und der Völker an das unbefleckte Herz der Maria. Auf diesen Papst wurde am 13. Mai 1981, am 64. Jahrestag der 1. Marienerscheinung verübt, dem er durch viel Glück und seiner Meinung nach die Hilfe der heiligen Jungfrau entkam. Die letzte Vision wurde erst im Jahr 2000 vom damaligen Kardinal Ratzinger veröffentlicht.
Der Mittelpunkt des Sanktuariums ist eine winzige Kapelle, die Capellinha, die von der Bevölkerung kurz nach den Erscheinungen errichtet wurde. Vor der Capellinha steht eine zarte Marienstatue, die bei großen Events in einer feierlichen Prozession vor die Basilika getragen wird. Zur Capellinha führt ein mit glatten Platten ausgelegter Weg, der von vielen Gläubigen zur Buße, zur Erfüllung eines Gelübdes oder aus Ehrerbietung auf den Knien zurückgelegt wird, danach wird die Kapelle noch dreimal auf Knien umrundet.
Die Basilika, deren Grundstein 1928 gelegt wurde, die „Nossa Senhora do Rosario“ geweiht ist und viele Stufen über dem Sanktuarium trohnt, enthält 15 Seitenaltäre mit den 15 ursprünglichen Rosenkranzgeheimnissen (freudenreiche, schmerzensreiche, glorreiche), über dem Altar ein Bild der Nachricht von Fátima. Jacinta und Francisco wurden später exhumiert und in der Basilika erneut beigesetzt. Am 13. Mai 2000 wurden beide von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.
Der Platz des Sanctuariums ist ca. 750 m lang und 200 m breit. Er reicht von der Basilika bis zum großen Kreuz (ca. 25 m hohes Metallkreuz) und ca. eine halbe Million Menschen können sich dort aufhalten. In der Mitte steht auf einer Säule eine goldene Herz-Jesu-Statue. Sie steht, wie man sagt, über einer Quelle mit heilendem Wasser, drum herum stehen Trinkbrunnen für dieses Wasser.
Die neue Trinitätskirche von Fátima ist die viertgrößte katholische Kirche der Welt und natürlich der größte Sakralbau des 21. Jahrhunderts und wurde am 13. Oktober 2007, in unserer Gegenwart, eingeweiht.
An der Seite des Sanktuariums ist ein Teil der Berliner Mauer ausgestellt als Zeichen der Bekehrung Russlands. Der Kreuzweg in Fátima wurde von Gläubigen aus Ungarn gestiftet als Dank für ihre Befreiung von Kommunismus.
Weblink zur offiziellen Seite des Sanktuariums:









