Das, was die meisten hier unter Sicherheit verstehen: ein fester Job, eine geregelte Arbeit, ein Haus, ein Auto, eine Altersversorgung, Horten, Halten, Haben, das ist genau der Weg, Sicherheit gänzlich zu verlieren. Man wiegt sich in Sicherheit, doch was ist, wenn in wenigen Jahren die Wahrheit, die jetzt schon abzusehen ist, eintritt. Was ist diese Sicherheit dann noch wert?

Und macht uns diese Lebensform, das Konsumieren, das Haben denn generell glücklich und zufrieden mit dieser Welt? Eher nein: Der Anteil depressiv-erkrankter Menschen liegt derzeit lt. WHO bei 121 Millionen weltweit, Voraussagen der WHO sehen die Depression als zweitverbreitetste Krankheit in 2020, an Depression sterben jährlich 850.000 Menschen. Doch bekanntermaßen geht die Depressionsrate zurück, wenn die Existenz nicht gesichert ist, das hat sich in Kriegszeiten gezeigt.

Wer immer anfängt, das reichlich vorhandene Datenmaterial über diese Erde auszuwerten, der wird eindeutig zu dem Schluss kommen, dass wir als Menschheit derzeit definitiv nicht auf dem Weg der Liebe sind – im „mehr, mehr, mehr“ kann kein Ziel liegen -, dass wir uns mit offenen Augen und freiwillig in den Untergang hineinsteuern, eben durch

  • bewusste Aufrechterhaltung des Hungerelends
  • Bewirken und Zulassen von Umweltverschmutzung
  • Bewirken und Zulassen der Klimakatastrophe
  • unfassbare Ressourcenvergeudung

Es ist fassbar, es ist begreifbar, dass etwas gemacht werden muss, ist es machbar? Können wir den Tanker noch umsteuern?

Ich werde manchmal gefragt, ob wir uns denn ins Mittelalter zurückbegeben sollten. Definitiv nicht! Jetzt, wo wir globale Kooperation entwickelt haben, da ist ein globaler Weg möglich, der vom Einzelnen ausgeht. Keine Inquisition, keine Kreuzzüge, keine Gegner, keine Feinde, keine Schwerter, alle sind im selben Boot und alle wissen jetzt voneinander. Dieser Weg kann sich nur freiwillig, friedlich, gewaltfrei und aus der Liebe heraus entwickeln.

Aus einer Studie der UN-Universität “Weltforschungsinstitut für Wirtschafts­entwicklung“ in Helsinki stammen diese Zahlen (basierend auf Zahlenmaterial aus dem Jahr 2000):

Ein Erwachsener braucht nur 2138 $, um zu den Top 50 der reichsten Menschen der Erde zu gehören, mehr als 61.000 $ werden gebraucht, um zu den Top 10 zu gehören und 510.000 $ ermöglichen die Zugehörigkeit zum Top 1 Prozent der reichsten Menschen der Welt zu gehören.

„Reicher Mann und armer Mann

Standen da und sahen sich an.

Und der Arme sagte bleich:

Wär ich nicht arm, wärst Du nicht reich.“

(Bertolt Brecht, Gedichte [1933-1938])

Die Schätzung der Reichtumsanteile zeigt auf, dass die reichsten 2 Prozent der Weltbevölkerung mehr als die Hälfte des weltweiten Reichtums besitzen, das reichste Prozent besitzt allein 40 % des Besitzes. Die damit verbundene Zahl für die Top 5 Prozent beträgt 71 % und die Top 10 Prozent beträgt 85 %. Im Kontrast dazu: die unteren 50 Prozent der Weltbevölkerung besitzen kaum 1 % des weltweiten Reichtums. Mitglieder der Top 10 Prozent sind 400 mal reicher im Durchschnitt als die genannten 50 % am unteren Ende der Reichtumsskala, und die Top 1 sind fast 2000 mal reicher. Malen wir doch mal eine Torte:

Reichtumsverteilung in der Welt - Herzlos: Die Hälfte der Menschheit besitzt nur 1 % des Reichtums der Welt

Es gibt zur Zeit ca. 6,8 Mrd. Menschen auf der Erde. Das bedeutet:

  • 1 % der Menschheit, d.h. 68 Mio. Menschen behalten das blaue Tortenstück für sich, das ist ungefähr die Bevölkerung von Westdeutschland.
  • 2 % der Menschheit, d.h. 136 Mio. Menschen behalten das weinrote Tortenstück für sich.
  • 3 % der Menschheit, d.h. 204 Mio. Menschen behalten das weiße Tortenstück für sich.
  • 5 % der Menschheit, d.h. 340 Mio. Menschen behalten das grüne Stück für sich.
  • 40 % der Menschheit, d.h. 2.720 Mio.Menschen teilen sich das lila Tortenstück.
  • Das winzige orangene Tortenstück müssen sich 50 % der Menschheit teilen, d.h. 3.400 Mio. Menschen. Kann einer den Hunger jetzt sehen? Und – warum kriegt hier keiner auf die Pfoten?

Adolf Eichmann, Holocaust-Beauftragter Hitlers, wird dieser Satz zugesprochen: „10 Tote sind eine Tragödie, 100 Tote eine Katastrophe, doch 6 Mio. Tote nur noch Statistik.“ Ist das so, soll er Recht behalten? Auch heute noch? Wir regen uns über den Holocaust und den Völkermord an den Juden im 3. Reich auf und lassen jährlich genauso viele Kinder in dieser Welt am Hunger sterben?

Jemand der es wissen muss, Jean Ziegler, UN-Experte für Ernährung, sagt dazu: „Ein Kind, das heute verhungert, wird ermordet!“ Recht hat er! Wir töten durch unser Verhalten. Ein Interview mit ihm hier.

Das zu akzeptieren, das zuzulassen, da nicht drüber sofort in Tränen auszubrechen und dann zu handeln, da haben wir sie nicht mehr alle! Das ist globaler, kollektiver Irrsinn, Wahnsinn, ohne Sinn! Wir haben sie nicht mehr alle, weil nicht alle haben. Wie werden wir gemeinsam zur Besinnung kommen? Wie werden wir gemeinsam aufwachen können? Warum trifft uns das nicht? Woher kommt diese Gefühllosigkeit, diese Hartherzigkeit?

Was gibt uns die Berechtigung für dieses unser Handeln? Weil wir es bezahlen? Geld ist Recht!? Was gibt den Mengen von Kinderschändern die Berechtigung, in Asien mit kleinen Mädchen und Jungen ihre sexuellen Phantasien auszuleben? Weil sie es bezahlen?! Das giergesteuerte Ausnutzen der Bedürftigkeit der Armen: Männer kaufen Frauen, Männer kaufen Männer, Frauen kaufen Männer.

Was gibt Menschen das Recht, weite Teile der Welt Anderen vorzuenthalten? Weil sie es bezahlen?! Wie kann ein Mensch das Recht erhalten, sich herausnehmen, mehr zu nehmen, als er braucht? Dies ist keine Rechtschaffenheit, hier wird mit Geld Recht bezahlt und gekauft. Die ethische Frage wird nur selten gestellt. Jesus in Lukas 16 (Neue Genfer Übersetzung):

14 Das alles hörten auch die Pharisäer, die sehr am Geld hingen, und sie lachten über ihn. 15 Da sagte er zu ihnen: Ihr redet den Leuten ein, dass ihr gerecht seid; aber Gott kennt euer Herz. Denn was die Menschen für großartig halten, das ist in den Augen Gottes ein Gräuel.

Mir auch. Wem noch? Bitte mal Hand hoch…

Lukas 6 (Lutherbibel 1984)

24 Aber dagegen: Weh euch Reichen! Denn ihr habt euren Trost schon gehabt.

Beispielsweise: Was gibt den ausländischen Ölgesellschaften in Ecuador die Berechtigung, den Regenwald und die artenreichen Feuchtgebiete und die Lebensgrundlage indigener Völker durch Umweltverschmutzung zu zerstören? Weil sie bezahlen?!

Matthäus 24 (Lutherbibel 1984): 12 Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten.

Von Ordnung ist hier keine Spur. Wann und wie kommt die Welt wieder in Ordnung? Kann sich das irgendeiner vorstellen, kann sich irgendeiner den Weg dahin vorstellen? Also: Wie kann der Tanker umgesteuert werden?

Der Kommunismus – das hat nicht geklappt, aus verschiedenen Gründen, der Kapitalismus und die Marktwirtschaft auch nicht, das ist heute deutlich zu sehen. Wir haben das alles lange genug ausprobiert, um deutlich zu diesem Schluss zu kommen.

Haben wir schon aufgegeben in der Einstellung „Was kann ich denn schon dazu tun, was kann ich denn daran schon verändern?“ Ja, wie kann es geschehen, dass die Menschen, die haben, sich entscheiden, so lange zu geben, bis alle genug haben, nämlich das, was jeder braucht, den symbolischen Denar vom Weinbergsbesitzer, egal, zu welcher Uhrzeit man dort angefangen hat?

Teilen, verteilen, das geht nur freiwillig, aus Liebe, aus Mitleid, aus einem Gerechtigkeits­sinn, der alle betrifft, nicht nur das Meine und die Meinen, dem Gefühl heraus, dass Ordnung und Harmonie existiert, wenn alle haben, was sie brauchen. Ich glaube, da haben wir alle noch viel zu lernen, ich nehme mich nicht aus.

Es ist an der Zeit: Ein weltweites, gemeinsames Leben nach den Regeln von Gottes Reich. Die Bedienungs­anleitung haben wir schon seit 2000 Jahren im Neuen Testament.

Der Messias war schon da!


Es gibt keinen Grund, es weiter aufzuschieben.

 

Nächster Artikel: Nochmals: Nimm nicht, sondern nimm an

Advertisements