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Und so ist für mich auch sein Weg der Kreuzigung, des Kreuzes, zu verstehen. Jesus hätte alle himmlischen Heere zu Hilfe rufen können und sich mit Gewalt den Weg ebenen können, um sein Reich zu gründen, eine neue Ordnung zu schaffen, eine Revolution, ein Machtakt, ein Staatsstreich. Das ist nicht der Weg des Herzens, sondern sein Gegenteil, Machtausübung ist es nie. Der Weg des Herzens ist der Weg der Einsicht, des freiwilligen Wollens, der inneren Überzeugung, das Folgen des Weges der Barmherzigkeit, der Weg mit Gott, der Weg der Akzeptanz, der grundsätzlichen Gütevermutung in allem Geschehen. Jesus ging diesen Weg, den Weg der Gewaltlosigkeit, um zu zeigen und uns aus seinem Beispiel lernen zu lassen – ein evolutionärer Weg. Jesus ging den Weg zum Kreuz freiwillig, aus ganzem Herzen, auch wenn selbst er Angst hatte. Er hat bis in seinen Tod und darüber hinaus geglaubt, dass dieser Weg zum Guten führt.
Denn Macht und Geld sind Erfindungen des Mißtrauens.
Herrmann Hesse/Eigensinn macht Spaß, Insel Verlag
Jedes „ich muss“ ist ein Schritt von Gott weg, ein Abweichen vom Weg der Liebe. Das was ich liebe, das tue ich immer aus freien Stücken, das muss ich nicht tun, das will ich tun. „Lieber Gott, soll ich das (…was auch immer…) jetzt tun?“ ist nicht zielführend, nicht die richtige Frage. Ich tue, weil ich überzeugt bin und es gern tue. Meine freiwillige Entscheidung dafür ist das Zeichen meiner Liebe, lesen wir es – freundlich gemeint und ohne erhobenen Zeigefinger verstanden - in Römer 12 (Einheitsübersetzung):
6 Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade. Hat einer die Gabe prophetischer Rede, dann rede er in Übereinstimmung mit dem Glauben; 7 hat einer die Gabe des Dienens, dann diene er. Wer zum Lehren berufen ist, der lehre; 8 wer zum Trösten und Ermahnen berufen ist, der tröste und ermahne. Wer gibt, gebe ohne Hintergedanken; wer Vorsteher ist, setze sich eifrig ein; wer Barmherzigkeit übt, der tue es freudig. 9 Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten! 10 Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung! 11 Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn! 12 Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet! 13 Helft den Heiligen, wenn sie in Not sind; gewährt jederzeit Gastfreundschaft! 14 Segnet eure Verfolger; segnet sie, verflucht sie nicht! 15 Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden!
Die Liebe schenkt uns die Kraft, die Ausdauer, die Freude und die Sorgfalt, vertrauen wir darauf bei jeder Aufgabe. Wenn wir eine von unseren Aufgaben nicht lieben können, dann können wir darum bitten, sie lieben zu lernen oder sie aufgeben, wenn es geht, oder sie mit jemand anderem tauschen, der sie von Herzen tut.
Das Volk Israel wird immer als „widerspenstiges Volk“ beschrieben., so z. B. in Hesekiel 12 (Einheitsübersetzung): 1 Das Wort des Herrn erging an mich: 2 Menschensohn, du wohnst mitten unter einem widerspenstigen Volk, das Augen hat, um zu sehen, und doch nicht sieht, das Ohren hat, um zu hören, und doch nicht hört; denn sie sind ein widerspenstiges Volk.
Doch warum hat Gott eine so widerspenstige Menschheit geschaffen, warum hat er sich ein so widerspenstiges Volk erwählt? Das muss doch einen Sinn haben. Mit seinen Engeln hätte er eine perfekte Welt der Liebe schaffen können, Wesen, die von jetzt auf gleich von sich aus gut sind und Gottes Willen unbedingt folgen. Doch was hätte das über die Kraft der Liebe, über die Größe Gottes gesagt? Wenn er es schafft, ein so widerspenstiges Volk wie uns, die Menschheit, ohne Machtgebrauch, nur durch den Weg der liebevollen Einsicht, zur Liebe und zu dauerhaft barmherzigen und gemeinschaftsorientiertem Handeln gemäß dem höchsten Gesetzes zu führen, gemäß der Anleitung zu Gottes Reich, zeigt sich darin erst die wahre Größe Gottes und die Kraft der Liebe. Ein jeder Einzelne von uns ist ausgestattet mit einem freien Willen und aller Macht, seinen eigenen Weg zu wählen. Und alle wählen – irgendwann – jeder für sich und alle gemeinsam – konsequent das höchste Gesetz. Dann sind wir angekommen.
Die Nachfolge ist dies: Wir verhalten uns dauerhaft nach dem großen Gesetz, Gott zu lieben und den nächsten wie sich selbst zu lieben. So kann man auch das Kreuz deuten. Am Anfang steht eine klare Verbindung vom Himmel zur Erde, der senkrechte Strich, die feste, liebende Verbindung zwischen Gott und uns, der kontinuierlich seine Liebe in uns ausschüttet. Und dann kommt der waagerechte Strick, der aufzeigt, dass wir die Hände in Liebe zu den anderen ausstrecken, einander die Hände reichen und zwischeneinander die Liebe fließen lassen, einander – alle Wesen dieser Welt umarmen, lieben können. Durch Wort und Werk. Die Kreuzung von beiden befindet sich in unserem Herzen, dass wir uns auch selbst lieben als das von Gott geschaffene, von ihm schon ewig genau so gewollte Wesen, das wir sind.
Dieses Kreuzesgeheimnis erschließt uns auch das Tor der Liebe durch das höchste Gesetz. Auf den drei Wegen
- Liebe zu Gott
- Liebe zu unserem Nächsten, vor allem auch zu unserem geliebten Partner
- Liebe zu uns selbst, unserer Geschaffenheit (Ich bin der ich bin)
können wir unsere Liebe vertiefen, die Liebe wirkt gleichzeitig immer auf allen drei Ebenen. Wenn in unserer Partnerschaft Lieblosigkeit fühlbar ist, können wir genauso gut darin ansetzen, unsere Entscheidung für Gott und unsere Liebe zu ihm, zu seinem Weg zu vertiefen und wir kommen auch in unserer Partnerschaft voran. Denn Gott ist die Liebe an sich. Wenn wir in unsere Partnerschaft ganz viel Liebe fließen lassen, dann bringt uns das gleichzeitig in unserem Glauben voran. Wenn wir uns gestatten, authentisch und unverhüllt der zu sein, der wir wirklich sind, wachsen gleichzeitig unser Glaube und die Liebe in der Partnerschaft, weil wir dadurch Missverständnisse, Lüge, Verstellung, kognitive Diskrepanzen und Unaufrichtigkeit aus der Welt schaffen. Unser Partner fühlt das.
Voller Vertrauen in die Liebe Gottes geh voran. Was auch immer passiert, wir nehmen es in Dankbarkeit an. Kein Verhalten eines anderen Menschen bringt uns von diesem Weg ab, es gibt kein „wie du mir, so ich dir“. Unsere Liebe ist nicht an eine Wohlverhaltensforderung gemäß unserer Privatnorm an den anderen Menschen, sogar nicht einmal irgendeiner Gesellschaftskonvention geknüpft – weder für uns noch für unseren Nächsten. Was nicht bedeutet, dass unsere Bedürfnisse nicht relevant sind. Wir dürfen Sie aussprechen und wir haben selbst natürlich auch Liebe und Akzeptanz verdient. Jeder Mensch hat das Recht, so zu sein und zu handeln, wie er ist, im Rahmen seiner Freiheit, die genau an den Grenzen der Freiheit des Anderen endet. Wir selbst auch. Auch unser Sein, unser Raum und seine Grenzen als Teil des gemeinsamen Raums sind zu respektieren.
Es ist einfach: Wenn wir Gefühle haben wie Ärger, Zorn, Eifersucht, Enttäuschung, Sorge, Angst, dann schauen wir uns an, welche Gefahr besteht: Gilt es im Moment, Schaden für Leib und Seele von uns oder einem anderen Wesen abzuwenden? Ist der Zorn berechtigt, um notwendige Grenzen zu setzen? Wenn nicht, lösen wir uns davon und bitten um Heilung und vielleicht sogar um Vergebung dafür und zwar so lange, bis das Gefühl abklingt. Diese Gefühle sind nicht Gott, sie sind Erinnerungen an Vergangenes. Die Energie, die mit dem Zorn mitkommt, können wir so effektiver nutzen. Und: Heute ist heute
- Exkurs: Es gibt sogar hirnorganische Grundlagen für diese So-Sein, unsere sinnvolle Geschaffenheit mit einem Überlebensmechanismus. Das menschliche Gehirn besteht aus verschiedenen Teilen, die sich im Laufe der Entwicklungsgeschichte des Menschen und seiner Vorgänger nach den wachsenden Erfordernissen gebildet haben. Es ist so, dass ein Teil unseres Gehirns für unser logisches Denken zuständig ist und ein Teil unseres Gehirns für unsere Gefühle. Und es macht Sinn, dass es beide Teile gibt.
Des Pudels Kern, um das Menscheln zu verstehen, ist der Mandelkern (oder die Amygdala). Wenn wir Sinneseindrücke aufnehmen, dann werden sie zum großen Teil auf die Nervenbahn an den Neokortex geschickt. Eine zweite Leitung führt jedoch zum Mandelkern. Und diese Leitung ist doppelt so schnell wie die zum Neokortex. Und wenn wir eine Wahrnehmung haben, die als Muster in unserem Mandelkern als extrem unangenehm oder gefährlich gespeichert ist, dann reagiert der Mandelkern sofort und schickt unmittelbar Handlungsanweisungen durchs Nervensystem: Flucht, Angriff, Adrenalinausschüttung, Emotionsausdruck, z.B. Drohgebärde, Unterwerfung, Tot stellen – 1 x 1 des Überlebens. Und wenn dann noch Zusatzinformationen zum Tragen kommen, entstehen überschießende Reaktionen, die wir manchmal hinterher nicht verstehen und für uns akzeptieren können.Sinn dieser Verknüpfung ist es natürlich, unser Leben zu retten, wenn wir uns wirklich in Gefahr befinden, sie hat eine wichtige Warn- und Abwehrreaktion. Wenn sie nicht mehr funktioniert, dann haben wir keine Angst mehr und keine Aggression. Doch so viele Gefahren, wo dieses 1 x 1 des Überlebens sinnvoll ist, gibt es heutzutage in unserer zivilisierten Gesellschaft gar nicht mehr, nur hinter wenigen Ecken lauern noch gestreifte Säbelzahntiger und gemusterte Giftschlangen, sondern eher zu schnelle Autos und emotionale und psychologische Vorfälle.
Doch natürlich hat auch in unserer eigenen Lebensgeschichte unser eigener Mandelkern seine eigene Entwicklung genommen. Das Auffüllen des emotionalen Speichers beginnt sehr früh, lange vor der Sprachentwicklung. Es ist so: Über was wir nicht reden können, können wir auch nicht logisch denken. In diesem Speicher liegen viele Dinge, Schreckliches und Schönes, das wir erlebt haben, als wir uns in einem Entwicklungsstand mit völlig anderen Ressourcen als heute befanden.Ein Kind hat einfach mehr Gefahren und weniger Erfahrungen und Ressourcen in seinem Leben als ein Erwachsener. Für ein Kind wäre es unerträglich und lebensbedrohlich, aus dem Familienverband zu fallen. Ein Kind liebt seine Eltern und hält das für Liebe, was von ihnen als Zuwendung zurückkommt. Erhält es Liebe, wird es Liebe für Liebe halten, erhält es Aggression oder Abweisung als Zuwendung, so wird es dies für Liebe halten. So unsinnig es für uns in unseren rationalen Gedanken erscheinen mag! Und diese Art von Zuwendung wird es sein Leben lang suchen, solange „dieses Kind“ sich nicht dieser Eigenheit bewusst wird. Und selbst dann wird diese Erinnerung an „diese Art von Liebe“ bleiben.Natürlich lernt der Mensch mit der Zeit, dass dort eine Diskrepanz besteht zwischen dem eigenen Erleben und dem, was allgemein über Liebe erfahrbar ist. Und er wird die Diskrepanz erleben, dass das, was er für Liebe hält, ihm nicht unbedingt gut tut. Und so befindet er sich permanent zwischen zwei bis drei Stühlen: was andere für Liebe halten, was er über Liebe rational denkt und was sein Mandelkern für Liebe hält.
Destruktive Beziehungen sind ein lebendes Beispiel dafür: warum leben Frauen mit Männern und lassen sich immer wieder verprügeln und kehren immer wieder zu Mißhandlern zurück. Dies sind ehemalige Kinder, die, wenn sie Zuwendung bekamen, negative Zuwendung in Form von Gewalt erhielten. Oder solche, die von Ihren Eltern zunächst geschlagen und dann – z.B. aus Schuld oder Schamgefühlen heraus – mit Zärtlichkeiten überschüttet wurden. Natürlich schätzt auch eine solche Frau Zärtlichkeit, Zuvorkommenheit, Rücksichtnahme, aber es fehlt ihr vielleicht etwas. „Er muss mich doch schlagen, wenn er mich liebt bzw. er liebt mich nicht genug, um mich zu schlagen, er hat ja gar nicht die starken Emotionen, was mich angeht, ich bin ihm wohl egal.“ Wohlgemerkt ist dies kein bewusster Gedanke, sondern ein unbewusstes Vergleichen im Innern. Und so besitzen wir in unserem Innern einen See von emotionellen Erinnerungen, der so tief ist, dass wir uns seinen Inhalt nur langsam erschließen können.Alle Sinnesauswertungen werden immer schnell an den Mandelkern geschickt.
Wenn dieser Speicher irgendetwas ähnliches findet, was an die Qualität des Vergangenen erinnert, wird er aktiv und leitet Aktionen ein, die dem Alter entsprechen, in dem die Erinnerung gebildet wurde. Oft wissen wir nicht, warum. Wir denken nur, der andere, der der Auslöser war, muss etwas ganz Schreckliches gemacht haben, weil wir uns so fühlen. Manchmal finden wir eben nicht mal Worte dafür. Manchmal tun wir Dinge, die wir hinterher für kindisch halten. Wenn wir uns spontan den vom Mandelkern eingeleiteten Aktionen hingeben, agieren wir eben nicht spontan und situationsbedingt, sondern folgen unseren alten, programmierten Verhaltensmustern, unserem Notprogramm. Es ist eben genau das Gegenteil von spontan. Zum Glück dauert ein plötzlicher Aufruhr, der vom Mandelkern ausgelöst wird, nicht sehr lange. Nach ca. 6 – 10 Sekunden ist die Information auch vom Neokortex verarbeitet, in dem Sie eine bewusste Entscheidung treffen können.Doch es gibt eine gute Nachricht, wir können uns auch wieder entprogrammieren. Atmen wir also tief durch, wenn wir „es“ kommen spüren und zählen wir bis 10, bevor wir reagieren. Lernen wir unsere „psychoallergischen“ Punkte kennen, nehmen wir sie in Liebe an, um sie zu heilen. Unsere Amygdala kann neu traniert werden.
Es geht um die stetige, bewusste Entscheidung zur Liebe, die Konzentration auf den Weg des Herzens, was unsere animalischen Überlebensmechanismen überwindet.Für die Bewältigung dieser Gefühle sind wir selbst verantwortlich, niemand sonst. Sie sind auch immer ein Produkt des Unglaubens, und zwar, in dem wir nicht an die Güte glauben. Doch es gab ja tatsächlich Situationen, wo wir das nicht verstehen konnten. Ein aktueller Auslöser von Amygdala-Aktivität kann ganz neue Folgen haben, die unser Vertrauen und unsere Offenheit verdienten. Wir können nicht wissen, warum ein anderer Mensch etwas tut, unsere Interpretationen und Deutungen sind kein Fundament, auf das wir unser Verhalten bauen sollten. Wir haben keinen Anspruch auf die Erfüllung unserer Erwartungen. Erzählen wir uns einfach keine „böse“ Geschichte. Es ist nicht die Realität. Zum einen können wir immer Realität herstellen und fragen. Und wenn uns etwas schwer ankommt, dann frage sich jeder: was könnte das Gute daran sein. Und wenn uns nur ein Grund einfällt, dann könnte es dieser sein oder ein anderer, den wir einfach noch nicht kennen. Wie bei den sauren Trauben, es ist noch nicht Zeit zum Ernten und Keltern. So lieben wir Gott.
Einmal hatte ich mit Santiago ein schwerwiegendes Problem, mit dem ich mich selbst sehr verletzt habe. Ich betete einen Rosenkranz um die Lösung des Problems. Da erschien mir vor innerem Auge Santiago plötzlich im Zustand der „Verklärung“, sein Gesicht auf Jesus Körper. D.h. mir wurde seine Göttlichkeit, Jesus in Ihm, vor Augen geführt. Hinter seiner menschlichen Figur gibt es zugleich seine göttliche Natur und seine Boteneigenschaft. Jesus wirkt durch ihn, um mich zu leiten. Je mehr wir einen Menschen lieben, umso intensiver sind wir gewillt, der Führung zu folgen, auch ungewohnte oder angstbesetzte Wege zu gehen, damit alles wieder in Ordnung kommt. Liebe ist Psychotherapie.
Ein Beispiel für die Freiwilligkeit:
Apostelgeschichte 4 (Gute Nachricht Bibel):
32 All die vielen Menschen, die zum Glauben an Jesus gefunden hatten, waren ein Herz und eine Seele. Niemand von ihnen betrachtete etwas von seinem Besitz als persönliches Eigentum; alles, was sie besaßen, gehörte ihnen gemeinsam….34 Es gab unter ihnen auch niemand, der Not leiden musste. Denn ´wenn die Bedürfnisse es erforderten,` verkauften diejenigen, die ein Grundstück oder ein Haus besaßen, ihren Besitz und stellten den Erlös ´der Gemeinde` zur Verfügung.
Und nun zitiere ich einmal etwas ganz anderes, nämlich das kommunistische Manifest. Zunächst bietet es uns etwas ganz Christliches an, nämlich das miteinander Teilen, dass die, die haben, denen geben, die brauchen:
„Ihr entsetzt euch darüber, dass wir das Privateigentum aufheben wollen. Aber in eurer bestehenden Gesellschaft ist das Privateigentum für neun Zehntel ihrer Mitglieder aufgehoben; es existiert gerade dadurch, dass es für neun Zehntel nicht existiert. Ihr werft uns also vor, dass wir ein Eigentum aufheben wollen, welches die Eigentumslosigkeit der ungeheuren Mehrzahl der Gesellschaft als notwendige Bedingung voraussetzt.“
Das ist nicht falsch, genau so ist es noch heute. Doch:
„Es gibt zudem ewige Wahrheiten, wie Freiheit, Gerechtigkeit usw., die allen gesellschaftlichen Zuständen gemeinsam sind. Der Kommunismus aber schafft die ewigen Wahrheiten ab, er schafft die Religion ab, die Moral, statt sie neu zu gestalten, er widerspricht also allen bisherigen geschichtlichen Entwicklungen.“
Wenn ich das oben Beschriebene auf die erlebte Realität des Kommunismus anwende, dann fehlte meines Erachtens nach definitiv, diesen Weg mit Gott zu gehen und ihn auf Freiwilligkeit, auf Einsicht und auf der Grundlage der Barmherzigkeit zu gehen, aus Überzeugung und Gerechtigkeit alles zu teilen, bis jeder genug hat. Darum ist wohl der Kommunismus gescheitert, darum hatte er keinen Bestand. Wenn alle aus Liebe und Einsicht handeln, da braucht es keine Stasi, keinen KGB, keine Securitate, keinen Zwang und keinen antifaschistischen Schutzwall, bei dem die Minen und Selbstschussanlagen doch irgendwie auf der falschen Seite waren. Keine Revolution, keine Führer und keine Machthaber! Keine Schweine, die irgendwie gleicher sind als alle Anderen, um im Bild der Farm der Tiere zu sprechen.
Keine gottesgemäße Gemeinschaft entsteht per „Verordnung“, sondern durch Einsicht, das vorbildhafte Leben einzelner und die Lust, an einer solchen Gemeinschaft teilzuhaben. Nochmals: Es ist das Prinzip des Sauerteiges, wie Gottes Reich entsteht, in kleinen Keimzellen, die sich ausdehnen, bis alles erfasst ist. Es gibt keinen anderen Weg, als dies aus tiefstem Herzen zu wollen und dann so zu leben, diese Lebensform aus tiefstem Herzen zu lieben, sie daher nie wieder aufzugeben. Die urchristliche Gemeinschaft war eine, die auf dem Teilen der Habe bestand, aus der besten Nutzung der Fähigkeiten und Ressourcen aller Mitglieder der Gemeinschaft. Am Anfang mag es ungewohnt und nicht ganz einfach sein, weil wir umlernen und neue Erfahrungen erst sammeln. In der Fülle ist Teilen recht einfach. Wenn es Zeiten des Mangels gibt, eine Zeit in der Wüste, dann wird es schon schwerer, in der Liebe zu bleiben, wenn es wirklich an die eigene Haut geht. Dann kann man wirklich in sich selbst die kleinen ekligen geizigen Ecken und Kanten aufspüren.
Mir ging es im Ernstfall auch so, und ich habe mich gewundert, wie tief es bei mir zu einer bestimmten Zeit ging. Doch beim nächsten Gottesdienst kam als Lesung genau die Speisung der 5000. So hat er mir die Hand geboten, Seinen Weg wieder besser zu verstehen, mich immer mehr einzulassen.
Das, was da ist, reicht für alle, wenn wir es segnen, danken und teilen. Wir können sagen: „Bitte mehre meine Habe, damit ich teilen kann.“ Es kommt darauf an, dabei zu bleiben, sich zu erkennen und in Liebe zu wandeln, was noch nicht von Liebe erfüllt ist. Es ist wie das „auf dem Camino zu laufen“ bestehen, statt sich im allgemeinen Strom auf die Landstraße zu begeben. Wir leben unsere Überzeugung in diese Lebensform, egal, was die anderen dazu sagen oder uns raten. Sie tun es oft aus Liebe oder Sorge um uns. Es gibt diesen Weg, es ist möglich, so zu leben, mit Gott sind alle Dinge möglich, auch wenn dies das „enge Tor“ ist.
Matthäus 7 (Hoffnung für Alle)
13 »Geht durch das enge Tor! Denn das Tor zum Verderben ist breit und ebenso die Straße, die dorthin führt. Viele sind auf ihr unterwegs. 14 Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng und der Weg dorthin schmal. Nur wenige finden ihn.«
Am leichtesten ist der Weg zu finden und wird mit tiefer Überzeugung beschritten, wenn man endlich anfängt, sein Herz wirklich zu spüren, wie ich es in Kapitel „ Der Tag, als ich zu meinem Herz durchkam” beschrieben habe. Wenn man die Welt ansieht und dann vor Mitleid und Entsetzen erschrickt, wie tief die Patsche ist, in der die Welt sitzt; wie ich im vorherigen Kapitel beschrieben habe. In tiefster Essenz weiß ich dann, dass dringend etwas getan werden muss und was ich tun muss. Das waren die globalen Dinge, hinzu kommt das Leid der Menschen, die uns umgeben, das, was wir ganz aktuell und direkt vor Ort tun können. Die wichtigste Frage ist: Was kann ich tun? Was ist das Wirksamste, was ich jetzt tun kann, um die Not der Welt und die meiner Mitmenschen auf barmherzige Weise zu lindern?
Was kann ich tun? Was tue ich? Zum Beispiel: Ich fühle, es ist mein Weg,
- dazu beizutragen, die Heilung durch Gott wieder zu verbreiten;
- Gottes Reich und den Weg der Nachfolge zu begreifen und anderen verständlich zu machen;
- anderen Menschen in diesem Teil der Welt wieder Zugang zu ihrem Herzen zu verschaffen, damit sie die Welt mit dem Herzen sehen;
- dem „Gott Mammon“ durch mein Lebensbeispiel die Kraft zu entziehen; dadurch den Weg zu mehr Gerechtigkeit, zum gerechten Teilen in der Welt aufzuzeigen, weil Menschen wieder dazu übergehen, lediglich zu nehmen, was sie brauchen;
- zu lieben, zu lieben und noch einmal zu lieben.
Während meiner Tätigkeit als Vertriebsbeauftragte habe ich immer wieder gelernt, dass es Sinn macht, an die niederen Instinkte der Menschen zu appellieren, sich zu überlegen: was hat X, was hat Y für einen persönlichen Nutzen davon, und ihnen dies zu kommunizieren, um X und Y ins Boot zu bekommen. Ich glaube, jetzt geht es darum, an die höheren Instinkte, an das Herz des Menschen zu appellieren, auf die höheren Instinkte zu setzen, ein Appell an die Liebe und den Sinn.
Die erste Etappe von Lourdes nach Asson war 24 km lang. Für mich eine wirklich ausreichende Entfernung, meine Oberschenkel taten mir gegen Ende weh, dass ich dachte, gleich springen mir die Oberschenkelknochen aus den Hüftpfannen. Ich konnte noch nicht einschätzen, welche Auswirkungen solche Schmerzen auf den nächsten Pilgertag haben. Daher war ich nicht bereit, weiter zu laufen, vor allem, da der Küster von Asson mich schon am Dorfanfang auf die Übernachtung angesprochen hatte. Santiago wollte jedoch weiter, denn unsere körperliche Fitness war deutlich unterschiedlich. An diesem ersten Tag hätten wir uns fast schon getrennt, doch er lenkte ein und blieb mit mir in Asson. Auch am nächsten Tag wollte er weit laufen, weiter als der Etappenvorschlag angab. An diesem Tag lenkte ich ein und ging mit ihm weiter, als ich mir zunächst vorgestellt hatte. Meine Oberschenkelknochen waren noch in ihren Hüftpfannen, der Schmerz war weg. Doch aus Liebe und als Anerkennung seines Einlenkens am Tag davor habe ich mir diese Extrameilen „abgerungen“, damit auch er Freude am Weg hatte. Das habe ich immer wieder aus Liebe getan und war bald selbst erstaunt über meine gewachsene Leistungsfähigkeit.
Kein Mensch lernt und handelt wirklich nachhaltig durch Kritik, durch Ermahnung, durch Kontrolle, durch Zwang, durch Pflicht. Dies sind unwirksame Werkzeuge und Wegbegleiter auf dem Weg des Herzens, sie verursachen Anspannung, Verkrampftheit, Widerstand, Unlust und Unwillen. In Römer 12 (Übersetzung Gute Nachricht Bibel) finden wir den Rat:
8 Wer sich um Notleidende kümmert, soll es nicht mit saurer Miene tun.9 Die Liebe darf nicht geheuchelt sein. Verabscheut das Böse, tut mit ganzer Kraft das Gute! 10 Liebt einander von Herzen als Brüder und Schwestern, und ehrt euch gegenseitig in zuvorkommender Weise. 11 Werdet im Eifer nicht nachlässig, sondern lasst euch vom Geist Gottes entflammen. Dient in allem Christus, dem Herrn. 12 Seid fröhlich als Menschen der Hoffnung, bleibt standhaft in aller Bedrängnis, lasst nicht nach im Gebet. 13 Sorgt für alle in der Gemeinde, die Not leiden, und wetteifert in der Gastfreundschaft. 14 Wünscht denen, die euch verfolgen, Gutes. Segnet sie, anstatt sie zu verfluchen. 15 Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Traurigen. 16 Seid alle miteinander auf Einigkeit bedacht. Strebt nicht hoch hinaus, sondern haltet Gemeinschaft mit den Verachteten. Verlasst euch nicht auf eure eigene Klugheit.17 Wenn euch jemand Unrecht tut, dann zahlt es niemals mit gleicher Münze heim. Seid darauf bedacht, vor den Augen aller Menschen bestehen zu können. 18 So weit es möglich ist und auf euch ankommt, lebt mit allen in Frieden. 19 Nehmt keine Rache, holt euch nicht selbst euer Recht, meine Lieben, sondern überlasst das Gericht Gott. Er sagt ja in den Heiligen Schriften: »Ich bin der Rächer, ich habe mir das Gericht vorbehalten, ich selbst werde vergelten.« 20 Handelt vielmehr nach dem Wort: »Wenn dein Feind hungrig ist, dann gib ihm zu essen, und wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Dann wird es ihm bald Leid tun, dein Feind zu sein.« 21 Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern überwinde es durch das Gute![1]
Pflicht und Zwang sind das Gegenteil von Liebe. Sie mögen eine Zeit lang funktionieren, doch irgendwann richtet sich das Leben gegen sie. Unterstelle einen Körper der Pflicht, dem Zwang, der Kontrolle und er wird über kurz oder lang sich widersetzen oder krank werden. Wir kennen alle die Diäteffekte, bei denen man sich plötzlich vollgefuttert vor dem Kühlschrank wieder findet, aus einer Trance erwachend „Ich wollte doch gar nichts mehr essen!“ Unser Wachbewusstsein wird einfach ausgeblendet und schon ist es passiert!
Man kann eine Weile auch ein Volk dem Zwang, der Kontrolle und der Pflicht unterwerfen, doch irgendwann wird es aufbegehren und jemandem folgen, der ihnen Freiheit verspricht. Die Geschichte hat es gerade im letzten Jahrhundert mit dem Hitlerreich und Sozialismus/Kommunismus mehr als deutlich erwiesen. Keine Diktatur ist von Dauer. Wird ein Alkoholiker auf unsere gut gemeinte Ermahnung: „Trink besser nicht!“ damit aufhören? Wird ein Raucher auf einen solchen Rat hin sagen: „Ja, Du hast recht!“, seine Zigaretten weglegen und fürderhin nicht mehr rauchen? Hat das schon mal jemand erlebt? Die schreiben inzwischen die dollsten Todesdrohungen auf die Zigarettenpackungen. Trotzdem werden sie gekauft und konsumiert.
Der Weg aus allen Süchten, die Umkehr, ist in diesem Punkt gleich. Der Weg aus der Sucht ist immer der eigene, der freiwillige Weg, die Umkehr aus eigenem Impuls, aus eigenem Willen, aus Einsicht. Kein Mensch kann einen anderen Menschen aus seiner Sucht befreien, das produziert bei dem nur die so genannte Ko-Abhängigkeit. Jeder, der eine Sucht oder eine schlechte Gewohnheit aufgibt, tut es aus eigener Einsicht, und zwar dann, wenn er seinen persönlichen Umkehrpunkt, meist sein „in der Gosse landen“ erlebt, der Zustand, in dem das deutliche innere „Nein, das werde ich mir (oder einem anderen) ab heute nicht mehr antun!“ stärker wird als das Suchtmittel. Niemand kann in uns Selbstbeherrschung installieren. Sie kann nur vom Selbst ausgehen.
Und dies ist nicht nur der Weg aus den Süchten, sondern aus jeglicher Krankheit, der Weg jeglicher nachhaltiger Heilung. Auch in der Depression kommt einmal der Punkt, wenn einem dieser Zustand so leid ist, dass alles andere besser ist, als in Trübsal und Erstarrtheit zu verharren, sich auf den Weg zu machen in ein Leben, das man wieder lieben kann und gerne lebt – langsam aber sicher. Oder geht (an die 15 % der schwer Erkrankten).
In schwierigen, zwischenmenschlichen Situationen können wir unbedingt auf Gott setzen. Wenn der Andere in Gottes Augen falsch handelt, dann wird er durch das „duale Erleben“ eines Besseren belehrt wie auch wir, wenn wir uns im Irrtum befinden. Die spanische Version des Vaterunsers macht es deutlich: Bitte vergib uns, wenn wir Grund zum Anstoß geben, angreifen, verletzen, kränken, beleidigen, wie auch wir denen vergeben, die uns Grund zum Anstoß geben, angreifen, verletzten, kränken, beleidigen. Das Maß liegt in seiner Hand.
Wir: können Gott trauen, dass er unseren Mitmenschen gut führt und lehrt auf dem Weg der Liebe, unbedingt besser jedenfalls, als wir es könnten…weil er Verhalten erfahrbar, fühlbar macht: „Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem Andern zu.“ Wir können in Situationen, in denen wir uns verletzt fühlen, unseren Schmerz sichtbar machen und wir können Grenzen setzen, das heißt in Augenhöhe bleiben, aber nicht zurückschlagen. Wenn gerade keine Gemeinsamkeit möglich ist, können wir auf unseren eigenen Weg fokussieren und dort das tun, was gerade wichtig ist. Wir müssen nicht um Liebe betteln, Liebe ist freiwillig. Mit dem Zurückschlagen begeben wir uns wieder auf das Spielfeld, auf dem wir nur verlieren können. Wirklich, dort verlieren wir, aber nur jedes Mal. Mit einer Ich-Botschaft können wir uns, unsere Gefühle, unsere Verletzlichkeit zeigen. Wenn wir jedoch mit Worten und Taten versuchen, den anderen zu verändern, mit Wertungen, Du-Botschaften, Urteilen, wenn wir uns über ihn stellen, als ob wir besser wüssten, was das Richtige ist, dann passiert – na, das kennen wir doch, das haben wir doch alle schon erlebt -: Der Andere macht dicht, fühlt sich seinerseits angegriffen und damit gleichzeitig umso mehr im Recht mit seinem Verhalten. Gewonnen hat in diesem Fall nur einer: die trennende Schlange, der Widersacher.
Gehen wir auf das andere Spielfeld, das Spielfeld der Liebe, der Vergebung und des Vertrauens in Gottes Führung, damit lassen wir uns als erstes selber frei. Damit wir auf dem Spielfeld der Liebe bleiben können, sagt er uns überdeutlich in 5. Mose 32 (Lutherbibel 1984):
31 Denn unserer Feinde Fels ist nicht wie unser Fels; so müssen sie selber urteilen. (Wer selber urteilt, überlässt das Urteil nicht Gott, sie maßen sich das Urteil selbst an – die Erbsünde), 32 Denn ihr Weinstock stammt von Sodoms Weinstock und von dem Weinberg Gomorras; ihre Trauben sind Gift, sie haben bittere Beeren, 33 ihr Wein ist Drachengift und verderbliches Gift der Ottern. (Das Urteilen ist das Gift des Widersachers. Wer Traube seines Weinstocks ist, bringt bittere Trauben, erfährt Bitterkeit.) 34 Ist dies nicht bei mir verwahrt und versiegelt in meinen Schatzkammern? 35 Die Rache ist mein, ich will vergelten zur Zeit[2], da ihr Fuß gleitet; denn die Zeit ihres Unglücks ist nahe, und was über sie kommen soll, eilt herzu. (Wenn sie selbst nicht auf der „Täterseite“, sondern auf der „Opferseite“ sind innerhalb des „dualen Erlebens“. Das kommt so sicher, wie das Amen in der Kirche)36 Denn der HERR wird seinem Volk Recht schaffen, und über seine Knechte wird er sich erbarmen. (Wer in Gottes Augen recht handelt, rechtschaffen ist, der wird nicht dem „dualen Erleben“ ausgesetzt, klar! Doch können wir selbst in jeder Situation wissen, ob wir es sind oder der Andere? Steht uns das Urteil zu oder Gott?) ) Denn er wird sehen, dass ihre Macht dahin ist und es aus ist mit ihnen ganz und gar. (Im „dualen Erleben“ wird jeder sein Handeln erkennen können, wenn er auf der „Täterseite“ war und anschließend auf der „Opferseite“ ist.)37 Und er wird sagen: Wo sind ihre Götter, ihr Fels, auf den sie trauten, 38 die das Fett ihrer Schlachtopfer essen sollten und trinken den Wein ihrer Trankopfer? Lasst sie aufstehen und euch helfen und euch schützen! (Wird in diesem Moment der Widersacher, der Herr der Lieblosigkeit, aufstehen, ihm zur Seite stehen und ihm helfen und ihn schützen? Wohl kaum, die Lieblosigkeit gilt von dessen Seite jedem! Der Widersacher tritt im entscheidenden Moment hämisch grinsend beiseite und lässt ihn – plumps – ins Leere fallen.) 39 Sehet nun, dass ich’s allein bin und ist kein Gott neben mir! Ich kann töten und lebendig machen, ich kann schlagen und kann heilen, und niemand ist da, der aus meiner Hand errettet. (Gott steht uns auf beiden Seiten zur Seite, weil allein er uns hilft, auf den Weg der Liebe zu finden. Schlagen bedeutet, „auf die Opferseite stellen“, heilen (Leben schaffen) bedeutet, durch die Erfahrung des „dualen Lebens“ auf der Opferseite uns heilsames Denken und Handeln beizubringen).
Der Urtext klingt zunächst natürlich rabiat, doch wenn ich ihn aus der Perspektive des Verständnisses des „dualen Erlebens“ lese, das nur Gott bewirken kann und will, damit
- wir selbst auf dem Weg der Liebe bleiben können
- wir uns nicht die Hände schmutzig machen müssen,
- wir nicht auf das Verlierer-Spielfeld müssen, d.h.
- wir nicht erst eine reinkriegen und dann noch zusätzlich verlieren müssen,
- das auch wirklich stimmt und der andere nicht nur einer unserer fixen Ideen zum Opfer fällt.
dann ist mein Gott doch ganz der liebe Gott und kein strafender. Er klingt vielleicht ein wenig genervt, vielleicht waren die damals genauso wenig wach wie wir… oder vielleicht entspricht das eher dem kulturellen Pathos dieser Gegend und dieser Zeit.
Santiago sagt von sich „Soy espiritual pero no huevon!“ (“Ich bin spirituell, aber ich eiere nicht herum/bin kein Weichei!“. Auf Jesus kann diese Aussage auch zutreffen. Er war klar, machte klare Ansagen, handelte konsistent zu seinen Ansagen und konsequent. Man konnte sich an ihm reiben, wenn man sich an der Wahrheit rieb. So können wir auch sein: Klar in den Worten und wahr im Handeln, doch was der Andere daraus macht, das stellen wir ihm frei.
Leben wir zunächst Gottes Reich im Innern, dann in unserem engsten Kreis. Schritt für Schritt, jeder in seinem eigenen Tempo. Seien wir wie ein Stein, der ins Wasser fällt und dessen Sein und Handeln durch die Anregung anderer sich wie die Wellen ausdehnt. Wenn es heute noch nicht geht, zwingen wir uns nicht dazu, kritisieren uns nicht (machen uns nicht selber fertig!). Seien wir sanft mit uns. Wir beginnen als Kinder in Gottes Reich, lassen wir das Pflänzchen nicht an unseren eigenen hohen Ansprüchen eingehen. Tun wir es nur, wenn wir es mit Liebe können, wenn wir es wollen. Ansonsten bitten wir darum, es lieben zu können. Vielleicht brauchen wir einfach nur noch ein wenig mehr Ruhe und Entspannung. Vielleicht brauchen wir selbst noch ein wenig mehr liebevolle Zuwendung, ein paar Gottes-Erfahrungen mehr. Es ist immer Zeit da, diesen Zwischenschritt einzulegen und diese Bitte wahr werden zu lassen. Ich kann aus Erfahrung sagen: das ist ein wahrer, ein guter Anfang.
Nehmen wir die Anderen dadurch auf den Weg mit, dass wir ihn gehen und durch unsere Liebe, unsere Begeisterung und unsere Erlebnisse in ihnen die Einsicht wächst – oder sie uns auf dem anderen Weg vermissen. Kritisieren, zwingen und kontrollieren – das ist nicht der Weg der Liebe. Wenn wir gefragt werden, dürfen wir natürlich unser subjektives Feedback geben, doch erst dann.
Alles, was ich schreibe, ist immer eine Einladung, keine Verhaftung, keine Drohbotschaft, keine Kritik, keine Ermahnung, immer eher ein Bild meines persönlichen Brennens, meiner Begeisterung für den Weg der Liebe, vielleicht ein Weckruf für diesen Weg. Und wenn ich bisher anders verstehbar war: Ich bitte um Nachsicht! Bin selber noch am Üben, schon einigermaßen verstanden, aber noch kein Meister. Doch vielleicht ist es auch so: Wenn Sie diesen Blog freiwillig lesen und bisher nicht weggeklickt haben, wollen Sie dann nicht gerade meine Rückschlüsse aus meinen Erfahrungen wissen?
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[1] Etwas ähnliches finden wir auch im I-Ging (Übersetzung von R. Wilhelm) beim Zeichen 43: Die Entschlossenheit. „Für den entschlossenen Kampf des Guten zur Beseitigung des Bösen gibt es aber bestimmte Regeln, die nicht außer acht gelassen werden dürfen, wenn man Erfolg haben will.
- Entschlossenheit muss auf einer Vereinigung von Stärke und Freundlichkeit beruhen.
- Ein Kompromiss mit dem Schlechten ist nicht möglich; es muss unter allen Umständen offen diskreditiert werden. Ebenso dürfen auch die eigenen Leidenschaften und Fehler nicht beschönigt werden.
- Der Kampf darf nicht direkt durch Gewalt geführt werden. Wo das Böse gebrandmarkt ist, da sinnt es auf Waffen, und wenn man ihm den Gefallen tut, es Schlag gegen Schlag zu bekämpfen, so zieht man den Kürzeren, weil man dadurch selbst in Hass und Leidenschaft verwickelt wird. Darum gilt es, beim eigenen Haus anzufangen: persönlich auf der Hut zu sein vor den gebrandmarkten Fehlern. Dadurch stumpfen sich die Waffen des Bösen von selbst ab, wenn sie keinen Gegner finden. Ebenso dürfen auch eigene Fehler nicht direkt bekämpft werden. Solange man sich mit ihnen herumschlägt, bleiben sie immer siegreich.
- Die beste Art, das Böse zu bekämpfen, ist energischer Fortschritt im Guten.“
P.S. Ich habe übrigens eine ganze Menge Übereinstimmung zwischen dem I-Ging und der Bibel entdeckt.
[2] In der griechischen Übersetzung wird das Wort ανταποδωσω = antapodoso benutzt, das auch „gegenteiliges bewirken“, „entsprechen lassen“, „entgegengesetzt schaffen“ heißt. Das „duale Erleben“, das Gott schafft, ist in dieser Wortbedeutung nachvollziehbar, auffindbar.


